Welche Augenfarbe bekommt mein Kind?
Tragen Sie die Augenfarben in den Stammbaum ein, und Sie sehen, wie wahrscheinlich Blau, Grün und Braun bei Ihrem Kind sind. Gerechnet wird nicht mit der alten Schulregel „braun schlägt blau“, sondern mit den gemessenen Häufigkeiten einer von 2.637 Personen – einschließlich der Fälle, die nach der Schulregel gar nicht vorkommen dürften.
Die Augenfarbe ist ein Merkmal ohne Krankheitswert. Diese Berechnung ist eine Wahrscheinlichkeitsrechnung und keine ärztliche Aussage über ein einzelnes Kind – und sie ist unter keinen Umständen ein Hinweis auf die Abstammung.
Häufige Fragen
Kann man aus der Augenfarbe ablesen, wer der Vater ist?
Nein, und zwar unter keinen Umständen. Keine Kombination von Augenfarben in einer Familie schließt eine Elternschaft aus. Zwei blauäugige Eltern können ein braunäugiges Kind bekommen – in der zugrunde liegenden Kohorte hatten 13 von 1.780 Personen mit der „blauen“ Erbanlage braune Augen. Die alte Schulregel „braun ist dominant, blau rezessiv“ ist widerlegt, und mit ihr jeder daraus abgeleitete Verdacht.
Wann steht die Augenfarbe meines Kindes endgültig fest?
Bei den meisten Kindern mit etwa sechs Jahren. Das Pigment der Regenbogenhaut wird größtenteils erst nach der Geburt eingelagert, deshalb sagt die Farbe der ersten Lebenswochen wenig aus. In einer Zwillingsstudie über viele Jahre änderte sich die Augenfarbe bei 10 bis 15 Prozent der Untersuchten sogar noch nach dem sechsten Lebensjahr, teils bis ins Erwachsenenalter.
Stimmt es, dass alle Babys mit blauen Augen zur Welt kommen?
Nein. In einer fotodokumentierten Untersuchung an 192 Neugeborenen hatten 63 Prozent braune, 21 Prozent blaue und knapp 6 Prozent grüne oder haselnussbraune Augen; bei 10 Prozent ließ sich die Farbe noch nicht bestimmen. Richtig ist nur der Kern der Vorstellung: Helle Augen bei Geburt können später noch nachdunkeln.
Warum fragt der Rechner nach den Großeltern?
Weil ein Elternteil Anlagen weitergeben kann, die man ihm nicht ansieht. Ein braunäugiger Vater mit einer blauäugigen Mutter trägt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit eine Anlage für helle Augen in sich. Die Auswertung zeigt für jede einzelne Angabe, um wie viele Prozentpunkte sie das Ergebnis verschoben hat – manchmal ist es viel, manchmal fast nichts.
Wie genau ist so eine Berechnung?
Blau und Braun lassen sich gut vorhersagen, alle Zwischenfarben schlecht. Selbst wenn das Erbgut des Kindes vollständig bekannt wäre, werden in europäischen Stichproben 95 Prozent der blauen, aber nur 11 Prozent der grünen und haselnussbraunen Augen richtig vorhergesagt. Ein hoher Grün-Anteil im Ergebnis heißt deshalb vor allem: Es ist offen.
Rechnet dieses Werkzeug anders als andere Augenfarben-Rechner?
Ja. Übliche Rechner benutzen die Schulregel „braun schlägt blau“ und geben für manche Konstellationen null Prozent aus. Dieser Rechner benutzt stattdessen die gemessene Häufigkeitstabelle einer Kohorte von 2.637 Personen, berücksichtigt die Herkunftsregion, die Großeltern und bereits geborene Geschwister und legt jede Rechengrundlage offen. Die vollständige Auswertung lässt sich als PDF sichern.
Sagt die Augenfarbe etwas über die Gesundheit meines Kindes aus?
Nein, sie ist ein Merkmal ohne Krankheitswert. Zwei Beobachtungen gehören allerdings einmal augenärztlich angesehen: zwei unterschiedlich gefärbte Augen und sehr helle, rötlich durchscheinende Regenbogenhäute. In den allermeisten Fällen steckt nichts dahinter, selten aber eine Grunderkrankung.
Medizinische Grundlage
- A Single SNP in an Evolutionary Conserved Region within Intron 86 of the HERC2 Gene Determines Human Blue-Brown Eye Color (Am J Hum Genet 82:424–431) Sturm RA, Duffy DL, Zhao ZZ, Leite FPN, Stark MS, Hayward NK, Martin NG, Montgomery GW, 2008. Assoziationsstudie an 3.011 australischen Jugendlichen nordeuropäischer Abstammung; Tabelle 4 enthält die Kreuztabelle Genotyp × Augenfarbe, Englisch
- Genome Aggregation Database (gnomAD), Variante rs12913832, Population „non-Finnish European“ Broad Institute, abgerufen über Ensembl REST (rest.ensembl.org), 2026. Allelfrequenz-Datenbank, 67.982 ausgewertete Allele nicht-finnischer Europäer, Englisch
- 1000 Genomes Project, Phase 3: Populationsfrequenzen der Variante rs12913832 The 1000 Genomes Project Consortium, abgerufen über Ensembl REST, 2015. Referenzdatensatz mit nach Herkunftsregion getrennten Allelfrequenzen, Englisch
- Association between brown eye colour in rs12913832:GG individuals and SNPs in TYR, TYRP1, and SLC24A4 (PLoS ONE 15:e0239131) Meyer OS, Lunn MMB, Garcia SL, Kjærbye AB, Morling N, Børsting C, Andersen JD, 2020. Untersuchung skandinavischer und italienischer Probanden mit vom Hauptgen abweichender Augenfarbe, Englisch
- DNA-based eye colour prediction across Europe with the IrisPlex system (Forensic Sci Int Genet 6:330–340) Walsh S, Wollstein A, Liu F, Chakravarthy U, Rahu M, Seland JH, Soubrane G, Tomazzoli L, Topouzis F, Vingerling JR, Vioque J, Fletcher AE, Ballantyne KN, Kayser M, 2012. Prüfung eines forensischen Vorhersagesystems an sieben europäischen Bevölkerungsstichproben, Englisch
- Eye color changes past early childhood. The Louisville Twin Study (Arch Ophthalmol 115:659–663) Bito LZ, Matheny A, Cruickshanks KJ, Nondahl DM, Carino OB, 1997. Längsschnittstudie an 1.513 Zwillingen mit wiederholter Farbmessung an einer 15-stufigen Vergleichsskala, Englisch
- What Color Are Newborns' Eyes? Prevalence of Iris Color in the Newborn Eye Screening Test (NEST) Study (Acta Ophthalmol 94:485–488) Ludwig CA, Callaway NF, Fredrick DR, Blumenkranz MS, Moshfeghi DM, 2016. Fotodokumentierte Erhebung der Irisfarbe bei 192 Neugeborenen in den ersten Lebenstagen, Englisch
Fachliche Grundlage zuletzt geprüft: August 2026.