Das Gehirn in der Pubertät
Der Teil des Gehirns, der bremst, reift Jahre später als der Teil, der Gas gibt. Das erklärt vieles – entschuldigt aber nicht alles.
Wichtiger Hinweis
Dieser Ratgeber erklärt die Pubertät allgemein und richtet sich an Eltern, Bezugspersonen und an Jugendliche selbst. Er ersetzt keine Untersuchung und keine Beratung durch Ihre Kinderärztin. Die Altersangaben in diesem Ratgeber beschreiben Bandbreiten, keine Grenzwerte für ein einzelnes Kind: Ob eine Entwicklung abklärungsbedürftig ist, hängt immer vom Gesamtbild ab – vom Wachstumsverlauf, von der Familiengeschichte und von den übrigen Befunden. Die Fachgesellschaften verschiedener Länder ziehen die Grenzen zudem unterschiedlich; wo das so ist, steht es im Text.
Die Pubertät
Was im Körper geschieht, was normal ist und wann eine Abklärung nötig ist
Elternverständlicher, wissenschaftlich fundierter Überblick
Dieser Ratgeber beschreibt, was in der Pubertät körperlich geschieht, wann sie üblicherweise beginnt, was zu früh und was zu spät ist, wie Wachstum, Knochen, Schlaf und Gehirn sich verändern und woran Sie erkennen, dass eine ärztliche Abklärung sinnvoll ist. Er stützt sich auf Leitlinien und Veröffentlichungen von Fachgesellschaften aus neun Sprachräumen, auf amtliche Erhebungen und auf . Wo eine Zahl unsicher ist, steht das ausdrücklich dabei. Wo Leitlinien einander widersprechen, stehen beide Werte nebeneinander, und es wird gesagt, welche Fachgesellschaft welchen Wert nennt. Es wird nirgends gemittelt.
Der Text ist so geschrieben, dass Jugendliche ihn neben ihren Eltern lesen können. Er ersetzt kein persönliches Gespräch und keine Untersuchung. Was ein einzelnes Kind braucht, hängt von seiner Entwicklung, seiner Familiengeschichte und seiner gesundheitlichen Verfassung ab. Wenn Sie sich Sorgen machen, ist das ein ausreichender Grund für einen Termin in der Ordination. Sie müssen sich nicht sicher sein, bevor Sie fragen.
Eine Vorbemerkung zu den Zahlen. Die Pubertät ist ein Bereich, in dem sehr viele Zahlen kursieren und erstaunlich wenige davon gut belegt sind. Für Österreich gibt es weder eine eigene Erhebung der Reifestadien noch ein eigenes Durchschnittsalter der ersten Regelblutung. Die nächstliegenden Daten stammen aus Deutschland, die nächstliegenden Leitlinien aus dem deutschsprachigen Raum. Beides wird hier so gekennzeichnet.
98 Zwei Systeme, zwei Tempi: das Ungleichgewicht im jugendlichen Gehirn
Warum Jugendliche impulsiver und risikofreudiger wirken als Kinder oder Erwachsene, lässt sich neurobiologisch erklären, und mehrere unabhängige Quellen aus verschiedenen Sprachräumen beschreiben dabei dasselbe Grundmuster. Eine deutschsprachige Übersichtsarbeit fasst es so zusammen: In der Hirnentwicklung reift zunächst die Dichte der grauen Substanz im primären sensomotorischen Kortex, während der präfrontale Kortex – jener Bereich hinter der Stirn, der für Impulskontrolle und Handlungsplanung zuständig ist – als letztes reift. Subkortikale Areale, insbesondere das limbische System und das Belohnungssystem, entwickeln sich dagegen früher. Es entsteht ein Ungleichgewicht zwischen einem bereits recht reifen emotionalen System und einer noch unreifen Kontrollinstanz.
Chinesische Übersichtsarbeiten beschreiben dasselbe Muster unter dem Namen „Dual-Systems-Modell": Ein kognitives Kontrollsystem reift kontinuierlich bis ins frühe Erwachsenenalter, während ein sozio-emotionales System zu Beginn der Pubertät rasch reift und in der mittleren Adoleszenz, zwischen 13 und 15 Jahren, seinen Höhepunkt erreicht. Dass dieses Ungleichgewicht keine abstrakte Theorie ist, zeigt eine deutsche Zahl mit sehr konkreten Folgen: Tödliche Verletzungen machen in Deutschland 62 Prozent aller Todesfälle bei Jugendlichen zwischen 15 und 20 Jahren aus – eine Todesursachenverteilung, die sich in keiner anderen Altersgruppe in dieser Form findet.
99 Warum das vor allem die frühe Jugend betrifft, nicht die ganze
Eine wichtige Einschränkung zu diesem Ungleichgewicht liefert eine der University of Minnesota aus dem Jahr 2025, die 166 Personen zwischen 9 und 29 Jahren über bis zu fünf Erhebungszeitpunkte im Abstand von je zwei Jahren begleitete. Das Ergebnis: Ein Ungleichgewicht mit erhöhter Belohnungsempfindlichkeit gegenüber der exekutiven Kontrolle ließ sich vor allem in der frühen Adoleszenz nachweisen. Ab der mittleren bis späten Jugend zeigte die Mehrheit der Teilnehmenden bereits eine funktionierende, von oben gesteuerte Kontrolle über ihre Belohnungsmotivation.
Diese Studie liefert die Grundlage für eine Korrektur, die bereits im ersten Teil dieses Ratgebers angekündigt wurde: Der oft gehörte Satz, das jugendliche Gehirn sei „erst mit 25 fertig" und bis dahin gewissermaßen unfähig zur Selbstkontrolle, bildet die Befundlage nicht korrekt ab. Das Ungleichgewicht ist real, aber es betrifft in seiner ausgeprägten Form vor allem die frühe Jugend, nicht die gesamte Zeit bis Mitte zwanzig. Eine Einschränkung dieser Studie muss allerdings mitgenannt werden: Die Stichprobe war klein, überwiegend weiß und stammte aus mittleren bis gehobenen sozialen Verhältnissen, was ihre Verallgemeinerbarkeit begrenzt.
100 Der Peer-Effekt: mehr Risiko in Gesellschaft Gleichaltriger
Besonders aufschlussreich für den Alltag ist ein Befund aus der spanischen Entwicklungspsychologie: Risikoverhalten Jugendlicher hängt stark davon ab, ob sie allein oder in Gesellschaft Gleichaltriger sind. Eine vielzitierte Studie, die eine simulierte Autofahrt als Aufgabe verwendete, fand, dass Jugendliche in Gegenwart von Gleichaltrigen deutlich mehr Risiko in Kauf nahmen als allein – bei Erwachsenen zeigte sich dieser verstärkende Effekt der Anwesenheit anderer dagegen nicht.
Erklärt wird das mit demselben Ungleichgewicht wie im vorigen Abschnitt: Die graue Substanz im präfrontalen Bereich erreicht laut derselben Quelle bei Mädchen um das 11. und bei Buben um das 12. Lebensjahr ihr Maximum, um danach in einer Sequenz zurückgebaut zu werden, die vom Hinterkopf zur Stirn hin verläuft – vom Hinterhauptslappen zum präfrontalen Kortex. In der unmittelbar vorpubertären und frühpubertären Phase entstehen also besonders viele neue synaptische Verbindungen, die anschließend wieder reduziert werden, und genau in dieser Übergangsphase ist die Anfälligkeit für den Einfluss Gleichaltriger am größten.
101 Wer früh in die Pubertät kommt, ist besonders exponiert
Aus demselben spanischen Bericht stammt ein Befund, der dieses Kapitel mit dem dritten Kapitel dieses Ratgebers verbindet: Jugendliche, die früher als ihre Altersgenossinnen und Altersgenossen in die Pubertät kommen, befinden sich in einer Situation erhöhten Risikos. Der Grund: Bei ihnen fällt der Zeitpunkt der stärksten Erregbarkeit des Belohnungssystems – ausgelöst durch die einsetzende Pubertät – mit einem präfrontalen Kontrollsystem zusammen, das noch besonders unreif ist, weil es sich erst am Anfang seiner eigenen, mehrjährigen Reifung befindet.
Für Eltern eines Kindes mit früh beginnender Pubertät, wie sie im dritten Kapitel dieses Ratgebers beschrieben wurde, ist das eine zusätzliche, praktisch relevante Information: Nicht nur der Körper, auch die neurobiologische Reifebalance zwischen Belohnungssystem und Impulskontrolle verschiebt sich bei diesen Kindern früher als bei ihren Altersgenossinnen und Altersgenossen – ein Grund, weshalb bei früh reifenden Jugendlichen besonders auf soziale Situationen mit Gruppendruck geachtet werden sollte.
102 Nicht nur Risiko: Jugend als Phase erhöhter sozialer Offenheit
Eine neuere amerikanische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2024 stellt das reine Risikonarrativ in einen breiteren Rahmen: Die Adoleszenz sei eher als Phase erhöhter sozialer Beeinflussbarkeit zu verstehen – mit Chancen ebenso wie mit Risiken. Dieselbe erhöhte Empfänglichkeit für soziale Signale, die in riskanten Situationen zu mehr Risikobereitschaft führen kann, macht Jugendliche in anderen Situationen auch besonders aufnahmefähig für positive Vorbilder, neue Fähigkeiten und soziales Lernen.
Diese Arbeit nennt keine eigenen Zahlen, sondern liefert eine Einordnung, und diese Einordnung ist wichtig, damit dieses Kapitel nicht als reine Warnung vor Jugendlichen missverstanden wird: Dieselbe Neurobiologie, die Risikoverhalten begünstigt, ist auch die Grundlage dafür, dass die Pubertät eine besonders formbare, lernfähige Lebensphase ist.
103 Wann ist das Gehirn ausgereift? Mehrere Antworten, kein Sieger
Auf die Frage, wann die Hirnreifung abgeschlossen ist, geben die ausgewerteten Quellen sechs unterschiedliche Antworten, die hier bewusst nicht zu einer einzigen Zahl verdichtet werden. Eine amerikanische Bundesbehörde nennt „Mitte bis Ende der Zwanziger". Eine deutschsprachige Übersichtsarbeit spricht vom „Beginn der dritten Lebensdekade", eine spanische von der „dritten Lebensdekade" allgemein. Eine französische Expertise nennt die Spanne 15 bis 25 Jahre. Eine italienische Quelle nennt „um das 30. Lebensjahr" – der späteste aller genannten Werte. Eine koreanische Quelle wiederum nennt „ca. 18 bis 20 Jahre" für die volle Reife des präfrontalen Kortex, mit einem Reifungsrückstand von rund 8 Jahren gegenüber dem limbischen System, während eine chinesische Quelle den Reifungshöhepunkt um das 17. Lebensjahr und die vollständige Reifung erst um das 25. Lebensjahr ansetzt.
Keine dieser Quellen stützt sich auf eine eigene, im jeweiligen Land erhobene mit Zahlenwerten – durchgehend handelt es sich um Sekundärquellen, die internationale, vor allem amerikanische Grundlagenforschung zusammenfassen. Der japanische Bericht macht das besonders transparent: Trotz gezielter Suche konnte keine japanische Original-Kohortenstudie mit konkreten Zahlenwerten zur Hirnreifung gefunden werden. Was über alle sechs Werte hinweg konsistent bleibt, ist nicht die Jahreszahl, sondern die Kernaussage: Die Impulskontrolle reift deutlich später als die Emotionsverarbeitung, und dieser Abstand beträgt nicht wenige Monate, sondern mehrere Jahre.
104 Der Reifungsgradient von hinten nach vorne
Die Hirnreifung in der Adoleszenz folgt nicht überall gleichzeitig demselben Tempo, sondern einem sogenannten posterior-anterioren Gradienten: Der Rückbau überschüssiger synaptischer Verbindungen – das sogenannte Pruning – beginnt in den hinteren Hirnlappen und erreicht die vorderen, präfrontalen Areale zuletzt. Eine italienische Quelle beschreibt diesen Ablauf mit Bezug auf grundlegende internationale Neuroentwicklungsforschung, eine spanische Quelle unabhängig davon mit denselben Worten: eine Sequenz, die vom Hinterhauptslappen zur Stirn verläuft.
Dieser zeitliche Reifungsunterschied gilt als eine der Erklärungen für alterstypische Schwierigkeiten bei Impulskontrolle, Risikoabschätzung und langfristiger Handlungsplanung in der Adoleszenz. Gleichzeitig nimmt im Verlauf der Pubertät die graue Substanz insgesamt ab und die weiße Substanz zu – ein Umbau, der für schnellere und stabilere neuronale Verbindungen sorgt, auch wenn er sich äußerlich zunächst als Phase erhöhter Unausgeglichenheit zeigt.
105 Warum Warnungen vor Spätfolgen bei Jugendlichen wenig ausrichten
Eine französische wissenschaftliche Expertise des Forschungsinstituts Inserm liefert eine Erklärung dafür, warum klassische Aufklärung über langfristige Gesundheitsrisiken bei Jugendlichen oft wenig bewirkt: Jugendliche erweisen sich als wenig empfänglich für gesundheitliche Risiken, die erst langfristig auftreten, weil sie diese nur als sehr entferntes Risiko wahrnehmen, das sie selbst nicht wirklich betrifft. Das ist keine Frage von Uneinsichtigkeit, sondern folgt aus genau demselben Reifungsungleichgewicht, das in diesem Kapitel bereits mehrfach beschrieben wurde.
Anders sieht es bei akuten Risiken aus: Dieselbe Quelle beschreibt, dass eine akute Intoxikation mit bestimmten Substanzen mit mehr risikoreichem Verhalten verbunden ist – etwa Fahren unter Einfluss und Verkehrsunfälle, Schlägereien, körperliche Übergriffe und ungeschützte Geschlechtskontakte. Für die praktische Gesprächsführung mit Jugendlichen folgt daraus eine wichtige Konsequenz: Warnungen vor fernen Spätfolgen erreichen Jugendliche neurobiologisch schlechter als eine klare Auseinandersetzung mit unmittelbaren, akuten Risiken.
106 Eine dokumentierte Lücke: was aus Japan fehlt
An dieser Stelle gehört eine methodische Ehrlichkeit in diesen Ratgeber, die selten in Elternratgebern zu finden ist: Trotz gezielter Suche nach japanischer Original-Forschung zur jugendlichen Hirnreifung – etwa Studien japanischer Universitäten und Forschungszentren zu grauer Substanz, präfrontalem Kortex oder daten bei japanischen Kindern – konnte keine solche Quelle mit eigenen Zahlenwerten gefunden werden. Was japanische Publikumsmedien wiederholt zitieren, sind qualitative Aussagen ohne Zahlenbeleg: dass bei Jugendlichen ein Reifungs-Mismatch zwischen limbischem System und präfrontalem Kortex bestehe, und dass sich der präfrontale Kortex bis Mitte zwanzig weiterentwickle.
Diese Lücke wird hier ausdrücklich benannt, statt stillschweigend überbrückt zu werden. Sie ändert nichts an der internationalen Evidenzlage aus den übrigen acht Sprachräumen, zeigt aber, dass selbst gut erforschte neurobiologische Grundlagenthemen nicht in jedem Land mit eigenen, landesspezifischen Studien unterlegt sind – für Österreich gilt das in noch stärkerem Maß, weil auch hier keine eigene Kohortenstudie zur jugendlichen Hirnreifung vorliegt.
107 Was diese Befunde nicht bedeuten: kein Freibrief und kein Fatalismus
Aus der in diesem Kapitel beschriebenen Neurobiologie lässt sich weder ableiten, dass riskantes Verhalten Jugendlicher folgenlos hingenommen werden sollte, noch, dass Erziehung dagegen machtlos wäre. Die deutschsprachige Übersichtsarbeit, die das Ungleichgewicht zwischen Belohnungssystem und präfrontalem Kortex ursprünglich beschrieben hat, zieht daraus selbst eine vorsichtige, aber klare Schlussfolgerung: Berücksichtigt man die neurobiologische Basis für risikoreiches Verhalten in der Adoleszenz, erscheint es wenig sinnvoll, Risikoverhalten von Jugendlichen komplett unterbinden zu wollen.
Das ist eine andere Aussage als „Risikoverhalten ist unvermeidlich" oder „Regeln bringen nichts". Sie bedeutet vielmehr: Ein Verständnis dafür, warum ein Jugendlicher in Gesellschaft von Freunden anders handelt als allein, warum ferne Konsequenzen weniger wirken als unmittelbare, und warum ein früh in die Pubertät gekommenes Kind besonders exponiert ist, hilft dabei, Regeln und Gespräche realistischer zu gestalten – nicht, um Grenzen aufzugeben, sondern um sie dort zu setzen, wo sie neurobiologisch am ehesten wirken: bei konkreten Situationen statt bei abstrakten Appellen an die Einsicht.
108 Warum tödliche Unfälle die häufigste Todesursache junger Menschen sind
Die eingangs dieses Kapitels genannte deutsche Zahl verdient eine eigene, ausführlichere Betrachtung, weil sie zeigt, warum dieses Thema mehr ist als akademisches Interesse: 62 Prozent aller Todesfälle bei 15- bis 20-Jährigen in Deutschland gehen auf tödliche Verletzungen zurück – Unfälle allen voran. Das ist eine Todesursachenverteilung, wie sie sich in keiner anderen Lebensphase findet, weder bei jüngeren Kindern noch bei Erwachsenen mittleren Alters, bei denen chronische Erkrankungen weit überwiegen.
Diese Zahl ist der konkrete, messbare Ausdruck des in diesem Kapitel beschriebenen Reifungsungleichgewichts: ein bereits aktives Belohnungssystem, ein noch unreifer präfrontaler Kortex, ein besonders ausgeprägter Peer-Effekt in dieser Lebensphase, und eine geringe Empfänglichkeit für ferne Warnungen bei gleichzeitig hoher Anfälligkeit für akute, situative Risiken. Sie ist der Grund, warum die Aussage aus dem vorigen Abschnitt – wenig sinnvoll, Risikoverhalten komplett unterbinden zu wollen, aber sinnvoll, es realistisch zu begleiten – keine akademische Feinheit ist, sondern eine praktisch folgenreiche Einsicht.
109 Zum Schluss: die Pubertät als Übergang, kein Defekt
Das jugendliche Gehirn ist kein unfertiges Erwachsenengehirn und kein defektes Organ, sondern ein Gehirn mitten in einem geordneten, wenn auch ungleichzeitig verlaufenden Umbau – ganz so, wie die Pubertät insgesamt, wie in diesem Ratgeber von Anfang an beschrieben, ein geordneter Ablauf und kein plötzliches Ereignis ist. Das Belohnungssystem reift früher als die Selbstkontrolle, der Umbau verläuft von hinten nach vorne, und die stärkste Ausprägung dieses Ungleichgewichts betrifft vor allem die frühe, nicht die gesamte Jugend.
Für Eltern, die dieses Kapitel bis hierher gelesen haben, bleibt eine Kernbotschaft, die sich durch den gesamten Ratgeber zieht: Vieles, was in der Pubertät ungewohnt, anstrengend oder besorgniserregend wirkt – der verschobene Schlaf, das scheinbar plötzliche Wachstum, die früh oder spät einsetzende körperliche Reifung, und eben auch das mitunter unüberlegt wirkende Verhalten – hat eine nachvollziehbare biologische Grundlage. Das macht es nicht in jedem Einzelfall harmlos, und es ersetzt keine Abklärung, wo eine Abklärung angezeigt ist. Aber es erlaubt, worum es diesem gesamten Ratgeber von der ersten bis zur letzten Seite gegangen ist: die Pubertät eines Kindes mit Verständnis statt mit Alarm zu begleiten.
Alle Kapitel dieses Ratgebers
- 1. Was in der Pubertät geschieht Abschnitt 1–13 · 13
- 2. Wann es losgeht Abschnitt 14–27 · 14
- 3. Zu früh: Pubertas praecox Abschnitt 28–43 · 16
- 4. Zu spät: verzögerte Pubertät Abschnitt 44–55 · 12
- 5. Wachstum und Endgröße Abschnitt 56–73 · 18
- 6. Knochen und Ernährung Abschnitt 74–85 · 12
- 7. Der veränderte Schlaf Abschnitt 86–97 · 12
- 8. Das Gehirn in der Pubertät Abschnitt 98–109 · 12
- 9. Körperbild und Essstörungen Abschnitt 110–125 · 16
- 10. Haut, Schweiß und Geruch Abschnitt 126–137 · 12
- 11. Zyklus und Menstruation Abschnitt 138–155 · 18
- 12. Die Entwicklung bei Buben Abschnitt 156–169 · 14
- 13. Sexuelle Gesundheit und Aufklärung Abschnitt 170–187 · 18
- 14. Risikoverhalten Abschnitt 188–201 · 14
- 15. Miteinander auskommen Abschnitt 202–215 · 14
- 16. In der Ordination Abschnitt 216–225 · 10
- 17. Fragen, Irrtümer und Einordnung Abschnitt 226–239 · 14
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