Asthma bronchiale
Asthma bronchiale ist die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter – in Österreich lebt etwa jedes zehnte Kind mit asthmatischen Beschwerden. Für Eltern beginnt der Weg meist mit einem hartnäckigen Husten, der nach jedem Infekt wiederkommt, oder mit einem pfeifenden Geräusch beim Ausatmen, das nachts lauter wird. Dieser Ratgeber erklärt, wie Asthma entsteht, wie häufig es wirklich ist, wie die Diagnose in der Ordination gestellt wird, welche Medikamente wie wirken und was Sie als Eltern zu Hause tun können. Er ersetzt kein ärztliches Gespräch, soll Sie aber in die Lage versetzen, dieses Gespräch informiert zu führen.
Das Wichtigste in Kürze
Asthma ist eine chronische Entzündung der Atemwege mit anfallsartiger, grundsätzlich rückbildungsfähiger Verengung der Bronchien. Es ist nicht heilbar, aber in den allermeisten Fällen sehr gut kontrollierbar. Ziel der Behandlung ist ein Kind, das schläft, spielt, Sport betreibt und die Schule besucht wie jedes andere Kind. Entscheidend dafür sind drei Dinge: eine korrekt gestellte Diagnose, eine regelmäßig – nicht nur bei Beschwerden – angewendete entzündungshemmende Inhalationstherapie und eine saubere Inhalationstechnik. Ein reines Bedarfsspray ohne entzündungshemmenden Anteil gilt seit den aktuellen internationalen Empfehlungen nicht mehr als ausreichende Dauerlösung.
Ätiologie und Krankheitsentstehung
Asthma bronchiale ist keine einzelne Krankheit mit einer einzigen Ursache, sondern ein Sammelbegriff für mehrere Krankheitsbilder, die sich im Ergebnis ähneln: eine dauerhafte Entzündung der Bronchialschleimhaut, eine überempfindliche Reaktionsbereitschaft der Atemwege (bronchiale Hyperreagibilität) und eine anfallsweise Verengung der Bronchien, die sich von selbst oder unter Medikamenten wieder zurückbildet. Diese Rückbildungsfähigkeit – Fachleute sagen Reversibilität – unterscheidet Asthma von den meisten anderen chronischen Lungenerkrankungen und ist der Grund, warum die Prognose im Kindesalter grundsätzlich gut ist.
Was im Bronchus tatsächlich passiert
Drei Vorgänge laufen gleichzeitig ab und verengen den Atemweg von innen wie von außen. Erstens verkrampft die glatte Ringmuskulatur, die jeden Bronchus umgibt – das ist der schnellste Vorgang, er läuft binnen Minuten ab und ist derjenige, den ein Bedarfsspray innerhalb von Minuten wieder löst. Zweitens schwillt die Schleimhaut an, weil entzündliche Botenstoffe die Gefäße durchlässig machen. Drittens produzieren Becherzellen zähen Schleim, der den ohnehin verengten Kanal zusätzlich verlegt. Weil der Brustkorb beim Einatmen aktiv geweitet wird, beim Ausatmen aber passiv zusammenfällt, macht sich die Verengung zuerst und am stärksten beim Ausatmen bemerkbar. Daher das typische Pfeifen und die verlängerte Ausatemphase.
Bei der häufigsten Form, dem allergischen oder Typ-2-Asthma, steuert eine bestimmte Gruppe von Immunzellen diese Entzündung. Sie schütten Botenstoffe wie Interleukin-4, Interleukin-5 und Interleukin-13 aus. Diese Botenstoffe veranlassen die Bildung von IgE-Antikörpern gegen an sich harmlose Eiweiße – Milbenkot, Katzenschuppen, Birkenpollen –, locken eosinophile Granulozyten in die Schleimhaut und kurbeln die Schleimproduktion an. Genau an diesen Botenstoffen setzen die modernen Biologika an, und genau diese Entzündung misst man indirekt über das ausgeatmete Stickstoffmonoxid (FeNO) und die Eosinophilenzahl im Blut. Bei einem kleineren Teil der Kinder verläuft die Entzündung ohne nachweisbare Allergie; hier stehen Infekte, Reizstoffe und Übergewicht im Vordergrund.
Bleibt die Entzündung über Jahre unbehandelt, kann es zum sogenannten Remodeling kommen: Die Basalmembran verdickt sich, die glatte Muskulatur nimmt an Masse zu, und ein Teil der Verengung bildet sich nicht mehr vollständig zurück. Das ist das eigentliche Argument für eine konsequente, langfristige entzündungshemmende Therapie – nicht die einzelne durchwachte Nacht, sondern der Erhalt der Lungenfunktion für das Erwachsenenalter.
Genetische Veranlagung
Asthma wird nicht nach einem einfachen Erbgang weitergegeben. Zwillingsuntersuchungen schätzen den erblichen Anteil an der Krankheitsentstehung auf rund 60 bis 80 Prozent, verteilt auf sehr viele Genvarianten mit jeweils kleinem Effekt. Am besten belegt ist die Genregion auf Chromosom 17q21 (unter anderem die Gene ORMDL3 und GSDMB): Kinder mit bestimmten Varianten in dieser Region entwickeln nach Rhinovirus-Infekten im Kleinkindalter deutlich häufiger ein persistierendes Asthma als Kinder ohne diese Varianten. Das ist ein Musterbeispiel für das Zusammenspiel von Anlage und Umwelt – das Gen allein macht kein Asthma, der Infekt allein auch nicht.
Praktisch bedeutsam für Eltern ist die Familienanamnese: Hat ein Elternteil Asthma, Heuschnupfen oder Neurodermitis, ist das Risiko des Kindes etwa verdoppelt; sind beide Eltern betroffen, steigt es weiter. Häufig durchläuft ein Kind den sogenannten atopischen Marsch: Neurodermitis und Nahrungsmittelallergie im Säuglingsalter, allergischer Schnupfen im Kindergartenalter, Asthma im Volksschulalter. Wer diesen Verlauf kennt, erkennt die Warnzeichen früher.
Umwelt- und Lebensstilfaktoren
- Allergene im Wohnraum: Hausstaubmilben sind in Österreich das mit Abstand wichtigste Innenraumallergen, gefolgt von Katzen- und Hundeepithelien sowie Schimmelpilzen in feuchten Wohnungen. Draußen dominieren Gräser-, Birken- und Beifußpollen, im Osten Österreichs zusätzlich Ragweed (Ambrosia), dessen Blüte den Pollenkalender bis in den Oktober verlängert.
- Tabakrauch: Rauchen in der Schwangerschaft erhöht das Asthmarisiko des Kindes nach Auswertung mehrerer Beobachtungsstudien um etwa 30 bis 50 Prozent; Passivrauch nach der Geburt verschlechtert Symptomkontrolle und Lungenfunktion zusätzlich. Auch E-Zigaretten und Wasserpfeifen sind Reizquellen und keine harmlose Alternative.
- Luftschadstoffe: Feinstaub (PM2,5 und PM10), Stickstoffdioxid und Ozon sind sowohl Auslöser akuter Verschlechterungen als auch Mitverursacher der Neuerkrankung. Eine viel beachtete Modellrechnung in The Lancet Planetary Health (2019) führte weltweit etwa vier Millionen neue kindliche Asthmafälle pro Jahr auf verkehrsbedingtes Stickstoffdioxid zurück – rund 13 Prozent aller Neuerkrankungen. Die WHO-Luftgüteleitlinien von 2021 senkten den Jahresrichtwert für PM2,5 auf 5 Mikrogramm pro Kubikmeter, ein Wert, der in vielen österreichischen Ballungsräumen überschritten wird.
- Virusinfekte: Schwere RSV-Bronchiolitiden im ersten Lebensjahr und wiederholte Rhinovirus-Infekte mit Giemen im Kleinkindalter sind die stärksten Einzelprädiktoren für späteres Asthma.
- Übergewicht: Adipositas erhöht Häufigkeit und Schweregrad, verschlechtert das Ansprechen auf Kortison-Inhalation und führt häufig zu Fehldiagnosen, weil Belastungsatemnot auch ohne Asthma auftritt.
- Bauernhof-Effekt: Kinder, die auf traditionellen Bauernhöfen mit Stallkontakt und Rohmilchkonsum aufwachsen, erkranken deutlich seltener an Asthma und Heuschnupfen. Diese Beobachtung stammt unter anderem aus Untersuchungen in Österreich, Bayern und der Schweiz und ist der belastbarste Beleg für die Idee, dass mikrobielle Vielfalt in den ersten Lebensjahren das Immunsystem in eine tolerante Richtung lenkt. Daraus lässt sich allerdings keine einfache Empfehlung ableiten – Rohmilch birgt für Kleinkinder eigene Infektionsrisiken.
Epidemiologie: Zahlen und Ländervergleich
Asthmazahlen sind schwerer zu vergleichen, als es auf den ersten Blick scheint. Manche Erhebungen zählen alle, die je eine Asthmadiagnose bekommen haben (Lebenszeitprävalenz), andere nur jene mit Beschwerden in den letzten zwölf Monaten, wieder andere fragen standardisiert nach pfeifender Atmung im letzten Jahr, ohne dass je ein Arzt eine Diagnose gestellt hätte. Deshalb kursieren für dasselbe Land Zahlen zwischen vier und zehn Prozent. Wer die Angaben unten liest, sollte immer mitlesen, was gezählt wurde.
Österreich
Für Österreich nennen die pneumologischen Fachgesellschaften rund zehn Prozent aller Kinder und Jugendlichen als betroffen; Asthma ist damit die häufigste chronische Erkrankung des Kindesalters im Land. Erhebungen nach den standardisierten ISAAC-Kriterien kommen für Kinder und Jugendliche auf Werte zwischen 4,4 und 6,4 Prozent, das öffentliche Gesundheitsportal des Bundes nennt etwa vier von hundert Kindern mit ärztlich diagnostiziertem Asthma. Die Spannweite erklärt sich aus der oben beschriebenen Methodik: Der Zehn-Prozent-Wert erfasst auch Kinder mit gelegentlichen obstruktiven Episoden, die niedrigeren Werte nur gesicherte, behandelte Diagnosen. Über alle Altersgruppen hinweg leben in Österreich nach Angaben aus Anlass des Welt-Asthma-Tages rund 500.000 Menschen mit Asthma. Die Österreichische Gesellschaft für Pneumologie warnt in ihren Zukunftsszenarien davor, dass ohne wirksamen Klima- und Luftschutz bis 2050 ein weit höherer Anteil der Kinder betroffen sein könnte – das ist eine Prognose, keine gemessene Zahl, unterstreicht aber die Richtung des Trends.
Internationale Einordnung
Die folgenden Angaben stammen aus dem jeweiligen Land und dienen ausschließlich der Einordnung; sie sind nicht auf die österreichische Versorgungssituation übertragbar.
| Land / Region | Kennzahl | Erhebung, Bezugsjahr |
|---|---|---|
| Österreich | rund 10 % der Kinder und Jugendlichen; 4,4–6,4 % nach ISAAC-Kriterien | Angaben der pneumologischen Fachgesellschaften bzw. ISAAC-Erhebungen |
| Deutschland | 3,5 % 12-Monats-Prävalenz bei 0- bis 17-Jährigen | RKI, KiGGS Welle 2, Erhebung 2014–2017 |
| USA | 6,7 % der unter 18-Jährigen mit aktuellem Asthma; Bundesstaaten-Spanne 4,1 % (Nebraska) bis 16,0 % (Puerto Rico) | CDC / National Health Interview Survey, 2023 |
| Großbritannien | etwa eines von elf Kindern in asthmabezogener Behandlung | Angaben britischer Patientenorganisationen und des NHS |
| China (Städte) | 3,02 % Gesamtprävalenz; Buben 3,51 %, Mädchen 2,29 %; Anstieg um 52,8 % gegenüber 2000 | 3. landesweite Erhebung, 43 Städte, 463.982 Kinder, 2009/2010 |
| Indien (Neu-Delhi) | 0,9 % aktuelles Giemen bei 13- bis 14-Jährigen – niedrigster Wert aller GAN-Zentren | Global Asthma Network Phase I, 2015–2020 |
| Südafrika (Kapstadt) | 21,3 % aktuelles Giemen bei 13- bis 14-Jährigen – höchster Wert aller GAN-Zentren | Global Asthma Network Phase I, 2015–2020 |
| weltweit | 11,0 % aktuelles Giemen bei 13- bis 14-Jährigen; 262 Mio. Erkrankte aller Altersgruppen, 455.000 Todesfälle | GAN Phase I (25 Länder, über 450.000 Teilnehmende) bzw. Global Burden of Disease 2019 / WHO |
Aus diesen Zahlen lassen sich drei Muster ablesen. Erstens ist die Häufigkeit in wohlhabenden Ländern durchgehend höher als in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen – das Global Asthma Network fand diesen Zusammenhang über alle 63 untersuchten Zentren hinweg. Zweitens sagt eine niedrige gemessene Häufigkeit nichts über die Krankheitslast aus: In Neu-Delhi wurde mit 0,9 Prozent der weltweit niedrigste Giemen-Wert gemessen, gleichzeitig entfällt auf Indien nach Auswertungen der Global-Burden-of-Disease-Daten ein weit überproportionaler Anteil der weltweiten Asthma-Todesfälle. Der Grund ist nicht eine mildere Erkrankung, sondern Unterdiagnose, fehlender Zugang zu inhalativem Kortison und die Verwendung oraler statt inhalativer Präparate. Drittens sind Ost- und Südostasien im Umbruch: Die dritte landesweite chinesische Erhebung dokumentierte binnen zehn Jahren einen Anstieg um mehr als die Hälfte, parallel zu Urbanisierung und Luftverschmutzung. In Japan und Südkorea, wo standardisierte Schul- und Gesundheitsuntersuchungen seit Jahrzehnten laufen, hat sich die Zunahme der 1990er- und 2000er-Jahre inzwischen abgeflacht; die japanische jährliche Schulgesundheitsstatistik weist für Volksschulkinder seit etwa 2010 sogar einen rückläufigen Trend aus. Belastbare aktuelle Prozentwerte für diese beiden Länder lassen sich hier nicht seriös angeben, ohne die zugrunde liegende Erhebung mitzuzitieren.
Geschlecht, Alter und Verlauf in der Bevölkerung
Vor der Pubertät sind Buben deutlich häufiger betroffen als Mädchen – die chinesische Erhebung dokumentierte 3,51 gegenüber 2,29 Prozent, ein Verhältnis von etwa 1,5 zu 1, das sich in fast allen Ländern findet. Ursache sind die im Verhältnis zum Lungenvolumen engeren Atemwege der Buben. Mit der Pubertät kehrt sich das Verhältnis um: Ab dem Jugendalter erkranken Mädchen häufiger und schwerer. Zugleich ist Asthma die häufigste Ursache für krankheitsbedingte Schulfehltage im Kindesalter und eine der häufigsten Ursachen für vermeidbare Krankenhausaufnahmen von Kindern.
Todesfälle sind selten – aber meist vermeidbar
Asthmatodesfälle im Kindesalter sind in Österreich sehr selten. Die britische Untersuchung aller Asthmatodesfälle (National Review of Asthma Deaths, 2014) fand jedoch, dass bei etwa zwei von drei Todesfällen vermeidbare Faktoren vorlagen: übermäßiger Verbrauch des Bedarfssprays, nicht eingenommene Dauertherapie, fehlender schriftlicher Notfallplan und unterschätzte Warnzeichen in den Wochen davor. Weltweit sterben laut WHO jährlich rund 455.000 Menschen an Asthma, überwiegend in Ländern mit eingeschränktem Zugang zu inhalativem Kortison.
Symptome und Verlauf
Asthma sieht bei Kindern anders aus als bei Erwachsenen, und es sieht bei einem Zweijährigen anders aus als bei einer Zwölfjährigen. Das klassische Bild – Atemnot mit hörbarem Pfeifen – ist eher die Ausnahme als die Regel. Viele Kinder fallen ausschließlich durch Husten auf.
Die Leitsymptome
- Husten: trocken, bellend oder quälend, typischerweise nachts und in den frühen Morgenstunden, beim Herumtoben, beim Lachen und bei kalter Luft. Ein Husten, der nach einem Infekt länger als vier Wochen anhält oder nach jedem Infekt zuverlässig wiederkehrt, ist das häufigste erste Asthmazeichen im Kindesalter.
- Giemen und Brummen: ein pfeifendes, gelegentlich brummendes Geräusch beim Ausatmen. Es kann so leise sein, dass man es nur mit dem Ohr am Rücken des Kindes hört. Achten Sie darauf, wie lange das Ausatmen im Verhältnis zum Einatmen dauert – eine deutlich verlängerte Ausatemphase ist verdächtig.
- Atemnot und Engegefühl: Ältere Kinder beschreiben „einen Gürtel um die Brust“ oder „die Luft geht nicht raus“. Kleinkinder können das nicht benennen; sie klagen über Bauchweh, wollen getragen werden, essen schlechter oder trinken beim Stillen nur in kurzen Portionen.
- Erhöhte Atemarbeit: schnelle Atmung, Einziehungen zwischen den Rippen, am Jugulum über dem Brustbein und unter dem Rippenbogen, Nasenflügeln bei Säuglingen.
- Leistungsknick: Das Kind bleibt beim Laufen zurück, macht beim Sport früher Pausen als die Freunde, ist tagsüber müde und unkonzentriert. Nächtliche Symptome, die niemand bemerkt, äußern sich oft nur als Erschöpfung am Vormittag.
Typische Auslöser
Jedes Kind hat sein eigenes Auslöserprofil, und es lohnt sich, dieses gemeinsam schriftlich festzuhalten. Häufig sind Virusinfekte der Atemwege (bei Kleinkindern der mit Abstand wichtigste Auslöser), Allergene wie Milben, Tierhaare, Schimmel und Pollen, körperliche Anstrengung – besonders in kalter, trockener Luft –, Tabakrauch und Duftsprays, Feinstaub und Ozon, starke Emotionen, Lachen und Weinen, Wetterumschwünge und Gewitter sowie bei empfindlichen Kindern bestimmte Medikamente. Ein saisonales Muster hilft der Diagnose: Beschwerden ausschließlich im Mai und Juni sprechen für Gräserpollen, ganzjährige nächtliche Beschwerden mit Betonung des Winterhalbjahrs für Hausstaubmilben.
Ein Phänomen, das viele Familien kennen, ohne es einordnen zu können, ist die Häufung schwerer Verschlechterungen im September: Nach Schulbeginn zirkulieren Rhinoviren, gleichzeitig ist die Dauertherapie über den Sommer oft eingeschlafen. Wer die Therapie zu Schulbeginn bewusst überprüft, verhindert einen erheblichen Teil dieser Herbstanfälle.
Schweregrade eines akuten Anfalls
| Zeichen | Leicht | Mittelschwer | Schwer – Notfall |
|---|---|---|---|
| Sprechen | ganze Sätze | kurze Sätze, abgehackt | einzelne Wörter oder gar nicht |
| Atemgeräusch | Pfeifen am Ende der Ausatmung | Pfeifen beim Ein- und Ausatmen | lautes Pfeifen oder – alarmierend – kaum noch hörbare Atemgeräusche („stille Lunge“) |
| Atemarbeit | kaum sichtbar | Einziehungen erkennbar | deutliche Einziehungen, Nasenflügeln, sitzende Haltung mit aufgestützten Armen |
| Sauerstoffsättigung | über 94 % | 90–94 % | unter 90 % |
| Verhalten | unauffällig | unruhig, angespannt | Erschöpfung, Verwirrtheit, blaue Lippen |
Wann Sie sofort die Rettung rufen
Rufen Sie ohne Zögern 144 (europaweit 112), wenn Ihr Kind nur noch einzelne Wörter sprechen kann, wenn Lippen oder Fingernägel bläulich werden, wenn die Atemgeräusche plötzlich leiser werden, obwohl es dem Kind schlechter geht, wenn es schläfrig oder verwirrt wirkt oder wenn das Bedarfsspray nach zwei Anwendungen im Abstand von 20 Minuten keine erkennbare Besserung bringt. Geben Sie bis zum Eintreffen der Rettung weiter das Bedarfsspray über die Vorschaltkammer und lassen Sie das Kind aufrecht sitzen. Warten Sie nicht ab, um niemanden zu bemühen – ein zu früh gerufener Rettungswagen ist harmlos, ein zu spät gerufener nicht.
Diagnostik in der Ordination
Es gibt keinen einzelnen Test, der Asthma beweist. Die Diagnose entsteht aus dem Zusammenspiel von Krankengeschichte, körperlicher Untersuchung, Lungenfunktion und – bei Verdacht auf eine allergische Form – Allergietests. Je jünger das Kind, desto stärker stützt sich die Diagnose auf den Verlauf und auf das Ansprechen auf eine probeweise Therapie.
Das Gespräch – der wichtigste Teil
Bereiten Sie sich auf den Termin vor. Nützlich sind: Wann treten die Beschwerden auf (Tageszeit, Jahreszeit, Wochentag)? Wie oft in den letzten vier Wochen? Wie oft wacht das Kind nachts auf? Wie oft brauchte es das Bedarfsspray? Musste es beim Sport aussetzen? Wie viele Schul- oder Kindergartentage sind ausgefallen? Gibt es in der Familie Asthma, Heuschnupfen, Neurodermitis? Wird in der Wohnung oder im Auto geraucht? Gibt es Haustiere, sichtbaren Schimmel, Feuchtigkeit? Ein zweiwöchiges Beschwerdetagebuch vor dem Termin ist oft aussagekräftiger als jeder Apparat. Ein kurzes Handyvideo einer nächtlichen Episode mit hörbarer Atmung hilft der Ärztin mehr, als es die meisten Eltern vermuten.
Körperliche Untersuchung
Abgehört wird nicht nur die Lunge, sondern gezielt die verlängerte Ausatmung; oft lässt die Ärztin das Kind forciert ausatmen, weil ein Giemen erst dann hörbar wird. Beurteilt werden außerdem Nasenschleimhaut (Begleitrhinitis), Haut (Neurodermitis), Wachstum und Gewicht, Trommelschlägelfinger als Hinweis auf andere Erkrankungen und die Form des Brustkorbs. Ein völlig unauffälliger Befund zwischen den Episoden ist bei Asthma die Regel und schließt die Diagnose keinesfalls aus.
Lungenfunktion
Ab etwa fünf bis sechs Jahren gelingt eine Spirometrie – das Kind atmet über ein Mundstück maximal ein und dann so schnell und vollständig wie möglich aus. Wichtige Größen sind die Einsekundenkapazität FEV1, die Vitalkapazität FVC und deren Verhältnis. Ein erniedrigtes FEV1/FVC-Verhältnis zeigt eine Obstruktion an. Anschließend erhält das Kind ein bronchienerweiterndes Spray; steigt das FEV1 danach um mindestens 12 Prozent gegenüber dem Ausgangswert (nach der gemeinsamen britischen Leitlinie von BTS, NICE und SIGN aus dem November 2024 alternativ um mindestens 10 Prozent des Sollwerts), gilt die Reversibilität als nachgewiesen und die Diagnose als gestützt.
Ist die Spirometrie unauffällig, was zwischen den Episoden häufig vorkommt, stehen weitere Wege offen. Die Messung des ausgeatmeten Stickstoffmonoxids (FeNO) erfasst die eosinophile Atemwegsentzündung; die britische Leitlinie von 2024 stellt bei Kindern von 5 bis 16 Jahren mit passender Vorgeschichte bereits ab einem Wert von 35 ppb die Diagnose. Die häusliche Peak-Flow-Messung über zwei Wochen morgens und abends gilt bei einer Schwankungsbreite von 20 Prozent oder mehr als beweisend. Bleibt weiterhin Unklarheit, empfiehlt dieselbe Leitlinie einen Pricktest auf Hausstaubmilbe oder die Bestimmung von Gesamt-IgE gemeinsam mit den Eosinophilen im Blut. Ergänzend kommen in spezialisierten Zentren Provokationstests infrage: eine standardisierte Laufbelastung zum Nachweis der anstrengungsinduzierten Verengung oder eine Methacholin-Provokation zum Nachweis der bronchialen Überempfindlichkeit.
Allergiediagnostik
Der Pricktest auf der Unterarmhaut liefert innerhalb von 20 Minuten ein Ergebnis und ist auch bei kleinen Kindern gut durchführbar. Die Bestimmung spezifischer IgE-Antikörper im Blut ist eine Alternative, wenn die Haut stark ekzematös ist oder Antihistaminika nicht abgesetzt werden können. Entscheidend ist die Deutung: Ein positiver Test beweist nur eine Sensibilisierung, nicht die klinische Relevanz. Erst wenn Testergebnis und beobachtete Beschwerden zusammenpassen, ist eine Allergie belegt – und erst dann sind Konsequenzen wie Karenzmaßnahmen oder eine Immuntherapie sinnvoll.
Wovon Asthma abgegrenzt werden muss
- Rezidivierende infektassoziierte obstruktive Bronchitis des Kleinkindalters, die sich häufig bis zum Schuleintritt verliert
- Fremdkörperaspiration – bei plötzlichem Beginn ohne Infektzeichen, oft einseitiger Befund
- Zystische Fibrose und primäre ziliäre Dyskinesie – Hinweise sind Gedeihstörung, chronisch produktiver Husten, wiederkehrende Nasennebenhöhlenentzündungen
- Gastroösophagealer Reflux, chronische Rhinosinusitis mit Sekretfluss in den Rachen
- Angeborene Fehlbildungen der Atemwege und Gefäße, Tracheo- oder Bronchomalazie
- Funktionelle Atemstörungen wie eine induzierbare Stimmbanddysfunktion, die vor allem bei Jugendlichen unter Belastung auftritt und mit Asthma verwechselt wird
- Herzerkrankungen mit Lungenstauung
Wenn die Diagnose noch offen ist
Bei Kindern unter fünf Jahren ist eine sichere Zuordnung oft nicht möglich. Üblich ist dann ein Therapieversuch über zwei bis drei Monate mit inhalativem Kortison in niedriger Dosis: Bessern sich die Beschwerden deutlich und kehren nach dem Absetzen wieder, stützt das die Diagnose. Wichtig ist, dass dieser Versuch geplant, dokumentiert und mit einem festen Termin zur Neubeurteilung versehen wird – nicht als Dauerrezept ohne Wiedervorstellung.
Behandlung und Heilungsaussichten
Die Behandlung des kindlichen Asthmas verfolgt zwei gleichrangige Ziele: Das Kind soll im Alltag beschwerdefrei sein – schlafen, toben, Sport machen, die Schule besuchen –, und es soll langfristig keine bleibende Einschränkung der Lungenfunktion davontragen. Beides erreicht man nicht durch das Bekämpfen einzelner Anfälle, sondern durch das Dämpfen der zugrundeliegenden Entzündung.
Wie gut ist das Asthma kontrolliert?
Bei jedem Kontrolltermin werden vier Fragen zu den letzten vier Wochen gestellt: Gab es öfter als zweimal pro Woche Beschwerden am Tag? Wachte das Kind nachts wegen Asthma auf? Brauchte es das Bedarfsspray öfter als zweimal pro Woche? War es in seinen Aktivitäten eingeschränkt? Keine dieser Fragen mit Ja beantwortet bedeutet gut kontrolliert, ein bis zwei Ja teilweise kontrolliert, drei bis vier Ja unkontrolliert. Für zu Hause gibt es standardisierte Fragebögen: den Childhood Asthma Control Test für 4- bis 11-Jährige und den Asthma Control Test ab 12 Jahren; ein Ergebnis über 19 von 27 beziehungsweise 25 Punkten spricht für gute Kontrolle. Diese Bögen auszufüllen dauert zwei Minuten und macht Verläufe vergleichbar.
Die Medikamente und ihr Wirkprinzip
| Gruppe | Wirkprinzip | Wirkeintritt | Rolle in der Therapie |
|---|---|---|---|
| Inhalatives Kortison (ICS): Budesonid, Fluticason, Beclometason, Ciclesonid | dämpft die Entzündung der Schleimhaut, reduziert Schwellung, Schleim und Überempfindlichkeit | erste Wirkung nach Tagen, volle Wirkung nach 2–8 Wochen | Fundament jeder Dauertherapie; senkt nachweislich schwere Anfälle und Krankenhausaufnahmen |
| Kurzwirksames Beta-2-Sympathomimetikum (SABA): Salbutamol | entspannt die Bronchialmuskulatur über Beta-2-Rezeptoren | 3–5 Minuten, Wirkdauer 4–6 Stunden | Notfall- und Bedarfsmedikament; wirkt nicht auf die Entzündung und darf nie alleinige Dauerbehandlung sein |
| Langwirksames Beta-2-Sympathomimetikum (LABA): Formoterol, Salmeterol | gleiche Wirkung, aber über etwa 12 Stunden; Formoterol wirkt zusätzlich rasch an | Formoterol wenige Minuten, Salmeterol 15–30 Minuten | nur in fixer Kombination mit ICS, niemals allein |
| Leukotrien-Rezeptor-Antagonist: Montelukast | blockiert entzündungsfördernde Leukotriene; als Tablette oder Granulat | Tage | Zusatz- oder Ausweichoption, schwächer wirksam als ICS; Warnhinweis siehe unten |
| Langwirksames Anticholinergikum (LAMA): Tiotropium | hemmt den bronchienverengenden Nervenimpuls | 30 Minuten, Wirkdauer 24 Stunden | Zusatztherapie ab dem Schulalter, wenn ICS plus LABA nicht ausreichen |
| Biologika: Omalizumab (gegen IgE), Mepolizumab (gegen IL-5), Dupilumab (gegen den IL-4-Rezeptor), Tezepelumab (gegen TSLP) | schalten gezielt einzelne Botenstoffe der Typ-2-Entzündung aus; Spritze alle 2–8 Wochen | Wochen bis wenige Monate | schweres Asthma trotz optimierter Inhalationstherapie; Verordnung über spezialisierte Zentren, Altersgrenzen je nach Präparat ab 6 bzw. 12 Jahren |
| Systemisches Kortison als Saft oder Tablette: Prednisolon | starke, im ganzen Körper wirksame Entzündungshemmung | 4–6 Stunden bis zur vollen Wirkung | kurze Stoßtherapie über 3–5 Tage beim schweren Anfall; keine Dauertherapie im Kindesalter außer in Ausnahmefällen |
Das Stufenschema – und was sich zuletzt geändert hat
Die Behandlung folgt einem Stufenmodell, das nach oben und ebenso nach unten angepasst wird, sobald das Asthma drei bis sechs Monate stabil kontrolliert ist. Die international maßgebliche Global Initiative for Asthma (GINA) hat ihre Empfehlungen in den vergangenen Jahren grundlegend umgestellt: Eine alleinige Bedarfstherapie mit Salbutamol gilt nicht mehr als akzeptabel, weil sie zwar die Beschwerden lindert, die Entzündung aber unbehandelt lässt und dadurch das Risiko schwerer Anfälle nicht senkt. Stattdessen enthält heute jede Stufe einen entzündungshemmenden Anteil.
Für Kinder ab etwa sechs Jahren stehen zwei Wege zur Verfügung. Der bevorzugte Weg verwendet eine Fixkombination aus niedrig dosiertem inhalativem Kortison und Formoterol – als Bedarfsmedikament allein in den niedrigen Stufen, ab der mittleren Stufe zusätzlich als feste tägliche Dosis. Dieses Konzept trägt die Bezeichnung MART und hat den praktischen Vorteil, dass das Kind bei jeder Anwendung automatisch auch entzündungshemmendes Kortison erhält, gerade dann, wenn die Entzündung am aktivsten ist. Die GINA-Aktualisierung 2025 hebt ausdrücklich hervor, dass auch mildes kindliches Asthma eine antientzündliche Behandlung braucht und dass dieser Weg das Risiko schwerer Anfälle gegenüber einer reinen Bedarfsbehandlung mit Salbutamol senkt. Der alternative Weg besteht aus täglichem inhalativem Kortison plus Salbutamol bei Bedarf; er bleibt eine gute Option, wenn die tägliche Einnahme zuverlässig gelingt.
Für Kinder unter sechs Jahren gilt dieses Konzept nicht: Hier sind die Kombinationspräparate nicht zugelassen. Die Behandlung besteht aus Salbutamol bei Bedarf und – bei häufigen oder schweren Episoden – aus täglichem niedrig dosiertem inhalativem Kortison über mehrere Monate, bei manchen Kindern ergänzt durch Montelukast. Bei ausschließlich infektgetriggerten Episoden kann eine zeitlich begrenzte Kortison-Inhalation zu Beginn eines Infekts erwogen werden; das ist eine ärztliche Einzelfallentscheidung.
Alarmzeichen Bedarfsspray
Wenn Ihr Kind das Salbutamol-Spray häufiger als zweimal pro Woche braucht (Anwendungen vor dem Sport nicht mitgezählt), ist das Asthma nicht ausreichend behandelt – unabhängig davon, wie gut das Spray im Moment hilft. Ein Verbrauch von drei oder mehr Sprühdosen pro Jahr gilt international als Warnsignal für ein erhöhtes Risiko schwerer Anfälle. Vereinbaren Sie in diesem Fall einen Termin und werfen Sie das Spray nicht einfach nach – die Lösung liegt in der Dauertherapie, nicht im Nachschub.
Montelukast: auf Verhaltensänderungen achten
Die europäische und die amerikanische Arzneimittelbehörde haben Warnhinweise zu neuropsychiatrischen Nebenwirkungen von Montelukast erlassen; die US-Behörde führt seit 2020 eine Warnung im schwarzen Kasten. Beobachtet wurden Albträume, Schlafstörungen, Reizbarkeit, Angst und Stimmungsschwankungen, überwiegend in den ersten Wochen der Einnahme. Das Medikament bleibt für viele Kinder nützlich, aber informieren Sie die Ärztin unverzüglich, wenn Ihnen solche Veränderungen auffallen.
Der wichtigste Punkt: die Inhalationstechnik
Kein Medikament wirkt, wenn es im Mund und nicht in der Lunge landet. Studien zur Anwendung finden regelmäßig, dass ein großer Teil der Kinder und Eltern gravierende Fehler macht – und dass ein erheblicher Anteil der scheinbar unwirksamen Therapien in Wahrheit ein Technikproblem ist. Für Kinder gilt:
- Dosieraerosol immer mit Vorschaltkammer (Spacer): Bis etwa drei bis vier Jahre mit dicht sitzender Maske über Mund und Nase, danach mit Mundstück. Ohne Kammer erreicht nur ein Bruchteil des Wirkstoffs die Bronchien.
- Ein Hub pro Vorgang: Sprühstoß auslösen, dann fünf bis zehn ruhige Atemzüge durch die Kammer, erst danach den nächsten Hub. Niemals zwei Hübe gleichzeitig in die Kammer geben.
- Pulverinhalatoren setzen einen kräftigen, schnellen Einatemzug voraus und eignen sich frühestens ab dem Schulalter. Bei einem schweren Anfall sind sie ungeeignet, weil dem Kind der nötige Atemfluss fehlt.
- Nach jeder Kortison-Inhalation Mund ausspülen und das Wasser ausspucken, bei Kleinkindern etwas trinken oder essen lassen. Das verhindert Mundsoor und Heiserkeit.
- Kammer pflegen: etwa wöchentlich in warmem Spülmittelwasser reinigen und an der Luft trocknen lassen, nicht abwischen – so bleibt die elektrostatische Aufladung gering.
- Technik zeigen lassen: Lassen Sie Ihr Kind die Anwendung bei jedem Kontrolltermin vorführen. Das dauert eine Minute und ist die wirksamste Einzelmaßnahme, die es gibt.
Der schriftliche Asthma-Aktionsplan
Jedes Kind mit Asthma soll einen schriftlichen, individuell ausgefüllten Notfallplan haben – nach dem Ampelprinzip. Grün: beschwerdefrei, Dauertherapie wie verordnet. Gelb: mehr Husten, Pfeifen, nächtliches Erwachen oder Peak-Flow zwischen 50 und 80 Prozent des persönlichen Bestwerts – festgelegte Steigerung der Therapie, Bedarfsmedikament nach Schema, Kontakt zur Ordination. Rot: Atemnot in Ruhe, Sprechen nur in Einzelwörtern, Peak-Flow unter 50 Prozent – Bedarfsmedikament sofort, gegebenenfalls das vorbesprochene Kortison zum Einnehmen, Rettung rufen. Der Plan gehört in dreifacher Ausfertigung nach Hause, in die Schule oder den Kindergarten und in die Sporttasche. Reservemedikamente in der Schule müssen mit Namen beschriftet und dem Personal bekannt sein.
Nichtmedikamentöse Verfahren
- Strukturierte Asthmaschulung: Verhaltenstrainings für Kinder und Eltern verbessern nachweislich Symptomkontrolle und Selbstwirksamkeit und senken Notfallvorstellungen. In Österreich werden solche Schulungen von Ambulanzen, Rehabilitationseinrichtungen und Patientenorganisationen angeboten.
- Sport und Bewegung: Ausdauertraining verbessert die körperliche Belastbarkeit und die Lebensqualität. Ein Kind mit gut eingestelltem Asthma braucht keine Sportbefreiung; eine pauschale Befreiung schadet mehr, als sie nützt.
- Atemphysiotherapie: Lippenbremse, atemerleichternde Körperstellungen wie Kutschersitz und Torwartstellung, Hustentechniken und Sekretmobilisation lassen sich schon von Volksschulkindern erlernen und helfen in akuten Situationen, die Panik zu durchbrechen.
- Rauchfreiheit: Konsequente Rauchfreiheit in Wohnung und Auto ist die wirksamste nichtmedikamentöse Einzelmaßnahme überhaupt. Rauchen am offenen Fenster oder auf dem Balkon reicht nicht – Rückstände in Textilien und Haaren wirken weiter.
- Gewichtsnormalisierung: Bei übergewichtigen Kindern verbessert eine Gewichtsabnahme Symptomkontrolle und Lungenfunktion messbar.
- Allergen-Immuntherapie: Bei eindeutig belegter Allergie – vor allem gegen Hausstaubmilben oder Gräserpollen – kann eine Hyposensibilisierung über drei Jahre als Spritze oder Tablette unter die Zunge erwogen werden. Voraussetzungen sind ein stabiles, nicht schweres Asthma und eine ausreichende Lungenfunktion. Sie ist die einzige Behandlung, die den allergischen Grundmechanismus selbst beeinflusst.
- Impfungen: Kinder mit Asthma zählen zu jenen, für die der Österreichische Impfplan die jährliche Influenzaimpfung ausdrücklich empfiehlt; in Österreich wird die Influenzaimpfung für Kinder im Rahmen des öffentlichen Kinderimpfprogramms angeboten. Auch der Pneumokokken- und der Keuchhustenschutz sollen vollständig sein.
- Was nicht belegt ist: Für Salzgrotten, Luftionisatoren, Homöopathie und Nahrungsergänzungen gibt es keinen Wirksamkeitsnachweis bei kindlichem Asthma. Für Vitamin D zeigte eine Übersichtsarbeit bei Erwachsenen eine Verringerung schwerer Anfälle; bei Kindern ließ sich dieser Effekt in den aktualisierten Auswertungen nicht bestätigen. Ein bestehender Vitamin-D-Mangel soll aus anderen Gründen ausgeglichen werden – als Asthmatherapie taugt Vitamin D nicht.
Prognose und Heilungsaussichten
Asthma ist derzeit nicht heilbar, aber der natürliche Verlauf im Kindesalter ist häufig günstig. Etwa die Hälfte aller Kinder hat vor dem sechsten Geburtstag mindestens einmal eine pfeifende Atmung, meist im Rahmen von Virusinfekten – die Mehrheit dieser Kinder ist im Schulalter beschwerdefrei und entwickelt nie ein Asthma. Bei Kindern mit gesichertem, mildem und episodischem Asthma beschreiben Langzeitkohorten eine Remission bis zum jungen Erwachsenenalter in einer Größenordnung von etwa einem Drittel bis zur Hälfte. Ungünstiger ist die Aussicht, wenn das Asthma früh beginnt, schwer verläuft, mit ausgeprägter Allergie und Neurodermitis einhergeht, wenn die Lungenfunktion bereits eingeschränkt ist oder wenn geraucht wird. Die australische Melbourne-Kohorte, die Kinder über mehr als vier Jahrzehnte begleitet hat, fand bei jenen mit schwerem kindlichem Asthma noch im mittleren Erwachsenenalter überwiegend fortbestehende Beschwerden. Wichtig für die Einordnung: Auch eine „Remission“ bedeutet meist nicht, dass die Anlage verschwunden ist – bei Rauchbeginn, Schwangerschaft oder starker Allergenbelastung kann das Asthma zurückkehren.
Was Eltern selbst tun können
Halten Sie die Dauertherapie auch in beschwerdefreien Phasen durch – sie wirkt vorbeugend, nicht spürbar. Koppeln Sie die Inhalation an eine feste Alltagsroutine wie das Zähneputzen und stellen Sie den Inhalator sichtbar dazu. Führen Sie ein einfaches Tagebuch mit Beschwerden, nächtlichem Erwachen und Verbrauch des Bedarfssprays. Lassen Sie die Technik regelmäßig überprüfen. Sorgen Sie für konsequente Rauchfreiheit, halten Sie die Luftfeuchtigkeit im Schlafzimmer bei 40 bis 50 Prozent und lüften Sie mehrmals täglich stoßweise. Prüfen Sie zu Schulbeginn im September aktiv, ob Therapie und Notfallplan noch aktuell sind. Und sprechen Sie mit Ihrem Kind altersgerecht über die Erkrankung: Kinder, die verstehen, warum sie inhalieren, tun es zuverlässiger als Kinder, die es nur befohlen bekommen.
Vorbeugung
Bevor die Erkrankung entsteht
Eine Methode, die kindliches Asthma sicher verhindert, gibt es nicht. Belegt oder plausibel sind aber mehrere Ansätze, die zugleich der Gesundheit insgesamt dienen:
- Rauchfreie Schwangerschaft und rauchfreier Haushalt. Das ist der am besten belegte beeinflussbare Faktor überhaupt.
- Stillen, möglichst ausschließlich in den ersten Monaten. Der Schutzeffekt gegen Asthma ist nicht in allen Studien eindeutig, die Vorteile für Infektabwehr und Allergieentwicklung sprechen aber klar dafür.
- Keine verzögerte Beikost. Das früher übliche Hinauszögern allergener Nahrungsmittel gilt als überholt; eine vielfältige Beikost ab dem fünften bis siebten Monat wird empfohlen.
- Infektionsschutz im ersten Lebensjahr: Schwere RSV-Verläufe erhöhen das Risiko späteren Giemens. Seit 2024 steht mit einem lang wirksamen monoklonalen Antikörper eine RSV-Prophylaxe für Säuglinge zur Verfügung; ob und wie sie das spätere Asthmarisiko beeinflusst, wird derzeit untersucht. Fragen Sie in der Ordination nach den aktuellen österreichischen Empfehlungen.
- Saubere Luft: Feuchtigkeitsschäden und Schimmel in der Wohnung beheben, Verkehrsspitzen auf dem Schulweg meiden, in Innenräumen auf Duftkerzen, Sprays und offene Feuerstellen verzichten.
- Bewegung und Normalgewicht von klein auf.
Wenn die Diagnose steht: Anfälle verhindern
- Auslöser gezielt meiden – aber nur die eigenen. Pauschale Verbote nützen nichts. Ist eine Milbenallergie belegt, sind milbendichte Bezüge für Matratze, Decke und Polster, Waschen der Bettwäsche bei mindestens 60 Grad alle ein bis zwei Wochen, wenige Stofftiere (das Lieblingskuscheltier gelegentlich einfrieren oder heiß waschen), keine Teppichböden im Schlafzimmer und regelmäßiges Stoßlüften sinnvoll. Einzelmaßnahmen wirken für sich genommen wenig – erst das Bündel macht den Unterschied.
- Pollen: Pollenwarndienst nutzen, abends Haare waschen, Straßenkleidung nicht im Schlafzimmer lagern, in der Hauptsaison nachts Fenster geschlossen halten.
- Haustiere: Bei nachgewiesener Allergie ist die Trennung vom Tier die wirksamste Maßnahme – eine Entscheidung, die Familien schwerfällt. Minimalkonsens: Schlafzimmer strikt tierfrei.
- Sport richtig vorbereiten: zehn Minuten aufwärmen, bei Kälte durch die Nase oder einen Schal atmen, bei bekannter Anstrengungsasthmatik das vom Arzt festgelegte Spray etwa 10 bis 15 Minuten vorher anwenden. Wenn Belastungsbeschwerden regelmäßig auftreten, ist das ein Zeichen für unzureichende Dauertherapie und kein Grund, den Sport aufzugeben.
- Infekte abfangen: Händehygiene, jährliche Influenzaimpfung, bei den ersten Infektzeichen den Notfallplan bereitlegen.
- Kontrolltermine einhalten: bei stabilem Asthma etwa alle drei bis sechs Monate, mit Überprüfung von Symptomkontrolle, Technik, Wachstum und – ab dem Schulalter – Lungenfunktion. Erst nach drei bis sechs stabilen Monaten wird die Therapie schrittweise reduziert, nie abrupt beendet.
Häufige Elternfragen
Wächst sich das aus?
Bei vielen Kindern ja, zumindest teilweise. Die Mehrzahl der Kleinkinder, die nur bei Virusinfekten pfeifen, ist im Volksschulalter beschwerdefrei. Bei gesichertem mildem Asthma tritt bei etwa einem Drittel bis der Hälfte bis zum jungen Erwachsenenalter eine Remission ein. Je schwerer der Verlauf, je früher der Beginn und je ausgeprägter die Allergie, desto geringer die Wahrscheinlichkeit. Auch nach jahrelanger Beschwerdefreiheit kann das Asthma zurückkehren – deshalb bleibt Rauchfreiheit lebenslang wichtig.
Ist inhalatives Kortison für mein Kind gefährlich?
In den bei Kindern üblichen niedrigen Dosen ist inhalatives Kortison gut verträglich und seit Jahrzehnten erprobt. Es wirkt örtlich in der Lunge, nur ein kleiner Teil gelangt in den Kreislauf. Der am besten belegte Effekt auf das Wachstum stammt aus der amerikanischen CAMP-Studie: Kinder, die über mehrere Jahre Budesonid inhalierten, waren als Erwachsene im Mittel etwa 1,2 Zentimeter kleiner als die Vergleichsgruppe – der Effekt trat vor allem im ersten Behandlungsjahr auf und setzte sich danach nicht fort. Dem gegenüber stehen wiederholte, unbehandelte Anfälle, orale Kortisonstöße und mögliche bleibende Lungenfunktionseinbußen. Die Nutzen-Risiko-Abwägung fällt eindeutig zugunsten der Behandlung aus. Regelmäßiges Messen der Körpergröße bei den Kontrollterminen gehört dennoch zum Standard, und die Dosis wird immer auf das niedrigste wirksame Maß reduziert.
Warum soll mein Kind auch inhalieren, wenn es ihm gut geht?
Weil die Entzündung weiterläuft, auch wenn man sie nicht spürt. Das Bedarfsspray löst den Muskelkrampf, lässt die Schleimhautentzündung aber unberührt. Wer nur bei Beschwerden behandelt, behandelt jedes Mal zu spät. Genau deshalb hat die internationale Fachwelt die alleinige Bedarfstherapie mit Salbutamol aufgegeben.
Darf mein Kind Sport machen, schwimmen, ins Turnen?
Ja, und es soll. Regelmäßige Bewegung verbessert Belastbarkeit und Lebensqualität. Schwimmen wird oft als besonders angenehm empfunden, weil die feuchtwarme Luft die Atemwege weniger reizt; sehr chlorhaltige Hallenbäder können allerdings bei manchen Kindern selbst zum Reiz werden. Auch Leistungssport ist mit gut kontrolliertem Asthma möglich – zahlreiche Olympiateilnehmerinnen und -teilnehmer haben Asthma. Wichtig sind Aufwärmen, das Bedarfsspray in der Sporttasche und ein informierter Trainer.
Was mache ich bei einem Anfall zu Hause?
Ruhe bewahren – Ihre Ruhe überträgt sich. Das Kind aufrecht hinsetzen, enge Kleidung öffnen, zur Lippenbremse anleiten. Das Bedarfsspray über die Vorschaltkammer geben: üblicherweise zwei bis vier Hübe einzeln nacheinander, mit jeweils fünf bis zehn Atemzügen. Nach 15 bis 20 Minuten beurteilen. Bei Besserung nach dem Aktionsplan weiter verfahren und die Ordination informieren. Bei ausbleibender Besserung, Verschlechterung oder einem der genannten Alarmzeichen sofort 144 rufen. Halten Sie sich an die im Aktionsplan festgelegten Mengen und improvisieren Sie nicht.
Soll mein Kind gegen Influenza geimpft werden?
Ja. Kinder mit Asthma haben ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe von Atemwegsinfekten, und Infekte sind der häufigste Auslöser schwerer Asthmaanfälle. Der Österreichische Impfplan empfiehlt die jährliche Influenzaimpfung für Kinder mit chronischen Atemwegserkrankungen ausdrücklich; für Kinder gibt es in Österreich ein öffentliches Impfprogramm. Die Impfung ist auch bei Asthma sicher; sie soll allerdings nicht während eines akuten Anfalls verabreicht werden.
Was ist der Unterschied zwischen Asthma und obstruktiver Bronchitis?
Eine obstruktive Bronchitis ist eine akute, durch Viren ausgelöste Verengung der Atemwege, die mit dem Infekt kommt und geht. Asthma ist die dauerhafte Entzündungsbereitschaft dahinter, die auch ohne Infekt reagiert. Bei Kleinkindern sind die beiden praktisch nicht sicher zu trennen – erst der Verlauf über Monate und Jahre zeigt, wohin die Reise geht. Ein Kind mit drei oder mehr obstruktiven Episoden, mit Beschwerden auch ohne Infekt oder mit ausgeprägter Allergieneigung in der Familie soll gezielt abgeklärt werden.
Hilft eine Hyposensibilisierung?
Bei Kindern mit eindeutig nachgewiesener und klinisch relevanter Allergie – vor allem gegen Hausstaubmilben oder Gräserpollen – kann eine Allergen-Immuntherapie Beschwerden und Medikamentenbedarf verringern und begleitenden Heuschnupfen bessern. Sie dauert etwa drei Jahre, wirkt nicht sofort und ist an Voraussetzungen gebunden: ausreichende Lungenfunktion, stabiles Asthma, sorgfältige Indikationsstellung. Bei schwerem oder unkontrolliertem Asthma ist sie nicht geeignet.
Wie sage ich es Kindergarten und Schule?
Offen und schriftlich. Übergeben Sie den Aktionsplan, ein beschriftetes Reservespray mit Vorschaltkammer und Ihre Erreichbarkeit. Erklären Sie kurz, woran das Personal einen Anfall erkennt und was zu tun ist. Bestehen Sie darauf, dass Ihr Kind sein Bedarfsspray jederzeit erreichen kann – auch beim Turnen und auf Ausflügen. Sportbefreiungen sollten die Ausnahme sein und zeitlich begrenzt.
Wann brauchen wir eine Spezialambulanz?
Wenn das Asthma trotz korrekter Anwendung einer mittleren Therapiestufe nicht kontrolliert ist, wenn mehr als ein Kortisonstoß pro Jahr nötig war, nach jeder Krankenhausaufnahme wegen Asthma, bei unklarer Diagnose, bei sehr jungen Kindern mit schweren Verläufen, bei Gedeihstörung oder wenn eine Biologikatherapie erwogen wird. Die Überweisung ist kein Zeichen des Scheiterns, sondern gehört zum Standardweg.
Quellen
- Global Initiative for Asthma (GINA): Global Strategy for Asthma Management and Prevention, Bericht 2025 und Aktualisierung 2025 (ginasthma.org)
- British Thoracic Society, NICE und SIGN: Asthma – diagnosis, monitoring and chronic asthma management, Leitlinie NG245, November 2024 (nice.org.uk/guidance/ng245)
- Weltgesundheitsorganisation (WHO): Fact Sheet Asthma – 262 Millionen Erkrankte und 455.000 Todesfälle im Jahr 2019 (who.int)
- Global Asthma Network: The Global Asthma Report 2022 sowie GAN Phase I, veröffentlicht in The Lancet 2021 – weltweite Häufigkeit von Asthmasymptomen bei Schulkindern und Jugendlichen, 63 Zentren in 25 Ländern, 2015–2020 (globalasthmareport.org)
- Robert Koch-Institut: Journal of Health Monitoring 3/2018 – Allergische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland, Querschnittergebnisse aus KiGGS Welle 2 (rki.de)
- Centers for Disease Control and Prevention (CDC), National Center for Health Statistics: Asthma-Daten für Kinder, Erhebungsjahr 2023 (cdc.gov/asthma-data)
- Dritte landesweite Erhebung zur Asthmahäufigkeit bei Kindern in chinesischen Städten, 43 Städte, 463.982 Kinder, 2009/2010, publiziert in der Chinesischen Zeitschrift für Pädiatrie (PubMed-ID 24406223)
- Österreichische Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP): Masterplan 2025 zur Versorgung respiratorischer Erkrankungen in Österreich, Wiener Klinische Wochenschrift (ogp.at)
- Gesundheitsportal des Bundesministeriums für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz: Asthma bronchiale (gesundheit.gv.at)
- Land Niederösterreich: ISAAC-Erhebung zur Häufigkeit und zum Schweregrad von Asthma bronchiale bei Kindern und Jugendlichen (noe.gv.at)
- Österreichischer Impfplan des Bundesministeriums für Gesundheit – Empfehlungen zur Influenza- und Pneumokokkenimpfung bei chronischen Atemwegserkrankungen (sozialministerium.at)
- Achakulwisut P. et al.: Global, national, and urban burdens of paediatric asthma incidence attributable to ambient NO2 pollution, The Lancet Planetary Health, 2019
- Kelly H.W. et al.: Effect of inhaled glucocorticoids in childhood on adult height (CAMP-Studie), New England Journal of Medicine, 2012
- Royal College of Physicians: Why asthma still kills – National Review of Asthma Deaths, Großbritannien, 2014
- Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) und US Food and Drug Administration (FDA): Sicherheitsinformationen zu neuropsychiatrischen Nebenwirkungen von Montelukast
Anlaufstellen
Österreich: Kinderarzt oder Kinderärztin der Wahl, pneumologische Kinderambulanzen der Landeskliniken, Österreichische Gesellschaft für Pneumologie (ogp.at), Gesundheitsportal des Bundes (gesundheit.gv.at), Gesundheitsberatung 1450 rund um die Uhr. Notruf Rettung: 144, europäischer Notruf: 112. International: Global Initiative for Asthma (ginasthma.org), Global Asthma Network (globalasthmanetwork.org).
Hinweis
Dieser Ratgeber dient der Information und ersetzt nicht das persönliche ärztliche Gespräch. Diagnose, Medikamentenauswahl und Dosierung müssen für jedes Kind einzeln festgelegt werden. Bei Verdacht auf Asthma, bei zunehmenden Beschwerden oder bei Unsicherheit über die Behandlung wenden Sie sich bitte an Ihre Kinderärztin oder Ihren Kinderarzt. Angaben zu Arzneimitteln beziehen sich auf Wirkstoffe; Präparatenamen, Zulassungen und Altersgrenzen können sich unterscheiden und ändern.