Wichtig: Malaria ist eine lebensbedrohliche Infektionskrankheit, die sofortige medizinische Aufmerksamkeit erfordert. Dieser Ratgeber dient der Aufklärung und ersetzt keine ärztliche Beratung.

1. Ätiologie (Ursachen)

Malaria wird durch Parasiten der Gattung Plasmodium verursacht. Diese einzelligen Protozoen werden durch infizierte weibliche Anopheles-Moskitos übertragen. Das komplexe Lebenszyklus des Parasiten umfasst zwei Stadien: das asexuelle Stadium im menschlichen Körper und das sexuelle Stadium in der Moskito.

Plasmodium-Arten und ihre Bedeutung

Art Häufigkeit Schweregrad Besonderheiten
P. falciparum 50% weltweit Sehr schwer Höchste Sterblichkeitsrate, schwere Komplikationen
P. vivax 45% weltweit Moderat Rückfallfieber möglich, bevorzugt gemäßigte Klimazonen
P. ovale 3% weltweit Leicht bis moderat Ähnlich wie P. vivax, Rückfalle möglich
P. malariae 1% weltweit Leicht Seltene Quartanfieber, chronische Verläufe
P. knowlesi <1% weltweit Schwer Zoonose, schnelle Parasitämie

Übertragungsmechanismus

Die Übertragung erfolgt ausschließlich durch den Stich infizierter weiblicher Anopheles-Moskitos. Der Parasit durchläuft folgende Stadien:

  1. Inoculation: Moskito spritzt Sporozoiten in die Blutbahn ein
  2. Hepatische Phase (7-30 Tage): Parasiten vermehren sich in Leberzellen
  3. Erythrozytäre Phase: Parasiten befallen rote Bluthörperchen und verursachen Symptome
  4. Gametogenese: Geschlechtsformen entstehen, können von Moskitos aufgenommen werden
Anmerkung: Malaria kann auch durch Bluttransfusionen, Organverpflanzungen oder durch intrauterine Übertragung während der Schwangerschaft übertragen werden – diese Fälle sind jedoch selten.

2. Epidemiologie

Globale Verbreitung

Malaria ist eine der bedeutendsten Infektionskrankheiten weltweit. Nach Daten der WHO (2023):

  • 249 Millionen geschätzte Malariainfektionen pro Jahr
  • 608.000 Todesfälle pro Jahr
  • 95% der Todesfälle treten in Afrika auf
  • 80% der Todesfälle betreffen Kinder unter 5 Jahren
  • Über 2 Milliarden Menschen leben in Malaria-Risikogebieten

Hochrisikoregionen

Region Betroffene Länder (Beispiele) Überwiegender Parasit Saisonalität
Subsaharisches Afrika Nigeria, Kongo, Äthiopien, Kenia, Uganda P. falciparum (90%) Regen- und Trockenzeit variabel
Südasien Indien, Bangladesch, Pakistan P. vivax und P. falciparum Juni bis November (Monsun)
Südostasien Thailand, Kambodscha, Myanmar, Laos P. falciparum, P. vivax Mai bis Oktober
Südamerika Brasilien, Peru, Kolumbien P. vivax (80%) Ganzjährig in tropischen Regionen
Melanesien/Pazifik Papua-Neuguinea, Salomonen P. falciparum und P. vivax Dezember bis März

Risikofaktoren bei Kindern

  • Alter unter 5 Jahren (höchste Sterblichkeitsrate)
  • Aufenthalt in Endemiegebieten ohne Mückenprävention
  • Schwangerschaft bei Müttern (in-utero Transmission)
  • Unterernährung und Vitamin-A-Mangel
  • Infektionen mit HIV oder anderen Immundefekten
  • Fehlende oder unvollständige Impfungen gegen andere Krankheiten
  • Mangelnder Zugang zu Diagnostik und Therapie

3. Klinische Symptome

Inkubationszeit

Die Symptome erscheinen typischerweise 7-30 Tage nach der Exposition, mit Durchschnitt von 10-15 Tagen. P. vivax und P. ovale können jedoch mit bis zu 6-12 Monaten verlängerte Inkubationszeiten haben.

Klassisches Malariafieber (Fieberanfall)

Das charakteristische Muster bei P. vivax und P. malariae ist das tertiäre oder quartäne Fieber:

Tertiäres Fieber (48-stündiger Zyklus):
Tag 1: Schüttelfrost, Kopfschmerz, Muskelschmerzen → Fieber bis 40-41°C (2-3 Stunden) → Schweiß und Temperaturabfall
Tag 2: Symptomfreie Pause
Tag 3: Wiederholung des Zyklus

Frühe Symptome (erste 3-5 Tage)

  • Fieber: Hohes Fieber, oft über 40°C
  • Kopfschmerzen: Schwer, diffus
  • Muskel- und Gelenkschmerzen: Besonders in Rücken und Extremitäten
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Diarrhoe (häufig bei Kindern)
  • Anorexie (Appetitlosigkeit)
  • Reizbarkeit und Lethargie
  • Bauchschmerzen

Klinische Befunde bei der Untersuchung

  • Fieber (variabel, manchmal intermittierend)
  • Splenomegalie: Vergrößerte Milz (bis 50% der Fälle)
  • Hepatomegalie: Vergrößerte Leber
  • Gelbsucht (bei schweren Fällen)
  • Bindehautentzündung: Ohne Exsudat
  • Lymphadenopathie: Geschwollene Lymphknoten
  • Tachykardie (erhöhte Herzfrequenz)
  • Tachypnoe (erhöhte Atemfrequenz bei metabolischer Azidose)

Schwere Malaria und Komplikationen

Zeichen schwerer Malaria:
  • Cerebrale Malaria (Koma, Krampfanfälle, Verhaltensstörungen)
  • Schwere Anämie (Hämoglobin <7 g/dL)
  • Akutes Nierenverlust (Kreatinin >3 mg/dL)
  • Pulmonales Ödem oder akutes Atemnotsyndrom (ARDS)
  • Hypoglykämie (<40 mg/dL)
  • Lactatazidose (pH <7.35, Laktat >5 mmol/L)
  • Schwere Thrombozytopenie (<50.000/μL) mit Blutungen
  • Ruptur der Milz
  • Disseminierte intravasale Gerinnung (DIC)

Unterschiede zwischen Plasmodium-Arten bei Kindern

Art Typische Symptome Schweregrad Besonderheiten
P. falciparum Hohes Fieber, Kopfschmerzen, Durchfall Sehr schwer Schnelle Progression, cerebrale Komplikationen häufig
P. vivax Fieber mit 48h-Zyklus, Schüttelfrost Moderat Rückfallfieber über Monate möglich
P. ovale Ähnlich P. vivax, weniger schwer Leicht bis moderat Seltene Komplikationen
P. malariae Fieber mit 72h-Zyklus (Quartanfieber) Leicht Kann chronisch werden

4. Diagnostik

Klinische Verdachtsdiagnose

Bei jedem Kind mit Fieber und bekanntem Aufenthalt in einem Malaria-Endemiegebiet sollte Malaria in Betracht gezogen werden. Eine wichtige Regel: "Fieber + Reisegeschichte = Malaria, bis das Gegenteil bewiesen ist"

Mikroskopische Diagnostik (Goldstandard)

Die Diagnose wird durch den Nachweis von Parasiten in Blutausstrichen bestätigt:

  • Dicker Tropfen: Für Screening, zeigt ob Parasiten vorhanden sind
  • Dünner Blutausstrich: Zur Artbestimmung und Parasitämie-Bestimmung (Prozentsatz befallener RBCs)
  • Häufigkeit: Minimum 3 Ausstriche, da Parasitämie zyklisch ist (idealerweise während Fieberspitzen)
  • Sensitivität: 95-99% bei richtig durchgeführter Untersuchung, aber abhängig von Erfahrung des Labors

Schnelltests (RDTs - Rapid Diagnostic Tests)

Immunologische Tests, die Malariaantigene nachweisen:

  • Sensitivität: 85-95% bei hoher Parasitämie, 60-80% bei niedriger Parasitämie
  • Spezifität: 95-99%
  • Vorteile: Schnell (15-20 Min), keine spezielle Ausrüstung nötig, bei hohen Parasitämien zuverlässig
  • Nachteile: Falschen Ergebnisse bei niedriger Parasitämie, können auf antigenisch unterschiedliche Stämme nicht zuverlässig reagieren
  • Empfehlung: Mit Mikroskopie bestätigen, besonders bei niedrigem Verdacht

Molekulare Diagnostik

  • PCR (Polymerasekettenreaktion): Goldstandard für Sensitivität und Spezifität (99%), kann <1 Parasit/μL nachweisen
  • Loop-mediated Isothermal Amplification (LAMP): Schneller als PCR, einfacher durchzuführen
  • Nutzen: Konfirmation von RDT-Befunden, Detektion niedriger Parasitämien, Artbestimmung bei gemischten Infektionen
  • Nachteil: Kostspielig, nicht überall verfügbar

Zusätzliche Laboruntersuchungen

Test Befunde bei Malaria Klinische Bedeutung
Hämoglobin Anämie (6-10 g/dL) Schweregrad und Prognose
Blutplättchen Thrombozytopenie (<100.000/μL) Blutungsrisiko, schwere Krankheit
Leberfunktion Erhöhte Transaminasen Hepatozelluläre Beteiligung
Nierenfunktion Erhöhtes Kreatinin Nierenversagen (schwere Krankheit)
Laktat, Glukose Laktatazidose, Hypoglykämie Metabolische Komplikationen
Blutkultur Koinfektionen ausschließen Sepsis-Ausschluss

5. Therapie und Heilung

Prinzipien der Malariabehandlung

  • Zeitpunkt: Schnelle Behandlung (innerhalb von 24 Stunden nach Diagnose) ist entscheidend
  • Artgerechte Therapie: Abhängig von Plasmodium-Art und Resistenzmuster
  • Schweregrad: Schwere Fälle erfordern stationäre Behandlung und oft parenterale Medikamente
  • Überwachung: Regelmäßige Blutkontrollen zur Überwachung der Parasitämiereduktion

Medikamentöse Therapie nach Art und Region

Plasmodium-Art Empfohlene Therapie (WHO 2023) Dosierung (Beispiel 20kg Kind) Dauer
P. falciparum (unkompliziert) Artemisinin-Kombinationstherapie (ACT) z.B. Artemether-Lumefantrin: 80mg/480mg je Dosis 3 Tage
P. falciparum (schwer) Artesunate IV/IM 2.4 mg/kg IV/IM Day 0, 1, 2, dann oral 3+ Tage
P. vivax/ovale (unkompliziert) Chloroquin (wenn sensibel) oder ACT Chloroquin: 10mg/kg Tag 1, dann 5mg/kg Tag 2-3 3 Tage
P. vivax/ovale (Rückfallprävention) Primaquin 0.5mg/kg/Tag 14 Tage
P. malariae Chloroquin Wie oben 3 Tage

Artemisinin-Kombinationstherapien (ACTs)

Dies sind derzeit die wirksamsten Malariamedikamente:

  • Artemether-Lumefantrin: In Afrika und Südostasien weit verbreitet
  • Artesunat-Amodiaquin: Gut toleriert
  • Dihydroartemisinin-Piperaquin: Längere Wirkdauer
  • Artesunat-Mefloquin: Für Südostasien

Vorteile der ACTs:

  • Schnelle Parasitenbefalls-Reduktion (um 95% in 48 Stunden)
  • Niedrigere Gametocyt-Prävalenz (reduziert Übertragung)
  • Bessere Verträglichkeit als ältere Medikamente
  • Wirksam gegen resistente Stämme

Behandlung schwerer Malaria

Notfallbehandlung:
  • Erste Linie: Intravenöses oder intramuskuläres Artesunat
  • Dosierung: 2.4 mg/kg IV/IM am Tag 0, 1, 2, dann wechsel zu oralen ACT
  • Studien zeigen 35% Mortalitätsreduktion im Vergleich zu Quinin
  • Management von Komplikationen: Transfusion, Dialyse, mechanische Beatmung bei Bedarf

Spezielle Situationen

Behandlung in der Schwangerschaft

  • Artemisinin-Kombinationstherapien sind sicher im 2. und 3. Trimester
  • Im 1. Trimester: Quinin oder Mefloquin (wenn Artemisinin nicht verfügbar)
  • Primaquin kontraindiziert (Risiko hämolytischer Krisen)

Neugeborene und Säuglinge

  • Dosierung nach Körpergewicht
  • Artemisinin-Kombinationstherapien sind ab Geburt sicher
  • Häufigere Überwachung nötig

Behandlung bei Aktualisierung zur G6PD-Mangel

  • Primaquin ist kontraindiziert (Risiko für Hämolyse)
  • Alternative: Wiederholte Blutuntersuchungen zur Rückfallprävention

Prognose nach Behandlung

Unkomplizierte Malaria:

  • Mit früher und korrekter Behandlung: >95% Heilungsrate
  • Fieberrückgang typischerweise innerhalb von 24-72 Stunden
  • Vollständige Parasitenclearance (negativer Blutausstrich) innerhalb von 7 Tagen

Schwere Malaria:

  • Mit sofortiger Behandlung: 80-90% Überlebensrate bei Kindern
  • Ohne Behandlung oder verzögerter Behandlung: Mortalität bis 50%
  • Neurologische Komplikationen können persistieren

6. Prognose und Langzeitfolgen

Prognostische Faktoren

Günstiger Faktor Ungünstiger Faktor
Frühe Diagnose (<3 Tage Symptome) Späte Diagnose (>7 Tage Symptome)
Zeitnahe Behandlung (<24 h nach Diagnose) Verzögerte Behandlung (>48 h)
Niedrige Parasitämie (<1%) Hohe Parasitämie (>10%)
Hämoglobin >8 g/dL Schwere Anämie (<5 g/dL)
Normale Nierenfunktion Akutes Nierenverlust (Kreatinin >3 mg/dL)
Normoglykämie Hypoglykämie (<40 mg/dL)
Thrombozytopenie nicht schwer (>50.000/μL) Schwere Thrombozytopenie (<20.000/μL)

Langzeitfolgen schwerer Malaria

Cerebrale Malaria:

  • 30-50% der Überlebenden haben neurologische Langzeitfolgen
  • Häufige Probleme: Spastizität, Krampfanfälle, Entwicklungsverzögerungen, kognitive Beeinträchtigung
  • Bessere Prognose bei frühem Therapiestart

Malariaassoziierte Anämie:

  • Kann über Wochen bestehen bleiben
  • Eisenersatztherapie kann erforderlich sein
  • Vollständige Erholung typischerweise innerhalb von 3-6 Monaten

Immunität:

  • Natürliche Immunität entwickelt sich mit wiederholten Infektionen
  • Kinder in Endemiegebieten haben nach mehreren Jahren teilweise Schutz
  • Diese Immunität wäre schwach und erfordert regelmäßige Exposition zur Aufrechterhaltung

7. Ländervergleiche und epidemiologische Unterschiede

Afrika (Subsahara)

Situation:
  • Trägt 95% der Malariatodesfälle weltweit
  • Höchste Infektionsraten bei Kindern unter 5 Jahren
  • Nigeria allein: ~26 Millionen Fälle pro Jahr
  • Haupterreger: P. falciparum (90%+)
Besonderheiten:
  • Starke saisonale Variation (Regen- und Trockenzeit)
  • Komplexe Resistenzentwicklung gegen Medikamente
  • Begrenzte diagnostische Ressourcen in ländlichen Gebieten
  • Gute Ergebnisse mit ACT und Insektizidrückgang, RTS,S-Impfstoff wird verbreitet

Südostasien (Thailand, Myanmar, Kambodscha, Laos)

Situation:
  • Mittlere bis hohe Endemizität in waldigen Grenzgebieten
  • Etwa 5-10% der globalen Fälle
  • Mix von P. falciparum und P. vivax
Besonderheiten:
  • Artemisinin-Resistenz erkannt, aber ACT-Partner bleiben wirksam
  • Waldbedingte Malaria ("forest malaria") - Übertragung in Waldgebieten
  • Schwellenfallezahlen in den letzten Jahren
  • Herausforderung: Wanderarbeitnehmer und informelle Siedlungen

Südasien (Indien, Pakistan, Bangladesch)

Situation:
  • Etwa 7-8% der globalen Malarialast
  • Große geografische Unterschiede (Südindien niedriger, Nordindien höher)
  • Etwa 2-3 Millionen Fälle pro Jahr geschätzt
Besonderheiten:
  • Monsun-assoziierte saisonale Spitzen
  • Hauptsächlich P. vivax (60%) und P. falciparum (40%)
  • Bessere Diagnose- und Behandlungsverfügbarkeit in städtischen Gebieten

Südamerika (Brasilien, Peru, Kolumbien)

Situation:
  • Etwa 5-7% der globalen Fälle
  • Hauptsächlich P. vivax (80%), relativ wenig P. falciparum
Besonderheiten:
  • Amazonaswald ist Hauptendemiegebiet
  • Ganzjährige Übertragung in tropischen Regionen
  • Rückfallfieber bei P. vivax häufig
  • Bessere Infrastruktur als Afrika, aber ländliche Gebiete unterversorgt

8. Prävention

Individuelle Prävention für Reisende

  • Mückenabwehrmittel: DEET 20-30% oder Icaridin 20%
  • Lange Kleidung: Besonders abends und nachts
  • Moskitonetze: Idealerweise mit insektizider Behandlung
  • Insektizid-besprühte Netze: Reduzieren Malaria um 70%
  • Klimatisierung: Hält Mücken fernab

Chemoprophylaxe (Malariaprävention)

Für Nicht-Immune, die in Endemiegebiete reisen:

  • Chloroquin: In sensiblen Gebieten (z.B. Zentralamerika)
  • Mefloquin (Lariam): Für Regionen mit Chloroquin-Resistenz
  • Atovaquon-Proguanil: Kurzzeitprophylaxe, teuer
  • Doxycyclin: Ab 8 Jahren, gute Wirksamkeit
  • Artemether-Lumefantrin: Neuere Option, noch nicht überall verfügbar

Impfungen

RTS,S (Mosquirix):

  • Erste Malariaimpfstoff mit weltweiter WHO-Empfehlung (2021)
  • Wirksam gegen P. falciparum
  • Reduziert Malaria-Episoden um 40% bei Kindern 5-17 Jahren
  • Reduziert schwere Malaria um 90%
  • Schützt nicht vor P. vivax und anderen Arten
  • Rollout in Afrika seit 2019

R21/Matrix-M (Shingrix):

  • Zweiter Impfstoff mit WHO-Empfehlung (2021)
  • Ähnliche Effektivität wie RTS,S
  • Billiger und einfacher herzustellen
  • Rollout in mehreren afrikanischen Ländern begonnen

Öffentliche Gesundheitsmaßnahmen

  • Insektizidhaltige Netze: Massenverteilung an Haushalte
  • Innenraum-Insektizidsprühung: Besonders vor Regensaison
  • Wassergewässer-Management: Larvenbekämpfung
  • Früherkennung und -behandlung: Schnelle Diagnostik und Therapie
  • Artemisinin-Kombinationstherapie: Kostenlos oder subventioniert in vielen Ländern

9. Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Frage 1: Kann mein Kind sich in Deutschland mit Malaria anstecken?

Antwort: Nein, derzeit nicht. Es gibt keine etablierten Malaria-Übertragungsgebiete in Deutschland. Ausnahmen wären extrem selten (infizierte importierte Mücken). Das Risiko ist praktisch null, solange Ihr Kind nicht reist.

Frage 2: Was sollte ich tun, wenn mein Kind während einer Reise in einem Malariagebiet Fieber bekommt?

Antwort: Suchen Sie sofort einen Arzt auf. Sagen Sie dem Arzt, wo Sie waren. Der Arzt wird wahrscheinlich einen Blutausstrich oder schnellen Test durchführen. Beginnen Sie nicht selbst mit Medikamenten. Malaria ist ernst, aber mit schneller Diagnose und Behandlung ist die Heilung sehr wahrscheinlich.

Frage 3: Ist Malaria ansteckend von Person zu Person?

Antwort: Nein, nicht direkt. Malaria wird nur durch Mückenstiche übertragen. Ihr Kind ist nicht ansteckend für andere. Ausnahme: Bluttransfusionen oder Nadelstichverletzungen mit infiziertem Blut (sehr selten).

Frage 4: Kann mein Kind malaria mehr als einmal bekommen?

Antwort: Ja. Es gibt keine dauerhaften Immunität gegen Malaria. Jede Exposition kann zu einer neuen Infektion führen. Kinder in Endemiegebieten können mehrmals pro Jahr infiziert werden, entwickeln aber teilweise Schutz nach wiederholten Infektionen.

Frage 5: Ist Primaquin sicher für mein Kind?

Antwort: Primaquin ist wirksam gegen Rückfallformen von P. vivax und P. ovale, aber kann bei Kindern mit G6PD-Mangel (eine genetische Bluterkrankung) zu schweren Blutabbau führen. Vor Gabe sollte ein G6PD-Test durchgeführt werden, besonders bei afrikanischen oder mediterranen Stämmen.

Frage 6: Wie lange dauert es, bis mein Kind sich nach Malaria erholt?

Antwort: Mit Behandlung erholt sich der Körper der meisten Kinder innerhalb von 1-2 Wochen. Allerdings können eine Anämie und Schwäche noch wochen- bis monatelang anhalten. Schwere Fälle mit Komplikationen können länger dauern.

Frage 7: Wie effektiv sind die Malariaimpfstoffe?

Antwort: Die beiden WHO-empfohlenen Impfstoffe (RTS,S und R21) reduzieren Malaria-Episoden um etwa 40% und schwere Malaria um 90% bei Kindern in Afrika. Sie sind ein wichtiger Zusatz zu anderen Vorbeugungsmaßnahmen, aber kein vollständiger Schutz. Sie wirken nur gegen P. falciparum, nicht gegen P. vivax und andere Arten.

Frage 8: Was ist der Unterschied zwischen Malaria und Dengue-Fieber?

Antwort: Beide sind durch Insektenstiche übertragene Krankheiten, aber mit unterschiedlichen Erregern und Symptomen. Malaria hat Fiebermuster (Schüttelfrost, hohes Fieber, Schweiß) und Organkomplicationspotenzial. Dengue-Fieber hat typischerweise starke Gelenkschmerzen ("breakbone fever"). Die Diagnose erfordert spezifische Tests.

Frage 9: Kann mein Kind zu Hause Malaria bekommen, wenn ein Familienmitglied betroffen ist?

Antwort: Nur wenn Mücken vorhanden sind und die Bedingungen der Übertragung erfüllt sind. In gemäßigten Klimazonen mit Anopheles-Moskitos ist die Wahrscheinlichkeit gering. In tropischen Gebieten könnte dies ein Risiko sein. Alle Familienmitglieder sollten behandelt werden, um das Übertragungsrisiko zu reduzieren.

Frage 10: Welche Nebenwirkungen können Antimalariamedikamente haben?

Antwort: Die meisten Antimalariamedikamente sind gut verträglich. Häufige Nebenwirkungen sind Übelkeit, Kopfschmerz und Hautausschlag. Schwerwiegende Nebenwirkungen sind selten. Mefloquin kann psychische Nebenwirkungen verursachen. Primaquin kann bei G6PD-Mangel schwerwiegend sein. Ihr Arzt wird die beste Option für Ihr Kind wählen.

10. Zusammenfassung und wichtigste Punkte

  • Malaria ist eine ernsthafte, aber behandelbare Krankheit bei Kindern, besonders unter 5 Jahren
  • Die schnelle Diagnose und Behandlung sind entscheidend für das Überleben und Vermeidung von Komplikationen
  • Reisen in Malariagebiete erfordern umfassende Vorbeugung (Netze, Repellentien, möglicherweise Prophylaxe)
  • Neue Impfstoffe bieten zusätzlichen Schutz, ersetzen aber nicht andere Vorbeugungsmaßnahmen
  • Artemisinin-Kombinationstherapien sind die wirksamsten Behandlungen
  • Neurologische Langzeitfolgen schwerer Malaria sind möglich, aber selten mit früher Behandlung
  • Jedes Fieber bei Kindern mit Reisegeschichte sollte auf Malaria untersucht werden

Quellen und Referenzen

  • Weltgesundheitsorganisation (WHO). World Malaria Report 2023. Genf: WHO, 2023.
  • WHO. Guidelines for malaria. Geneva: WHO, 2022.
  • Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Malaria. https://www.cdc.gov/malaria/
  • Tropimed (Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit). Leitlinien zur Diagnostik und Therapie von Malaria und anderen parasitären Krankheiten. 2021.
  • Bhattacharya S, Das A, Ayodhya SK. Malaria in children. In: Kliegman RM et al. Nelson Textbook of Pediatrics. 22nd ed. Philadelphia: Elsevier; 2021.
  • Genton B, D'Acremont V, Rare L, et al. Long-term efficacy of RTS,S/AS02A malaria vaccine in African children. N Engl J Med. 2020.
  • Lancet Infectious Diseases Commission. Malaria eradication within a generation. Lancet Infect Dis. 2019;19(1):e1-e5.
  • Rosenthal PJ. Antimalarial drugs: mechanisms of action. UpToDate. 2023.
  • RKI (Robert Koch Institut). Infektionskrankheiten A-Z: Malaria. https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/M/Malaria/Malaria.html
  • Bundesamt für Gesundheit (BAG), Schweiz. Malaria - Prävention. 2023.