Was in den ersten Minuten zu tun ist – vom Löschen brennender Kleidung über das richtige Kühlen bis zum Abdecken der Wunde – und was auf eine Brandwunde keinesfalls gehört. Dazu die Gefahr, die man nicht sieht: der Brandrauch.

Wichtiger Hinweis

Bei großflächiger oder tiefer Verbrennung, Verletzung von Gesicht oder Atemwegen, Rauchgasexposition, Bewusstseinsstörung, Atemnot, Strom- oder Chemieunfall sofort 144 beziehungsweise 112 rufen. Bei einem Brand hat der Eigenschutz Vorrang; niemals in einen verrauchten oder brennenden Raum zurückgehen.

Kinder kühlen schneller aus als Erwachsene. Nach der deutschsprachigen S2k-Leitlinie von 2024 dürfen nur kleinere Verbrennungen an Armen oder Beinen aus Schmerzlinderungsgründen höchstens zehn Minuten mit handwarmem Wasser gekühlt werden. Säuglinge, Neugeborene, großflächige Verletzungen sowie Verbrennungen an Kopf oder Rumpf werden nicht gekühlt. Eis, Kühlpacks und Brandgelkompressen sind ungeeignet.

Anhaftende Kleidung nicht abreißen, Blasen nicht selbst eröffnen und keine Hausmittel wie Mehl, Zahnpasta, Öl oder Salben auftragen. Die Wunde sauber und trocken abdecken, das übrige Kind warm halten und medizinisch beurteilen lassen.

Österreich: Rettung 144, Euro-Notruf 112, Feuerwehr 122.

1 Verbrennung, Verbrühung und Brandverletzung

Eine Verbrennung entsteht, wenn Wärme die Regulationsfähigkeit der Haut übersteigt und Gewebe schädigt. Heiße Flüssigkeit verursacht eine Verbrühung, eine Flamme eine Feuerverbrennung. Auch Dampf, heiße Flächen, Fett, Reibung, Explosion, Sonnenstrahlung, Strom und Chemikalien können vergleichbare Schäden hervorrufen.

Im Kindesalter sind Verbrühungen besonders häufig. Die S2k-Leitlinie nennt für stationär behandelte Fälle einen Anteil von über 70 Prozent. Ein umgestoßener Becher Tee kann bei einem Kleinkind große Teile von Brust, Arm und Gesicht treffen.

2 Warum Kinderhaut schneller schwer verletzt wird

Kinderhaut ist dünner als die Haut Erwachsener. Dieselbe Flüssigkeitstemperatur kann deshalb schneller tiefe Schichten schädigen. Gleichzeitig ist die betroffene Fläche im Verhältnis zum kleinen Körper oft groß.

Kinder verlieren über verletzte Haut und ihre große Körperoberfläche rasch Wärme und Flüssigkeit. Säuglinge können ihre Körpertemperatur schlechter stabil halten. Genau deshalb ist ausgedehntes Kühlen, das bei Erwachsenen harmlos wirken mag, für kleine Kinder gefährlich.

Wachstum macht Narben langfristig relevant: Eine Narbe über einem Gelenk kann später die Beweglichkeit begrenzen, obwohl sie anfangs klein erscheint.

3 Eigenschutz bei Feuer und Rauch

Rauch kann innerhalb weniger Atemzüge bewusstlos machen. Türen nicht unüberlegt öffnen, Aufzüge nicht verwenden und niemals in einen verrauchten Raum zurückkehren. Feuerwehr 122 alarmieren.

Wenn eine Rettung ohne Eigengefährdung möglich ist, das Kind aus der Gefahrenzone bringen. In Bodennähe kann die Luft etwas weniger heiß und rauchbelastet sein. Danach Entfernung vom Gebäude, weil Rückzündung, Explosion und giftige Gase möglich sind.

Eine helfende Person, die selbst verletzt wird, kann dem Kind nicht mehr helfen. Eigenschutz ist kein Zögern, sondern Teil der Rettung.

4 Brennende Kleidung löschen

Ein brennendes Kind soll nicht laufen, weil Bewegung Flammen anfacht. „Stopp – hinlegen – rollen“ erstickt die Flamme. Eine Löschdecke oder ein schweres Tuch kann von Hals Richtung Füße aufgelegt werden, damit Flammen und Hitze nicht ins Gesicht gedrückt werden.

Wasser ist zum Löschen geeignet, sofern kein elektrischer oder chemisch gefährlicher Zusammenhang besteht. Nach dem Löschen glimmende Kleidung kontrollieren. Synthetisches Material kann schmelzen und an der Haut haften; angeklebte Teile bleiben liegen.

5 Kleidung, Windel und Schmuck

Heiße Flüssigkeit bleibt in Kleidung und Windel gespeichert und wirkt weiter. Nicht anhaftende Textilien werden rasch und vorsichtig entfernt. Festgeschmolzene oder festgeklebte Stoffe nicht abziehen, sondern um die Stelle herum schneiden.

Ringe, Armbänder, Uhren, enge Schuhe und Gürtel früh entfernen, weil Schwellung sie später abschnüren kann. Bei Handverbrennungen zählt jede Minute, bevor Finger anschwellen.

6 Richtig kühlen – und wann nicht

Kühlung dient vor allem der Schmerzlinderung, nicht dem „Herausziehen“ der Hitze aus tiefem Gewebe. Nach der S2k-Leitlinie 2024 können kleine Verbrennungen an Extremitäten maximal zehn Minuten mit handwarmem Wasser gekühlt werden.

Nicht gekühlt werden:

  • Säuglinge und Neugeborene
  • großflächige Verletzungen über etwa 15 Prozent der Körperoberfläche
  • Verbrennungen an Kopf oder Rumpf
  • bereits unterkühlte Kinder
  • intubierte oder beatmete Kinder.

Auch bei kleineren Wunden bleibt der restliche Körper warm. Zittern, Blässe und kalte Haut bedeuten Kühlung sofort beenden.

Kühlen oder nicht kühlen?

Kühlen lindert Schmerz – es zieht keine Hitze aus tiefem Gewebe und ersetzt keine Behandlung. Wählen Sie die Situation, die zutrifft.

Nach der deutschsprachigen S2k-Leitlinie „Behandlung thermischer Verletzungen im Kindesalter“ (2024). Eis, Kühlpacks und Brandgelkompressen sind in jeder dieser Situationen ungeeignet – sie verengen die Durchblutung, können die Wunde vertiefen und kühlen das Kind zusätzlich aus.

7 Warum Eis und Kühlpacks schaden können

Eis verursacht starke Gefäßverengung und kann zusätzlich eine Kälteschädigung erzeugen. Kühlpacks sind oft deutlich zu kalt und wirken lange weiter. Brandgelkompressen haben laut Leitlinie keinen nachgewiesenen Vorteil und können die Körpertemperatur weiter senken.

Keine Eiswürfel, Tiefkühlware oder eiskaltes Wasser verwenden. „Je kälter, desto besser“ ist bei Kinderverbrennungen falsch.

8 Wunde abdecken

Nach der kurzen Erstversorgung wird die Wunde sauber, trocken und möglichst steril abgedeckt. Geeignet sind sterile, nicht haftende Wundauflagen oder notfalls ein sauberes, fusselfreies Tuch. Großflächig kann lockere saubere Folie vor Verschmutzung schützen, darf aber nicht straff um eine Gliedmaße gewickelt werden.

Gesicht nicht mit Folie bedecken. Das Kind mit trockenen Decken warm halten. Die Abdeckung schützt Nervenenden, reduziert Luftzugschmerz und verhindert Verschmutzung.

9 Was nicht auf die Wunde gehört

Nicht verwenden:

  • Mehl oder Puder
  • Zahnpasta
  • Öl, Butter oder Fett
  • Topfen, Joghurt oder Ei
  • Desinfektionsalkohol
  • ätherische Öle
  • gefärbte Lösungen
  • Salben ohne medizinische Empfehlung.

Hausmittel speichern Wärme, reizen Gewebe, verunreinigen die Wunde und erschweren die Beurteilung. Auch Brandsalben sind in der akuten unklaren Situation nicht automatisch sinnvoll.

Was auf die Wunde gehört – und was nicht

Nicht auf die Wunde

Mehl, Puder, Zahnpasta
Öl, Butter, Fett
Topfen, Joghurt, Ei
Alkohol, ätherische Öle, gefärbte Lösungen
Salben ohne ärztliche Empfehlung

Richtig versorgt

Sterile, nicht haftende Wundauflage
Notfalls ein sauberes, fusselfreies Tuch
Großflächig: locker aufgelegte saubere Folie, nie straff um eine Gliedmaße
Gesicht niemals mit Folie bedecken
Kind mit trockenen Decken warm halten

Hausmittel speichern Wärme, reizen das Gewebe, verunreinigen die Wunde und erschweren die spätere Beurteilung der Tiefe. Auch anhaftende Kleidung bleibt, wo sie ist – sie wird nicht abgerissen, sondern rundherum abgeschnitten. Blasen werden nicht selbst eröffnet.

10 Wann sofort 144 oder 112 gerufen wird

Sofortiger Notruf bei:

  • Atemnot, Heiserkeit, Stridor, Ruß oder Verbrennung im Gesicht
  • Rauchgasexposition in geschlossenem Raum
  • Bewusstseinsstörung oder Kreislaufproblemen
  • großflächiger, tiefer oder ringförmiger Verbrennung
  • Verbrennung von Gesicht, Händen, Füßen, Genitalbereich oder großen Gelenken
  • Strom-, Blitz- oder Chemieunfall
  • Explosion oder zusätzlichen schweren Verletzungen
  • starken Schmerzen, die nicht beherrschbar sind.

Bei Unsicherheit ist ein früher Notruf besser als eine verspätete Versorgung.

Warnzeichen-Ampel: Wann der Notruf nicht warten darf

Atemwege und Rauchgas

Atemnot, Heiserkeit, pfeifendes Einatmen, Ruß im Gesicht oder in der Nase, verbrannte Gesichtsbehaarung, Rauchgasexposition in geschlossenem Raum. Eine Schwellung der Atemwege kann sich über Stunden verstärken.

Ausdehnung, Tiefe und Lage

Großflächige, tiefe oder ringförmige Verbrennung; Verletzung von Gesicht, Händen, Füßen, Genitalbereich oder großen Gelenken. Ringförmige Verbrennungen können die Durchblutung abschnüren.

Unfallmechanismus

Strom-, Blitz- oder Chemieunfall, Explosion, zusätzliche schwere Verletzungen. Bei Stromunfällen kann unter einer kleinen Hautmarke ein ausgedehnter Tiefenschaden liegen.

Zustand des Kindes

Bewusstseinsstörung, Kreislaufprobleme oder Schmerzen, die sich nicht beherrschen lassen – auch bei scheinbar kleiner Wunde.

Bei Unsicherheit ist ein früher Notruf besser als eine verspätete Versorgung. Bei einem Brand hat der Eigenschutz Vorrang: niemals in einen verrauchten oder brennenden Raum zurückgehen.
Ein normaler Wert am Pulsoximeter schließt eine Kohlenmonoxidvergiftung nicht aus – das Gerät kann CO-beladenes Hämoglobin nicht von sauerstoffbeladenem unterscheiden. Nach Rauchgasexposition zählt deshalb der Unfallhergang, nicht die Anzeige.

11 Rauchgas und Inhalationstrauma

Ein Inhalationstrauma ist eine Schädigung von Atemwegen und Lunge durch heißen Rauch, Partikel und giftige Gase. Äußere Hautverbrennungen können gering sein, obwohl die innere Gefahr groß ist.

Warnzeichen sind Gesichtverbrennung, versengte Nasenhaare, Ruß in Mund oder Auswurf, Husten, Heiserkeit, Atemgeräusch, Schwellung im Rachen und Rauchkontakt in einem geschlossenen Raum. Atemwegsschwellung kann zunehmen; eine frühe Intubation kann sicherer sein als eine späte Notfallintubation.

12 Kohlenmonoxid und Cyanid im Brandrauch

Kohlenmonoxid ist geruchlos und blockiert Sauerstofftransport sowie Zellatmung. Ein normales Pulsoximeter kann fälschlich gute Werte anzeigen. Kopfschmerz, Übelkeit, Verwirrtheit, Müdigkeit und Bewusstlosigkeit sind möglich.

Beim Verbrennen stickstoffhaltiger Kunststoffe kann Cyanid entstehen. Es hemmt die Sauerstoffverwertung in den Zellen. Schwere Rauchgasvergiftung wird im Krankenhaus mit hoch konzentriertem Sauerstoff, gezielter Diagnostik und gegebenenfalls Hydroxocobalamin behandelt.

Alle Kapitel dieses Ratgebers

  1. 1. Erste Hilfe und Rauchgas Abschnitt 1–12 · 12
  2. 2. Schweregrad einschätzen Abschnitt 13–20 · 8
  3. 3. Behandlung im Krankenhaus Abschnitt 21–31 · 11
  4. 4. Heilung, Narben und Folgen Abschnitt 32–39 · 8
  5. 5. Zu Hause weiterversorgen Abschnitt 40–47 · 8
  6. 6. Vorbeugen im Haushalt Abschnitt 48–57 · 10
  7. 7. Weitere Ursachen und häufige Fehler Abschnitt 58–65 · 8
  8. 8. Besondere Stellen und Verläufe Abschnitt 66–81 · 16