Kinderhaut vor der Sonne schützen, Hitze und Flüssigkeitsverlust vorbeugen, Lebensmittel und Trinkwasser sicher wählen – und was bei Durchfall und Erbrechen auf Reisen zu tun ist.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel ersetzt keine individuelle reisemedizinische Beratung. Ob, welche Impfungen, welche Malariaprophylaxe und welche Vorbereitung Ihr Kind für eine konkrete Reise braucht, hängt von Alter, Gewicht, Vorerkrankungen, genauer Route, Reisezeit und Aufenthaltsdauer ab. Besprechen Sie das bitte rechtzeitig persönlich – bei Fernreisen idealerweise sechs bis acht Wochen vor Abreise – mit Ihrer Kinderärztin, Ihrem Kinderarzt oder einer reisemedizinischen Praxis.

7 Sonne: Kinderhaut konsequent schützen

Kinderhaut ist besonders empfindlich gegenüber ultravioletter Strahlung. Sonnenbrände im Kindes- und Jugendalter erhöhen das spätere Hautkrebsrisiko. Sonnenschutz ist deshalb nicht nur eine Frage des Komforts im Urlaub, sondern langfristige Gesundheitsvorsorge.

Der wirksamste Sonnenschutz beginnt nicht mit Sonnencreme: Schatten, ein Sonnenschirm, dicht gewebte leichte Kleidung, UV-Schutzkleidung und ein breitkrempiger Hut reduzieren die UV-Belastung erheblich. Achten Sie bitte darauf, dass Ihr Kind sich nie längere Zeit in der prallen Sonne aufhält und durch T-Shirt, Hütchen oder Kappe geschützt ist.

Besonders Babys sollten möglichst keiner direkten intensiven Sonne ausgesetzt werden. Deutsche Präventionsinformationen empfehlen bei Säuglingen vorrangig Schatten und Kleidung. Wenn sich direkte UV-Exposition nicht vollständig vermeiden lässt, können unbedeckte kleine Hautbereiche je nach Alter und Produkt zusätzlich geschützt werden.

Für Kinder sollte ein Breitband-Sonnenschutz mit Schutz gegen UVA und UVB verwendet werden. International wird mindestens Lichtschutzfaktor 30 empfohlen; bei intensiver Sonne, am Meer, im Gebirge und bei kleinen Kindern ist LSF 50 beziehungsweise 50+ die praktisch sinnvollere Wahl.

Sonnencreme muss großzügig aufgetragen werden, am besten etwa 20 Minuten vor dem Aufenthalt in der Sonne und vor dem Wasserkontakt. Besonders häufig vergessen werden Ohren, Nacken, Fußrücken, Schultern und Lippen. Nach dem Schwimmen, starkem Schwitzen und Abtrocknen ist erneutes Auftragen notwendig – auch als „wasserresistent“ deklarierte Sonnenschutzmittel bieten keinen unbegrenzten Schutz.

Mittagssonne, Meer und Berge

Die UV-Belastung hängt von Tageszeit, geographischer Breite, Höhe und Reflexion ab. Wasser, heller Sand und Schnee erhöhen sie zusätzlich. In äquatornahen Regionen und im Hochgebirge ist deshalb besonders konsequenter Schutz erforderlich. Ein bewölkter Himmel ist kein ausreichender Sonnenschutz.

8 Hitze und hohe Temperaturen

Babys und kleine Kinder reagieren empfindlicher auf extreme Hitze. Sie produzieren im Verhältnis zum Körpergewicht mehr Stoffwechselwärme und können ihr Verhalten – etwa den Wunsch nach Schatten oder zusätzlicher Flüssigkeit – nicht zuverlässig selbst steuern.

An sehr heißen Tagen sollten Sie körperliche Aktivitäten in die frühen Morgen- und die späteren Abendstunden verlegen. Mittags sind klimatisierte beziehungsweise kühle Innenräume oder tiefer Schatten sinnvoll.

Warnzeichen einer Hitzeerkrankung sind ausgeprägte Schwäche, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, ungewöhnliche Reizbarkeit, Benommenheit oder Bewusstseinsstörungen. Ein Hitzschlag mit neurologischen Symptomen und erhöhter Körpertemperatur ist ein medizinischer Notfall.

9 Trinken auf Reisen

Der Flüssigkeitsbedarf steigt bei Hitze und körperlicher Aktivität. Erinnern Sie Ihr Kind deshalb regelmäßig ans Trinken.

Bei Säuglingen gelten eigene Regeln: Voll gestillte Babys brauchen in den ersten sechs Monaten normalerweise kein zusätzliches Wasser, auch nicht an heißen Tagen. Häufigeres Stillen deckt den zusätzlichen Bedarf.

Bei Durchfall und Erbrechen reicht reines Wasser dagegen häufig nicht aus. Hier sind orale Rehydratationslösungen sinnvoll, die Wasser und Elektrolyte in einem geeigneten Verhältnis enthalten.

10 Lebensmittel und Trinkwasser

Reisedurchfall gehört weltweit zu den häufigsten gesundheitlichen Problemen bei Reisenden. Je nach Reiseziel und Umständen kann innerhalb eines zweiwöchigen Aufenthalts ein erheblicher Anteil der Reisenden betroffen sein. Kinder sind besonders relevant, weil sie schneller dehydrieren.

In Ländern mit unsicherer Wasser- und Lebensmittelhygiene gilt als praktische Grundregel: frisch gekocht und heiß serviert ist meist sicherer als Speisen, die lange bei Raumtemperatur stehen.

Rohes oder nicht vollständig durchgegartes Fleisch, rohe Meeresfrüchte, nicht pasteurisierte Milchprodukte, rohe Eier und Speisen unbekannter Kühlkette sollten gemieden werden. Obst, das Sie selbst schälen können, ist meist die günstigere Wahl als vorgeschnittenes Obst, Salate oder rohe Kräuter, die möglicherweise mit unsicherem Wasser gewaschen wurden.

Ist das Leitungswasser am Reiseziel nicht sicher, betrifft das nicht nur das Trinken: Auch Eiswürfel, Zähneputzen und die Zubereitung von Babynahrung sind dann relevante Infektionswege.

11 Durchfall und Erbrechen beim Kind

Der wichtigste erste Schritt ist fast immer der Ersatz von Flüssigkeit und Elektrolyten. Orale Rehydratationslösungen gehören deshalb bei Reisen mit Kindern in die Reiseapotheke. Ausführlich lesen Sie dazu unseren Ratgeber Akute Gastroenteritis bei Kindern.

Gestillte Kinder sollten weiter gestillt werden. Auch eine normale altersgerechte Ernährung sollte nach Möglichkeit weitergeführt werden. Traditionelle sehr einseitige „Durchfalldiäten“ wie ausschließlich Banane, Reis oder Zwieback sind nicht notwendig und bei längerem Gebrauch sogar ernährungsphysiologisch ungünstig.

Antibiotika gehören nicht routinemäßig zur Selbstbehandlung jedes Reisedurchfalls. Bei besonderen Reisezielen kann es sinnvoll sein, nach ärztlicher Beratung ein für Ihr Kind geeignetes Medikament als Stand-by-Therapie mitzunehmen. Dosis und Einsatzkriterien müssen dann allerdings vorher klar festgelegt sein.

Bei kleinen Kindern sind deutliche Teilnahmslosigkeit, sehr wenig Urin, trockene Schleimhäute, eingesunkene Augen beziehungsweise beim Säugling eine eingesunkene Fontanelle, blutiger Durchfall, anhaltendes Erbrechen oder ein insgesamt deutlich krank wirkendes Kind Gründe für eine ärztliche Untersuchung.

Alle Kapitel dieses Ratgebers

  1. 1. Vorbereitung und das passende Reiseziel Abschnitt 1–2 · 2
  2. 2. Unterwegs: Auto, Flugzeug, Zug und Schiff Abschnitt 3–6 · 4
  3. 3. Sonne, Hitze, Essen und Durchfall Abschnitt 7–11 · 5
  4. 4. Mücken, Tropenkrankheiten und Tiere Abschnitt 12–17 · 6
  5. 5. Reiseimpfungen und Reiseziele im Vergleich Abschnitt 18–19 · 2
  6. 6. Besondere Situationen: Höhe, Wasser, Unterkunft, chronische Krankheiten, Jugendliche Abschnitt 20–24 · 5
  7. 7. Reiseapotheke, Warnzeichen, Rückkehr und häufige Fragen Abschnitt 25–29 · 5