Wer Fett schlecht aufnimmt, nimmt auch Vitamin D schlecht auf. Bei Zöliakie, Morbus Crohn und Colitis ulcerosa (beides chronische Darmentzündungen), Mukoviszidose und Gallenstau ist ein Mangel deshalb häufig und für die Knochen relevant – ob Vitamin D die Darmerkrankung selbst beeinflusst, ist dagegen offen.

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  • Stand: 18. September 2026
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Wichtiger Hinweis

Dieser Ratgeber ist ein Nachschlagewerk zur Studienlage und ersetzt keine Untersuchung und keine individuelle Therapieentscheidung. Er fasst zusammen, was internationale Leitlinien, und Übersichtsarbeiten zu Vitamin D im Kindes- und Jugendalter zeigen – und ebenso ehrlich, wo die Belege dünn sind. Welche Dosis, welcher Zielwert und welche Kontrolle für Ihr Kind passt, hängt von Alter, Ernährung, Vorerkrankungen, Medikamenten und Jahreszeit ab und gehört in ein Gespräch in der Ordination.

Einige Zeichen gehören nicht in den Abwartemodus, sondern zeitnah in ärztliche Hände. Bei Säuglingen: Krampfanfälle, ausgeprägte Reizbarkeit, schlaffer Muskeltonus, eine verzögerte motorische Entwicklung oder eine Gedeihstörung. Bei Kleinkindern: fortschreitende oder einseitige Beinachsenabweichungen, verbreiterte Handgelenke oder Knöchel, Muskelschwäche und verzögertes Laufenlernen. Bei Jugendlichen: diffuse Knochenschmerzen, Muskelschwäche, Belastungsbeschwerden oder Frakturen ohne passende Ursache. Und bei jedem Kind, das Vitamin D einnimmt: Appetitverlust, Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Bauchschmerz, auffälliger Durst mit häufigem Wasserlassen, Austrocknung, Muskelschwäche, Müdigkeit oder Verhaltensänderungen – das sind mögliche Zeichen einer Überdosierung mit erhöhtem Kalziumspiegel, besonders nach Verwechslung hochkonzentrierter Präparate oder wiederholten hochdosierten Einzelgaben.

Der Text beruht auf einer fachlichen Evidenzsynthese und wurde für Eltern in Alltagssprache übertragen – Satz für Satz, ohne Aussagen wegzulassen oder abzuschwächen. Fachwörter, die in der Ordination fallen, stehen weiterhin da, jeweils mit einer kurzen Erklärung; statistische Kennzahlen lassen sich anklicken. Alle Zahlen sind mit ihrer Quelle genannt; die 91 Kernquellen stehen im Studienatlas und in der Quellenliste am Ende.

122 Warum Magen-Darm-Erkrankungen hier besonders wichtig sind

Vitamin D ist fettlöslich, der Körper nimmt es mit dem Nahrungsfett auf. Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts (gastrointestinale Erkrankungen) können die Vitamin-D-Versorgung deshalb unmittelbar beeinträchtigen: wenn der Darm Fett schlecht aufnimmt (Fettmalabsorption), wenn die aufnehmende Darmoberfläche (Resorptionsfläche) verkleinert ist, bei dauerhafter (chronischer) Entzündung oder bei sehr eingeschränkter (restriktiver) Ernährung. Zugleich wirken Entzündung, weniger körperliche Bewegung, eine Behandlung mit Kortison (Steroidtherapie) und Untergewicht auf die Knochengesundheit. In der Kinder-Magen-Darm-Heilkunde (pädiatrische Gastroenterologie) ist Vitamin D daher weniger eine unspezifische „Immuntherapie“ als ein Bestandteil der Ernährungs- und Knochenversorgung.

123 Zöliakie

Eine 2024 veröffentlichte , also eine rechnerische Zusammenfassung mehrerer Studien, wertete 26 Studien aus. Kinder mit Zöliakie, einer durch das Getreideeiweiß Gluten ausgelösten Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Dünndarmschleimhaut angreift, hatten im Mittel einen niedrigeren Vitamin-D-Blutwert 25(OH)D als Vergleichskinder (Kontrollen). Auch die Odds für einen Mangel (Defizienz), ein statistisches Maß für dessen Wahrscheinlichkeit, waren erhöht. Nach Beginn einer glutenfreien Ernährung stiegen die Werte in mehreren Studien an. Das ist biologisch gut erklärbar (pathophysiologisch plausibel): Unbehandelte Zöliakie kann die Nährstoffaufnahme stören (Malabsorption); heilt die Darmschleimhaut (mukosale Heilung), verbessert sich die Aufnahme.

Bei neu festgestellter Zöliakie sollte die gesamte Knochen- und Nährstoffsituation berücksichtigt werden: Vitamin D, Kalzium und gegebenenfalls weitere Vitamine und Mineralstoffe (Mikronährstoffe). Ein niedriger Wert ist aber kein Beleg, dass Vitamin D die Autoimmunerkrankung des Darms selbst (autoimmune Enteropathie) behandelt. Die Behandlung der Ursache (kausale Therapie) bleibt die strikt glutenfreie Ernährung.

124 Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (englisch abgekürzt IBD). Kinder mit IBD haben ein erhöhtes Risiko für niedrige Vitamin-D-Werte. Gründe sind die Entzündung, eine geringere Zufuhr über die Nahrung, eine gestörte Nährstoffaufnahme im Darm (Malabsorption), wenig Aufenthalt im Freien, eine Kortisonbehandlung (Steroidexposition) und bei Morbus Crohn teilweise eine Beteiligung des Dünndarms. Wachstum und die Einlagerung von Mineralien in die Knochen (Knochenmineralisierung) sind ohnehin gefährdet.

Eine von 2022, also eine rechnerische Zusammenfassung mehrerer Studien zur Vitamin-D-Gabe bei IBD, berichtete: Die Gabe von Präparaten (Supplementation) hebt den Vitamin-D-Blutwert 25(OH)D erwartungsgemäß an und kann in den zusammengefassten (gepoolten) Auswertungen auch die Entzündungswerte CRP und ESR (Blutsenkung) verbessern. Was das für den Krankheitsverlauf bedeutet (klinische Bedeutung), ist unklar, weil die Gruppen sehr unterschiedlich (heterogen) und die Studien klein waren. Eine (RCT) mit Kindern, bei der das Los entscheidet, wer Vitamin D bekommt, erschien 2021; ungefähr 100 Teilnehmende schlossen sie ab. Sie untersuchte 2.000 IE täglich über sechs Monate und berichtete Verbesserungen von Krankheitsaktivität, Lebensqualität und Entzündungswerten (Entzündungsmarkern).

Neuere Studien vergleichen bei Kindern mit IBD und Vitamin-D-Mangel (defizienten Kindern) die tägliche Gabe mit Stoß-Regimen, also wenigen großen Dosen. Solche Arbeiten betreffen vor allem die Frage, wie sich ein Mangel (Defizienz) wirksam ausgleichen lässt. Ob Vitamin D unabhängig vom Mangel den Verlauf der IBD selbst verändert (krankheitsmodifizierende Therapie), bleibt unbewiesen.

125 Knochen bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen

Eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung (IBD) im Kindes- und Jugendalter fällt in die entscheidende Phase, in der der Körper seine größte Knochenmasse aufbaut (Peak-Bone-Mass-Akkretion). Neben Vitamin D sind Wachstum, verzögerte Pubertät, Muskelmasse, Kortisondosis (Steroiddosis), Entzündung und Kalziumzufuhr entscheidend. Wird nur der Vitamin-D-Blutwert 25(OH)D normalisiert, kann das die Folgen einer dauerhaft aktiven (chronisch aktiven) Entzündung nicht vollständig ausgleichen.

126 Zystische Fibrose: wenn der Darm Fett schlecht aufnimmt

Bei einer exokrinen Pankreasinsuffizienz bildet die Bauchspeicheldrüse zu wenig Verdauungsenzyme; der Darm nimmt fettlösliche Vitamine dann nur eingeschränkt auf. Leitlinien für die zystische Fibrose (CF, auch Mukoviszidose) empfehlen daher Laborkontrollen (Monitoring) und die Gabe von Vitamin-D-Präparaten (Supplementation). Eine 2024 veröffentlichte , also eine rechnerische Zusammenfassung mehrerer Studien, fand bei Kindern mit CF niedrigere Vitamin-D-Werte als bei Vergleichskindern (Kontrollen); etwa 27 % lagen unter 20 ng/ml, ein weiterer erheblicher Anteil zwischen 20 und 30 ng/ml.

Eine Meta-Analyse von acht (RCTs), bei denen das Los entscheidet, wer Vitamin D bekommt, zeigte: Höhere Dosen heben den Vitamin-D-Blutwert 25(OH)D an, belegen aber keine einheitlichen (konsistenten) Verbesserungen spürbarer Zielgrößen (klinischer Endpunkte) wie Lungenfunktion, Knochen- oder Immunwerte. Eine weitere systematische Übersicht, eine geordnete Zusammenstellung aller Studien zu einer Frage, fand einen Zusammenhang (Assoziation) zwischen ausreichendem Vitamin-D-Status und höherem FEV1, einem Messwert der Lungenfunktion. Doch auch hier kann umgekehrt die Krankheitsschwere den Vitamin-D-Status beeinflussen. Praktisch bleibt das Ziel, einen Mangel (Defizienz) zu vermeiden und die Knochen zu schützen, nicht Vitamin D als Medikament für die Lunge (pulmonales Arzneimittel) einzusetzen.

127 Cholestase (Gallenstau)

Cholestase bedeutet, dass die Galle nicht richtig aus der Leber in den Darm abfließt. Lebererkrankungen mit Cholestase verursachen eine besonders ausgeprägte Aufnahmestörung (Malabsorption) der fettlöslichen Vitamine A, D, E und K. Eine von 2023, eine orientierende Literaturübersicht über den Forschungsstand, sichtete 826 Arbeiten und nahm 48 relevante Studien zu fettlöslichen Vitaminen bei Cholestase im Kindesalter auf. Die Autorinnen und Autoren betonten das hohe Risiko für einen Mangel (Defizienz) und dass die Dosierungsschemata (Supplementationsregime) nicht vollständig vereinheitlicht sind.

Bei der biliären Atresie, einem angeborenen Verschluss der Gallenwege, und anderen Erkrankungen mit Cholestase können Standarddosen unzureichend sein. Laborkontrollen (Monitoring) müssen regelmäßig und auf die Erkrankung abgestimmt erfolgen. Zugleich kann eine fortbestehende Cholestase die Aufnahme von Präparaten, die über den Mund eingenommen werden (orale Präparate), begrenzen. Zubereitungsform (Formulierung) und Dosierung müssen mit dem Leber-Fachteam (hepatologisches Team) abgestimmt werden.

128 Kurzdarm und andere Aufnahmestörungen des Darms

Bei Kurzdarm (ein großer Teil des Darms fehlt), dauerhafter (chronischer) Erkrankung der Bauchspeicheldrüse (Pankreaserkrankung) oder ausgeprägt schlechter Fettaufnahme (Fettmalabsorption) kann die Aufnahme von Vitamin D über den Darm (orale Resorption) stark schwanken. Ein üblicher Standardplan ist dann weniger zuverlässig als eine Therapie nach Laborwerten und Befinden (labor- und klinikgesteuert). Ernährung über die Vene (parenterale Ernährung) enthält festgelegte Vitaminmengen; beim Übergang zur Ernährung über den Darm (enterale Ernährung) muss die Gesamtzufuhr neu berechnet werden.

129 Stark eingeschränkte Ernährung

Kinder mit sehr wählerischem (selektivem) Essverhalten, mit ARFID, einer Essstörung, bei der Kinder viele Lebensmittel meiden, mit mehreren Nahrungsmittelallergien oder veganer Ernährung können einen Mangel an Vitamin D und Kalzium entwickeln. Fälle von Rachitis, einer Störung des Knochenaufbaus im Wachstum, aus Japan und Europa zeigen, dass eine ausgeprägte Einschränkung (Restriktion) gesundheitlich bedeutsam bleibt. Das Risiko ist am höchsten, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen: kein Präparat (Supplement), wenig angereicherte Lebensmittel (mit zugesetztem Vitamin D), geringe Kalziumzufuhr und wenig Sonne (geringe Sonnenexposition).

130 Fazit zu Magen-Darm-Erkrankungen

  • Zöliakie und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (IBD) sind klare Risikosituationen für niedrige Vitamin-D-Werte und eine beeinträchtigte Knochengesundheit.
  • Im Mittelpunkt stehen die Behandlung der Grunderkrankung und der Ausgleich des Mangels.
  • Bei IBD sind zusätzliche entzündungshemmende (antiinflammatorische) Wirkungen möglich, aber nicht ausreichend gesichert, um die Standardtherapie zu ersetzen.
  • Zystische Fibrose (CF) und Cholestase (Gallenstau) brauchen auf die Erkrankung zugeschnittene Regeln für Vitamingabe und Laborkontrollen (krankheitsspezifische Supplementations- und Monitoringprotokolle).
  • Restriktive Ernährung verlangt, dass genau erfragt wird, wie viel Kalzium und Vitamin D ein Kind tatsächlich zu sich nimmt (quantitative Anamnese).

Zum Vertiefen

131 Bei Darmerkrankungen bedeutet ein niedriger Wert etwas anderes

Bei gesunden Kindern ist ein grenzwertiger Vitamin-D-Blutwert 25(OH)D oft nur eine Frage von Ernährung oder Jahreszeit. Bei Zöliakie, chronisch-entzündlicher Darmerkrankung (IBD), zystischer Fibrose (CF), Cholestase (Gallenstau) oder ausgedehnter Darmentfernung (Darmresektion) kann er dagegen ein Zeichen (Marker) echter Aufnahmestörung (Malabsorption) und Teil eines vielschichtigen Knochenrisikos sein. Deshalb sind hier engere Laborkontrollen (Monitoring) gerechtfertigt.

132 Zöliakie – vertieft

Eine systematische Zusammenfassung (Synthese) von 26 Studien zeigt, dass niedrige Vitamin-D-Werte bei Zöliakie im Kindesalter häufig sind. Zu den Ursachen (Mechanismen) gehören die gestörte Nährstoffaufnahme im Darm (Malabsorption), eine geringere Nahrungsaufnahme und bei aktiver Erkrankung die Entzündung. Nach Beginn einer strikt glutenfreien Ernährung kann sich die Nährstoffaufnahme wieder normalisieren.

Vitamin D und Kalzium sollten als Teil der ersten Beurteilung von Ernährung und Knochen nach der Diagnose (initiale Beurteilung) gesehen werden. Die Gabe eines Vitamin-D-Präparats (Supplementation) behandelt den Mangel, nicht die Darmerkrankung selbst, bei der das Immunsystem den eigenen Darm angreift (autoimmune Enteropathie). Ein Mangel, der trotz glutenfreier Ernährung bestehen bleibt (persistierende Defizienz), sollte an mehrere mögliche Gründe denken lassen: Die Diät wird nicht durchgehend eingehalten (Adhärenzprobleme), die Darmschleimhaut ist noch nicht vollständig geheilt, die Zufuhr ist sehr gering, oder es liegen zusätzliche Erkrankungen vor.

133 Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen – vertieft

Bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa kommen mehrere Risikofaktoren zusammen: Entzündung, geringere Zufuhr, gestörte Nährstoffaufnahme im Darm (Malabsorption), Kortisonbehandlung (Steroidexposition), verzögerte Pubertät und weniger Bewegung. Ein Vitamin-D-Mangel ist deshalb häufiger und für die Knochengesundheit bedeutsam (klinisch relevant).

Studien mit gezielter Vitamin-D-Gabe (Interventionsstudien) untersuchen auch, ob es die Krankheitsaktivität beeinflussen könnte. Kleine (RCTs) mit unterschiedlichen Dosen, bei denen das Los entscheidet, wer welche Dosis erhält, zeigen, dass höhere Dosen den Vitamin-D-Blutwert 25(OH)D wirksam korrigieren. Ob das Phasen ohne Krankheitsaktivität (Remissionen) oder Entzündungswerte (Entzündungsoutcomes) zuverlässig verbessert, ist nicht gesichert. Neuere Studien vergleichen die tägliche Gabe mit Stoßregimen, also wenigen großen Dosen, aber die Patientenzahlen bleiben relativ klein.

134 Zystische Fibrose (Mukoviszidose)

Die zystische Fibrose (CF) ist das klarste Beispiel einer dauerhaften (chronischen) Fettmalabsorption, bei der die Vitamin-D-Versorgung nach eigenen, auf die Krankheit zugeschnittenen Regeln gesteuert wird (krankheitsspezifisches Management). Die Cystic Fibrosis Foundation empfiehlt jährliche Kontrollen des Vitamin-D-Blutwerts 25(OH)D und ein Ziel ≥30 ng/ml, also mindestens 30 ng/ml. Die Dosen, auf die gesteigert wird, können je nach Alter deutlich über denen der Allgemeinbevölkerung liegen.

Systematische Reviews, also geordnete Zusammenstellungen aller Studien zur Vitamin-D-Gabe, zeigen, dass höhere Dosen die Laborwerte verbessern. Ein einheitlicher (konsistenter) Nutzen für die Lungenfunktion oder für harte klinische Outcomes, also Ergebnisse, die das Kind unmittelbar betreffen, ist dagegen weniger klar. Das Ziel bleibt in erster Linie, einen Mangel (Defizienz) zu vermeiden und die Knochengesundheit zu unterstützen.

135 Gallenstau und chronische Lebererkrankung

Bei einer Cholestase (Gallenstau) fließt die Galle nicht richtig in den Darm ab. Das verringert die Aufnahme fettlöslicher Vitamine im Darm (intestinale Aufnahme) und kann zu einem Mangel an den Vitaminen A, D, E und K führen. Bei schwerer Cholestase reichen Standardpräparate möglicherweise nicht. Die Versorgung erfordert spezielle Präparate, eine Verlaufskontrolle der Laborwerte und zugleich die Beachtung von Kalzium und Phosphat sowie der allgemeinen Ernährung.

Ein niedriger Vitamin-D-Blutwert 25(OH)D bedeutet bei diesen Kindern damit nicht nur „zu wenig Sonne“. Er kann Ausdruck einer Aufnahmestörung sein, die für den Körper tatsächlich bedeutsam ist (physiologisch relevante Resorptionsstörung).

136 Kurzdarm und Darmversagen

Nach ausgedehnter Darmentfernung (Darmresektion) oder bei dauerhaftem (chronischem) Darmversagen sind Vitamin-D-Aufnahme, Kalzium- und Phosphataufnahme (Resorption) und das Nierensteinrisiko schwer zu überblicken (komplex). Ernährung über die Vene (parenterale Ernährung) kann beitragen, aber Langzeitkomplikationen erfordern eine auf das einzelne Kind abgestimmte (individualisierte) Überwachung. Die üblichen vorbeugenden (prophylaktischen) Dosen gesunder Kinder sind hier kein ausreichender Maßstab (Bezugsrahmen).

137 Magensäureblocker und andere Magen-Darm-Medikamente

Protonenpumpenhemmer (PPIs), Medikamente gegen Magensäure, werden gelegentlich pauschal als Ursache eines Vitamin-D-Mangels bezeichnet. Für Kinder ist die Evidenz, also die Studienlage, für eine direkte, gesundheitlich bedeutsame Wirkung auf Vitamin D schwächer als bei Erkrankungen mit gestörter Darmaufnahme (Malabsorptionserkrankungen). Bei Langzeit-PPI zählen die Gesamtindikation (ob das Medikament insgesamt nötig ist), die Kalziumzufuhr und andere Risikofaktoren mehr als ein reflexartiger Vitamin-D-Test (Screening).

138 Fazit zu Magen-Darm-Erkrankungen – vertieft

Bei echter Aufnahmestörung im Darm (Malabsorption) ist Vitamin D ein Monitoringproblem, also eine Frage regelmäßiger Laborkontrollen, und nicht nur ein Vorbeugungsproblem (Präventionsproblem). Die Dosis wird nach Erkrankung, Darmaufnahme (Resorption) und Laborantwort angepasst. Zugleich bleibt die Behandlung der Grunderkrankung entscheidend: glutenfreie Ernährung bei Zöliakie, Entzündungskontrolle bei chronisch-entzündlicher Darmerkrankung (IBD), Bauchspeicheldrüsen-Enzyme (Pankreasenzyme) und Ernährungstherapie bei zystischer Fibrose (CF) sowie eine auf den Gallenstau (Cholestase) abgestimmte Behandlung bei Lebererkrankung.

Alle Kapitel dieses Ratgebers

  1. 1. Grundlagen: Wie Vitamin D im Körper eines Kindes wirkt Abschnitt 1–16 · 16
  2. 2. Wie häufig ist ein Mangel? Zahlen aus aller Welt Abschnitt 17–32 · 16
  3. 3. Rachitis: erkennen, verhindern, behandeln Abschnitt 33–48 · 16
  4. 4. Wenn Vitamin D nicht das eigentliche Problem ist: erbliche Rachitisformen Abschnitt 49–59 · 11
  5. 5. Wachstum, Knochendichte und Frakturen Abschnitt 60–70 · 11
  6. 6. Frühgeborene Abschnitt 71–79 · 9
  7. 7. Atemwegsinfekte, Asthma und Allergie Abschnitt 80–103 · 24
  8. 8. Adipositas, Stoffwechsel und Diabetes Abschnitt 104–121 · 18
  9. 9. Darm und Leber: Zöliakie, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Malabsorption Abschnitt 122–138 · 17
  10. 10. Chronische Nierenkrankheit Abschnitt 139–146 · 8
  11. 11. Gehirn, Entwicklung und Psyche Abschnitt 147–164 · 18
  12. 12. Epilepsie und Medikamente Abschnitt 165–179 · 15
  13. 13. Intensivmedizin, Blut, Krebs und Rheuma Abschnitt 180–195 · 16
  14. 14. Zähne, Haut und weitere Krankheitsbilder Abschnitt 196–202 · 7
  15. 15. Schwangerschaft und Stillzeit Abschnitt 203–214 · 12
  16. 16. Sicherheit und Überdosierung Abschnitt 215–234 · 20
  17. 17. Leitlinien im Ländervergleich Abschnitt 235–257 · 23
  18. 18. Testen oder nicht? Screening und Laborindikation Abschnitt 258–265 · 8
  19. 19. Dosierung: täglich, wöchentlich, monatlich Abschnitt 266–288 · 23
  20. 20. Kalzium und Ernährung Abschnitt 289–296 · 8
  21. 21. Sonne, Jahreszeit und Haut Abschnitt 297–305 · 9
  22. 22. Labor: Messung, Einheiten und Fehlerquellen Abschnitt 306–327 · 22
  23. 23. Lebensmittelanreicherung und Public Health Abschnitt 328–343 · 16
  24. 24. Vegane und stark eingeschränkte Ernährung Abschnitt 344–352 · 9
  25. 25. Nach Alter: vom Neugeborenen bis zum Jugendlichen Abschnitt 353–362 · 10
  26. 26. Grenzwerte, Zielwerte und die Frage nach Ursache und Wirkung Abschnitt 363–372 · 10
  27. 27. Entscheidungswege Abschnitt 373–393 · 21
  28. 28. Fallbeispiele und typische Fallstricke Abschnitt 394–418 · 25
  29. 29. Fragen und Mythen Abschnitt 419–468 · 50
  30. 30. Das Gespräch in der Ordination Abschnitt 469–480 · 12
  31. 31. Was die Sprachräume zeigen Abschnitt 481–519 · 39
  32. 32. Studienatlas: die 91 Kernquellen im Überblick Abschnitt 520–520 · 1
  33. 33. Evidenzqualität und offene Forschungsfragen Abschnitt 521–551 · 31
  34. 34. Methodik und Glossar Abschnitt 552–578 · 27