Röteln
Röteln (Rubella) sind eine durch das Rötelnvirus ausgelöste, ansteckende Viruserkrankung, die bei Kindern meist mild verläuft – mit rötlichem Hautausschlag, leichtem Fieber und geschwollenen Lymphknoten. Bis zur Hälfte aller Infektionen bleibt sogar völlig ohne sichtbare Krankheitszeichen (WHO). Warum Röteln trotzdem zu den Krankheiten zählen, vor denen Kinderärztinnen und Kinderärzte besonders eindringlich warnen, hat einen einzigen Grund: Infiziert sich eine Schwangere mit dem Virus, kann es beim ungeborenen Kind zu schwersten, lebenslangen Schäden kommen – dem sogenannten konnatalen Rötelnsyndrom. Die MMR-Impfung schützt nicht nur das geimpfte Kind, sondern über die Herdenimmunität auch Schwangere in der Umgebung, die selbst nicht immun sind.
Ansteckung und Krankheitsverlauf
Das Rötelnvirus wird durch Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen, Sprechen) übertragen und befällt ausschließlich Menschen. Die Inkubationszeit – die Zeit zwischen Ansteckung und ersten Symptomen – beträgt 14 bis 21 Tage, im Mittel etwa 17 Tage. Ansteckend sind Erkrankte bereits etwa eine Woche vor bis eine Woche nach dem Auftreten des Hautausschlags – also auch dann, wenn noch gar keine Symptome zu erkennen sind (RKI, Deutschland).
Ein wichtiger Punkt für die Einschätzung des Ansteckungsrisikos: Je nach Quelle verlaufen zwischen 20 und 50 % aller Rötelninfektionen völlig ohne erkennbare Symptome (RKI, Deutschland; WHO). Das bedeutet, dass sich das Virus unbemerkt verbreiten kann – auch in der Nähe von Schwangeren, die nicht ausreichend immun sind.
Symptome bei Kindern
Bei Kindern beschränkt sich die Erkrankung häufig auf den Hautausschlag allein, während Erwachsene öfter zusätzlich unter Vorboten-Symptomen und Gelenkbeschwerden leiden (RKI, Deutschland). Typisch ist ein kleinfleckiger, leicht erhabener Ausschlag, der im Gesicht beginnt und sich über Rumpf und Extremitäten ausbreitet. Er bildet sich meist nach 1 bis 3 Tagen von selbst zurück. Begleitend können auftreten:
- leichtes bis mäßiges Fieber (meist unter 39 °C) – Hinweise zum richtigen Messen finden Sie unter So messen Sie Ihr Kind richtig, allgemeine Informationen unter Fieber bei Kindern
- geschwollene Lymphknoten – besonders charakteristisch hinter den Ohren, am Hinterkopf und im Nacken
- leichter Schnupfen, Halskratzen
- Bindehautentzündung
- bei älteren Kindern und Erwachsenen: Kopf- und Gliederschmerzen, Gelenkbeschwerden
Komplikationen bei Kindern und Erwachsenen
Bei Kindern verlaufen Röteln in aller Regel unkompliziert. Echte Komplikationen sind selten und betreffen häufiger Jugendliche und Erwachsene (RKI, Deutschland):
| Komplikation | Häufigkeit / Betroffene |
|---|---|
| Gelenkbeschwerden (Arthralgie/Arthritis) | bis zu 70 % bei Erwachsenen, besonders bei Frauen – bei Kindern selten |
| Verminderte Blutplättchenzahl (Thrombozytopenie) mit Blutungsneigung | etwa 1 von 3.000 Erkrankten |
| Gehirnentzündung (Enzephalitis) | etwa 1 von 6.000 Erkrankten |
| Weitere mögliche Komplikationen | Mittelohrentzündung, Bronchitis, Herzmuskel-/Herzbeutelentzündung |
Röteln in der Schwangerschaft: das konnatale Rötelnsyndrom
Röteln in der Schwangerschaft gehören zu den gefährlichsten Virusinfektionen für das ungeborene Kind. Infiziert sich eine Schwangere in den ersten 8 bis 12 Schwangerschaftswochen, liegt das Risiko einer schweren Schädigung des Kindes bei bis zu 90 % (RKI, Deutschland). Ab der 20. Schwangerschaftswoche kommt es nur noch in Ausnahmefällen zu Schädigungen. Vor Einführung der Impfung kamen weltweit bis zu 4 von 1.000 Lebendgeborenen mit einem konnatalen Rötelnsyndrom zur Welt; aktuellen Schätzungen zufolge sind es weltweit weiterhin geschätzt rund 100.000 betroffene Kinder pro Jahr (WHO). Wird das Risiko über die gesamte Schwangerschaft gemittelt (nicht nur die besonders kritische Frühschwangerschaft), geben andere Quellen eine Gesamtrate von rund 20 % an (EpiCentro/ISS, Italien) – entscheidend ist also vor allem der Zeitpunkt der Infektion.
Das Ausmaß der Schädigung hängt stark vom Infektionszeitpunkt ab (RKI, Deutschland):
| Infektionszeitpunkt der Mutter | Geschätztes Risiko für das Kind |
|---|---|
| 1. Schwangerschaftsmonat | über 50 % |
| 2. Schwangerschaftsmonat | etwa 35 % |
| 3. Schwangerschaftsmonat | etwa 18 % |
| 4. Schwangerschaftsmonat | etwa 8 % |
| ab der 20. Schwangerschaftswoche | Schädigungen nur in Ausnahmefällen |
Mögliche Folgen einer Infektion des ungeborenen Kindes reichen von Fehlgeburt und Frühgeburt bis zur klassischen Trias aus angeborenem Herzfehler, Innenohrschwerhörigkeit und grauem Star (Katarakt). Herzfehler und grauer Star entstehen meist bei Infektion in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten, eine Schwerhörigkeit kann darüber hinaus auch bei Infektionen bis zum 6. Schwangerschaftsmonat auftreten. Weitere mögliche Schäden sind unter anderem verminderte Blutplättchenzahl mit Blutungsneigung, Leber- und Milzvergrößerung, Netzhautveränderungen, verzögertes Wachstum sowie Entwicklungsverzögerungen (RKI, Deutschland). Ein Teil der schwer betroffenen Kinder verstirbt an den Folgen der Infektion.
Rötelnimmunität in der Schwangerschaft: Eltern-Kind-Pass (früher Mutter-Kind-Pass)
Deshalb wird der Rötelnimmunstatus routinemäßig überprüft: Die erste Eltern-Kind-Pass-Untersuchung, die bis zum Ende der 16. Schwangerschaftswoche stattfindet, umfasst als Teil der Blutuntersuchung auch die Bestimmung des Rötelnantikörpertiters (gesundheit.gv.at, Österreich). Mehr zum Ablauf aller Vorsorgeuntersuchungen finden Sie unter Eltern-Kind-Pass-Untersuchung. Zeigt sich dabei, dass keine ausreichende Immunität besteht, sollte engerer Kontakt zu möglicherweise erkrankten Personen gemieden werden – geimpft werden darf während der Schwangerschaft selbst allerdings nicht, da es sich um einen Lebendimpfstoff handelt. Der Immunstatus sollte daher idealerweise schon vor einer geplanten Schwangerschaft geprüft und eine fehlende Immunität rechtzeitig durch Impfung ausgeglichen werden.
Impfschutz: Die MMR-Impfung
Der wirksamste Schutz vor Röteln – und damit auch vor dem konnatalen Rötelnsyndrom – ist die Kombinationsimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR). In Österreich wird sie im Rahmen des kostenfreien Impfprogramms ab dem vollendeten 9. Lebensmonat empfohlen (impfen.gv.at, Österreich). Es sind zwei Teilimpfungen notwendig: Erfolgt die erste Dosis im 1. Lebensjahr, wird die zweite nach 3 Monaten verabreicht; erfolgt die erste Dosis erst nach dem 1. Geburtstag, genügt ein Mindestabstand von 4 Wochen zur zweiten Dosis. Die Impfung ist an öffentlichen Impfstellen für alle Altersgruppen gratis erhältlich, und versäumte Impfungen können in jedem Lebensalter nachgeholt werden – ein "Überimpfen" ist nicht möglich. Details zum gesamten Impfschema finden Sie im österreichischen Impfplan, allgemeine Hintergründe zu Impfstoffen unter Impfstoffe und Antworten auf häufige Elternfragen unter Impfaufklärung. Da die Impfung gleichzeitig gegen drei Krankheiten schützt, lohnt sich auch ein Blick auf die Artikel zu Masern und Mumps.
Bereits eine Impfdosis vermittelt bei über 95 % der Geimpften eine langanhaltende Immunität. Für eine dauerhafte Elimination der Röteln in der Bevölkerung wird jedoch eine Immunität von mindestens 95 % in allen Altersgruppen angestrebt (Herdenimmunität; WHO) – nur so sind auch Säuglinge, die selbst noch nicht geimpft werden können, sowie nicht-immune Schwangere zuverlässig geschützt.
Wann zur Kinderärztin oder zum Kinderarzt
Bei Verdacht auf Röteln (Ausschlag mit Fieber und geschwollenen Lymphknoten hinter den Ohren/im Nacken) sollte vor dem Praxisbesuch telefonisch Kontakt mit der Ordination aufgenommen werden – vor allem, damit organisatorisch sichergestellt werden kann, dass im Wartebereich keine Schwangeren oder immungeschwächten Personen angesteckt werden. Rasch ärztlichen Rat einholen sollten Sie außerdem bei:
- ungewöhnlichen Blutergüssen oder punktförmigen Hauteinblutungen (mögliches Zeichen einer Thrombozytopenie)
- starken Kopfschmerzen, ausgeprägter Schläfrigkeit, Verwirrtheit oder Krampfanfällen (mögliches Zeichen einer Enzephalitis)
- anhaltend hohem Fieber oder deutlich reduziertem Allgemeinzustand
- Kontakt eines erkrankten Kindes zu einer Schwangeren im Haushalt oder Bekanntenkreis, deren Immunstatus unklar ist – hier sollte zeitnah ärztlicher Rat (Kinderarztpraxis und Gynäkologie) eingeholt werden
Behandlung
Eine Behandlung, die das Rötelnvirus selbst bekämpft, gibt es nicht. Die Therapie ist rein symptomatisch: Bettruhe, ausreichend Flüssigkeit und bei Bedarf fiebersenkende Medikamente nach Rücksprache mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt. Da Erkrankte bis zu einer Woche nach Auftreten des Ausschlags ansteckend sind, sollte in dieser Zeit – besonders im Hinblick auf mögliche Kontakte zu Schwangeren – auf engen Kontakt zu anderen Personen verzichtet werden.
Wie gut wirkt die Impfung? Ein Blick auf die Zahlen
Der Erfolg konsequenter Impfprogramme lässt sich weltweit ablesen: Die gemeldeten Rötelnfälle gingen zwischen 2000 und 2022 global um etwa 97 % zurück (von rund 670.900 auf rund 17.865 Fälle in 78 Ländern) (WHO). Bis Anfang 2024 hatten 175 von 194 Staaten die Rötelnimpfung in ihr nationales Impfprogramm aufgenommen, die weltweite Impfquote liegt jedoch erst bei etwa 69 % (WHO) – Lücken, die sich unmittelbar in weiterhin auftretenden Fällen von konnatalem Rötelnsyndrom niederschlagen. Dass eine weitgehende Elimination möglich ist, zeigen Länder wie Brasilien, wo seit 2009 keine bestätigten Rötelnfälle mehr registriert wurden (Ministério da Saúde, Brasilien), oder Frankreich, wo aktuell keine aktive Zirkulation des Rötelnvirus mehr festgestellt wird (WHO). Wie schnell sich Lücken in der Durchimpfung auswirken können, zeigt Italien: Dort wurden zwischen 2005 und 2018 immerhin noch 173 Rötelnerkrankungen bei Schwangeren und 88 Fälle von konnatalem Rötelnsyndrom erfasst (EpiCentro/ISS, Italien).
Quellen
- Rubella – World Health Organization (WHO), International (mehrsprachige Fassungen: Englisch, Spanisch, Arabisch, Russisch, Chinesisch)
- RKI-Ratgeber Röteln – Robert Koch-Institut (RKI), Deutschland
- Röteln – infektionsschutz.de, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Deutschland
- MMR-Impfung und Impfplan Österreich – impfen.gv.at / gesundheit.gv.at, Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, Österreich
- Eltern-Kind-Pass (früher Mutter-Kind-Pass): Untersuchungen in der Schwangerschaft – gesundheit.gv.at, Österreich
- Rosolia – EpiCentro, Istituto Superiore di Sanità (ISS), Italien
- 先天性風疹症候群 / 風しんQ&A – Japan Institute for Health Security (JIHS) und Ministry of Health, Labour and Welfare (MHLW), Japan
- Rubéola – Ministério da Saúde, Brasilien; 풍진 – Asan Medical Center, Südkorea
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