Mückenschutz für Kinder, Malaria, Dengue, Chikungunya, Zika und Gelbfieber, Tollwut und Tierkontakte sowie Risiken durch Süßwasser, Sand und Boden.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel ersetzt keine individuelle reisemedizinische Beratung. Ob, welche Impfungen, welche Malariaprophylaxe und welche Vorbereitung Ihr Kind für eine konkrete Reise braucht, hängt von Alter, Gewicht, Vorerkrankungen, genauer Route, Reisezeit und Aufenthaltsdauer ab. Besprechen Sie das bitte rechtzeitig persönlich – bei Fernreisen idealerweise sechs bis acht Wochen vor Abreise – mit Ihrer Kinderärztin, Ihrem Kinderarzt oder einer reisemedizinischen Praxis.

12 Mücken: mehr als nur lästig

In vielen tropischen und subtropischen Regionen übertragen Mücken Erkrankungen wie Malaria, Dengue, Chikungunya, Zika, Gelbfieber oder Japanische Enzephalitis. Die Überträger sind nicht alle zu denselben Tageszeiten aktiv – die einfache Regel „Mückenschutz nur abends“ genügt deshalb nicht.

Dengue übertragende Aedes-Mücken stechen häufig auch tagsüber. Malaria übertragende Anopheles-Mücken sind überwiegend zwischen Abend und Morgen aktiv.

Ein guter Schutz kombiniert lange leichte Kleidung, möglichst mückensichere Räume, Moskitonetze und ein für das Alter geeignetes Repellent. Kinderwagen und Babybetten lassen sich zusätzlich mit engmaschigen Netzen schützen. Kleidung und Netze können je nach Produkt mit Permethrin behandelt sein; Permethrin gehört jedoch nicht direkt auf die Haut.

Welche Repellent-Wirkstoffe und Konzentrationen bei einem Kind eingesetzt werden dürfen, hängt von Alter, Produktzulassung und Land ab – beachten Sie deshalb das jeweilige Produktetikett. Bei Reisen in Gebiete mit Malaria oder Dengue ist ein wirksamer Mückenschutz wichtiger als möglichst „natürliche“ Produkte mit unklarer Schutzdauer.

Wenn Sie Sonnencreme und Repellent gleichzeitig verwenden, tragen Sie nach internationalen Empfehlungen zuerst den Sonnenschutz und anschließend das Insektenschutzmittel auf.

13 Malaria – besonders wichtig bei Kindern

Malaria gehört zu den gefährlichsten vermeidbaren Erkrankungen bei Reisen mit Kindern. Sie wird durch Plasmodien verursacht und durch Anopheles-Mücken übertragen. Besonders gefährlich ist Plasmodium falciparum, das innerhalb kurzer Zeit zu einer schweren Erkrankung führen kann.

Malariafälle weltweit 2024rund 282 Mio.WHO-Schätzung
Malaria-Todesfälle 2024610.000WHO-Schätzung
Anteil Kinder unter 5 Jahrenrund 75 %an den Malariatodesfällen in der WHO-Region Afrika
Fälle und Todesfälle in Afrikarund 95 %der weltweiten Malariafälle und -todesfälle 2024

Kinder, insbesondere Säuglinge und Kinder unter fünf Jahren, gehören weltweit zu den besonders gefährdeten Gruppen. Diese Zahlen werden auch in den aktuellen französischen, chinesischen, russischen und arabischen WHO-Informationen übereinstimmend dargestellt.

Für Reisende gibt es derzeit keinen allgemein verwendeten Malaria-Reiseimpfstoff. Die inzwischen von der WHO empfohlenen Malariaimpfstoffe RTS,S und R21 dienen vor allem Impfprogrammen für Kinder, die in Endemiegebieten leben. Sie ersetzen bei Reisenden weder den Mückenschutz noch eine eventuell notwendige medikamentöse Prophylaxe.

Ob Ihr Kind Malariamedikamente benötigt, hängt vom exakten Aufenthaltsort, der Jahreszeit, der Reisedauer und der dortigen Resistenzlage ab. Die Dosierung erfolgt nach Körpergewicht. Übernehmen Sie deshalb niemals die Malariaprophylaxe eines Geschwisterkindes oder eines Erwachsenen.

Fieber nach dem Aufenthalt in einem Malariagebiet

Selbst eine korrekt eingenommene Prophylaxe bietet keinen hundertprozentigen Schutz. Fieber während oder nach einem Aufenthalt in einem Malariagebiet muss deshalb immer ernst genommen werden. Sagen Sie der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt ausdrücklich, in welchem Land und in welcher Region sich Ihr Kind aufgehalten hat. Auch das österreichische Sozialministerium weist ausdrücklich darauf hin, bei unklarem Fieber während oder nach einer Reise in ein Malariagebiet an Malaria zu denken.

14 Dengue, Chikungunya und Zika

Dengue hat sich in den vergangenen Jahrzehnten in vielen tropischen und subtropischen Regionen stark ausgebreitet. Häufige Reiseziele in Südostasien, Lateinamerika und der Karibik können betroffen sein.

Anders als bei Malaria sind die übertragenden Mücken oft tagsüber aktiv. Konsequenter Mückenschutz muss deshalb vom Morgen bis zum Abend erfolgen.

Für Dengue stehen mittlerweile Impfstoffe zur Verfügung, ihre Empfehlung für Reisende ist aber komplex und hängt unter anderem vom Impfstoff, vom Alter, vom Land und teilweise von einer bereits durchgemachten Dengue-Infektion ab. Eine pauschale „Dengue-Impfung für jede Tropenreise“ gibt es deshalb nicht.

Chikungunya und Zika werden ebenfalls hauptsächlich durch Aedes-Mücken übertragen. Für Familien mit Schwangeren oder Schwangerschaftswunsch sind die aktuellen Zika-Hinweise besonders relevant, da eine Infektion in der Schwangerschaft das ungeborene Kind schädigen kann.

15 Gelbfieber

Gelbfieber kommt in Teilen des tropischen Afrikas und Südamerikas vor. Die WHO stuft derzeit 27 afrikanische und 13 lateinamerikanische Länder als Länder mit hohem Risiko für Gelbfieberausbrüche ein.

Die Impfung ist sehr wirksam. Nach den Internationalen Gesundheitsvorschriften wird eine dokumentierte vollständige Gelbfieberimpfung grundsätzlich lebenslang als gültig anerkannt; einzelne medizinische Empfehlungen zu Wiederholungsimpfungen können davon abweichen.

Für Familien mit Babys ist die Altersgrenze entscheidend. Die WHO empfiehlt die Gelbfieberimpfung im Regelfall ab einem Alter von neun Monaten; bei jüngeren Säuglingen ist eine besonders sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich beziehungsweise die Impfung kontraindiziert. Auch das österreichische Sozialministerium weist auf besondere Einschränkungen im ersten Lebensjahr hin.

Ist ein Aufenthalt mit einem sehr jungen Säugling in einem Gebiet mit relevantem Gelbfieberrisiko geplant, sollten Sie deshalb prüfen, ob sich die Reise verschieben oder die Route ändern lässt.

In Österreich dürfen international anerkannte Gelbfieberimpfbescheinigungen nur von autorisierten Gelbfieberimpfstellen ausgestellt werden. Für Länder mit Einreisevorschrift muss die Impfung zudem rechtzeitig erfolgen; das österreichische Sozialministerium nennt spätestens zehn Tage vor der Reise.

16 Tollwut und Tiere

Tierkontakte gehören für Kinder zu den interessantesten Erfahrungen einer Reise – und gleichzeitig zu einem häufig unterschätzten Risiko.

Tollwut ist nach Auftreten der Erkrankung praktisch immer tödlich, lässt sich nach einer Exposition aber durch schnelle korrekte Behandlung verhindern. Kinder werden häufiger als Erwachsene von Tieren gebissen und aufgrund ihrer Körpergröße häufiger an Kopf, Gesicht oder Hals verletzt.

In vielen Ländern spielen Hunde eine wichtige Rolle bei der Übertragung. Auch Katzen, Affen und Fledermäuse können relevant sein. Besonders an touristischen Tempeln oder Aussichtspunkten sollten Affen nicht gefüttert oder angefasst werden.

Nach Biss oder Kratzer

Spülen Sie die Wunde sofort ausgiebig mit Wasser und Seife – idealerweise etwa 15 bis 20 Minuten – und suchen Sie anschließend umgehend medizinische Hilfe. Auch kleine Kratzer können relevant sein; warten Sie damit nicht bis zur Rückkehr. Eine bereits vor der Reise durchgeführte Tollwutimpfung vereinfacht die Behandlung nach einem Biss erheblich, ersetzt sie aber nicht vollständig.

Bei längeren Aufenthalten in Ländern mit verbreiteter Tollwut, bei vielen Tierkontakten oder schlechter Verfügbarkeit hochwertiger Impfstoffe kann eine vorbeugende Tollwutimpfung gerade bei Kindern sinnvoll sein.

17 Süßwasser, Sand und Boden

Nicht jedes idyllische Gewässer ist zum Baden geeignet. In Teilen Afrikas, Asiens und Südamerikas kann in Süßgewässern Schistosomiasis beziehungsweise Bilharziose übertragen werden. In bekannten Risikogebieten sollten Sie deshalb nicht in unkontrollierten Seen und Flüssen baden oder waten.

Auch barfußes Laufen auf tropischem feuchtem Boden oder verunreinigtem Sand kann Hautinfektionen beziehungsweise Parasiten wie die kutane Larva migrans begünstigen. Sandalen, Badeschuhe und eine Unterlage am Strand reduzieren das Risiko.

Alle Kapitel dieses Ratgebers

  1. 1. Vorbereitung und das passende Reiseziel Abschnitt 1–2 · 2
  2. 2. Unterwegs: Auto, Flugzeug, Zug und Schiff Abschnitt 3–6 · 4
  3. 3. Sonne, Hitze, Essen und Durchfall Abschnitt 7–11 · 5
  4. 4. Mücken, Tropenkrankheiten und Tiere Abschnitt 12–17 · 6
  5. 5. Reiseimpfungen und Reiseziele im Vergleich Abschnitt 18–19 · 2
  6. 6. Besondere Situationen: Höhe, Wasser, Unterkunft, chronische Krankheiten, Jugendliche Abschnitt 20–24 · 5
  7. 7. Reiseapotheke, Warnzeichen, Rückkehr und häufige Fragen Abschnitt 25–29 · 5