Blase, Darm, Spastik und weitere Beschwerden
Beschwerden, über die oft zu wenig gesprochen wird: Blase, Darm und Sexualität, Spastik, Zittern und Gangunsicherheit, Sprechen, Schlucken und Atmen, Kreislauf- und Gleichgewichtsstörungen.
Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel ist eine wissenschaftlich orientierte, allgemein verständliche Übersicht und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Therapieentscheidung. Gerade bei Multipler Sklerose (MS) hängt die optimale Behandlung von Alter, Verlaufsform, Krankheitsaktivität, MRT-Befunden, Begleiterkrankungen, Kinderwunsch, Infektionsrisiken, Impfstatus und vielen weiteren Faktoren ab. Bei Kindern und Jugendlichen sollte die Betreuung möglichst in einem Zentrum mit Erfahrung in pädiatrischer Neuroimmunologie erfolgen.
Der Artikel dient der medizinischen Information. Er ersetzt keine individuelle Diagnose oder Therapieentscheidung durch Neurologie, Neuropädiatrie oder ein spezialisiertes MS-Zentrum.
276 Blase, Darm und Sexualität
Neurogene Blasenstörung kann sowohl Überaktivität als auch Entleerungsstörung verursachen. Beides kann gleichzeitig vorkommen. Deshalb ist Restharnmessung wichtig, bevor einfach ein anticholinerges Medikament gegeben wird.
Wiederkehrende Harnwegsinfekte können MS-Symptome verschlechtern und unter Immunsuppression problematisch sein. Kathetertechnik, Trinkmenge und urologische Faktoren müssen optimiert werden.
Sexuelle Dysfunktion ist häufig und multifaktoriell. Direkte neurologische Störung, Fatigue, Spastik, Blase, Medikamente, Depression und Partnerschaftsdynamik interagieren. Offene Beratung gehört zur medizinischen Versorgung.
277 Blasenfunktionsstörungen
Neurogene Blasenstörungen können Drang, Pollakisurie, Inkontinenz, Restharn oder eine Kombination verursachen. Unbehandelter Restharn erhöht Harnwegsinfektionen; wiederkehrende Infekte können Pseudoschübe auslösen.
Diagnostik umfasst Anamnese, Urinstatus bei Infektverdacht, Restharnmessung und bei komplexen Fällen Urodynamik. Therapie kann Beckenbodentraining, Flüssigkeitsmanagement, antimuskarinische Medikamente, Beta-3-Agonisten, intermittierenden Selbstkatheterismus oder Botulinumtoxin in den Detrusor umfassen. Eine reine Einschränkung der Trinkmenge ist keine gute Langzeitstrategie, weil Dehydratation und Infekte begünstigt werden können.
278 Darmfunktion
Obstipation ist häufig und kann durch Immobilität, geringe Flüssigkeitszufuhr, anticholinerge Medikamente und neurologische Darmfunktionsstörung verstärkt werden. Seltener steht Stuhlinkontinenz im Vordergrund. Ein strukturiertes Darmprogramm mit Ernährung, Flüssigkeit, Bewegung, planbarer Entleerung und bei Bedarf Laxanzien kann Lebensqualität erheblich verbessern.
Bei schwerer Obstipation müssen Medikamente, Schilddrüse, Kalzium und andere Ursachen geprüft werden. Darmprobleme sollten nicht vorschnell als unvermeidbare MS-Folge akzeptiert werden.
279 Blase, Darm und Sexualfunktion: nicht nur „Nebensymptome“
Blasen-, Darm- und Sexualstörungen haben großen Einfluss auf Lebensqualität, Schlaf, Partnerschaft und soziale Teilhabe.
Eine von 2024 untersuchte Behandlungsalgorithmen für Blasen-, Darm- und Sexualprobleme. Auffällig war, dass die Evidenz für Blasenmanagement deutlich umfangreicher ist als für Darm- und Sexualfunktion. PMID 39321547.
Eine systematische Review und von 2025 bestätigt, dass sexuelle Funktionsstörungen bei Menschen mit MS deutlich häufiger vorkommen als in Kontrollgruppen. PMID 40426296. Das Thema sollte deshalb aktiv angesprochen werden und nicht davon abhängen, ob Patienten sich trauen, es selbst zu erwähnen.
280 Sexuelle Dysfunktion bei Frauen und Männern
Sexualität ist ein wichtiger Teil der Lebensqualität und wird in der MS-Versorgung häufig zu wenig erfragt. Bei Frauen können verminderte Lubrikation, Genitalsensibilität, Orgasmusstörungen, Dyspareunie und reduzierte Libido auftreten. Bei Männern dominieren erektile und ejakulatorische Störungen, aber auch Libidoverlust und Sensibilitätsveränderungen.
Die Therapie beginnt mit der Frage, welcher Mechanismus im Vordergrund steht. Eine Blasenstörung vor dem Geschlechtsverkehr benötigt eine andere Behandlung als neuropathischer Schmerz, vaginale Trockenheit, erektile Dysfunktion oder depressive Anhedonie. Medikamente gegen Spastik, Depression oder Blase können Sexualfunktion beeinflussen. Paarberatung und Sexualtherapie können sinnvoll sein, wenn neurologische und partnerschaftliche Faktoren ineinandergreifen.
281 Spastik
Spastik kann funktionell teilweise nützlich sein, wenn sie bei schwachen Beinen Stabilität ermöglicht. Zu aggressive Behandlung kann deshalb Gehfähigkeit verschlechtern. Therapieziele sollten konkret sein: weniger schmerzhafte Krämpfe, bessere Hygiene, leichteres Ankleiden, bessere Schlafqualität oder verbesserte Gehfunktion.
Physiotherapie und Dehnung bilden häufig die Basis. Orale Medikamente wie Baclofen oder Tizanidin können helfen, verursachen aber Müdigkeit und Muskelschwäche. Fokale Spastik kann mit Botulinumtoxin behandelt werden. Bei schwerer generalisierter Spastik kann intrathekales Baclofen erwogen werden.
Cannabinoidpräparate können bei ausgewählten Patienten subjektive Spastiksymptome reduzieren. Nutzen und Nebenwirkungen wie Schwindel, Sedierung, kognitive Beeinträchtigung und Fahrtüchtigkeit müssen abgewogen werden. Cannabis ist keine krankheitsmodifizierende MS-Therapie.
282 Tremor und Ataxie
Zerebellärer Tremor und Ataxie gehören zu den therapeutisch schwierigeren Symptomen. Medikamente wirken oft begrenzt. Physio- und Ergotherapie, Gewichts- oder Stabilisierungshilfen und Anpassung von Alltagsaufgaben können wichtiger sein als Pharmakotherapie.
Tiefe Hirnstimulation wurde bei schweren Tremorformen untersucht, verbessert aber nicht zwangsläufig die zugrunde liegende Ataxie. Patientenselektion ist entscheidend.
283 Dysphagie, Dysarthrie und Atmung
Bei fortgeschrittener MS können Schluckstörungen Aspiration, Gewichtsverlust und Pneumonie verursachen. Warnzeichen sind Husten beim Essen, feuchte Stimme, wiederholte Atemwegsinfekte und ungewöhnlich lange Mahlzeiten. Logopädische beziehungsweise schlucktherapeutische Beurteilung und instrumentelle Diagnostik können erforderlich sein.
Dysarthrie kann Kommunikation erheblich beeinträchtigen. Sprachtherapie, Kommunikationshilfen und bei schwerer Einschränkung augmentative Systeme sind möglich. Atemmuskelschwäche ist seltener, aber bei hoher Rückenmarks- oder Hirnstammbeteiligung relevant.
284 Sprache, Schlucken und Kommunikation
Sprechstörungen werden bei MS häufig unterschätzt. Eine von 2025 zeigt, dass Dysarthrie – also eine neurologisch bedingte Störung der Sprechmotorik – häufig vorkommt. PMID 40267694.
Bei fortgeschrittener MS können zusätzlich Schluckstörungen auftreten. Diese erhöhen das Risiko für Gewichtsverlust, Flüssigkeitsmangel und Aspirationspneumonie. Logopädische Diagnostik, Schluckuntersuchung und gezielte Therapie sollten deshalb Teil einer umfassenden MS-Versorgung sein.
285 Schluckstörungen – ein häufig unterschätztes Problem
Dysphagie bedeutet Schluckstörung. Sie kann bei MS entstehen, wenn Hirnstamm, Kleinhirn, kortikale Steuerung oder die Koordination der am Schlucken beteiligten Muskeln beeinträchtigt sind.
Mögliche Warnzeichen sind:
- häufiges Verschlucken
- Husten beim Trinken
- eine „nasse“ oder gurgelnde Stimme nach dem Schlucken
- sehr lange Mahlzeiten
- ungewollter Gewichtsverlust
- wiederkehrende Lungenentzündungen
- das Gefühl, Nahrung bleibe im Hals stecken
- Vermeidung bestimmter Konsistenzen.
Eine von 54 Studien mit mehr als 11.000 MS-Fällen schätzte die gepoolte Häufigkeit objektiv erfasster Dysphagie auf ungefähr 44,8 Prozent. Die Unterschiede zwischen den Studien waren allerdings sehr groß. Diese Zahl bedeutet daher nicht, dass fast jeder zweite Patient eine schwere Schluckstörung hat. Sie zeigt vielmehr, dass milde bis schwere Schluckprobleme im gesamten MS-Spektrum häufig genug sind, um aktiv danach zu fragen.
Bei Verdacht können logopädische Untersuchung, klinischer Schlucktest, FEES – eine endoskopische Schluckuntersuchung – oder Videofluoroskopie eingesetzt werden. Therapeutisch stehen Anpassung von Haltung und Konsistenz, Schlucktraining, kompensatorische Strategien und in ausgewählten Situationen weitere Verfahren zur Verfügung.
Die Evidenz für einzelne spezifische Dysphagietherapien bei MS ist wesentlich schwächer als die Evidenz für das Screening und die multidisziplinäre Behandlung. Eine fand nur wenige kontrollierte Studien. Deshalb sollte eine Schluckstörung individuell durch Neurologie, Logopädie und gegebenenfalls HNO, Gastroenterologie oder Ernährungsmedizin behandelt werden.
Quellen: Dysphagia prevalence meta-analysis, PMID 36630841; Treatment Effects for Dysphagia in Adults with MS, PMID 27488370.
286 Atmung und Atemmuskeltraining
Atemprobleme werden vor allem bei stärkerer körperlicher Behinderung relevant, können aber auch früher messbar sein. MS kann Atemmuskulatur, Koordination und Belastungsfähigkeit beeinflussen. Zusätzlich können Bewegungsmangel, Wirbelsäulenprobleme, Übergewicht, Schlafapnoe, Infektionen und andere Begleiterkrankungen die Atmung verschlechtern.
Eine 2025er zur autonomen, pulmonalen und kardiovaskulären Funktion fand im Mittel messbare Einschränkungen gegenüber gesunden Kontrollen.
Für die Rehabilitation ist das Atemmuskeltraining interessant. Dabei wird gegen einen definierten Widerstand ein- oder ausgeatmet, ähnlich wie Krafttraining für die Atemmuskulatur.
Mehrere 2026 veröffentlichte kommen übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass Atemmuskeltraining die inspiratorische und expiratorische Muskelkraft verbessern kann. Eine Metaanalyse mit 16 Studien und 542 Teilnehmern fand zusätzlich kleine bis moderate Verbesserungen bestimmter Lungenfunktionsparameter. Ein eindeutiger Vorteil für die Gehstrecke oder die gesamte gesundheitsbezogene Lebensqualität zeigte sich jedoch nicht.
Eine zweite Analyse mit 15 fand ebenfalls Verbesserungen der Atemmuskelkraft und Lungenfunktion. Bei Fatigue hingen die Ergebnisse vom verwendeten Messinstrument ab.
Für Patienten bedeutet das: Atemmuskeltraining kann ein sinnvoller Baustein einer gezielten Rehabilitation sein, besonders bei nachgewiesener Atemmuskelschwäche. Es ist aber keine Therapie gegen die immunologische Ursache der MS.
Quellen: PMID 41678965; PMID 41512727; PMID 41978886; weitere Meta-analysis PMID 41211278.
287 Autonome Dysfunktion – wenn MS Körperfunktionen beeinflusst, die automatisch ablaufen
Das autonome Nervensystem steuert zahlreiche Funktionen, über die wir normalerweise nicht bewusst nachdenken: Herzfrequenz, Blutdruckanpassung, Schwitzen, Temperaturregulation, Teile der Verdauung, Blasenfunktion und bestimmte Aspekte der Atmung. Bei MS können auch diese Netzwerke betroffen sein.
Patienten können beispielsweise berichten über:
- Schwindel oder Schwäche beim Aufstehen
- ungewöhnliche Herzfrequenzreaktionen bei Belastung
- Probleme mit Hitze und Temperaturregulation
- verändertes Schwitzen
- reduzierte Belastbarkeit
- Blasen-, Darm- oder Sexualfunktionsstörungen
- in fortgeschrittenen Situationen auch Atemprobleme.
Nicht jedes Herzrasen oder jeder Schwindel bei einem Menschen mit MS ist automatisch eine autonome MS-Störung. Medikamente, Blutarmut, Schilddrüsenerkrankungen, Flüssigkeitsmangel, Herzkrankheiten, Infekte, Angst, Schlafmangel und viele andere Ursachen können ähnliche Beschwerden verursachen.
Eine und von 2025 untersuchte 45 Studien zur autonomen, pulmonalen und kardiovaskulären Funktion. Menschen mit MS zeigten im Durchschnitt eine geringere parasympathische Aktivität und eine abgeschwächte sympathische Reaktion. Zusätzlich fanden sich Einschränkungen der Lungen- und Herz-Kreislauf-Funktion in Ruhe und bei Belastung. Ein Teil davon kann auch durch körperliche Dekonditionierung erklärt werden.
Für Patienten bedeutet das vor allem: Solche Beschwerden sollten ernst genommen, aber nicht vorschnell der MS zugeschrieben werden. Je nach Symptom können Blutdruck- und Pulsmessungen im Liegen und Stehen, EKG, kardiologische Abklärung, Lungenfunktionsprüfung oder autonome Funktionstests sinnvoll sein.
Quelle: Autonomic, pulmonary and cardiovascular function at rest and during physical exercise in people with multiple sclerosis – systematic review and meta-analysis, PMID 40450831.
288 Hören, Tinnitus, Schwindel und das Gleichgewichtssystem
Sehstörungen durch Optikusneuritis gehören zu den bekannten MS-Symptomen. Hör- und Gleichgewichtsstörungen werden dagegen häufig unterschätzt.
MS kann theoretisch verschiedene Teile des Hör- und Gleichgewichtssystems betreffen: Hirnstamm, zentrale Hörbahnen, Verbindungen zum Kleinhirn sowie vestibuläre Netzwerke. Das erklärt, warum Patienten manchmal Schwindel, Unsicherheit, Probleme bei schnellen Kopfbewegungen, Tinnitus oder selten auch Hörverlust berichten.
Eine aus 2022 analysierte 35 Studien. Bei zentralen und Hirnstamm-bezogenen Hörtests wurden häufiger Auffälligkeiten gefunden als bei rein peripheren Hörtests. Vestibuläre Untersuchungen waren bei Menschen mit MS ebenfalls häufig auffällig. Die Studien waren jedoch so unterschiedlich, dass keine einfache Zahl angegeben werden kann, wie häufig MS eine bestimmte Hör- oder Gleichgewichtsstörung verursacht.
Eine separate schätzte die gepoolte Häufigkeit von Hörverlust bei MS auf etwa 1,1 Prozent, allerdings mit erheblicher . Plötzlicher Hörverlust ist somit kein typisches Leitsymptom der MS, kann aber in seltenen Fällen im Zusammenhang mit demyelinisierenden Läsionen auftreten.
Für Patienten ist wichtig: Neuer einseitiger Hörverlust sollte rasch ärztlich abgeklärt werden. Es gibt mehrere andere Ursachen, bei denen eine frühe Behandlung entscheidend sein kann. Dass jemand MS hat, darf nicht dazu führen, jede neue Hörstörung automatisch als MS-Symptom abzutun.
- Vestibuläre Rehabilitation
Für anhaltenden Schwindel und Gleichgewichtsstörungen ist vestibuläre Rehabilitation ein interessanter nichtmedikamentöser Ansatz. Dabei werden gezielte Übungen für Blickstabilisation, Gleichgewicht, Kopfbewegungen, Gang und sensorische Anpassung eingesetzt.
Eine 2026 veröffentlichte systematische Review und Metaanalyse schloss 13 mit 454 Menschen mit MS ein. Im Vergleich zu Kontrollgruppen verbesserten sich im Mittel Gleichgewicht, Gehgeschwindigkeit, Gehstrecke, Schwindel, Fatigue und depressive Symptome. Die Sicherheit der Schlussfolgerung wurde jedoch überwiegend als niedrig oder sehr niedrig eingestuft. Das bedeutet: Die Ergebnisse sind ermutigend, aber noch nicht so robust wie die Evidenz für etablierte krankheitsmodifizierende Medikamente.
Quelle: Peng HH et al., J Neurol 2026. PMID 42658257. Audio-vestibuläre Review: PMID 35977771; Hörverlust-Metaanalyse: PMID 35430545.
289 Weitere Spezialthemen, die in einer Patientenfassung nicht untergehen sollten
- Schlafapnoe und andere behandelbare Verstärker von Fatigue
Fatigue ist ein Kernsymptom der MS, aber nicht jede Fatigue wird unmittelbar durch MS-Läsionen verursacht. Schlafapnoe, Restless-Legs-Syndrom, Insomnie, Depression, Anämie, Schilddrüsenerkrankungen, Medikamente, chronische Schmerzen und Infektionen können Fatigue verstärken. Deshalb sollte eine ausgeprägte neue oder zunehmende Fatigue nicht automatisch als unveränderliches MS-Symptom akzeptiert werden.
- Zahn- und Mundgesundheit
Motorische Einschränkungen, Tremor, Spastik, Fatigue, Depression und bestimmte Medikamente können Mundhygiene erschweren. Mundtrockenheit erhöht zusätzlich das Kariesrisiko. Bei schwerer Dysphagie oder eingeschränkter Selbstpflege wird eine angepasste zahnmedizinische Betreuung wichtiger. Dieses Thema besitzt weniger MS-spezifische hochwertige RCT-Evidenz als die großen Therapiekapitel, ist aber für die Langzeitversorgung relevant.
- Haut, Druckstellen und Immobilität
Bei stark eingeschränkter Mobilität können Druckulzera, Hautinfektionen, Feuchtigkeitsprobleme bei Inkontinenz und Kontrakturen entstehen. Prävention durch Lagerung, geeignete Sitzsysteme, Hautkontrolle, Ernährung und Mobilisierung gehört zur fortgeschrittenen Versorgung.
- Autofahren
MS kann Sehen, Reaktionsgeschwindigkeit, Aufmerksamkeit, Kraft, Sensibilität und Koordination beeinflussen. Die Diagnose allein bedeutet nicht automatisch Fahruntauglichkeit. Entscheidend ist die individuelle Funktion. Je nach Land gelten unterschiedliche Melde- und Begutachtungsregeln. Bei Unsicherheit können verkehrsmedizinische und ergotherapeutische Fahrtests helfen.
- Arbeit und Ausbildung
Für viele Patienten ist die Fähigkeit, Schule, Studium oder Beruf fortzuführen, wichtiger als eine kleine Veränderung des EDSS. Flexible Arbeitszeiten, Homeoffice, Kühlung, Pausen, ergonomische Anpassungen, Nachteilsausgleich und Fatigue-Management können einen erheblichen Unterschied machen. Diese Maßnahmen behandeln nicht die MS-Biologie, können aber Teilhabe und Lebensqualität verbessern.
Alle Kapitel dieses Ratgebers
- 1. Was MS ist und was im Körper geschieht Abschnitt 1–8 · 8
- 2. Wie häufig MS ist – weltweit und bei Kindern Abschnitt 9–16 · 8
- 3. Ursachen und Risikofaktoren Abschnitt 17–26 · 10
- 4. Kann man MS verhindern? Abschnitt 27–35 · 9
- 5. Risikofaktoren im Einzelnen Abschnitt 36–45 · 10
- 6. MS bei Kindern: erste Anzeichen Abschnitt 46–56 · 11
- 7. Symptome bei Jugendlichen und Erwachsenen Abschnitt 57–63 · 7
- 8. Schub, Pseudoschub und kurze Attacken Abschnitt 64–70 · 7
- 9. Die Diagnose und die McDonald-Kriterien 2024 Abschnitt 71–79 · 9
- 10. MRT, Nervenwasser und Biomarker Abschnitt 80–90 · 11
- 11. Was sonst dahinterstecken kann: MOGAD, NMOSD, ADEM Abschnitt 91–99 · 9
- 12. Verlaufsformen, PIRA und Prognose Abschnitt 100–109 · 10
- 13. Grundsätze der Therapie Abschnitt 110–118 · 9
- 14. Behandlung eines akuten Schubs Abschnitt 119–122 · 4
- 15. Die Medikamente im Überblick Abschnitt 123–128 · 6
- 16. Interferone, Glatirameracetat, Teriflunomid und Fumarate Abschnitt 129–141 · 13
- 17. S1P-Modulatoren: Fingolimod, Ozanimod, Ponesimod, Siponimod Abschnitt 142–151 · 10
- 18. Natalizumab Abschnitt 152–157 · 6
- 19. Anti-CD20-Therapien Abschnitt 158–169 · 12
- 20. Cladribin, Alemtuzumab und ältere Mittel Abschnitt 170–182 · 13
- 21. Progressive MS und BTK-Hemmer Abschnitt 183–195 · 13
- 22. Studienvergleiche: Welche Therapie für wen? Abschnitt 196–207 · 12
- 23. Sicherheit und Kontrolluntersuchungen Abschnitt 208–220 · 13
- 24. Therapiewechsel, Therapieversagen und Absetzen Abschnitt 221–231 · 11
- 25. Behandlung bei Kindern und Jugendlichen Abschnitt 232–240 · 9
- 26. Leben mit Kinder-MS: Schule, Pubertät, Übergang Abschnitt 241–252 · 12
- 27. Impfungen und Infektionen Abschnitt 253–256 · 4
- 28. Schwangerschaft, Stillzeit und Familienplanung Abschnitt 257–263 · 7
- 29. Beschwerden behandeln: Fatigue, Schmerz, Psyche, Schlaf Abschnitt 264–275 · 12
- 30. Blase, Darm, Spastik und weitere Beschwerden Abschnitt 276–289 · 14
- 31. Bewegung und Rehabilitation Abschnitt 290–300 · 11
- 32. Ernährung, Nahrungsergänzung und Lebensstil Abschnitt 301–308 · 8
- 33. Alltag, Beruf, Angehörige und Versorgung Abschnitt 309–318 · 10
- 34. MS im Alter, Begleiterkrankungen und fortgeschrittene MS Abschnitt 319–327 · 9
- 35. Stammzelltransplantation und Zelltherapien Abschnitt 328–336 · 9
- 36. Reparatur, Neuroprotektion und neue Ansätze Abschnitt 337–350 · 14
- 37. Digitale Messung und künstliche Intelligenz Abschnitt 351–356 · 6
- 38. Kann MS geheilt werden? Abschnitt 357–367 · 11
- 39. MS weltweit: Versorgung und Ländervergleich Abschnitt 368–379 · 12
- 40. Länderprofile und regionale Forschung Abschnitt 380–389 · 10
- 41. Kernaussagen, Mythen und Glossar Abschnitt 390–402 · 13
- 42. Wie sicher ist das Wissen? Abschnitt 403–414 · 12
- 43. Wie dieser Ratgeber entstanden ist Abschnitt 415–441 · 27
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