Was im Krankenhaus untersucht und behandelt wird: Laborwerte, Bildgebung, die Versorgung der Wunden, die Flüssigkeitstherapie bei Hochspannung – und die Frage nach Operation und Tetanusschutz.

Wichtiger Hinweis

Ein Kind unter Strom darf erst berührt werden, wenn die Stromquelle sicher abgeschaltet ist. Bei Haushaltsstrom Sicherung oder FI-Schalter ausschalten beziehungsweise Stecker ziehen, sofern dies ohne Eigengefährdung möglich ist. Bei Hochspannung Abstand halten und ausschließlich Feuerwehr beziehungsweise Netzbetreiber retten lassen; Strom kann durch die Luft überspringen.

Bei Bewusstlosigkeit, fehlender normaler Atmung, Krampfanfall, Brustschmerz, Herzrasen, Verbrennungen, Hochspannungs- oder Blitzunfall sofort 144 beziehungsweise 112 rufen. Bei fehlender normaler Atmung Wiederbelebung beginnen und einen automatisierten Defibrillator verwenden, sobald verfügbar.

Äußerlich kleine Strommarken können tiefe Schäden verbergen. Ein Kind nach relevantem Stromkontakt wird ärztlich beurteilt. Die Dringlichkeit hängt von Spannung, Stromweg, Kontaktdauer, Symptomen, Hautzustand und Unfallmechanismus ab.

Österreich: Rettung 144, Euro-Notruf 112, Feuerwehr 122.

27 Laboruntersuchungen

Je nach Schwere werden Blutbild, Elektrolyte, Nierenwerte, Kreatinkinase, Säure-Basen-Status, Urin und weitere Marker untersucht. Troponin ist nicht bei jedem kleinen Niederspannungskontakt nötig, kann bei Herzsymptomen oder auffälligem EKG sinnvoll sein.

Labor wird gezielt nach Unfallmechanismus eingesetzt. Ein breites „Sicherheitspaket“ ersetzt klinische Beurteilung nicht.

Die Kreatinkinase, kurz CK, steigt bei geschädigter Muskulatur an. Myoglobin ist ein Muskelprotein, das bei ausgeprägter Zerstörung in Blut und Urin gelangt. Ein Urinteststreifen kann dabei auf „Blut“ reagieren, obwohl unter dem Mikroskop kaum rote Blutkörperchen zu sehen sind. Das ist ein möglicher Hinweis auf Myoglobin, aber kein Beweis; Befund, Urinfarbe, CK, Nierenfunktion und Elektrolyte werden gemeinsam beurteilt.

Besonders wichtig ist Kalium. Zerstörte Muskelzellen können Kalium freisetzen, und ein starker Anstieg selbst Rhythmusstörungen auslösen. Gleichzeitig können Infusionen, Nierenfunktion und Gewebeschwellung den Verlauf verändern. Bei schweren Verletzungen werden Werte daher wiederholt statt nur einmal gemessen. Nach einem kurzen, symptomfreien Haushaltskontakt mit normaler Untersuchung ist eine solche umfangreiche Labordiagnostik dagegen meist nicht erforderlich.

Troponin ist ein Marker für Herzmuskelverletzung. Ein routinemäßiger Test bei jedem Kind produziert unnötige Grenzbefunde und beantwortet die entscheidende Frage nicht allein. Sinnvoller ist eine risikogesteuerte Auswahl: Herzbeschwerden, auffälliges EKG, Kreislaufinstabilität, Hochspannung oder ein klinischer Verdacht auf Herzbeteiligung erhöhen den diagnostischen Nutzen.

28 Bildgebung

Röntgen, Ultraschall, CT oder MRT richten sich nach Sturz, Frakturverdacht, innerem Schaden und neurologischen Symptomen. Elektrische Muskelverletzung ist nicht immer im frühen Bild sichtbar.

Bei metallischen Fremdkörpern oder unklarer Hochspannungsverletzung wird MRT nur nach Sicherheitsprüfung durchgeführt.

29 Behandlung der Verbrennungswunden

Stromwunden werden unter Schmerztherapie gereinigt, Tiefenentwicklung beobachtet und nicht haftend abgedeckt. Tiefe Nekrosen benötigen operative Entfernung und häufig Hauttransplantation oder Lappenplastik.

Die Verletzung kann sich über Tage demarkieren. Hand- und Gelenkwunden benötigen frühe Ergo- und Physiotherapie. Details zur allgemeinen Verbrennungsbehandlung stehen im vorherigen Artikel.

30 Flüssigkeitstherapie bei Hochspannung

Bei ausgeprägter Muskelzerstörung wird mehr Urin angestrebt als bei einer rein thermischen Verbrennung. Kristalloide Infusionen helfen, Myoglobin auszuspülen und Nierenversagen zu vermeiden. Urinmenge, Elektrolyte, Kreislauf und Lunge werden eng überwacht.

Diuretika oder Alkalisierung sind keine häuslichen Maßnahmen und werden nur individuell eingesetzt. Zu viel Flüssigkeit verstärkt Schwellung und Kompartmentsyndrom.

31 Operationen und Amputationsrisiko

Hochspannungsstrom kann Muskeln und Gefäße entlang einer Gliedmaße zerstören. Wiederholte Operationen entfernen abgestorbenes Gewebe. Gefäßrekonstruktion, Nervenversorgung, Haut- und Muskeltransplantate können nötig sein.

Wenn Gewebe nicht mehr lebensfähig oder eine Infektion lebensbedrohlich ist, lässt sich eine Amputation nicht immer vermeiden. Rehabilitation, Prothesenversorgung und psychologische Begleitung beginnen früh und berücksichtigen das Wachstum.

32 Antibiotika und Tetanus

Systemische Antibiotika werden nicht automatisch nach jedem Stromkontakt gegeben. Bei tiefer Nekrose, Verschmutzung, Operation oder Infektion entscheidet das Team gezielt.

Der Tetanusimpfstatus wird geprüft und nach österreichischem Impfplan ergänzt. Der Impfpass wird mitgenommen, ohne die Versorgung zu verzögern.

Alle Kapitel dieses Ratgebers

  1. 1. Eigenschutz und Grundlagen Abschnitt 1–6 · 6
  2. 2. Typische Unfälle und erste Hilfe Abschnitt 7–13 · 7
  3. 3. Was den Schaden bestimmt Abschnitt 14–18 · 5
  4. 4. Mögliche Folgen im Körper Abschnitt 19–26 · 8
  5. 5. Untersuchung und Behandlung Abschnitt 27–32 · 6
  6. 6. Nach dem Unfall und besondere Situationen Abschnitt 33–41 · 9
  7. 7. Vorbeugen im Haushalt und unterwegs Abschnitt 42–49 · 8
  8. 8. Fragen, Einordnung und Quellen Abschnitt 50–57 · 8