Welche Stromunfälle bei Kleinkindern, bei Schulkindern und bei Jugendlichen tatsächlich vorkommen – und was danach zu tun ist: Stromkreis unterbrechen, Bewusstsein und Atmung prüfen, wiederbeleben.

Wichtiger Hinweis

Ein Kind unter Strom darf erst berührt werden, wenn die Stromquelle sicher abgeschaltet ist. Bei Haushaltsstrom Sicherung oder FI-Schalter ausschalten beziehungsweise Stecker ziehen, sofern dies ohne Eigengefährdung möglich ist. Bei Hochspannung Abstand halten und ausschließlich Feuerwehr beziehungsweise Netzbetreiber retten lassen; Strom kann durch die Luft überspringen.

Bei Bewusstlosigkeit, fehlender normaler Atmung, Krampfanfall, Brustschmerz, Herzrasen, Verbrennungen, Hochspannungs- oder Blitzunfall sofort 144 beziehungsweise 112 rufen. Bei fehlender normaler Atmung Wiederbelebung beginnen und einen automatisierten Defibrillator verwenden, sobald verfügbar.

Äußerlich kleine Strommarken können tiefe Schäden verbergen. Ein Kind nach relevantem Stromkontakt wird ärztlich beurteilt. Die Dringlichkeit hängt von Spannung, Stromweg, Kontaktdauer, Symptomen, Hautzustand und Unfallmechanismus ab.

Österreich: Rettung 144, Euro-Notruf 112, Feuerwehr 122.

7 Typische Stromunfälle bei Kleinkindern

Kleinkinder stecken Metallteile in ungesicherte Steckdosen, beißen in beschädigte Kabel oder berühren offene Kontakte. Auch Ladegeräte, Mehrfachsteckdosen, defekte Nachtlichter und Elektrogeräte am Wasser sind Risiken.

Steckdosensicherungen helfen nur, wenn sie normgerecht, fest und mit dem Stecksystem kompatibel sind. Wichtiger sind intakte Installation, FI-Schutzschalter und das Entfernen beschädigter Geräte.

8 Typische Unfälle bei Schulkindern und Jugendlichen

Ältere Kinder klettern auf Waggons, Masten oder Dächer nahe Oberleitungen, experimentieren mit Strom oder bauen Geräte auseinander. Bei Bahnstrom können 15.000 Volt bereits ohne Berührung einen Lichtbogen erzeugen.

Mutproben und Social-Media-Challenges müssen klar thematisiert werden. Warnschilder sind keine übertriebene Vorsicht, sondern markieren unsichtbare tödliche Felder.

9 Blitzschlag

Blitz kann direkt treffen, seitlich überspringen, über den Boden fließen oder über einen berührten Gegenstand übertragen werden. Herz- und Atemstillstand, neurologische Schäden, Trommelfellriss, Augenverletzung und Verbrennung sind möglich.

Ein vom Blitz getroffenes Kind trägt keine elektrische Ladung und kann sofort berührt werden. Anders als bei einer Stromleitung besteht nach dem Einschlag keine fortdauernde Körperstromquelle. Bei mehreren Betroffenen haben scheinbar Leblose Priorität, weil erfolgreiche Wiederbelebung möglich ist.

10 Den Stromkreis unterbrechen

Bei Niederspannung:

  • Hauptschalter, Sicherung oder FI ausschalten
  • Stecker ziehen, wenn sicher zugänglich
  • Gerät nicht weiter verwenden
  • erst danach Kind berühren.

Bei Hochspannung keine Eigenrettung. Fachkräfte müssen die Anlage abschalten, gegen Wiedereinschalten sichern und erden. Eine scheinbar tote Leitung kann automatisch wieder zugeschaltet werden.

11 Bewusstsein und Atmung prüfen

Nach sicherer Trennung laut ansprechen, vorsichtig an den Schultern stimulieren und Atmung höchstens zehn Sekunden prüfen. Schnappatmung ist keine normale Atmung.

Atmet das Kind nicht normal, Notruf und Wiederbelebung. Bei normaler Atmung, aber Bewusstlosigkeit stabile Seitenlage, sofern keine zwingenden Traumagründe dagegensprechen, und fortlaufende Kontrolle.

12 Wiederbelebung nach Stromunfall

Bei Kindern beginnen geschulte Helfende mit fünf initialen Beatmungen und anschließend altersgerechten Kompressionen und Beatmungen. Die Leitstelle führt durch das Schema. Entscheidend ist, überhaupt sofort zu handeln.

Ein AED analysiert den Rhythmus und gibt nur bei geeignetem Rhythmus einen Schock frei. Elektroden auf trockener Haut anbringen und sichtbare Medikamentenpflaster entfernen. Niemand berührt das Kind während Analyse und Schock.

Wer keine Kinderreanimation gelernt hat, folgt der telefonischen Anleitung der Rettungsleitstelle. Bei zwei Helfenden ruft eine Person den Notruf und holt den AED, während die andere ohne Unterbrechung reanimiert. Ist nur eine Person anwesend, entscheidet die Leitstelle anhand von Alter, beobachtetem Kollaps und Erreichbarkeit eines Telefons über das konkrete Vorgehen. Das Telefon möglichst auf Lautsprecher stellen.

Der Brustkorb wird auf einer festen Unterlage gedrückt. Bei Säuglingen und Kindern ist eine Drucktiefe von ungefähr einem Drittel des Brustkorbdurchmessers das Ziel; vollständige Entlastung zwischen den Kompressionen und möglichst kurze Pausen sind wichtig. Für die genaue Handtechnik gelten Alter und Körpergröße. Unsicherheit ist kein Grund, nichts zu tun: Eine sofort begonnene, kräftige Wiederbelebung ist bei echtem Kreislaufstillstand lebensrettend.

Kinder-AED-Elektroden oder ein Kindermodus werden bevorzugt, wenn vorhanden. Fehlen sie, kann bei einem Kind auch ein normaler AED eingesetzt werden. Die Elektroden dürfen sich nicht berühren; bei kleinem Brustkorb kann eine Elektrode vorne und die andere am Rücken liegen. Nasse Haut wird rasch abgetrocknet. Die Rettungsleitstelle begleitet diese Schritte.

13 Warum ein Defibrillator besonders wichtig ist

Elektrischer Strom kann Kammerflimmern auslösen: Das Herz zittert ohne wirksamen Auswurf. Frühe Defibrillation kann einen geordneten Rhythmus wiederherstellen. Bei Asystolie oder schwerer Atemlähmung bleibt hochwertige Wiederbelebung zentral.

Auch wenn das Kind nach einem kurzen Kollaps wieder wach wird, ist sofortige medizinische Abklärung nötig.

Alle Kapitel dieses Ratgebers

  1. 1. Eigenschutz und Grundlagen Abschnitt 1–6 · 6
  2. 2. Typische Unfälle und erste Hilfe Abschnitt 7–13 · 7
  3. 3. Was den Schaden bestimmt Abschnitt 14–18 · 5
  4. 4. Mögliche Folgen im Körper Abschnitt 19–26 · 8
  5. 5. Untersuchung und Behandlung Abschnitt 27–32 · 6
  6. 6. Nach dem Unfall und besondere Situationen Abschnitt 33–41 · 9
  7. 7. Vorbeugen im Haushalt und unterwegs Abschnitt 42–49 · 8
  8. 8. Fragen, Einordnung und Quellen Abschnitt 50–57 · 8