Wie die Untersuchung abläuft, wann geröntgt wird und wann nicht, was gegen Schmerzen hilft – und was in den ersten 72 Stunden zählt.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel kann eine persönliche Untersuchung nicht ersetzen. Was nach einer Prellung oder Zerrung aussieht, kann bei Kindern auch ein Knochenbruch, eine Verletzung der Wachstumsfuge, ein Gelenk- oder Sehnenschaden, eine Infektion oder eine andere Erkrankung sein. Rufen Sie bei Bewusstlosigkeit, nicht normaler Atmung, Kreislaufproblemen, starker Blutung, sichtbarer Fehlstellung, kalter oder blauer Extremität, neuer Lähmung beziehungsweise Taubheit, sehr starken rasch zunehmenden Schmerzen oder schwerem Unfall sofort den Rettungsdienst: in Österreich 144 oder 112, in Deutschland 112.

11 Wie die ärztliche Untersuchung ablaufen kann

Unfall- und Belastungsgeschichte

Gefragt wird nach direktem Treffer, Verdrehung, Beschleunigung, Dehnung, hörbarem Geräusch und sofortiger Funktion. Bei Sportverletzungen sind Aufwärmen, Untergrund, Schuhwerk, Trainingsbelastung, Position, Vorverletzungen und Zeitpunkt im Training wichtig. Bei schleichenden Beschwerden wird zwischen akutem Ereignis und Überlastung unterschieden.

Inspektion

Untersucht werden Schwellung, Hämatom, Wunde, Achse, Muskelkontur und Schonhaltung. Beide Seiten werden verglichen. Ein sichtbares Hämatom kann den Schmerzort erklären, aber nicht jede tiefere Diagnose.

Tasten und Funktion

Die Untersucherin tastet systematisch Knochen, Gelenkspalt, Bänder, Muskel und Sehne. Aktive und passive Beweglichkeit, Kraft und belastungsspezifische Funktion werden geprüft, ohne eine mögliche schwere Verletzung unnötig zu provozieren. Durchblutung, Motorik und Sensibilität werden dokumentiert.

Stabilitätstests

Spezifische Tests können Band- oder Sehnenverletzungen wahrscheinlicher machen. Direkt nach dem Unfall begrenzen Schmerz und Muskelanspannung ihre Aussagekraft. Manche Stabilitätsprüfung ist bei einer Kontrolle nach Abschwellen zuverlässiger. Eltern sollen solche Manöver nicht anhand eines Videos kräftig nachmachen.

Das ganze Kind betrachten

Fieber, Gewichtsverlust, nächtlicher Schmerz, wiederkehrende Blutergüsse, auffällige Müdigkeit oder Schmerzen ohne plausibles Trauma erweitern die Differentialdiagnose. Ebenso werden Entwicklungsstand, Gerinnung, Medikamente und mögliche Kindeswohlgefährdung berücksichtigt.

12 Bildgebung und weitere Diagnostik

Röntgen

Röntgen dient vor allem dem Nachweis von Knochen- und bestimmten Gelenkverletzungen. Reine Muskelzerrungen sind darauf nicht direkt sichtbar. Die Entscheidung folgt Untersuchung und validierten Regeln, soweit diese für Alter und Situation gelten. Unnötige Bilder verursachen Strahlung und können Zufallsbefunde erzeugen; medizinisch notwendige Bilder werden nicht aus Strahlenangst vermieden.

Die 2025 veröffentlichte AWMF-S1-Leitlinie zur bildgebenden Diagnostik bei muskuloskelettalem Trauma im Kindes- und Jugendalter unterstreicht alters- und fragestellungsbezogene Verfahren. Ein negatives Röntgenbild beendet die Beurteilung nicht, wenn klinisch weiterhin eine okkulte Fraktur, Wachstumsfugen- oder Weichteilverletzung wahrscheinlich ist.

Ultraschall

Ultraschall kann Muskeldefekte, Hämatome, Sehnen und Gelenkergüsse darstellen. Aussagekraft hängt von Region, Fragestellung, Zeitpunkt und Erfahrung ab. Bei unkomplizierter Sprunggelenksverstauchung verändert er die Behandlung häufig nicht. Er ist kein universeller Ersatz für Röntgen oder MRT.

12.3 MRT

Die Magnetresonanztomografie zeigt Muskeln, Sehnen, Bänder, Knorpel, Knochenmark und Wachstumsfugen ohne ionisierende Strahlung. Sie ist bei unklaren, anhaltenden oder komplexen Beschwerden wertvoll, aber im akuten unkomplizierten Verlauf selten sofort nötig. Untersuchungsdauer, Verfügbarkeit und bei kleinen Kindern mögliche Sedierung werden berücksichtigt.

12.4 CT

CT stellt Knochen schnell und detailliert dar, verursacht jedoch mehr ionisierende Strahlung als konventionelles Röntgen. Es wird bei komplexen Frakturen oder speziellen Fragestellungen eingesetzt, nicht zur Routinebeurteilung einer vermuteten Zerrung.

Labor

Blutuntersuchungen sind bei einer typischen leichten Sportverletzung nicht nötig. Sie können bei Verdacht auf Entzündung, Infektion, relevante Blutung, Rhabdomyolyse, Gerinnungsstörung oder systemische Erkrankung helfen. Kreatinkinase kann bei Muskelschaden steigen, beweist aber ohne Kontext keine bestimmte Verletzungsschwere.

13 Schmerzbehandlung

Schmerz erfassen

Kinder zeigen Schmerz altersabhängig. Neben einer Zahlenskala zählen Gesichtsausdruck, Schonhaltung, Schlaf, Spiel, Essen und Trostbarkeit. Ziel ist nicht zwingend völlige Schmerzfreiheit, sondern ausreichender Komfort für sichere Funktion und Schlaf, ohne Warnzeichen zu überdecken oder Belastung zu erzwingen.

Paracetamol

Paracetamol kann bei geeigneter gewichtsbezogener Dosierung Schmerzen lindern. Überdosierung kann die Leber schwer schädigen. Mehrere Präparate mit demselben Wirkstoff dürfen nicht unbemerkt kombiniert werden. Die konkrete Konzentration des Safts und die maximale Tagesdosis werden beachtet.

Ibuprofen und andere NSAR

Ibuprofen wirkt schmerzlindernd und entzündungshemmend. Es kann je nach Alter und Zustand geeignet sein. Gegenanzeigen umfassen unter anderem bestimmte Nierenprobleme, relevante Austrocknung, Magen-Darm-Blutung, einzelne Asthma-Konstellationen und Allergien. Die Anwendung bei Gerinnungsproblemen oder größerem Hämatom wird ärztlich abgestimmt.

Ob entzündungshemmende Medikamente die optimale Muskel- oder Sehnenheilung beeinflussen, wird diskutiert; klinische Daten rechtfertigen kein pauschales Verbot jeder kurzzeitigen Anwendung. Bei Kindern steht eine angemessene, sichere Schmerztherapie im Kontext der konkreten Diagnose im Vordergrund.

Salben und Gele

Topische NSAR können bei bestimmten oberflächlichen Verletzungen Schmerzen lindern, sind aber alters- und präparatabhängig zugelassen. Sie gehören nicht auf offene Haut, unter luftdichte Verbände oder großflächig ohne Anleitung. Menthol, Kampfer und ätherische Öle können bei kleinen Kindern problematisch sein.

Was nicht empfohlen wird

Acetylsalicylsäure wird Kindern und Jugendlichen, besonders bei möglicher Virusinfektion, nicht ohne ausdrückliche ärztliche Indikation gegeben. Übrig gebliebene Opioide, Beruhigungsmittel und Erwachsenenpräparate sind keine Selbstbehandlung. Schmerzmittel werden nicht genutzt, damit ein Kind trotz Verletzung am Wettkampf teilnimmt.

14 Die ersten 72 Stunden

Erster Tag

Aktivität wird beendet und die Diagnose bei Warnzeichen geklärt. Ein schmerzarmes Maß an Bewegung ist erlaubt, wenn Fraktur, schwere Band- oder Sehnenverletzung und andere Risiken unwahrscheinlich sind. Kühlen, Kompression und Hochlagern können Symptome lindern. Schlaf, Essen und Trinken bleiben bei einer isolierten leichten Weichteilverletzung normalerweise möglich.

Zweiter und dritter Tag

Schwellung und Bluterguss können zunächst noch sichtbarer werden. Entscheidend ist der Gesamttrend: Schmerz in Ruhe, Funktion und Belastbarkeit sollten sich nicht deutlich verschlechtern. Sanfte Bewegungen im erlaubten Bereich beginnen früh. Intensive Dehnung, Massage in das frische Hämatom und Wettkampfbelastung werden vermieden.

Was dokumentiert werden kann

Hilfreich sind Unfallzeit, Mechanismus, Schmerzort, Medikamente und funktionelle Entwicklung. Fotos können den Verlauf einer Schwellung dokumentieren, solange Datenschutz beachtet wird. Eine Markierung um eine Rötung ist bei Verdacht auf Entzündung manchmal hilfreich, ersetzt aber keine Untersuchung.

Alle Kapitel dieses Ratgebers

  1. 1. Was Prellung, Zerrung und Verstauchung sind Abschnitt 1–5 · 5
  2. 2. Die ersten Minuten – und was von PECH übrig bleibt Abschnitt 6–7 · 2
  3. 3. Notfall, heute untersuchen oder beobachten? Abschnitt 8–10 · 3
  4. 4. Untersuchung, Bildgebung und Schmerz Abschnitt 11–14 · 4
  5. 5. Verletzungen nach Körperregion Abschnitt 15–23 · 9
  6. 6. Wenn es keine Prellung ist Abschnitt 24–26 · 3
  7. 7. Rehabilitation und Rückkehr Abschnitt 27–31 · 5
  8. 8. Wärme, Tape, Spritze: was wirkt Abschnitt 32–34 · 3
  9. 9. Vorbeugen und Trainingssteuerung Abschnitt 35–40 · 6
  10. 10. Im Detail: Muskel, Band und Region Abschnitt 41–48 · 8
  11. 11. Hämatome, Komplikationen und Ernährung Abschnitt 49–52 · 4
  12. 12. Alltag, Nachsorge und Elternfragen Abschnitt 53–60 · 8
  13. 13. Reha-Plan, Tests und Rollen Abschnitt 61–65 · 5
  14. 14. Was die Evidenz tatsächlich sagt Abschnitt 66–75 · 10
  15. 15. Zurück in den Sport – und die Versorgungswege Abschnitt 76–80 · 5
  16. 16. Häufige Fragen Abschnitt 81–85 · 5
  17. 17. Verfahren, Fehler und Dokumentation Abschnitt 86–95 · 10
  18. 18. Hintergrund: Anatomie, Heilung und Training Abschnitt 96–105 · 10
  19. 19. Besondere Prellungen, Prognose und Qualität Abschnitt 106–118 · 13
  20. 20. Versorgungspfade nach Körperregion Abschnitt 119–126 · 8
  21. 21. Belastungsplan, Glossar und Quellen Abschnitt 127–136 · 10