Differentialdiagnosen, Blutergüsse ohne passenden Unfall und die Frage nach einer Gerinnungsstörung.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel kann eine persönliche Untersuchung nicht ersetzen. Was nach einer Prellung oder Zerrung aussieht, kann bei Kindern auch ein Knochenbruch, eine Verletzung der Wachstumsfuge, ein Gelenk- oder Sehnenschaden, eine Infektion oder eine andere Erkrankung sein. Rufen Sie bei Bewusstlosigkeit, nicht normaler Atmung, Kreislaufproblemen, starker Blutung, sichtbarer Fehlstellung, kalter oder blauer Extremität, neuer Lähmung beziehungsweise Taubheit, sehr starken rasch zunehmenden Schmerzen oder schwerem Unfall sofort den Rettungsdienst: in Österreich 144 oder 112, in Deutschland 112.

24 Differentialdiagnosen

Fraktur und Wachstumsfugenverletzung

Punktförmiger Knochenschmerz, Belastungsunfähigkeit und Unfallmechanismus sind zentrale Hinweise. Fehlstellung muss nicht vorhanden sein. Bei anhaltendem Verdacht folgen Ruhigstellung und Kontrolle auch dann, wenn erste Bilder unauffällig sind.

Infektion

Fieber, zunehmende Rötung, Überwärmung, starker Ruheschmerz oder ein Kind, das ohne Trauma nicht auftreten will, können zu Gelenk- oder Knocheninfektion passen. Eine septische Arthritis ist zeitkritisch. Ein kleiner vorheriger Stoß darf nicht als Erklärung für jede spätere Verschlechterung dienen.

Entzündliche Erkrankung

Morgensteifigkeit, mehrere betroffene Gelenke, wiederkehrende Schwellung oder systemische Beschwerden können auf rheumatologische Erkrankung hinweisen. Eine Sportpause allein ist dann keine ausreichende Diagnostik.

Tumor und hämatologische Erkrankung

Anhaltender nächtlicher Schmerz, tastbare Masse, Gewichtsverlust, Blässe, Fieber oder ungewöhnlich viele Hämatome ohne passende Traumata benötigen ärztliche Abklärung. Diese Ursachen sind selten, dürfen aber nicht durch die voreilige Etikettierung „Prellung“ verzögert werden.

Thrombose

Venöse Thrombosen sind bei gesunden Kindern selten, das Risiko steigt unter anderem bei zentralem Katheter, Immobilität, Operation, schwerer Erkrankung, Östrogenpräparaten und angeborener Thromboseneigung. Einseitige Schwellung und Schmerz ohne klares Trauma werden fachlich eingeordnet.

25 Hämatome ohne angemessenen Unfall

Einzelne Schienbeinhämatome bei mobilen Kindern sind häufig. Zahlreiche große Blutergüsse, Hämatome an Ohren, Hals, Rumpf oder weichen geschützten Regionen, petechiale Blutungen oder Schleimhautblutungen können eine Gerinnungsstörung oder zugefügte Verletzung anzeigen.

Alter und Mobilität sind zentral: Ein nicht mobiles Baby verursacht sich normalerweise keine vielen Alltagsblutergüsse. Medizinische Abklärung und Kinderschutzbeurteilung werden sachlich, strukturiert und ohne vorschnelles Urteil durchgeführt.

26 Gerinnungsstörung und Blutverdünnung

Bei Hämophilie, von-Willebrand-Syndrom, Thrombozytopenie oder Antikoagulation kann ein scheinbar kleiner Anprall eine größere Muskel- oder Gelenkblutung auslösen. Zunehmende Schwellung, Schmerz und Bewegungseinschränkung werden früh mit dem behandelnden Zentrum besprochen.

Familien folgen ihrem individuellen Notfallplan. Gerinnungsfaktor oder andere Medikamente werden nach vereinbarter Anweisung gegeben; notwendige Therapie soll nicht auf Bildgebung warten, wenn der Plan dies so vorsieht. Intramuskuläre Injektionen und ungeeignete Schmerzmittel werden vermieden.

Alle Kapitel dieses Ratgebers

  1. 1. Was Prellung, Zerrung und Verstauchung sind Abschnitt 1–5 · 5
  2. 2. Die ersten Minuten – und was von PECH übrig bleibt Abschnitt 6–7 · 2
  3. 3. Notfall, heute untersuchen oder beobachten? Abschnitt 8–10 · 3
  4. 4. Untersuchung, Bildgebung und Schmerz Abschnitt 11–14 · 4
  5. 5. Verletzungen nach Körperregion Abschnitt 15–23 · 9
  6. 6. Wenn es keine Prellung ist Abschnitt 24–26 · 3
  7. 7. Rehabilitation und Rückkehr Abschnitt 27–31 · 5
  8. 8. Wärme, Tape, Spritze: was wirkt Abschnitt 32–34 · 3
  9. 9. Vorbeugen und Trainingssteuerung Abschnitt 35–40 · 6
  10. 10. Im Detail: Muskel, Band und Region Abschnitt 41–48 · 8
  11. 11. Hämatome, Komplikationen und Ernährung Abschnitt 49–52 · 4
  12. 12. Alltag, Nachsorge und Elternfragen Abschnitt 53–60 · 8
  13. 13. Reha-Plan, Tests und Rollen Abschnitt 61–65 · 5
  14. 14. Was die Evidenz tatsächlich sagt Abschnitt 66–75 · 10
  15. 15. Zurück in den Sport – und die Versorgungswege Abschnitt 76–80 · 5
  16. 16. Häufige Fragen Abschnitt 81–85 · 5
  17. 17. Verfahren, Fehler und Dokumentation Abschnitt 86–95 · 10
  18. 18. Hintergrund: Anatomie, Heilung und Training Abschnitt 96–105 · 10
  19. 19. Besondere Prellungen, Prognose und Qualität Abschnitt 106–118 · 13
  20. 20. Versorgungspfade nach Körperregion Abschnitt 119–126 · 8
  21. 21. Belastungsplan, Glossar und Quellen Abschnitt 127–136 · 10