Reisen in große Höhen, Baden in Pool und Meer, eine kindersichere Unterkunft, Reisen mit chronisch kranken Kindern und was für Jugendliche auf Reisen gilt.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel ersetzt keine individuelle reisemedizinische Beratung. Ob, welche Impfungen, welche Malariaprophylaxe und welche Vorbereitung Ihr Kind für eine konkrete Reise braucht, hängt von Alter, Gewicht, Vorerkrankungen, genauer Route, Reisezeit und Aufenthaltsdauer ab. Besprechen Sie das bitte rechtzeitig persönlich – bei Fernreisen idealerweise sechs bis acht Wochen vor Abreise – mit Ihrer Kinderärztin, Ihrem Kinderarzt oder einer reisemedizinischen Praxis.

20 Reisen in große Höhen

Ab etwa 2.500 Metern kann Höhenkrankheit auftreten. Kinder sind grundsätzlich nicht vor Höhenkrankheit geschützt und scheinen mindestens ähnlich empfindlich zu sein wie Erwachsene.

Bei kleinen Kindern ist die Diagnose schwieriger, weil sie Kopfschmerzen oder Schwindel nicht zuverlässig beschreiben können. Auffällige Reizbarkeit, ungewöhnliche Müdigkeit, schlechter Schlaf, verminderter Appetit oder Erbrechen nach einem deutlichen Höhenanstieg können Hinweise sein.

Bekannte Reiseziele liegen teilweise überraschend hoch: Cusco etwa auf 3.350 Metern, La Paz rund 3.650 Meter und Lhasa ungefähr 3.700 Meter. Ein direkter Flug von Meereshöhe in eine solche Stadt führt somit innerhalb weniger Stunden zu einer erheblichen Höhenexposition.

Langsamer Aufstieg und Zeit zur Akklimatisation sind die wichtigsten Maßnahmen. Bei deutlichen Beschwerden ist weiteres Aufsteigen falsch; bei schweren Symptomen muss abgestiegen und medizinische Hilfe gesucht werden. Kinder mit relevanten Herz- oder Lungenerkrankungen sollten Höhenreisen vorher individuell besprechen.

21 Baden, Pools und Meer

Ertrinken gehört zu den wichtigsten vermeidbaren Todesursachen bei reisenden Kindern. Ein Pool direkt vor dem Hotelzimmer ist für Eltern bequem, für ein Kleinkind aber gleichzeitig eine erhebliche Gefahrenquelle.

Bei Babys und Kleinkindern bedeutet sichere Aufsicht, sich in unmittelbarer Reichweite zu befinden. Schwimmflügel, Luftmatratzen und aufblasbare Tiere ersetzen keine Aufsicht und keine geeignete Schwimmweste.

Auch Kinder, die bereits schwimmen können, sollten im Meer beaufsichtigt werden. Strömungen, Wellen und ungewohnte Wassertiefe unterscheiden sich deutlich vom Schwimmbad.

22 Hotel und Ferienwohnung kindersicher machen

Direkt nach der Ankunft lohnt sich ein kurzer Sicherheitsrundgang. Betrachten Sie Balkontüren, Geländer, Fenster, Treppen, Steckdosen, offene Pools, Wasserkocher, Medikamente, Putzmittel und schwere Möbel aus der Perspektive eines Kleinkindes.

Bei Babys ist außerdem ein geeigneter Schlafplatz wichtig. Nicht jedes vom Hotel angebotene Reisebett erfüllt dieselben Sicherheitsstandards. Weiche Matratzen, große Kissen, lose Decken und improvisierte Schlafmöglichkeiten sind für Säuglinge nicht geeignet. Internationale pädiatrische Reiseempfehlungen raten ausdrücklich dazu, Unterkünfte auf solche Gefahren zu kontrollieren.

23 Reisen mit chronisch kranken Kindern

Eine chronische Erkrankung bedeutet nicht automatisch, dass Reisen vermieden werden müssen. Häufig ist lediglich mehr Vorbereitung notwendig.

Bei Asthma sollten ausreichend Medikamente, Inhalationshilfe und ein klarer Notfallplan vorhanden sein. Bei schweren Allergien gehören Notfallmedikamente in das Handgepäck und sollten jederzeit erreichbar sein. Bei Epilepsie können Schlafmangel und ausgelassene Medikamentendosen problematisch sein. Bei Diabetes müssen Insulin, Messgeräte, Ersatzmaterial und die Zeitverschiebung berücksichtigt werden.

Kinder mit komplexen Herzfehlern, schwerer Lungenerkrankung, Immunsuppression oder anderen schweren Erkrankungen benötigen eine individuellere Planung. Bei Fernreisen kann es sinnvoll sein, bereits vorab geeignete Kliniken am Reiseziel zu recherchieren.

Medikamente sollten nicht exakt auf die geplante Reisedauer kalkuliert werden. Verspätete Rückflüge, verlorene Tabletten oder Erbrechen einzelner Dosen können sonst rasch zu einem Problem werden.

24 Jugendliche auf Reisen

Bei Jugendlichen sollte Reisemedizin nicht ausschließlich aus Impfungen und Mückenschutz bestehen.

Wer sich am Urlaubsort alleine bewegt, braucht Informationen über sicheren Verkehr und lokale Risiken. Motorroller gehören in vielen Urlaubsländern zu den häufigsten Verkehrsmitteln, können aber gerade für unerfahrene Jugendliche ein erhebliches Unfallrisiko darstellen.

Sexuell aktive Jugendliche sollten Zugang zu verlässlicher Information über Schwangerschafts- und STI-Prävention haben; Kondome gehören bei Bedarf zur Reiseapotheke. Auch lokale Gesetze und kulturelle Regeln können sich erheblich von Österreich unterscheiden.

Alkohol, Schlafmangel und Gruppendruck erhöhen zusätzlich die Wahrscheinlichkeit von Unfällen. Ein vorher vereinbarter Plan, wie ein Jugendlicher nachts sicher zur Unterkunft zurückkommt, kann deshalb gesundheitlich relevanter sein als manche seltene Tropenkrankheit.

Alle Kapitel dieses Ratgebers

  1. 1. Vorbereitung und das passende Reiseziel Abschnitt 1–2 · 2
  2. 2. Unterwegs: Auto, Flugzeug, Zug und Schiff Abschnitt 3–6 · 4
  3. 3. Sonne, Hitze, Essen und Durchfall Abschnitt 7–11 · 5
  4. 4. Mücken, Tropenkrankheiten und Tiere Abschnitt 12–17 · 6
  5. 5. Reiseimpfungen und Reiseziele im Vergleich Abschnitt 18–19 · 2
  6. 6. Besondere Situationen: Höhe, Wasser, Unterkunft, chronische Krankheiten, Jugendliche Abschnitt 20–24 · 5
  7. 7. Reiseapotheke, Warnzeichen, Rückkehr und häufige Fragen Abschnitt 25–29 · 5