Mumps – auch Ziegenpeter oder Parotitis epidemica genannt – ist eine hochansteckende Viruserkrankung, die vor allem die Ohrspeicheldrüsen befällt und in der Vor-Impf-Ära zu den klassischen Kinderkrankheiten mit Erkrankungsgipfel im Volksschulalter zählte. Seit der Einführung der MMR-Impfung ist die Zahl der Erkrankungen in den meisten Industrieländern um weit über 90 Prozent zurückgegangen, dennoch kommt es – begünstigt durch Impflücken, nachlassenden Impfschutz und internationale Reisetätigkeit – immer wieder zu regionalen Ausbrüchen, oft bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Für Kinder verläuft Mumps meist gutartig, kann aber besonders bei postpubertären Jungen, bei ungeimpften Kindern und in seltenen Fällen bei jedem Kind zu ernsten Komplikationen wie Hirnhautentzündung, Hodenentzündung oder bleibendem Hörverlust führen. Dieser Ratgeber fasst zusammen, was Eltern über Ansteckung, altersabhängige Symptome, Warnzeichen, Behandlung und die international sehr unterschiedlich gehandhabte Vorbeugung wissen sollten.

So ist dieser Ratgeber aufgebaut

Grundlage dieses Artikels sind der österreichische Impfplan 2025/2026 (Bundesministerium/Nationales Impfgremium NIG), der RKI-Ratgeber und das Infektionsepidemiologische Jahrbuch des Robert Koch-Instituts (Deutschland), der UKHSA-Green-Book-Leitfaden zu Mumps (Vereinigtes Königreich, Ausgabe April 2026), die Weltgesundheitsorganisation (WHO-Positionspapier März 2024), das europäische Überwachungssystem ECDC, die US-amerikanischen CDC (Clinical Overview, Pink Book), kanadische (PHAC/immunize.ca) und australische Quellen (Australian Immunisation Handbook, NCIRS) sowie vergleichende Fachliteratur zur Sondersituation in Japan. Die vollständige Liste finden Sie am Ende des Artikels.

Wenn Sie es eilig haben: Der Abschnitt „Symptome bei Kindern" beschreibt den altersabhängigen Verlauf, der Abschnitt „Vorbeugung: die MMR-Impfung" das österreichische Impfschema und den internationalen Vergleich. Alarmzeichen, bei denen Sie rasch handeln sollten, finden Sie direkt im Abschnitt „Wann Sie sofort ärztlichen Rat suchen sollten".

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Er dient der Orientierung und der Vorbereitung auf das Gespräch in der kinderärztlichen Praxis. Ob und wie Ihr Kind untersucht, getestet oder behandelt werden sollte und wie lange es von Kindergarten oder Schule ferngehalten werden muss, besprechen Sie bitte persönlich mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt.

1. Was ist Mumps? Erreger, Übertragung, Inkubationszeit

Mumps wird durch das Mumpsvirus verursacht, ein behülltes, einzelsträngiges RNA-Virus aus der Familie der Paramyxoviridae (Gattung Rubulavirus). Es gibt nur einen humanpathogenen Serotyp, wobei die WHO-gestützte Nomenklatur zwölf bis vierzehn Genotypen (A bis N) mit geografisch unterschiedlicher Verbreitung unterscheidet; in Deutschland dominierte zuletzt Genotyp G (RKI, Deutschland). Der Mensch ist das einzige bekannte Erregerreservoir – Mumps kommt bei keinem Tier natürlich vor.

Übertragen wird das Virus vor allem über Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen, Sprechen) und direkten Speichelkontakt, seltener über mit Speichel oder Urin kontaminierte Gegenstände wie Trinkflaschen oder Besteck (RKI, Deutschland; Australian Immunisation Handbook, Australien). Die Inkubationszeit – die Zeit von der Ansteckung bis zum Symptombeginn – beträgt übereinstimmend nach nahezu allen Quellen etwa 12 bis 25 Tage, im Mittel 16 bis 18 Tage (RKI, Deutschland; UKHSA Green Book, Vereinigtes Königreich; NCIRS, Australien); der österreichische Impfplan nennt vergleichbar 2 bis 4 Wochen, im Schnitt 18 Tage.

Erkrankte sind bereits einige Tage vor der ersten Speicheldrüsenschwellung ansteckend und bleiben es auch danach: Nach RKI-Angaben ist die Ansteckungsfähigkeit 2 Tage vor Erkrankungsbeginn bis 4 Tage danach am größten, insgesamt kann eine infizierte Person 7 Tage vor bis 9 Tage nach Auftreten der Parotisschwellung ansteckend sein – nahezu deckungsgleiche Angaben (7 Tage vor bis 9 Tage nach Symptombeginn) macht auch der australische NCIRS-Fachverband. Das UK Green Book und CDC formulieren es etwas enger: am infektiösesten seien Betroffene in den Tagen unmittelbar vor und nach Beginn der Parotisschwellung. Aus diesem Grund wird international übereinstimmend empfohlen, erkrankte Kinder mindestens 5 Tage nach Beginn der sichtbaren Schwellung von Kindergarten, Schule oder Arbeitsplatz fernzuhalten (RKI, Deutschland; NHS, Vereinigtes Königreich; immunize.ca, Kanada) – am besten in Rücksprache mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt, da das deutsche Infektionsschutzgesetz die Wiederzulassung an eine ärztliche Einschätzung koppelt.

Wichtig für das Verständnis der Ausbreitung: Ein erheblicher Teil der Infektionen verläuft ohne die typische Wangenschwellung. Je nach Quelle sind 20 bis 40 Prozent aller Infektionen asymptomatisch, bei Kleinkindern eher noch häufiger (UKHSA Green Book, Vereinigtes Königreich; CDC, USA), und selbst symptomatische, aber untypisch verlaufende Fälle können das Virus weitergeben. Der österreichische Impfplan beziffert den Anteil der Infektionen mit klassischem Parotitis-Bild dagegen auf rund 70 Prozent – ein Hinweis darauf, dass die genaue Häufigkeit je nach Studienpopulation, Altersgruppe und Erfassungsmethode schwankt. Nach durchgemachter Infektion besteht in aller Regel eine lebenslange Immunität.

2. Wie häufig ist Mumps? Internationaler Vergleich

Vor Einführung der Impfung war Mumps weltweit eine der häufigsten Kinderkrankheiten und die häufigste Ursache einer viralen Hirnhautentzündung im Kindesalter: In den USA wurden vor Beginn des Impfprogramms 1967 jährlich rund 186.000 Fälle gemeldet, wobei die tatsächliche Zahl wegen Untererfassung vermutlich deutlich höher lag (CDC, USA). Im Vereinigten Königreich hatten vor Einführung der MMR-Impfung 1988 mehr als 85 Prozent der Erwachsenen serologische Hinweise auf eine durchgemachte Mumps-Infektion, die Erkrankung verursachte dort rund 1.200 Krankenhausaufnahmen pro Jahr (UKHSA Green Book, Vereinigtes Königreich). Mit der breiten Einführung der MMR-Impfung sanken die Fallzahlen in nahezu allen Ländern mit hoher Impfrate um weit über 90 Prozent – ein Rückgang, der sich in praktisch jeder nationalen Statistik nachvollziehen lässt, wenn auch mit einzelnen, teils erheblichen Ausbruchswellen dazwischen.

Land / RegionAktuelle HäufigkeitHistorischer Bezugspunkt
Österreich2024: nur 2 am Nationalen Referenzlabor verifizierte FälleLetzter größerer Ausbruch 2006: 214 Fälle, vorwiegend 15- bis 30-Jährige, davon 36 mit Komplikationen
Deutschland2023: 329 übermittelte Erkrankungen, Inzidenz 0,39/100.000Seit Meldepflicht 2013 jährlich zwischen 114 und 835 Fällen (Maximum 2014)
EU/EWR gesamt2023: 2.963 Fälle in 27 Staaten, Inzidenz 0,7/100.0002019 (vor COVID-19): 3,4/100.000; 2016: 14.795 Fälle, Inzidenz 3,4/100.000
Vereinigtes Königreich2023/24: einzelne Hundert Fälle pro Jahr, England und WalesHöchststand 2005: 43.378 bestätigte Fälle; weitere Wellen 2009 (7.662), 2019/20 (>5.000)
USAWenige Tausend Fälle/Jahr, meist ausbruchsgebundenVor 1967: ca. 186.000 Fälle/Jahr; seit 2-Dosen-Programm >99 % Rückgang
KanadaVereinzelte Ausbrüche, v. a. an UniversitätenDeutlicher Rückgang seit MMR-Routineimpfung
Australien2013–2021: Ø 1,65/100.000, mit Ausbrüchen v. a. in Aboriginal- und Torres-Strait-Islander-Gemeinschaften2015–2018: bis 3,32/100.000; Northern Territory 2016: 129 Fälle, 91 % Indigenous
Japan2017: 77.884 gemeldete Fälle (keine MMR-Routineimpfung)Zum Vergleich USA im selben Jahr: 6.109 Fälle bei ca. 2,5-facher Bevölkerung
EU/EWR-Inzidenz 20230,7/100.00027 Staaten, ECDC
Deutschland 2023329 FälleInzidenz 0,39/100.000, RKI-Jahrbuch
USA vor Impfprogramm (1967)≈186.000/JahrCDC, USA
Österreich 20242 FälleNationales Referenzlabor, Impfplan Österreich

Besonders aufschlussreich ist der Vergleich zwischen Ländern mit und ohne konsequenter MMR-Routineimpfung: In den Vereinigten Staaten, wo seit Jahrzehnten zwei Dosen im Kindesalter empfohlen werden, wurden 2017 rund 6.109 Mumps-Fälle registriert – in Japan, wo die Mumps-Impfung seit 1993 nur freiwillig und einzeln (nicht als MMR) verfügbar ist, waren es im selben Jahr trotz kleinerer Bevölkerung 77.884 Fälle (vergleichende Übersichtsarbeit auf Basis japanischer und US-amerikanischer Surveillance-Daten). Mehr zu diesem Sonderfall finden Sie im Abschnitt „Japan: die Ausnahme unter den Industrieländern".

Auch innerhalb gut durchimpfter Länder verschiebt sich das Erkrankungsalter: Während Mumps vor der Impf-Ära vor allem Schulkinder zwischen 5 und 9 Jahren betraf (WHO-Positionspapier 2024), zeigen aktuelle europäische Daten ein höheres Durchschnittsalter der Erkrankten – der EU/EWR-Median lag 2023 bei 21 Jahren (2022 noch bei 10 Jahren), mit Ausbruchsgeschehen zunehmend unter jungen Erwachsenen, etwa in Universitäts- und Wohnheimsettings (ECDC, EU/EWR). Gleichzeitig bleibt in Deutschland die altersspezifische Inzidenz bei Kindern unter 10 Jahren am höchsten (1,3 Erkrankungen pro 100.000, gegenüber unter 0,3 bei den 10- bis 19-Jährigen) – ein Muster, das die STIKO-Impfempfehlung für genau diese jüngste Altersgruppe stützt (RKI, Deutschland).

3. Symptome bei Kindern – nach Alter unterschieden

Nach einer meist kurzen Prodromalphase mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit und Appetitlosigkeit kommt es zur namensgebenden Schwellung der Ohrspeicheldrüse (Parotitis). Wie ausgeprägt und wie typisch sich das Krankheitsbild zeigt, hängt aber deutlich vom Alter des Kindes ab.

Säuglinge unter 1 Jahr

Echte Mumps-Erkrankungen sind in diesem Alter selten – zum einen, weil ein Teil der Säuglinge durch mütterliche Leihimmunität in den ersten Lebensmonaten noch geschützt ist, zum anderen, weil die MMR-Impfung in den meisten Ländern (in Österreich ab dem vollendeten 9. Lebensmonat, andernorts meist erst ab 12 Monaten) in diesem Alter gerade erst beginnt oder noch nicht fällig ist. Kommt es dennoch zur Infektion, kann der Verlauf untypisch und schwerer einzuordnen sein, da eine eindeutige Wangenschwellung fehlen kann.

Kleinkinder (1 bis 4 Jahre)

In dieser Altersgruppe verläuft die Infektion besonders häufig blande: Nach RKI-Angaben sind 30 bis 40 Prozent der Infektionen im Kleinkindalter subklinisch, weitere 40 bis 50 Prozent äußern sich lediglich als unspezifischer Atemwegsinfekt ohne die charakteristische Speicheldrüsenschwellung. Gerade diese unauffälligen Verläufe erklären, warum sich das Virus in Gemeinschaftseinrichtungen oft unbemerkt verbreiten kann.

Schulkinder (5 bis 14 Jahre)

Hier zeigt sich am häufigsten das klassische Bild: eine schmerzhafte, zunächst meist einseitige (bei rund 20 bis 30 % der Fälle bleibt es dabei), im Verlauf bei der Mehrheit der Kinder beidseitige (70 bis 80 %) entzündliche Schwellung der Ohrspeicheldrüse, die sich innerhalb von 12 bis 24 Stunden entwickelt (RKI, Deutschland; NHS, Vereinigtes Königreich). Charakteristisch sind:

  • Schwellung vor und unterhalb des Ohres, oft mit abstehendem Ohrläppchen
  • Schmerzen beim Kauen, Schlucken oder bei sauren Speisen und Getränken
  • Fieber, meist mäßig ausgeprägt (in deutschen Falldaten bei knapp der Hälfte der Erkrankten dokumentiert)
  • Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Abgeschlagenheit
  • Manchmal eine gerötete Mündung des Ausführungsgangs der Ohrspeicheldrüse im Mundraum

Die Schwellung nimmt über ein bis drei Tage zu, hält dann noch einige Tage an (die RKI nennt 3 bis 8 Tage, das britische NHS bis zu 2 Wochen bis zum vollständigen Abklingen) und bildet sich danach folgenlos zurück. In dieser Altersgruppe treten Komplikationen insgesamt noch selten auf.

Jugendliche nach der Pubertät und junge Erwachsene

Ab der Pubertät steigt das Risiko für Komplikationen deutlich an – dieser Zusammenhang wird in praktisch allen internationalen Quellen unabhängig voneinander bestätigt (Impfplan Österreich; UKHSA Green Book; CDC, USA; WHO-Positionspapier 2024). Betroffen sind vor allem die weiter unten beschriebene Hodenentzündung bei Jungen sowie ein insgesamt schwererer Krankheitsverlauf. Gleichzeitig sind es gerade Jugendliche und junge Erwachsene, die in den vergangenen zwei Jahrzehnten den Großteil der großen Ausbrüche in gut durchimpften Ländern – etwa an Universitäten in den USA, dem Vereinigten Königreich oder den Niederlanden – ausgemacht haben, weil sie teils zu alt für die zweite MMR-Dosis waren, als diese eingeführt wurde, oder weil ihr Impfschutz durch „waning immunity" (nachlassende Immunität) über die Jahre abgeschwächt war.

Wie Sie die Körpertemperatur Ihres Kindes korrekt messen, damit sich Fieberverlauf und -höhe zuverlässig einschätzen lassen, erklärt unser Artikel So messen Sie Ihr Kind richtig; allgemeine Hintergründe zum Umgang mit Fieber bei Kindern finden Sie unter Fieber bei Kindern und Jugendlichen.

Wann Sie sofort ärztlichen Rat suchen sollten

Kontaktieren Sie zeitnah Ihre Kinderarztpraxis, wenn Ihr Kind zusätzlich zur Speicheldrüsenschwellung eines der folgenden Anzeichen zeigt:

  • Starke Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit oder auffällige Lichtempfindlichkeit (Hinweis auf eine Hirnhautentzündung)
  • Wiederholtes Erbrechen oder starke Bauch-/Oberbauchschmerzen (möglicher Hinweis auf eine Bauchspeicheldrüsenentzündung)
  • Starke Schwellung und Schmerzen eines oder beider Hoden bei Jungen nach der Pubertät
  • Anhaltend hohes Fieber über mehrere Tage oder eine deutliche Verschlechterung des Allgemeinzustands
  • Auffälligkeiten beim Hören, die im Verlauf oder nach der Erkrankung auffallen

Bringen Sie Ihr Kind umgehend in eine Kinder-Notaufnahme oder rufen Sie den Rettungsdienst (144), wenn zusätzlich Benommenheit, Verwirrtheit, ein Krampfanfall, Lähmungserscheinungen oder ein deutlich reduzierter, teilnahmsloser Allgemeinzustand hinzukommen.

5. Diagnostik

In den meisten Fällen lässt sich Mumps anhand der typischen Speicheldrüsenschwellung und der Krankengeschichte klinisch erkennen, insbesondere bei bekanntem Kontakt zu Erkrankten. Weil aber – wie oben beschrieben – ein erheblicher Teil der Infektionen atypisch oder ganz ohne Parotitis verläuft, und weil andere Ursachen für eine Speicheldrüsenschwellung (etwa Bakterien, andere Viren, ein verstopfter Ausführungsgang) ähnlich aussehen können, wird bei unklaren Fällen, atypischem Verlauf oder im Rahmen der Meldepflicht meist eine labordiagnostische Bestätigung angestrebt.

Die Methode hängt dabei auch vom Impfstatus ab. Bei ungeimpften Personen lässt sich meist eine spezifische IgM-Antikörperantwort im Blut nachweisen, die bereits in den ersten Krankheitstagen nachweisbar ist und nach rund einer Woche ihr Maximum erreicht. Bei bereits geimpften Personen fällt diese IgM-Antwort häufig schwächer aus oder bleibt aus, weshalb hier ein direkter Erregernachweis mittels PCR – aus einem Rachen- bzw. Wangenabstrich (Mundschleimhaut-/„oral fluid"-Probe) oder aus Urin, jeweils möglichst innerhalb der ersten Tage nach Symptombeginn entnommen – vorgezogen wird (RKI, Deutschland; UKHSA Green Book, Vereinigtes Königreich). Das britische Gesundheitssystem UKHSA setzt inzwischen routinemäßig auf nicht-invasive Mundschleimhautproben, die sowohl IgM als auch virale RNA mit hoher Sensitivität und Spezifität nachweisen können. In Deutschland führt das Nationale Referenzzentrum für Masern, Mumps und Röteln (NRZ MMR) die PCR-Diagnostik kostenfrei durch; in Österreich übernimmt diese Aufgabe das Österreichische Referenzlabor für Masern, Mumps und Röteln an der MedUni Wien.

6. Behandlung

Eine ursächliche, gegen das Mumpsvirus gerichtete antivirale Therapie gibt es nicht – weder in Österreich noch in irgendeinem der hier verglichenen Länder. Die Behandlung ist rein symptomatisch und zielt auf Linderung ab (RKI, Deutschland; NHS, Vereinigtes Königreich):

  • Fiebersenkende und schmerzlindernde Mittel wie Paracetamol oder Ibuprofen nach Rücksprache mit der Kinderärztin/dem Kinderarzt (Details zur altersgerechten Dosierung unter Medikamente)
  • Weiche, nicht saure Kost, da Kauen und säurehaltige Speisen und Getränke die Schmerzen an der geschwollenen Speicheldrüse verstärken
  • Ausreichend Flüssigkeitszufuhr
  • Bettruhe und körperliche Schonung, insbesondere bei begleitender Hodenentzündung
  • Warme oder kühlende Umschläge auf die geschwollenen Wangen, je nachdem, was dem Kind angenehmer ist

Die meisten Kinder erholen sich innerhalb von rund zwei Wochen vollständig. Da Mumps in nahezu allen betrachteten Ländern eine meldepflichtige Erkrankung ist, informiert die behandelnde Praxis in der Regel selbst die zuständige Gesundheitsbehörde – Sie müssen sich darum als Eltern nicht zusätzlich kümmern.

7. Verlauf, Komplikationen und Prognose

Die überwiegende Mehrheit der Kinder übersteht Mumps ohne bleibende Folgen. International übereinstimmend gilt aber: Je älter die betroffene Person zum Zeitpunkt der Erkrankung ist, desto höher ist das Risiko für Komplikationen (Impfplan Österreich; CDC, USA). Ein weiterer, gut belegter Zusammenhang: Geimpfte Kinder, die trotz MMR-Impfung erkranken (sogenannte Durchbruchsinfektionen), erleiden deutlich seltener Komplikationen als ungeimpfte Erkrankte (UKHSA Green Book, Vereinigtes Königreich, mit Verweis auf Yung et al., 2011).

Hirnhautentzündung (Meningitis) und Gehirnentzündung (Enzephalitis)

Das Mumpsvirus befällt häufig auch das Nervensystem. Übereinstimmend berichten CDC (USA) und UKHSA Green Book (Vereinigtes Königreich) eine klinisch erkennbare, meist nicht-eitrige (aseptische) Meningitis bei etwa 5 Prozent der Erkrankten; die deutsche RKI nennt mit 1 bis 10 Prozent eine etwas breitere Spanne, wobei bis zu 50 Prozent aller Erkrankten eine (meist unbemerkte) Erhöhung der Zellzahl im Nervenwasser aufweisen. Diese Meningitis kann der Speicheldrüsenschwellung vorausgehen, gleichzeitig auftreten oder – seltener – auch ganz ohne Parotitis verlaufen und heilt in aller Regel folgenlos aus. Deutlich seltener (RKI: unter 1 %) ist eine echte Gehirnentzündung (Enzephalitis) mit Erbrechen, Schwindel, Benommenheit oder neurologischen Ausfällen, bei der in Einzelfällen bleibende Schäden möglich sind. Vor Einführung der Impfung war Mumps die häufigste Ursache einer viralen Meningitis im Kindesalter (UKHSA Green Book, Vereinigtes Königreich).

Hodenentzündung (Orchitis) bei Jungen nach der Pubertät

Vor der Pubertät ist eine Hodenbeteiligung selten. Bei postpubertären Jungen und jungen Männern befällt das Mumpsvirus dagegen häufig einen oder beide Hoden: Je nach Quelle werden 10 bis 30 Prozent (Impfplan Österreich), 15 bis 30 Prozent (RKI, Deutschland) oder – bei ungeimpften Betroffenen – bis zu einem Drittel (UKHSA Green Book, Vereinigtes Königreich; CDC/NCIRS) genannt. Sie beginnt meist am Ende der ersten Krankheitswoche mit erneutem Fieberanstieg sowie Schwellung und starken Schmerzen meist nur eines Hodens; ein Fünftel bis knapp ein Drittel der Orchitis-Fälle betrifft laut RKI beide Hoden. Eine bleibende Fruchtbarkeitseinschränkung nach beidseitiger Orchitis ist beschrieben, aber selten (UKHSA Green Book, Vereinigtes Königreich). Wichtig für Eltern: Bei bereits MMR-geimpften Jugendlichen liegt die Orchitis-Häufigkeit nach US-amerikanischen Daten aus jüngeren Ausbrüchen mit rund 6 Prozent deutlich niedriger als bei Ungeimpften (CDC Pink Book, USA) – ein weiteres Argument für den vollständigen, zweimaligen Impfschutz.

Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis)

Bei rund 4 bis 5 Prozent der Erkrankten ist die Bauchspeicheldrüse mitbetroffen – diese Zahl wird nahezu identisch von RKI (Deutschland), CDC (USA) und dem österreichischen Impfplan genannt. Typische Anzeichen sind Erbrechen und Schmerzen im Oberbauch; auch diese Komplikation heilt in aller Regel folgenlos aus.

Hörverlust

Ein einseitiger, meist vorübergehender Hochfrequenz-Hörverlust wird von der RKI mit rund 4 Prozent aller Fälle angegeben; ein bleibender, meist einseitiger Hörschaden ist mit geschätzt 1 von 20.000 Erkrankten deutlich seltener. Das britische UKHSA Green Book nennt eine Bandbreite von 1 zu 3.400 bis 1 zu 20.000 Fällen – die Schwankung erklärt sich durch unterschiedliche Studienmethoden und Erhebungszeiträume. Vor der Impf-Ära war Mumps eine der häufigsten Ursachen erworbener einseitiger Ertaubung im Kindesalter. Ein besonders eindrückliches aktuelles Beispiel liefert Japan, wo die dortige HNO-Fachgesellschaft während der Mumps-Epidemie 2015/2016 mindestens 348 bis 359 Fälle von Mumps-bedingtem Hörverlust landesweit dokumentierte – ein Ausmaß, das in Ländern mit hoher MMR-Durchimpfung praktisch nicht mehr vorkommt.

Weitere, seltenere Komplikationen

Bei Mädchen und jungen Frauen nach der Pubertät kann es zu einer Eierstockentzündung (Oophoritis, laut RKI und UKHSA Green Book bei bis zu 5 % der postpubertären Erkrankten) oder einer Brustdrüsenentzündung (Mastitis, RKI: bis zu 30 %) kommen. Vereinzelt sind auch die Schilddrüse, der Herzmuskel (Myokarditis), Gelenke, die Nieren oder die Leber betroffen. Erkrankt eine Schwangere im ersten Drittel der Schwangerschaft an Mumps, ist das Risiko einer Fehlgeburt erhöht; Fehlbildungen beim Kind wurden dagegen nicht beobachtet (NHS, Vereinigtes Königreich; NCIRS, Australien). Todesfälle durch Mumps sind in Ländern mit funktionierendem Impfprogramm heute die absolute Ausnahme – in Deutschland wurde 2022 und 2023 kein einziger mumpsbedingter Todesfall übermittelt (RKI, Deutschland).

Meningitis (klinisch)ca. 5 %CDC, USA / UKHSA Green Book, UK
Orchitis, postpubertäre Jungen10–30 %ungeimpft; ca. 6 % bei Geimpften, CDC Pink Book
Bleibender Hörverlust1:3.400–1:20.000UKHSA Green Book, Vereinigtes Königreich
Pankreatitisca. 4–5 %RKI, CDC, Impfplan Österreich

8. Vorbeugung: die MMR-Impfung in Österreich

Die zuverlässigste Vorbeugung gegen Mumps ist die Dreifach-Lebendimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR), die im kostenfreien österreichischen Impfprogramm enthalten ist. Empfohlen werden 2 Impfdosen ab dem vollendeten 9. Lebensmonat, wobei die Impfung unbedingt vor Eintritt in eine Gemeinschaftseinrichtung wie Kinderkrippe, Kindergarten oder Schule abgeschlossen sein sollte (Impfplan Österreich 2025/2026, NIG). Beim Eintritt in eine Gemeinschaftseinrichtung bzw. spätestens mit dem vollendeten 6. Lebensjahr sollte der MMR-Impfstatus im Impfpass dringend kontrolliert und fehlende Dosen nachgeholt werden. Details zu den genauen Impfterminen im Rahmen des Gesamtprogramms finden Sie im Impfplan und im Impfplan für Säuglinge und Kleinkinder, allgemeine Informationen zu den verwendeten Präparaten unter Impfstoffe.

Die MMR-Impfung ist in Österreich an öffentlichen Impfstellen für alle Altersgruppen kostenfrei erhältlich. Fehlende Impfungen – auch bei Erwachsenen, die als Kind nur einmal geimpft wurden – können und sollen in jedem Lebensalter mit einem Mindestabstand von 4 Wochen zwischen den Dosen nachgeholt werden. Weil es sich um einen Lebendimpfstoff handelt, ist eine Impfung bei bereits bestehender Immunität unproblematisch: Die Impfviren werden dann einfach durch die vorhandene Immunabwehr an der Vermehrung gehindert, ein „Überimpfen" ist nicht möglich (Impfplan Österreich). Kontraindiziert ist die MMR-Impfung bei Schwangerschaft und bei stärkerer Immunsuppression, wobei eine leichte Immunsuppression (Grad I/II) keine Kontraindikation darstellt und Asplenie ebenfalls kein Hindernis ist. Fragen zur allgemeinen Impfentscheidung beantwortet Impfaufklärung, Informationen speziell zu Impfungen rund um Schwangerschaft finden Sie unter Impfungen der Kindsmutter vor und in der Schwangerschaft.

Zur Wirksamkeit macht der österreichische Impfplan konkrete Angaben: Eine einmalige MMR-Impfung verhindert die Mumps-Erkrankung bei etwa 64 bis 66 Prozent der Geimpften, nach zweimaliger Impfung steigt dieser Schutz auf 83 bis 88 Prozent. Nahezu identische Zahlen nennt auch das deutsche RKI, das die Wirksamkeit ebenfalls mit 64 bis 66 Prozent nach einer und 83 bis 88 Prozent nach zwei Dosen beziffert. Für den in Großbritannien eingesetzten Jeryl-Lynn-Impfstamm kommt das britische UKHSA Green Book zu vergleichbaren Werten (rund 72 Prozent nach einer, rund 86 Prozent nach zwei Dosen). Trotz dieser hohen Wirksamkeit sind sogenannte Impfdurchbrüche – Erkrankungen trotz vollständiger Impfung – möglich, insbesondere weil der Mumps-Impfschutz im Vergleich zu den Masern- und Röteln-Komponenten der MMR-Impfung tendenziell schneller nachlässt („waning immunity"). Eine ausführliche Auswertung deutscher Falldaten aus 2023 zeigt das eindrücklich: Bei den als vollständig geimpft eingestuften Erkrankten lag die letzte Impfdosis im Schnitt 7,6 Jahre (Median 5,8 Jahre) zurück. Der Verlauf ist bei solchen Durchbruchsinfektionen aber typischerweise deutlich milder und komplikationsärmer als bei ungeimpften Personen.

Mumps zählt zu den besonders ansteckenden Kinderkrankheiten: In ungeschützten Haushalten infizieren sich Schätzungen zufolge mehr als 80 Prozent der empfänglichen Kontaktpersonen. Eine hohe Durchimpfungsrate in der Bevölkerung (Herdenimmunität) schützt daher auch jene, die selbst noch nicht geimpft werden können – etwa junge Säuglinge – oder bei denen die Impfung aus medizinischen Gründen nicht möglich ist.

9. Impfprogramme im internationalen Vergleich

Kaum ein anderer Aspekt der Mumps-Vorbeugung zeigt so klar, wie unterschiedlich Länder mit derselben Krankheit umgehen können, wie der Vergleich der MMR-Impfschemata und der Handhabung bei Ausbrüchen.

Land/RegionImpfschemaWirksamkeit nach 2 DosenBesonderheit
Österreich2 Dosen ab vollendetem 9. Lebensmonat, kostenfrei für alle Altersgruppen83–88 %MMR-Postexpositionsprophylaxe für alle Kontaktpersonen empfohlen, unabhängig vom Impfstatus
Deutschland1. Dosis mit 11 Monaten, 2. Dosis mit 15 Monaten (STIKO)78–88 %Nachholimpfung bis zum 18. Geburtstag; bundesweite Meldepflicht seit 2013
Vereinigtes KönigreichSeit 1.1.2026: MMRV-Kombiimpfung mit 12 und 18 Monaten (zuvor MMR mit 12 Monaten/3 Jahren 4 Monaten)86 % (Jeryl-Lynn-Stamm)Keine MMR-Postexpositionsprophylaxe gegen Mumps empfohlen – Antikörperaufbau zu langsam
USA1. Dosis 12–15 Monate, 2. Dosis 4–6 Jahre (ACIP)ca. 88 % laut mehreren StudienSeit 2017: 3. MMR-Dosis für Risikogruppen bei aktivem Ausbruch empfohlen
Kanada1. Dosis 12 Monate, 2. Dosis 18 Monate bzw. 4–6 Jahre (je nach Provinz)76–95 %Programmumsetzung liegt bei den einzelnen Provinzen/Territorien
AustralienMMR mit 12 Monaten, MMRV mit 18 Monaten (National Immunisation Program)bis zu 100 % (Immunogenitätsdaten)Ausbrüche v. a. in Aboriginal- und Torres-Strait-Islander-Gemeinschaften trotz hoher Gesamt-Impfrate
JapanKeine MMR-Routineimpfung seit 1993; nur freiwillige monovalente Mumps-ImpfungImpfquote seit 1993 von ca. 90 % auf 23–40 % gefallenLandesweite Ausbrüche etwa alle 4 Jahre, mit hunderten Fällen von Mumps-Taubheit pro Welle

Deutschland: STIKO-Schema und aktuelle Fallzahlen

Die deutsche Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die erste MMR-Dosis im Alter von 11 Monaten, die zweite im Alter von 15 Monaten, mit einem Mindestabstand von 4 Wochen zwischen den beiden Dosen; wird die Impfung im Erwachsenenalter nachgeholt, genügt eine einzelne Dosis. Für Personal in medizinischen Einrichtungen, Pflegeeinrichtungen, Gemeinschaftsunterkünften sowie Fach-, Berufs- und Hochschulen besteht seit 2020 eine berufliche Impfindikation mit 2 Dosen. Die ausführliche Auswertung des Infektionsepidemiologischen Jahrbuchs 2023 liefert ein detailliertes Bild: Von 329 übermittelten Erkrankungen war der Impfstatus bei 254 Personen (77 %) bekannt, davon galten 139 (55 %) als geimpft und 115 (45 %) als ungeimpft. Bei rund 9 Prozent der Fälle handelte es sich um Ausbruchsgeschehen mit im Schnitt kleinen Gruppengrößen (RKI, Deutschland).

Vereinigtes Königreich: von der großen Ausbruchswelle 2005 zum neuen MMRV-Schema 2026

Das Vereinigte Königreich zeigt besonders eindrücklich, wie stark Impflücken in einer Generation nachwirken können. Als 1988 die MMR-Impfung eingeführt wurde, fielen die gemeldeten Fälle von 20.713 (1989) auf 1.587 (1998); 1996 wurde ein Zwei-Dosen-Schema eingeführt. Weil aber 1994 aus Sorge vor einer Masern-Epidemie Kindern zwischen 5 und 16 Jahren zunächst nur eine Masern-Röteln-Impfung ohne Mumps-Komponente verabreicht wurde (die MMR-Vorräte reichten damals nicht aus), blieb ein ganzer Jahrgang für Mumps ungeschützt. Diese Kohorte war zwischen 2003 und 2005 zu alt für die verpasste zweite Dosis und zu jung, um natürliche Immunität erworben zu haben – Ergebnis war 2005 mit 43.378 bestätigten Fällen der bis heute höchste je in England und Wales gemessene Jahreswert, gefolgt von weiteren, kleineren Wellen 2009, 2013, 2017 und 2019/20, jeweils schwerpunktmäßig an Universitäten und Colleges (UKHSA Green Book, Vereinigtes Königreich).

Seit 1. Jänner 2026 hat das Vereinigte Königreich sein Impfschema grundlegend umgestellt: Mit Einführung eines allgemeinen Windpocken-Impfprogramms wird die erste MMR-Dosis durch die MMRV-Kombination (Masern-Mumps-Röteln-Varizellen) im Alter von 12 bis 13 Monaten ersetzt, die zweite Dosis wurde von zuvor 3 Jahren und 4 Monaten auf 18 Monate vorgezogen – ebenfalls als MMRV. Diese Vorverlegung soll laut JCVI die Impfquote erhöhen und den Schutz vor möglichen Masern-Ausbrüchen verbessern; Studien aus London zu einer bereits früher vorgezogenen zweiten Dosis zeigten eine signifikant höhere Impfquote im Alter von 5 Jahren. Bemerkenswert ist außerdem eine Besonderheit der britischen Leitlinie: Anders als etwa Österreich sieht das UKHSA Green Book keine Rolle für die MMR-Impfung als Postexpositionsprophylaxe gegen Mumps vor, da sich eine schützende Antikörperantwort nach einer Kontaktimpfung nicht schnell genug aufbaut, um die Ansteckung noch zu verhindern – die Impfung wird Kontaktpersonen dennoch angeboten, allerdings zum Schutz vor künftigen Expositionen und vor Masern und Röteln.

USA: dritte Impfdosis als gezieltes Ausbruchsinstrument

In den USA sanken die Fallzahlen nach Einführung des Zwei-Dosen-Programms um mehr als 99 Prozent gegenüber der Vor-Impf-Ära. Seit Ende 2015 registrierten die CDC jedoch eine deutliche Zunahme von Ausbrüchen, vor allem an Colleges und Universitäten – ein prominentes Beispiel ist der Ausbruch an der University of Illinois at Urbana-Champaign mit 317 Fällen zwischen April 2015 und Mai 2016. Als Reaktion darauf empfahl das Advisory Committee on Immunization Practices (ACIP) im Oktober 2017 erstmals eine dritte Dosis eines mumpshaltigen Impfstoffs gezielt für Personen, die von den Gesundheitsbehörden im Rahmen eines konkreten Ausbruchs als Risikogruppe identifiziert werden – etwa Angehörige eines betroffenen Universitäts-Campus. Ziel ist nicht die generelle dritte Dosis für alle, sondern ein zusätzlicher Schutz während eines aktiven, lokal begrenzten Ausbruchsgeschehens.

Kanada und Australien: bevölkerungsweiter Schutz mit lokalen Ausnahmen

Kanada und Australien zeigen ein ähnliches Muster: Beide Länder erreichen mit ihren MMR- bzw. MMR/MMRV-Programmen insgesamt hohe Impfraten und niedrige landesweite Fallzahlen, verzeichnen aber wiederkehrende, geografisch konzentrierte Ausbrüche. In Kanada betreffen diese vor allem Universitätsumfelder mit enger sozialer Durchmischung; in Australien konzentrieren sich Ausbrüche trotz insgesamt hoher nationaler Impfquote auffällig auf abgelegene Aboriginal- und Torres-Strait-Islander-Gemeinschaften – ein Ausbruch im Northern Territory 2016 betraf 129 Personen, davon 91 Prozent Indigenous Australians, wobei etwa die Hälfte der Erkrankten als vollständig geimpft galt (NCIRS, Australien). Dies unterstreicht, dass selbst eine hohe landesweite Durchimpfungsrate lokale Ausbrüche in eng vernetzten Gemeinschaften nicht vollständig verhindert, wenn Impfquote, Nachlassen der Immunität und enge Kontakte zusammenkommen.

Japan: die Ausnahme unter den Industrieländern

Japan nimmt unter den wirtschaftlich vergleichbaren Ländern eine echte Sonderrolle ein. Die MMR-Kombinationsimpfung wurde dort 1989 eingeführt, aber bereits 1993 wieder zurückgezogen, nachdem der damals verwendete Mumps-Impfstamm (Urabe AM9) mit einer ungewöhnlich hohen Rate aseptischer Hirnhautentzündungen von schätzungsweise bis zu 1 von 900 Geimpften in Verbindung gebracht wurde. Seither ist die Mumps-Impfung in Japan nur noch als freiwillige Einzelimpfung (monovalent, andere Impfstämme wie Hoshino oder Torii) verfügbar und nicht Teil des routinemäßigen Nationalen Impfprogramms – während Masern und Röteln in Japan weiterhin routinemäßig geimpft werden. Die Folge: Die Impfquote gegen Mumps fiel von rund 90 Prozent auf regional stark schwankende 23 bis 40 Prozent, landesweite Ausbrüche treten seither in einem Rhythmus von etwa vier Jahren auf. Nach vergleichenden Analysen ist Japan unter den OECD-Ländern das einzige, in dem Mumps beziehungsweise MMR nicht Teil der Routineimpfungen ist.

Die gesundheitlichen Folgen sind messbar: Allein während der Epidemie 2015/2016 dokumentierte die japanische HNO-Fachgesellschaft landesweit mindestens 348 bis 359 Fälle von mumpsbedingtem Hörverlust – eine Größenordnung, die in Ländern mit hoher MMR-Durchimpfung praktisch nicht mehr beobachtet wird. Japan zeigt damit modellhaft, welchen Unterschied eine konsequente MMR-Routineimpfung für die Häufigkeit schwerer Mumps-Komplikationen macht.

Global betrachtet hatten laut WHO-Positionspapier 2024 zuletzt 123 von 194 WHO-Mitgliedstaaten (63 %) eine mumpshaltige Impfung in ihrem Routine-Kinderimpfprogramm – meist als MMR oder MMRV. Anders als bei Masern und Röteln verfolgt die WHO für Mumps derzeit kein globales Eliminationsziel, unter anderem weil die verfügbaren Impfstämme im Feldeinsatz eine etwas geringere und rascher nachlassende Wirksamkeit zeigen als die Masern- und Röteln-Komponenten derselben Kombinationsimpfung.

10. Kontakt mit einem Mumps-Fall: postexpositionelle Prophylaxe

Hatte Ihr Kind engen Kontakt zu einem Mumps-Fall – etwa in der Familie oder in der Kindergartengruppe –, empfiehlt der österreichische Impfplan unabhängig vom bisherigen Impfstatus eine MMR-Impfung möglichst innerhalb von 72 Stunden nach dem infektiösen Kontakt, bei Bedarf gefolgt von einer zweiten Dosis nach 4 Wochen. Diese Empfehlung wurde im Impfplan 2025/2026 gegenüber der Vorversion aktualisiert und stützt sich unter anderem auf eine US-amerikanische Studie zur Mumps-Postexpositionsprophylaxe mit einer dritten MMR-Dosis.

Bemerkenswert: Diese Empfehlung wird nicht überall gleich bewertet. Das britische UKHSA Green Book kommt zum gegenteiligen Schluss und sieht keine Rolle für die MMR-Impfung als klassische Postexpositionsprophylaxe gegen Mumps, weil sich ein schützender Antikörperspiegel nach der Impfung nicht schnell genug aufbaut, um die Übertragung nach einem bereits erfolgten Kontakt noch zu verhindern. Auch die kanadischen Gesundheitsbehörden verwenden Immunglobulin nicht zu diesem Zweck, da keine ausreichende Wirksamkeit belegt ist. Für Eltern bedeutet das in der Praxis vor allem eines: Fragen Sie nach einem bekannten Mumps-Kontakt gezielt Ihre Kinderärztin oder Ihren Kinderarzt, welches Vorgehen im konkreten Fall sinnvoll ist – unabhängig von der Akutsituation bietet jeder Kontakt aber eine gute Gelegenheit, einen lückenhaften MMR-Impfschutz nachzuholen.

Unabhängig von der akuten Kontaktsituation gilt in nahezu allen Ländern: Ein Kontakt mit einem Masern-, Mumps- oder Röteln-Fall ist immer eine gute Gelegenheit, den MMR-Impfstatus zu überprüfen und gegebenenfalls fehlende Dosen nachzuholen, da eine Impfung bei bereits vorhandener Immunität keine unerwünschten Folgen hat.

11. Häufige Fragen von Eltern

Kann mein geimpftes Kind trotzdem an Mumps erkranken?

Ja, das ist möglich, auch nach zwei MMR-Dosen. Die Wirksamkeit der Mumps-Komponente liegt laut österreichischem Impfplan und RKI bei 83 bis 88 Prozent und lässt im Lauf der Jahre etwas schneller nach als bei Masern und Röteln. Solche Durchbruchsinfektionen verlaufen aber nachweislich milder und mit deutlich weniger Komplikationen als bei ungeimpften Kindern – der vollständige Impfschutz lohnt sich also auch dann, wenn er keinen hundertprozentigen Schutz bietet.

Wie lange muss mein Kind zu Hause bleiben, und wann darf es wieder in den Kindergarten oder die Schule?

International wird übereinstimmend empfohlen, Kinder mindestens 5 Tage ab Beginn der sichtbaren Speicheldrüsenschwellung von Gemeinschaftseinrichtungen fernzuhalten, da die Ansteckungsgefahr in dieser Zeit am höchsten ist. In Deutschland regelt das Infektionsschutzgesetz zusätzlich, dass eine Wiederzulassung erst nach ärztlicher Einschätzung erfolgen soll, dass eine Weiterverbreitung nicht mehr zu befürchten ist. Besprechen Sie den genauen Zeitpunkt am besten mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt.

Ist eine überstandene Mumps-Erkrankung lebenslang immun?

In aller Regel ja. Eine natürlich durchgemachte Mumps-Infektion hinterlässt üblicherweise eine lebenslange Immunität, weshalb Mumps vor Einführung der Impfung nahezu ausschließlich eine Erkrankung des Kindesalters war – Erwachsene hatten die Krankheit fast immer bereits als Kind durchgemacht.

Warum wird in Österreich schon ab 9 Monaten geimpft, in anderen Ländern erst ab 12 Monaten?

Das hängt vor allem mit dem unterschiedlichen Zeitpunkt des Eintritts in Gemeinschaftseinrichtungen und der jeweiligen nationalen Risikoabwägung zusammen. Der österreichische Impfplan legt Wert darauf, dass Kinder vor dem Eintritt in Krippe oder Kindergarten möglichst bereits geschützt sind, und erlaubt deshalb den Impfbeginn bereits ab dem vollendeten 9. Lebensmonat. Andere Länder wie Deutschland, das Vereinigte Königreich, die USA, Kanada oder Australien beginnen die Routineimpfung meist erst mit 11 bis 12 Monaten – oft, weil dort andere organisatorische Abläufe oder ein geringeres Risiko einer sehr frühen Ansteckung in Gemeinschaftseinrichtungen angenommen werden. Beide Zeitpunkte gelten in ihrem jeweiligen nationalen Kontext als sicher und wirksam.

Ist Mumps in der Schwangerschaft gefährlich?

Anders als bei Röteln sind beim Kind keine Fehlbildungen durch eine mütterliche Mumps-Infektion bekannt. Erkrankt eine Schwangere jedoch im ersten Drittel der Schwangerschaft, ist das Risiko einer Fehlgeburt erhöht. Da MMR ein Lebendimpfstoff ist, darf er in der Schwangerschaft nicht verabreicht werden; eine versehentliche Impfung stellt laut österreichischem Impfplan aber keine Indikation für einen Schwangerschaftsabbruch dar. Am besten wird der MMR-Impfstatus schon vor einer geplanten Schwangerschaft überprüft – mehr dazu unter Impfungen der Kindsmutter vor und in der Schwangerschaft und im Eltern-Kind-Pass.

Warum verschwindet Mumps trotz Impfung nicht ganz?

Weil die Mumps-Komponente der MMR-Impfung – anders als die Masern- und Röteln-Komponenten – im Feldeinsatz eine etwas geringere Wirksamkeit zeigt und der Impfschutz tendenziell schneller nachlässt. Kommen dazu noch Impflücken bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, wie sie etwa im Vereinigten Königreich in den 1990er-Jahren entstanden, kann es auch Jahrzehnte später noch zu großen Ausbruchswellen kommen. Deshalb verfolgt die WHO für Mumps – anders als für Masern und Röteln – aktuell auch kein globales Eliminationsziel, sondern setzt auf eine möglichst hohe, kontinuierliche Durchimpfung.

12. Quellen

  • Impfplan Österreich 2025/2026, Version 1.1 – Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMASGPK)/Nationales Impfgremium (NIG), Österreich, 2025
  • RKI-Ratgeber Mumps – Robert Koch-Institut (RKI), Deutschland, laufend aktualisiert
  • Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2023, Kapitel Mumps – Robert Koch-Institut (RKI), Deutschland, 2025
  • Häufig gestellte Fragen und Antworten zur Schutzimpfung gegen Mumps – Robert Koch-Institut (RKI), Deutschland
  • Green Book Chapter: Mumps – UK Health Security Agency (UKHSA)/Joint Committee on Vaccination and Immunisation (JCVI), Vereinigtes Königreich, Ausgabe April 2026
  • Mumps – National Health Service (NHS), Vereinigtes Königreich
  • About Mumps / Clinical Overview of Mumps / Clinical Features of Mumps – Centers for Disease Control and Prevention (CDC), USA
  • Chapter 15: Mumps, Epidemiology and Prevention of Vaccine-Preventable Diseases (Pink Book) – Centers for Disease Control and Prevention (CDC), USA
  • Recommendation of ACIP for Use of a Third Dose of Mumps Virus-Containing Vaccine in Persons at Increased Risk for Mumps During an Outbreak – Advisory Committee on Immunization Practices (ACIP)/CDC, USA, 2018
  • Mumps: For health professionals; Mumps: What you need to know – Public Health Agency of Canada (PHAC) und immunize.ca (Immunize Canada), Kanada
  • Mumps Fact Sheet – National Centre for Immunisation Research and Surveillance (NCIRS), Australien, 2022
  • Australian vaccine preventable disease epidemiological review series: mumps, 2013–2021 – Communicable Diseases Intelligence (CDI)/Australian Government Department of Health, Australien, 2025
  • Mumps – Annual Epidemiological Report for 2023 – European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC), EU/EWR, 2025
  • Mumps virus vaccines: WHO Position Paper, March 2024 – Weltgesundheitsorganisation (WHO), 2024
  • Mumps Vaccination Policies and Epidemiological Consequences: A Comparative Review of the United States and Japan – vergleichende Fachpublikation auf Basis japanischer und US-amerikanischer Surveillance-Daten, 2025
  • Incidence of Mumps Deafness in Japan, 2005–2017 – Analyse auf Basis der japanischen Versicherungsdatenbank, Japan
  • Mumps (Wikipedia, deutsche und englische Sprachausgabe, als ergänzende Sekundärquelle), international