Die "echte" Grippe (Influenza) ist eine hochansteckende Viruserkrankung der Atemwege, ausgelöst durch Influenzaviren vom Typ A oder B. Sie unterscheidet sich deutlich von einem gewöhnlichen grippalen Infekt (Erkältung): Influenza beginnt meist abrupt, mit hohem Fieber und einem stark reduzierten Allgemeinzustand (kindergesundheit-info.de). Besonders gefährdet sind laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) Kinder unter 5 Jahren – weltweit entfallen 99 % der Todesfälle durch grippebedingte untere Atemwegsinfektionen bei Kindern unter 5 Jahren auf Entwicklungsländer (WHO).

Symptome: So äußert sich die Grippe bei Kindern

Die Grippe beginnt typischerweise plötzlich und fühlt sich für Kinder deutlich schlimmer an als eine Erkältung (kindergesundheit-info.de; HealthyChildren.org). Typische Anzeichen:

  • Plötzlich einsetzendes, hohes Fieber (häufig 38,5–40 °C)
  • Schüttelfrost
  • Trockener Reizhusten, der auch nach Abklingen des Fiebers noch bis zu zwei Wochen anhalten kann
  • Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen
  • Halsschmerzen, verstopfte oder laufende Nase
  • Ausgeprägte Müdigkeit und starkes Krankheitsgefühl
  • Bei Kindern zusätzlich häufig: Übelkeit, Erbrechen und Mittelohrentzündungen (kindergesundheit-info.de)

Wichtig für Eltern von Babys und Kleinkindern: Säuglinge zeigen oft kein typisch hohes Fieber. Stattdessen fallen sie eher durch Trinkschwäche, anhaltendes Schreien oder Unruhe, auffällige Teilnahmslosigkeit und mitunter kurze Atempausen auf – die Grippe wird bei den Kleinsten deshalb leicht übersehen oder mit anderen Infekten verwechselt (familydoctor.cn). Bei der Influenza-B-Variante stehen bei Kindern zudem häufiger Magen-Darm-Symptome wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall im Vordergrund (familydoctor.cn). Die Inkubationszeit beträgt in der Regel ein bis zwei Tage, die Beschwerden klingen meist nach 7 bis 14 Tagen ab (kindergesundheit-info.de). Zum korrekten Fiebermessen siehe auch So messen Sie Ihr Kind richtig.

Grippe oder nur eine Erkältung? Die wichtigsten Unterschiede

MerkmalGrippaler Infekt (Erkältung)Echte Grippe (Influenza)
Beginnlangsam, schleichendplötzlich, abrupt
Fiebermeist niedrig oder keinshoch, oft 38,5–40 °C
Allgemeinzustandmeist noch relativ gutdeutlich reduziert, Kind wirkt "schwer krank"
Muskel-/Gliederschmerzenselten, mildhäufig, oft ausgeprägt
Hustenmeist mildtrocken und quälend
Dauerwenige Tageetwa 1–2 Wochen

Da sich auch andere Atemwegsviren – etwa Coronaviren – anfangs ähnlich äußern können, lässt sich die genaue Ursache eines fieberhaften Infekts oft nur durch einen Test sicher klären. Für die Versorgung zu Hause ist das meist zweitrangig; bei den unten genannten Alarmzeichen sollte aber unabhängig vom vermuteten Erreger ärztlich abgeklärt werden.

Ansteckung und Jahreszeit

Influenzaviren verbreiten sich über Tröpfchen beim Husten, Niesen und Sprechen (WHO). In gemäßigten Klimazonen wie Mitteleuropa treten Grippewellen vor allem im Winter auf, in tropischen Regionen kann Grippe dagegen das ganze Jahr über mit unregelmäßigen Ausbrüchen vorkommen (WHO). In Österreich und Deutschland erreicht die Grippewelle ihren Höhepunkt meist erst nach dem Jahreswechsel, üblicherweise im Januar oder Februar (RKI). Kinder erkranken laut der russischen Gesundheitsbehörde Rospotrebnadzor etwa 4- bis 5-mal häufiger an Grippe als Erwachsene, weil ihr Immunsystem den Viren gegenüber noch weniger vorbereitet ist; besonders betroffen sind Kinder unter 3 Jahren sowie Kinder, die Kinderbetreuungseinrichtungen oder die Schule besuchen (Rospotrebnadzor).

Wie gefährlich ist die Grippe für Kinder? Komplikationen

Bei ansonsten gesunden Kindern heilt die Grippe meist folgenlos aus. Harmlos ist sie deshalb aber nicht: Nach Angaben der WHO zählen Kinder unter 5 Jahren zu den Gruppen mit erhöhtem Risiko für einen schweren Verlauf, ebenso Kinder mit chronischen Vorerkrankungen wie Asthma, Herzfehlern, Stoffwechsel- oder Immunerkrankungen. Mögliche Komplikationen sind unter anderem:

  • Lungenentzündung – die häufigste ernsthafte Komplikation (HealthyChildren.org/CHOP)
  • Bakterielle Zweitinfektionen, häufig durch Pneumokokken, da die durch das Virus vorgeschädigten Atemwege anfälliger für Bakterien werden
  • Mittelohrentzündungen und Bronchitis
  • Seltener: Herzmuskelentzündung sowie Gehirnentzündung bzw. -schädigung (Enzephalitis/Enzephalopathie, vgl. auch Hirnhautentzündung) und das Guillain-Barré-Syndrom (HealthyChildren.org/CHOP)
  • Pseudokrupp mit akuter, potenziell lebensbedrohlicher Verengung der Atemwege, besonders bei Kleinkindern (Rospotrebnadzor)

Wie ernst das zu nehmen ist, zeigen US-Daten des Children's Hospital of Philadelphia: In einer durchschnittlichen Grippesaison sterben in den USA schätzungsweise 75 bis 150 zuvor gesunde Kinder an grippebedingten Komplikationen; in der besonders schweren Saison 2024/2025 waren es rund 260 Kinder – etwa 9 von 10 Todesfällen betrafen dabei ungeimpfte Kinder (CHOP). Die Grippe ist bei Kindern also keine "harmlose Kinderkrankheit".

Alarmzeichen: Wann muss mein Kind sofort ärztlich untersucht werden?

Suchen Sie umgehend ärztliche Hilfe bzw. eine Notaufnahme auf, wenn Ihr Kind eines dieser Zeichen zeigt (HealthyChildren.org; familydoctor.cn):

  • Atemnot, sehr schnelle oder angestrengte Atmung, sichtbare Einziehungen beim Atmen
  • Bläulich-graue Verfärbung von Haut, Lippen oder Fingernägeln
  • Brustschmerzen
  • Anzeichen einer schweren Austrocknung (kein Wasserlassen über 8 Stunden, trockener Mund, keine Tränen beim Weinen)
  • Auffällige Teilnahmslosigkeit, das Kind lässt sich schwer wecken oder reagiert nicht wie sonst
  • Ein Krampfanfall
  • Fieber über 40 °C – oder jedes Fieber bei Säuglingen unter 12 Wochen
  • Hohes Fieber, das länger als 3 Tage anhält, oder ein Fieber, das nach vorübergehender Besserung erneut ansteigt (möglicher Hinweis auf eine bakterielle Zweitinfektion)
  • Deutliche Verschlechterung einer bestehenden chronischen Erkrankung

Mehr zu Fieber und weiteren Alarmzeichen: Fieber bei Kindern.

Wichtige Warnung: Fiebersenker bei Grippe – Vorsicht bei NSAR wie Diclofenac

Acetylsalicylsäure (Aspirin/ASS) darf Kindern mit einem fieberhaften Virusinfekt wie der Grippe niemals gegeben werden – es besteht die Gefahr des lebensbedrohlichen Reye-Syndroms (HealthyChildren.org).

Ein weniger bekannter, aber wichtiger Hinweis kommt aus Japan: Das japanische Gesundheitsministerium (MHLW) hat Diclofenac-Natrium bei Kindern mit fieberhaften Viruserkrankungen wie Grippe oder Windpocken als kontraindiziert eingestuft – ebenfalls wegen der Gefahr eines Reye-Syndroms mit plötzlich auftretenden erhöhten Leberwerten, Muskelkrämpfen, neurologischen Symptomen und Nierenfunktionsstörungen (MHLW). Zusätzlich weisen offizielle Mitteilungen von MHLW und der japanischen Arzneimittelbehörde PMDA darauf hin, dass Diclofenac-Natrium bei Verdacht auf eine Influenza-Enzephalitis bzw. -Enzephalopathie – eine seltene, aber schwere Grippekomplikation – nicht verabreicht werden soll, da es deren Schweregrad ungünstig beeinflussen kann (MHLW/PMDA). Auch Ibuprofen und Naproxen sollen bei Grippefieber im Kindesalter laut MHLW nur mit Vorsicht eingesetzt werden. Als Mittel der ersten Wahl zur Fiebersenkung bei Kindern mit Grippe nennt die japanische Behörde Paracetamol (Acetaminophen) (MHLW).

In Österreich und Deutschland ist Diclofenac ohnehin kein Standard-Fiebersenker im Kindesalter; die japanische Erfahrung unterstreicht aber, wie wichtig die richtige Wahl des Fiebersenkers bei viralen Infekten wie der Grippe ist. Ausführliche, altersgerechte Dosierungsempfehlungen finden Sie unter Fieber bei Kindern und Ibuprofen.

Behandlung: Was hilft dem Kind?

Die Grippe wird bei den meisten Kindern rein symptomatisch behandelt:

  • Ausreichend trinken – Fieber erhöht den Flüssigkeitsbedarf deutlich
  • Bettruhe und Schonung
  • Angefeuchtete Raumluft, kühle Zimmertemperatur (etwa 18–20 °C) und nicht zu warme Kleidung
  • Fiebersenkung bei Bedarf mit Paracetamol – Details zu Dosierung und Anwendung siehe Fieber bei Kindern
  • Antivirale Medikamente (z. B. Oseltamivir) sind verschreibungspflichtig und wirken am besten, wenn sie innerhalb der ersten 24–48 Stunden nach Symptombeginn gegeben werden; sie können den Verlauf verkürzen und das Komplikationsrisiko senken
  • Antibiotika wirken nicht gegen das Grippevirus selbst, sondern nur gegen bakterielle Zweitinfektionen wie Mittelohrentzündung oder Lungenentzündung

Allgemeine Informationen zu Medikamenten bei Kindern finden Sie auch unter Medikamente.

Impfung: der wirksamste Schutz

Kurz zusammengefasst (Österreich): Die Grippeimpfung wird ab dem vollendeten 6. Lebensmonat empfohlen und ist in Österreich für alle Altersgruppen kostenfrei. Kinder bis 18 Jahre können statt der Injektion auch mit einem Nasenspray-Impfstoff geimpft werden (Gesundheitsportal Österreich).

Die jährliche Grippeimpfung ist der wirksamste Schutz vor einem schweren Verlauf. In Österreich wird sie ab dem vollendeten 6. Lebensmonat empfohlen und steht im Rahmen des öffentlichen Impfprogramms gratis zur Verfügung (Gesundheitsportal Österreich); in Deutschland empfiehlt die STIKO sie ebenfalls ab 6 Monaten, insbesondere für Kinder mit chronischen Grunderkrankungen und als Schutz für gefährdete Kontaktpersonen im Umfeld (RKI).

Nasenspray oder Spritze?

Für Kinder ab 2 Jahren steht neben der klassischen Injektion auch ein Nasenspray-Impfstoff (Lebendimpfstoff, LAIV) zur Verfügung – in Österreich bis zum 18. Geburtstag zugelassen (Gesundheitsportal Österreich), im Vereinigten Königreich wird er im nationalen Schulimpfprogramm für 2- bis 16-Jährige als bevorzugte Variante eingesetzt (NHS). Für Kinder unter 2 Jahren stehen ausschließlich Totimpfstoffe (Spritze) zur Verfügung (RKI). Auf die Injektion weicht man laut NHS außerdem aus bei Kindern mit einer schweren Allergie auf Bestandteile des Nasensprays, mit stark geschwächtem Immunsystem oder mit Asthma, das eine Dauertherapie mit Kortisontabletten erfordert (NHS).

Wie oft impfen?

Kinder, die zum ersten Mal geimpft werden und noch keine 9 Jahre alt sind, erhalten zwei Teilimpfungen im Abstand von mindestens 4 Wochen; danach reicht jährlich eine Auffrischung (RKI; Gesundheitsportal Österreich). Da der Impfschutz erst nach 10 bis 14 Tagen vollständig aufgebaut ist und Influenzaviren sich laufend verändern, sollte möglichst schon zwischen Oktober und Mitte Dezember geimpft werden – rechtzeitig vor dem meist erst nach dem Jahreswechsel erreichten Höhepunkt der Grippewelle (RKI).

Mehr zu Impfterminen und -inhalten finden Sie im Impfplan, allgemeine Hintergründe zu Impfstoffen unter Impfstoffe und zur Impfentscheidung unter Impfaufklärung.

Vorbeugen im Alltag

  • Regelmäßiges, gründliches Händewaschen; mit ungewaschenen Händen nicht Augen, Nase oder Mund berühren
  • Husten und Niesen in die Armbeuge oder ein Taschentuch, nicht in die Hand
  • Abstand zu erkrankten Personen halten, insbesondere zu Säuglingen sowie älteren oder chronisch kranken Angehörigen
  • Erkrankte Kinder bis zum Abklingen des Fiebers zu Hause betreuen, um andere nicht anzustecken

Quellen

  • Schutzimpfung gegen Influenza (FAQ) / Grippe (Influenza) bei Kindern – Robert Koch-Institut (RKI) und kindergesundheit-info.de (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung), Deutschland
  • Grippe und Grippeimpfung – Gesundheitsportal Österreich (gesundheit.gv.at), Österreich
  • Influenza (Seasonal) – Fact Sheet – World Health Organization (WHO), International
  • Children's flu vaccine – NHS (National Health Service), Vereinigtes Königreich
  • The Flu: What Parents Need to Know / Influenza: The Disease & Vaccines – HealthyChildren.org (American Academy of Pediatrics) und Children's Hospital of Philadelphia (CHOP), USA
  • Sicherheitsmitteilungen zu Diclofenac-Natrium und Influenza-Enzephalopathie bei Kindern – Ministry of Health, Labour and Welfare (MHLW) und Pharmaceuticals and Medical Devices Agency (PMDA), Japan
  • Грипп у детей (Grippe bei Kindern) – Rospotrebnadzor, Russland
  • Kindliche Grippe: frühzeitiges Erkennen und Behandeln – familydoctor.cn, China