Nicht jeder Stromkontakt ist gleich gefährlich. Entscheidend sind der Weg durch den Körper, die Kontaktzeit und die Feuchtigkeit der Haut – und was außen zu sehen ist, sagt über den Schaden innen wenig aus.

Wichtiger Hinweis

Ein Kind unter Strom darf erst berührt werden, wenn die Stromquelle sicher abgeschaltet ist. Bei Haushaltsstrom Sicherung oder FI-Schalter ausschalten beziehungsweise Stecker ziehen, sofern dies ohne Eigengefährdung möglich ist. Bei Hochspannung Abstand halten und ausschließlich Feuerwehr beziehungsweise Netzbetreiber retten lassen; Strom kann durch die Luft überspringen.

Bei Bewusstlosigkeit, fehlender normaler Atmung, Krampfanfall, Brustschmerz, Herzrasen, Verbrennungen, Hochspannungs- oder Blitzunfall sofort 144 beziehungsweise 112 rufen. Bei fehlender normaler Atmung Wiederbelebung beginnen und einen automatisierten Defibrillator verwenden, sobald verfügbar.

Äußerlich kleine Strommarken können tiefe Schäden verbergen. Ein Kind nach relevantem Stromkontakt wird ärztlich beurteilt. Die Dringlichkeit hängt von Spannung, Stromweg, Kontaktdauer, Symptomen, Hautzustand und Unfallmechanismus ab.

Österreich: Rettung 144, Euro-Notruf 112, Feuerwehr 122.

14 Stromweg durch den Körper

Ein Stromweg von Hand zu Hand oder Hand zu Fuß kann Brustkorb und Herz durchqueren. Kopfkontakt gefährdet Gehirn, Augen und Atemzentrum. Fuß-zu-Fuß-Stromwege betreffen das Herz möglicherweise weniger, sind aber nicht sicher.

Ein- und Austrittsstelle lassen den inneren Weg nur grob vermuten. Ärztliche Untersuchung und EKG sind wichtiger als eine Zeichnung zu Hause.

Der Weg durch den Körper entscheidet mit

Tippen oder klicken Sie auf einen Kontaktpunkt, um zu sehen, welche Organe auf diesem Weg liegen.

Einen Kontaktpunkt wählen.

Diese Zeichnung ersetzt keine Untersuchung. Ein- und Austrittsstelle lassen den inneren Weg nur grob vermuten; welches Gewebe tatsächlich betroffen ist, zeigen erst Untersuchung, EKG und Laborwerte. Nerven und Blutgefäße leiten gut, Knochen haben hohen Widerstand und erhitzen das umliegende Gewebe.

15 Kontaktzeit und Loslassgrenze

Je länger Strom fließt, desto größer die Gefahr. Wechselstrom kann Beugemuskeln der Hand verkrampfen, sodass ein Kabel nicht losgelassen werden kann. Kinder haben kleinere Hände und können Leiter fest umschließen.

Ein FI-Schutzschalter erkennt Fehlerströme und schaltet sehr rasch ab, kann aber nicht jede gefährliche Konstellation verhindern. Er ersetzt keine Abdeckungen und intakten Geräte.

16 Nasse Haut und Badezimmer

Feuchtigkeit senkt den Hautwiderstand. Elektrogeräte in Badewanne, Dusche oder Planschbecken sind deshalb extrem gefährlich. Auch ein scheinbar ausgeschaltetes Gerät kann bei eingestecktem Stecker Spannung führen.

Geräte nie in Reichweite von Wasser verwenden oder laden. Steckdosenstromkreis im Bad benötigt normgerechten FI-Schutz. Mobile Mehrfachsteckdosen gehören nicht ins Bad.

17 Äußere Strommarken

Strommarken sind oft kleine, rundliche, weiß-graue oder verkohlte Stellen an Kontaktpunkten. Sie können schmerzarm sein. Eine kleine Marke sagt nichts Sicheres über die Tiefe aus.

Wunden werden sauber und trocken abgedeckt. Nicht kühlen, eincremen oder aufkratzen. Hand-, Mund- und Gesichtslokalisationen werden besonders sorgfältig beurteilt.

18 Mundwinkelverbrennung durch Kabel

Wenn ein Kleinkind in ein stromführendes Kabel beißt, entsteht häufig eine tiefe Verbrennung am Mundwinkel. Zunächst kann sie unscheinbar wirken. Tage später kann die Lippenarterie bluten, wenn abgestorbenes Gewebe abfällt.

Solche Verletzungen brauchen spezialisierte kinderchirurgische oder plastische Betreuung. Eltern erhalten einen Notfallplan für Blutung. Bei starker Mundblutung sofort 144, direkten Druck mit sauberer Kompresse ausüben und Kind nicht allein lassen.

Die verzögerte Blutung entsteht typischerweise nicht durch „erneuten Strom“, sondern weil sich der Wundschorf löst und ein zuvor verschlossenes Gefäß eröffnet. Sie kann überraschend und kräftig sein. Betreuungspersonen in Kindergarten oder Schule müssen deshalb ebenfalls wissen, dass bei Blutung sofort Druck und Notruf nötig sind. Das Kind wird nicht hingelegt, wenn dadurch Blut in den Rachen läuft; es soll, soweit Zustand und Alter es erlauben, aufrecht und leicht nach vorn gehalten werden.

Mundverletzungen betreffen nicht nur die Haut. Lippenrot, Schleimhaut, Mundwinkelmuskulatur, Zähne und Zahnanlagen können geschädigt sein. Später drohen Narbenzug und eine Verengung der Mundöffnung. Deshalb gehören Verlaufskontrollen, sorgfältige Mundhygiene, altersgerechte Schmerzbehandlung und bei Bedarf Schienen oder plastisch-chirurgische Korrekturen zum Behandlungskonzept. Eltern ziehen an fest sitzendem Schorf nicht und tragen keine Hausmittel auf.

Alle Kapitel dieses Ratgebers

  1. 1. Eigenschutz und Grundlagen Abschnitt 1–6 · 6
  2. 2. Typische Unfälle und erste Hilfe Abschnitt 7–13 · 7
  3. 3. Was den Schaden bestimmt Abschnitt 14–18 · 5
  4. 4. Mögliche Folgen im Körper Abschnitt 19–26 · 8
  5. 5. Untersuchung und Behandlung Abschnitt 27–32 · 6
  6. 6. Nach dem Unfall und besondere Situationen Abschnitt 33–41 · 9
  7. 7. Vorbeugen im Haushalt und unterwegs Abschnitt 42–49 · 8
  8. 8. Fragen, Einordnung und Quellen Abschnitt 50–57 · 8