Diabetes, Zöliakie, ADHS, Depression, Essstörung – dazu Materialfragen, Amalgam, Kosten und die Unterschiede zwischen Österreich, Deutschland und der Schweiz.

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  • Stand: 9. September 2026
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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel ersetzt keine zahnärztliche Untersuchung. Karies kann lange schmerzlos bleiben. Sichtbare Löcher, Schmerzen, Schwellung, Fieber, eine „dicke Backe“, Eiteraustritt, Schluck- oder Atemprobleme sowie ein verletzter oder stark gelockerter Zahn benötigen je nach Befund rasche zahnmedizinische oder medizinische Hilfe. Bei Atemnot, ausgeprägter Schwellung im Mundboden oder Hals, Bewusstseinsstörung oder schwerem Krankheitsbild sofort den Rettungsdienst rufen: in Österreich 144 oder 112, in Deutschland 112.

90 Vegetarische und Vegane Ernährung

Eine gut geplante pflanzenbasierte Ernährung verursacht nicht automatisch Karies. Häufige klebrige Trockenfrüchte, Riegel, Smoothies und gesüßte Pflanzendrinks können jedoch Exposition erhöhen. Ungesüßte Produkte werden bevorzugt.

Nährstoffversorgung, insbesondere Vitamin B12 bei veganer Ernährung, wird kinderärztlich beziehungsweise ernährungsmedizinisch gesichert. Zahngesundheit darf nicht isoliert von Wachstum und Gesamtversorgung beraten werden.

91 Diabetes

Diabetes verursacht nicht automatisch Karies. Mundtrockenheit, häufige Kohlenhydratzufuhr zur Hypoglykämiebehandlung und ungünstige Stoffwechsellage können Risiko beeinflussen. Hypoglykämie wird immer medizinisch korrekt behandelt; Zahnerwägungen dürfen lebenswichtige Glukose nicht verzögern.

Nach einer Behandlung kann Wasser getrunken und die reguläre Pflege fortgesetzt werden. Häufige Unterzuckerungen gehören diabetologisch überprüft. Zuckerhaltige Notfallprodukte bleiben verfügbar.

92 Zöliakie und Schmelzdefekte

Symmetrische Schmelzdefekte können bei Zöliakie häufiger vorkommen, sind aber unspezifisch. Zahnärztinnen diagnostizieren Zöliakie nicht allein aus den Zähnen. Bei zusätzlichen Symptomen oder Risikofaktoren erfolgt ärztliche Abklärung, bevor eine glutenfreie Diät begonnen wird.

Defekte Oberflächen benötigen Fluorid, Desensibilisierung und gegebenenfalls Restauration. Glutenfreie Produkte können viel Stärke oder Zucker enthalten; die Kennzeichnung „glutenfrei“ sagt nichts über Kariogenität.

93 Adhs und Medikamente

Stimulanzien können Appetit, Tagesrhythmus und Trockenheitsgefühl verändern. Manche Jugendliche essen spät am Abend, wenn die Wirkung nachlässt. Strukturierte Mahlzeiten, Wasser und festes Abendputzen helfen.

Impulsivität und Zeitblindheit erschweren Routinen. Sichtbare Bürste, Smartphone-Erinnerung, gemeinsam definierte Minimalroutine und elterliche Kontrolle werden genutzt. Medikamente werden nicht wegen Kariesrisiko eigenmächtig verändert.

94 Depression und Psychische Belastung

Antriebsmangel kann Mundpflege und Termine erschweren. Ein minimalistischer Schutzplan – abends fluoridiert putzen, Wasser statt Süßgetränk, kurzfristiger Termin – ist besser als Überforderung mit zehn Aufgaben.

Zahnmedizinische Teams fragen respektvoll und koordinieren bei Einwilligung mit behandelnden Fachpersonen. Mundgesundheit kann ein erreichbarer Teil der Stabilisierung sein. Scham wird aktiv reduziert.

95 Essstörung und Vertraulichkeit

Erosion, Schleimhautveränderungen, Speicheldrüsenschwellung und Karies können auffallen, beweisen aber kein Erbrechen. Jugendliche werden unter vier Augen gefragt, soweit rechtlich und entwicklungsbezogen angemessen.

Nach Erbrechen schützt Spülen mit Wasser oder einer fachlich empfohlenen neutralisierenden Lösung. Zahnpasta wird regulär verwendet, kräftiges sofortiges Bürsten vermieden. Hauptziel ist medizinische und psychotherapeutische Behandlung der Erkrankung.

96 Schwangerschaft im Jugendalter

Hormonelle Veränderungen erhöhen Zahnfleischreaktion, nicht automatisch Karies. Übelkeit, häufiges Essen, Erbrechen und veränderte Routinen können Risiko steigern. Notwendige zahnärztliche Behandlung wird nicht pauschal bis nach der Geburt verschoben.

Röntgen, Lokalanästhesie und Medikamente werden indikationsgerecht mit Strahlenschutz und Schwangerschaftswissen eingesetzt. Gute Mundgesundheit der Mutter unterstützt ihre Gesundheit und spätere Familienroutinen.

97 Zahnunfall und Karies

Ein kariös geschwächter Zahn kann bei kleiner Kraft abbrechen. Umgekehrt kann ein traumatisierter Zahn später verfärben oder Pulpanekrose entwickeln, ohne Karies. Unfallzeitpunkt, Frakturlinie und Röntgen helfen.

Nach Trauma werden eigene Leitlinien beachtet. Ein herausgeschlagener bleibender Zahn ist zeitkritisch; er wird an der Krone gehalten, nicht an der Wurzel, und nach geeigneter Zwischenlagerung sofort versorgt. Ein ausgeschlagener Milchzahn wird nicht replantiert. Diese Erste Hilfe ist vom Kariesthema getrennt, aber bei abgebrochenen Zähnen wichtig.

98 Kronen, Füllungen und Materialfragen

Kein Material ist in jeder Situation überlegen. Komposit ist ästhetisch und adhäsiv, verlangt Trockenheit. Glasionomer ist feuchtigkeitstoleranter, aber mechanisch begrenzt. Kompomere liegen dazwischen. Stahlkronen sind sichtbar, können Milchmolaren jedoch zuverlässig schützen.

Materialwahl berücksichtigt Allergien, Defektgröße, Restzahnsubstanz, Belastung, Kooperation und Reparierbarkeit. Diskussionen über einzelne Inhaltsstoffe werden anhand tatsächlicher Exposition und regulatorischer Bewertung geführt. Unbehandelte aktive Karies besitzt ebenfalls Risiken.

99 Amalgam und Regulatorische Änderungen

Die Verwendung von Dentalamalgam ist in der Europäischen Union stark eingeschränkt und regulatorisch verändert worden. Nationale Ausnahmen, Übergangsregeln und Versorgungslösungen können sich ändern. Für einen Kinderartikel ist deshalb keine zeitlose pauschale Kassen- oder Verbotsaussage sinnvoll.

Vor einer konkreten Behandlung wird nach aktuell verfügbaren Materialien und Kosten gefragt. Intakte alte Amalgamfüllungen werden nicht allein aus Angst automatisch entfernt; Entfernung setzt Dampf und Partikel frei und kostet Zahnsubstanz. Medizinische Indikation entscheidet.

100 Kosten und Krankenversicherung

Vorsorge, Füllungsmaterialien, Sedierung, Narkose, Versiegelung und Zusatzleistungen werden in Österreich, Deutschland und der Schweiz unterschiedlich finanziert. Alter, Zahn, Diagnose, Versicherungsstatus und Vertragsleistung verändern die Kosten. Private Angebote sind kein Wirksamkeitsbeleg.

Vor nicht dringlicher Behandlung erhält die Familie einen verständlichen Kostenplan mit Kassenanteil, Eigenanteil und Alternativen. Schmerz- und Infektionsbehandlung wird nicht wegen ungeklärter Kosten gefährlich verzögert. Aktuelle Auskunft geben behandelnde Praxis und Kostenträger.

101 Österreich, Deutschland und Schweiz

Die biologischen Grundlagen unterscheiden sich nicht, wohl aber Vorsorgeprogramme, Erstattung und Produktverfügbarkeit. Die deutsche Empfehlung zum ersten Lebensjahr kombiniert pädiatrische Vitamin-D-Prophylaxe mit zwei alternativen Fluoridwegen. Sie darf nicht ungeprüft als weltweite Regel dargestellt werden.

In Österreich und der Schweiz können nationale Fachgesellschaften andere organisatorische Empfehlungen oder Erstattungswege vorgeben. Familien nach Umzug bringen den bisherigen Fluoridplan mit und nennen Tabletten, Zahnpasta, Trinkwasser sowie professionelle Produkte. Eine Neuabstimmung verhindert Lücken und Doppelgaben.

Schulzahnärztliche Dienste, Gruppenprophylaxe und öffentliche Programme sind regional verschieden. Sie ergänzen die individuelle Praxisbetreuung, ersetzen sie bei aktiver Karies aber nicht.

Alle Kapitel dieses Ratgebers

  1. 1. Was Karies ist – und wie sie entsteht Abschnitt 1–4 · 4
  2. 2. Wo sie entsteht, Risiko und Schutz Abschnitt 5–7 · 3
  3. 3. Erkennen und untersuchen Abschnitt 8–12 · 5
  4. 4. Behandeln: von nichtoperativ bis Narkose Abschnitt 13–19 · 7
  5. 5. Zähneputzen und Fluorid Abschnitt 20–22 · 3
  6. 6. Ernährung, Nacht und Medikamente Abschnitt 23–25 · 3
  7. 7. Vorsorge in der Zahnarztpraxis Abschnitt 26–29 · 4
  8. 8. Nach Alter und besondere Gruppen Abschnitt 30–39 · 10
  9. 9. Kita, Schule, Sport und Werbung Abschnitt 40–43 · 4
  10. 10. Irrtümer und Alltagssituationen Abschnitt 44–57 · 14
  11. 11. Warum Karies entsteht: die Vertiefung Abschnitt 58–65 · 8
  12. 12. Wo genau – und was daraus werden kann Abschnitt 66–76 · 11
  13. 13. Putzen, wenn es schwierig ist Abschnitt 77–83 · 7
  14. 14. Ernährung im Alltag Abschnitt 84–89 · 6
  15. 15. Erkrankungen, Kosten und Material Abschnitt 90–101 · 12
  16. 16. Fluorid im Detail Abschnitt 102–107 · 6
  17. 17. Die Behandlungsverfahren genauer Abschnitt 108–120 · 13
  18. 18. Nach der Behandlung Abschnitt 121–131 · 11
  19. 19. Diagnostik genauer betrachtet Abschnitt 132–140 · 9
  20. 20. Häufige Fragen Abschnitt 141–153 · 13
  21. 21. Versorgungspfade und Fallbeispiele Abschnitt 154–175 · 22
  22. 22. Das Gespräch und die Präventionspläne Abschnitt 176–186 · 11
  23. 23. System, Produkte und Mythen Abschnitt 187–220 · 34
  24. 24. Checklisten, Einordnung, Glossar und Quellen Abschnitt 221–234 · 14