Parainfluenzaviren und Pseudokrupp
Parainfluenzaviren haben trotz ihres Namens nichts mit der echten Grippe zu tun. Sie gehören weltweit zu den häufigsten Erregern von Atemwegsinfekten im Kindesalter und sind die häufigste Ursache des Pseudokrupps – jener nächtlichen Hustenanfälle mit bellendem Husten und pfeifender Einatmung, die viele Eltern zum ersten Mal in Panik versetzen. Bei Säuglingen können dieselben Viren, vor allem der Typ 3, auch die kleinen Bronchien befallen und eine Bronchiolitis oder Lungenentzündung auslösen. Dieser Ratgeber erklärt, welche vier Virustypen es gibt, wie häufig sie weltweit und in Österreich vorkommen, wie ein Pseudokrupp-Anfall verläuft, was in der Ordination und im Anfall selbst hilft – und woran Sie erkennen, dass es ärztliche Soforthilfe braucht.
Ätiologie und Übertragungsweg
Humane Parainfluenzaviren (HPIV) gehören zur Familie der Paramyxoviridae und werden in vier Typen eingeteilt: HPIV-1 und HPIV-3 zählen zur Gattung Respirovirus, HPIV-2 und HPIV-4 (mit den Subtypen 4a und 4b) zur Gattung Rubulavirus. Trotz des ähnlich klingenden Namens sind sie mit den Influenzaviren, den Erregern der echten Grippe, nur entfernt verwandt und verursachen ein eigenständiges Krankheitsbild.
Die vier Typen unterscheiden sich deutlich in dem, was sie typischerweise auslösen. HPIV-1 und HPIV-2 sind die Haupterreger des Pseudokrupps: Sie befallen bevorzugt den Kehlkopfbereich unterhalb der Stimmbänder. HPIV-3 befällt eher die tieferen Atemwege und ist nach dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV) einer der häufigsten Erreger von Bronchiolitis und Lungenentzündung im ersten Lebensjahr. HPIV-4 verläuft meist mild oder sogar ohne Symptome und wird deutlich seltener diagnostiziert – auch, weil gezielt kaum danach gesucht wird.
Beim Pseudokrupp schwillt die Schleimhaut unterhalb der Stimmbänder an und verengt die ohnehin engen kindlichen Atemwege. Weil der Kehlkopf von Säuglingen und Kleinkindern im Verhältnis zum Körper enger ist als bei Erwachsenen und die Schleimhaut lockerer mit dem darunterliegenden Gewebe verbunden ist, genügt bereits eine geringe entzündliche Schwellung, um die Atmung hörbar zu behindern – ein Grund, warum diese Erkrankung praktisch nur im Kleinkindalter auftritt.
Übertragen werden Parainfluenzaviren von Mensch zu Mensch, hauptsächlich über Tröpfchen beim Husten und Niesen sowie über direkten Kontakt mit infizierten Sekreten. Auf Oberflächen und Gegenständen wie Spielzeug oder Türklinken bleiben die Viren nach Angaben der US-Seuchenschutzbehörde CDC mehr als eine Stunde infektiös, werden aber durch gewöhnliche Seife, Reinigungs- und Desinfektionsmittel zuverlässig inaktiviert. Die Inkubationszeit – die Zeit zwischen Ansteckung und ersten Symptomen – beträgt im Mittel zwei bis sechs Tage, je nach Typ auch bis zu einer Woche.
Erkrankte Kinder scheiden das Virus meist rund eine Woche lang aus, bei Kleinkindern wurde eine Ausscheidung von bis zu drei bis vier Wochen beobachtet. Bei stark abwehrgeschwächten Kindern, etwa nach einer Knochenmark- oder Stammzelltransplantation, kann die Virusausscheidung Wochen bis Monate anhalten – ein Grund, warum solche Kinder im Spital besonders konsequent isoliert werden.
Epidemiologie: Zahlen und Ländervergleich
Die bislang umfassendste Schätzung zur weltweiten Krankheitslast stammt von Wang und Kolleginnen, 2021 in The Lancet Global Health veröffentlicht. Die Arbeitsgruppe wertete Studien aus den Jahren 1995 bis 2020 systematisch aus und schätzte für das Jahr 2018 die Belastung durch Parainfluenzaviren bei Kindern unter fünf Jahren weltweit.
Rund 13 Prozent aller akuten unteren Atemwegsinfekte, 4 bis 14 Prozent der deswegen nötigen Krankenhausaufnahmen und rund 4 Prozent der Todesfälle durch solche Infekte bei Kindern unter fünf Jahren gehen dieser Schätzung zufolge auf Parainfluenzaviren zurück. Damit liegen sie in der Häufigkeit hinter RSV, aber in ähnlicher Größenordnung wie Influenza- und humane Metapneumoviren. Sieben von zehn Spitalstodesfällen betrafen Kinder in einkommensschwachen Ländern – ein Hinweis darauf, dass es sich um eine im Grunde gut beherrschbare Infektion handelt, wenn ärztliche und intensivmedizinische Versorgung verfügbar sind.
Eine zweite große Auswertung (Li und Kolleginnen, ebenfalls Lancet Global Health, 2019) verglich anhand von 185 Studien weltweit die saisonalen Muster mehrerer Atemwegsviren. Während Influenza in gemäßigten Klimazonen meist im Winter zirkuliert und RSV ein sehr konstantes saisonales Muster zeigt, erreichen Parainfluenza-Epidemien ihren Höhepunkt typischerweise im Frühling und Frühsommer – ein Muster, das sich in ostasiatischen Studien auffällig wiederholt, wie die Tabelle weiter unten zeigt.
Situation in Österreich
Parainfluenzavirus-Infektionen sind in Österreich – wie in Deutschland – nicht meldepflichtig, weshalb es keine laufende bevölkerungsbezogene Statistik gibt. Die älteste verfügbare österreichische Untersuchung stammt von Popow-Kraupp und Kolleginnen von der Universität Wien: Zwischen 1979 und 1982 wurden 349 wegen Atemwegserkrankung stationär aufgenommene Kinder unter sechs Jahren mittels Immunfluoreszenz auf fünf Viren untersucht. 35 Prozent der Proben waren positiv; RSV war mit 31 Prozent der klar dominierende Erreger, Parainfluenzaviren traten nur vereinzelt auf. Auch wenn diese Daten mehr als vierzig Jahre alt sind, deckt sich das Muster – RSV vor Parainfluenza als Ursache stationärer Atemwegsinfekte im Kleinkindalter – mit neueren Untersuchungen aus vergleichbaren europäischen Ländern. Für die Praxis relevanter als Fallzahlen ist die klinische Erfahrung: Der Pseudokrupp gehört zu den häufigsten Gründen für einen nächtlichen, ungeplanten Kontakt mit der Kinderärztin, mit einem Erkrankungsgipfel im Herbst und Winter, wenn HPIV-1 und HPIV-2 zirkulieren.
Internationale Einordnung
Die folgenden Zahlen aus anderen Ländern dienen ausschließlich der Einordnung. Wegen unterschiedlicher Untersuchungsmethoden, Altersgruppen und Gesundheitssysteme sind sie nicht direkt mit österreichischen Verhältnissen vergleichbar.
| Land / Region | Befund | Quelle und Bezugsjahr |
|---|---|---|
| China (national) | 28.369 Patienten mit unterem Atemwegsinfekt, 81 Kliniken, 22 Provinzen; 36,6 % virus-positiv, RSV bei Kleinkindern führend | Feng et al., PLOS ONE, Daten 2009–2013 |
| China (mehrere Provinzen) | 3.619 von 89.898 stationären Kindern PIV3-positiv; Erkrankungsgipfel März bis August, Zusammenhang mit Temperatur und Niederschlag | Xu et al., Frontiers in Pediatrics, 2022 |
| China (Südchina) | PIV3-Nachweisrate von 2,24 % (2017–2019) auf 3,38 % (2020–2022) gestiegen; Verschiebung der Saisonalität während COVID-19 | Li et al., Microbes and Infection, 2023 |
| Südkorea | 1.018 von 12.423 Proben PIV-positiv; Typ 4 mit 22,4 % zweithäufigster Subtyp, häufigste Diagnose Pneumonie (44,2 %) | Gu et al., Pediatrics International, Daten 2013–2017 |
| Südkorea (Pandemie-Effekt) | PIV von März 2020 bis August 2021 praktisch nicht nachweisbar; im Oktober 2021 machten PIV-Fälle 90,5 % (114/126) aller positiven Atemwegsvirus-Proben des Monats aus | Nam et al., Clinical Laboratory, 2022 |
| Japan (Präfektur Yamagata) | 13.325 Proben, 2004–2011; HPIV3-Ausbrüche saisonal Mai bis Juli, Nachweis bei 12,0–13,1 % der Proben von Kindern unter 4 Jahren | Mizuta et al., Japanese Journal of Infectious Diseases, 2013 |
| Indien (Ostindien) | 75 Kinder unter 5 Jahren mit Keuchen untersucht; unter den virus-positiven Fällen RSV 35 %, Parainfluenza 20 %, Mischinfektionen bei 30 % | Mummidi et al., Indian Journal of Medical Research, 2017 |
| Österreich (historisch) | 349 hospitalisierte Kinder unter 6 Jahren; RSV dominierend (31 %), Parainfluenza nur sporadisch nachgewiesen | Popow-Kraupp et al., Infection, Daten 1979–1982 |
Auffällig ist, wie einheitlich sich die jahreszeitliche Verschiebung von HPIV-3 in weit auseinanderliegenden Regionen zeigt: Sowohl in den chinesischen Untersuchungen aus mehreren Provinzen als auch in der japanischen Studie aus Yamagata liegt der Erkrankungsgipfel im späten Frühjahr und Frühsommer, während der pseudokruppauslösende Typ HPIV-1 in gemäßigten Klimazonen eher im Herbst gehäuft auftritt. Die südkoreanischen Daten aus der COVID-19-Pandemie zeigen zudem eindrücklich, wie stark Kontaktbeschränkungen die Zirkulation dieser Viren unterbrechen können – und wie schlagartig sie zurückkehren, sobald Kontakte wieder zunehmen.
Symptome und Krankheitsverlauf
Pseudokrupp: das typische Bild
Der Anfall beginnt meist abends oder in der Nacht, oft aus voller Gesundheit oder nach einem harmlosen Schnupfen. Betroffen sind vor allem Kinder zwischen einem halben und fünf Jahren, mit einem Häufigkeitsgipfel im zweiten Lebensjahr; Buben erkranken nach vorliegenden Daten rund anderthalbmal so oft wie Mädchen. Typisch sind:
- bellender, rauer Husten – wie ein Seehund
- heisere Stimme
- pfeifendes oder ziehendes Geräusch beim Einatmen (Stridor)
- Unruhe und Angst, die die Atmung zusätzlich erschweren
Ärztlich wird der Schweregrad häufig anhand des sogenannten Westley-Scores eingeschätzt, der Bewusstseinslage, Blaufärbung, Stridor, Belüftung der Lunge und Einziehungen zwischen den Rippen berücksichtigt.
Die Beschwerden erreichen meist in der ersten Nacht ihren Höhepunkt; nur selten zieht sich ein Pseudokrupp über eine Woche hin.
Was Sie im Anfall tun können
Ruhe bewahren und das Kind beruhigen – Aufregung verstärkt die Atemnot. Aufrecht halten, kühle, feuchte Luft anbieten (offenes Fenster, kühle Abendluft), in kleinen Schlucken trinken lassen. Meist bessert sich der Anfall innerhalb weniger Minuten bis einer halben Stunde. Ärztlich verordnetes Kortison wirkt zuverlässig – wenn Sie zu Hause ein Zäpfchen vorrätig haben, besprechen Sie dessen Anwendung bitte vorab mit uns.
Weitere Krankheitsbilder
Parainfluenzaviren beschränken sich nicht auf den Kehlkopf. Am häufigsten verursachen sie gewöhnliche Erkältungen mit Schnupfen, Halsschmerzen und Husten – klinisch nicht von Erkältungen durch andere Viren zu unterscheiden. Bei Säuglingen und Kleinkindern, besonders im ersten Lebenshalbjahr, kann vor allem HPIV-3 auch die kleinen Bronchien betreffen und eine Bronchiolitis auslösen – ähnlich wie das RS-Virus, mit pfeifendem Ausatmen, schneller Atmung und Trinkschwäche. Bei Frühgeborenen und Kindern mit Vorerkrankungen der Lunge oder des Immunsystems verlaufen solche unteren Atemwegsinfekte deutlich schwerer: Eine Untersuchung aus einer neonatologischen Intensivstation in Singapur beschreibt einen HPIV-3-Ausbruch bei sieben sehr unreifen Frühgeborenen (mittleres Gestationsalter rund 27 Wochen), von denen fünf zeitweise eine Beatmungsunterstützung benötigten; keines der Kinder starb, der Ausbruch ließ sich aber erst nach 24 Tagen mit konsequenter Isolierung und Handhygiene beenden. Seltener, meist bei älteren Kindern, kommt es auch zu einer viralen Lungenentzündung. Eine Mittelohrentzündung als bakterielle Folgeinfektion ist – wie bei anderen Erkältungsviren auch – möglich, aber nicht spezifisch für Parainfluenzaviren.
Diagnostik in der Ordination
Der Pseudokrupp ist eine Blickdiagnose. Bellender Husten, Heiserkeit und ein hörbarer Stridor beim Einatmen reichen in aller Regel aus, um die Diagnose zu stellen – meist schon, während Sie das Kind noch im Wartezimmer im Arm halten. Eine Racheninspektion mit Spatel wird bewusst vermieden oder nur sehr vorsichtig durchgeführt, weil sie ein unruhiges Kind zusätzlich aufregen und die Atemnot kurzfristig verschlimmern kann.
Einschätzung des Schweregrads
In der Ordination und in der Ambulanz wird der Zustand meist nach denselben Kriterien wie im Westley-Score beurteilt, auch ohne dass explizit Punkte vergeben werden: Wie ansprechbar ist das Kind, gibt es eine Blaufärbung der Lippen, ist der Stridor nur bei Aufregung oder bereits in Ruhe hörbar, sind Einziehungen am Hals oder zwischen den Rippen sichtbar? Diese Einschätzung entscheidet über die weitere Behandlung – nicht die Lautstärke des Hustens, die viele Eltern fälschlich mit dem Schweregrad gleichsetzen.
Wann weitere Untersuchungen sinnvoll sind
Blutabnahmen, ein Erregernachweis mittels PCR oder eine Röntgenaufnahme sind beim typischen Pseudokrupp nicht erforderlich und ändern die Behandlung nicht. Eine Röntgenaufnahme des Halses kann im typischen Fall das sogenannte Kirchturmzeichen zeigen – eine trichterförmige Verengung der Luftröhre unterhalb der Stimmbänder –, dieses Zeichen fehlt aber bei etwa der Hälfte der Kinder mit gesichertem Pseudokrupp und wird daher nur bei untypischem oder unklarem Verlauf angefordert, etwa um einen verschluckten Fremdkörper auszuschließen. Eine gezielte PCR-Testung auf Parainfluenzaviren aus einem Nasen-Rachen-Abstrich bleibt stationären Aufnahmen, schwer erkrankten oder abwehrgeschwächten Kindern sowie wissenschaftlichen Untersuchungen vorbehalten; für die Behandlung des einzelnen Kindes in der Ordination ist sie in aller Regel entbehrlich, weil sie am therapeutischen Vorgehen nichts ändert.
Wichtige Differenzialdiagnosen
Nicht jeder bellende Husten ist ein Pseudokrupp. Abgegrenzt werden vor allem die – seit der Hib-Impfung sehr seltene – Epiglottitis (Kehldeckelentzündung, meist durch Haemophilus influenzae Typ b, mit hohem Fieber, Schluckunfähigkeit und kloßiger statt heiserer Sprache), ein verschluckter Fremdkörper mit plötzlichem Beginn ohne Vorboten, eine bakterielle Tracheitis mit hohem Fieber und rascher Verschlechterung sowie, sehr selten in Ländern mit hoher Diphtherie-Durchimpfung, der „echte" Krupp durch Diphtherie. Bei untypischem Verlauf, fehlendem Ansprechen auf die Standardtherapie oder wiederholten schweren Episoden wird gezielt nachgefragt und gegebenenfalls weiterführend untersucht.
Behandlung und Heilungsaussichten
Die Behandlung des Pseudokrupps zählt zu den am besten untersuchten Therapien der Kinderheilkunde. Zentrale Botschaft: Ein einziges, rasch wirksames Medikament genügt bei den allermeisten Kindern.
Kortison – die wirksamste Maßnahme
Ein einmalig verabreichtes Glukokortikoid ist bei jedem Schweregrad des Pseudokrupps die wirksamste Behandlung: Es dämmt die entzündliche Schwellung der Schleimhaut ein und wirkt damit direkt an der Ursache der Atemnot. Standard ist heute eine orale Einmalgabe von Dexamethason. Eine viel zitierte australische Studie (Geelhoed und Macdonald, Pediatric Pulmonology, 1995) zeigte, dass Dosierungen von 0,15, 0,3 und 0,6 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht gleichermaßen wirksam sind – seither wird vielerorts die niedrigere Dosis bevorzugt, weil sie ebenso gut wirkt und das Kind weniger belastet. Eine spürbare Besserung tritt oft schon nach 30 bis 60 Minuten ein, eine deutliche Wirkung ist nach spätestens zwei Stunden zu erwarten. In Österreich und Deutschland ist alternativ eine Gabe von Prednisolon oder Prednison als Zäpfchen gebräuchlich; sie gilt als etwas weniger zuverlässig, weil die Aufnahme über den Enddarm zwischen 20 und 80 Prozent schwankt, während Dexamethason zuverlässiger resorbiert wird und mit 36 bis 72 Stunden auch deutlich länger wirkt als das kürzer wirksame Prednisolon (12 bis 36 Stunden). Kortison kann je nach Situation auch als Spritze, Infusion oder Inhalation verabreicht werden – bei einem wachen, kooperativen Kind ist die orale Gabe meist die schonendste und ebenso wirksame Variante.
Adrenalin-Vernebelung bei stärkerer Atemnot
Bei mittelschwerem bis schwerem Pseudokrupp oder wenn Kortison allein nicht ausreichend wirkt, wird zusätzlich Adrenalin (Epinephrin) vernebelt und eingeatmet. Es wirkt abschwellend auf die Schleimhautgefäße und lindert die Atemnot innerhalb von 10 bis 30 Minuten – deutlich schneller als Kortison, allerdings hält der Effekt nur rund zwei Stunden an. Deshalb wird ein Kind nach einer Adrenalin-Inhalation für mindestens zwei bis vier Stunden nachbeobachtet, bevor über eine Entlassung nach Hause entschieden wird; ein erneutes Aufflammen der Symptome nach Abklingen der Wirkung ist sonst möglich. Als Nebenwirkung können vorübergehend Herzrasen, Unruhe oder erhöhter Blutdruck auftreten.
Sauerstoff und weitere Maßnahmen
Sinkt die Sauerstoffsättigung unter 92 Prozent, wird Sauerstoff gegeben – schonend als sogenannter Blow-by über einen locker vor Mund und Nase gehaltenen Schlauch ohne Maske, um das Kind nicht zusätzlich zu erschrecken. Bei sehr seltenen, auf Kortison und Adrenalin nicht ansprechenden schweren Verläufen kommen auf der Intensivstation ein Helium-Sauerstoff-Gemisch (Heliox) oder, in letzter Konsequenz, eine Beatmung über einen Tubus zum Einsatz – Letzteres betrifft weniger als 0,2 Prozent aller Kinder mit Pseudokrupp.
Was nicht (mehr) empfohlen wird
Antibiotika wirken gegen Viren nicht und sind nur bei einer bakteriellen Zusatzinfektion wie der bakteriellen Tracheitis angezeigt. Für befeuchtete oder kühle Luft aus einem Vernebler gibt es keinen belastbaren Wirksamkeitsnachweis, auch wenn viele Kinder sie subjektiv als angenehm empfinden; kühle Abendluft am offenen Fenster schadet jedenfalls nicht und beruhigt oft schon durch die Ablenkung. Hustenstillende oder abschwellende Erkältungsmittel werden nicht empfohlen.
Nicht geeignet
Geben Sie fiebernden Kindern und Jugendlichen niemals Acetylsalicylsäure (Aspirin) – bei viralen Infekten besteht das Risiko des seltenen, aber lebensbedrohlichen Reye-Syndroms. Zur Fiebersenkung und Schmerzlinderung eignen sich stattdessen altersgerecht dosiertes Paracetamol oder Ibuprofen.
Spezifische antivirale Therapie
Ein zugelassenes Medikament gegen Parainfluenzaviren selbst gibt es nicht. Ribavirin zeigt im Labor eine Wirkung gegen HPIV-3, die Datenlage zur Wirksamkeit am Patienten ist aber uneinheitlich; es kommt allenfalls bei schwer abwehrgeschwächten Kindern mit lebensbedrohlicher unterer Atemwegsinfektion zum Einsatz, außerhalb zugelassener Anwendungsgebiete und unter engmaschiger stationärer Kontrolle.
Wann eine stationäre Aufnahme nötig ist
Etwa 1 bis 5 Prozent der Kinder mit Pseudokrupp müssen stationär aufgenommen werden – bei deutlich schwererem Verlauf, bei fehlendem Ansprechen auf Kortison und Adrenalin, bei Sauerstoffmangel oder wenn ein Kind zu erschöpft ist, um ausreichend zu trinken. Die überwiegende Mehrheit der Kinder wird nach der Erstbehandlung und einer kurzen Beobachtungszeit nach Hause entlassen.
Heilungsaussichten
Die Prognose ist ausgesprochen gut. Der Pseudokrupp ist eine selbstlimitierende Erkrankung: Etwa die Hälfte der Kinder ist nach einem Tag deutlich gebessert, rund 80 Prozent nach zwei Tagen, nur ein kleiner Teil braucht bis zu einer Woche. Bleibende Schäden sind eine Rarität, ein tödlicher Verlauf durch Ateminsuffizienz oder Herzstillstand kommt in Ländern mit guter medizinischer Versorgung praktisch nicht vor. Manche Kinder neigen zu wiederholten Episoden – man spricht dann von spastischem oder rezidivierendem Krupp –, was in aller Regel keine ernstere Grunderkrankung bedeutet, aber eine genauere Abklärung rechtfertigen kann, wenn die Anfälle sehr häufig oder untypisch schwer sind.
Was Eltern selbst tun können
Bewahren Sie Ruhe – Ihre eigene Anspannung überträgt sich aufs Kind und verstärkt die Atemnot. Setzen Sie das Kind aufrecht hin oder auf den Schoß, bieten Sie kühle Luft an, etwa am offenen Fenster, und lassen Sie es in kleinen Schlucken trinken. Ein ärztlich verordnetes Kortisonzäpfchen für den Notfall zu Hause zu haben ist sinnvoll, wenn Ihr Kind bereits einmal einen Pseudokrupp hatte; besprechen Sie Dosierung und Anwendung vorab in der Ordination. Beobachten Sie Ihr Kind auch nach Abklingen der akuten Atemnot noch einige Stunden weiter, weil die Wirkung von Adrenalin wieder nachlässt.
Komplikationen und Warnzeichen
Komplikationen sind beim Pseudokrupp insgesamt selten, sie müssen aber erkannt werden, weil sich der Zustand rasch verschlechtern kann.
Mögliche Komplikationen
Die bakterielle Tracheitis ist die wichtigste ernstzunehmende Komplikation: Eine zusätzliche bakterielle Infektion der Luftröhrenschleimhaut, meist durch Staphylococcus aureus, führt zu hohem Fieber, rascher Verschlechterung und einem auf Adrenalin nicht mehr ansprechenden Zustand – hier ist eine stationäre Behandlung mit Antibiotikum notwendig. Seltener kommt es zu einer Lungenentzündung oder, bei sehr schwerem und lange bestehendem Sauerstoffmangel, zu einem Lungenödem. Bei Säuglingen mit einer durch HPIV-3 verursachten Bronchiolitis oder Lungenentzündung sind Frühgeborene sowie Kinder mit angeborenem Herzfehler, chronischer Lungenerkrankung oder Immundefekt besonders gefährdet für einen schweren Verlauf, wie auch der oben erwähnte Ausbruchsbericht aus einer neonatologischen Intensivstation zeigt.
Sofort den Notruf 144 wählen
wenn Ihr Kind schwer Luft bekommt, die Lippen oder das Gesicht sich bläulich verfärben, es beim Ein- und Ausatmen pfeift, sichtbare Einziehungen zwischen den Rippen oder am Hals zeigt, nicht mehr sprechen kann, speichelt und nicht schlucken kann oder auffällig teilnahmslos wird.
Innerhalb weniger Stunden ärztliche Hilfe
Auch ohne diese Alarmzeichen sollten Sie zeitnah ärztlichen Rat einholen, wenn der Stridor auch in Ruhe hörbar ist, wenn sich die Beschwerden trotz Kortison nach mehreren Stunden nicht bessern, wenn Ihr Kind jünger als sechs Monate ist, wenn hohes Fieber über 39 Grad besteht – das eher für eine bakterielle Tracheitis oder Epiglottitis spricht – oder wenn es bereits die dritte Episode innerhalb weniger Wochen ist.
Vorbeugung
Keine Impfung verfügbar
Gegen Parainfluenzaviren gibt es trotz jahrzehntelanger Forschung bislang keine zugelassene Impfung – anders als etwa gegen RSV oder Influenza. In Entwicklung befinden sich abgeschwächte Lebendimpfstoffe zum Sprühen in die Nase gegen die Typen 1 bis 3; für HPIV-3 haben zwei Impfstoffkandidaten in ersten klinischen Studien (Phase I) eine Immunantwort gezeigt und wurden gut vertragen, Kandidaten gegen HPIV-1 und HPIV-2 befinden sich in einem früheren Entwicklungsstadium. Bis ein zugelassener Impfstoff verfügbar ist, bleiben allgemeine Hygienemaßnahmen die einzige Möglichkeit der Vorbeugung.
Alltagsmaßnahmen
Gründliches und regelmäßiges Händewaschen senkt nachweislich die Übertragung von Atemwegsviren einschließlich Parainfluenza, ebenso das Abwischen häufig berührter Oberflächen wie Türklinken oder Spielzeug mit gewöhnlichem Reinigungsmittel – die Viren werden dadurch zuverlässig inaktiviert. Halten Sie erkrankte Kinder nach Möglichkeit von Neugeborenen, Frühgeborenen und immungeschwächten Familienmitgliedern fern, solange Husten und Schnupfen bestehen. Eine rauchfreie Umgebung schützt die Atemwegsschleimhaut generell vor Infekten und mindert das Risiko schwererer Verläufe. Stillen in den ersten Lebensmonaten wirkt über mitgegebene Antikörper allgemein protektiv gegenüber Atemwegsinfekten, auch wenn es spezifisch gegen Parainfluenza nicht gezielt untersucht ist.
In Gemeinschaftseinrichtungen
Weil sich Parainfluenzaviren in Kindergruppen rasch verbreiten, sollten Kinder mit deutlichem Krankheitsgefühl, Fieber oder starkem bellendem Husten zu Hause bleiben, bis sich der Zustand gebessert hat. Eine feste Quarantänepflicht besteht in Österreich für Parainfluenza-Infektionen nicht; maßgeblich ist der Allgemeinzustand des Kindes.
Häufige Elternfragen
Ist Pseudokrupp gefährlich?
In den allermeisten Fällen nicht. Rund 85 Prozent der Kinder haben einen milden Verlauf, der sich mit oder auch ganz ohne Behandlung von selbst bessert. Gefährlich wird es nur beim seltenen schweren Verlauf mit zunehmender Erschöpfung und Sauerstoffmangel – deshalb sind die Alarmzeichen weiter oben so wichtig zu kennen.
Warum kommt der Anfall fast immer nachts?
Im Liegen und im Schlaf sammelt sich Sekret leichter im Kehlkopfbereich, außerdem lässt die abschwellend wirkende körpereigene Cortisol-Ausschüttung nachts von Natur aus nach. Dazu kommt, dass ein aufgeregtes, weinendes Kind schneller und tiefer atmet, was den Stridor hörbarer macht.
Wie oft kann mein Kind einen Pseudokrupp bekommen?
Manche Kinder haben nur eine einzige Episode, andere neigen über mehrere Jahre zu wiederkehrenden Anfällen, oft bei jedem neuen Atemwegsinfekt. Mit zunehmendem Alter und weiterem Wachstum der Atemwege werden die Episoden seltener und milder; ab dem Schulalter ist ein Pseudokrupp eine Rarität.
Muss mein Kind ins Krankenhaus?
Nur ein kleiner Teil der Kinder, etwa 1 bis 5 Prozent, benötigt eine stationäre Aufnahme. Die meisten werden nach der Behandlung in der Ordination oder Ambulanz und einer kurzen Beobachtungszeit nach Hause entlassen.
Hilft feuchte oder kalte Luft wirklich?
Die Wirksamkeit von befeuchteter oder kühler Luft aus einem Vernebler ist wissenschaftlich nicht eindeutig belegt. Kühle Luft am offenen Fenster oder auf dem Balkon schadet aber nicht, wird von vielen Kindern als angenehm empfunden und lenkt zusätzlich vom Weinen ab, was die Atmung indirekt erleichtert.
Ist eine Parainfluenza-Infektion dasselbe wie die echte Grippe?
Nein. Die echte Grippe wird durch Influenzaviren verursacht, die vor allem hohes Fieber, Gliederschmerzen und einen deutlich schwereren Allgemeinzustand hervorrufen. Parainfluenzaviren gehören zu einer anderen Virusfamilie und verlaufen meist als Erkältung oder eben als Pseudokrupp.
Kann sich mein Kind mehrmals mit Parainfluenzaviren anstecken?
Ja. Die Immunität nach einer durchgemachten Infektion ist nicht vollständig und lässt mit der Zeit nach, weshalb wiederholte Infektionen mit demselben oder einem anderen der vier Parainfluenza-Typen im Laufe der Kindheit üblich sind – meist mit milderem Verlauf als bei der ersten Ansteckung.
Braucht mein Kind ein Antibiotikum?
Nein, außer es kommt zu einer bakteriellen Zusatzinfektion wie einer Mittelohrentzündung oder einer bakteriellen Tracheitis. Parainfluenzaviren selbst sprechen auf Antibiotika nicht an.
Quellen
- Wang X, Li Y, Deloria-Knoll M et al.: Global burden of acute lower respiratory infection associated with human parainfluenza virus in children younger than 5 years for 2018. The Lancet Global Health, 2021 (18,8 Mio. Episoden, 725.000 Hospitalisierungen, 34.400 Todesfälle weltweit).
- Li Y, Reeves RM, Wang X et al.: Global patterns in monthly activity of influenza virus, respiratory syncytial virus, parainfluenza virus, and metapneumovirus. The Lancet Global Health, 2019 (saisonale Muster anhand von 185 Studien).
- Feng L, Li Z, Zhao S et al.: Viral etiologies of hospitalized acute lower respiratory infection patients in China, 2009–2013. PLOS ONE, 2014.
- Xu M, Yue W, Song X et al.: Epidemiological Characteristics of Parainfluenza Virus Type 3 and the Effects of Meteorological Factors in Hospitalized Children With Lower Respiratory Tract Infection. Frontiers in Pediatrics, 2022.
- Li Y, Liang Y, Tang J et al.: Clinical impact of human parainfluenza virus infections before and during the COVID-19 pandemic in Southern China. Microbes and Infection, 2023.
- Zhu Y, Sun Y, Li C et al.: Genetic characteristics of human parainfluenza viruses 1–4 associated with acute lower respiratory tract infection in Chinese children, during 2015–2021. Microbiology Spectrum, 2024.
- Gu YE, Park JY, Lee MK, Lim IS: Characteristics of human parainfluenza virus type 4 infection in hospitalized children in Korea. Pediatrics International, 2020.
- Kim YK, Song SH, Ahn B et al.: Shift in Clinical Epidemiology of Human Parainfluenza Virus Type 3 and Respiratory Syncytial Virus B Infections in Korean Children Before and During the COVID-19 Pandemic. Journal of Korean Medical Science, 2022.
- Nam EJ, Ham JY, Song KE, Won DI, Lee NY: Outbreak of Parainfluenza Virus During the COVID-19 Pandemic at a University Hospital in Korea. Clinical Laboratory, 2022.
- Mizuta K, Abiko C, Aoki Y et al.: Seasonal patterns of respiratory syncytial virus, influenza A virus, human metapneumovirus, and parainfluenza virus type 3 infections in Yamagata, Japan. Japanese Journal of Infectious Diseases, 2013.
- Mummidi PS, Tripathy R, Dwibedi B et al.: Viral aetiology of wheezing in children under five. Indian Journal of Medical Research, 2017.
- Popow-Kraupp T, Kunz C, Huber E: Respiratory virus infection in hospitalized children in Austria 1979–1982. Diagnosis by immunofluorescence. Infection, 1984.
- Teo WY, Rajadurai VS, Sriram B: Morbidity of parainfluenza 3 outbreak in preterm infants in a neonatal unit. Annals of the Academy of Medicine, Singapore, 2010.
- Geelhoed GC, Macdonald WB: Oral dexamethasone in the treatment of croup: 0.15 mg/kg versus 0.3 mg/kg versus 0.6 mg/kg. Pediatric Pulmonology, 1995.
- Centers for Disease Control and Prevention (CDC), USA: Human Parainfluenza Viruses (HPIVs) – Erregerübersicht, Übertragung, Impfstoffentwicklung.
- Konsiliarlabor für respiratorische Syncytialviren (RSV), Parainfluenzaviren (PIV) und humane Metapneumoviren (hMPV) – Robert Koch-Institut (RKI), Deutschland.
- MSD Manual, Ausgabe für medizinische Fachkreise: „Krupp" (Laryngotracheobronchitis), Kapitel Pädiatrie.
- DGPI-Handbuch „Infektionen bei Kindern und Jugendlichen" – Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie.
Hinweis
Dieser Ratgeber ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Er soll Ihnen helfen, Beschwerden einzuordnen und sich auf das Gespräch in der Ordination vorzubereiten; für Ihr Kind gelten die individuellen Empfehlungen und Dosierungen aus Ihrer Kinderarztordination.