Behandlung im Krankenhaus
Von der Untersuchung über die Schmerzbehandlung und die Flüssigkeitstherapie bis zu Wundauflagen, Hauttransplantation und den Sonderfällen, die rasch entlastet werden müssen.
Wichtiger Hinweis
Bei großflächiger oder tiefer Verbrennung, Verletzung von Gesicht oder Atemwegen, Rauchgasexposition, Bewusstseinsstörung, Atemnot, Strom- oder Chemieunfall sofort 144 beziehungsweise 112 rufen. Bei einem Brand hat der Eigenschutz Vorrang; niemals in einen verrauchten oder brennenden Raum zurückgehen.
Kinder kühlen schneller aus als Erwachsene. Nach der deutschsprachigen S2k-Leitlinie von 2024 dürfen nur kleinere Verbrennungen an Armen oder Beinen aus Schmerzlinderungsgründen höchstens zehn Minuten mit handwarmem Wasser gekühlt werden. Säuglinge, Neugeborene, großflächige Verletzungen sowie Verbrennungen an Kopf oder Rumpf werden nicht gekühlt. Eis, Kühlpacks und Brandgelkompressen sind ungeeignet.
Anhaftende Kleidung nicht abreißen, Blasen nicht selbst eröffnen und keine Hausmittel wie Mehl, Zahnpasta, Öl oder Salben auftragen. Die Wunde sauber und trocken abdecken, das übrige Kind warm halten und medizinisch beurteilen lassen.
Österreich: Rettung 144, Euro-Notruf 112, Feuerwehr 122.
21 Untersuchung im Krankenhaus
Das Team prüft nach ABCDE Atemweg, Atmung, Kreislauf, neurologischen Zustand und den vollständig entkleideten Körper. Dabei wird das Kind sofort wieder warm gehalten. Unfallhergang, Zeit, Flüssigkeitstemperatur, Kleidung, Kühlmaßnahmen und Begleitverletzungen werden erfragt.
Fotos und Flächenskizzen dokumentieren den Befund. Bei Rauchgas werden Blutgase einschließlich Kohlenmonoxid- und Methämoglobinwerten bestimmt; Bronchoskopie kann nötig sein.
22 Schmerzbehandlung
Verbrennungen und Verbandswechsel sind sehr schmerzhaft. Unbehandelter Schmerz verstärkt Angst, Stress und spätere Traumatisierung. Altersgerechte Schmerzskalen helfen bei Kindern, die Beschwerden noch nicht gut beschreiben können.
Je nach Schwere kommen Paracetamol, Ibuprofen, Opioide, Ketamin und sedierende Verfahren zum Einsatz. Dosierung und Kombination gehören in medizinische Hände. Gute Vorbereitung, Elternnähe, Ablenkung und kindgerechte Erklärung ergänzen Medikamente.
23 Flüssigkeitsverlust und Verbrennungskrankheit
Ab etwa 15 Prozent verbrannter Körperoberfläche kann eine systemische Verbrennungskrankheit entstehen. Entzündungsstoffe machen kleine Gefäße durchlässig; Flüssigkeit tritt ins Gewebe und fehlt im Kreislauf. Schwellung und Schock drohen.
Kinder benötigen zusätzlich zur errechneten Verbrennungsflüssigkeit ihren altersabhängigen Erhaltungsbedarf und Glukosekontrolle. Formeln sind Ausgangspunkte, keine automatische Dosieranweisung. Urinausscheidung, Kreislauf, Labor und Gewicht steuern die Therapie.
24 Warum zu viel Infusion ebenfalls schaden kann
Zu wenig Flüssigkeit gefährdet Organdurchblutung, zu viel verstärkt Schwellung, Lungenprobleme und Kompartmentsyndrom. Dieses Problem wird „fluid creep“ genannt. Fachzentren passen die Infusion stündlich an den tatsächlichen Bedarf an.
Eltern sollten Kindern mit großer Verbrennung nicht literweise trinken lassen. Bei möglicher Narkose und Schock ist eine kontrollierte intravenöse Therapie nötig.
25 Reinigung und Blasen
Die Wunde wird unter ausreichender Schmerztherapie gereinigt. Ruß, lose Haut und Verunreinigung werden entfernt. Der Umgang mit Blasen hängt von Größe, Lage, Spannung und Behandlungskonzept ab. Große, geplatzte oder funktionell störende Blasen werden häufig fachgerecht eröffnet oder abgetragen; kleine intakte Blasen können je nach Zentrum belassen werden.
Zu Hause Blasen nicht aufstechen. Eine unsterile Nadel bringt Keime ein und entfernt den natürlichen Schutz ohne passenden Verband.
26 Moderne Wundauflagen
Nicht haftende, feuchtigkeitserhaltende Verbände schützen die Wunde und reduzieren schmerzhafte Wechsel. Je nach Tiefe werden Silikonauflagen, Schaumverbände, Hydrofaser, Hydrokolloide, antimikrobielle Materialien oder biologische Hautersatzverfahren genutzt.
Es gibt nicht den einen besten Verband für jede Verbrennung. Infektionsrisiko, Sekret, Wundtiefe, Körperstelle, Alter und Kontrollmöglichkeit bestimmen die Auswahl.
27 Silberhaltige Produkte und Antibiotika
Silber kann antimikrobiell wirken, ist aber nicht automatisch für jede kleine Verbrennung nötig. Silber-Sulfadiazin kann oberflächliche Heilung verzögern und erfordert häufige Verbandswechsel; moderne Silberauflagen werden anders eingesetzt.
Vorbeugende systemische Antibiotika werden bei unkomplizierten Verbrennungen nicht routinemäßig gegeben. Sie verhindern keine Infektion zuverlässig und fördern Resistenzen. Bei nachgewiesener Infektion oder speziellen Operationen entscheidet das Team gezielt.
28 Tetanusschutz
Verbrennungswunden gelten als potenziell tetanusgefährdet. Der Impfstatus wird geprüft und nach österreichischem Impfplan vervollständigt oder aufgefrischt. Bei unzureichendem Schutz und entsprechender Wunde kann zusätzlich Tetanus-Immunglobulin nötig sein.
Eltern nehmen den Impfpass mit, ohne die Notfallversorgung zu verzögern.
29 Operative Entfernung von abgestorbenem Gewebe
Tief geschädigtes Gewebe kann nicht heilen und begünstigt Entzündung. Bei der Exzision wird es entfernt, bis durchblutetes Gewebe erreicht ist. Eine frühe Operation verkürzt bei geeigneten Wunden die offene Heilungsphase und kann Infektionen sowie überschießende Narben reduzieren.
Wie früh operiert wird, hängt von Tiefe, Fläche, Allgemeinzustand und sicherer Demarkierung ab.
30 Hauttransplantation
Bei einer Spalthauttransplantation wird eine dünne Hautschicht, häufig vom Oberschenkel oder Kopf, entnommen und auf die vorbereitete Wunde gelegt. Entnahmestelle und Transplantat müssen heilen. Bei größeren Flächen wird das Transplantat netzartig erweitert.
Die transplantierte Haut wächst mit dem Kind nicht immer gleich elastisch. Langfristige Kontrolle und manchmal spätere Korrekturen sind nötig.
31 Ringförmige Verbrennungen
Eine tiefe Verbrennung rund um Arm, Bein oder Brustkorb bildet eine starre Schicht. Schwellung darunter kann Blutfluss oder Atmung einschränken. Kalte Finger, schwacher Puls, starke Spannung oder Atembehinderung sind Warnzeichen.
Bei einer Escharotomie wird die starre Verbrennungsschicht chirurgisch eingeschnitten, um Druck zu entlasten. Das ist eine Notfallmaßnahme im Zentrum.
Alle Kapitel dieses Ratgebers
- 1. Erste Hilfe und Rauchgas Abschnitt 1–12 · 12
- 2. Schweregrad einschätzen Abschnitt 13–20 · 8
- 3. Behandlung im Krankenhaus Abschnitt 21–31 · 11
- 4. Heilung, Narben und Folgen Abschnitt 32–39 · 8
- 5. Zu Hause weiterversorgen Abschnitt 40–47 · 8
- 6. Vorbeugen im Haushalt Abschnitt 48–57 · 10
- 7. Weitere Ursachen und häufige Fehler Abschnitt 58–65 · 8
- 8. Besondere Stellen und Verläufe Abschnitt 66–81 · 16
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