Diphtherie bei Kindern
Diphtherie ist eine schwere bakterielle Infektionskrankheit, die in Österreich dank der Impfung nur noch selten vorkommt. Ausgerottet ist sie jedoch nicht: Weltweit treten weiterhin Ausbrüche auf, und auch in Europa werden jedes Jahr Fälle nachgewiesen. Gefährlich wird die Erkrankung vor allem durch ein Gift, das die Bakterien bilden – es kann Herz und Nerven schädigen, während gleichzeitig die Atemwege zuschwellen können. Für Eltern lohnt es sich, die Warnzeichen zu kennen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Auslöser sind meist toxinbildende Stämme von Corynebacterium diphtheriae; seltener C. ulcerans oder C. pseudotuberculosis.
- Die Inkubationszeit beträgt meist zwei bis fünf Tage.
- Typisch für die Rachendiphtherie ist ein fest haftender grau-weißer Belag, die Pseudomembran.
- Atemnot, ein pfeifendes Geräusch beim Einatmen, starke Halsschwellung oder ausgeprägte Schluckprobleme sind Warnzeichen und müssen sofort beurteilt werden.
- Bei Verdacht auf respiratorische Diphtherie wird sofort behandelt – nicht erst, wenn das Laborergebnis vorliegt.
- Die Behandlung besteht aus Antitoxin, Antibiotika, Isolation und engmaschiger Überwachung im Krankenhaus.
- Der wirksamste Schutz ist eine vollständige Impfung samt Auffrischungen.
Was ist Diphtherie?
Die klassische Diphtherie wird meist durch toxinbildende Stämme des Bakteriums Corynebacterium diphtheriae verursacht. Seltener können auch Corynebacterium ulcerans und Corynebacterium pseudotuberculosis ein Diphtherietoxin bilden und eine ähnliche Erkrankung hervorrufen.
Entscheidend ist die Fähigkeit der Bakterien, dieses Toxin zu produzieren. Das Gift schädigt zunächst das Gewebe am Ort der Infektion und kann anschließend über Blut und Lymphe andere Organe erreichen. Besonders empfindlich reagieren Herzmuskel und Nervensystem. Historisch wurde die Kehlkopfform wegen der drohenden Erstickungsgefahr als „Würgeengel der Kinder“ bezeichnet (RKI, Deutschland).
Nicht jeder Nachweis eines Corynebakteriums bedeutet automatisch, dass eine toxinbedingte Diphtherie vorliegt. Im Labor muss zusätzlich geklärt werden, um welche Art es sich handelt und ob der Stamm tatsächlich Toxin bilden kann. Diese Unterscheidung entscheidet über Behandlung, Isolation und die Maßnahmen der Gesundheitsbehörde.
Wie wirksam die Impfung ist, zeigt der historische Vergleich: In Japan wurden 1945 noch über 80.000 Erkrankungen gezählt, seit 1999 ist dort kein einheimischer Fall mehr registriert worden (Japan Institute for Health Security, Japan).
Wie wird Diphtherie übertragen?
Corynebacterium diphtheriae wird hauptsächlich von Mensch zu Mensch übertragen. Die Bakterien gelangen beim Husten, Niesen oder Sprechen über kleine Tröpfchen und Sekrete zu anderen Personen. Möglich ist außerdem der direkte Kontakt mit infizierten Hautstellen und, seltener, die Übertragung über verunreinigte Gegenstände (gesundheit.gv.at, Österreich).
Nicht jeder Mensch, der die Bakterien trägt, entwickelt Beschwerden. Auch Personen mit wenigen oder gar keinen Symptomen können die Erreger weitergeben – ein Grund, warum sich Ausbrüche zunächst unbemerkt ausbreiten können.
Bei Corynebacterium ulcerans spielt dagegen die Übertragung vom Tier auf den Menschen eine größere Rolle. Als Infektionsquellen wurden vor allem Hunde und Katzen beschrieben, in einzelnen Situationen auch nicht pasteurisierte Milchprodukte. Eine Übertragung von C. ulcerans von Mensch zu Mensch ist wesentlich seltener.
Inkubationszeit und Ansteckungsdauer
Zwischen Ansteckung und ersten Beschwerden liegen meist zwei bis fünf Tage. Je nach Einzelfall sind kürzere oder längere Zeiträume beschrieben; spätestens nach etwa zehn Tagen ist der Großteil der Erkrankungen klinisch auffällig.
Ohne wirksame Behandlung können Erkrankte die Bakterien über mehrere Wochen ausscheiden. Durch eine geeignete Antibiotikatherapie nimmt die Ansteckungsfähigkeit rasch ab. Bei toxinbildenden C.-diphtheriae-Stämmen wird das Ende der Isolation jedoch nicht allein nach der Zahl der Behandlungstage entschieden – Kontrollabstriche bestätigen, dass der Erreger beseitigt ist. Das genaue Vorgehen legt das behandelnde Krankenhaus gemeinsam mit der Gesundheitsbehörde fest.
Welche Symptome verursacht Diphtherie?
Die Erkrankung beginnt häufig unspezifisch. Kinder fühlen sich müde und krank, bekommen Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, Appetitlosigkeit und leichtes Fieber. Gerade zu Beginn kann das mit einer gewöhnlichen Halsentzündung verwechselt werden.
Rachen- und Mandeldiphtherie
Typisch ist eine fest haftende weißlich-graue bis graue Schicht auf den Mandeln oder im Rachen – die Pseudomembran. Sie entsteht aus geschädigtem Gewebe, Entzündungszellen und anderen Bestandteilen, kann sich innerhalb weniger Tage ausbreiten und auch Kehlkopf oder Luftröhre erfassen. Oft besteht ein süßlich-fauliger Mundgeruch.
Anders als gewöhnliche Beläge lässt sich diese Membran nicht einfach abwischen. Wird sie gewaltsam entfernt, kann die Schleimhaut darunter bluten. Eltern sollten ausgeprägte Beläge im Hals deshalb keinesfalls selbst abkratzen.
Bei schweren Verläufen schwellen Lymphknoten und Weichteile am Hals stark an. So entsteht der charakteristische „Bull neck“, im Deutschen auch Stiernacken genannt (PAHO/OPS, Amerika-Region). Eine weit ausgedehnte Membran oder starke Schwellung kann die Atemwege zunehmend einengen.
Kehlkopfdiphtherie
Ist der Kehlkopf betroffen, treten Heiserkeit, bellender Husten und zunehmend erschwerte Atmung auf. Beim Einatmen entsteht ein deutlich hörbares Geräusch, ein sogenannter Stridor. Durch Schwellung und Membranbildung kann es zu einer gefährlichen Verengung der Atemwege kommen.
Diese Form wurde früher „echter Krupp“ genannt und darf nicht mit dem wesentlich häufigeren viralen Pseudokrupp verwechselt werden.
Nasendiphtherie
Die Nasendiphtherie betrifft häufiger jüngere Kinder und Säuglinge. Möglich sind eine behinderte Nasenatmung sowie wässriger, eitriger oder blutig gefärbter Nasenausfluss. Rund um die Nasenöffnungen entstehen Krusten und wunde Stellen. Säuglinge trinken dann oft schlechter, weil sie durch die Nase kaum Luft bekommen.
Hautdiphtherie
Diphtherie kann auch die Haut betreffen. Dabei entstehen langsam heilende, teils schmerzhafte Wunden oder Geschwüre mit deutlich begrenztem Rand. Die allgemeinen Beschwerden sind meist geringer als bei der Rachendiphtherie.
Epidemiologisch ist diese Form dennoch wichtig, weil die Bakterien von den betroffenen Hautstellen auf andere Menschen übertragen werden können. Schwere Komplikationen durch das Toxin kommen bei Hautdiphtherie deutlich seltener vor als bei der respiratorischen Form. Sehr selten sind andere Schleimhäute betroffen, etwa die Bindehaut des Auges oder der äußere Gehörgang.
Wann ist Diphtherie ein Notfall?
Sofort ärztliche Hilfe holen bei
- zunehmender Atemnot oder deutlich erschwerter Atmung,
- einem pfeifenden oder rauen Geräusch beim Einatmen (Stridor),
- bläulicher Verfärbung von Lippen oder Haut,
- ausgeprägter Schwellung des Halses,
- starken Schluckbeschwerden oder Speichelfluss, weil das Kind kaum noch schlucken kann,
- zunehmender Benommenheit, Kreislaufproblemen oder auffälliger Schwäche,
- einem fest haftenden grau-weißen Belag im Rachen zusammen mit typischen Beschwerden und fehlendem oder unklarem Impfschutz.
Bei deutlicher Atemnot bringen Sie Ihr Kind nicht selbst in die Ordination, sondern verständigen Sie den Rettungsdienst unter 144. Ein verdächtiger Rachenbelag darf nicht abgekratzt werden – die Schleimhaut darunter kann bluten, und ein Nutzen entsteht dadurch nicht.
Warum kann Diphtherie so gefährlich werden?
Die größte Gefahr geht nicht von den Bakterien im Hals aus, sondern vom Diphtherietoxin. Es kann in den Blutkreislauf gelangen und Organe weit entfernt von der Infektionsstelle schädigen.
Eine der wichtigsten Komplikationen ist die Myokarditis, eine Entzündung des Herzmuskels. Dabei können Herzrhythmusstörungen oder eine eingeschränkte Pumpfunktion entstehen. Herzprobleme treten teils während der akuten Erkrankung auf, manchmal aber auch erst später.
Ebenso typisch sind Nervenschädigungen. Daraus können Schluckstörungen, eine Lähmung des weichen Gaumens, Augenmuskelstörungen oder Schwächen der Arme und Beine entstehen; in schweren Fällen ist auch die Atemmuskulatur betroffen. Bemerkenswert ist, dass solche Beschwerden teilweise erst Wochen nach der ursprünglichen Halsentzündung auftreten. Die neurologischen Ausfälle bilden sich in aller Regel wieder vollständig zurück (RKI, Deutschland).
Weitere mögliche Komplikationen sind eine Verlegung der Atemwege, Atemversagen sowie Schädigungen der Nieren.
Diphtherie kann trotz moderner Behandlung tödlich verlaufen. Die Angaben zur Sterblichkeit unterscheiden sich je nach Quelle und Altersgruppe, weisen aber in dieselbe Richtung: Die panamerikanische Gesundheitsorganisation PAHO/OPS nennt auch bei Behandlung etwa 5 bis 10 Prozent, die südkoreanische Behörde KDCA bei Kindern unter fünf Jahren bis zu 20 Prozent, das deutsche RKI für unbehandelte Fälle in dieser Altersgruppe 20 bis 40 Prozent. Besonders gefährdet sind nicht ausreichend geimpfte kleine Kinder. Eine frühe Behandlung senkt das Risiko schwerer Komplikationen erheblich.
Wie wird Diphtherie festgestellt?
Der erste Verdacht entsteht meist aufgrund der typischen Symptome und der charakteristischen Pseudomembran.
Zur Bestätigung werden Abstriche aus Rachen, Nase oder einer verdächtigen Hautwunde entnommen. Im Labor wird untersucht, ob Corynebakterien vorhanden sind und ob der gefundene Stamm Diphtherietoxin bilden kann. In Österreich übernimmt diese Feindiagnostik die Nationale Referenzzentrale für Diphtherie an der AGES.
Wichtig: Bei begründetem Verdacht auf eine respiratorische Diphtherie darf die Therapie nicht aufgeschoben werden, bis das endgültige Laborergebnis vorliegt.
Wie wird Diphtherie behandelt?
Eine vermutete respiratorische Diphtherie wird im Krankenhaus behandelt und erfordert Isolationsmaßnahmen.
Der wichtigste Bestandteil ist das Diphtherie-Antitoxin. Dabei handelt es sich um Antikörper, die noch frei im Blut zirkulierendes Toxin binden und neutralisieren. Bereits an Körperzellen gebundenes Toxin lässt sich damit nicht mehr unschädlich machen – deshalb ist die möglichst frühe Gabe entscheidend.
Zusätzlich werden Antibiotika eingesetzt. Sie beseitigen die Bakterien, stoppen damit die weitere Toxinbildung und verringern das Risiko einer Übertragung. Die WHO empfiehlt in ihrer klinischen Leitlinie von 2024 bei vermuteter oder bestätigter Diphtherie Makrolid-Antibiotika wie Azithromycin oder Erythromycin bevorzugt gegenüber Penicillin – Hintergrund sind zunehmende Penicillin-Resistenzen. Welches Präparat verwendet wird, richtet sich nach Alter, klinischer Situation und Resistenzlage. In Österreich zeigten 2025 vier untersuchte C.-diphtheriae-Isolate eine Resistenz gegen Erythromycin, während keine Resistenz gegen Penicilline nachgewiesen wurde (AGES, Österreich) – ein Beispiel dafür, warum die Auswahl im Einzelfall anhand des Befunds erfolgt.
Antibiotika ersetzen bei einer toxinvermittelten respiratorischen Diphtherie das Antitoxin nicht, und umgekehrt beseitigt das Antitoxin die Bakterien nicht. Beide erfüllen unterschiedliche Aufgaben und werden deshalb kombiniert. Bei einer reinen Hautdiphtherie stehen dagegen Antibiotika, Wundversorgung und Infektionsschutz im Vordergrund; ein Antitoxin ist dort meist nicht erforderlich.
Im Krankenhaus werden Atmung, Herz und Nervenfunktion überwacht – je nach Schweregrad mit wiederholten Untersuchungen, EKG-Kontrollen und Laborbefunden. Wird der Atemweg durch Schwellung oder Membranen gefährlich eingeengt, können eine Intubation und in seltenen Fällen weitere Maßnahmen zur Sicherung der Atemwege nötig werden.
Nach Abschluss der Antibiotikatherapie wird mit Kontrollabstrichen geprüft, ob die Bakterien beseitigt sind. Bei toxinbildendem C. diphtheriae werden international häufig zwei aufeinanderfolgende negative Kulturen im Abstand von mindestens 24 Stunden verlangt.
Was passiert mit engen Kontaktpersonen?
Bei einem bestätigten oder stark verdächtigen Fall wird ermittelt, wer engen Kontakt zur erkrankten Person hatte. Als enge Kontakte gelten insbesondere Personen im selben Haushalt sowie Menschen mit direktem Kontakt zu Atemwegssekreten oder zu unbedeckten diphtherischen Hautwunden. Ob Kinder derselben Betreuungseinrichtung dazugehören, wird anhand der tatsächlichen Kontaktsituation entschieden.
Bei engen Kontaktpersonen werden Abstriche aus Nase und Rachen entnommen und der Impfstatus kontrolliert. Nach dem österreichischen Impfplan ist bei engem Kontakt von Angesicht zu Angesicht eine vorbeugende Antibiotikagabe innerhalb der möglichen Inkubationszeit vorgesehen – unabhängig davon, ob die Kontaktperson vollständig geimpft ist. Liegt die letzte Auffrischung mehr als fünf Jahre zurück, folgt nach Abschluss dieser Behandlung zusätzlich eine Auffrischungsimpfung; fehlende Grundimmunisierungen werden nachgeholt. Das Kontaktpersonenmanagement erfolgt gemeinsam mit der zuständigen Gesundheitsbehörde.
Wie schützt die Impfung?
Die Diphtherie-Impfung enthält kein lebendes Bakterium. Verwendet wird ein unschädlich gemachtes Diphtherietoxin, ein sogenanntes Toxoid. Das Immunsystem bildet dagegen Antikörper und kann bei einem späteren Kontakt mit dem echten Toxin wesentlich schneller reagieren. Eine Diphtherie auslösen kann die Impfung deshalb nicht.
Die Impfung schützt besonders gut vor der schweren, toxinbedingten Erkrankung. Sie verhindert jedoch nicht in jedem Fall, dass sich Diphtheriebakterien vorübergehend im Nasen-Rachen-Raum oder auf der Haut ansiedeln. Auch geimpfte Personen können daher in seltenen Fällen Bakterien tragen und weitergeben – erkranken selbst aber praktisch nie schwer.
Mehrere Impfungen und spätere Auffrischungen sind nötig, weil die Menge der schützenden Antikörper mit der Zeit abnimmt.
Wie gut wird die Impfung vertragen?
Bei Kindern wird Diphtherie nicht einzeln, sondern als Bestandteil eines Kombinationsimpfstoffs geimpft. Häufige Impfreaktionen sind vorübergehende Schmerzen, Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle sowie gelegentlich Fieber, Müdigkeit oder Unwohlsein. Diese Reaktionen klingen meist innerhalb weniger Tage ab. Schwere allergische Reaktionen sind selten. Welche Nebenwirkungen für den konkret verwendeten Impfstoff beschrieben sind, steht in dessen Gebrauchsinformation – etwa beim Sechsfachimpfstoff Hexyon.
Diphtherie-Impfung für Kinder in Österreich
Nach dem Impfplan Österreich 2025/2026 gehört die Diphtherie-Impfung zum kostenfreien Kinderimpfprogramm. Die Grundimmunisierung erfolgt gemeinsam mit dem Schutz gegen Tetanus, Keuchhusten, Kinderlähmung, Haemophilus influenzae Typ b und Hepatitis B als Sechsfachimpfung.
- 1. Teilimpfung: ehestmöglich ab der vollendeten sechsten Lebenswoche, jedenfalls im dritten Lebensmonat
- 2. Teilimpfung: zwei Monate nach der ersten Dosis
- 3. Teilimpfung: sechs Monate nach der zweiten Dosis, also etwa im Alter von zehn bis zwölf Monaten
- 1. Auffrischung: im sechsten Lebensjahr, also ab dem fünften Geburtstag – bevorzugt vor Schuleintritt, als Vierfachimpfung
- 2. Auffrischung: fünf Jahre später, spätestens im Alter von 14 bis 15 Jahren beziehungsweise vor Ende der Pflichtschulzeit
Auch im Erwachsenenalter sind regelmäßige Auffrischungen vorgesehen. Welche Impfungen für Ihr Kind aktuell fällig sind, können Sie mit dem Impfplan-Check nachsehen.
Hintergründe zur Impfung finden Sie außerdem unter Impfaufklärung und Impfstoffe.
Wie häufig ist Diphtherie heute?
Durch die Impfung ist Diphtherie in Österreich und vielen europäischen Ländern sehr selten geworden. Verschwunden ist sie aber nicht: Die WHO betont, dass keine ihrer Regionen vollständig frei von Diphtherie ist. Ausbrüche treten vor allem dort auf, wo Impfquoten sinken, Gesundheitssysteme durch Konflikte oder Katastrophen belastet sind oder viele Menschen auf engem Raum leben.
Für 2025 schätzt die WHO, dass rund 85 Prozent der Säuglinge weltweit drei Dosen eines diphtheriehaltigen Impfstoffs erhalten haben. Rund 20 Millionen Kinder hatten damit keine oder keine vollständige Grundserie.
Auch Europa ist nicht frei von Diphtherie. Nach dem größeren Geschehen des Jahres 2022 gingen die Fallzahlen deutlich zurück, das ECDC dokumentierte 2025 jedoch weiterhin lokale Übertragungen und die fortgesetzte Zirkulation bestimmter C.-diphtheriae-Linien in mehreren europäischen Ländern. Für die Allgemeinbevölkerung mit vollständigem Impfschutz bewertet das ECDC das Risiko als sehr niedrig; für Menschen ohne ausreichenden Schutz ist es höher.
In Österreich wurden 2025 an der Nationalen Referenzzentrale 209 Proben untersucht. Bei drei Personen wurden toxinproduzierende Corynebakterien nachgewiesen: zweimal als Hautdiphtherie, einmal als klassische respiratorische Diphtherie. Zwei der drei Nachweise entfielen auf C. ulcerans – auch jener Fall mit respiratorischer Erkrankung. Das zeigt, dass neben C. diphtheriae auch zoonotisch übertragbare Corynebakterien in Mitteleuropa eine Rolle spielen (AGES, Österreich).
Diphtherie auf Reisen
Vor einer Reise ist weniger die Frage entscheidend, welches Land als „Diphtherieland“ gilt, sondern der persönliche Impfschutz. Diphtherie kann in Teilen Afrikas und Asiens, aber auch in anderen Weltregionen auftreten, und Ausbruchsgeschehen verändern sich. Lassen Sie den Impfpass Ihres Kindes rechtzeitig kontrollieren und holen Sie fehlende Impfungen möglichst vor der Abreise nach – besonders bei Reisen in Regionen mit bekannten Ausbrüchen, niedriger Impfquote oder eingeschränkter medizinischer Versorgung.
Meldepflicht in Österreich
Diphtherie gehört in Österreich zu den anzeigepflichtigen Erkrankungen. Nach dem Epidemiegesetz sind Erkrankungs- und Todesfälle innerhalb der gesetzlichen Frist an die zuständige Bezirksverwaltungsbehörde zu melden. Die Meldung übernehmen die dafür verpflichteten medizinischen Stellen – Eltern müssen sie nicht selbst durchführen. Bei einem bestätigten Fall koordiniert die Gesundheitsbehörde gemeinsam mit den behandelnden Stellen alle weiteren Maßnahmen.
Wann zur Kinderärztin oder zum Kinderarzt?
Auch außerhalb eines akuten Notfalls sollten Sie zeitnah in die Ordination kommen, wenn Halsschmerzen und Fieber ungewöhnlich stark sind, die Lymphknoten am Hals deutlich anschwellen oder ein weißlicher Belag im Rachen auffällt – insbesondere, wenn der Impfstatus lückenhaft ist oder eine Reise in ein Land mit geringerer Durchimpfung vorausging. Allgemeine Hinweise zum Fiebermessen finden Sie im Ratgeber Fieber bei Kindern.
Häufige Fragen
Ist Diphtherie dasselbe wie eine normale Mandelentzündung?
Nein. Zu Beginn können Halsschmerzen, Schluckbeschwerden und leichtes Fieber ähnlich aussehen. Für eine Rachendiphtherie spricht jedoch die fest haftende grau-weiße Pseudomembran, häufig zusammen mit deutlicher Lymphknotenschwellung und einem zunehmend kranken Allgemeinzustand. Da das Krankheitsbild heute selten ist, muss die Diagnose ärztlich und mikrobiologisch abgeklärt werden.
Kann man den Belag bei Diphtherie abwischen?
Typische Pseudomembranen haften fest am Untergrund. Beim Versuch, sie zu entfernen, kann die Schleimhaut bluten. Eltern sollten einen auffälligen Belag deshalb nicht selbst abkratzen, sondern das Kind ärztlich beurteilen lassen.
Hat jedes Kind mit Diphtherie hohes Fieber?
Nein. Gerade die respiratorische Diphtherie kann mit nur mäßigem oder leichtem Fieber beginnen. Die Schwere der Erkrankung lässt sich deshalb nicht an der Körpertemperatur ablesen.
Wie schnell wird Diphtherie gefährlich?
Das ist unterschiedlich. Bei einer respiratorischen Diphtherie können sich Pseudomembranen und Halsschwellung innerhalb weniger Tage ausbreiten, und gleichzeitig kann bereits gebildetes Toxin in den Körper gelangen. Deshalb ist die frühe Erkennung so wichtig, und deshalb wird bei begründetem Verdacht nicht bis zum endgültigen Laborbefund gewartet.
Warum muss das Antitoxin so früh gegeben werden?
Das Antitoxin kann nur Toxin neutralisieren, das noch frei im Blut oder Gewebe zirkuliert. Hat das Toxin bereits an Körperzellen gebunden, lässt sich diese Bindung nicht mehr rückgängig machen. Eine späte Gabe kann bereits eingetretene Organschäden daher nicht zuverlässig verhindern.
Reichen Antibiotika allein aus?
Bei einer toxinvermittelten respiratorischen Diphtherie nicht. Antibiotika beseitigen die Bakterien und verhindern weitere Toxinbildung, neutralisieren aber bereits gebildetes Toxin nicht. Deshalb ist dort zusätzlich das Antitoxin von zentraler Bedeutung. Bei einer reinen Hautdiphtherie können Antibiotika dagegen in vielen Fällen ausreichen.
Kann mein Kind trotz Impfung Diphtherie bekommen?
Ein vollständiger Impfschutz senkt das Risiko einer schweren toxinbedingten Diphtherie sehr stark, verhindert aber nicht sicher eine vorübergehende Besiedelung mit Corynebakterien. Seltene Durchbruchserkrankungen sind möglich, verlaufen bei geimpften Kindern aber deutlich milder.
Muss nach einer durchgemachten Diphtherie noch geimpft werden?
Ja. Eine überstandene Erkrankung hinterlässt keine zuverlässig dauerhafte Immunität. Nach der akuten Erkrankung wird deshalb der Impfstatus überprüft und gegebenenfalls vervollständigt oder aufgefrischt.
Können Haustiere Diphtherie übertragen?
Für die klassische, durch C. diphtheriae verursachte Diphtherie ist der Mensch das wichtigste Reservoir. C. ulcerans kann dagegen bei Tieren vorkommen und auf Menschen übertragen werden; beschrieben sind vor allem Kontakte zu Hunden und Katzen, in Einzelfällen auch nicht pasteurisierte Milchprodukte. Bei einem bestätigten Fall mit C. ulcerans wird deshalb auch nach Tierkontakten gefragt.
Was passiert, wenn mein Kind engen Kontakt zu einem Diphtheriefall hatte?
Dann sollte nicht abgewartet werden, ob Symptome auftreten. Die Gesundheitsbehörde beziehungsweise die behandelnde Stelle klärt, ob ein relevanter enger Kontakt vorliegt. Je nach Situation werden Abstriche entnommen, vorbeugend Antibiotika gegeben und der Impfstatus überprüft; fehlende oder länger zurückliegende Impfungen werden nachgeholt.
Quellen
Für diese Fassung wurden Leitlinien und Behördeninformationen aus mehreren Sprachräumen abgeglichen. Wo nationale Empfehlungen voneinander abweichen, gilt für Impfung und Meldepflicht die österreichische Regelung, für die klinische Behandlung die aktuelle WHO-Leitlinie.
- Impfplan Österreich 2025/2026 – Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, Österreich
- Diphtherie – Infektionskrankheiten A–Z, Sozialministerium, Österreich
- Diphtherie und Diphtherie-Impfung – Gesundheitsportal gesundheit.gv.at, Österreich
- Jahresbericht der Nationalen Referenzzentrale für Diphtherie – Labor, Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), Österreich
- Clinical management of diphtheria: guideline (2. Februar 2024) – World Health Organization (WHO), international
- Diphtheria – Fact Sheet, World Health Organization (WHO), international
- Diphtheria caused by Corynebacterium diphtheriae ST574 in the EU/EEA – Rapid Risk Assessment, European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC), Europäische Union
- RKI-Ratgeber Diphtherie – Robert Koch-Institut (RKI), Deutschland
- Diphtherie: Ursache, Symptome, Behandlung – gesund.bund.de / Bundesministerium für Gesundheit, Deutschland
- Clinical Guidance for Diphtheria – Centers for Disease Control and Prevention (CDC), USA
- Difteria – Organización Panamericana de la Salud (PAHO/OPS), Amerika-Region
- Difterite – EpiCentro, Istituto Superiore di Sanità (ISS), Italien
- Diphtérie – Institut Pasteur, Frankreich
- 디프테리아 – Korea Disease Control and Prevention Agency (KDCA), Südkorea
- ジフテリア(詳細版) – Japan Institute for Health Security (JIHS), Japan
- 白喉 – Chinese Center for Disease Control and Prevention, China
Haftungsausschluss: Dieser Ratgeber bietet allgemeine Elterninformation und ersetzt nicht die medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung durch eine Kinderärztin oder einen Kinderarzt. Bei Verdacht auf Diphtherie ist eine sofortige ärztliche Beurteilung notwendig.
Letzte Überprüfung: August 2026
Hinweis zur Entstehung dieses Beitrags
Dieser Beitrag wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz geschrieben und überarbeitet.
War dieser Beitrag hilfreich?
Woran lag es?
Danke – das hilft uns bei der Überarbeitung.