Welche Haarfarbe bekommt mein Kind?
Tragen Sie die Haarfarben in den Stammbaum ein, und Sie sehen, wie wahrscheinlich Blond, Hellbraun, Dunkelbraun, Schwarz und Rot bei Ihrem Kind sind. Gerechnet wird nicht mit einer Mendel-Tabelle: Rot entsteht an einem einzigen Genort und wird deshalb getrennt behandelt, die Helligkeit entsteht aus vielen Genorten zugleich. Genau daran scheitern die üblichen Haarfarben-Rechner.
Die Haarfarbe ist ein Merkmal ohne Krankheitswert. Diese Berechnung ist eine Wahrscheinlichkeitsrechnung und keine ärztliche Aussage über ein einzelnes Kind – und sie ist unter keinen Umständen ein Hinweis auf die Abstammung. Bedenken Sie außerdem: Die meisten blonden Kinder werden im Lauf der Kindheit dunkler.
Häufige Fragen
Können zwei dunkelhaarige Eltern ein rothaariges Kind bekommen?
Ja, und das ist sogar der Regelfall. Rote Haare entstehen am Gen MC1R und werden rezessiv vererbt: Erst wer zwei abgeschwächte Ausführungen trägt, bekommt rote Haare. In Mitteleuropa haben rund 3 von 100 Menschen rote Haare, aber rund 30 von 100 tragen die Anlage dafür, ohne es zu wissen. Wenn beide Eltern Träger sind, hat jedes ihrer Kinder eine Wahrscheinlichkeit von etwa 22 Prozent für rote Haare.
Können zwei blonde Eltern ein dunkelhaariges Kind bekommen?
Ja. Die Helligkeit der Haare entsteht nicht an einer einzigen Erbgutstelle, sondern an vielen zugleich. Zwei blonde Eltern tragen deshalb fast immer auch einzelne Anlagen für dunklere Haare und können sie gemeinsam weitergeben. Umgekehrt gilt dasselbe: Zwei dunkelhaarige Eltern können ein blondes Kind bekommen. Eine Vererbungsregel nach dem Muster hell schlägt dunkel gibt es bei der Haarfarbe nicht.
Mein Kind ist weißblond. Bleibt das so?
Meistens nicht. In einer Untersuchung an 476 Kindern zwischen 6 und 13 Jahren hatten 70,8 Prozent derjenigen, die in der frühen Kindheit blond waren, inzwischen braune Haare. Das Nachdunkeln beginnt oft im Kindergartenalter und setzt sich bis in die Pubertät fort. Ein blondes Kleinkind wird also häufiger dunkelblond oder hellbraun als dass es blond bleibt.
Warum rechnet dieser Rechner nicht mit einer Mendel-Tabelle?
Weil eine Mendel-Tabelle für die Haarfarbe schlicht nicht zutrifft. In der bislang größten Untersuchung an 343.234 Erwachsenen wurden 31 unabhängige Erbgutstellen gefunden, die auf die Haarfarbe wirken. Nur für Rot lässt sich ein einzelner Genort benennen. Dieser Rechner bildet deshalb beides getrennt ab: Rot als Erbgang an einem Genort und die Helligkeit als Zusammenspiel mehrerer Genorte.
Was bedeutet die Angabe zur Herkunft der Familie?
Sie legt fest, wie häufig die einzelnen Haarfarben in der Ausgangsbevölkerung sind – und das unterscheidet sich in Europa erheblich. In einer norddeutschen Stichprobe waren 48 Prozent blond und 3 Prozent rothaarig, in der britischen UK-Biobank-Kohorte dagegen nur 11,5 Prozent blond, aber 4,6 Prozent rothaarig. Ohne Angaben zur Familie entscheidet allein diese Häufigkeit das Ergebnis; mit Angaben zu Eltern und Großeltern verliert sie an Gewicht.
Sagt die Haarfarbe etwas über die Gesundheit meines Kindes aus?
Nein. Eine einzige praktische Folge gibt es doch: Dieselben MC1R-Varianten, die rote Haare verursachen, gehen mit heller, schlecht bräunender Haut einher. Rothaarige und sehr hellhäutige Kinder brauchen deshalb konsequenteren Sonnenschutz als andere – Schatten in der Mittagszeit, Kleidung und Hut zuerst, Sonnencreme dort, wo Textil nicht hinreicht.
Medizinische Grundlage
- Genome-wide study of hair colour in UK Biobank explains most of the SNP heritability (Nat Commun 9:5271) Morgan MD, Pairo-Castineira E, Rawlik K, Canela-Xandri O, Rees J, Sims D, Tenesa A, Jackson IJ, 2018. Genomweite Assoziationsstudie an 343.234 Personen mit selbst angegebener Haarfarbe in fünf Stufen, Englisch
- Heritability and Genome-Wide Association Studies for Hair Color in a Dutch Twin Family Based Sample (Genes 6:559–576) Lin BD, Mbarek H, Willemsen G, Dolan CV, Fedko IO, Abdellaoui A, de Geus EJ, Boomsma DI, Hottenga JJ, 2015. Zwillings- und Familienstudie an 20.142 Niederländerinnen und Niederländern zur Erblichkeit der Haarfarbe, Englisch
- Evaluation of the Prediction Potential of the HIrisPlex-S System in a North German Population (Genes 17:452) Caliebe A, Bruder L, Riege J, Seidel M, 2026. Erhebung von Haar-, Augen- und Hautfarbe an 152 Personen aus Norddeutschland samt Erbgutuntersuchung, Englisch
- Variants of the melanocyte-stimulating hormone receptor gene are associated with red hair and fair skin in humans (Nat Genet 11:328–330) Valverde P, Healy E, Jackson I, Rees JL, Thody AJ, 1995. Erstbeschreibung des Zusammenhangs zwischen MC1R-Varianten, roten Haaren und heller Haut, Englisch
- Comprehensive evaluation of allele frequency differences of MC1R variants across populations (Hum Mutat 28:495–505) Gerstenblith MR, Goldstein AM, Fargnoli MC, Peris K, Landi MT, 2007. Zusammenschau von 52 Studien zu den Häufigkeiten der MC1R-Varianten in verschiedenen Bevölkerungen, Englisch
- The HIrisPlex system for simultaneous prediction of hair and eye colour from DNA (Forensic Sci Int Genet 7:98–115) Walsh S, Liu F, Wollstein A, Kovatsi L, Ralf A, Kosiniak-Kamysz A, Branicki W, Kayser M, 2013. Prüfung eines forensischen Vorhersagesystems an 1.551 Personen aus drei europäischen Bevölkerungen, Englisch
- Investigating the impact of age-depended hair colour darkening during childhood on DNA-based hair colour prediction with the HIrisPlex system (Forensic Sci Int Genet 36:26–33) Kukla-Bartoszek M, Pośpiech E, Spólnicka M, Karłowska-Pik J, Strapagiel D, Żądzińska E, Rosset I, Sobalska-Kwapis M, Słomka M, Walsh S, Kayser M, Sitek A, Branicki W, 2018. Längsschnittbetrachtung an 476 Kindern von 6 bis 13 Jahren mit Angabe der Haarfarbe in der frühen Kindheit, Englisch
Fachliche Grundlage zuletzt geprüft: September 2026.