Welche Blutgruppe kann unser Kind bekommen?
Aus den Blutgruppen von Mutter und Vater ergibt sich, welche Blutgruppen ihr Kind haben kann – und mit welcher Wahrscheinlichkeit. Der Rechner zeigt zusätzlich, welche Anlagen die Eltern selbst wahrscheinlich tragen, und was die Kombination für die Schwangerschaft bedeutet.
Diese Berechnung ist eine Wahrscheinlichkeitsrechnung und ersetzt keine Blutgruppenbestimmung im Labor. Sie ist unter keinen Umständen ein Nachweis über die Abstammung eines Kindes. Für jede medizinische Verwendung – Transfusion, Operation, Schwangerschaft – muss die Blutgruppe aus einer aktuellen Blutprobe bestimmt werden.
Häufige Fragen
Welche Blutgruppe kann mein Kind bekommen?
Das hängt von den Anlagen beider Eltern ab, nicht nur von ihren sichtbaren Blutgruppen. Ein Elternteil mit Blutgruppe A kann die Anlagen AA oder A0 tragen – im ersten Fall gibt er immer ein A weiter, im zweiten in der Hälfte der Fälle eine 0. Der Rechner berechnet aus den Häufigkeiten in der Bevölkerung und allen Angaben zur Familie, wie wahrscheinlich jede Anlage ist, und leitet daraus die Wahrscheinlichkeiten für das Kind ab.
Können Eltern mit den Blutgruppen A und B ein Kind mit Blutgruppe 0 bekommen?
Ja, wenn beide zusätzlich eine 0-Anlage tragen, also A0 und B0 sind. Dann sind alle vier Blutgruppen möglich, jede mit einer Wahrscheinlichkeit von 25 Prozent. Tragen die Eltern dagegen AA und BB, kann das Kind nur AB haben. Genau diese Unterscheidung macht der Rechner sichtbar.
Kann die Blutgruppe eine Vaterschaft ausschließen?
Nein, jedenfalls nicht verlässlich. Die Blutgruppe kann rechnerisch Kombinationen ausschließen, aber es gibt gut dokumentierte Ausnahmen von den Vererbungsregeln: den Bombay-Phänotyp, bei dem jemand trotz vorhandener A- oder B-Anlage die Blutgruppe 0 zeigt, die seltene cis-AB-Ausführung, bei der A und B gemeinsam weitergegeben werden, und schwach ausgeprägte Rhesusmerkmale, die je nach Testverfahren unterschiedlich befundet werden. Ein unerwartetes Ergebnis ist ein Anlass, die Bestimmung zu wiederholen, und kein Beweis.
Was bedeutet es, wenn die Mutter Rhesus-negativ ist?
Wenn das Kind Rhesus-positiv ist, kann das mütterliche Immunsystem bei Blutkontakt – vor allem bei der Geburt – Abwehrstoffe gegen das Rhesusmerkmal bilden. Für dieses Kind ist das folgenlos, in einer späteren Schwangerschaft mit einem wiederum Rhesus-positiven Kind aber nicht. Verhindert wird das durch die Anti-D-Prophylaxe, üblicherweise um die 28. Schwangerschaftswoche und noch einmal nach der Geburt. Sie gehört zu den wirksamsten vorbeugenden Maßnahmen der Geburtshilfe.
Wann wird die Blutgruppe in der Schwangerschaft bestimmt?
In Österreich gehört die Bestimmung von Blutgruppe und Rhesusfaktor zur ersten Eltern-Kind-Pass-Untersuchung, die bis zum Ende der 16. Schwangerschaftswoche stattfindet. Sie steht dort neben Blutbild, Röteln-Antikörpern sowie Toxoplasmose-, Lues- und HIV-Test.
Wird die Blutgruppe eines Neugeborenen automatisch bestimmt?
Nicht routinemäßig. Bestimmt wird sie, wenn es einen Grund gibt – etwa bei einer Rhesus-negativen Mutter oder bei einer ausgeprägten Neugeborenengelbsucht. Für die Blutgruppe des Kindes gibt es sonst keinen medizinischen Anlass, und vor einer Transfusion würde sie ohnehin neu bestimmt. Eine errechnete Blutgruppe ersetzt die Laborbestimmung in keinem Fall.
Medizinische Grundlage
- Blutgruppenuntersuchung (BGR) Gesundheitsportal des Bundes (gesundheit.gv.at), Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, 2026. Amtliche Gesundheitsinformation mit der Blutgruppenverteilung in Österreich, Deutsch
- Blutgruppen-Verteilung in der Bevölkerung DRK-Blutspendedienste, Deutsches Rotes Kreuz, 2026. Verteilung der acht Blutgruppen in Deutschland, getrennt nach Rhesusfaktor, Deutsch
- Über Agglutinationserscheinungen normalen menschlichen Blutes (Wien Klin Wochenschr 14:1132–1134) Landsteiner K, 1901. Erstbeschreibung der Blutgruppen; dafür 1930 der Nobelpreis für Medizin, Deutsch
- Molecular genetic basis of the histo-blood group ABO system (Nature 345:229–233) Yamamoto F, Clausen H, White T, Marken J, Hakomori S, 1990. Aufklärung des Erbguts hinter A, B und 0: Die 0-Ausführung entsteht durch das Fehlen eines einzelnen Bausteins, Englisch
- Genetic basis of the RhD-positive and RhD-negative blood group polymorphism as determined by Southern analysis (Blood 78:2747–2752) Colin Y, Chérif-Zahar B, Le Van Kim C, Raynal V, Van Huffel V, Cartron JP, 1991. Nachweis, dass Rhesus-negativ bei Europäern auf dem vollständigen Fehlen des Gens RHD beruht, Englisch
- A new blood group character related to the ABO system (Lancet 1:903–904) Bhende YM, Deshpande CK, Bhatia HM, Sanger R, Race RR, Morgan WTJ, Watkins WM, 1952. Erstbeschreibung des Bombay-Phänotyps – der Ausnahme, an der jede Blutgruppen-Vererbungsregel scheitert, Englisch
- Eltern-Kind-Pass-Untersuchungen in der Schwangerschaft Gesundheitsportal des Bundes (gesundheit.gv.at), 2026. Untersuchungsprogramm der Schwangerschaft in Österreich, Deutsch
- Expertenbrief Nr. 68: Empfehlungen zur Anti-D-Immunglobulin-Gabe in der Schwangerschaft (Anti-D-Prophylaxe) Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, 2021. Fachgesellschaftliche Empfehlung zu Zeitpunkt und Anlass der Anti-D-Gabe, Deutsch
- Anti-D-Gabe in der Schwangerschaft zur Prävention von Rhesus-Alloimmunisierung (Cochrane Review CD000020) Cochrane Pregnancy and Childbirth Group, 2015. Systematische Übersichtsarbeit zur Wirksamkeit der Anti-D-Prophylaxe, Deutsch
Fachliche Grundlage zuletzt geprüft: September 2026.