Worauf es bei der Planung ankommt, welche Probleme reisende Kinder am häufigsten haben – und welches Reiseziel zu welchem Alter passt, vom Säugling bis zum Jugendlichen.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel ersetzt keine individuelle reisemedizinische Beratung. Ob, welche Impfungen, welche Malariaprophylaxe und welche Vorbereitung Ihr Kind für eine konkrete Reise braucht, hängt von Alter, Gewicht, Vorerkrankungen, genauer Route, Reisezeit und Aufenthaltsdauer ab. Besprechen Sie das bitte rechtzeitig persönlich – bei Fernreisen idealerweise sechs bis acht Wochen vor Abreise – mit Ihrer Kinderärztin, Ihrem Kinderarzt oder einer reisemedizinischen Praxis.

1 Vor der Reise: Gute Vorbereitung ist der wichtigste Schutz

Dass eine Reise medizinisch gut vorbereitet sein will, heißt keineswegs, dass Familien mit kleinen Kindern auf Fernreisen verzichten müssen. Entscheidend ist vielmehr, wie alt das Kind ist, wohin gereist wird, wie lange die Reise dauert, wie die medizinische Versorgung vor Ort aussieht und welche Aktivitäten geplant sind. Für einen gesunden Zehnjährigen ist ein zweiwöchiger Hotelurlaub auf Mallorca medizinisch etwas völlig anderes als eine vierwöchige Rundreise mit einem sechs Monate alten Säugling durch ländliche Gebiete Westafrikas.

Auch innerhalb eines Landes kann sich das Risiko stark unterscheiden. Eine klimatisierte Unterkunft in einer Großstadt bietet ganz andere Voraussetzungen als ein Aufenthalt in einem abgelegenen Dorf, im Regenwald oder auf einer Safari. Jahreszeit, Regenzeit, Höhenlage, Unterkunft und Art der Verpflegung sind deshalb oft mindestens ebenso wichtig wie der Name des Reiselandes. Die WHO empfiehlt entsprechend eine individuelle Beurteilung von Reiseziel, Reiseroute, Aufenthaltsdauer, Unterkunft, Aktivitäten, Jahreszeit und persönlichen gesundheitlichen Voraussetzungen.

Internationale Untersuchungen kranker junger Reiserückkehrer zeigen, welche Probleme besonders häufig auftreten. In einer großen GeoSentinel-Auswertung von 1.591 erkrankten Kindern und Jugendlichen nach internationalen Reisen standen Durchfallerkrankungen, Hauterkrankungen beziehungsweise Insekten- und Tierexpositionen, fieberhafte Erkrankungen und Atemwegserkrankungen im Vordergrund. Die Verteilung war stark vom Reiseziel abhängig: Fiebererkrankungen spielten vor allem nach Reisen nach Subsahara-Afrika und Asien eine größere Rolle, Durchfallerkrankungen unter anderem nach Reisen in den Nahen Osten und nach Nordafrika. Wichtig dabei: Die Studie hat erkrankte Reisende untersucht und sagt nicht aus, dass ein bestimmter Prozentsatz aller reisenden Kinder krank wird.

Je exotischer das Reiseziel und je jünger das Kind, desto früher sollte die medizinische Reiseplanung beginnen. Für Fernreisen sind etwa sechs bis acht Wochen vor der Abreise ein guter Zeitpunkt. Manche Impfserien brauchen mehrere Dosen, und auch eine Malariaprophylaxe oder eine Gelbfieberimpfung will rechtzeitig geplant sein. Selbst bei einer kurzfristig gebuchten Reise lohnt sich eine Beratung noch: Viele Impfungen bauen auch kurzfristig einen sinnvollen Schutz auf.

Das österreichische Sozialministerium empfiehlt insbesondere vor Fernreisen, Tropenreisen und Aufenthalten in Afrika, Asien oder Südamerika, rechtzeitig reisemedizinischen Rat einzuholen. Bei Reisen in Malariagebiete wird eine Beratung idealerweise etwa acht Wochen vor der Abreise empfohlen.

Zuerst der normale Impfpass

Reiseimpfungen ersetzen die Routineimpfungen nicht. Gerade Masern werden durch internationale Reisebewegungen immer wieder eingeschleppt und verlaufen nicht immer harmlos – zwei dokumentierte MMR-Impfungen sind deshalb für entsprechend alte Kinder besonders wichtig. Auch die Impfungen gegen Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Poliomyelitis, Haemophilus influenzae Typ b, Pneumokokken, Hepatitis B und die weiteren im österreichischen Impfplan vorgesehenen Erkrankungen sollten altersgerecht durchgeführt sein. Der Impfplan wird regelmäßig aktualisiert; maßgeblich ist derzeit der Impfplan Österreich 2025/2026 mit den ergänzenden Aktualisierungen aus dem Jahr 2026.

Bei längeren oder besonderen Reisen können zusätzliche Impfungen sinnvoll sein, etwa gegen Hepatitis A, Typhus, Tollwut, Meningokokken, Japanische Enzephalitis oder Gelbfieber. Ob eine Impfung nötig ist, hängt nicht nur vom Land ab: Eine zweiwöchige Städtereise nach Bangkok ist hinsichtlich Japanischer Enzephalitis anders zu beurteilen als ein mehrmonatiger Aufenthalt in ländlichen Reisanbaugebieten während der Mückensaison.

Versicherung, Medikamente, Dokumente

Zu einer guten Vorbereitung gehören außerdem eine Auslandskrankenversicherung, bei abgelegenen Reisezielen gegebenenfalls eine Versicherung für den medizinischen Rücktransport, ausreichend Dauermedikamente, ärztliche Befunde bei chronischen Erkrankungen und bei wichtigen Medikamenten möglichst eine Bescheinigung in englischer Sprache.

Medikamente gehören auf Flugreisen grundsätzlich ins Handgepäck und sollten möglichst in der Originalverpackung transportiert werden. Bei Betäubungsmitteln, bestimmten ADHS-Medikamenten oder anderen kontrollierten Arzneimitteln müssen zusätzlich die Einfuhrbestimmungen des jeweiligen Landes kontrolliert werden. Das österreichische Sozialministerium empfiehlt ausdrücklich, neben den Impfungen auch Reiseapotheke, Krankenversicherung und wichtige medizinische Dokumente in die Reisevorbereitung einzubeziehen.

2 Welches Reiseziel passt zu welchem Alter?

Ein starres Mindestalter für „Urlaub“ gibt es nicht. Eine Ferienwohnung am österreichischen See kann auch mit einem sehr jungen Säugling problemlos möglich sein. Bei einer Tropenreise verändert sich die Abwägung jedoch erheblich. Die folgende Übersicht zeigt, worauf es in welchem Alter besonders ankommt.

Reisen nach Alter: Worauf es jeweils ankommt

Zusammenfassung der Abschnitte unten. Sie ersetzt keine individuelle Beratung: Maßgeblich sind immer die konkrete Route, die Reisezeit und der Gesundheitszustand Ihres Kindes.

Neugeborene in den ersten Lebenswochen

Bei einem gesunden, reif geborenen Neugeborenen sind kurze Reisen grundsätzlich möglich. Trotzdem sollten Sie in den ersten Lebenswochen besonders sorgfältig abwägen. Neugeborene haben ein noch unreifes Immunsystem, können rascher auskühlen oder überhitzen und bei Infektionen innerhalb kurzer Zeit schwer erkranken. Außerdem sind viele Impfungen in diesem Alter noch nicht möglich.

Auch Flugreisen sind für die meisten gesunden Neugeborenen aus rein physiologischer Sicht möglich. Die American Academy of Pediatrics empfiehlt allerdings, nicht notwendige Flugreisen in der ersten Lebenswoche möglichst zu vermeiden, und weist darauf hin, dass ein Aufschub bis etwa zum zweiten oder dritten Lebensmonat die Exposition gegenüber Infektionserregern in überfüllten Flughäfen und Flugzeugen verringert. Frühgeborene sowie Babys mit Herz-, Lungen- oder anderen relevanten Erkrankungen sollten vor einer Flugreise individuell kinderärztlich beurteilt werden.

Fernreisen in Regionen mit Malaria, Gelbfieber, schlechter medizinischer Versorgung oder extremen Temperaturen sind in diesem Alter häufig vermeidbar und sollten besonders kritisch hinterfragt werden. Das liegt nicht daran, dass Reisen grundsätzlich gefährlich wären, sondern daran, dass für sehr junge Säuglinge einige der wichtigsten Schutzmaßnahmen – bestimmte Reiseimpfungen oder Medikamente – noch nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung stehen.

Besonders wichtig ist außerdem: Fieber ab 38,0 °C bei einem Kind unter drei Monaten muss zeitnah ärztlich abgeklärt werden. Auf einer abgelegenen Insel oder während einer mehrtägigen Safari kann schon diese einfache Regel zu einem erheblichen logistischen Problem werden. Wie Sie richtig messen, lesen Sie unter So messen Sie Ihr Kind richtig, alles Weitere unter Fieber bei Kindern.

Säuglinge zwischen etwa zwei Monaten und einem Jahr

Mit zunehmendem Alter werden Reisen organisatorisch meist einfacher. Dennoch brauchen Säuglinge besonders konsequenten Sonnen-, Hitze-, Mücken- und Infektionsschutz.

Voll gestillte Babys benötigen in den ersten sechs Lebensmonaten normalerweise auch bei warmem Wetter kein zusätzliches Wasser. Die WHO empfiehlt ausschließliches Stillen in den ersten sechs Monaten; bei Hitze können Sie einfach häufiger stillen.

Bei nicht oder teilweise gestillten Säuglingen ist in Regionen mit unsicherer Trinkwasserqualität die hygienische Zubereitung der Säuglingsnahrung besonders wichtig. Leitungswasser, Eiswürfel oder Wasser unbekannter Herkunft sollten dafür nicht verwendet werden. In Ländern mit problematischer Wasserversorgung kann industriell abgefülltes Wasser geeigneter sein; die Mineralstoffzusammensetzung muss für Säuglinge passen. Wo verfügbar, reduziert gebrauchsfertige flüssige Säuglingsnahrung das Risiko durch kontaminiertes Wasser.

Ein weiterer Punkt ist die Mobilität. Babys, die zu krabbeln beginnen, kommen schnell mit Hotelböden, Sand, Erde, Steckdosen, herumliegenden Medikamenten oder kleinen Gegenständen in Kontakt. Eine Unterkunft, die für zwei Erwachsene völlig unproblematisch wirkt, kann für ein neun Monate altes Kind zahlreiche Gefahrenstellen enthalten.

Kleinkinder zwischen etwa einem und drei Jahren

Kleinkinder gehören aus reisemedizinischer Sicht zu einer besonders anspruchsvollen Altersgruppe. Sie bewegen sich selbstständig, erkennen Gefahren aber kaum. Sie können innerhalb weniger Sekunden in einen Pool gelangen, auf einen Balkonstuhl klettern, einen fremden Hund anfassen oder etwas vom Boden essen.

Bei ihnen ist deshalb neben dem Infektionsschutz vor allem die Unfallprävention entscheidend. Internationale reisemedizinische Leitlinien betonen Verkehrsunfälle und Ertrinken als die wesentlichen vermeidbaren Gefahren für reisende Kinder. Bei Kleinkindern am Wasser bedeutet Aufsicht nicht, gelegentlich hinzuschauen, sondern sich in unmittelbarer Reichweite aufzuhalten.

Gleichzeitig verlieren Kleinkinder bei Durchfall und Erbrechen schneller relevante Flüssigkeitsmengen als Erwachsene. Eine Elektrolytlösung gehört bei Fernreisen deshalb unbedingt in die Reiseapotheke.

Kindergarten- und Schulkinder

Im Kindergarten- und frühen Schulalter sind Reisen meist deutlich einfacher. Die Kinder können Beschwerden benennen, trinken selbstständig und verstehen erste Sicherheitsregeln. Gleichzeitig nehmen die Aktivitäten zu: Schwimmen, Schnorcheln, Wandern, Fahrradtouren, Kontakt mit Tieren oder längere Aufenthalte im Freien.

Der Schwerpunkt verschiebt sich dadurch von der reinen Versorgung hin zur Vorbeugung von Unfällen, Sonnenbrand, Insektenstichen und typischen Reiseinfektionen.

Kinder in diesem Alter können Sie auch aktiv in die Vorbereitung einbeziehen. Wer versteht, warum in einem bestimmten Land kein Leitungswasser getrunken, ein streunender Hund nicht gestreichelt oder abends Mückenspray verwendet werden soll, hält sich meist besser an die Regeln.

Jugendliche

Jugendliche reisen häufig bereits teilweise selbstständig. Bei ihnen treten zusätzliche Themen in den Vordergrund: Verkehr mit Motorrollern oder E-Scootern, Alkohol und andere Substanzen, Sexualkontakte, Schlafmangel, psychische Belastungen, riskante Freizeitaktivitäten und die eigenständige Einnahme von Medikamenten.

Auch Medikamente wie Stimulanzien bei ADHS oder bestimmte Psychopharmaka verdienen besondere Aufmerksamkeit, da ihre Einfuhr in einzelne Länder rechtlich eingeschränkt sein kann.

Jugendliche sollten außerdem wissen, welche Impfungen sie erhalten haben, welche Allergien bestehen und wen sie im Notfall kontaktieren müssen. Bei älteren Jugendlichen ist es sinnvoll, zumindest einen Teil des reisemedizinischen Gesprächs direkt mit ihnen zu führen.

Alle Kapitel dieses Ratgebers

  1. 1. Vorbereitung und das passende Reiseziel Abschnitt 1–2 · 2
  2. 2. Unterwegs: Auto, Flugzeug, Zug und Schiff Abschnitt 3–6 · 4
  3. 3. Sonne, Hitze, Essen und Durchfall Abschnitt 7–11 · 5
  4. 4. Mücken, Tropenkrankheiten und Tiere Abschnitt 12–17 · 6
  5. 5. Reiseimpfungen und Reiseziele im Vergleich Abschnitt 18–19 · 2
  6. 6. Besondere Situationen: Höhe, Wasser, Unterkunft, chronische Krankheiten, Jugendliche Abschnitt 20–24 · 5
  7. 7. Reiseapotheke, Warnzeichen, Rückkehr und häufige Fragen Abschnitt 25–29 · 5