Vegane Ernährung macht nicht automatisch einen Vitamin-D-Mangel – aber sie erfordert Planung, und Kalzium ist dabei oft die größere Lücke. Was bei vegetarischer Kost, extrem wählerischem Essen, Essstörungen und Diäten, die ganze Lebensmittelgruppen weglassen, gilt – und die Fragen zur Ernährung in fünf Minuten.

  • Abschnitt 344 bis 352 von 578
  • Stand: 18. September 2026
  • zur Übersicht
Wichtiger Hinweis

Dieser Ratgeber ist ein Nachschlagewerk zur Studienlage und ersetzt keine Untersuchung und keine individuelle Therapieentscheidung. Er fasst zusammen, was internationale Leitlinien, und Übersichtsarbeiten zu Vitamin D im Kindes- und Jugendalter zeigen – und ebenso ehrlich, wo die Belege dünn sind. Welche Dosis, welcher Zielwert und welche Kontrolle für Ihr Kind passt, hängt von Alter, Ernährung, Vorerkrankungen, Medikamenten und Jahreszeit ab und gehört in ein Gespräch in der Ordination.

Einige Zeichen gehören nicht in den Abwartemodus, sondern zeitnah in ärztliche Hände. Bei Säuglingen: Krampfanfälle, ausgeprägte Reizbarkeit, schlaffer Muskeltonus, eine verzögerte motorische Entwicklung oder eine Gedeihstörung. Bei Kleinkindern: fortschreitende oder einseitige Beinachsenabweichungen, verbreiterte Handgelenke oder Knöchel, Muskelschwäche und verzögertes Laufenlernen. Bei Jugendlichen: diffuse Knochenschmerzen, Muskelschwäche, Belastungsbeschwerden oder Frakturen ohne passende Ursache. Und bei jedem Kind, das Vitamin D einnimmt: Appetitverlust, Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Bauchschmerz, auffälliger Durst mit häufigem Wasserlassen, Austrocknung, Muskelschwäche, Müdigkeit oder Verhaltensänderungen – das sind mögliche Zeichen einer Überdosierung mit erhöhtem Kalziumspiegel, besonders nach Verwechslung hochkonzentrierter Präparate oder wiederholten hochdosierten Einzelgaben.

Der Text beruht auf einer fachlichen Evidenzsynthese und wurde für Eltern in Alltagssprache übertragen – Satz für Satz, ohne Aussagen wegzulassen oder abzuschwächen. Fachwörter, die in der Ordination fallen, stehen weiterhin da, jeweils mit einer kurzen Erklärung; statistische Kennzahlen lassen sich anklicken. Alle Zahlen sind mit ihrer Quelle genannt; die 91 Kernquellen stehen im Studienatlas und in der Quellenliste am Ende.

344 Vitamin D ist selten ein isoliertes Ernährungsproblem

Bei Kindern mit restriktiver Ernährung, also einer stark eingeschränkten Auswahl an Lebensmitteln, liegt es nahe, einen erniedrigten Vitamin-D-Blutwert 25(OH)D als einzelnen Mangel zu behandeln. Für Beurteilung und Behandlung ist es aber meist wichtiger, die Ernährung als Ganzes zu verstehen. Ein Vitamin-D-Mangel kann zusammen mit anderen Lücken bestehen: mit einer niedrigen Kalziumzufuhr, mit zu wenig Energie und Eiweiß (Protein), mit einem Mangel an Eisen, Vitamin B12, Folat, Zink oder Vitamin A und – je nach Diät – mit einer sehr geringen Zufuhr gleich mehrerer Mikronährstoffe, also Vitamine und Mineralstoffe, die der Körper nur in kleinen Mengen braucht. Wird dann nur das Vitamin D ausgeglichen, normalisiert das weder die Belastbarkeit der Knochen noch Wachstum, Muskelmasse oder die Entwicklung in der Pubertät.

Das Risiko wird besonders hoch, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen: eine ausschließlich oder überwiegend pflanzliche Kost ohne angereicherte Produkte (Lebensmittel mit zugesetzten Nährstoffen), das Weglassen von Milchprodukten ohne passenden Ersatz, eine sehr selektive Ernährung bei ARFID, einer Essstörung, bei der Kinder viele Lebensmittel meiden, das eingeschränkte Essen bei Magersucht (anorektische Restriktion), dauerhafte Auslassdiäten wegen Allergien (chronische Eliminationsdiäten), starkes Übergewicht (Adipositas) trotz geringer Mikronährstoffdichte des Essens – viel Energie, aber wenig Vitamine und Mineralstoffe, wenig Aufenthalt im Freien und eine fehlende Gabe von Vitamin-D-Präparaten (Supplementation).

345 Vegane Ernährung

Die ESPGHAN, die europäische Fachgesellschaft für Magen-Darm-, Leber- und Ernährungsmedizin bei Kindern, hat 2025 eine Stellungnahme (Position) zu veganer Ernährung bei Säuglingen, Kindern und Jugendlichen veröffentlicht. Sie bewertet eine vegane Ernährung nicht pauschal als unmöglich, betont aber, dass sie sorgfältig geplant werden muss und dass Nährstoffe über Präparate ergänzt werden müssen (Supplementation). Vitamin D wird darin ausdrücklich als Nährstoff genannt, bei dem eine altersgerechte Gabe eines Präparats erwogen werden soll. Der Grund: Vegane Ernährung gilt von der Geburt bis 18 Jahre als Risikofaktor für eine Unterversorgung. Gleichzeitig hebt die Stellungnahme Kalzium hervor. Reicht die Kalziumzufuhr nicht aus, sollen angereicherte Lebensmittel oder Drinks, also Produkte mit zugesetztem Kalzium, oder gegebenenfalls Kalziumpräparate (Kalziumsupplemente) eingesetzt werden.

Diese Empfehlungen sind aus Sicht der Körperfunktionen gut nachvollziehbar (physiologisch plausibel). Natürliche Nahrungsquellen für Vitamin D sind ohnehin begrenzt, und viele der traditionell wichtigen Quellen stammen von Tieren. Pflanzliche Drinks können einen wichtigen Beitrag leisten, wenn sie zuverlässig mit Vitamin D und Kalzium angereichert sind. Die Produkte unterscheiden sich jedoch erheblich. Ein Etikett „pflanzlich“ sagt nichts darüber aus, wie viele Vitamine und Mineralstoffe (Mikronährstoffe) das Produkt enthält. Im Gespräch über die Ernährung (Anamnese) sollte deshalb konkret nach Marke, Menge, Anreicherung und danach gefragt werden, wie viel das Kind tatsächlich am Tag davon aufnimmt.

Bei Säuglingen ist eine selbst hergestellte pflanzliche „Milch“ kein Ersatz für Muttermilch oder eine geeignete Säuglingsnahrung. Sobald Beikost dazukommt, muss die vorbeugende Vitamin-D-Gabe (Vitamin-D-Prophylaxe) genauso konsequent erfolgen wie bei einer Ernährung mit Fleisch und tierischen Produkten (omnivore Ernährung). Der Blick auf Vitamin D darf nicht von Vitamin B12 ablenken. Vitamin B12 muss bei veganer Ernährung in jedem Fall über ein Präparat ergänzt werden (obligate Supplementation). Für die Knochengesundheit sind außerdem Kalzium, Eiweiß (Protein), Energie, körperliche Aktivität und eine normale Entwicklung in der Pubertät von Bedeutung.

346 Vegetarische Ernährung

Vegetarische Kost ist mit Blick auf Vitamin D sehr uneinheitlich (heterogen). Kinder, die vegetarisch essen, aber Eier und Milchprodukte zu sich nehmen (ovo-lakto-vegetarisch), können über angereicherte Milchprodukte, Eier und Präparate (Supplemente) eine ausreichende Zufuhr erreichen. Versorgt sind sie damit aber nicht automatisch. In Ländern, in denen Lebensmitteln nicht konsequent Vitamin D zugesetzt wird (Fortifikation), kann selbst eine ausgewogene vegetarische Ernährung nur geringe Vitamin-D-Mengen liefern. Deshalb gelten die nationalen Empfehlungen zur Vorbeugung (prophylaktische Empfehlungen) unabhängig davon, ob ein Kind Fleisch isst.

Ist der Vitamin-D-Blutwert 25(OH)D niedrig, sollte nicht allein die Ernährungsform als Ursache angenommen werden. Jahreszeit, Aufenthalt in der Sonne (Sonnenexposition), starkes Übergewicht (Adipositas), die Pigmentierung der Haut, also wie dunkel sie ist, chronische Erkrankungen und die Frage, ob ein Präparat tatsächlich regelmäßig eingenommen wird (Adhärenz zur Supplementation), müssen mit berücksichtigt werden. Umgekehrt gilt: Bei sehr niedriger Kalziumzufuhr – etwa wenn Milchprodukte komplett gemieden werden und keine angereicherten Alternativen an ihre Stelle treten – sollte eine kalzipenische Rachitis erwogen werden, also eine Störung des Knochenaufbaus im Wachstum, die vor allem durch Kalziummangel entsteht. Das gilt auch dann, wenn der Vitamin-D-Wert nur mäßig erniedrigt ist.

347 ARFID: wenn Kinder nur sehr wenige Lebensmittel essen

ARFID, eine Essstörung, bei der Kinder viele Lebensmittel meiden, kann bei der Abklärung des Vitamin-D-Status in der Kinderheilkunde leicht übersehen werden, weil Körpergewicht und BMI (das Verhältnis von Gewicht zu Körpergröße) nicht immer dramatisch niedrig sind. Eine 2024 veröffentlichte systematische Übersicht, also eine geordnete Zusammenstellung aller Studien zu einer Frage, untersuchte körperliche Komplikationen bei ARFID. Sie fand zahlreiche Berichte über Mangelzustände bei Mikronährstoffen, also bei Vitaminen und Mineralstoffen. In den ausgewerteten Arbeiten erreichten viele Betroffene die empfohlenen Zufuhrmengen mehrerer Mikronährstoffe nicht. Fallberichte beschrieben unter anderem schwere Osteoporose (Knochenschwund) und Rachitis, eine Störung des Knochenaufbaus im Wachstum, durch Vitamin-D-Mangel beziehungsweise durch mehrere Mängel zugleich (kombinierte Defizite).

Das entscheidende Zeichen ist nicht das wählerische Essen („Picky Eating“) an sich, sondern die funktionelle Enge des Spektrums, also wie schmal die Lebensmittelauswahl tatsächlich ist. Es geht darum, ob das Kind überhaupt Lebensmittel isst, die nennenswert Kalzium liefern; ob es angereicherte Produkte zu sich nimmt; wie viele Lebensmittelgruppen komplett ausgeschlossen sind; ob Abneigungen gegen bestimmte Konsistenzen, Gerüche oder Geschmäcker (sensorische Aversionen), Angst vor Erbrechen oder Verschlucken oder ein geringes Interesse am Essen bestehen; und ob es einen Knick in der Gewichts- oder Längen- beziehungsweise Größenkurve (Perzentilenknick) gibt, Müdigkeit, Muskelschwäche, Knochenschmerzen, Knochenbrüche (Frakturen) oder eine verzögerte Pubertät.

Bei schwerer Selektivität sollte die Laboruntersuchung je nach Fragestellung (indikationsbezogen) breiter angelegt werden als nur auf den Vitamin-D-Blutwert 25(OH)D. Abhängig von Beschwerden, Befund (Klinik) und Ernährung können das Blutbild, Ferritin (der Eisenspeicherwert), Vitamin B12, Folat, Zink, Kalzium, Phosphat, Magnesium, ALP (alkalische Phosphatase, ein Enzym aus Knochen und Leber), PTH (Parathormon, ein Hormon der Nebenschilddrüsen, das den Kalziumspiegel im Blut hochhält) und weitere Werte sinnvoll sein. Die Behandlung erfordert häufig Ernährungsmedizin, Psychologie oder Verhaltenstherapie und bei Bedarf die Magen-Darm-Heilkunde (Gastroenterologie) oder die Kinder- und Jugendpsychiatrie. Vitamin D ist ein Teil der Korrektur, nicht die gesamte Behandlung.

348 Magersucht und andere Essstörungen mit eingeschränktem Essen

Bei Anorexia nervosa (Magersucht) wird das Knochenproblem in erster Linie durch folgende Faktoren bestimmt: durch die Energie, die dem Körper tatsächlich zur Verfügung steht (Energieverfügbarkeit), durch einen Mangel an Geschlechtshormonen (Hypogonadismus), durch eine verminderte Aktivität des Wachstumsfaktors IGF-1 (reduzierte IGF-1-Achse), durch eine geringe Muskelmasse und durch einen veränderten Knochenumbau. Die Zufuhr von Vitamin D und Kalzium ist dennoch wichtig, weil sich ein zusätzlicher Mangel (Defizienz) vermeiden lässt. Ein normaler Vitamin-D-Blutwert 25(OH)D schließt jedoch eine verminderte Knochendichte (Knochenmineraldichte) nicht aus. Umgekehrt repariert die Gabe von Vitamin-D-Präparaten (Supplementation) allein nicht die hormonellen (endokrinen) Folgen einer lang anhaltenden (chronischen) Unterernährung.

Das praktische Ziel ist deshalb eine umfassende Behandlung der Essstörung. Dazu gehören der Wiederaufbau des Gewichts (Gewichtsrehabilitation) und die Wiederherstellung einer angemessenen Energieverfügbarkeit. Vitamin D und Kalzium sollten dabei entsprechend dem Ernährungszustand und den nationalen Empfehlungen sichergestellt werden. Bei Knochenbrüchen (Frakturen), einem ausgeprägten Ausbleiben der Regelblutung (Amenorrhö), einem langen Krankheitsverlauf oder anderen Risikofaktoren kann eine Beurteilung durch eine auf Knochenerkrankungen spezialisierte Fachrichtung (knochenmedizinische Beurteilung) erforderlich sein.

349 Auslassdiäten bei Nahrungsmittelallergien

Kinder mit einer Allergie gegen Kuhmilcheiweiß (Kuhmilchproteinallergie), mit mehreren Nahrungsmittelallergien oder mit langfristigen Auslassdiäten (Eliminationsdiäten, bei denen bestimmte Lebensmittel ganz weggelassen werden) können zu wenig Kalzium und Vitamin D aufnehmen. Das Risiko hängt stark davon ab, welches Ersatzprodukt verwendet wird. Spezialnahrungen für Säuglinge unterliegen in der Regel gesetzlichen Vorgaben und sind mit Vitaminen und Mineralstoffen (Mikronährstoffen) angereichert. Nach dem Wechsel auf andere Getränke oder auf stark auf das einzelne Kind zugeschnittene (individualisierte) Diäten kann die Versorgung deutlich stärker schwanken.

Im Gespräch über die Ernährung (Anamnese) sollte nicht nur „milchfrei“ festgehalten, sondern abgeschätzt werden, wie viel Kalzium das Kind tatsächlich pro Tag aufnimmt. Bei großem Risiko ist eine Beratung durch eine Diätologin oder einen Diätologen oft zielführender (effizienter) als wiederholte Laborkontrollen, ohne dass sich an der Ernährung etwas ändert. Die Gabe eines Präparats (Supplementation) darf nicht verschleiern, dass die Grundernährung nicht ausreicht.

350 Starkes Übergewicht und Nährstoffqualität des Essens

Starkes Übergewicht (Adipositas) schützt nicht vor einem Mangel an Mikronährstoffen, also an Vitaminen und Mineralstoffen. Kinder können deutlich mehr Energie aufnehmen, als sie verbrauchen, und zugleich enthält ihr Essen nur wenig Vitamin D, Kalzium und andere Mikronährstoffe (geringe Mikronährstoffdichte). Zusätzlich ist der Vitamin-D-Blutwert 25(OH)D bei Adipositas im Durchschnitt niedriger. Das kann mit der Verteilung von Vitamin D auf mehr Körpergewebe (Verteilungsvolumen), mit dem Lebensstil und mit weiteren Faktoren zusammenhängen. Der niedrige Wert sollte jedoch nicht automatisch als eigenständige Erkrankung verstanden werden.

Ist ein Vitamin-D-Mangel nachgewiesen, kann eine höhere Dosis erforderlich sein als bei normalgewichtigen Kindern. Das hängt von der jeweiligen Leitlinie und vom Schweregrad ab. Anschließend sollte die Behandlung danach beurteilt werden, ob das Präparat tatsächlich regelmäßig eingenommen wurde (Adhärenz) und – wenn eine Kontrolle klar angezeigt ist (klare Indikation) – wie der Laborwert darauf angesprochen hat (Laborantwort). Vitamin D selbst ist keine Behandlung zum Abnehmen (Gewichtsreduktionstherapie). Randomisierte kontrollierte Studien (RCTs), bei denen das Los entscheidet, wer Vitamin D bekommt, zeigen keinen verlässlichen Effekt auf den BMI oder das Körperfett.

351 Mangelernährung weltweit

In Regionen, in denen Nahrung nicht sicher verfügbar ist (Ernährungsunsicherheit), kann Rachitis, eine Störung des Knochenaufbaus im Wachstum, durch das Zusammenwirken mehrerer Faktoren entstehen: Vitamin-D-Mangel, niedrige Kalziumzufuhr, eine wenig abwechslungsreiche Ernährung (geringe Diversität), Infektionen und Wachstumsprobleme. Die (RCTs) zu Rachitis aus Nigeria, bei denen das Los über die Behandlung entschied, sind deshalb besonders lehrreich. In einer Bevölkerung mit kalziumarmer Ernährung schnitten Behandlungen, die Kalzium enthielten, besser ab als Vitamin D allein. Dieser Befund lässt sich nicht auf jedes Kind übertragen. Er zeigt aber, warum eine weltweite Strategie gegen Rachitis Kalzium und Vitamin D gemeinsam betrachten muss.

Maßnahmen für die Gesundheit der Bevölkerung (Public Health) können aus mehreren Bausteinen bestehen: aus der Gabe von Präparaten an Säuglinge (Säuglingssupplementation), aus dem gezielten Zusetzen von Nährstoffen zu Lebensmitteln (Fortifikation), aus einer besseren Kalziumzufuhr, aus Ernährungsberatung und aus Programmen für Risikogruppen. Welche Strategie die beste ist, hängt davon ab, ob das Hauptproblem eine niedrige Vitamin-D-Zufuhr, fehlende UVB-Strahlung der Sonne (UVB-Exposition), eine geringe Kalziumaufnahme oder eine Kombination davon ist.

352 Was in fünf Minuten zur Ernährung gefragt wird

Für die Frage nach Vitamin D und Knochen führen wenige genaue Fragen oft weiter als ein langes, allgemein gehaltenes Gespräch über die Ernährung (Anamnese). Gefragt wird dann, welche Milch beziehungsweise welchen Pflanzendrink das Kind trinkt und wie viel davon; ob dieses Produkt mit Kalzium und Vitamin D angereichert ist; ob ein Vitamin-D-Präparat gegeben wird, welches, wie viele Tropfen oder Tabletten und wie häufig das tatsächlich geschieht; welche Lebensmittelgruppen komplett gemieden werden; ob Fisch, Eier oder angereicherte Produkte auf dem Speiseplan stehen; ob anhaltender Durchfall (chronische Diarrhö), Fettstühle (Stuhl, der wegen unverdauten Fetts glänzt) oder Bauchbeschwerden bestehen; wie oft das Kind draußen ist; und ob es einen Wachstumsknick, Knochenschmerzen oder Knochenbrüche (Frakturen) gibt.

Bei Säuglingen kommen weitere Punkte hinzu: ob und wie viel gestillt wird (Stillstatus), wie viel Säuglingsnahrung (Formula) das Kind bekommt sowie wann die vorbeugende Vitamin-D-Gabe (Vitamin-D-Prophylaxe) begonnen wurde und wie sie durchgeführt wird. Bei Jugendlichen sollten Fragen nach Anzeichen einer Essstörung, nach der Belastung durch Sport, nach der Regelblutung (Menstruationsstatus) und nach dem Gewichtsverlauf einfühlsam in das Gespräch eingebunden werden.

Ernährungsanamnese (Fragen zur Ernährung) in fünf Minuten: Was Sie vor dem Termin wissen sollten

Für die Frage nach Vitamin D und Knochen führen wenige genaue Fragen oft weiter als ein langes, allgemein gehaltenes Gespräch über die Ernährung. Haken Sie ab, was Sie für Ihr Kind beantworten können.

Die Fragen entsprechen der Ernährungsanamnese dieses Abschnitts. Sie zielen nicht auf Vitamin D allein: Bei restriktiver Ernährung, also einer stark eingeschränkten Auswahl an Lebensmitteln, ist es für Beurteilung und Behandlung meist wichtiger, die Ernährung als Ganzes zu verstehen.

Alle Kapitel dieses Ratgebers

  1. 1. Grundlagen: Wie Vitamin D im Körper eines Kindes wirkt Abschnitt 1–16 · 16
  2. 2. Wie häufig ist ein Mangel? Zahlen aus aller Welt Abschnitt 17–32 · 16
  3. 3. Rachitis: erkennen, verhindern, behandeln Abschnitt 33–48 · 16
  4. 4. Wenn Vitamin D nicht das eigentliche Problem ist: erbliche Rachitisformen Abschnitt 49–59 · 11
  5. 5. Wachstum, Knochendichte und Frakturen Abschnitt 60–70 · 11
  6. 6. Frühgeborene Abschnitt 71–79 · 9
  7. 7. Atemwegsinfekte, Asthma und Allergie Abschnitt 80–103 · 24
  8. 8. Adipositas, Stoffwechsel und Diabetes Abschnitt 104–121 · 18
  9. 9. Darm und Leber: Zöliakie, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Malabsorption Abschnitt 122–138 · 17
  10. 10. Chronische Nierenkrankheit Abschnitt 139–146 · 8
  11. 11. Gehirn, Entwicklung und Psyche Abschnitt 147–164 · 18
  12. 12. Epilepsie und Medikamente Abschnitt 165–179 · 15
  13. 13. Intensivmedizin, Blut, Krebs und Rheuma Abschnitt 180–195 · 16
  14. 14. Zähne, Haut und weitere Krankheitsbilder Abschnitt 196–202 · 7
  15. 15. Schwangerschaft und Stillzeit Abschnitt 203–214 · 12
  16. 16. Sicherheit und Überdosierung Abschnitt 215–234 · 20
  17. 17. Leitlinien im Ländervergleich Abschnitt 235–257 · 23
  18. 18. Testen oder nicht? Screening und Laborindikation Abschnitt 258–265 · 8
  19. 19. Dosierung: täglich, wöchentlich, monatlich Abschnitt 266–288 · 23
  20. 20. Kalzium und Ernährung Abschnitt 289–296 · 8
  21. 21. Sonne, Jahreszeit und Haut Abschnitt 297–305 · 9
  22. 22. Labor: Messung, Einheiten und Fehlerquellen Abschnitt 306–327 · 22
  23. 23. Lebensmittelanreicherung und Public Health Abschnitt 328–343 · 16
  24. 24. Vegane und stark eingeschränkte Ernährung Abschnitt 344–352 · 9
  25. 25. Nach Alter: vom Neugeborenen bis zum Jugendlichen Abschnitt 353–362 · 10
  26. 26. Grenzwerte, Zielwerte und die Frage nach Ursache und Wirkung Abschnitt 363–372 · 10
  27. 27. Entscheidungswege Abschnitt 373–393 · 21
  28. 28. Fallbeispiele und typische Fallstricke Abschnitt 394–418 · 25
  29. 29. Fragen und Mythen Abschnitt 419–468 · 50
  30. 30. Das Gespräch in der Ordination Abschnitt 469–480 · 12
  31. 31. Was die Sprachräume zeigen Abschnitt 481–519 · 39
  32. 32. Studienatlas: die 91 Kernquellen im Überblick Abschnitt 520–520 · 1
  33. 33. Evidenzqualität und offene Forschungsfragen Abschnitt 521–551 · 31
  34. 34. Methodik und Glossar Abschnitt 552–578 · 27