RSV-Infektion – Was ist das?
Kaum ein Erreger führt in den Herbst- und Wintermonaten so zuverlässig zu vollen Wartezimmern wie das Respiratorische Synzytial-Virus, kurz RSV. Für die meisten größeren Kinder und Erwachsenen ist eine RSV-Infektion nicht mehr als ein Schnupfen. Bei Säuglingen, insbesondere in den ersten Lebensmonaten, kann derselbe Erreger jedoch die kleinsten Atemwege betreffen und zu echter Atemnot führen. Dieser Ratgeber erklärt, was RSV ist, wie sich eine Bronchiolitis entwickelt, worauf es bei der Behandlung wirklich ankommt – und was sich bei der Vorbeugung in den vergangenen Jahren grundlegend verändert hat.
So ist dieser Ratgeber aufgebaut
Grundlage dieses Artikels ist in erster Linie die deutsche S2k-Leitlinie 048-012 „Prophylaxe von schweren Erkrankungen durch Respiratory Syncytial Virus (RSV) bei Risikokindern" der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) und zahlreicher weiterer Fachgesellschaften (Amendment 2024), ergänzt um britische, US-amerikanische, kanadische, österreichische, schweizerische, schwedische, italienische, spanische, französische und luxemburgische Leitlinien sowie internationale Studien aus The Lancet, dem New England Journal of Medicine und Eurosurveillance. Die wichtigsten Quellen finden Sie am Ende des Artikels.
Eine Einschränkung zur Transparenz: Zu einer tagesaktuellen, offiziellen österreichischen Position zur Kostenerstattung von Nirsevimab sowie zu einem aktuellen WHO-Factsheet ließ sich im Rahmen dieser Recherche keine belastbare Quelle auffinden – diese Punkte wurden deshalb bewusst weggelassen statt geraten. Sprechen Sie uns dazu gern direkt in der Ordination an, da sich die Erstattungssituation kurzfristig ändern kann.
Eilig? Der Abschnitt „Alarmzeichen: Wann Sie sofort handeln müssen" ist der wichtigste, wenn Ihr Kind gerade akut Symptome zeigt.
Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Er dient der Orientierung und der Vorbereitung auf das Gespräch in der kinderärztlichen Praxis. Bei Alarmzeichen – siehe den entsprechenden Abschnitt weiter unten – wenden Sie sich bitte unverzüglich an Ihre Kinderärztin, Ihren Kinderarzt oder den ärztlichen Notdienst (in Österreich: Notruf 144).
1. Was ist RSV? Virus, Verbreitung und Krankheitsbild
Das Respiratorische Synzytial-Virus ist laut der deutschen S2k-Leitlinie 048-012 der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) der häufigste Erreger von Erkrankungen der unteren Atemwege bei Neugeborenen und Säuglingen in den ersten beiden Lebensjahren. Es verbreitet sich – ähnlich wie Grippeviren – über Tröpfchen beim Husten und Niesen sowie über Schmierinfektionen an Händen und Oberflächen und ist hochansteckend. Nahezu alle Kinder haben laut derselben Leitlinie bis zum Ende des zweiten Lebensjahres mindestens eine RSV-Infektion durchgemacht; etwa 1 bis 2 Prozent von ihnen werden deswegen stationär behandelt.
Wie sich eine RSV-Infektion äußert, hängt stark vom Alter ab. Bei größeren Kindern und Erwachsenen verläuft sie meist wie ein gewöhnlicher grippaler Infekt. Die typische RSV-Bronchiolitis – eine Entzündung der kleinsten Atemwege (Bronchiolen) – tritt der DGPI zufolge vor allem im ersten Lebensjahr auf; bei älteren Kindern zeigt sich eine RSV-Infektion eher als obstruktive Bronchitis mit pfeifender Atmung. Bei Neugeborenen, besonders bei Frühgeborenen, kann sich die Infektion in den ersten drei Lebensmonaten sogar in erster Linie durch Atempausen (Apnoen) bemerkbar machen, ohne dass Husten oder Schnupfen im Vordergrund stehen – ein Muster, das die DGPI unter Berufung auf eigene Erhebungsdaten (die sogenannte DGPI-Survey) beschreibt.
Zur Diagnosestellung reicht in aller Regel die klinische Einschätzung: Anamnese und körperliche Untersuchung. Die britische Leitlinie NG9 „Bronchiolitis in children: diagnosis and management" des National Institute for Health and Care Excellence (NICE) hält fest, dass eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs oder eine virologische Testung nur dann sinnvoll sind, wenn andere Erkrankungen ausgeschlossen werden müssen – für die Routinediagnose einer typischen Bronchiolitis sind sie nicht erforderlich.
2. Wie häufig und wie gefährlich ist RSV?
Wie groß die weltweite Krankheitslast durch RSV tatsächlich ist, hat eine im Fachjournal The Lancet veröffentlichte globale Analyse (Li Y. et al., 2022) systematisch zusammengetragen – sie gilt als die zentrale internationale Referenzstudie zu diesem Thema. Für das Jahr 2019 schätzten die Autorinnen und Autoren bei Kindern zwischen 0 und 60 Monaten weltweit rund 33,0 Millionen RSV-bedingte Erkrankungsepisoden der unteren Atemwege, 3,6 Millionen Krankenhausaufnahmen, 26.300 innerklinische Todesfälle und insgesamt 101.400 Todesfälle. Besonders betroffen sind die Jüngsten: Bei Säuglingen zwischen 0 und 6 Monaten waren es 6,6 Millionen Erkrankungsepisoden, 1,4 Millionen Hospitalisierungen und 45.700 Todesfälle – fast die Hälfte aller RSV-Todesfälle in der gesamten Altersgruppe unter 5 Jahren. Über 95 Prozent der Erkrankungsfälle und 97 Prozent der Todesfälle entfielen dabei auf Länder mit niedrigem oder mittlerem Einkommen.
RSV weltweit bei Kindern unter 5 Jahren (2019)
Die deutsche DGPI fasst diese Zahlen in einer eindrücklichen Faustregel zusammen, die sich ebenfalls auf die Lancet-Studie stützt: Weltweit ist rechnerisch jeder 50. Todesfall bei Kindern zwischen 0 und 60 Monaten auf RSV zurückzuführen – in der Altersgruppe der 0- bis 28 Tage alten Neugeborenen sogar jeder 28. Todesfall.
Auch die Saisonalität ist gut untersucht, wenn auch bislang vor allem für Deutschland dokumentiert: Die RSV-Saison dauert dort laut DGPI in der Regel rund fünf Monate, beginnt meist zwischen Mitte Oktober und Ende Dezember und endet zwischen Ende März und Ende Juni. Auffällig ist ein beobachteter Zweijahresrhythmus, bei dem sich eine frühe, starke Saison mit einer späteren, schwächeren abwechselt – gestützt auf Daten des Clinical Virology Network und der Arbeitsgemeinschaft Influenza am Robert Koch-Institut. Die COVID-19-Pandemie hat dieses Muster spürbar gestört: 2020/21 fiel die RSV-Saison praktisch aus, 2021/22 kam sie dafür verfrüht und verstärkt zurück. Da Österreich ein ähnliches gemäßigtes Klima wie Deutschland hat, ist ein vergleichbarer herbst- bis frühjahrshafter Verlauf plausibel, auch wenn uns für Österreich selbst keine ebenso detaillierte Datengrundlage vorliegt.
3. Symptome und Verlauf: von Schnupfen zur Bronchiolitis
Am Anfang einer RSV-Infektion steht praktisch immer ein unspezifisches Erkältungsbild: laufende oder verstopfte Nase, vielleicht ein wenig Husten, gelegentlich leichtes Fieber. Bei den meisten größeren Kindern bleibt es dabei. Bei Säuglingen kann sich daraus jedoch innerhalb weniger Tage die typische Bronchiolitis entwickeln, mit zunehmendem Husten, beschleunigter Atmung und hörbaren Atemgeräuschen, weil die Entzündung von den oberen auf die unteren, kleineren Atemwege übergreift.
Eine Besonderheit betrifft sehr junge Säuglinge, insbesondere Frühgeborene, in den ersten drei Lebensmonaten: Bei ihnen kann sich RSV, wie die DGPI unter Berufung auf ihre eigenen Erhebungsdaten beschreibt, primär durch Atempausen (Apnoen) äußern – ein Verlaufsmuster, das leicht übersehen wird, weil die klassischen Erkältungszeichen dabei in den Hintergrund treten können. Gerade bei dieser Altersgruppe lohnt es sich deshalb, aufmerksam zu bleiben, auch wenn Husten oder Fieber (noch) nicht ausgeprägt sind.
4. Alarmzeichen: Wann Sie sofort handeln müssen
Die folgende Einordnung orientiert sich an den in der britischen NICE-Leitlinie NG9 und der Leitlinie der amerikanischen Kinderärztevereinigung American Academy of Pediatrics (AAP, 2014) genannten Kriterien für eine unterstützende Behandlung sowie an den Beschreibungen der DGPI zu Apnoen bei jungen Säuglingen.
Sofort Notruf oder Notaufnahme
Handeln Sie umgehend, wenn Sie bei Ihrem Baby eine Atempause (Apnoe) bemerken – gerade bei jungen Säuglingen und Frühgeborenen in den ersten drei Lebensmonaten kann sich eine RSV-Infektion laut DGPI (Deutschland) primär auf diese Weise zeigen –, wenn Ihr Kind deutlich erschöpft wirkt vom Atmen oder eine Sauerstoffunterstützung mit hohem Fluss benötigt, wie sie NICE (Großbritannien) und die AAP (USA) für schwere Verläufe beschreiben.
Noch am selben Tag ärztlich abklären lassen
Kontaktieren Sie zeitnah Ihre Kinderärztin oder Ihren Kinderarzt, wenn Ihr Kind spürbar schneller oder angestrengter atmet, deutlich schlechter trinkt oder isst als sonst – NICE und die AAP nennen die Sicherung von Flüssigkeit und Ernährung ausdrücklich als zentralen Baustein der Behandlung, weil genau das häufig zuerst nachlässt –, oder wenn die Sauerstoffsättigung, sofern Sie sie messen können, in den Grenzbereich absinkt. Das gilt in besonderem Maß für Säuglinge unter 6 Monaten und für alle Kinder mit einer der weiter unten genannten Risikofaktoren oder Vorerkrankungen.
Typischer, unkomplizierter Verlauf
Schnupfen, gelegentlicher Husten, allenfalls mildes Fieber, Ihr Kind trinkt weiterhin ausreichend und atmet ruhig – dann genügt in aller Regel die unterstützende Pflege zu Hause, wie sie im folgenden Abschnitt beschrieben ist, verbunden mit aufmerksamer Beobachtung.
5. Diagnose und Behandlung: was wirklich hilft
Sowohl die britische NICE-Leitlinie NG9 als auch die Leitlinie der amerikanischen AAP (Ralston S. et al., „Clinical Practice Guideline: The Diagnosis, Management, and Prevention of Bronchiolitis", 2014) sind sich in einem zentralen Punkt einig: Für eine Reihe verbreiteter Behandlungen bei Bronchiolitis gibt es keinen ausreichenden Wirksamkeitsnachweis. Zu ähnlichen Empfehlungen kommt auch die kanadische Fachgesellschaft Canadian Paediatric Society (Friedman J. et al., 2014).
Was bei Bronchiolitis hilft – und was nicht
Zusammengefasst aus der amerikanischen AAP-Leitlinie (2014) sowie der britischen NICE-Leitlinie NG9.
✗ Ohne belegten Nutzen
✓ Unterstützend hilfreich
Für den Alltag zu Hause bedeutet das: Die weit überwiegende Mehrheit der Kinder mit Bronchiolitis braucht kein Medikament gegen das Virus selbst, sondern vor allem aufmerksame, unterstützende Pflege – ausreichend Flüssigkeit, freie Nasenatmung und die Beobachtung, ob sich eines der oben genannten Alarmzeichen entwickelt. Wichtig zu wissen ist außerdem, dass weder Palivizumab noch Nirsevimab – beide werden weiter unten ausführlich vorgestellt – zur Behandlung einer bereits bestehenden RSV-Infektion wirksam sind. Die deutsche AWMF-Leitlinie 048-012 hält dazu ausdrücklich fest, dass beide Antikörper dafür nicht eingesetzt werden sollen; ihr Nutzen liegt ausschließlich in der vorbeugenden Anwendung, bevor eine Infektion überhaupt auftritt.
6. Wer hat ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf?
Die deutsche S2k-Leitlinie 048-012 benennt mit starkem Konsens eine Reihe von Risikokindern, für die eine RSV-Infektion deutlich gefährlicher verlaufen kann als für gesunde, termingerecht geborene Säuglinge:
- Frühgeborene
- Kinder mit chronischen Lungenerkrankungen (etwa bronchopulmonaler Dysplasie, interstitiellen Lungenerkrankungen, zystischer Fibrose oder angeborenen Atemwegsfehlbildungen)
- Kinder mit schweren oder komplexen angeborenen Herzfehlern
- Kinder mit angeborener oder erworbener schwerer Immundefizienz
- Kinder mit neuromuskulären Erkrankungen
- Kinder mit syndromalen Erkrankungen, etwa Trisomie 21, sowie mit angeborenen Fehlbildungen
Als weitere, allgemeinere Risikofaktoren nennt die Leitlinie zudem ein niedriges Geburtsgewicht, ein Alter unter 6 Monaten, eine Mehrlingsgeburt, männliches Geschlecht, ältere Geschwisterkinder, die Betreuung in Gemeinschaftseinrichtungen, Rauchexposition im Haushalt, einen niedrigen sozioökonomischen Status, Unterernährung sowie eine familiäre Vorbelastung mit Atopie oder Asthma.
Besonders eindrücklich belegt ist das Risiko bei Kindern mit Down-Syndrom: Eine in der AWMF-Leitlinie zitierte Metaanalyse aus zwölf internationalen Studien fand ein deutlich erhöhtes Risiko sowohl für eine RSV-bedingte Hospitalisierung (Odds Ratio 8,69) als auch für die Sterblichkeit (Odds Ratio 9,4) – und zwar unabhängig davon, ob zusätzliche Begleiterkrankungen wie Herzfehler vorliegen. Das Down-Syndrom selbst ist demnach ein eigenständiger Risikofaktor.
7. Allgemeine Vorbeugung im Alltag
Neben den spezifischen medizinischen Vorbeugemaßnahmen, die in den folgenden Abschnitten im Mittelpunkt stehen, empfiehlt die deutsche AWMF-Leitlinie 048-012 mit starkem Konsens auch eine Reihe einfacher Alltagsmaßnahmen: möglichst kein Rauchen in der Umgebung des Kindes, das Stillen beziehungsweise die Gabe von Muttermilch zu fördern, regelmäßig zu lüften, für Risikokinder den Kontakt zu vielen Menschen während der RSV-Saison zu reduzieren, einen Mund-Nasen-Schutz bei symptomatischen Kontaktpersonen zu tragen sowie die sogenannte „Kokon-Strategie" zu verfolgen – dazu zählt in Deutschland unter anderem die Grippeimpfung enger Bezugspersonen gemäß den Empfehlungen der dortigen Ständigen Impfkommission (STIKO). Diese Maßnahmen ersetzen keine spezifische Immunisierung, senken aber das allgemeine Ansteckungsrisiko im Umfeld eines Säuglings.
8. Passive Immunisierung: Nirsevimab und Palivizumab
Wirkprinzip und Zulassung
Die vielleicht wichtigste Neuerung der vergangenen Jahre rund um RSV ist Nirsevimab (Handelsname Beyfortus®), ein monoklonaler Antikörper gegen das sogenannte Prä-Fusions-F-Protein des Virus. Seine stark verlängerte Halbwertszeit von rund 65 bis 70 Tagen erlaubt es, dass eine einzige Injektion für eine ganze RSV-Saison Schutz bietet – ein entscheidender Unterschied zum älteren Antikörper Palivizumab (Handelsname Synagis®, bereits seit 1999 zugelassen), der monatlich verabreicht werden muss. Beide gelten als passive Immunisierung: Das Kind bildet keine eigene Immunantwort, sondern erhält den fertigen Antikörper direkt.
Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat Nirsevimab 2022 für die EU zugelassen, mit einer gewichtsadaptierten Einmaldosis von 50 mg (unter 5 kg Körpergewicht) beziehungsweise 100 mg (ab 5 kg), verabreicht als intramuskuläre Injektion. Im August 2024 erweiterte die EMA die Zulassung auf Risikokinder in ihrer zweiten RSV-Saison bis zum Alter von 24 Monaten, mit einer höheren Dosis von 200 mg (als zwei Injektionen zu je 100 mg). Weitere Zulassungen folgten in Kanada im April 2023 und in den USA durch die Food and Drug Administration im Juli 2023. Als häufigste Nebenwirkungen nennt die EMA Hautausschlag, Fieber und Reaktionen an der Injektionsstelle.
Wirksamkeit in den Zulassungsstudien
Die Zulassung von Nirsevimab stützt sich auf drei große, im New England Journal of Medicine veröffentlichte Studien. Die MELODY-Studie (Hammitt L. et al., 2022) untersuchte 1.490 gesunde, termingerecht oder spät frühgeborene Kinder ohne angeborenen Herzfehler: Die Hospitalisierungsrate wegen RSV lag unter Nirsevimab bei 0,6 Prozent, unter Placebo bei 1,6 Prozent. Die MEDLEY-Studie (Domachowske J. et al., 2022) verglich bei 925 Kindern mit Frühgeburtlichkeit oder Herz- beziehungsweise Lungenerkrankung – darunter 310 mit angeborenem Herzfehler – die Sicherheit von Nirsevimab mit der von Palivizumab und fand eine vergleichbare Sicherheit beider Präparate. Die HARMONIE-Studie (Drysdale S. et al., 2023), angelegt als Phase-3b-Studie unter Alltagsbedingungen, bestätigte schließlich die Wirksamkeit gegen RSV-bedingte Hospitalisierungen bei gesunden termingerecht oder spät frühgeborenen Kindern auch außerhalb streng kontrollierter Studienbedingungen.
Der Paradigmenwechsel in Deutschland: die STIKO-Empfehlung
Wie einschneidend diese neue Möglichkeit ist, zeigt der Blick nach Deutschland. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut empfiehlt seit ihrem im Epidemiologischen Bulletin 26/2024 veröffentlichten Beschluss vom Juni 2024, Nirsevimab allen Neugeborenen und Säuglingen in ihrer ersten RSV-Saison zu verabreichen – unabhängig von individuellen Risikofaktoren. Das ist ein echter Paradigmenwechsel gegenüber der bisherigen Praxis, die den älteren Antikörper Palivizumab ausschließlich Risikokindern vorbehielt. Konkret empfiehlt die STIKO: Kinder, die außerhalb der Saison zwischen April und September geboren werden, erhalten die Injektion im Herbst vor Saisonbeginn (September bis November); Kinder, die während der Saison zwischen Oktober und März geboren werden, sollen die Injektion möglichst rasch nach der Geburt erhalten, etwa im Rahmen der Früherkennungsuntersuchung U2. Bei Risikokindern, deren Mütter eine maternale RSV-Impfung (siehe unten) erhalten haben, wird zusätzlich Nirsevimab empfohlen – außer die Impfung der Mutter erfolgte mindestens zwei Wochen vor der Entbindung. Diese Empfehlung wurde im Amendment der AWMF-Leitlinie 048-012 vom September 2024 wörtlich übernommen.
Für Risikokinder bleibt der ältere Antikörper Palivizumab laut AWMF-Leitlinie außerdem als Reserveoption verfügbar, etwa wenn Nirsevimab im Einzelfall einmal nicht ausreichend verfügbar sein sollte.
Und in Österreich?
Nirsevimab ist als EMA-zugelassenes Arzneimittel auch in Österreich als EU-Mitgliedstaat verfügbar. Eine tagesaktuelle, offizielle österreichische Empfehlung mit Details zur Kostenerstattung ließ sich im Rahmen dieser Recherche jedoch nicht belastbar belegen – sprechen Sie uns dazu bitte direkt an. Als etablierten Referenzrahmen für Risikokinder gibt es in Österreich die Empfehlungen der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ) zur Palivizumab-Prophylaxe (Resch B. et al., 2019): Für Frühgeborene, die vor der vollendeten 28. Schwangerschaftswoche geboren wurden, wird die Prophylaxe für die erste RSV-Saison empfohlen; für Frühgeborene zwischen der 28. und unter der 32. Schwangerschaftswoche bei einem RSV-Risikoscore von 4 oder mehr; bei behandlungspflichtiger bronchopulmonaler Dysplasie wird die Prophylaxe auch im zweiten Lebensjahr empfohlen.
9. Internationaler Vergleich: Wie andere Länder vorgehen
International sind die Wege zur Einführung von Nirsevimab unterschiedlich verlaufen. Die folgende Übersicht, zusammengestellt aus der internationalen Vergleichstabelle der deutschen AWMF-Leitlinie 048-012, zeigt Kernempfehlungen verschiedener Länder und Organisationen (Stand jeweils 2023/2024):
| Land/Organisation | Kernempfehlung | Quelle |
|---|---|---|
| Deutschland | Alle Neugeborenen/Säuglinge in der 1. RSV-Saison, unabhängig von Risikofaktoren | RKI/STIKO, Epidemiologisches Bulletin 26/2024 |
| Spanien | <6 Monate zu Beginn der 1. RSV-Saison; <2 Jahre bei Vorerkrankungen zu jeder Saison | Comité Asesor de Vacunas (CAV-AEP)/Ministerio de Sanidad, 2024 |
| Frankreich | Beim Verlassen der Entbindungsstation | Haute Autorité de Santé (HAS), 2023 |
| Italien | Universelles Präventionsprogramm für alle Neugeborenen (erfolgreicher Testlauf im Aostatal, Saison 2023/24) | Consolati A. et al., Vaccines, 2024 |
| Großbritannien | Bei Vorerkrankungen saisonal ab Kalenderwoche 40; zusätzlich maternale Impfung ab der 28. Schwangerschaftswoche | JCVI/UK Health Security Agency, Green Book Kap. 27a, 2024 |
| Luxemburg | Beim Verlassen der Entbindungsstation bei Geburten zwischen 1.10. und 30.3.; sonst <6 Monate zu Saisonbeginn | Conseil Supérieur des Maladies Infectieuses, 2024 |
| USA | <8 Monate zu Beginn der 1. RSV-Saison; 8–19 Monate bei Risikofaktoren in der 2. Saison | CDC/ACIP, Jones J.M. et al., MMWR, 2023 |
Ergänzend lohnt der Blick auf ältere, aber weiterhin als Referenzrahmen zitierte Länderempfehlungen zur Palivizumab-Prophylaxe bei Frühgeborenen – sie zeigen, wie unterschiedlich restriktiv oder großzügig einzelne Länder schon vor der Nirsevimab-Ära vorgegangen sind:
| Land | Kernaussage | Quelle |
|---|---|---|
| Österreich | Frühgeborene <28. SSW: Prophylaxe für die 1. Saison empfohlen; 28.–<32. SSW bei RSV-Risikoscore ≥4; bei behandlungspflichtiger BPD auch im 2. Lebensjahr empfohlen | Resch B. et al., ÖGKJ, Pädiatrie & Pädologie, 2019 |
| Schweiz | Für reine Frühgeburtlichkeit ohne weitere Risikofaktoren nicht empfohlen | Aygeman P., Schweizerisches Medizin-Forum, 2017 |
| Schweden | Nur für Frühgeborene <26. SSW und <6 Monate | Läkemedelsverket, 2015 |
| Kanada | <6 Monate empfohlen für Frühgeborene <30. SSW | NACI, 2022 |
| USA | Nach ärztlichem Ermessen bei reiner Frühgeburtlichkeit; restriktiver Einsatz vor allem bei kleinsten Frühgeborenen und BPD | Caserta M.T. et al., American Academy of Pediatrics, Pediatrics, 2023 |
| Deutschland | ≤6 Monate konnten Prophylaxe erhalten (Vorläuferempfehlung vor der Nirsevimab-Ära) | DGPI, 2018 |
Trotz aller Unterschiede im Detail lässt sich ein klarer internationaler Trend erkennen: weg von einer Strategie, die ausschließlich Risikokinder schützt, hin zu einem Schutzangebot für möglichst alle Säuglinge in ihrer ersten, gefährlichsten RSV-Saison.
10. Die RSV-Impfung in der Schwangerschaft
Neben der passiven Immunisierung des Kindes nach der Geburt gibt es einen zweiten, davon unabhängigen Ansatz: die aktive RSV-Impfung der Mutter in der späten Schwangerschaft mit dem Impfstoff Abrysvo® (Pfizer). Er regt den mütterlichen Körper zur Bildung von Antikörpern an, die über die Plazenta auf das ungeborene Kind übergehen und es in den ersten Lebensmonaten nach der Geburt schützen sollen.
Grundlage der Zulassung ist die MATISSE-Studie (Kampmann B. et al., New England Journal of Medicine, 2023), eine Phase-III-Studie in 18 Ländern mit 3.682 geimpften gegenüber 3.676 ungeimpften Schwangeren, geimpft zwischen der 24. und 36. Schwangerschaftswoche. Der Schutz vor einer schweren RSV-Erkrankung des Neugeborenen lag bei 81,8 Prozent innerhalb der ersten 90 Tage und noch bei 69,4 Prozent innerhalb der ersten 180 Tage nach der Geburt. Bemerkenswert ist allerdings auch: Der vordefinierte Studienendpunkt einer Reduktion sämtlicher hospitalisierungspflichtiger RSV-Erkrankungen wurde nach 180 Tagen nicht erreicht – hier lag der Schutz bei 57,1 Prozent und damit unter dem vorab festgelegten Erfolgskriterium. Die EMA hat Abrysvo am 23. August 2023 zugelassen, mit einem Impfzeitfenster zwischen der 24. und 36. Schwangerschaftswoche, zur passiven Übertragung von Schutz auf Säuglinge bis zu einem Alter von 6 Monaten.
In Deutschland spricht die STIKO nach dem Stand der AWMF-Leitlinie von 2024 noch keine generelle Empfehlung zur aktiven Impfung aller Schwangeren aus. Eine weitere, differenzierte Sicherheitsentwicklung betrifft nicht direkt die Schwangerenimpfung, ist aber im Zusammenhang wichtig: Der amerikanische Impfausschuss Advisory Committee on Immunization Practices (ACIP) hat seine generelle RSV-Impfempfehlung für ältere Erwachsene eingeschränkt (60- bis 74-Jährige nur noch bei Risikofaktoren, ab 75 Jahren weiterhin generell), nachdem in Überwachungsstudien nach der Marktzulassung ein gering erhöhtes Risiko für ein Guillain-Barré-Syndrom im Zusammenhang mit den für Senioren zugelassenen RSV-Impfstoffen beobachtet wurde. Dies betrifft, wie auch das Deutsche Ärzteblatt in seiner Berichterstattung zur ACIP-Entscheidung 2024 betont, ausdrücklich die Seniorenimpfung – nicht unmittelbar die Impfung von Schwangeren mit Abrysvo.
11. Wirkt das wirklich? Daten aus dem Versorgungsalltag
Zulassungsstudien laufen unter kontrollierten Bedingungen – umso wichtiger sind Daten aus dem ganz normalen Versorgungsalltag, seit Nirsevimab in mehreren Ländern breit eingeführt wurde.
Besonders aussagekräftig ist die NIRSE-GAL-Studie aus der spanischen Region Galicien (Ares-Gómez S. et al., The Lancet Infectious Diseases, 2024): Bei einer Impfquote von 91,7 Prozent (9.408 von 10.259 Kindern) lag die Wirksamkeit von Nirsevimab gegen eine RSV-bedingte Hospitalisierung wegen einer unteren Atemwegsinfektion bei 82,0 Prozent, gegen eine schwere, sauerstoffpflichtige RSV-Erkrankung sogar bei 86,9 Prozent. Um eine einzige Hospitalisierung zu verhindern, mussten rechnerisch 25 Kinder immunisiert werden („Number Needed to Immunise"); schwerwiegende Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet.
Nirsevimab im Versorgungsalltag
Auch aus Luxemburg liegen ermutigende Zahlen vor (Ernst C. et al., Eurosurveillance, 2024): Die RSV-bedingten Krankenhausaufnahmen bei Kindern sanken saisonübergreifend von 232 Fällen im Jahr 2022 auf 72 Fälle im Jahr 2023, die Aufnahmen auf die Intensivstation von 28 auf 9. Für Eltern heißt das: Der in den Zulassungsstudien gezeigte Schutz lässt sich auch dort nachweisen, wo Nirsevimab bereits breit im Alltag eingesetzt wird.
12. Offene Fragen der Forschung
Die deutsche AWMF-Leitlinie 048-012 benennt selbst offen, wo noch Forschungsbedarf besteht: Die Wirksamkeit von Nirsevimab bei bislang wenig untersuchten Risikogruppen – etwa sehr kleinen Frühgeborenen unter der 28. Schwangerschaftswoche – und im zweiten Lebensjahr ist noch nicht abschließend geklärt, ebenso wenig die langfristige Sicherheit über mehrere Jahre hinweg oder der optimale kombinierte Einsatz von maternaler Impfung und postnataler Immunisierung. Eine besonders für Eltern interessante Frage bleibt bislang unbeantwortet: ob eine RSV-Prophylaxe im Säuglingsalter spätere obstruktive Bronchitis oder Asthma verhindern kann. Laut mehreren in der Leitlinie zitierten systematischen Übersichtsarbeiten und Metaanalysen liegt dafür bislang kein belastbarer Wirksamkeitsnachweis vor.
13. Praxisteil für Eltern: Checkliste
- Vorbeugen, bevor die Saison beginnt: Sprechen Sie rechtzeitig – idealerweise schon in der Schwangerschaft oder direkt nach der Geburt – mit uns darüber, ob für Ihr Kind eine Nirsevimab-Gabe infrage kommt.
- Alltagshygiene ernst nehmen: Regelmäßiges Händewaschen, insbesondere vor dem Kontakt mit einem Neugeborenen, sowie das Vermeiden von Tabakrauch in der Umgebung des Kindes senken laut der deutschen AWMF-Leitlinie das Ansteckungsrisiko.
- Stillen fördern: Die AWMF-Leitlinie nennt das Stillen beziehungsweise die Gabe von Muttermilch als eine der empfohlenen einfachen Vorbeugemaßnahmen.
- Bei Risikofaktoren besonders wachsam sein: Frühgeburtlichkeit, chronische Lungen- oder Herzerkrankungen, Immundefizienz, neuromuskuläre Erkrankungen oder ein Down-Syndrom bedeuten ein deutlich höheres Risiko für einen schweren Verlauf – sprechen Sie uns in diesen Fällen gezielt auf die passenden Schutzmaßnahmen an.
- Trinkmenge und Atmung im Blick behalten: Ein Kind, das deutlich weniger trinkt, schneller oder angestrengter atmet, braucht zeitnah ärztliche Abklärung.
- Die Ampel-Kriterien kennen: Machen Sie sich – am besten schon vor der ersten Erkältungswelle des Winters – mit den oben genannten Alarmzeichen vertraut.
- Im Zweifel anrufen: Gerade bei sehr jungen Säuglingen gilt: lieber einmal zu früh in der Ordination oder bei uns anrufen als zu spät. Notfälle außerhalb der Ordinationszeiten gehören in Österreich unter die Notrufnummer 144.
14. Wichtigste Leitlinien und Fachgesellschaften
- S2k-Leitlinie 048-012 „Prophylaxe von schweren Erkrankungen durch Respiratory Syncytial Virus (RSV) bei Risikokindern" (Version 5.2, Amendment September 2024) – Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) u. a. Fachgesellschaften/AWMF, Deutschland, 2023/2024
- Epidemiologisches Bulletin 26/2024 (STIKO-Empfehlung zu Nirsevimab) – Robert Koch-Institut, Deutschland, 2024
- Leitlinie NG9 „Bronchiolitis in children: diagnosis and management" – National Institute for Health and Care Excellence (NICE), Großbritannien, 2015
- „Clinical Practice Guideline: The Diagnosis, Management, and Prevention of Bronchiolitis" – American Academy of Pediatrics, USA, 2014
- „Palivizumab Prophylaxis in Infants and Young Children at Increased Risk of Hospitalization for Respiratory Syncytial Virus Infection" – American Academy of Pediatrics (Caserta M.T. et al.), USA, 2023
- „Use of Nirsevimab for the Prevention of Respiratory Syncytial Virus Disease Among Infants and Young Children" (ACIP-Empfehlung) – Centers for Disease Control and Prevention (CDC)/ACIP (Jones J.M. et al., MMWR), USA, 2023
- „Bronchiolitis: Recommendations for diagnosis, monitoring and management" – Canadian Paediatric Society (Friedman J. et al.), Kanada, 2014
- „Recommended use of palivizumab to reduce complications of respiratory syncytial virus infection in infants" – National Advisory Committee on Immunization (NACI), Kanada, 2022
- „Respiratory-Syncytial-Virus-Prophylaxe mit Palivizumab" – Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ, Resch B. et al., Pädiatrie & Pädologie), Österreich, 2019
- „Prävention von RSV-Infektionen mit dem humanisierten monoklonalen Antikörper Palivizumab" – Aygeman P., Schweizerisches Medizin-Forum, Schweiz, 2017
- Behandlingsrekommendation RSV-infektioner – Läkemedelsverket (Arzneimittelbehörde), Schweden, 2015
- „Revised recommendations concerning palivizumab prophylaxis for respiratory syncytial virus (RSV)" – Bollani L. et al., Italian Journal of Pediatrics, Italien, 2015
- „Safety and Efficacy of Nirsevimab in a Universal Prevention Program of RSV Bronchiolitis in Newborns and Infants … Valle d'Aosta Region, Italy, 2023–2024" – Consolati A. et al., Vaccines, Italien, 2024
- „Respiratory syncytial virus" (The Green Book, Kapitel 27a) – UK Health Security Agency/Joint Committee on Vaccination and Immunisation (JCVI), Großbritannien, 2015/2024
- „An update of the recommendations of the Spanish neonatology society for the use of palivizumab as prophylaxis for severe infections due to syncytial respiratory virus in high-risk infants" – Sánchez Luna M., Anales de Pediatría, Spanien, 2019
- „Recomendaciones de uso de Nirsevimab contra el VRS en la temporada 2024-25" – Ministerio de Sanidad/Comité Asesor de Vacunas (CAV-AEP), Spanien, 2024
- Réponses rapides „Nirsévimab (Beyfortus®) dans la prévention des bronchiolites à virus respiratoire syncytial (VRS) chez les nouveau-nés et les nourrissons" – Haute Autorité de Santé (HAS), Frankreich, 2023
- Empfehlungen zur passiven Immunisierung gegen RSV mit neuen monoklonalen Antikörpern – Conseil Supérieur des Maladies Infectieuses, Luxemburg, 2023/2024
- „Impact of nirsevimab prophylaxis on paediatric RSV-related hospitalisations during the initial 2023/24 season in Luxembourg" – Ernst C. et al., Eurosurveillance, Luxemburg, 2024
- „Effectiveness and impact of universal prophylaxis with nirsevimab in infants against hospitalisation for respiratory syncytial virus in Galicia, Spain" – Ares-Gómez S. et al., The Lancet Infectious Diseases, Spanien, 2024
- „Global, regional, and national disease burden estimates of acute lower respiratory infections due to respiratory syncytial virus in children younger than 5 years in 2019: a systematic analysis" – Li Y. et al., The Lancet, International, 2022
- „Nirsevimab for Prevention of RSV in Healthy Late-Preterm and Term Infants" (MELODY) – Hammitt L. et al., New England Journal of Medicine, International, 2022
- „Safety of Nirsevimab for RSV in Infants with Heart or Lung Disease or Prematurity" (MEDLEY) – Domachowske J. et al., New England Journal of Medicine, International, 2022
- „Nirsevimab for Prevention of Hospitalizations Due to RSV in Infants" (HARMONIE) – Drysdale S. et al., New England Journal of Medicine, International, 2023
- „Bivalent Prefusion F Vaccine in Pregnancy to Prevent RSV Illness in Infants" (MATISSE) – Kampmann B. et al., New England Journal of Medicine, International, 2023
- EPAR Beyfortus (Nirsevimab) – European Medicines Agency (EMA), EU, 2022/2024
- EPAR Abrysvo (RSV-Impfstoff, maternale Anwendung) – European Medicines Agency (EMA), EU, 2023
- „US-Impfkommission schränkt Empfehlungen für RSV-Impfungen bei Senioren ein" – Deutsches Ärzteblatt, Deutschland, 2024
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