Eigenschutz und Grundlagen
Bei einem Stromunfall steht der Eigenschutz vor allem anderen – wer das Kind bei bestehendem Stromfluss anfasst, wird selbst zum zweiten Opfer. Dieses Kapitel erklärt außerdem, was Strom im Körper anrichtet und warum Spannung, Stromstärke und Widerstand darüber entscheiden.
Wichtiger Hinweis
Ein Kind unter Strom darf erst berührt werden, wenn die Stromquelle sicher abgeschaltet ist. Bei Haushaltsstrom Sicherung oder FI-Schalter ausschalten beziehungsweise Stecker ziehen, sofern dies ohne Eigengefährdung möglich ist. Bei Hochspannung Abstand halten und ausschließlich Feuerwehr beziehungsweise Netzbetreiber retten lassen; Strom kann durch die Luft überspringen.
Bei Bewusstlosigkeit, fehlender normaler Atmung, Krampfanfall, Brustschmerz, Herzrasen, Verbrennungen, Hochspannungs- oder Blitzunfall sofort 144 beziehungsweise 112 rufen. Bei fehlender normaler Atmung Wiederbelebung beginnen und einen automatisierten Defibrillator verwenden, sobald verfügbar.
Äußerlich kleine Strommarken können tiefe Schäden verbergen. Ein Kind nach relevantem Stromkontakt wird ärztlich beurteilt. Die Dringlichkeit hängt von Spannung, Stromweg, Kontaktdauer, Symptomen, Hautzustand und Unfallmechanismus ab.
Österreich: Rettung 144, Euro-Notruf 112, Feuerwehr 122.
1 Warum Eigenschutz absolute Priorität hat
Der menschliche Körper leitet Strom. Wer ein noch verbundenes Kind anfasst, kann selbst Teil des Stromkreises werden. Dadurch gibt es zwei Verletzte und niemand kann mehr helfen.
Bei Haushaltsgeräten wird der Stecker nur gezogen, wenn Kabel, Boden und Hände sicher trocken sind. Zuverlässiger ist das Abschalten am Sicherungskasten. Ein trockener nicht leitender Gegenstand kann in bestimmten Niederspannungssituationen helfen, die Quelle wegzuschieben; das ist nur eine Notlösung und niemals bei Hochspannung.
Wasser, Metall, feuchte Holzgegenstände und bloße Hände sind ungeeignet.
2 Hochspannung: Annäherung kann tödlich sein
Bei Bahnoberleitungen, Umspannwerken und Hochspannungsleitungen ist keine direkte Berührung nötig. Ein Lichtbogen kann die Luftstrecke überbrücken. Der Boden rund um eine herabgefallene Leitung kann durch Schrittspannung gefährlich sein.
Mindestens großen Sicherheitsabstand halten, andere Personen zurückweisen, 122 und 112 rufen und auf Freigabe durch Fachkräfte warten. Auch wenn das Kind regungslos ist, darf niemand ungeschützt in den Gefahrenbereich laufen.
Eine pauschale Meterzahl ist für Laien nicht zuverlässig: Die notwendige Distanz hängt unter anderem von Spannung, Leitung, Feuchtigkeit und Lage der Unfallstelle ab. Deshalb gilt praktisch: nicht annähern, den Bereich weiträumig sperren und die Anweisungen der Leitstelle befolgen. Wer sich bei einer heruntergefallenen Leitung bereits im Gefahrenbereich befindet, vermeidet große Schritte und Berührungen mit Gegenständen. Die Leitstelle kann situationsbezogen erklären, wie man den Bereich verlässt.
Auch nach vermeintlichem Abschalten bleibt Vorsicht nötig. Bahn- und Energieanlagen können automatisch erneut Spannung führen. Erst die ausdrücklich bestätigte Freigabe durch Betreiber oder Einsatzkräfte macht eine Annäherung vertretbar. Ein Lichtbogen kann zudem Kleidung entzünden; neben dem elektrischen Schaden entstehen dann schwere thermische Verbrennungen und Rauchgasverletzungen.
3 Was elektrischer Strom im Körper macht
Strom kann Nerven und Muskeln erregen, Herzrhythmus stören und Gewebe erhitzen. Die Schädigung hängt nicht nur von Volt ab. Wichtig sind Stromstärke, Widerstand, Kontaktzeit, Stromart, Frequenz und Weg durch den Körper.
Nerven und Blutgefäße leiten relativ gut, Knochen bieten hohen Widerstand und erwärmen umgebendes Gewebe. Deshalb kann unter einer kleinen Hautstelle eine ausgedehnte Muskelnekrose liegen.
4 Volt, Ampere und Widerstand verständlich erklärt
Spannung in Volt ist vereinfacht der elektrische „Druck“. Stromstärke in Ampere beschreibt, wie viel Strom fließt. Der Widerstand hemmt den Fluss. Nach dem Ohmschen Gesetz steigt bei gleicherem Widerstand der Strom mit der Spannung.
Trockene Haut bietet mehr Widerstand als nasse Haut. Im Bad, Schwimmbad oder bei Schweiß kann deutlich mehr Strom durch den Körper fließen. Kleine Kontaktflächen konzentrieren Energie und erzeugen tiefe Strommarken.
5 Wechselstrom und Gleichstrom
Haushaltsnetze verwenden Wechselstrom. Bei typischer Netzfrequenz kann er anhaltende Muskelverkrampfung auslösen. Das Kind kann die Quelle nicht loslassen, wodurch die Kontaktzeit steigt. Wechselstrom kann schon bei relativ niedriger Spannung gefährliche Herzrhythmusstörungen verursachen.
Gleichstrom führt häufiger zu einer einmaligen starken Muskelkontraktion, die das Kind wegschleudert. Dadurch entstehen Sturz- und Wirbelsäulenverletzungen. Beide Stromarten können tödlich sein.
6 Niederspannung, Hochspannung und Lichtbogen
In der Verbrennungsmedizin wird meist unterschieden:
- Niederspannung unter 1.000 Volt
- Hochspannung ab 1.000 Volt
- Lichtbogenverletzung durch überspringenden Strom und extreme Hitze
- Blitzschlag als sehr kurzer, extrem energiereicher Stromimpuls.
Haushaltsstrom in Österreich beträgt typischerweise 230 Volt und ist keineswegs harmlos. Hochspannungsverletzungen verursachen besonders häufig tiefe Gewebeschäden, Amputationen und Multiorganprobleme.
Vier Arten von Stromunfall – vier verschiedene Gefahren
Wählen Sie die Situation, um zu sehen, was dabei im Körper geschieht und worauf es an der Unfallstelle ankommt.
Alle Kapitel dieses Ratgebers
- 1. Eigenschutz und Grundlagen Abschnitt 1–6 · 6
- 2. Typische Unfälle und erste Hilfe Abschnitt 7–13 · 7
- 3. Was den Schaden bestimmt Abschnitt 14–18 · 5
- 4. Mögliche Folgen im Körper Abschnitt 19–26 · 8
- 5. Untersuchung und Behandlung Abschnitt 27–32 · 6
- 6. Nach dem Unfall und besondere Situationen Abschnitt 33–41 · 9
- 7. Vorbeugen im Haushalt und unterwegs Abschnitt 42–49 · 8
- 8. Fragen, Einordnung und Quellen Abschnitt 50–57 · 8
Hinweis zur Entstehung dieses Beitrags
Dieser Beitrag wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz geschrieben und überarbeitet.
War dieser Beitrag hilfreich?
Woran lag es?
Danke – das hilft uns bei der Überarbeitung.