Damit der Perzentilenrechner und der BMI-Rechner möglichst genaue Ergebnisse liefern, sollten Körperlänge bzw. Körpergröße, Gewicht und Kopfumfang sorgfältig gemessen werden. Am besten messen Sie in Ruhe, ohne Zeitdruck, und notieren die Werte direkt danach – nicht aus dem Gedächtnis. Dieser Ratgeber zeigt Schritt für Schritt die korrekte Technik für jedes Lebensalter, erklärt die häufigsten Fehlerquellen und ordnet ein, worauf die WHO-Perzentilenkurven eigentlich beruhen und wie sich internationale Referenzwerte unterscheiden. Der Perzentilenrechner rechnet inzwischen beide Referenzen – WHO-Standard und die deutsche Referenz nach Kromeyer-Hauschild – und zeigt sie nebeneinander an.

1. Warum exaktes Messen zählt

Ein einzelner Zentimeter oder ein einzelnes Gramm entscheidet selten über eine Diagnose. Was zählt, ist die Verlässlichkeit der Messreihe: Nur wenn jede Messung nach derselben Technik erfolgt, lässt sich aus mehreren Werten ein echter Wachstumsverlauf ablesen – und nur dann ergeben Perzentilenkurven wie die der WHO-Wachstumsstandards einen verwertbaren Vergleich. Kleine Messunterschiede von wenigen Millimetern sind normal und unvermeidlich; problematisch wird es erst, wenn systematische Fehler – ein durchgedrücktes Knie, ein schräg gehaltener Kopf, ein falsch abgelesenes Maßband – einen Wert verfälschen, der dann fälschlich als Auffälligkeit oder als Wachstumssprung gedeutet wird.

In der kinderärztlichen Ordination übernehmen geschulte Fachkräfte die Messung mit kalibrierten Geräten. Zuhause fehlen diese Voraussetzungen oft – umso wichtiger ist es, die grundlegende Technik zu kennen, wenn Werte für den Perzentilenrechner oder das Eltern-Dashboard selbst erhoben werden.

2. Körperlänge bei Säuglingen und Kleinkindern (0 bis 2 Jahre)

Bei Babys und kleinen Kindern wird nicht die „Größe“, sondern die Körperlänge gemessen – und zwar liegend. Das ist keine Formsache: Solange ein Kind noch nicht sicher und aufrecht stehen kann, liefert nur die liegende Messung reproduzierbare Werte, und die WHO-Wachstumsstandards für Länge beruhen ausschließlich auf liegend gemessenen Kindern unter zwei Jahren.

Legen Sie Ihr Kind auf eine feste, gerade Unterlage – eine harte Wickelauflage oder der Boden eignen sich besser als eine weiche Matratze, die unter dem Gewicht nachgibt und den Wert verfälscht. Der Kopf sollte gerade liegen und sanft an einer festen Begrenzung anliegen, zum Beispiel an einem festen Buch oder einer Wand am Kopfende. Fachlich orientiert man sich dabei an der sogenannten Frankfurter Horizontalen: einer gedachten Linie vom unteren Augenrand zur Mitte des Ohreingangs, die waagrecht verlaufen soll. Kippt der Kopf nach hinten oder vorne, verändert sich die gemessene Länge um mehrere Millimeter, ohne dass sich am Kind etwas geändert hätte.

Strecken Sie anschließend die Beine vorsichtig aus, ohne Druck auf die Knie auszuüben – ein durchgedrücktes oder überstrecktes Knie kann die Länge um bis zu einem Zentimeter verfälschen. Die Füße stehen im rechten Winkel zur Unterlage, die Zehen zeigen nach oben. Gemessen wird vom Scheitel bis zur Ferse.

Am einfachsten und genauesten gelingt die Messung zu zweit, in der Ordination gelegentlich sogar zu dritt: Eine Person hält den Kopf sanft in der Frankfurter Horizontalen, eine zweite streckt die Beine und schiebt die bewegliche Fußplatte einer Messlatte (eines sogenannten Infantometers) bis zur Fußsohle, eine dritte liest den Wert ab. Zuhause hilft ohne Infantometer folgende Behelfslösung: Kopf an eine feste Wand oder ein am Boden fixiertes Buch anlegen, die Ferse mit einem zweiten Buch rechtwinkelig markieren und den Abstand mit einem Maßband oder Zollstock nachmessen. Wiederholen Sie die Messung zwei- bis dreimal und verwenden Sie den mittleren Wert – bei einem strampelnden Baby schwanken Einzelmessungen leicht um ein bis zwei Zentimeter.

3. Körpergröße bei Kindern ab zwei Jahren (im Stehen)

Größere Kinder werden stehend gemessen. Die WHO-Standards sehen diesen Wechsel exakt beim vollendeten zweiten Geburtstag vor, weil ab diesem Alter die meisten Kinder sicher genug stehen, um eine verlässliche Standmessung zu ermöglichen.

Das Kind steht barfuß – Schuhe, aber auch dicke Socken verändern den Wert um ein bis zwei Zentimeter. Idealerweise berühren vier Punkte eine gerade Wand: Fersen, Gesäß, Schulterblätter und Hinterkopf. Bei manchen Kindern lassen sich nicht alle vier Punkte gleichzeitig anlegen, etwa wegen eines runden Rückens oder vorstehender Waden; erzwingen Sie das nicht, wichtiger ist eine entspannte, aufrechte Haltung. Die Fersen sollten möglichst geschlossen an der Wand stehen, die Knie durchgestreckt, aber nicht überstreckt. Der Kopf wird wieder in der Frankfurter Horizontalen ausgerichtet – Blick geradeaus, nicht nach oben zur Decke oder nach unten zu den Füßen, da beides den Wert um bis zu einem Zentimeter verändert.

Legen Sie ein Buch, ein Lineal oder – professioneller – die bewegliche Kopfplatte eines Stadiometers waagrecht auf den Scheitel und markieren Sie die Stelle an der Wand. Ein sanfter Zug unter dem Kieferwinkel nach oben hilft, das Kind aufzurichten, ohne es zu strecken oder auf die Zehenspitzen zu heben. Danach messen Sie den Abstand vom Boden bis zur Markierung mit einem Maßband. Ein professionelles Stadiometer mit fixierter, senkrechter Messlatte ist genauer als die Wand-Buch-Methode, weil bei Letzterer schon der Bodenbelag – Teppich statt Fliesen – den Wert leicht verändern kann.

4. Liegend oder stehend gemessen: der Unterschied zählt

Liegend gemessene Länge und stehend gemessene Größe sind bei ein und demselben Kind nicht identisch. Im Liegen ist die Wirbelsäule vollständig entlastet und die Gelenke der Beine leicht anders ausgerichtet als im Stand; der Körper misst dadurch im Mittel etwa 0,7 bis 1 Zentimeter mehr als im Stehen. Deshalb geben WHO und CDC eine feste Umrechnung vor: Muss ein Kind unter zwei Jahren ausnahmsweise stehend gemessen werden, wird rechnerisch rund 0,8 cm addiert; muss ein Kind ab zwei Jahren ausnahmsweise liegend gemessen werden – etwa weil es krankheitsbedingt nicht stehen kann –, werden rund 0,7 cm abgezogen, bevor der Wert in die Perzentilenkurve eingetragen wird.

Für den Perzentilenrechner bedeutet das in der Praxis: Geben Sie rund um den zweiten Geburtstag möglichst genau an, ob liegend oder stehend gemessen wurde. Ein Kind, das kurz vor dem zweiten Geburtstag schon stehend gemessen wird, kann dadurch scheinbar kleiner erscheinen, als es liegend gemessen wäre – ein Effekt, der mit der Messmethode zu tun hat, nicht mit dem Wachstum des Kindes.

5. Tageszeitliche Schwankungen und weitere Einflüsse

Die Körperlänge ist über den Tag nicht konstant. Eine häufig zitierte Untersuchung an 100 Kindern fand im Mittel einen Rückgang von rund 1,5 Zentimetern zwischen dem morgendlichen Aufstehen und dem späten Nachmittag – Ursache ist die fortschreitende Kompression der Bandscheiben durch die aufrechte Haltung und die Schwerkraft im Laufe des Tages. Auch bei Erwachsenen ist dieser Effekt bekannt und beträgt je nach Studie einen halben bis zwei Zentimeter.

Für die Verlaufsbeobachtung eines Kindes folgt daraus eine einfache, aber wichtige Regel: Messen Sie nach Möglichkeit immer zu einer ähnlichen Tageszeit, idealerweise morgens, und überinterpretieren Sie nicht, wenn zwischen zwei Messungen nur wenige Millimeter liegen. Die Fachliteratur nennt für die Körperlängenmessung selbst unter guten Bedingungen einen typischen Messfehler von bis zu 0,5 Zentimetern – eine Schwankung, die ein tatsächliches, aber kleines Wachstum zwischen zwei eng aufeinanderfolgenden Terminen vollständig überdecken kann. Deshalb sind engmaschige Wiederholungsmessungen im Abstand von Tagen oder wenigen Wochen wenig aussagekräftig; erst der Verlauf über mehrere Monate zeigt ein verlässliches Bild.

6. Gewicht richtig messen

Wiegen Sie Ihr Kind möglichst ohne Schuhe und mit möglichst wenig Kleidung. Babys können nackt oder nur mit frischer, trockener Windel gewogen werden – eine volle Windel kann je nach Alter mehrere Hundert Gramm ausmachen und verfälscht den Wert spürbar.

Verwenden Sie eine stabile Waage auf ebenem, hartem Boden; auf Teppich neigen mechanische wie digitale Waagen zu ungenauen Ergebnissen. Bei Babys ist eine spezielle Babywaage mit Mulde am genauesten, da sie das Kind liegend wiegt und ein Herunterrollen verhindert. Größere Kinder können auf einer normalen, geeichten Personenwaage stehen. Das Kind sollte möglichst ruhig stehen oder liegen, bis der angezeigte Wert sich nicht mehr verändert – bei digitalen Waagen kann Bewegung während der Messung zu einer verzögerten oder falschen Anzeige führen.

Ein bewährter Trick für Babys, die sich nicht ruhig hinlegen lassen: Wiegen Sie zunächst einen Elternteil allein, dann denselben Elternteil mit dem Baby auf dem Arm, und ziehen Sie die beiden Werte voneinander ab. Diese Differenzwägung ist etwas ungenauer als eine direkte Babywaage, aber deutlich genauer als der Versuch, ein strampelndes Kind einzeln zu wiegen.

Messen Sie möglichst immer unter ähnlichen Bedingungen – zum Beispiel morgens vor der ersten Mahlzeit oder immer mit vergleichbar wenig Kleidung. Nach dem Essen oder Trinken kann das Gewicht kurzfristig um mehrere Prozent höher liegen, was bei der Beurteilung des Trends berücksichtigt werden sollte. Waagen zuhause sollten gelegentlich mit einem bekannten Referenzgewicht auf Plausibilität geprüft werden, da sich die Anzeige mechanischer wie digitaler Haushaltswaagen mit der Zeit verschieben kann.

7. Kopfumfang richtig messen

Der Kopfumfang – fachsprachlich okzipito-frontaler Umfang – wird mit einem weichen, nicht dehnbaren Maßband gemessen, wie es auch beim Schneidern verwendet wird. Ein dehnbares Stoffmaßband liefert systematisch zu kleine Werte.

Legen Sie das Maßband einmal um den Kopf. Es sollte vorne über der breitesten Stelle der Stirn knapp oberhalb der Augenbrauen und hinten über die breiteste Stelle des Hinterkopfes laufen. Das Maßband soll straff, aber nicht einschneidend anliegen; dicke Zöpfe, Haarspangen oder ein voluminöser Dutt können den gemessenen Umfang um bis zu einem Zentimeter erhöhen und sollten vor der Messung glattgestrichen oder entfernt werden.

Lesen Sie den Wert dort ab, wo sich das Maßband überschneidet. Wiederholen Sie die Messung mindestens zweimal an leicht unterschiedlichen Stellen rund um den Kopf und notieren Sie den größten gemessenen Wert – der Kopf ist nicht perfekt rund, und nur der maximale Umfang ist aussagekräftig.

Der Kopfumfang ist mehr als nur eine weitere Zahl: Er gilt als grober, aber wertvoller Anhaltspunkt für das Wachstum des Gehirns, das in den ersten beiden Lebensjahren besonders rasant ist – der Kopfumfang nimmt allein im ersten Lebensjahr um durchschnittlich rund 10 bis 12 Zentimeter zu. Deshalb wird er bei jeder kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchung im Säuglings- und Kleinkindalter eigenständig auf einer eigenen Perzentilenkurve dokumentiert, unabhängig von Körperlänge und Gewicht.

8. Die häufigsten Messfehler auf einen Blick

Die folgende Übersicht fasst zusammen, welche Fehler in der Praxis am häufigsten vorkommen und wie sie sich vermeiden lassen.

MessgrößeHäufiger FehlerTypische AuswirkungVermeidung
Körperlänge (liegend)Kopf nicht in Frankfurter Horizontalen, Knie durchgedrücktbis zu 1 cm zu hoch oder zu niedrigzu zweit messen, Kopf sanft fixieren
Körpergröße (stehend)Schuhe oder Socken an, Blick nach oben statt geradeaus1–2 cm zu hochbarfuß messen, Frankfurter Horizontale einhalten
Körpergröße (stehend)Messung am Nachmittag statt am Morgenbis zu 1,5–2 cm zu niedrigmöglichst gleiche Tageszeit wählen
Gewichtvolle Windel, Kleidung, Schuhemehrere Hundert Gramm zu hochnackt oder mit trockener Windel wiegen
GewichtWaage auf Teppich, unkalibriertungenaue, schwankende Anzeigeharter, ebener Boden; Waage gelegentlich prüfen
Kopfumfangdehnbares Maßband, Frisur oder Zopf0,5–1 cm zu niedrig oder zu hochnicht dehnbares Maßband, Haare glattstreichen
Alle WerteEinzelmessung ohne WiederholungAblesefehler bleibt unbemerktzwei- bis dreimal messen, Mittelwert nutzen

Ein einzelner dieser Fehler mag klein erscheinen, doch da alle Werte in Perzentilenkurven eingetragen werden, können sich Ablese- und Technikfehler gerade im Grenzbereich zwischen zwei Perzentilenlinien störend auswirken. Im Zweifel gilt: lieber zweimal in Ruhe nachmessen als einen einzelnen, unsicheren Wert eintragen.

9. Wie oft und wo gemessen werden sollte

In Österreich sind Körperlänge bzw. Körpergröße, Gewicht und Kopfumfang fixer Bestandteil der kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchungen im Rahmen des Eltern-Kind-Passes (bis 2024: Mutter-Kind-Pass). Bei diesen Terminen von der Geburt bis ins Kleinkind- und Schulalter werden die Werte mit kalibrierten Geräten erhoben und in die im Pass enthaltenen Perzentilenkurven eingetragen – das ist die verlässlichste Datenquelle für den Wachstumsverlauf Ihres Kindes.

Zuhause zwischen den Ordinationsterminen häufig nachzumessen ist selten sinnvoll und kann sogar verunsichern: Kleine Messunterschiede von wenigen Millimetern oder Gramm sind normal, insbesondere bei Babys und Kleinkindern, bei denen schon die Körperhaltung während der Messung mehrere Millimeter ausmacht. Aussagekräftiger als ein einzelner Wert ist immer die Entwicklung über mehrere Messungen und Monate hinweg – verläuft ein Kind konstant entlang „seiner“ Perzentile, ist das in aller Regel beruhigender als ein einzelner, isoliert betrachteter Messwert.

Sinnvoll ist häufigeres Wiegen zuhause vor allem in besonderen Situationen: bei Fütterproblemen, während einer Erkrankung mit Flüssigkeitsverlust, oder wenn die Kinderärztin bzw. der Kinderarzt dies ausdrücklich empfiehlt, etwa zur Gewichtskontrolle bei Neugeborenen in den ersten Lebenswochen. Für Körperlänge und Kopfumfang genügt in der Regel die Messung bei den ohnehin vorgesehenen Untersuchungsterminen, ergänzt durch gelegentliche Kontrollen zuhause, wenn Sie selbst unsicher sind oder ein Wert Ihnen ungewöhnlich erscheint.

10. Die WHO-Wachstumsstandards: woher die Kurven kommen

Die Perzentilenkurven, die dem Perzentilenrechner zugrunde liegen, stammen aus den WHO Child Growth Standards. Sie wurden zwischen 1997 und 2003 in der sogenannten Multicentre Growth Reference Study (MGRS) erhoben, einer prospektiven Studie an mehreren Tausend gesunden, überwiegend gestillten Kindern in sechs Ländern auf fünf Kontinenten: Brasilien, Ghana, Indien, Norwegen, Oman und den USA. Veröffentlicht wurden die daraus abgeleiteten Kurven für Kinder von 0 bis 5 Jahren im Jahr 2006.

Der entscheidende methodische Unterschied zu älteren Wachstumsreferenzen liegt im Studiendesign: Die WHO-Standards sind bewusst präskriptiv angelegt, das heißt, sie beschreiben nicht, wie Kinder in einer bestimmten Population tatsächlich wachsen, sondern wie gesunde Kinder unter günstigen Bedingungen – ausschließliches Stillen über mehrere Monate, keine gesundheitlichen Einschränkungen, rauchfreies Umfeld, gute sozioökonomische Verhältnisse – wachsen können. Damit unterscheiden sie sich grundlegend von der vorherigen NCHS/WHO-Referenz aus den 1970er-Jahren, die auf überwiegend formulaernährten US-amerikanischen Kindern beruhte und als beschreibende, nicht als normative Referenz galt.

Für Kinder ab 5 Jahren veröffentlichte die WHO 2007 eine ergänzende Wachstumsreferenz für Schulkinder und Jugendliche bis 19 Jahre, die methodisch an ältere internationale Referenzdaten anschließt und für eine bessere internationale Vergleichbarkeit rekonstruiert wurde.

11. CDC, Kromeyer-Hauschild und andere Referenzsysteme

Neben den WHO-Standards existieren nationale und regionale Wachstumsreferenzen, die in unterschiedlichen Situationen ergänzend herangezogen werden.

Die CDC-Wachstumskurven der US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention stammen ursprünglich aus dem Jahr 2000 und basieren auf landesweiten US-Gesundheitssurveys. Seit 2010 empfiehlt die CDC selbst, für Kinder von 0 bis 2 Jahren die WHO-Standards zu verwenden und erst ab dem zweiten Geburtstag auf die eigenen CDC-Kurven umzusteigen, weil die WHO-Standards als präskriptive Norm für diese Altersgruppe besser geeignet sind. Im Dezember 2022 veröffentlichte die CDC zusätzlich erweiterte BMI-für-Alter-Kurven speziell für Kinder mit schwerer Adipositas (BMI ab 120 Prozent der 95. Perzentile), da die bisherigen Kurven in diesem Bereich keine sinnvolle Differenzierung mehr erlaubten.

Im deutschsprachigen Raum wird für ältere Kinder häufig zusätzlich die Kromeyer-Hauschild-Referenz herangezogen, benannt nach der Jenaer Humanbiologin Katrin Kromeyer-Hauschild. Sie wurde 2001 veröffentlicht und beruht auf gepoolten Messdaten von Kindern und Jugendlichen aus 17 deutschen Städten, erhoben zwischen 1985 und 1999. Diese Referenz gilt in Deutschland und Österreich vielfach als Grundlage für BMI-Perzentilen im Kindes- und Jugendalter und wird unter anderem von der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter (AGA) verwendet – häufig in Kombination mit den WHO-Kurven für die ersten beiden Lebensjahre.

12. Internationale Einordnung: China, Indien, Japan, Südkorea

Für die Beurteilung eines österreichischen Kindes sind die WHO-Standards und die genannten deutschsprachigen Referenzen maßgeblich. Der Blick auf andere Länder dient hier ausdrücklich nur der Einordnung, wie unterschiedlich Wachstumsreferenzen weltweit entstehen – nicht als Grundlage für die Beurteilung eines Kindes in Österreich.

Land/RegionWachstumsreferenzGrundlage
ChinaNationale Wachstumsstandards der GesundheitsbehördeLandesweite Erhebung in neun Großstädten, im Zehnjahresrhythmus seit 1975 wiederholt (zuletzt 2015); für Kinder unter 5 Jahren zunehmend ergänzt um WHO-Kurven
IndienIAP-Wachstumskurven der Indian Academy of Pediatrics, revidiert 2015Multizentrische Erhebung an Kindern von 5 bis 18 Jahren; für unter 5-Jährige empfiehlt die IAP die WHO-Standards
JapanWachstumskurven auf Basis der landesweiten Erhebung zur körperlichen Entwicklung von Klein- und Vorschulkindern (乳幼児身体発育調査)Erhebung des Gesundheitsministeriums (MHLW), im Zehnjahresrhythmus wiederholt; Grundlage der Kurven im japanischen Mutter-Kind-Gesundheitsheft
SüdkoreaKoreanische Wachstumskurven 2017Gemeinsam von der Koreanischen Gesellschaft für Kinderheilkunde und der Gesundheitsbehörde KDCA veröffentlicht, Nachfolger der Kurven von 2007
Österreich / DACH-RaumWHO-Standards (0–5 Jahre) plus Kromeyer-Hauschild-Referenz (BMI, ältere Kinder)Siehe vorheriger Abschnitt

Auffällig ist ein gemeinsames Muster: Praktisch alle hier genannten Länder nutzen für die ersten Lebensjahre inzwischen die WHO-Standards oder daran angelehnte Kurven, während für ältere Kinder und Jugendliche häufig eigene, national erhobene Referenzen im Einsatz bleiben – mit der Begründung, dass Körperbau und Wachstumsverlauf in der mittleren Kindheit und Pubertät zwischen Bevölkerungsgruppen stärker variieren als im Säuglingsalter. Diese nationalen Unterschiede sind kein Grund zur Sorge, sondern spiegeln unterschiedliche statistische Traditionen wider; für die Einordnung eines Kindes in Österreich bleiben ausschließlich die WHO-Kurven und die im vorigen Abschnitt genannten Referenzen maßgeblich.

13. Wann ein Messwert kinderärztlich abgeklärt werden sollte

Ein einzelner Wert am Rand der Perzentilenkurven ist für sich genommen selten ein Grund zur Sorge – manche Kinder sind gesund und dauerhaft eher klein oder eher groß gewachsen und liegen entsprechend nahe der 3. oder der 97. Perzentile. Aufmerksamkeit verdient vor allem eine Veränderung im Verlauf.

In der Ordination nachmessen und besprechen lassen

Lassen Sie Ihr Kind zeitnah kinderärztlich untersuchen, wenn ein selbst gemessener Wert deutlich von der bisherigen Perzentile abweicht; wenn Körperlänge, Gewicht oder Kopfumfang über mehrere Untersuchungstermine hinweg auffällig die Perzentilenlinien nach oben oder unten kreuzen; wenn der Kopfumfang ungewöhnlich schnell oder gar nicht mehr zunimmt; wenn ein Wert deutlich außerhalb des Bereichs zwischen der 3. und der 97. Perzentile liegt; oder wenn Sie aus anderen Gründen unsicher sind, ob eine Messung zuhause korrekt gelungen ist. In all diesen Fällen ersetzt die kinderärztliche Nachmessung mit kalibrierten Geräten jede Messung zuhause.

Jetzt die Werte eintragen

Mit den gemessenen Werten können Sie direkt weiterrechnen: Der Perzentilenrechner ordnet Gewicht, Länge und Kopfumfang nach WHO-Wachstumsstandards ein, der BMI-Rechner berechnet die BMI-Perzentile für Kinder und Jugendliche. Mit einem kostenlosen Eltern-Konto lassen sich die Ergebnisse dauerhaft für Ihr Kind speichern und der Verlauf über die Zeit übersichtlich darstellen.

14. Häufige Elternfragen

Ab welchem Alter wird auf die stehende Messung umgestellt?

Nach den WHO-Standards mit dem vollendeten zweiten Geburtstag. Kann ein knapp zweijähriges Kind noch nicht sicher und ruhig stehen, wird im Einzelfall noch liegend gemessen und der Wert entsprechend umgerechnet.

Warum weicht der zuhause gemessene Wert von dem in der Ordination ab?

Meist durch eine Kombination aus Tageszeit, Haltung und Gerätegenauigkeit. Ein professionelles Stadiometer oder Infantometer misst genauer als eine Wand-Buch-Kombination, und schon eine Messung am Nachmittag statt am Morgen kann anderthalb bis zwei Zentimeter ausmachen.

Mein Kind lässt sich nicht ruhig hinlegen oder hinstellen – was tun?

Messen Sie zu zweit, lenken Sie das Kind mit einem Spielzeug oder Lied ab, und nutzen Sie ruhige Momente wie kurz nach dem Aufwachen. Bei Säuglingen gelingt die Längenmessung im leichten Schlaf oft besonders gut. Wiederholen Sie die Messung mehrfach und verwenden Sie den mittleren Wert statt eines einzelnen, möglicherweise verzerrten Ablesewerts.

Was bedeutet es, wenn mein Kind auf der 3. oder 97. Perzentile liegt?

Zunächst nur, dass 3 von 100 beziehungsweise 97 von 100 gleichaltrigen Kindern kleiner beziehungsweise leichter sind als Ihr Kind – nicht automatisch, dass etwas nicht stimmt. Entscheidend ist, ob Ihr Kind entlang dieser Perzentile konstant weiterwächst oder ob es die Perzentilenlinien im Verlauf deutlich kreuzt.

Zählen Schuhe, Frisur oder Windel bei der Messung mit?

Nein. Körpergröße wird grundsätzlich barfuß gemessen, der Kopfumfang ohne dicke Zöpfe oder Haarspangen, und das Gewicht möglichst ohne Kleidung beziehungsweise nur mit trockener Windel. Jedes dieser Details kann den Wert um mehrere Millimeter bis Zentimeter beziehungsweise mehrere Hundert Gramm verändern.

Ist eine haushaltsübliche Personenwaage zuhause genau genug?

Für die Beobachtung des groben Trends meist ja, für exakte medizinische Beurteilungen weniger. Verwenden Sie immer dieselbe Waage auf hartem, ebenem Boden, prüfen Sie die Anzeige gelegentlich mit einem bekannten Referenzgewicht, und verlassen Sie sich für wichtige Entscheidungen auf die geeichte Waage in der Ordination.

Warum wird auch der Kopfumfang gemessen, nicht nur Größe und Gewicht?

Der Kopfumfang gibt einen groben Hinweis auf das Wachstum des Gehirns, das in den ersten Lebensjahren besonders schnell verläuft. Er wird deshalb bis etwa zum dritten Lebensjahr routinemäßig und auf einer eigenen Perzentilenkurve dokumentiert.

Wie oft sollte ich zuhause nachmessen?

Für Körperlänge und Kopfumfang genügen in der Regel die ohnehin vorgesehenen Untersuchungstermine im Eltern-Kind-Pass. Häufigeres Wiegen zuhause kann bei Säuglingen in den ersten Lebenswochen oder bei besonderen medizinischen Fragestellungen sinnvoll sein – am besten nach Rücksprache mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt.

15. Quellen

  • World Health Organization: WHO Child Growth Standards – Length/height-for-age, Multicentre Growth Reference Study (MGRS), 1997–2006.
  • World Health Organization: Training Course on Child Growth Assessment – Measuring a Child's Length and Height.
  • Centers for Disease Control and Prevention (CDC): Clinical Growth Charts und Empfehlung zur Verwendung der WHO-Standards für Kinder von 0 bis 2 Jahren (seit 2010).
  • Centers for Disease Control and Prevention (CDC): Extended BMI-for-age Growth Charts für Kinder mit schwerer Adipositas, veröffentlicht Dezember 2022.
  • Kromeyer-Hauschild K. et al.: Perzentile für den Body-Mass-Index für das Kindes- und Jugendalter unter Heranziehung verschiedener deutscher Stichproben, Monatsschrift Kinderheilkunde, 2001.
  • Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter (AGA): Referenzperzentilen für Körpergröße, Gewicht und BMI im deutschsprachigen Raum.
  • Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz / Österreichische Gesundheitskasse: Mutter-Kind-Pass / Eltern-Kind-Pass – Untersuchungsprogramm für Schwangere und Kinder, Neuregelung ab 2024.
  • Indian Academy of Pediatrics (IAP): IAP Growth Charts, revidierte Fassung 2015, Khadilkar V. et al., Indian Pediatrics.
  • National Health Commission of the People's Republic of China: nationale Wachstumsstandards für Kinder und Jugendliche; Neun-Städte-Erhebung zum Wachstum von Stadtkindern, durchgeführt im Zehnjahresrhythmus seit 1975.
  • Ministry of Health, Labour and Welfare, Japan (厚生労働省): Erhebung zur körperlichen Entwicklung von Klein- und Vorschulkindern (乳幼児身体発育調査), im Zehnjahresrhythmus durchgeführt.
  • Korea Disease Control and Prevention Agency (KDCA) und Koreanische Gesellschaft für Kinderheilkunde: 2017 Korean National Growth Charts for Children and Adolescents.
  • Cameron N.: The Measurement of Human Growth – Standardwerk zur anthropometrischen Messtechnik bei Kindern.
  • Fachliteratur zu tageszeitlichen Schwankungen der Körperlänge/-größe und zur Messgenauigkeit in der pädiatrischen Anthropometrie.