Nach der Behandlung
Was bei Schwellung zu tun ist, wenn eine Füllung herausfällt oder eine Krone locker wird – und worauf nach Füllung, Extraktion, Silberdiaminfluorid und Fluoridlack zu achten ist.
Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel ersetzt keine zahnärztliche Untersuchung. Karies kann lange schmerzlos bleiben. Sichtbare Löcher, Schmerzen, Schwellung, Fieber, eine „dicke Backe“, Eiteraustritt, Schluck- oder Atemprobleme sowie ein verletzter oder stark gelockerter Zahn benötigen je nach Befund rasche zahnmedizinische oder medizinische Hilfe. Bei Atemnot, ausgeprägter Schwellung im Mundboden oder Hals, Bewusstseinsstörung oder schwerem Krankheitsbild sofort den Rettungsdienst rufen: in Österreich 144 oder 112, in Deutschland 112.
121 Antibiotika: Wann ja, wann nein?
Nein bei asymptomatischer Karies, reversibler Pulpitis oder lokalem Befund ohne systemische Ausbreitung. Ja kann gelten bei diffuser Schwellung, Fieber, Zellulitis, Trismus, Lymphadenitis oder relevanter Immunsuppression, zusätzlich zur Ursachenbehandlung.
Ein lokaler Abszess kann trotz fehlendem Fieber drainiert und zahnärztlich behandelt werden. Antibiotikawahl berücksichtigt Allergie, lokale Resistenzlage und Schwere. Breitspektrum ist nicht automatisch besser.
122 Schmerzmittel
Paracetamol oder Ibuprofen können je nach Alter, Gewicht, Dehydratation, Nieren-, Leber-, Magen- und Gerinnungssituation geeignet sein. Dosierung folgt verlässlicher kindermedizinischer Angabe. Kombinationspräparate bergen Doppelgabe.
Schmerzmittel werden planvoll kurzzeitig eingesetzt. Sie erlauben Schlaf und Trinken, ersetzen aber keine Behandlung. Opioide sind in der ambulanten Kinderzahnmedizin selten nötig und benötigen besondere Überwachung.
123 Was tun bei Schwellung?
Die Ausdehnung wird beobachtet, aber nicht kräftig gedrückt. Außen kann vorsichtig gekühlt werden. Wärme und Massage können Entzündungsausbreitung oder Beschwerden verstärken. Das Kind trinkt kleine Mengen, wenn Schlucken möglich ist.
Bei Zunahme, Fieber, Kieferklemme, Augenbeteiligung, Hals- oder Mundbodenschwellung erfolgt dringende Hilfe. Ein Foto unterstützt Verlauf, ersetzt Untersuchung nicht.
124 Zahnfistel
Ein kleines „Pickelchen“ am Zahnfleisch kann einen chronischen Abflussweg darstellen. Wenn Eiter abläuft, sinkt Druck und der Zahn tut weniger weh. Die Infektionsquelle bleibt.
Fistel nicht ausdrücken oder aufstechen. Der verursachende Zahn wird diagnostiziert und behandelt oder entfernt. Bei Milchzähnen wird Nähe zum bleibenden Keim berücksichtigt.
125 Schlechter Geschmack und Eiter
Plötzlicher schlechter Geschmack kann durch entleerte Fistel, Zahnfleischtasche oder andere Ursache entstehen. Mundspülung verdeckt das Problem nur vorübergehend. Zusammen mit Schmerz, Schwellung oder Fieber ist eine rasche Untersuchung angezeigt.
126 Wenn eine Füllung Herausfällt
Der Termin erfolgt zeitnah. Der Zahn wird sauber gehalten, harte klebrige Nahrung auf dieser Seite vermieden. Scharfe Kanten können mit zahnärztlichem Wachs vorübergehend abgedeckt werden, ohne Material tief in die Kavität zu drücken.
Schmerz, Schwellung oder freiliegende Pulpa erhöhen Dringlichkeit. Haushaltskleber und frei verkäufliche Reparaturmassen sind ungeeignet.
127 Wenn eine Stahlkrone Locker ist
Eine gelöste Krone wird aus dem Mund genommen, wenn Verschlucken oder Aspiration droht, aufbewahrt und mitgebracht. Sie wird nicht mit Klebstoff befestigt. Der Zahn kann rasch empfindlich werden oder Platz verändern.
Bei verschluckter Krone ohne Atemsymptome wird medizinisch beraten. Husten, Atemnot oder Verdacht auf Aspiration sind ein Notfall.
128 Nach einer Füllung
Taubheit wird abgewartet, bevor fest gekaut oder heiß gegessen wird. Leichte Empfindlichkeit kann vorübergehend sein. Anhaltender spontaner Schmerz, zunehmende Beschwerden, Schwellung oder ein deutlich zu hoher Biss werden kontrolliert.
Eine Füllung braucht weiterhin Putzen und Fluorid. Die Familie erfährt, ob Zahnseide sofort oder nach Materialaushärtung verwendet wird.
129 Nach einer Extraktion
Auf die Kompresse wird nach Anleitung gebissen. Häufiges Spülen und Saugen kann den Blutpfropf lösen. Weiche, nicht heiße Nahrung und Schonung sind anfangs sinnvoll.
Starke anhaltende Blutung, Kreislaufprobleme, zunehmende Schwellung, Fieber oder unbeherrschbarer Schmerz benötigen Rückmeldung. Bei Gerinnungsstörung gilt der individuelle Plan.
130 Nach Silberdiaminfluorid
Die behandelte Karies wird dunkel bis schwarz. Das ist erwartete Wirkung, nicht plötzliches „Verfaulen“. Schleimhautkontakt kann vorübergehend weißlich oder dunkel erscheinen.
Kontrolltermine prüfen Härte und Progression. Putzen und Ernährung bleiben nötig. Wenn Schmerz oder Schwellung entsteht, wird die Pulpa neu beurteilt.
131 Nach Fluoridlack
Die Zähne fühlen sich vorübergehend rau oder klebrig an und können gelblich wirken. Lack löst sich mit der Zeit. Essen, Trinken und Putzen richten sich nach Produktanweisung der Praxis.
Eine seltene allergische Reaktion mit Atem- oder Kreislaufzeichen ist ein Notfall. Lokale vorübergehende Irritation wird gemeldet.
Alle Kapitel dieses Ratgebers
- 1. Was Karies ist – und wie sie entsteht Abschnitt 1–4 · 4
- 2. Wo sie entsteht, Risiko und Schutz Abschnitt 5–7 · 3
- 3. Erkennen und untersuchen Abschnitt 8–12 · 5
- 4. Behandeln: von nichtoperativ bis Narkose Abschnitt 13–19 · 7
- 5. Zähneputzen und Fluorid Abschnitt 20–22 · 3
- 6. Ernährung, Nacht und Medikamente Abschnitt 23–25 · 3
- 7. Vorsorge in der Zahnarztpraxis Abschnitt 26–29 · 4
- 8. Nach Alter und besondere Gruppen Abschnitt 30–39 · 10
- 9. Kita, Schule, Sport und Werbung Abschnitt 40–43 · 4
- 10. Irrtümer und Alltagssituationen Abschnitt 44–57 · 14
- 11. Warum Karies entsteht: die Vertiefung Abschnitt 58–65 · 8
- 12. Wo genau – und was daraus werden kann Abschnitt 66–76 · 11
- 13. Putzen, wenn es schwierig ist Abschnitt 77–83 · 7
- 14. Ernährung im Alltag Abschnitt 84–89 · 6
- 15. Erkrankungen, Kosten und Material Abschnitt 90–101 · 12
- 16. Fluorid im Detail Abschnitt 102–107 · 6
- 17. Die Behandlungsverfahren genauer Abschnitt 108–120 · 13
- 18. Nach der Behandlung Abschnitt 121–131 · 11
- 19. Diagnostik genauer betrachtet Abschnitt 132–140 · 9
- 20. Häufige Fragen Abschnitt 141–153 · 13
- 21. Versorgungspfade und Fallbeispiele Abschnitt 154–175 · 22
- 22. Das Gespräch und die Präventionspläne Abschnitt 176–186 · 11
- 23. System, Produkte und Mythen Abschnitt 187–220 · 34
- 24. Checklisten, Einordnung, Glossar und Quellen Abschnitt 221–234 · 14
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