Ein Stromunfall unterscheidet sich von den meisten anderen Kindernotfällen in einem entscheidenden Punkt: Die erste Handlung gilt nicht dem Kind, sondern der Stromquelle. Wer ein noch verbundenes Kind anfasst, wird selbst Teil des Stromkreises – aus einem Verletzten werden zwei, und niemand kann mehr helfen. Deshalb steht am Anfang immer das Abschalten an Sicherung oder FI-Schalter, und bei Hochspannung ausschließlich Abstand und der Anruf bei Feuerwehr und Rettung, weil Strom durch die Luft überspringen und über den Boden weiterwirken kann. Erst danach werden Reaktion und normale Atmung geprüft. Der zweite große Irrtum betrifft das, was man sieht: Äußerlich kleine Strommarken können tiefe Schäden verbergen, weil Knochen einen hohen Widerstand haben und das umliegende Gewebe erhitzen – unter einer unscheinbaren Hautstelle kann eine ausgedehnte Muskelnekrose liegen. Haushaltsstrom mit 230 Volt ist dabei keineswegs harmlos: Wechselstrom kann eine anhaltende Muskelverkrampfung auslösen, sodass das Kind die Quelle nicht mehr loslassen kann, und schon bei relativ niedriger Spannung gefährliche Herzrhythmusstörungen verursachen. Dieser Ratgeber führt durch die ersten Minuten, erklärt verständlich Volt, Ampere und Widerstand, zeigt, welchen Unterschied der Stromweg durch den Körper macht, und ordnet ein, welche Kinder nach einem unkomplizierten Kontakt mit normalem EKG nach Hause dürfen und welche überwacht werden. Ein eigener Teil gilt der Mundwinkelverbrennung nach dem Biss ins Kabel – der Verletzung, die Tage später überraschend stark bluten kann.

Wichtiger Hinweis

Ein Kind unter Strom darf erst berührt werden, wenn die Stromquelle sicher abgeschaltet ist. Bei Haushaltsstrom Sicherung oder FI-Schalter ausschalten beziehungsweise Stecker ziehen, sofern dies ohne Eigengefährdung möglich ist. Bei Hochspannung Abstand halten und ausschließlich Feuerwehr beziehungsweise Netzbetreiber retten lassen; Strom kann durch die Luft überspringen.

Bei Bewusstlosigkeit, fehlender normaler Atmung, Krampfanfall, Brustschmerz, Herzrasen, Verbrennungen, Hochspannungs- oder Blitzunfall sofort 144 beziehungsweise 112 rufen. Bei fehlender normaler Atmung Wiederbelebung beginnen und einen automatisierten Defibrillator verwenden, sobald verfügbar.

Äußerlich kleine Strommarken können tiefe Schäden verbergen. Ein Kind nach relevantem Stromkontakt wird ärztlich beurteilt. Die Dringlichkeit hängt von Spannung, Stromweg, Kontaktdauer, Symptomen, Hautzustand und Unfallmechanismus ab.

Österreich: Rettung 144, Euro-Notruf 112, Feuerwehr 122.

Auf einen Blick

Die wichtigsten Antworten vorweg

Die erste Regel schützt zwei Leben

Sofort hingreifen

Der Körper der helfenden Person leitet Strom
Sie wird selbst Teil des Stromkreises
Zwei Verletzte statt einem
Niemand kann mehr helfen oder den Notruf absetzen

Erst abschalten, dann helfen

Sicherung oder FI-Schalter aus – zuverlässiger als Stecker ziehen
Bei Hochspannung: Abstand halten, 122 und 112, auf Freigabe warten
Nach der Trennung Reaktion und normale Atmung prüfen
Keine normale Atmung: Wiederbelebung und AED

Wasser, Metall, feuchte Holzgegenstände und bloße Hände sind zum Wegschieben ungeeignet. Ein trockener, nicht leitender Gegenstand ist nur eine Notlösung bei eindeutiger Niederspannung – und niemals bei Hochspannung. Ein vom Blitz getroffenes Kind trägt dagegen keine Ladung und darf sofort berührt werden, sobald die Umgebung sicher ist.

Alle 7 Kurzantworten im vollen Wortlaut – mit allen Mengen- und Altersangaben
  1. Nicht zum Kind greifen, solange Strom fließen könnte.
  2. Strom sicher abschalten; bei Hochspannung großen Abstand halten.
  3. Notruf 144/112, bei technischer Gefahrenlage zusätzlich 122.
  4. Reaktion und normale Atmung höchstens zehn Sekunden prüfen.
  5. Bei fehlender normaler Atmung sofort Wiederbelebung und AED.
  6. Bei normaler Atmung Zustand überwachen, Verbrennungen sauber und trocken abdecken, Kind warm halten.
  7. Sturz- und Wirbelsäulenverletzungen mitbedenken.

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    Schlussfolgerung

    Bei einem Stromunfall schützt die erste Regel zwei Leben: Das Kind erst berühren, wenn der Strom sicher ausgeschaltet ist. Bei Hochspannung Abstand halten und Fachkräfte abwarten, weil Strom durch Luft und Boden wirken kann.

    Nach Trennung werden Bewusstsein und normale Atmung geprüft. Bei Atemstillstand sofort Wiederbelebung, Notruf und AED. Ein Blitzopfer kann gefahrlos berührt werden, sobald die Umgebung sicher ist.

    Haushaltsstrom ist nicht harmlos. Die Gefährdung hängt von Stromweg, Kontaktzeit, nasser Haut und Symptomen ab. Kleine äußere Marken können tiefe Muskel-, Nerven- und Gefäßschäden verbergen. Mundwinkelverletzungen können Tage später stark bluten.

    Ein beschwerdefreies Kind nach unkompliziertem Niederspannungskontakt und normalem 12-Kanal-EKG kann häufig nach Hause. Bewusstlosigkeit, auffälliges EKG, Brustschmerz, Hochspannung, Blitz, Verbrennung oder neurologische Beschwerden brauchen Überwachung beziehungsweise Spezialversorgung.

    Prävention kombiniert intakte Installation, FI-Schutz, sichere Steckdosen, unzugängliche Kabel und altersgerechte Aufklärung. Oberleitungen, Wasser und Strom, defekte Akkus und improvisierte Reparaturen sind besondere Gefahren.

    So ist dieser Ratgeber aufgebaut

    Dieser Ratgeber ist in 8 Kapitel geteilt; die Abschnittsnummern laufen über alle Kapitel durch, ein Verweis auf „Abschnitt 12“ bleibt damit eindeutig. Der Ratgeber beginnt mit dem, was an der Unfallstelle zählt: den ersten Minuten, dem Eigenschutz (mit einem Vergleich, warum sofortiges Zugreifen zwei Leben gefährdet), der besonderen Lage bei Hochspannung sowie Wiederbelebung und Defibrillator. Danach folgen die physikalischen Grundlagen in Alltagssprache – Volt, Ampere, Widerstand, Wechsel- und Gleichstrom – und ein Umschalter durch die vier Unfallarten Niederspannung, Hochspannung, Lichtbogen und Blitz. Ein klickbares Körperdiagramm zeigt, welche Organe auf welchem Stromweg liegen. Es folgen die möglichen Schäden von der Herzrhythmusstörung über Muskelzerfall und Kompartmentsyndrom bis zu Nerven-, Augen- und Ohrenschäden, dann Diagnostik und Behandlung im Krankenhaus. Eine Ampel fasst zusammen, welche Kinder überwacht werden und wer nach Hause darf, eine zweite die Warnzeichen nach der Entlassung. Der Präventionsteil geht Steckdosen, FI-Schutzschalter, Kinderzimmer, Bad und Küche, Verlängerungskabel, Bahnanlagen, Photovoltaik und Lithium-Akkus durch. Den Abschluss bilden Gewitterregeln, eine Notfallkarte, häufige Irrtümer, Elternfragen und die Einordnung der Evidenz.

    Der ganze Ratgeber

    Alle Kapitel im Überblick

    Die Nummern laufen über den ganzen Ratgeber durch: Abschnitt 1 steht im ersten Kapitel, Abschnitt 57 im letzten.

    1. 1. Eigenschutz und Grundlagen Abschnitt 1–6 · 6
    2. 2. Typische Unfälle und erste Hilfe Abschnitt 7–13 · 7
    3. 3. Was den Schaden bestimmt Abschnitt 14–18 · 5
    4. 4. Mögliche Folgen im Körper Abschnitt 19–26 · 8
    5. 5. Untersuchung und Behandlung Abschnitt 27–32 · 6
    6. 6. Nach dem Unfall und besondere Situationen Abschnitt 33–41 · 9
    7. 7. Vorbeugen im Haushalt und unterwegs Abschnitt 42–49 · 8
    8. 8. Fragen, Einordnung und Quellen Abschnitt 50–57 · 8

    Kapitel 1 · Abschnitt 1–6

    Eigenschutz und Grundlagen

    Bei einem Stromunfall steht der Eigenschutz vor allem anderen – wer das Kind bei bestehendem Stromfluss anfasst, wird selbst zum zweiten Opfer. Dieses Kapitel erklärt außerdem, was Strom im Körper anrichtet und warum Spannung, Stromstärk…

    und 2 weitere Abschnitte

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    Kapitel 2 · Abschnitt 7–13

    Typische Unfälle und erste Hilfe

    Welche Stromunfälle bei Kleinkindern, bei Schulkindern und bei Jugendlichen tatsächlich vorkommen – und was danach zu tun ist: Stromkreis unterbrechen, Bewusstsein und Atmung prüfen, wiederbeleben.

    und 3 weitere Abschnitte

    Zum Kapitel

    Kapitel 3 · Abschnitt 14–18

    Was den Schaden bestimmt

    Nicht jeder Stromkontakt ist gleich gefährlich. Entscheidend sind der Weg durch den Körper, die Kontaktzeit und die Feuchtigkeit der Haut – und was außen zu sehen ist, sagt über den Schaden innen wenig aus.

    und 1 weitere Abschnitt

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    Kapitel 4 · Abschnitt 19–26

    Mögliche Folgen im Körper

    Von Herzrhythmusstörungen über die Muskelschädigung bis zu Nerven-, Augen- und Ohrenschäden: Dieses Kapitel geht die möglichen Folgen einzeln durch und sagt dazu, welche Kinder danach überwacht gehören.

    und 4 weitere Abschnitte

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    Kapitel 5 · Abschnitt 27–32

    Untersuchung und Behandlung

    Was im Krankenhaus untersucht und behandelt wird: Laborwerte, Bildgebung, die Versorgung der Wunden, die Flüssigkeitstherapie bei Hochspannung – und die Frage nach Operation und Tetanusschutz.

    und 2 weitere Abschnitte

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    Kapitel 6 · Abschnitt 33–41

    Nach dem Unfall und besondere Situationen

    Wann ein Kind nach einem Haushaltsstromkontakt nach Hause darf, worauf danach zu achten ist und welche Beschwerden spät auftreten können. Dazu Situationen, die eigene Regeln haben – vom Stromunfall im Wasser bis zum Lithium-Akku.

    und 5 weitere Abschnitte

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    Kapitel 7 · Abschnitt 42–49

    Vorbeugen im Haushalt und unterwegs

    Der wirksamste Teil steht hier: Steckdosenschutz, FI-Schutzschalter, Geräte im Kinderzimmer, Bad und Küche, Verlängerungskabel – dazu die Regeln für Bahnanlagen und für Gewitter.

    und 4 weitere Abschnitte

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    Kapitel 8 · Abschnitt 50–57

    Fragen, Einordnung und Quellen

    Häufige Irrtümer und Elternfragen, die medizinische Einordnung eines kurzen Steckdosenkontakts, der Blick auf den Kinderschutz und die Rehabilitation nach einem schweren Unfall – dazu, wie sicher das Wissen ist, und die Quellen.

    und 4 weitere Abschnitte

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