Humane Papillomaviren (HPV) sind weit verbreitete Viren, mit denen sich laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) die meisten sexuell aktiven Menschen im Laufe ihres Lebens mindestens einmal infizieren. Die Infektion selbst verläuft meist unbemerkt und heilt von allein aus – bei einem Teil der Betroffenen können bestimmte HPV-Typen aber Jahre bis Jahrzehnte später Genitalwarzen oder Krebs auslösen, allen voran Gebärmutterhalskrebs. Weil die Impfung am wirksamsten ist, bevor es zu einer Ansteckung kommt, wird sie gezielt im Kindes- und Jugendalter empfohlen – für Mädchen und Buben.

Was ist HPV?

Humane Papillomaviren sind eine große Virusfamilie mit mehr als 200 bekannten Typen. Man unterscheidet grob zwischen Niedrigrisiko-Typen, die vor allem gutartige Warzen verursachen, und Hochrisiko-Typen, die das Erbgut infizierter Zellen so verändern können, dass daraus – über Vorstufen – Krebs entsteht. Nach Angaben der WHO sind die Typen 16 und 18 für rund 76 % aller Gebärmutterhalskrebsfälle verantwortlich; berücksichtigt man sieben Hochrisiko-Typen (16, 18, 31, 33, 45, 52, 58) zusammen, erklärt das laut der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation (PAHO/OMS) etwa 90 % der Fälle weltweit. Die Typen 6 und 11 wiederum lösen etwa 90 % aller Genitalwarzen aus (PAHO/OMS, Ameli/Frankreich).

Wie wird HPV übertragen?

HPV wird in erster Linie durch engen Haut- und Schleimhautkontakt übertragen, bei den genitalen Hochrisiko-Typen vor allem durch sexuellen Kontakt (Genital-, Anal- oder Oralverkehr). Da die Übertragung über Hautkontakt und nicht nur über Körperflüssigkeiten erfolgt, schützt ein Kondom nicht vollständig, sondern nur teilweise vor einer Ansteckung – ungeschützte Hautbereiche bleiben ein Übertragungsweg. Weil die Infektion so häufig ist, spielt es für den Impfzeitpunkt kaum eine Rolle, wie vorsichtig jemand später ist: Entscheidend ist, dass die Impfung abgeschlossen ist, bevor der erste Kontakt mit dem Virus stattfindet.

Wie häufig sind HPV-Infektionen?

Laut österreichischem Impfservice impfen.gv.at infizieren sich rund 80 % aller sexuell aktiven Menschen irgendwann in ihrem Leben mit HPV, bis zu 10 % entwickeln dabei Genitalwarzen. Ähnliche Zahlen nennt die italienische Gesundheitsbehörde ISS/EpiCentro: Etwa 80 % der sexuell aktiven Frauen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mindestens einmal. In Südkorea zeigte eine Studie an Frauen zwischen 18 und 79 Jahren eine HPV-Infektionsrate von 34,2 %, wobei junge Frauen zwischen 18 und 29 Jahren mit 49,9 % am häufigsten betroffen waren (KDCA, Korea Disease Control and Prevention Agency). Die meisten Infektionen heilen von selbst innerhalb von ein bis zwei Jahren aus, ohne dass es zu Symptomen kommt – nur wenn eine Infektion mit Hochrisiko-Typen über Jahre bestehen bleibt, steigt das Krebsrisiko.

Welche Erkrankungen kann HPV auslösen?

Neben Genitalwarzen (Feigwarzen, Condylomata acuminata) können Hochrisiko-HPV-Typen folgende Krebsarten verursachen (Österreichisches Gesundheitsportal, ISS/Italien): Gebärmutterhalskrebs, Krebs der Scheide, der Vulva, des Penis, des Afters sowie Rachen- und Kehlkopfkrebs. Gebärmutterhalskrebs gilt laut ISS als die zweithäufigste Krebsart bei Frauen weltweit. Nach österreichischen Angaben sind über 90 % aller Gebärmutterhalskrebsfälle auf HPV zurückzuführen. In Deutschland erkranken laut Robert Koch-Institut (RKI) jährlich rund 10.000 Menschen an einem HPV-bedingten Krebs – etwa 7.000 Frauen und 3.000 Männer, letztere überwiegend im Mund-Rachen-Raum, im Analbereich oder am Penis.

Warum die Impfung im Jugendalter so wichtig ist

Der entscheidende Grund für eine Impfung im Kindes- und frühen Jugendalter ist nicht nur, dass jüngere Kinder eine stärkere Immunantwort entwickeln – sondern vor allem, dass die Impfung nur vor jenen HPV-Typen schützt, mit denen man noch keinen Kontakt hatte. Eine große britische Studie, die vom RKI zitiert wird, zeigt eindrücklich, wie stark die Wirksamkeit vom Impfalter abhängt:

Alter bei ImpfungRisikoreduktion GebärmutterhalskrebsRisikoreduktion Krebsvorstufen (CIN3)
12–13 Jahre87 %97 %
14–16 Jahre62 %75 %
16–18 Jahre34 %39 %

Diese Zahlen zeigen: Je früher geimpft wird – idealerweise deutlich vor dem ersten Sexualkontakt –, desto größer der Schutz. Das bestätigt auch der französische Versicherungsträger Ameli: Die Impfung wirkt am besten bei Personen, die dem Virus noch nicht ausgesetzt waren.

Impfschema: Wie viele Dosen in welchem Alter?

International hat sich ein ähnliches Muster durchgesetzt, auch wenn Details je nach Land variieren:

  • Bis zum vollendeten 14./15. Lebensjahr: 2 Impfdosen im Abstand von etwa 5 bis 12 Monaten (Österreich, Deutschland/STIKO, Frankreich, Japan)
  • Ab 15 Jahren bzw. bei kürzerem Abstand: 3 Impfdosen nach dem Schema 0–1/2–6 Monate (STIKO, Ameli/Frankreich, MHLW/Japan)
  • Immungeschwächte Personen (u. a. HIV): mindestens 2, idealerweise 3 Dosen (WHO)

Die WHO erlaubt seit ihrer aktualisierten Empfehlung von Dezember 2022 für 9- bis 20-Jährige je nach nationalem Impfplan auch ein 1- oder 2-Dosen-Schema. Einzelne Länder gehen bereits einen Schritt weiter: Brasilien stellte 2024 für 9- bis 14-Jährige offiziell auf eine Einzeldosis um (brasilianisches Gesundheitsministerium), und auch in den USA wird eine Ein-Dosis-Empfehlung diskutiert – dort fehlt laut Society of Gynecologic Oncology (SGO) aktuell allerdings noch ein dafür zugelassener Impfstoff.

HPV-Impfung in Österreich auf einen Blick

Laut Sozialministerium und impfen.gv.at ist die HPV-Impfung für alle Kinder und Jugendlichen vom 9. bis zum 21. Geburtstag dauerhaft kostenfrei – empfohlen wird sie ab dem vollendeten 9. Lebensjahr, optimal im Alter von 9 bis 11 Jahren, mit 2 Teilimpfungen im Abstand von 6 bis 12 Monaten. Nachholen ist bis zum 30. Geburtstag möglich (danach 3 Dosen nötig); für 21- bis 30-Jährige gilt eine befristete Nachhol-Aktion: die 1. Teilimpfung war bis 31. Dezember 2025 kostenlos, die 2. Teilimpfung bleibt bis 30. Juni 2026 gratis. Ende 2025 waren laut impfen.gv.at 49 % der 14-Jährigen in Österreich vollständig gegen HPV geimpft. Details zum Ablauf finden Sie auch in unseren Ratgebern Impfplan, Impfstoffe und Impfaufklärung.

Auch für Jungen und Burschen: warum die Impfung sie schützt

Die HPV-Impfung wird längst nicht mehr nur für Mädchen empfohlen. Laut RKI trägt etwa 1 von 5 männlichen Jugendlichen bzw. Männern ab 15 Jahren mindestens einen krebserregenden HPV-Typ in sich – und wie oben erwähnt, erkranken in Deutschland jährlich rund 3.000 Männer an einem HPV-bedingten Krebs. Die österreichische Sozialversicherung SVS betont: „Das Risiko ist für Frauen und Männer gleich hoch, daher ist die Impfung sowohl für Mädchen als auch für Buben sinnvoll." Der quadrivalente Impfstoff verhindert laut Ameli/Frankreich zudem bis zu 90 % der Genitalwarzen bei Männern. Neben dem direkten Eigenschutz kommt ein Gemeinschaftseffekt hinzu: Werden auch Buben geimpft, sinkt die HPV-Zirkulation insgesamt, was laut PAHO/OMS bei einer Mädchen-Impfquote von über 80 % bereits das Ansteckungsrisiko für ungeimpfte Buben spürbar senkt. Südkorea zieht daraus seit Mai 2026 die Konsequenz und nimmt 12-jährige Buben kostenfrei ins staatliche Impfprogramm auf (KDCA) – mit dem erklärten Ziel, „Gebärmutterhalskrebs, Analkrebs, Oropharynxkrebs und weitere HPV-Erkrankungen bei beiden Geschlechtern besser vorzubeugen".

Wie wirksam ist die Impfung gegen Krebs?

Die Wirksamkeitsdaten sind eindeutig. Laut österreichischem Gesundheitsportal senkt die Impfung das Risiko für Gebärmutterhalskrebs und Genitalwarzen um bis zu 90 %. Die italienische Gesundheitsbehörde ISS beziffert den Schutz noch differenzierter, bezogen auf Personen, die zuvor noch nicht mit den im Impfstoff enthaltenen HPV-Typen infiziert waren:

  • Gebärmutterhalskrebs: bis zu 100 % (verursacht durch HPV 16/18)
  • Analkrebs: rund 90 %
  • Scheidenkrebs: rund 70 %
  • Peniskrebs: rund 50 %
  • Vulvakrebs: rund 40 %

War bereits eine Infektion mit einem der Impf-HPV-Typen vorausgegangen, sinkt die Schutzwirkung laut ISS auf etwa 50 % – ein weiteres Argument für die frühe Impfung. Auch der reale Effekt in der Bevölkerung ist mittlerweile gut belegt: In Australien, das die HPV-Impfung schon früh und mit hoher Impfquote eingeführt hat, sank laut südkoreanischer Gesundheitsbehörde KDCA der Nachweis impfstoffrelevanter HPV-Typen bereits vier Jahre nach Einführung des Programms von 29 % auf 7 %.

Impfquoten und Impfprogramme im Ländervergleich

Wie konsequent die Impfung umgesetzt wird, unterscheidet sich stark:

  • Österreich: kostenfrei von 9 bis 21 Jahren; 49 % der 14-Jährigen Ende 2025 vollständig geimpft (impfen.gv.at)
  • Italien: seit 2007 kostenfreies Programm für 12-jährige Mädchen mit rund 70 % Beteiligung, seit 2015 in mehreren Regionen auch für Buben geöffnet (ISS/EpiCentro)
  • Frankreich: Impfung für 11- bis 14-Jährige (Mädchen und Buben) wird zu 65 % von der Krankenversicherung erstattet, Schulklassen der 5e (entspricht der 6. Schulstufe) erhalten sie zusätzlich gratis im Rahmen einer Schulimpfkampagne (Ameli, Ministère de la Santé)
  • Deutschland: STIKO empfiehlt die Impfung für 9- bis 14-Jährige, Nachholimpfung bis zum 18. Geburtstag möglich (RKI)
  • Südkorea: staatliches Programm für Mädchen von 12 bis 17 Jahren, seit Mai 2026 auch für 12-jährige Buben; bislang rund 2,14 Millionen verabreichte Dosen (KDCA)
  • Brasilien: seit 2024 kostenfreie Einzeldosis für 9- bis 14-Jährige über das öffentliche Gesundheitssystem SUS (Ministério da Saúde)
  • China: nahm die HPV-Impfung am 10. November 2025 landesweit und kostenfrei ins nationale Impfprogramm für 13-jährige Mädchen auf – laut WHO ein „historischer Schritt für die Gesundheit von Frauen". Hintergrund: rund 151.000 neue Gebärmutterhalskrebs-Fälle und 56.000 Todesfälle jährlich in China, etwa ein Fünftel des weltweiten Aufkommens (WHO China)

Übergeordnetes Ziel der WHO ist die „90-70-90"-Strategie zur Elimination von Gebärmutterhalskrebs bis 2030: 90 % der Mädchen sollen bis zum 15. Geburtstag geimpft, 70 % der Frauen im Alter von 35 und 45 Jahren auf Krebsvorstufen untersucht und 90 % der festgestellten Vorstufen behandelt werden.

Verträglichkeit und Sicherheit

Die HPV-Impfstoffe gehören zu den weltweit am besten untersuchten Impfstoffen. Laut Ameli/Frankreich wurden dort bereits über 6 Millionen und weltweit mehr als 300 Millionen Dosen verabreicht, ohne dass ein Zusammenhang mit Autoimmunerkrankungen nachgewiesen werden konnte. Auswertungen des koreanischen Impfprogramms (KDCA) zu rund 2,14 Millionen verabreichten Dosen zeigen 181 gemeldete Nebenwirkungen – das entspricht etwa 0,008 %. Am häufigsten war Schmerz an der Einstichstelle, bei den seltener gemeldeten Allgemeinreaktionen ein kurzes, vorübergehendes Ohnmachtsgefühl (Synkope), das bei Jugendlichen nach vielen Impfungen auftreten kann und durch Sitzen- oder Liegenbleiben nach der Impfung gut abgefangen wird.

Wichtig für Eltern und Jugendliche

Sprechen Sie den optimalen Impfzeitpunkt aktiv bei den Vorsorgeuntersuchungen Ihres Kindes an – idealerweise schon im Volksschulalter, damit die Impfserie lange vor den ersten sexuellen Kontakten abgeschlossen ist. Ähnlich wie bei Hepatitis B, das ebenfalls über Körperkontakt übertragen wird und zu Leberkrebs führen kann, gilt: Der beste Schutz entsteht, bevor eine Ansteckung überhaupt möglich ist. Dieser Artikel ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung – bei Fragen zum passenden Zeitpunkt oder Impfstoff wenden Sie sich an Ihre Kinderärztin oder Ihren Kinderarzt.

Quellen

  • Human papillomavirus (HPV) and cervical cancer – Fact Sheet, World Health Organization (WHO), International
  • China takes historic step to protect women's health: HPV vaccine joins national immunization programme – World Health Organization (WHO), China
  • HPV-Impfung – impfen.gv.at und Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, Österreich
  • Schutzimpfung gegen Humane Papillomviren (HPV), FAQ zur STIKO-Empfehlung – Robert Koch-Institut (RKI), Deutschland
  • La vaccination contre les papillomavirus humains (HPV) – Ameli / Assurance Maladie, Frankreich
  • HPV: vaccinazione, efficacia e copertura – EpiCentro, Istituto Superiore di Sanità (ISS), Italien
  • Vacuna contra el virus del papiloma humano (VPH) – Organización Panamericana de la Salud (OPS/PAHO); Ministério da Saúde, Amerika/Brasilien
  • HPV 국가예방접종(HPV-Nationalimpfprogramm) – Korea Disease Control and Prevention Agency (KDCA); HPVワクチンに関するQ&A – Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales (厚生労働省), Südkorea/Japan
  • HPV-Impfung: Informationen für Frauen und Männer – Sozialversicherung der Selbständigen (SVS), Österreich