Alle krankheitsmodifizierenden MS-Medikamente auf einen Blick: Wirkstoffgruppe, Art der Gabe, Zulassung in EU und USA, Kinder, Schwangerschaft und Kontrollen – ausdrücklich ohne Rangliste.

  • Abschnitt 123 bis 128 von 441
  • Stand: 29. September 2026
  • zur Übersicht
Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel ist eine wissenschaftlich orientierte, allgemein verständliche Übersicht und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapieentscheidung. Gerade bei Multipler Sklerose (MS) hängt die optimale Behandlung von Alter, Verlaufsform, Krankheitsaktivität, MRT-Befunden, Begleiterkrankungen, Kinderwunsch, Infektionsrisiken, Impfstatus und vielen weiteren Faktoren ab. Bei Kindern und Jugendlichen sollte die Betreuung möglichst in einem Zentrum mit Erfahrung in pädiatrischer Neuroimmunologie erfolgen.

Der Artikel dient der medizinischen Information. Er ersetzt keine individuelle Diagnose oder Therapieentscheidung durch Neurologie, Neuropädiatrie oder ein spezialisiertes MS-Zentrum.

123 Kompakte Gesamtmatrix der DMT-Landschaft 2026

Interferon beta-1a/-1b, Peginterferon beta-1a

  • Typ: injizierbare Immunmodulation.
  • Haupteinsatz: schubförmige MS, heute vor allem bei niedriger bis moderater entzündlicher Aktivität oder wenn Langzeitsicherheit besonders wichtig ist.
  • Pädiatrie: umfangreiche historische Off-label-Erfahrung; formale Altersangaben unterscheiden sich nach Produkt und Region.
  • Schwangerschaft: unter den am besten charakterisierten MS-DMTs; Fortführung kann je nach Produktinformation und klinischer Situation vertretbar sein.
  • Schlüssellimitierung: geringere entzündungshemmende Wirksamkeit als moderne hochwirksame DMTs.

Glatirameracetat

  • Typ: injizierbare Immunmodulation.
  • Haupteinsatz: schubförmige MS mit Wunsch nach sehr lang etablierter Sicherheitsbilanz.
  • Pädiatrie: lange Off-label-Erfahrung; Zulassungsdetails national unterschiedlich.
  • Schwangerschaft: eine der am besten dokumentierten DMT-Optionen.
  • Schlüssellimitierung: moderate Wirksamkeit und häufige Injektionen.

Teriflunomid

  • Typ: oraler DHODH-Hemmer.
  • EU: RRMS ab 10 Jahren.
  • USA: Erwachsene; die US-Produktinformation weist ausdrücklich darauf hin, dass die pädiatrische Anwendung nicht zugelassen ist.
  • Schlüsselstudien: TEMSO, TOWER, TOPIC, TERIKIDS.
  • Schwangerschaft: kontraindiziert; beschleunigtes Eliminationsverfahren ist ein zentraler Bestandteil des Sicherheitsmanagements.

Dimethylfumarat

  • Typ: oraler Fumarat/Nrf2-assoziierte Immunmodulation.
  • EU: RRMS ab 13 Jahren.
  • USA: Erwachsene.
  • Schlüsselstudien: DEFINE, CONFIRM; pädiatrisch CONNECT und weitere Studien.
  • Hauptmonitoring: Lymphozyten und Leberwerte; PML-Risiko insbesondere bei anhaltender Lymphopenie.

Diroximelfumarat

  • Typ: Fumarat mit demselben aktiven Metaboliten Monomethylfumarat wie Dimethylfumarat.
  • Hauptevidenz: vergleichbare systemische Exposition; EVOLVE-MS-2 zeigte vor allem bessere gastrointestinale Verträglichkeit gegenüber Dimethylfumarat.
  • Pädiatrie: wesentlich weniger direkte Daten als für Dimethylfumarat.

Fingolimod

  • Typ: S1P-Rezeptormodulator.
  • EU/USA: relapsende MS ab 10 Jahren.
  • Schlüsselstudien: FREEDOMS, TRANSFORMS, PARADIGMS.
  • Besonderheit: starker pädiatrischer RCT-Nachweis, aber kardiale Erst-Dosis-Effekte, Makulaödem, Infektionen und relevantes Rebound-Risiko nach Absetzen.

Siponimod

  • Typ: selektiver S1P1/5-Modulator.
  • EU: aktive SPMS bei Erwachsenen.
  • Schlüsselstudie: EXPAND.
  • Besonderheit: CYP2C9-Genotypisierung vor Beginn; Nutzen ist am klarsten bei entzündlich aktiver SPMS.

Ozanimod

  • Typ: S1P1/5-Modulator.
  • EU/USA: erwachsene schubförmige MS.
  • Schlüsselstudien: SUNBEAM, RADIANCE.
  • Besonderheit: geringere Notwendigkeit einer generellen stationären Erst-Dosis-Überwachung als bei Fingolimod, aber weiterhin kardiale, ophthalmologische, hepatische und infektiologische Sicherheitsaspekte.

Ponesimod

  • Typ: selektiver S1P1-Modulator.
  • EU/USA: erwachsene aktive relapsende MS.
  • Schlüsselstudie: OPTIMUM gegen Teriflunomid.
  • Besonderheit: relativ kurze pharmakologische Nachwirkung gegenüber Fingolimod; trotzdem ist nach Absetzen auf erneute Krankheitsaktivität zu achten.

Natalizumab

  • Typ: Anti-alpha4-Integrin-Antikörper.
  • EU: hochaktive RRMS bei Erwachsenen.
  • USA: relapsende Formen bei Erwachsenen.
  • Schlüsselstudie: AFFIRM; SENTINEL historisch wichtig; NOVA für verlängerte Dosierungsintervalle.
  • Hauptproblem: PML-Risiko, abhängig von JCV-Status, Expositionsdauer und vorausgegangener Immunsuppression.

Ocrelizumab

  • Typ: Anti-CD20-Antikörper.
  • EU: Erwachsene mit aktiver RMS und Erwachsene mit früher PPMS; am 17.09.2026 positive CHMP-Empfehlung für Erweiterung auf pädiatrische RMS ab 10 Jahren, aber am 28.09.2026 noch keine abschließende Entscheidung der Europäischen Kommission.
  • USA: Erwachsene; pädiatrische Sicherheit und Wirksamkeit laut aktueller US-Produktinformation nicht etabliert.
  • Schlüsselstudien: OPERA I/II und ORATORIO; pädiatrisch OPERETTA-Programm.

Ofatumumab

  • Typ: vollständig humaner Anti-CD20-Antikörper zur subkutanen Selbstinjektion.
  • EU/USA: Erwachsene mit relapsenden Formen.
  • Schlüsselstudien: ASCLEPIOS I/II gegen Teriflunomid; ALITHIOS als Langzeitprogramm.
  • Besonderheit: monatliche Selbstinjektion statt halbjährlicher Infusion.

Ublituximab

  • Typ: glykoengineerter Anti-CD20-Antikörper.
  • EU/USA: Erwachsene mit aktiven relapsenden Formen.
  • Schlüsselstudien: ULTIMATE I/II gegen Teriflunomid.
  • Besonderheit: sehr starke MRT- und Schubreduktion; kein signifikanter Vorteil für bestätigte Behinderungsprogression im gepoolten pivotalen Vergleich.

Rituximab

  • Typ: Anti-CD20-Antikörper, für MS nicht regulär zugelassen.
  • Einsatz: Off-label, besonders stark in skandinavischen Ländern und einigen anderen Gesundheitssystemen.
  • Schlüsselstudien: HERMES, RIFUND-MS; 2026 zusätzlich randomisierte Vergleichsdaten mit Ocrelizumab aus OVERLORD-MS.
  • Besonderheit: große Real-World-Erfahrung und niedrige Arzneimittelkosten in Biosimilar-Systemen, aber kein MS-spezifisches Zulassungsprogramm.

Cladribin-Tabletten

  • Typ: pulsförmige Immunrekonstitution über zwei Jahreskurse.
  • EU: hochaktive schubförmige MS bei Erwachsenen.
  • USA: relapsende Formen bei Erwachsenen, in der Regel nach unzureichendem Ansprechen oder Unverträglichkeit anderer DMTs.
  • Schlüsselstudien: CLARITY, CLARITY Extension, ORACLE-MS.
  • Besonderheit: keine kontinuierliche Einnahme nach den zwei Jahreskursen, aber Lymphopenie-, Infektions-, Schwangerschafts- und Malignitätsaspekte erfordern sorgfältige Selektion.

Alemtuzumab

  • Typ: Anti-CD52-Antikörper, Immunrekonstitution.
  • EU: stark eingeschränkter Einsatz bei hochaktiver oder rasch schwer verlaufender RRMS.
  • Schlüsselstudien: CARE-MS I/II.
  • Besonderheit: sehr hohe Wirksamkeit, aber sekundäre Autoimmunität sowie seltene schwere kardiovaskuläre und immunvermittelte Ereignisse; langes Sicherheitsmonitoring nach der letzten Infusion.

Tolebrutinib/Cenrifki

  • Typ: hirngängiger BTK-Hemmer.
  • EU: seit 19.06.2026 für Erwachsene mit SPMS ohne Schübe in den letzten zwei Jahren.
  • Australien: 2026 ebenfalls zugelassen für nicht-schubförmige SPMS.
  • USA: Stand 28.09.2026 nicht zugelassen; die FDA erteilte im Dezember 2025 einen Complete Response Letter.
  • Schlüsselstudien: HERCULES positiv für Behinderungsprogression; GEMINI 1/2 nicht überlegen gegenüber Teriflunomid bei in RMS.
  • Hauptproblem: Lebertoxizität und deshalb intensives Lebermonitoring.

Mitoxantron

  • Typ: zytotoxisches Immunsuppressivum.
  • Rolle 2026: weitgehend historisch/reserviert, da Kardiotoxizität, therapieassoziierte Leukämie, Gonadotoxizität und kumulative Dosisgrenzen den Nutzen moderner Alternativen meist überwiegen.

Daclizumab

  • Typ: Anti-CD25-Antikörper.
  • Status: weltweit vom Markt genommen.
  • Bedeutung: Lehrbeispiel dafür, dass postmarketing schwerwiegende immunvermittelte Enzephalitis/Meningoenzephalitis das Nutzen-Risiko-Verhältnis einer wirksamen DMT vollständig verändern können.

Azathioprin/Cyclophosphamid und andere ältere Immunsuppressiva

  • Rolle: historisch und regional weiterhin relevant, aber in Ländern mit Zugang zu modernen DMTs keine bevorzugten Standardoptionen.
  • Nutzen der Aufnahme: internationale Versorgung lässt sich sonst nicht korrekt abbilden, insbesondere in ressourcenlimitierten Systemen.

Die krankheitsmodifizierenden MS-Medikamente im Überblick

20 Wirkstoffe und Wirkstoffgruppen der krankheitsmodifizierenden Therapie (DMT – Medikamente, die den Krankheitsverlauf beeinflussen sollen, nicht nur einzelne Symptome). Jede Karte lässt sich aufklappen: Wirkstoffgruppe, Art der Gabe, Zulassung in der EU und in den USA, Kinder und Jugendliche, Schwangerschaft, wichtigste Kontrollen und Schlüsselstudien. Die Karten stehen alphabetisch – die Reihenfolge ist keine Rangfolge.

Nicht als Rangliste lesen – die Wahl richtet sich nach der Person, nicht nach einem „Platz 1“

Die Ergebnisse stammen aus unterschiedlichen Jahrzehnten, Patientengruppen und Messgrößen. Ein Beispiel mit der jährlichen Schubrate (ARR – die durchschnittliche Zahl der Schübe pro Person und Jahr): In der Kinderstudie PARADIGMS lag sie bei 0,12 unter Fingolimod gegenüber 0,67 unter Interferon beta-1a, in der Erwachsenenstudie ULTIMATE I bei 0,08 unter Ublituximab gegenüber 0,19 unter Teriflunomid. Diese beiden Vergleiche lassen sich nicht direkt gegeneinander ausspielen. Ein Medikament, das neue Herde im MRT stark unterdrückt, kann bei schleichender Verschlechterung unabhängig von Schüben (PIRA) oder bei langfristiger Behinderung weniger klar wirken. Umgekehrt kann eine Therapie mit moderater Schubreduktion wegen Schwangerschaftssicherheit, geringer Immunsuppression oder jahrzehntelanger Erfahrung für eine bestimmte Person die geeignetere Wahl sein.

Wichtiger als „Welches Medikament ist Nummer 1?“ sind diese Fragen:

  • Wie hoch ist das unbehandelte Krankheitsrisiko dieser konkreten Person?
  • Was soll verhindert werden: Schub, neue Läsion, PIRA, Übergang in eine SPMS, kognitive Verschlechterung?
  • Welche Risiken bringt die Therapie für Alter, Infektionsstatus, Leber, Herz, Krebsvorgeschichte und Fortpflanzung mit?
  • Welche spätere Abfolge von Therapien bleibt offen?
  • Wie sicher kann ein notwendiger Wechsel durchgeführt werden?

Diese Übersicht enthält deshalb bewusst keine Wirksamkeitsbewertung, keine Punkte und keine Sortierung nach „besser“ – und keine Dosierungen. Auch „oral“ ist keine Wirksamkeits- oder Sicherheitsklasse: Zum Einnehmen gibt es moderat wirksame Mittel ebenso wie solche mit relevantem Rebound- oder Infektionsrisiko.

20 von 20 Wirkstoffen

Alemtuzumab Immunrekonstitution · Infusion über die Vene
Klasse / Typ
Anti-CD52-Antikörper, Immunrekonstitution: senkt T- und B-Lymphozyten (Abwehrzellen) tief ab, danach baut sich das Immunsystem neu auf.
Art der Gabe
Infusion, in wenigen Infusionszyklen; das Sicherheitsmonitoring läuft über Jahre nach der letzten Infusion weiter.
EU-Status (28.09.2026)
stark eingeschränkte hochaktive RRMS Erwachsene
USA-Status
relapsende Formen Erwachsene mit restriktiver Positionierung
Kinder und Jugendliche
keine Zulassung. Pädiatrische Übersicht: keine reguläre breite pädiatrische Standardzulassung 2026; teilweise erhebliche Off-label- und Registererfahrung, besonders für Natalizumab und Rituximab. Der Einsatz gehört in erfahrene pädiatrische MS-Zentren mit ausdrücklicher Nutzen-Risiko-Dokumentation.
Schwangerschaft
Schwangerschaft erst nach Sicherheitsintervall
Wichtigstes Monitoring
jahrelanges Autoimmun-/Nieren-/Schilddrüsenmonitoring
Schlüsselstudien
CARE-MS I/II
Azathioprin Historisch, regional oder vom Markt genommen · Im Text nicht angegeben
Klasse / Typ
Älteres Immunsuppressivum (in der Gesamtmatrix zusammen mit Cyclophosphamid und anderen älteren Immunsuppressiva).
Art der Gabe
Im Text nicht angegeben.
EU-Status (28.09.2026)
off-label/regional
USA-Status
off-label
Kinder und Jugendliche
keine moderne Standardzulassung
Schwangerschaft
umfangreiche Fremdindikationsdaten, aber keine bevorzugte MS-DMT
Wichtigstes Monitoring
Blutbild, Leber, TPMT/NUDT15-Kontext
Außerdem
Rolle laut Gesamtmatrix: historisch und regional weiterhin relevant, aber in Ländern mit Zugang zu modernen DMTs keine bevorzugte Standardoption.
Cladribin-Tabletten Immunrekonstitution · Zum Einnehmen (oral)
Klasse / Typ
Pulsförmige Immunrekonstitution über zwei Jahreskurse; Cladribin reduziert bevorzugt Lymphozyten.
Art der Gabe
Tabletten in zwei jährlichen Behandlungszyklen; danach keine kontinuierliche Einnahme.
EU-Status (28.09.2026)
hochaktive schubförmige MS Erwachsene
USA-Status
relapsende Formen Erwachsene, meist Reserve
Kinder und Jugendliche
keine Zulassung. Pädiatrische Übersicht: keine reguläre breite pädiatrische Standardzulassung 2026; teilweise erhebliche Off-label- und Registererfahrung, besonders für Natalizumab und Rituximab. Der Einsatz gehört in erfahrene pädiatrische MS-Zentren mit ausdrücklicher Nutzen-Risiko-Dokumentation.
Schwangerschaft
kontraindiziert in Expositionsfenstern; Schwangerschaft nach Sicherheitsintervall planbar
Wichtigstes Monitoring
Lymphozyten, Infektionen, VZV, Schwangerschaft, Krebsprävention
Schlüsselstudien
CLARITY, CLARITY Extension, ORACLE-MS
Daclizumab Historisch, regional oder vom Markt genommen · Im Text nicht angegeben
Klasse / Typ
Anti-CD25-Antikörper; 2018 weltweit vom Markt genommen.
Art der Gabe
Im Text nicht angegeben.
EU-Status (28.09.2026)
zurückgezogen
USA-Status
zurückgezogen
Kinder und Jugendliche
keine
Schwangerschaft
nicht anwendbar
Wichtigstes Monitoring
historisches Pharmakovigilanz-Beispiel
Außerdem
Bedeutung laut Gesamtmatrix: Lehrbeispiel dafür, dass erst nach der Markteinführung erkannte schwere immunvermittelte Entzündungen des Gehirns (Enzephalitis/Meningoenzephalitis) das Nutzen-Risiko-Verhältnis einer wirksamen DMT vollständig verändern können.
Dimethylfumarat Fumarate · Zum Einnehmen (oral)
Klasse / Typ
Orales Fumarat, Nrf2-assoziierte Immunmodulation.
Art der Gabe
Zum Einnehmen (oral).
EU-Status (28.09.2026)
RRMS ab 13 Jahren
USA-Status
Erwachsene
Kinder und Jugendliche
EU ab 13. Pädiatrische Übersicht: USA keine pädiatrische Zulassung; Kinderstudie CONNECT gegen Interferon beta-1a.
Schwangerschaft
wachsende, aber kleinere Datenbasis als IFN/GA
Wichtigstes Monitoring
Lymphozyten, Blutbild, Leber, PML-Vigilanz
Schlüsselstudien
DEFINE, CONFIRM; pädiatrisch CONNECT und weitere Studien
Diroximelfumarat Fumarate · Im Text nicht angegeben
Klasse / Typ
Fumarat mit demselben aktiven Stoffwechselprodukt Monomethylfumarat wie Dimethylfumarat.
Art der Gabe
Im Text nicht ausdrücklich angegeben; beschrieben als alternative Formulierung der Fumarattherapie mit potenziell besserer Magen-Darm-Verträglichkeit.
EU-Status (28.09.2026)
Erwachsene RRMS
USA-Status
Erwachsene relapsende Formen
Kinder und Jugendliche
keine etablierte Zulassung. Gesamtmatrix: wesentlich weniger direkte Daten bei Kindern als für Dimethylfumarat.
Schwangerschaft
begrenzte direkte Daten
Wichtigstes Monitoring
wie Fumaratklasse
Schlüsselstudien
EVOLVE-MS-2 (vor allem bessere Magen-Darm-Verträglichkeit gegenüber Dimethylfumarat)
Fingolimod S1P-Rezeptormodulatoren · Zum Einnehmen (oral)
Klasse / Typ
S1P-Rezeptormodulator: hält Lymphozyten in den lymphatischen Organen zurück, sodass weniger davon in Gehirn und Rückenmark gelangen.
Art der Gabe
Zum Einnehmen (oral); der erste orale S1P-Modulator.
EU-Status (28.09.2026)
hochaktive RRMS ab 10 Jahren
USA-Status
relapsende Formen ab 10 Jahren
Kinder und Jugendliche
starke RCT-Evidenz. Pädiatrische Übersicht: EU ab 10 Jahren bei hochaktiver RRMS, USA ab 10 Jahren für relapsende Formen; Kinderstudie PARADIGMS gegen Interferon beta-1a.
Schwangerschaft
kontraindiziert; Washout und Rebound-Plan
Wichtigstes Monitoring
ECG/Erstdosis, Blutbild, Leber, VZV, Auge, Blutdruck
Schlüsselstudien
FREEDOMS, TRANSFORMS, PARADIGMS
Glatirameracetat Injizierbare Immunmodulation · Spritze (Injektion)
Klasse / Typ
Injizierbare Immunmodulation ohne ausgeprägte systemische Immunsuppression.
Art der Gabe
Spritze unter die Haut (subkutan); häufige Injektionen.
EU-Status (28.09.2026)
national zugelassen, schubförmige MS
USA-Status
relapsende Formen
Kinder und Jugendliche
historische Off-label-Erfahrung
Schwangerschaft
sehr große Expositionserfahrung, häufig bevorzugte Option bei Schwangerschaft
Wichtigstes Monitoring
wenig Labor; Haut/Injektion
Interferon beta Injizierbare Immunmodulation · Spritze (Injektion)
Klasse / Typ
Injizierbare Immunmodulation (Interferon beta-1a/-1b, Peginterferon beta-1a); verändert Zytokinsignale, Zellwanderung und Immunaktivierung.
Art der Gabe
Spritze, je nach Präparat unter die Haut (subkutan) oder in den Muskel (intramuskulär); Peginterferon ermöglicht längere Abstände zwischen den Spritzen.
EU-Status (28.09.2026)
Erwachsene, schubförmige MS je Präparat
USA-Status
Erwachsene, relapsende Formen je Präparat
Kinder und Jugendliche
historische Off-label-Erfahrung; produktabhängige Altersangaben
Schwangerschaft
vergleichsweise große Sicherheitsdatenbasis; Fortführung je Risikoabwägung möglich
Wichtigstes Monitoring
Blutbild, Leber, ggf. Schilddrüse
Mitoxantron Historisch, regional oder vom Markt genommen · Im Text nicht angegeben
Klasse / Typ
Zytotoxisches Immunsuppressivum (Zytostatikum).
Art der Gabe
Im Text nicht angegeben.
EU-Status (28.09.2026)
historisch/national unterschiedlich
USA-Status
historische Zulassung für ausgewählte fortschreitende Formen
Kinder und Jugendliche
keine moderne Rolle
Schwangerschaft
reproduktionstoxisch/gonadotoxisch
Wichtigstes Monitoring
Herzfunktion, Blutbild, kumulative Dosis
Außerdem
Rolle 2026 laut Gesamtmatrix: weitgehend historisch/reserviert, da Herzschäden, therapieassoziierte Leukämie, Schäden an den Keimdrüsen und eine lebenslange Obergrenze der Gesamtmenge den Nutzen moderner Alternativen meist überwiegen.
Natalizumab Anti-alpha4-Integrin-Antikörper · Infusion über die Vene oder Spritze (Injektion)
Klasse / Typ
Anti-alpha4-Integrin-Antikörper: blockiert die Wanderung von Abwehrzellen über die Blut-Hirn-Schranke.
Art der Gabe
Infusion über die Vene (intravenös); in Europa auch als Spritze unter die Haut (subkutan). Ein Wechsel von intravenös auf subkutan ist kein Schutz vor PML.
EU-Status (28.09.2026)
hochaktive RRMS Erwachsene
USA-Status
relapsende Formen Erwachsene
Kinder und Jugendliche
off-label bei hochaktiver POMS. Pädiatrische Übersicht: keine reguläre breite pädiatrische Standardzulassung 2026; teilweise erhebliche Off-label- und Registererfahrung, besonders für Natalizumab und Rituximab. Der Einsatz gehört in erfahrene pädiatrische MS-Zentren mit ausdrücklicher Nutzen-Risiko-Dokumentation.
Schwangerschaft
bei hochaktiver MS selektiv fortführbar; neonatale Blutbildrisiken spät
Wichtigstes Monitoring
JCV-Index, MRT, Leber, PML
Schlüsselstudien
AFFIRM; SENTINEL historisch wichtig; NOVA für verlängerte Dosierungsintervalle
Ocrelizumab Anti-CD20-Antikörper · Infusion über die Vene oder Spritze (Injektion)
Klasse / Typ
Anti-CD20-Antikörper: verringert bestimmte B-Zellen des Immunsystems.
Art der Gabe
Klassisch als Infusion über die Vene, halbjährlich. Zusätzlich gibt es eine Form unter die Haut (subkutan): in der EU zugelassen am 25.06.2024, in den USA als Ocrevus Zunovo am 13.09.2024; die Gabe dauert ungefähr zehn Minuten und erfolgt weiterhin nur zweimal jährlich.
EU-Status (28.09.2026)
Erwachsene RMS/PPMS; CHMP-Empfehlung ab 10 Jahren, EC-Entscheid ausstehend
USA-Status
Erwachsene RMS/PPMS
Kinder und Jugendliche
EU-Erweiterung noch nicht final; USA nicht etabliert. Pädiatrische Übersicht: am 17.09.2026 positive CHMP-Empfehlung für RMS ab 10 Jahren; am 28.09.2026 Entscheidung der Europäischen Kommission noch ausstehend.
Schwangerschaft
präkonzeptionelle Strategie möglich; spätexponierte Säuglinge auf B-Zellen/Impfung achten
Wichtigstes Monitoring
HBV, IgG, Impfstatus, Infektionen
Schlüsselstudien
OPERA I/II und ORATORIO; pädiatrisch OPERETTA-Programm; für die Form unter die Haut OCARINA II
Ofatumumab Anti-CD20-Antikörper · Spritze (Injektion)
Klasse / Typ
Vollständig humaner Anti-CD20-Antikörper.
Art der Gabe
Monatliche Selbstinjektion unter die Haut (subkutan) nach der Einleitung, statt halbjährlicher Infusion.
EU-Status (28.09.2026)
aktive RMS Erwachsene
USA-Status
relapsende Formen Erwachsene
Kinder und Jugendliche
keine Zulassung. Pädiatrische Übersicht: Ofatumumab wird teilweise bei hochaktiver POMS in spezialisierten Zentren eingesetzt, je nach Land oft off-label.
Schwangerschaft
Klassenprinzip Anti-CD20
Wichtigstes Monitoring
HBV, IgG, Impfstatus, Infektionen
Schlüsselstudien
ASCLEPIOS I/II gegen Teriflunomid; ALITHIOS als Langzeitprogramm
Ozanimod S1P-Rezeptormodulatoren · Zum Einnehmen (oral)
Klasse / Typ
S1P1/5-Modulator.
Art der Gabe
Zum Einnehmen (oral), mit Aufdosierung zu Beginn.
EU-Status (28.09.2026)
aktive RRMS Erwachsene
USA-Status
relapsende Formen Erwachsene
Kinder und Jugendliche
keine Zulassung
Schwangerschaft
kontraindiziert; Washout
Wichtigstes Monitoring
Blutbild, Leber, kardial, Auge, Blutdruck
Schlüsselstudien
SUNBEAM, RADIANCE
Ponesimod S1P-Rezeptormodulatoren · Zum Einnehmen (oral)
Klasse / Typ
Selektiver S1P1-Modulator.
Art der Gabe
Zum Einnehmen (oral), mit Aufdosierung zu Beginn.
EU-Status (28.09.2026)
aktive RMS Erwachsene
USA-Status
relapsende Formen Erwachsene
Kinder und Jugendliche
keine Zulassung
Schwangerschaft
kontraindiziert; Washout
Wichtigstes Monitoring
ECG, Blutbild, Leber, VZV, Auge, Blutdruck
Schlüsselstudien
OPTIMUM gegen Teriflunomid
Rituximab Anti-CD20-Antikörper · Infusion über die Vene
Klasse / Typ
Anti-CD20-Antikörper, für MS nicht regulär zugelassen.
Art der Gabe
Infusion.
EU-Status (28.09.2026)
off-label
USA-Status
off-label
Kinder und Jugendliche
häufig off-label, regional. Pädiatrische Übersicht: keine reguläre breite pädiatrische Standardzulassung 2026; teilweise erhebliche Off-label- und Registererfahrung, besonders für Natalizumab und Rituximab. Der Einsatz gehört in erfahrene pädiatrische MS-Zentren mit ausdrücklicher Nutzen-Risiko-Dokumentation.
Schwangerschaft
umfangreiche Klassen-/Fremdindikationsdaten; präkonzeptionell nutzbar
Wichtigstes Monitoring
HBV, IgG, Infektionen, Infusionsreaktion
Schlüsselstudien
HERMES, RIFUND-MS; 2026 zusätzlich randomisierte Vergleichsdaten mit Ocrelizumab aus OVERLORD-MS
Siponimod S1P-Rezeptormodulatoren · Zum Einnehmen (oral)
Klasse / Typ
Selektiver S1P1/5-Modulator.
Art der Gabe
Zum Einnehmen (oral).
EU-Status (28.09.2026)
aktive SPMS Erwachsene
USA-Status
relapsende Formen Erwachsene einschließlich aktiver SPMS
Kinder und Jugendliche
keine Zulassung
Schwangerschaft
kontraindiziert; produktspezifischer Washout
Wichtigstes Monitoring
CYP2C9, ECG, Blutbild, Leber, Auge, VZV
Schlüsselstudien
EXPAND
Außerdem
Vor Beginn wird die Erbanlage CYP2C9 bestimmt (Genotypisierung); der Nutzen ist am klarsten bei entzündlich aktiver SPMS.
Teriflunomid DHODH-Hemmer · Zum Einnehmen (oral)
Klasse / Typ
Oraler DHODH-Hemmer: bremst ein Enzym, das sich teilende Lymphozyten für ihre Vermehrung brauchen.
Art der Gabe
Einmal täglich zum Einnehmen (oral).
EU-Status (28.09.2026)
RRMS ab 10 Jahren
USA-Status
Erwachsene
Kinder und Jugendliche
EU ab 10; USA nicht zugelassen. Pädiatrische Übersicht: Kinderstudie TERIKIDS gegen Placebo.
Schwangerschaft
kontraindiziert; beschleunigte Elimination zentral
Wichtigstes Monitoring
Leber, Blutbild, Blutdruck, Schwangerschaft
Schlüsselstudien
TEMSO, TOWER, TOPIC, TERIKIDS
Tolebrutinib (Cenrifki) BTK-Hemmer · Zum Einnehmen (oral)
Klasse / Typ
Hirngängiger BTK-Hemmer (Bruton-Tyrosinkinase-Hemmer).
Art der Gabe
Oral verfügbar (zum Einnehmen).
EU-Status (28.09.2026)
SPMS ohne Schübe in letzten 2 Jahren, Erwachsene (seit 19.06.2026)
USA-Status
nicht zugelassen (Stand 28.09.2026; die FDA erteilte im Dezember 2025 einen Complete Response Letter)
Kinder und Jugendliche
keine Rolle
Schwangerschaft
unzureichende Daten
Wichtigstes Monitoring
intensives Lebermonitoring
Schlüsselstudien
HERCULES positiv für Behinderungsprogression; GEMINI 1/2 bei der jährlichen Schubrate in RMS nicht überlegen gegenüber Teriflunomid
Ublituximab Anti-CD20-Antikörper · Infusion über die Vene
Klasse / Typ
Glykoengineerter Anti-CD20-Antikörper.
Art der Gabe
Infusion über die Vene (intravenös).
EU-Status (28.09.2026)
aktive RMS Erwachsene
USA-Status
relapsende Formen Erwachsene
Kinder und Jugendliche
keine Zulassung. Pädiatrische Übersicht: keine reguläre breite pädiatrische Standardzulassung 2026; teilweise erhebliche Off-label- und Registererfahrung, besonders für Natalizumab und Rituximab. Der Einsatz gehört in erfahrene pädiatrische MS-Zentren mit ausdrücklicher Nutzen-Risiko-Dokumentation.
Schwangerschaft
sehr begrenzte direkte Schwangerschaftsdaten
Wichtigstes Monitoring
HBV, IgG, Impfstatus, Infektionen, Leber
Schlüsselstudien
ULTIMATE I/II gegen Teriflunomid
Abkürzungen und Begriffe auf den Karten
RRMS
Schubförmig-remittierende MS: Verlauf mit Schüben und Phasen teilweiser oder vollständiger Erholung.
RMS, relapsende Formen
Verlaufsformen mit Schüben.
SPMS
Sekundär progrediente MS: Behinderung nimmt zunehmend unabhängig von einzelnen Schüben zu.
PPMS
Primär progrediente MS: von Beginn an steht eine schleichende Verschlechterung im Vordergrund.
POMS
MS mit Beginn vor dem 18. Geburtstag (pädiatrische MS).
PIRA
Behinderungszunahme ohne zeitlichen Zusammenhang mit einem Schub.
Off-label
Einsatz außerhalb der Zulassung. Das bedeutet nicht unwirksam, aber die Zulassungsgrundlage, die standardisierte Dosierung und die Produktinformation unterscheiden sich von denen zugelassener MS-Therapien.
CHMP-Empfehlung, EC-Entscheid
Empfehlung vor einer EU-Zulassung; die abschließende Entscheidung trifft die Europäische Kommission (EC).
IFN/GA
Interferon beta und Glatirameracetat.
PML, JCV
PML ist eine seltene, aber schwere Gehirninfektion durch das JC-Virus (JCV), die unter bestimmten immunsuppressiven Therapien auftreten kann. Der JCV-Index zeigt die Antikörper gegen dieses Virus.
ECG
EKG, Herzstromkurve (bei manchen Mitteln bei der ersten Gabe).
VZV
Varizella-Zoster-Virus, das Windpocken-Virus; geprüft wird der Varizellenstatus.
HBV, IgG
Hepatitis-B-Virus (Suche vor Beginn); IgG sind Immunglobuline, also Antikörper im Blut.
CYP2C9, TPMT/NUDT15
Erbanlagen, die Abbau und Verträglichkeit des jeweiligen Medikaments beeinflussen.
Washout
Geplante Pause zwischen zwei Medikamenten; muss gegen das Risiko neuer Krankheitsaktivität abgewogen werden.
Rebound
Überschießende Krankheitsaktivität nach dem Absetzen.
RCT
Randomisierte kontrollierte Studie.
Stand der Zulassungsangaben: 28.09.2026. Die Übersicht verdichtet komplexe Produktinformationen; „Erwachsene“ bedeutet nicht, dass jede Verlaufsform zugelassen ist – die genaue Anwendung steht in der jeweiligen Produktinformation, und Zulassungen unterscheiden sich zwischen EU, USA und anderen Ländern, bei Kindern besonders stark. EU-, USA-, Kinder-, Schwangerschafts- und Monitoring-Angaben aus der Schnelltabelle dieses Ratgebers; Typ und Schlüsselstudien aus der Gesamtmatrix, Art der Gabe aus den Abschnitten zu den einzelnen Wirkstoffen und zu den neuen Darreichungsformen. Wo der Text die Art der Gabe nicht nennt, steht „im Text nicht angegeben“.

124 Detaillierte Arzneimittelmonographien

Die folgenden Abschnitte ergänzen die kürzeren Medikamentenkapitel der ersten Fassung. Zulassungen können sich zwischen EU, USA und anderen Ländern unterscheiden; bei Kindern ist die regionale Differenz besonders groß.

125 Schnelltabelle: Zulassung, Pädiatrie, Schwangerschaft und Monitoring

Hinweis: Die Tabelle komprimiert komplexe Produktinformationen. "Erwachsene" bedeutet nicht, dass jede Verlaufsform zugelassen ist; die exakte Indikation steht in den jeweiligen Produktinformationen.

Wirkstoff/KlasseEU-Status 28.09.2026USA-StatusPädiatrieSchwangerschaft: KernaussageWichtigstes Monitoring
Interferon betaErwachsene, schubförmige MS je PräparatErwachsene, relapsende Formen je Präparathistorische Off-label-Erfahrung; produktabhängige Altersangabenvergleichsweise große Sicherheitsdatenbasis; Fortführung je Risikoabwägung möglichBlutbild, Leber, ggf. Schilddrüse
Glatirameracetatnational zugelassen, schubförmige MSrelapsende Formenhistorische Off-label-Erfahrungsehr große Expositionserfahrung, häufig bevorzugte Option bei Schwangerschaftwenig Labor; Haut/Injektion
TeriflunomidRRMS ab 10 JahrenErwachseneEU ab 10; USA nicht zugelassenkontraindiziert; beschleunigte Elimination zentralLeber, Blutbild, Blutdruck, Schwangerschaft
DimethylfumaratRRMS ab 13 JahrenErwachseneEU ab 13wachsende, aber kleinere Datenbasis als IFN/GALymphozyten, Blutbild, Leber, PML-Vigilanz
DiroximelfumaratErwachsene RRMSErwachsene relapsende Formenkeine etablierte Zulassungbegrenzte direkte Datenwie Fumaratklasse
Fingolimodhochaktive RRMS ab 10 Jahrenrelapsende Formen ab 10 Jahrenstarke RCT-Evidenzkontraindiziert; Washout und Rebound-PlanECG/Erstdosis, Blutbild, Leber, VZV, Auge, Blutdruck
Siponimodaktive SPMS Erwachsenerelapsende Formen Erwachsene einschließlich aktiver SPMSkeine Zulassungkontraindiziert; produktspezifischer WashoutCYP2C9, ECG, Blutbild, Leber, Auge, VZV
Ozanimodaktive RRMS Erwachsenerelapsende Formen Erwachsenekeine Zulassungkontraindiziert; WashoutBlutbild, Leber, kardial, Auge, Blutdruck
Ponesimodaktive RMS Erwachsenerelapsende Formen Erwachsenekeine Zulassungkontraindiziert; WashoutECG, Blutbild, Leber, VZV, Auge, Blutdruck
Natalizumabhochaktive RRMS Erwachsenerelapsende Formen Erwachseneoff-label bei hochaktiver POMSbei hochaktiver MS selektiv fortführbar; neonatale Blutbildrisiken spätJCV-Index, MRT, Leber, PML
OcrelizumabErwachsene RMS/PPMS; CHMP-Empfehlung ab 10 Jahren, EC-Entscheid ausstehendErwachsene RMS/PPMSEU-Erweiterung noch nicht final; USA nicht etabliertpräkonzeptionelle Strategie möglich; spätexponierte Säuglinge auf B-Zellen/Impfung achtenHBV, IgG, Impfstatus, Infektionen
Ofatumumabaktive RMS Erwachsenerelapsende Formen Erwachsenekeine ZulassungKlassenprinzip Anti-CD20HBV, IgG, Impfstatus, Infektionen
Ublituximabaktive RMS Erwachsenerelapsende Formen Erwachsenekeine Zulassungsehr begrenzte direkte SchwangerschaftsdatenHBV, IgG, Impfstatus, Infektionen, Leber
Rituximaboff-labeloff-labelhäufig off-label, regionalumfangreiche Klassen-/Fremdindikationsdaten; präkonzeptionell nutzbarHBV, IgG, Infektionen, Infusionsreaktion
Cladribinhochaktive schubförmige MS Erwachsenerelapsende Formen Erwachsene, meist Reservekeine Zulassungkontraindiziert in Expositionsfenstern; Schwangerschaft nach Sicherheitsintervall planbarLymphozyten, Infektionen, VZV, Schwangerschaft, Krebsprävention
Alemtuzumabstark eingeschränkte hochaktive RRMS Erwachsenerelapsende Formen Erwachsene mit restriktiver Positionierungkeine ZulassungSchwangerschaft erst nach Sicherheitsintervalljahrelanges Autoimmun-/Nieren-/Schilddrüsenmonitoring
TolebrutinibSPMS ohne Schübe in letzten 2 Jahren, Erwachsenenicht zugelassenkeine Rolleunzureichende Datenintensives Lebermonitoring
Mitoxantronhistorisch/national unterschiedlichhistorische Zulassung für ausgewählte fortschreitende Formenkeine moderne Rollereproduktionstoxisch/gonadotoxischHerzfunktion, Blutbild, kumulative Dosis
Daclizumabzurückgezogenzurückgezogenkeinenicht anwendbarhistorisches Pharmakovigilanz-Beispiel
Azathioprinoff-label/regionaloff-labelkeine moderne Standardzulassungumfangreiche Fremdindikationsdaten, aber keine bevorzugte MS-DMTBlutbild, Leber, TPMT/NUDT15-Kontext

126 Warum die Tabellen nicht als Rangliste gelesen werden dürfen

Die Effektgrößen stammen aus unterschiedlichen Jahrzehnten, Populationen und Endpunkten. Ein -Unterschied von 0,12 versus 0,67 in einer pädiatrischen Studie kann nicht direkt gegen eine ARR von 0,08 versus 0,19 in einer Erwachsenenstudie ausgespielt werden. Auch ein Medikament mit beeindruckender MRT-Unterdrückung kann bei PIRA oder langfristiger Behinderung weniger klar wirksam sein. Umgekehrt kann eine Therapie mit moderater Schubreduktion wegen Schwangerschaftssicherheit, geringer Immunsuppression oder jahrzehntelanger Erfahrung für eine bestimmte Person die geeignetere Wahl sein.

Die praktisch relevanteste Hierarchie lautet deshalb nicht "welches Medikament ist Nummer 1?", sondern:

  • Wie hoch ist das unbehandelte Krankheitsrisiko dieser konkreten Person?
  • Welcher Endpunkt soll verhindert werden: Schub, neue Läsion, PIRA, SPMS-Übergang, kognitive Verschlechterung?
  • Welche Risiken bringt die Therapie für Alter, Infektionsstatus, Leber, Herz, Krebsanamnese und Reproduktion mit?
  • Welche spätere Sequenz bleibt offen?
  • Wie sicher kann ein notwendiger Wechsel durchgeführt werden?

127 Substanzbezogenes Gesamtfazit

Die moderne MS-Therapie lässt sich nicht mehr sinnvoll als lineare Leiter von "schwach" zu "stark" beschreiben. Vier Dimensionen müssen gleichzeitig berücksichtigt werden:

  1. Entzündungskontrolle. Anti-CD20, Natalizumab, Alemtuzumab und andere hochwirksame Strategien unterdrücken Schübe und fokale MRT-Aktivität besonders stark. Direkte RCTs gegen Interferon oder Teriflunomid bestätigen diese Unterschiede.
  2. Progressionsbiologie. PIRA und chronisch aktive Läsionen werden durch reine Schubkontrolle nicht vollständig verhindert. Der dänische Early-High-Efficacy-Vergleich und die Tolebrutinib-HERCULES-Daten zeigen, dass Progression als eigener therapeutischer Endpunkt betrachtet werden muss.
  3. Lebensphase. Ein 14-jähriges Mädchen mit hochaktiver POMS, eine 31-jährige Frau mit Kinderwunsch, ein 48-jähriger JCV-positiver Patient nach sechs Jahren Natalizumab und ein 67-jähriger Patient mit stabiler MS und Hypogammaglobulinämie benötigen keine identische DMT-Strategie.
  4. Langzeitsicherheit und Sequenzierung. MS-Therapie ist selten eine Entscheidung für nur ein Medikament. Sie ist eine Sequenz über Jahrzehnte. Der langfristige Erfolg hängt deshalb nicht nur von der Wirksamkeit des ersten Präparats ab, sondern auch davon, wie sicher gewechselt, deeskaliert, pausiert, eine Schwangerschaft geplant und altersabhängig neu bewertet wird.

Die substanzbezogene Evidenz spricht 2026 insgesamt dafür, bei klar hochaktiver MS eine zu lange Phase unzureichender Therapie zu vermeiden. Gleichzeitig rechtfertigt dies keine pauschale Hochwirksamkeitstherapie ohne individuelle Risikoabwägung. Die stärkste moderne Strategie ist nicht automatisch "das stärkste Medikament", sondern die früh genug gewählte, für die konkrete Person geeignete Therapie mit konsequentem Monitoring und einem vorbereiteten Plan für die nächste Lebens- oder Krankheitsphase.

128 Neue Darreichungsformen – warum die Art der Medikamentengabe für Patienten wichtig ist

Bei MS wird Wirksamkeit häufig so stark in den Vordergrund gestellt, dass eine andere Frage unterschätzt wird: Wie aufwendig ist die Behandlung im Alltag? Für einen Menschen, der über Jahrzehnte behandelt wird, können Infusionsdauer, Anfahrt, Arbeitsausfall, Venenprobleme, Spritzenangst, Nachbeobachtung und Häufigkeit der Behandlung erheblichen Einfluss auf die Lebensqualität haben.

Darreichungsformen verändern normalerweise nicht den grundsätzlichen Wirkmechanismus eines Wirkstoffs. Sie können aber die Versorgung deutlich verändern.

  • Subkutanes Ocrelizumab

Ocrelizumab ist ein gegen CD20 gerichteter monoklonaler Antikörper. Die klassische Form wird intravenös, also über eine Vene, gegeben. Inzwischen gibt es zusätzlich eine subkutane Form, die unter die Haut injiziert wird.

Die Europäische Kommission erteilte im Juni 2024 die Zulassung für subkutanes Ocrelizumab bei schubförmiger MS und PPMS. Die Dosis beträgt 920 mg Ocrelizumab in Kombination mit rekombinanter Hyaluronidase, wodurch die große Wirkstoffmenge unter der Haut verteilt und aufgenommen werden kann. Die Verabreichung dauert ungefähr zehn Minuten und erfolgt weiterhin nur zweimal jährlich.

Die Phase-III-Studie OCARINA II verglich 920 mg subkutanes Ocrelizumab mit 600 mg intravenösem Ocrelizumab. Der war nicht die Schubrate, sondern die Arzneimittelexposition im Blut. Die subkutane Form war bei diesem Endpunkt . Bis Woche 48 war die MRT-Aktivität in beiden Gruppen nahezu vollständig unterdrückt: Bei den auswertbaren Patienten wurden keine gadoliniumaufnehmenden T1-Läsionen beobachtet; neue oder vergrößerte T2-Läsionen waren sehr selten. Mehr als 97 Prozent der Patienten blieben in diesem Zeitraum schubfrei.

Der wichtigste zusätzliche Nachteil der subkutanen Gabe sind Reaktionen an der Injektionsstelle. In OCARINA II waren lokale Reaktionen häufig, aber überwiegend mild bis moderat und nahmen mit weiteren Injektionen ab. Die bekannten systemischen Risiken von Ocrelizumab – beispielsweise Infektionen, verminderte Immunglobuline und verminderte Impfantwort – verschwinden durch die andere Darreichungsform nicht.

In den USA wurde Ocrevus Zunovo, Ocrelizumab plus Hyaluronidase, am 13. September 2024 zugelassen. Für Patienten ist deshalb wichtig, dass Produktnamen, zugelassene Indikationen und praktische Durchführung je nach Land unterschiedlich sein können.

Kernquelle: Newsome SD et al. Neurology 2025;104:e213574. PMID 40245351. Regulatorisch: Europäische Zulassung 25.06.2024; FDA Purple Book, Ocrevus Zunovo, Original Approval Date 13.09.2024.

  • Subkutanes Natalizumab

Auch Natalizumab kann in Europa subkutan verabreicht werden. Laut aktueller EMA-Produktinformation beträgt die subkutane Gesamtdosis 300 mg alle vier Wochen, aufgeteilt auf zwei Fertigspritzen zu je 150 mg.

Die REFINE-Daten und spätere Post-hoc-Analysen sprechen dafür, dass die monatliche subkutane Gabe hinsichtlich MRT-Aktivität und Schubkontrolle mit der monatlichen intravenösen Gabe vergleichbar sein kann. Wichtig ist aber ein Detail: In REFINE waren stark verlängerte Dosierungsintervalle von zwölf Wochen unzureichend; diese Studienarme wurden wegen erhöhter klinischer und MRT-Aktivität vorzeitig beendet. Subkutan bedeutet also nicht, dass das Dosierungsintervall beliebig verlängert werden kann.

2026 kamen zusätzliche Real-World-Daten hinzu. Die italienische EASIER-2-Studie zeigte deutliche Zeitersparnisse: Im Vergleich zur intravenösen Gabe verringerte sich die Zeit der Patienten im Zentrum stark, ebenso die aktive Arbeitszeit des medizinischen Personals. Ein großer Teil der Patienten bevorzugte die subkutane Anwendung. Die deutsch-österreichische SISTER-Studie berichtete ebenfalls hohe Akzeptanz und relevante Zeitersparnis im Routinebetrieb.

Diese Daten sind für die Lebensqualität relevant, beantworten aber nicht die PML-Frage neu. Das Risiko der progressiven multifokalen Leukenzephalopathie hängt bei Natalizumab vor allem mit JCV-Status, Behandlungsdauer und früherer Immunsuppression zusammen. Ein Wechsel von intravenös auf subkutan darf nicht als Schutz vor PML verstanden werden.

Quellen: REFINE, PMID 33821693; Nichtunterlegenheitsanalyse, PMID 38481074; -Analyse, PMID 39226723; EASIER 2, PMID 42429976; SISTER 2026, PMID 42719433; aktuelle EMA-Produktinformation Tysabri.

Alle Kapitel dieses Ratgebers

  1. 1. Was MS ist und was im Körper geschieht Abschnitt 1–8 · 8
  2. 2. Wie häufig MS ist – weltweit und bei Kindern Abschnitt 9–16 · 8
  3. 3. Ursachen und Risikofaktoren Abschnitt 17–26 · 10
  4. 4. Kann man MS verhindern? Abschnitt 27–35 · 9
  5. 5. Risikofaktoren im Einzelnen Abschnitt 36–45 · 10
  6. 6. MS bei Kindern: erste Anzeichen Abschnitt 46–56 · 11
  7. 7. Symptome bei Jugendlichen und Erwachsenen Abschnitt 57–63 · 7
  8. 8. Schub, Pseudoschub und kurze Attacken Abschnitt 64–70 · 7
  9. 9. Die Diagnose und die McDonald-Kriterien 2024 Abschnitt 71–79 · 9
  10. 10. MRT, Nervenwasser und Biomarker Abschnitt 80–90 · 11
  11. 11. Was sonst dahinterstecken kann: MOGAD, NMOSD, ADEM Abschnitt 91–99 · 9
  12. 12. Verlaufsformen, PIRA und Prognose Abschnitt 100–109 · 10
  13. 13. Grundsätze der Therapie Abschnitt 110–118 · 9
  14. 14. Behandlung eines akuten Schubs Abschnitt 119–122 · 4
  15. 15. Die Medikamente im Überblick Abschnitt 123–128 · 6
  16. 16. Interferone, Glatirameracetat, Teriflunomid und Fumarate Abschnitt 129–141 · 13
  17. 17. S1P-Modulatoren: Fingolimod, Ozanimod, Ponesimod, Siponimod Abschnitt 142–151 · 10
  18. 18. Natalizumab Abschnitt 152–157 · 6
  19. 19. Anti-CD20-Therapien Abschnitt 158–169 · 12
  20. 20. Cladribin, Alemtuzumab und ältere Mittel Abschnitt 170–182 · 13
  21. 21. Progressive MS und BTK-Hemmer Abschnitt 183–195 · 13
  22. 22. Studienvergleiche: Welche Therapie für wen? Abschnitt 196–207 · 12
  23. 23. Sicherheit und Kontrolluntersuchungen Abschnitt 208–220 · 13
  24. 24. Therapiewechsel, Therapieversagen und Absetzen Abschnitt 221–231 · 11
  25. 25. Behandlung bei Kindern und Jugendlichen Abschnitt 232–240 · 9
  26. 26. Leben mit Kinder-MS: Schule, Pubertät, Übergang Abschnitt 241–252 · 12
  27. 27. Impfungen und Infektionen Abschnitt 253–256 · 4
  28. 28. Schwangerschaft, Stillzeit und Familienplanung Abschnitt 257–263 · 7
  29. 29. Beschwerden behandeln: Fatigue, Schmerz, Psyche, Schlaf Abschnitt 264–275 · 12
  30. 30. Blase, Darm, Spastik und weitere Beschwerden Abschnitt 276–289 · 14
  31. 31. Bewegung und Rehabilitation Abschnitt 290–300 · 11
  32. 32. Ernährung, Nahrungsergänzung und Lebensstil Abschnitt 301–308 · 8
  33. 33. Alltag, Beruf, Angehörige und Versorgung Abschnitt 309–318 · 10
  34. 34. MS im Alter, Begleiterkrankungen und fortgeschrittene MS Abschnitt 319–327 · 9
  35. 35. Stammzelltransplantation und Zelltherapien Abschnitt 328–336 · 9
  36. 36. Reparatur, Neuroprotektion und neue Ansätze Abschnitt 337–350 · 14
  37. 37. Digitale Messung und künstliche Intelligenz Abschnitt 351–356 · 6
  38. 38. Kann MS geheilt werden? Abschnitt 357–367 · 11
  39. 39. MS weltweit: Versorgung und Ländervergleich Abschnitt 368–379 · 12
  40. 40. Länderprofile und regionale Forschung Abschnitt 380–389 · 10
  41. 41. Kernaussagen, Mythen und Glossar Abschnitt 390–402 · 13
  42. 42. Wie sicher ist das Wissen? Abschnitt 403–414 · 12
  43. 43. Wie dieser Ratgeber entstanden ist Abschnitt 415–441 · 27