Antiepileptika (Medikamente gegen Krampfanfälle), Kortison, manche HIV-Medikamente und Fettbinder senken den Vitamin-D-Spiegel – hier ist der Zusammenhang gut belegt und praktisch wichtig, weil der Knochen leidet. Welche Medikamente ein Grund zum Messen sind und welche nicht.

  • Abschnitt 165 bis 179 von 578
  • Stand: 18. September 2026
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Wichtiger Hinweis

Dieser Ratgeber ist ein Nachschlagewerk zur Studienlage und ersetzt keine Untersuchung und keine individuelle Therapieentscheidung. Er fasst zusammen, was internationale Leitlinien, und Übersichtsarbeiten zu Vitamin D im Kindes- und Jugendalter zeigen – und ebenso ehrlich, wo die Belege dünn sind. Welche Dosis, welcher Zielwert und welche Kontrolle für Ihr Kind passt, hängt von Alter, Ernährung, Vorerkrankungen, Medikamenten und Jahreszeit ab und gehört in ein Gespräch in der Ordination.

Einige Zeichen gehören nicht in den Abwartemodus, sondern zeitnah in ärztliche Hände. Bei Säuglingen: Krampfanfälle, ausgeprägte Reizbarkeit, schlaffer Muskeltonus, eine verzögerte motorische Entwicklung oder eine Gedeihstörung. Bei Kleinkindern: fortschreitende oder einseitige Beinachsenabweichungen, verbreiterte Handgelenke oder Knöchel, Muskelschwäche und verzögertes Laufenlernen. Bei Jugendlichen: diffuse Knochenschmerzen, Muskelschwäche, Belastungsbeschwerden oder Frakturen ohne passende Ursache. Und bei jedem Kind, das Vitamin D einnimmt: Appetitverlust, Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Bauchschmerz, auffälliger Durst mit häufigem Wasserlassen, Austrocknung, Muskelschwäche, Müdigkeit oder Verhaltensänderungen – das sind mögliche Zeichen einer Überdosierung mit erhöhtem Kalziumspiegel, besonders nach Verwechslung hochkonzentrierter Präparate oder wiederholten hochdosierten Einzelgaben.

Der Text beruht auf einer fachlichen Evidenzsynthese und wurde für Eltern in Alltagssprache übertragen – Satz für Satz, ohne Aussagen wegzulassen oder abzuschwächen. Fachwörter, die in der Ordination fallen, stehen weiterhin da, jeweils mit einer kurzen Erklärung; statistische Kennzahlen lassen sich anklicken. Alle Zahlen sind mit ihrer Quelle genannt; die 91 Kernquellen stehen im Studienatlas und in der Quellenliste am Ende.

165 Worauf es bei Epilepsie ankommt

Bei Epilepsie ist die am besten belegte Aussage zu Vitamin D nicht, dass es Anfälle verhindert (eine antikonvulsive Wirkung). Am stärksten ist die Evidenz, also die Studienlage, für etwas anderes: Kinder, die über lange Zeit Medikamente gegen epileptische Anfälle einnehmen, haben ein erhöhtes Risiko für einen Vitamin-D-Mangel und für eine beeinträchtigte Knochengesundheit. Manche dieser Medikamente, im Englischen Antiseizure Medications genannt, regen in der Leber Enzyme an, also Eiweißstoffe, die Substanzen abbauen; dadurch wird auch Vitamin D schneller abgebaut. Weitere Wirkstoffe können über andere Wege auf die Knochen und den Mineralstoffwechsel wirken.

166 Wie häufig der Mangel unter Anfallsmedikamenten ist

Eine systematische Übersicht mit sammelt alle Studien zu einer Frage und fasst sie rechnerisch zusammen. Eine solche Arbeit von 2020 fand 748 Veröffentlichungen und schloss 29 passende Studien ein. Die gepoolte , also der zusammengefasste Anteil der Kinder mit Vitamin-D-Mangel (Defizienz) unter Antiepileptika (Anfallsmedikamenten), lag bei ungefähr 32 %, bei erheblicher , also großen Unterschieden zwischen den Studien. Unter Medikamenten, die die Leberenzyme der CYP450-Familie anregen, lag der geschätzte Anteil ähnlich hoch. (Beobachtung von Gruppen über längere Zeit) berichteten teilweise noch höhere Werte.

Die hohe Heterogenität lässt sich erklären: Die Studien setzten die Grenze für einen Mangel unterschiedlich, stammten aus verschiedenen Ländern und unterschieden sich in Sonnenexposition (Sonnenlicht), Behandlungsdauer und Medikamentenkombinationen. Dennoch ist das Gesamtsignal ausreichend einheitlich (konsistent), um Epilepsie unter Langzeitmedikation als Risikokonstellation (Situation mit erhöhtem Risiko) zu betrachten.

167 Das Anfallsmedikament Valproat

Eine (rechnerische Zusammenfassung mehrerer Studien) wertete elf Veröffentlichungen zu Valproat aus, einem Wirkstoff gegen epileptische Anfälle. Kinder unter Valproat allein (Monotherapie) hatten niedrigere Vitamin-D-Werte als gesunde Kontrollkinder. Der Effekt war moderat, aber über die Studien hinweg konsistent, also einheitlich. Valproat ist kein klassischer starker CYP-Induktor, regt also die Leberenzyme nicht stark an. Deshalb lassen sich seine Knochenwirkungen nicht allein über diese Enzyminduktion erklären.

168 Knochendichte und Knochenbrüche

Knochenmineraldichte heißt Mineralgehalt der Knochen; Frakturrisiko heißt Risiko für Knochenbrüche. Kinder mit Epilepsie können zusätzlich belastet sein: durch eingeschränkte Beweglichkeit (Mobilität), eine Zerebralparese (Bewegungsstörung nach früher Hirnschädigung), Ernährungsprobleme und das Sturz- und Anfallsrisiko. Deshalb ist das Frakturrisiko multifaktoriell, hängt also von vielen Faktoren ab. Vitamin D ist ein beeinflussbarer Faktor, aber nicht der einzige. Bei Kindern mit schweren Bewegungseinschränkungen sind Kalziumzufuhr, Belastung der Knochen, Pubertät und die gesamte Medikation ebenso wichtig.

169 Vitamin-D-Gabe und Anfallshäufigkeit

Kleine Studien haben untersucht, ob die Gabe von Vitamin-D-Präparaten (Supplementation) die Anfallshäufigkeit senkt. Eine 2026 veröffentlichte systematische Übersicht mit (rechnerische Zusammenfassung mehrerer Studien) zur medikamentenresistenten Epilepsie, bei der Medikamente die Anfälle nicht ausreichend kontrollieren, schloss elf Studien ein. Vier davon mit insgesamt 183 Personen hatten Vitamin D gegeben; nur diese wurden rechnerisch (quantitativ) ausgewertet. Die Autoren berichteten, dass die monatliche Anfallshäufigkeit sank und der Vitamin-D-Blutwert 25(OH)D anstieg.

Diese Ergebnisse sind interessant, reichen aber nicht für Vitamin D als Standardtherapie gegen Anfälle (antikonvulsive Standardtherapie). Die Meta-Analyse beruht auf sehr wenigen kleinen Studien mit unterschiedlichem Aufbau (heterogene Designs). Das muss erst in großen (RCTs) bestätigt werden (Replikation); dort entscheidet das Los, wer Vitamin D bekommt. Bei medikamentenresistenter Epilepsie darf Vitamin D keine Behandlung ersetzen, deren Nutzen belegt ist (evidenzbasierte Therapie): Medikamentenanpassung, ketogene Diät (sehr fettreiche, kohlenhydratarme Ernährung), Epilepsiechirurgie (Operation am Gehirn) oder Neurostimulation (Nervenreizung mit elektrischen Impulsen).

170 Wann der Vitamin-D-Wert kontrolliert wird

Ein einheitlicher Abstand für Vitamin-D-Kontrollen (Monitoring) für alle Kinder unter Antiseizure Medication (Medikamenten gegen epileptische Anfälle) ist nicht durch starke Evidenz aus (RCTs, in denen das Los über die Zuteilung entscheidet) festgelegt. Viele Zentren testen nach dem Risiko, besonders bei langjähriger Einnahme mehrerer Medikamente (Polytherapie), Enzyminduktoren (Medikamenten, die die Leberenzyme anregen), Bewegungseinschränkung, dunkler Haut weit vom Äquator, wenig Zeit im Freien, Ernährungsproblemen oder Knochenbrüchen.

Ein Mangel (Defizienz) wird nach Behandlungsplänen für Kinder beziehungsweise risikoangepassten Plänen (Schemata) ausgeglichen. Langfristig ist auf ausreichende Kalziumzufuhr und, soweit möglich, körperliche Belastung zu achten.

171 Was die Studien insgesamt zeigen

  • Eine langfristige Behandlung mit Antiepileptika, also Medikamenten gegen epileptische Anfälle, erhöht das Risiko für niedrige Vitamin-D-Werte.
  • Auch Valproat geht mit niedrigeren Werten einher (ist damit assoziiert).
  • Das Knochenrisiko hängt von vielen Faktoren ab (multifaktoriell) und verlangt mehr als eine einzelne Vitamin-D-Messung.
  • Ein möglicher Zusatznutzen gegen Anfälle (antikonvulsiv) ist experimentell, also noch Gegenstand der Forschung, und nicht Standard.

172 Warum die Medikamentenliste zum Vitamin-D-Befund gehört

Die Medikamentenanamnese (welche Medikamente ein Kind einnimmt) gehört zur Beurteilung des Vitamin-D-Status, also der Vitamin-D-Versorgung, weil Medikamente den Vitamin-D-Status und den Knochenstoffwechsel auf mehreren Ebenen beeinflussen können: schnellerer Abbau der Vitamin-D-Umwandlungsprodukte (Metaboliten) in der Leber, geringere Kalziumaufnahme im Darm, veränderter Umgang der Nieren mit Mineralstoffen, direkte Wirkungen auf knochenauf- und -abbauende Zellen (Osteoblasten/Osteoklasten), hormonelle Veränderungen, weniger Bewegung oder Veränderungen von Appetit und Gewicht. Daher ist ein niedriger Vitamin-D-Blutwert 25(OH)D unter Langzeitmedikation häufig nur ein Teil der Risikokonstellation (Zusammenspiel mehrerer Risiken) für die Knochen.

Die richtige Frage in der Ordination lautet nicht „Welches Medikament senkt Vitamin D?“, sondern: Erhöht diese Therapie das Risiko für Defizienz, Rachitis/Osteomalazie oder Frakturen so weit, dass eine gezielte Überwachung und Prävention sinnvoll ist? Defizienz bedeutet Mangel, Rachitis eine Störung des Knochenaufbaus im Wachstum, Osteomalazie eine Knochenerweichung durch zu wenig eingelagerte Mineralstoffe; Frakturen sind Knochenbrüche, Prävention heißt Vorbeugung.

173 Medikamente gegen epileptische Anfälle

Antiepileptika sind Medikamente gegen epileptische Anfälle. Eine systematische Übersicht mit , also eine rechnerische Zusammenfassung mehrerer Studien nach festen Regeln, wertete 29 Studien mit 2.368 Kindern und Jugendlichen unter Antiepileptika aus. Diese schätzte die , also die Häufigkeit, eines Vitamin-D-Mangels (Defizienz) auf etwa 32 %. Die war erheblich, die einzelnen Studien kamen also zu deutlich unterschiedlichen Ergebnissen. In Untergruppen (Subgruppen) war der Mangel auch unter jenen Antiepileptika häufig, die die Leberenzyme der CYP450-Familie anregen. Zu den klassischen Enzyminduktoren, also Wirkstoffen, die diese Enzyme anregen, zählen unter anderem Carbamazepin, Phenobarbital und Phenytoin; je nach Einteilung (Klassifikation) werden weitere Wirkstoffe dazugerechnet.

Diese Beobachtung ist medizinisch plausibel, also gut begründbar, weil die Enzymanregung (Enzyminduktion) den Abbau von Vitamin D beschleunigen kann. Zugleich sind Kinder mit Epilepsie eine sehr unterschiedliche (heterogene) Gruppe: Eingeschränkte Beweglichkeit, die neurologische Grunderkrankung, wenig Sonne, Schwierigkeiten beim Essen und die gleichzeitige Einnahme vieler Medikamente (Polypharmazie) können das Knochenrisiko unabhängig von Vitamin D erhöhen. Deshalb sollte ein Mangel nicht allein dem Medikament als einziger Ursache zugeschrieben werden (nicht monokausal).

Bei einer Langzeittherapie, besonders wenn mehrere Risikofaktoren zusammenkommen, ist eine an das Risiko angepasste (risikoadaptierte) Kontrolle des Vitamin-D- und Knochenstatus sinnvoll. Wie oft kontrolliert wird, hängt vom Medikament, vom Alter, von der Beweglichkeit, von der Ernährung, von früheren Knochenbrüchen (Frakturanamnese) und von den örtlichen Standards ab. Eine vorbeugende (prophylaktische) Vitamin-D-Gabe nach dem Schema des jeweiligen Landes und die Behandlung eines nachgewiesenen Mangels sind plausibel, also gut begründbar; eine Wirkung von Vitamin D gegen die Anfälle selbst (antikonvulsive Wirkung) ist dagegen nicht gesichert.

174 Kortison, das im ganzen Körper wirkt

Glukokortikoide sind Kortisonpräparate; systemisch bedeutet, dass sie im ganzen Körper wirken. Werden sie dauerhaft (chronisch) eingenommen, erhöhen sie das Risiko für Knochenbrüche über Mechanismen, die weit über Vitamin D hinausgehen: Der Knochenaufbau (Knochenformation) nimmt ab, der Kalziumhaushalt verändert sich, Muskeln schwinden (Muskelatrophie), das Wachstum wird gebremst, und die Hormonachse, die die Keimdrüsen und damit die Geschlechtshormone steuert (gonadale Achse), wird unterdrückt. Bei Kindern kommt hinzu, dass das Skelett noch wächst und sich ständig umbaut. Ein normaler Vitamin-D-Blutwert 25(OH)D bedeutet deshalb nicht, dass kein durch Kortison verursachtes (glucocorticoidinduziertes) Knochenrisiko besteht.

Bei einer längeren Kortisonbehandlung, die im ganzen Körper wirkt (systemische Steroidtherapie), sollte sichergestellt werden, dass das Kind ausreichend mit Vitamin D und Kalzium versorgt ist. Bei Knochenbrüchen, Veränderungen an den Wirbelkörpern (den Knochen der Wirbelsäule), einer chronisch-entzündlichen Grunderkrankung, eingeschränkter Beweglichkeit oder einer hohen, über die Zeit aufsummierten (kumulativen) Kortisondosis ist eine spezialisierte Beurteilung der Knochen wichtiger als das alleinige „Optimieren“ des Vitamin-D-Spiegels.

Kortison zum Inhalieren (inhalative Steroide) in den üblichen Dosen bei Asthma ist nicht in dieselbe Risikokategorie einzuordnen. Die Gesamtdosis, die Menge, die in den ganzen Körper gelangt (systemische Exposition), und die Grunderkrankung bestimmen das Risiko.

175 HIV-Medikamente und andere Dauertherapien

Antiretrovirale Medikamente wirken gegen das HI-Virus (HIV). Einzelne dieser Wirkstoffe können mit Veränderungen des Vitamin-D-Stoffwechsels oder der Knochenmineraldichte (des Mineralgehalts der Knochen) einhergehen (assoziiert sein). In der Behandlung von Kindern mit HIV ist die Knochenbeurteilung deshalb Teil einer breiteren Langzeitbetreuung. Die Evidenz, also die Studienlage, ist je nach Wirkstoff, Behandlungsära (Zeit, aus der die Behandlung stammt) und untersuchter Bevölkerungsgruppe (Population) unterschiedlich; pauschale Empfehlungen für hohe Dosen sind nicht gerechtfertigt.

Auch bestimmte Medikamente gegen Pilzinfektionen (Antimykotika), das Antibiotikum Rifampicin und andere starke Enzyminduktoren (Wirkstoffe, die die Leberenzyme kräftig anregen) können den Vitamin-D-Stoffwechsel (Metabolismus) beeinflussen. Bei der Tuberkulosebehandlung ist jedoch zu unterscheiden zwischen den Wirkungen der Medikamente auf Aufnahme, Verteilung und Abbau von Vitamin D (pharmakokinetische Effekte) und der Frage, ob die Gabe von Vitamin-D-Präparaten (Supplementation) die Tuberkulose selbst besser heilen lässt. Studien, in denen Kinder gezielt Vitamin D erhielten (Interventionsdaten), zeigen dafür keinen verlässlichen allgemeinen Nutzen.

176 Wenn der Darm Fett schlecht aufnimmt

Vitamin D gehört zu den fettlöslichen Vitaminen, die der Darm zusammen mit dem Nahrungsfett aufnimmt. Bei Behandlungen oder Erkrankungen, bei denen Fett schlecht aufgenommen wird (Fettmalabsorption), sind diese Vitamine deshalb besonders gefährdet. Orlistat ist ein Medikament, das die Fettaufnahme aus dem Darm hemmt. Im Kindes- und Jugendalter spielt es nur in ausgewählten Situationen eine Rolle, zeigt aber das Prinzip. Auch Medikamente, die Gallensäuren binden (Gallensäuren werden für die Fettverdauung gebraucht), und schwere Erkrankungen mit gestörtem Gallenfluss (cholestatische Erkrankungen) können die Aufnahme (Resorption) fettlöslicher Vitamine verringern. In diesen Situationen kann eine Standarddosis, die bei gesunden Kindern ausreicht, zu wenig sein.

Wichtig ist die Verlaufskontrolle: Bei Malabsorption ist die tatsächliche Laborantwort, also wie der Blutwert auf die Gabe reagiert, aussagekräftiger als die verordnete Dosis. Ein scheinbar sehr hoher Dosierungsplan (Supplementationsregime) kann in dieser Gruppe angemessen sein, darf aber nicht auf gesunde Kinder übertragen werden.

177 Cystische Fibrose (Mukoviszidose): eigene Regeln für eine bestimmte Erkrankung

Die Cystische Fibrose (CF) ist eine angeborene Erkrankung, bei der unter anderem die Verdauung und Aufnahme von Fett gestört ist. Die Cystic Fibrosis Foundation, eine Fachorganisation für diese Erkrankung, empfiehlt für Personen mit CF regelmäßige Kontrollen des Vitamin-D-Blutwerts 25(OH)D. Als Zielwert nennt sie mindestens 30 ng/ml (75 nmol/l). Steigt der Blutwert unter der Gabe nicht ausreichend an, steigen die empfohlenen Dosen deutlich; bei älteren Kindern können sie wesentlich höher liegen als in der Allgemeinbevölkerung. Die vieler dieser Empfehlungen, also wie verlässlich die zugrunde liegenden Studien sind, ist niedrig bis moderat. Die Strategie gilt ausdrücklich nur für diese Erkrankung (krankheitsspezifisch).

Diese Leitlinie ist daher doppelt lehrreich. Erstens: Bei einer echten Störung der Nährstoffaufnahme (Malabsorption) oder bei einer chronischen Erkrankung kann ein Plan für Kontrollen und Dosierung (Monitoring- und Dosierungsregime) sinnvoll sein, der bei gesunden Kindern unnötig wäre. Zweitens: Ein Zielwert, der für eine bestimmte Erkrankung gilt, darf nicht als Beweis dafür missverstanden werden, dass alle Kinder einen Wert über 30 ng/ml benötigen.

178 Nach einer Operation gegen starkes Übergewicht

Bariatrische beziehungsweise metabolische Chirurgie sind Operationen am Magen-Darm-Trakt bei starkem Übergewicht. Jugendliche haben danach ein erhöhtes Risiko für einen Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen (Mikronährstoffdefizite), darunter Vitamin D und Kalzium. Je nach Operationsverfahren können zusammenwirken: eine verringerte Aufnahme, die veränderte Anatomie des Verdauungstrakts und ein schon vor der Operation sehr häufiger Mangel (hohe präoperative Defizienzprävalenz). Gerade in der Lebensphase, in der die Knochen ihre größte Masse aufbauen (Peak Bone Mass), sind eine Nachsorge nach festen Standards und die zuverlässige Einnahme der Präparate (Adhärenz zu Supplementen) wichtig.

Die Versorgung nach der Operation (postoperativ) soll nicht auf Vitamin D beschränkt werden; Eisen sowie die B-Vitamine B12, Folat und Thiamin und weitere Nährstoffe können ebenso kritisch sein. Laborkontrollen und die Gabe von Präparaten (Supplementation) folgen den Nachsorgeprogrammen der bariatrischen Chirurgie und sind nicht mit der Routineversorgung gesunder Jugendlicher gleichzusetzen.

179 Medikamente als Anlass zum Testen – aber nicht automatisch

Nicht jede kurze Einnahme eines Medikaments rechtfertigt eine Bestimmung des Vitamin-D-Blutwerts 25(OH)D. Sinnvoll ist ein Vorgehen, das sich nach dem Risiko richtet: Eine langfristige Einnahme von Medikamenten, die auf die Knochen wirken, zusätzliche Risikofaktoren, eine Wachstumsstörung, Knochenbrüche (Frakturen), Muskelschwäche oder erkennbare Zeichen einer Störung des Mineralien-Einbaus in die Knochen (Mineralisationsstörung) machen einen Test wahrscheinlicher. Bei einem gesunden Kind, das kurz Kortison (einen Steroidkurs) oder für kurze Zeit ein Antibiotikum bekommen hat, ist eine Vitamin-D-Laboruntersuchung dagegen in der Regel nicht begründbar.

Alle Kapitel dieses Ratgebers

  1. 1. Grundlagen: Wie Vitamin D im Körper eines Kindes wirkt Abschnitt 1–16 · 16
  2. 2. Wie häufig ist ein Mangel? Zahlen aus aller Welt Abschnitt 17–32 · 16
  3. 3. Rachitis: erkennen, verhindern, behandeln Abschnitt 33–48 · 16
  4. 4. Wenn Vitamin D nicht das eigentliche Problem ist: erbliche Rachitisformen Abschnitt 49–59 · 11
  5. 5. Wachstum, Knochendichte und Frakturen Abschnitt 60–70 · 11
  6. 6. Frühgeborene Abschnitt 71–79 · 9
  7. 7. Atemwegsinfekte, Asthma und Allergie Abschnitt 80–103 · 24
  8. 8. Adipositas, Stoffwechsel und Diabetes Abschnitt 104–121 · 18
  9. 9. Darm und Leber: Zöliakie, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Malabsorption Abschnitt 122–138 · 17
  10. 10. Chronische Nierenkrankheit Abschnitt 139–146 · 8
  11. 11. Gehirn, Entwicklung und Psyche Abschnitt 147–164 · 18
  12. 12. Epilepsie und Medikamente Abschnitt 165–179 · 15
  13. 13. Intensivmedizin, Blut, Krebs und Rheuma Abschnitt 180–195 · 16
  14. 14. Zähne, Haut und weitere Krankheitsbilder Abschnitt 196–202 · 7
  15. 15. Schwangerschaft und Stillzeit Abschnitt 203–214 · 12
  16. 16. Sicherheit und Überdosierung Abschnitt 215–234 · 20
  17. 17. Leitlinien im Ländervergleich Abschnitt 235–257 · 23
  18. 18. Testen oder nicht? Screening und Laborindikation Abschnitt 258–265 · 8
  19. 19. Dosierung: täglich, wöchentlich, monatlich Abschnitt 266–288 · 23
  20. 20. Kalzium und Ernährung Abschnitt 289–296 · 8
  21. 21. Sonne, Jahreszeit und Haut Abschnitt 297–305 · 9
  22. 22. Labor: Messung, Einheiten und Fehlerquellen Abschnitt 306–327 · 22
  23. 23. Lebensmittelanreicherung und Public Health Abschnitt 328–343 · 16
  24. 24. Vegane und stark eingeschränkte Ernährung Abschnitt 344–352 · 9
  25. 25. Nach Alter: vom Neugeborenen bis zum Jugendlichen Abschnitt 353–362 · 10
  26. 26. Grenzwerte, Zielwerte und die Frage nach Ursache und Wirkung Abschnitt 363–372 · 10
  27. 27. Entscheidungswege Abschnitt 373–393 · 21
  28. 28. Fallbeispiele und typische Fallstricke Abschnitt 394–418 · 25
  29. 29. Fragen und Mythen Abschnitt 419–468 · 50
  30. 30. Das Gespräch in der Ordination Abschnitt 469–480 · 12
  31. 31. Was die Sprachräume zeigen Abschnitt 481–519 · 39
  32. 32. Studienatlas: die 91 Kernquellen im Überblick Abschnitt 520–520 · 1
  33. 33. Evidenzqualität und offene Forschungsfragen Abschnitt 521–551 · 31
  34. 34. Methodik und Glossar Abschnitt 552–578 · 27