1 µg sind 40 IE – und eine Dosis zur Vorbeugung ist etwas anderes als eine Dosis zur Behandlung. Warum tägliche Gaben die beste Datenlage haben, wann wöchentliche Gaben eine Alternative sind, was gegen Stoßtherapien (sehr hohe Einzelgaben) spricht und welche vier Dosierungsfragen nicht vermischt werden dürfen.

  • Abschnitt 266 bis 288 von 578
  • Stand: 18. September 2026
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Wichtiger Hinweis

Dieser Ratgeber ist ein Nachschlagewerk zur Studienlage und ersetzt keine Untersuchung und keine individuelle Therapieentscheidung. Er fasst zusammen, was internationale Leitlinien, und Übersichtsarbeiten zu Vitamin D im Kindes- und Jugendalter zeigen – und ebenso ehrlich, wo die Belege dünn sind. Welche Dosis, welcher Zielwert und welche Kontrolle für Ihr Kind passt, hängt von Alter, Ernährung, Vorerkrankungen, Medikamenten und Jahreszeit ab und gehört in ein Gespräch in der Ordination.

Einige Zeichen gehören nicht in den Abwartemodus, sondern zeitnah in ärztliche Hände. Bei Säuglingen: Krampfanfälle, ausgeprägte Reizbarkeit, schlaffer Muskeltonus, eine verzögerte motorische Entwicklung oder eine Gedeihstörung. Bei Kleinkindern: fortschreitende oder einseitige Beinachsenabweichungen, verbreiterte Handgelenke oder Knöchel, Muskelschwäche und verzögertes Laufenlernen. Bei Jugendlichen: diffuse Knochenschmerzen, Muskelschwäche, Belastungsbeschwerden oder Frakturen ohne passende Ursache. Und bei jedem Kind, das Vitamin D einnimmt: Appetitverlust, Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Bauchschmerz, auffälliger Durst mit häufigem Wasserlassen, Austrocknung, Muskelschwäche, Müdigkeit oder Verhaltensänderungen – das sind mögliche Zeichen einer Überdosierung mit erhöhtem Kalziumspiegel, besonders nach Verwechslung hochkonzentrierter Präparate oder wiederholten hochdosierten Einzelgaben.

Der Text beruht auf einer fachlichen Evidenzsynthese und wurde für Eltern in Alltagssprache übertragen – Satz für Satz, ohne Aussagen wegzulassen oder abzuschwächen. Fachwörter, die in der Ordination fallen, stehen weiterhin da, jeweils mit einer kurzen Erklärung; statistische Kennzahlen lassen sich anklicken. Alle Zahlen sind mit ihrer Quelle genannt; die 91 Kernquellen stehen im Studienatlas und in der Quellenliste am Ende.

266 Was IE und Mikrogramm bedeuten

1 µg Vitamin D entspricht 40 IE. Dabei steht µg für Mikrogramm und IE für Internationale Einheiten; beide geben die Menge an Vitamin D an. Damit entsprechen 10 µg 400 IE, 12,5 µg 500 IE, 20 µg 800 IE und 25 µg 1.000 IE. Diese Umrechnung sollte in jeder Tabelle für die ärztliche Praxis sichtbar sein, weil Präparate und Leitlinien beide Einheiten verwenden.

267 Vorbeugende Dosis oder Behandlungsdosis

Eine Präventionsdosis (vorbeugende Dosis) soll den täglichen Bedarf decken und einen Mangel verhindern. Eine Therapiedosis (Behandlungsdosis) soll einen bestehenden Mangel ausgleichen – in den Speichern des Körpers oder bereits in dessen Funktionen (Speicher- beziehungsweise Funktionsmangel). Deshalb ist sie höher. Nach einigen Wochen wird die Behandlungsphase in eine Erhaltungsphase überführt – dieser Wechsel wird verordnet und tritt nicht von selbst ein; in der Erhaltungsphase wird die Versorgung nur noch aufrechterhalten. Eine klassische Fehlerquelle ist es, eine hohe Korrekturdosis über Monate weiterzugeben, ohne die Werte zu kontrollieren.

268 Tägliche Gabe

Die tägliche Gabe kommt der natürlichen, gleichmäßigen Versorgung des Körpers (physiologischen kontinuierlichen Zufuhr) am nächsten. Sie ist bei der Vorbeugung im Säuglingsalter (Säuglingsprophylaxe) und bei vielen Mangeltherapien Standard. Vorteile sind die gleichmäßige Versorgung und die breite Erfahrung damit. Nachteil ist die Adhärenz, also das zuverlässige Einnehmen über lange Zeit.

269 Wöchentliche Gabe

Wöchentliche Einnahmeschemata (Regime) können dieselbe Gesamtmenge über die Zeit abbilden (kumulative Dosis). Sie wurden in großen (RCTs) eingesetzt, bei denen das Los entscheidet, wer Vitamin D bekommt. Die mongolische Studie verwendete 14.000 IE pro Woche, was im Mittel 2.000 IE pro Tag entspricht. Bei älteren Kindern, denen das tägliche Einnehmen schwerfällt (Adhärenzprobleme), kann die wöchentliche Gabe praktikabel sein, wenn das Schema klar verschrieben ist.

270 Monatliche Gabe und Gabe in größeren Abständen

Frankreich und Italien erlauben in bestimmten Altersgruppen und Situationen intermittierende Einnahmeschemata (Regime), also Gaben in größeren Abständen statt täglich. Sie können die Adhärenz, das zuverlässige Einnehmen, verbessern, führen aber zu stärkeren Schwankungen der Versorgung. Zur Vorbeugung einer Rachitis (Knochenerweichung im Wachstumsalter) kann die Wirksamkeit ausreichend sein. Für Wirkungen außerhalb des Skeletts (extraskelettale Endpunkte) ist eine Überlegenheit gegenüber der täglichen Gabe nicht belegt.

271 Stoß-Therapie: sehr große Einzeldosen

Sehr hohe Einzeldosen von 100.000 bis 600.000 IE, auf einmal gegeben (Stoß-Therapie), wurden zur Behandlung der Rachitis (Knochenerweichung) untersucht. Randomisierte kontrollierte Studien (RCTs), bei denen das Los die Dosis zuteilt, zeigen: Niedrigere Gesamtdosen sind häufig ähnlich wirksam wie sehr hohe. Die Stoß-Therapie kann bei erheblichen Einnahmeproblemen (Adhärenzproblem) sinnvoll sein. Wegen des Risikos eines zu hohen Blutkalziums (Hyperkalzämie), wegen Dosierungsfehlern und weil ein Zusatznutzen fehlt, sollte sie aber nicht reflexartig gewählt werden.

272 Starkes Übergewicht und höhere Dosen

Bei Adipositas (starkem Übergewicht) kann der Vitamin-D-Blutwert 25(OH)D pro IE geringer ansteigen. Manche Leitlinien verwenden deshalb höhere Korrekturdosen. Das Ziel bleibt, einen Mangel (Defizienz) zu beheben. Eine Dosissteigerung ohne gemessene Werte oder ein erkennbares Risiko, nur um das Körpergewicht zu behandeln, ist nicht sinnvoll.

273 Wenn der Darm zu wenig aufnimmt

Bei Zystischer Fibrose (CF, Mukoviszidose), Cholestase (Gallenstau), Kurzdarm oder anderen Zuständen mit Malabsorption, einer gestörten Nährstoffaufnahme im Darm, kann selbst eine hohe Dosis zum Einnehmen (orale Dosis) unzureichend wirken. Hier entscheidet der gemessene Verlauf. Zubereitungsform (Formulierung), Einnahme mit Nahrung und auf die Erkrankung abgestimmte Präparate können wichtig sein.

274 Praktische Sicherheitsregel

Jede Verordnung einer hohen Dosis sollte vier Elemente enthalten: Indikation – Gesamtdosis – Enddatum – Erhaltungsplan. Die Indikation ist der Behandlungsgrund, der Erhaltungsplan regelt, wie es danach weitergeht. Fehlt eines davon, steigt das Risiko, dass aus einer zeitlich begrenzten Therapie eine Dauertherapie wird.

Zum Vertiefen

275 Vier völlig unterschiedliche Dosierungsfragen

Fast alle gefährlichen Missverständnisse lassen sich vermeiden, wenn vor jeder Dosisentscheidung eine von vier Kategorien festgelegt wird:

  1. Primärprävention bei gesundem Kind
  2. Behandlung einer biochemischen Defizienz ohne Rachitis
  3. Behandlung einer manifesten Ernährungsrachitis
  4. krankheitsspezifische Therapie bei Malabsorption, CKD oder genetischer Störung

Primärprävention heißt Vorbeugung, eine biochemische Defizienz ein nur im Blutwert sichtbarer Mangel, eine manifeste Ernährungsrachitis eine erkennbare Knochenerweichung durch Mangelversorgung. Malabsorption ist eine gestörte Nährstoffaufnahme im Darm, CKD eine chronische Nierenkrankheit.

Eine Dosis kann in Kategorie 3 richtig und in Kategorie 1 völlig unangemessen sein. Zahlen dürfen daher nie ohne Indikation (Behandlungsgrund) genannt werden.

Welche der vier Dosierungsfragen ist gemeint?

Fast alle gefährlichen Missverständnisse lassen sich vermeiden, wenn vor jeder Dosisentscheidung eine von vier Kategorien festgelegt wird. Kategorie wählen – das Feld darunter zeigt, was der Ratgeber zu genau dieser Frage sagt. Es ist kein Dosisrechner: Eine Dosis kann in Kategorie 3 richtig und in Kategorie 1 völlig unangemessen sein.

1. Vorbeugung (Primärprävention) beim gesunden Kind

Im Säuglingsalter

International liegt die Größenordnung zur Vorbeugung (prophylaktische Dosis) bei reif geborenen Säuglingen meist um 400 IE/Tag, je nach Land 400–500 oder bis 800 IE. Deutschland empfiehlt 400–500 IE bis zum zweiten erlebten Frühsommer. Frankreich verwendet 400–800 IE/Tag, Italien 400 IE/Tag für reif geborene Säuglinge ohne Risikofaktoren.

Diese Unterschiede sind klein im Vergleich zu den Dosen, die zur Behandlung eines Mangels eingesetzt werden (therapeutische Dosen). Die zentrale Wirkung besteht darin, einen schweren Mangel (Defizienz) und eine Ernährungsrachitis zu verhindern – eine Störung des Knochenaufbaus im Wachstum durch zu wenig Vitamin D oder Kalzium.

Im Kindes- und Jugendalter

Hier unterscheiden sich die nationalen Strategien stärker. Frankreich empfiehlt relativ breit 400–800 IE/Tag; Italien ergänzt Vitamin D ab dem zweiten Lebensjahr eher bei Kindern mit Risikofaktoren (risikobasiert), mit etwa 600–1000 IE/Tag. Die DGE, die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, nennt bei fehlender endogener Synthese – also wenn der Körper in der Haut kein eigenes Vitamin D bildet – einen Schätzwert von 20 µg/800 IE pro Tag. Das bedeutet nicht, dass jedes Kind ein Präparat einnehmen muss (keine universelle Supplementpflicht).

Die Endocrine Society 2024, eine Fachgesellschaft für Hormonmedizin, schlägt für 1–18-Jährige eine empirische Vitamin-D-Zufuhr vor, also eine Gabe ohne vorherige Blutuntersuchung. Die zugrunde liegenden Studien untersuchten Atemwegserkrankungen (respiratorische Studien). Die dort verwendeten Dosen lagen, auf einen Tag umgerechnet (tägliche Äquivalenzdosen), grob zwischen 300 und 2000 IE. Diese Bandbreite aus Studien ist keine einzelne Empfehlung für eine Zieldosis.

Alle Angaben hängen vom Land und von der jeweiligen Leitlinie ab; welche für Ihr Kind gilt, klärt das Gespräch in der Ordination.

Die Grundregel: Die richtige Vitamin-D-Dosis ist keine feste Zahl. Sie ergibt sich aus dem Grund der Gabe (Indikation), dem Alter, der Ursache des Mangels, der Aufnahme im Darm (Resorption), der Gesamternährung, der Zuverlässigkeit der Einnahme (Adhärenz) und der Sicherheitsüberwachung. Zahlen dürfen daher nie ohne Indikation genannt werden.

276 Vorbeugung bei Säuglingen

International liegt die Größenordnung zur Vorbeugung (prophylaktische Dosis) bei reif geborenen Säuglingen meist um 400 IE/Tag, je nach Land 400–500 oder bis 800 IE. Deutschland empfiehlt 400–500 IE bis zum zweiten erlebten Frühsommer. Frankreich verwendet 400–800 IE/Tag, Italien 400 IE/Tag für reif geborene Säuglinge ohne Risikofaktoren.

Diese Unterschiede sind klein im Vergleich zu den Dosen, die zur Behandlung eines Mangels eingesetzt werden (therapeutische Dosen). Die zentrale Wirkung besteht darin, einen schweren Mangel (Defizienz) und eine Ernährungsrachitis zu verhindern, also eine Knochenerweichung durch Mangelversorgung.

277 Prävention im Kindes- und Jugendalter

Hier unterscheiden sich die nationalen Strategien stärker. Frankreich empfiehlt relativ breit 400–800 IE/Tag. Italien ergänzt Vitamin D ab dem zweiten Lebensjahr eher bei Kindern mit Risikofaktoren (risikobasiert), mit etwa 600–1000 IE/Tag. Die DGE, die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, nennt bei fehlender endogener Synthese – also wenn der Körper in der Haut kein eigenes Vitamin D bildet – einen Schätzwert von 20 µg/800 IE pro Tag. Das bedeutet nicht, dass jedes Kind ein Präparat einnehmen muss (keine universelle Supplementpflicht).

Die Endocrine Society 2024, eine Fachgesellschaft für Hormonmedizin, schlägt für 1–18-Jährige eine empirische Vitamin-D-Zufuhr vor, also eine Gabe ohne vorherige Blutuntersuchung. Die zugrunde liegenden Studien untersuchten Atemwegserkrankungen (respiratorische Studien). Die dort verwendeten Dosen lagen, auf einen Tag umgerechnet (tägliche Äquivalenzdosen), grob zwischen 300 und 2000 IE. Diese Bandbreite aus Studien ist keine einzelne Empfehlung für eine Zieldosis.

278 Mangel im Blutwert ohne Rachitis

Eine biochemische Defizienz ist ein Mangel, der sich nur im Blutwert zeigt, ohne Rachitis (Knochenerweichung). Die Behandlung hängt von Alter, Ausgangswert, Ursache, Körpergewicht, Adhärenz (dem zuverlässigen Einnehmen) und Leitlinie ab. Viele Behandlungsschemata (Protokolle) verwenden über Wochen deutlich höhere Dosen als zur Vorbeugung und gehen anschließend in eine Erhaltungsdosis über. Bei Adipositas (starkem Übergewicht), Malabsorption (gestörter Nährstoffaufnahme im Darm) oder Medikamenten, die Abbau-Enzyme in der Leber anregen (enzyminduzierende Medikamente), kann die erforderliche Dosis höher sein.

Entscheidend ist die Ursache. Wenn ein Kind unter einer Standardtherapie nicht die erwartbare Antwort der Laborwerte zeigt, wird die Dosis nicht unbegrenzt gesteigert (eskaliert). Stattdessen werden Adhärenz, Präparat, Aufnahme im Darm (Resorption), Diagnose und seltene Stoffwechselstörungen überprüft.

279 Ernährungsrachitis (Rachitis durch Vitamin-D- oder Kalziummangel)

Bei einer manifesten Rachitis, einer bereits erkennbaren Knochenerweichung, reicht es nicht, nur auf Cholecalciferol zu schauen, die übliche Form des Vitamin D. Internationale und deutsche Leitlinien kombinieren die Behandlung mit Vitamin D mit einer ausreichenden Kalziumzufuhr. Die Behandlung dauert typischerweise mehrere Wochen bis Monate. Danach folgt eine Erhaltung auf dem Niveau der Vorbeugung (prophylaktische Erhaltung).

Neuere , Auswertungen, die die Ergebnisse mehrerer Studien zusammenfassen, stützen, dass sehr hohe Gesamtdosen gegenüber niedrigeren Behandlungsschemata keinen klaren Vorteil bei der Heilung haben. Stoßregime, bei denen eine große Dosis auf einmal gegeben wird, können eine Rolle spielen, wenn das regelmäßige Einnehmen nicht gelingt (Adhärenzprobleme). Sie sind aber nicht grundsätzlich besser.

280 Frühgeborene

Frühgeborene erhalten höhere Gesamtzufuhren als reif geborene Säuglinge, häufig bis etwa 800–1000 IE/Tag je nach europäischem Protokoll. Die Gesamtzufuhr aus Fortifier, Formula und Supplement muss berechnet werden: Fortifier sind Zusätze zur Anreicherung der Muttermilch, Formula ist Säuglingsnahrung, Supplement das zusätzliche Präparat. Zugleich sind Kalzium und Phosphat für die metabolische Knochenerkrankung der Frühgeburtlichkeit mindestens ebenso wichtig – eine Knochenstoffwechselstörung Frühgeborener, bei der zu wenig Mineralien in die Knochen gelangen.

281 Zystische Fibrose (Mukoviszidose)

Bei Zystischer Fibrose (CF), im Alltag Mukoviszidose genannt, verwenden die Leitlinien höhere Dosen und ein Treat-to-target-Konzept: Die Dosis wird angepasst, bis ein festgelegter Zielwert im Blut erreicht ist. Denn die gestörte Fettaufnahme im Darm (Fettmalabsorption) und das Knochenrisiko verändern, wie Vitamin D im Körper wirkt (die Pharmakologie). Für Kinder >10 Jahre reichen die Stufenschemata (Eskalationsprotokolle) der Cystic Fibrosis Foundation bis in mehrere Tausend IE pro Tag, bei unzureichender Antwort mit fachärztlicher Betreuung.

Diese Zahlen gehören nicht in die Routinevorbeugung gesunder Jugendlicher.

282 Chronische Nierenkrankheit (CKD)

Bei chronischer Nierenkrankheit (CKD) dient natives (nicht aktiviertes) Vitamin D der Korrektur eines Mangels. Aktive Vitamin-D-Analoga (Medikamente, die wie das Hormon wirken) können je nach Parathormon (PTH, Nebenschilddrüsenhormon) und CKD-MBD-Situation, der Mineral- und Knochenstörung bei CKD, angezeigt sein. Eine Dosisentscheidung ohne Kalzium, Phosphat, PTH und Nierenfunktion ist nicht sinnvoll.

283 Erbliche Vitamin-D-abhängige Rachitis

Bei der erblichen VDDR1A bildet der Körper kein aktives Vitamin-D-Hormon; deshalb wird aktives Vitamin D benötigt. Bei VDR-Resistenz ist die Andockstelle (der Rezeptor) des Hormons gestört; hier können extreme Spezialregime samt hoher Kalziumzufuhr erforderlich sein. Diese Erkrankungen zeigen, warum „mehr Cholecalciferol“ (übliches Vitamin D) keine allgemeine Antwort auf Therapieversagen ist.

284 Starkes Übergewicht

Bei Adipositas (starkem Übergewicht) kann für die Korrektur eines niedrigen Vitamin-D-Blutwerts 25(OH)D eine höhere Dosis benötigt werden. Die Dosis wird jedoch wegen des Mangels (Defizienz) gewählt, nicht zur Behandlung der Adipositas. Nach der Korrektur sollte ein sinnvolles Erhaltungsschema (Erhaltungsregime) folgen, statt dauerhaft hohe Behandlungsdosen (therapeutische Hochdosen) zu verwenden.

285 Täglich oder in größeren Abständen

Die tägliche Gabe ist aus Sicht des Körpers (physiologisch) einfach und im Säuglingsalter Standard. Wöchentliche oder monatliche Schemata (intermittierende Regime, also Gaben in größeren Abständen) können bei älteren Kindern die Adhärenz verbessern, das zuverlässige Einnehmen, und werden in einigen nationalen Empfehlungen ausdrücklich angeboten. Sehr große Einzeldosen auf einmal (Einzelboli) sind stärker fehleranfällig und nicht für die Routinevorbeugung gedacht.

286 Wie Dosisfehler praktisch verhindert werden

Jede Verordnung sollte ausgeschrieben enthalten: den Wirkstoff, die IE pro Einzeldosis, die Häufigkeit, die Dauer, die Indikation (den Behandlungsgrund) und den Kontrollplan. Eine Angabe wie „5 Tropfen“ ohne die Konzentration – also ohne Angabe, wie viel Vitamin D ein Tropfen enthält – ist unsicher. Bei einem Wechsel des Produkts muss die IE/Tropfen-Zahl neu geprüft werden.

287 Wann die Dosis nicht weiter erhöht wird

Ein Stopp der Dosissteigerung (Eskalation) und eine neue diagnostische Bewertung sind angezeigt, wenn: die erwartete Antwort des Vitamin-D-Blutwerts 25(OH)D trotz dokumentierter Einnahme fehlt; die Rachitis-Laborwerte (Rachitisparameter) nicht fallen; zu viel Kalzium im Blut (Hyperkalzämie) oder Urin (Hyperkalzurie) auftritt; Phosphat anhaltend niedrig bleibt; die aktive Hormonform 1,25(OH)2D nicht zum Bild passt (unplausibel); oder die Krankheitszeichen nicht zu einer ernährungsbedingten Ursache (Ernährungsdiagnose) passen.

288 Grundregel

Die richtige Vitamin-D-Dosis ist keine feste Zahl. Sie ergibt sich aus dem Grund der Gabe (Indikation), dem Alter, der Ursache des Mangels, der Aufnahme im Darm (Resorption), der Gesamternährung, der Zuverlässigkeit der Einnahme (Adhärenz) und der Sicherheitsüberwachung.

Alle Kapitel dieses Ratgebers

  1. 1. Grundlagen: Wie Vitamin D im Körper eines Kindes wirkt Abschnitt 1–16 · 16
  2. 2. Wie häufig ist ein Mangel? Zahlen aus aller Welt Abschnitt 17–32 · 16
  3. 3. Rachitis: erkennen, verhindern, behandeln Abschnitt 33–48 · 16
  4. 4. Wenn Vitamin D nicht das eigentliche Problem ist: erbliche Rachitisformen Abschnitt 49–59 · 11
  5. 5. Wachstum, Knochendichte und Frakturen Abschnitt 60–70 · 11
  6. 6. Frühgeborene Abschnitt 71–79 · 9
  7. 7. Atemwegsinfekte, Asthma und Allergie Abschnitt 80–103 · 24
  8. 8. Adipositas, Stoffwechsel und Diabetes Abschnitt 104–121 · 18
  9. 9. Darm und Leber: Zöliakie, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Malabsorption Abschnitt 122–138 · 17
  10. 10. Chronische Nierenkrankheit Abschnitt 139–146 · 8
  11. 11. Gehirn, Entwicklung und Psyche Abschnitt 147–164 · 18
  12. 12. Epilepsie und Medikamente Abschnitt 165–179 · 15
  13. 13. Intensivmedizin, Blut, Krebs und Rheuma Abschnitt 180–195 · 16
  14. 14. Zähne, Haut und weitere Krankheitsbilder Abschnitt 196–202 · 7
  15. 15. Schwangerschaft und Stillzeit Abschnitt 203–214 · 12
  16. 16. Sicherheit und Überdosierung Abschnitt 215–234 · 20
  17. 17. Leitlinien im Ländervergleich Abschnitt 235–257 · 23
  18. 18. Testen oder nicht? Screening und Laborindikation Abschnitt 258–265 · 8
  19. 19. Dosierung: täglich, wöchentlich, monatlich Abschnitt 266–288 · 23
  20. 20. Kalzium und Ernährung Abschnitt 289–296 · 8
  21. 21. Sonne, Jahreszeit und Haut Abschnitt 297–305 · 9
  22. 22. Labor: Messung, Einheiten und Fehlerquellen Abschnitt 306–327 · 22
  23. 23. Lebensmittelanreicherung und Public Health Abschnitt 328–343 · 16
  24. 24. Vegane und stark eingeschränkte Ernährung Abschnitt 344–352 · 9
  25. 25. Nach Alter: vom Neugeborenen bis zum Jugendlichen Abschnitt 353–362 · 10
  26. 26. Grenzwerte, Zielwerte und die Frage nach Ursache und Wirkung Abschnitt 363–372 · 10
  27. 27. Entscheidungswege Abschnitt 373–393 · 21
  28. 28. Fallbeispiele und typische Fallstricke Abschnitt 394–418 · 25
  29. 29. Fragen und Mythen Abschnitt 419–468 · 50
  30. 30. Das Gespräch in der Ordination Abschnitt 469–480 · 12
  31. 31. Was die Sprachräume zeigen Abschnitt 481–519 · 39
  32. 32. Studienatlas: die 91 Kernquellen im Überblick Abschnitt 520–520 · 1
  33. 33. Evidenzqualität und offene Forschungsfragen Abschnitt 521–551 · 31
  34. 34. Methodik und Glossar Abschnitt 552–578 · 27