Masern zählen zu den ansteckendsten Infektionskrankheiten der Welt (WHO). Ausgelöst werden sie durch das hochansteckende Masernvirus, das über Tröpfchen und die Luft übertragen wird. Auch wenn Masern oft fälschlich als harmlose „Kinderkrankheit" abgetan werden, können sie schwere Komplikationen wie Lungenentzündung oder Gehirnentzündung verursachen – und Jahre später sogar die immer tödlich verlaufende SSPE. Der einzig wirksame Schutz ist die MMR-Impfung.

Warum Masern so ansteckend sind

Die Basisreproduktionszahl (R0) der Masern liegt bei 12 bis 18 – ein einziger erkrankter Mensch steckt in einer ungeschützten Umgebung im Schnitt 12 bis 18 weitere Personen an (WHO). Damit gehört das Masernvirus zu den ansteckendsten Erregern überhaupt. Über 90 % der ungeschützten Kontaktpersonen eines Erkrankten infizieren sich (ECDC). Das Virus bleibt zudem bis zu zwei Stunden in der Luft oder auf Oberflächen infektiös, nachdem eine erkrankte Person gehustet oder geniest hat (ECDC).

Ansteckend sind Betroffene bereits vier bis sechs Tage vor dem Auftreten des Hautausschlags – also bevor Masern überhaupt erkannt werden – bis vier Tage danach, wobei die höchste Ansteckungsgefahr in der Phase vor dem Ausschlag liegt (ECDC). Die Inkubationszeit (Zeitspanne zwischen Ansteckung und ersten Symptomen) beträgt im Mittel 10 bis 12 Tage, kann aber zwischen 7 und 18 Tagen liegen (WHO).

Wegen der enormen Ansteckungsfähigkeit ist für einen dauerhaften Schutz der Bevölkerung eine Impfquote von mindestens 95 % mit zwei MMR-Impfdosen notwendig (Herdenimmunitätsschwelle) (WHO). Schon kleine Impflücken reichen für lokale Ausbrüche aus.

Symptome und Krankheitsverlauf

Masern verlaufen typischerweise zweiphasig.

1. Vorstadium (katarrhalisches Stadium)

Etwa 3 bis 5 Tage lang treten Fieber (teils bis 39–40,5 °C), Husten, Schnupfen und gerötete, tränende Augen (Bindehautentzündung) auf – ein Bild, das leicht mit einem grippalen Infekt verwechselt wird. Hinweise zum richtigen Fiebermessen finden Sie unter So messen Sie Ihr Kind richtig, allgemeine Informationen unter Fieber bei Kindern.

Koplik-Flecken – das typische Frühwarnzeichen

Ein bis zwei Tage vor dem Hautausschlag zeigen sich bei einem Großteil der Kinder (in Untersuchungen bei rund 60–70 % der Fälle) die sogenannten Koplik-Flecken: kleine, weißliche bis bläulich-weiße Flecken auf gerötetem Grund an der Mundschleimhaut gegenüber den Backenzähnen (ECDC). Sie gelten als das einzige Symptom, das bereits vor dem Hautausschlag eine sichere Verdachtsdiagnose ermöglicht.

2. Exanthemstadium (Hautausschlag)

Nach erneutem Fieberanstieg entsteht der charakteristische, großfleckige, leicht erhabene Hautausschlag. Er beginnt im Gesicht und hinter den Ohren und breitet sich innerhalb von etwa drei Tagen über den ganzen Körper aus. Insgesamt hält der Ausschlag 3 bis 7 Tage an, bevor er wieder verblasst.

Komplikationen: Warum Masern gefährlich sind

Anders als oft angenommen verlaufen Masern nicht immer harmlos: Bis zu 30 % der Erkrankten entwickeln Komplikationen – besonders häufig betroffen sind Kinder unter 5 Jahren, mangelernährte Kinder und Menschen mit geschwächtem Immunsystem (WHO).

KomplikationHäufigkeit
Mittelohrentzündungetwa 7–10 % der Fälle
Durchfalletwa 8 % der Fälle
Lungenentzündung1–6 % der Fälle (häufigste Todesursache bei Masern)
Gehirnentzündung (Enzephalitis)etwa 1 von 1.000 bis 2.000 Fällen; verläuft bei rund jedem zehnten betroffenen Kind tödlich
SSPE (Spätfolge)siehe unten

SSPE – die gefürchtete Spätfolge

Die subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE) ist eine seltene, aber immer tödlich verlaufende Erkrankung des Gehirns, die sich Jahre bis Jahrzehnte nach einer durchgemachten Maserninfektion entwickeln kann. Ältere Schätzungen gehen von etwa 4 bis 11 SSPE-Fällen pro 100.000 Masernerkrankungen aus, bei Ansteckung vor dem 5. Lebensjahr von bis zu 18 pro 100.000 (ECDC). Neuere Untersuchungen zeigen, dass das Risiko bei einer Infektion im ersten Lebensjahr deutlich höher liegt – bei bis zu 1 von 600 betroffenen Säuglingen (WHO). Eine Behandlung, die SSPE heilen kann, gibt es nicht. Weitere schwere Infektionen des zentralen Nervensystems bei Kindern sind unter Hirnhautentzündung (Meningitis) beschrieben.

Die Sterblichkeit durch die akute Maserninfektion liegt in Industrieländern bei etwa 1 bis 3 von 1.000 Erkrankten (ECDC), in Ländern mit unzureichender medizinischer Versorgung kann sie auf bis zu 6 % ansteigen (WHO). Weltweit starben 2024 rund 95.000 Menschen an Masern – die meisten davon ungeimpfte Kinder unter 5 Jahren (WHO).

Bei folgenden Anzeichen sofort ärztliche Hilfe suchen (Ordination anrufen oder Rettung/Notaufnahme):

  • Atemnot, schnelle oder angestrengte Atmung (Hinweis auf Lungenentzündung)
  • Bewusstseinstrübung, starke Schläfrigkeit, Verwirrtheit oder Krampfanfälle (Hinweis auf Gehirnentzündung)
  • Erneuter Fieberanstieg nach vorübergehender Besserung, oder anhaltend sehr hohes Fieber
  • Starke Ohrenschmerzen (Hinweis auf Mittelohrentzündung)
  • Zeichen von Austrocknung durch starken Durchfall (kein Urin, eingesunkene Augen, trockener Mund)
  • Sehstörungen

Wann zur Kinderärztin oder zum Kinderarzt – und wie?

Bei Verdacht auf Masern (Fieber, Husten, Bindehautentzündung, Koplik-Flecken oder Hautausschlag) sollte möglichst rasch ärztlicher Rat eingeholt werden.

Wichtig: Rufen Sie vor einem Praxisbesuch unbedingt vorher in der Ordination an und schildern Sie den Verdacht auf Masern. Wegen der extrem hohen Ansteckungsgefahr im Wartezimmer kann die Praxis dann organisatorische Vorkehrungen treffen (z. B. gesonderter Termin, getrennter Eingang), um andere Patientinnen und Patienten – insbesondere Säuglinge, Schwangere und immungeschwächte Personen – zu schützen.

Behandlung

Eine ursächliche Therapie gegen das Masernvirus gibt es nicht. Die Behandlung ist rein symptomatisch: Bettruhe, ausreichend Flüssigkeit sowie bei Bedarf fiebersenkende Medikamente nach Rücksprache mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt. Wegen der Gefahr bakterieller Zusatzinfektionen wie Mittelohr- oder Lungenentzündung ist eine ärztliche Verlaufskontrolle wichtig. Da Erkrankte bis vier Tage nach Auftreten des Ausschlags ansteckend sind, sollten Kinder in dieser Zeit zu Hause bleiben und Kontakt zu anderen Personen – vor allem zu ungeimpften, Säuglingen und Schwangeren – vermeiden.

Impfschutz: Die MMR-Impfung

Der einzig wirksame Schutz vor Masern ist die Kombinationsimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR). In Österreich wird sie im Rahmen des kostenfreien Impfprogramms ab dem vollendeten 9. Lebensmonat mit zwei Teilimpfungen empfohlen (AGES, Österreich). Termine und weitere Impfungen finden Sie im österreichischen Impfplan, allgemeine Hintergründe unter Impfstoffe und Antworten auf häufige Elternfragen unter Impfaufklärung. Da die Impfung gleichzeitig gegen drei Krankheiten schützt, lohnt sich auch ein Blick auf die Artikel zu Mumps und Röteln.

Nach zwei Impfdosen sind über 90 % der Geimpften dauerhaft geschützt. Nach nur einer Dosis bleiben dagegen rund 15 % der Kinder ohne ausreichenden Schutz – deshalb ist die zweite Teilimpfung unverzichtbar (WHO). Weltweit hat die Masernimpfung zwischen 2000 und 2024 schätzungsweise fast 59 Millionen Todesfälle verhindert (WHO).

Aktuelle Situation: Ausbrüche in Österreich und weltweit

Masern sind trotz wirksamer Impfung keineswegs Geschichte: In Österreich wurden 2024 542 Fälle gemeldet, von denen fast ein Viertel (22,8 %) im Krankenhaus behandelt werden musste. Im laufenden Jahr wurden bislang sieben bestätigte oder wahrscheinliche Fälle registriert, mit einer Hospitalisierungsquote von 43 % (AGES, Österreich).

Auch international nehmen Ausbrüche wieder zu: Allein in der Amerika-Region wurden 2025 in 13 Ländern rund 15.000 bestätigte Fälle gemeldet – ein 32-facher Anstieg gegenüber dem Vorjahr (OPS/PAHO, Amerika). Weltweit blieben zuletzt rund 29 Millionen Säuglinge unzureichend gegen Masern geschützt (WHO). Dass die Ausrottung möglich ist, zeigt das Beispiel Japan: Dort gilt das Land seit 2015 offiziell als maserneliminiert (bei einem MMR-Impfschema mit Dosen im Alter von einem Jahr und vor Schuleintritt); aktuelle Fälle gehen dort praktisch nur noch auf importierte Infektionen zurück (JIHS, Japan).

Quellen

  • Measles – World Health Organization (WHO), International (mehrsprachige Fassungen: Englisch, Spanisch, Französisch, Arabisch, Russisch, Chinesisch)
  • Measles facts – European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC), Europäische Union
  • Masern – Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), Österreich
  • Morbillo – EpiCentro, Istituto Superiore di Sanità (ISS), Italien
  • Sarampión – Organización Panamericana de la Salud (OPS/PAHO), Amerika
  • Sarampo – Ministério da Saúde, Brasilien
  • 麻しんについて – Japan Institute for Health Security (JIHS), Japan