Kindersitz und Pausen im Auto, Druckausgleich und Sitzplatz im Flugzeug, dazu Zug, Bus, Kreuzfahrt und Schiff: was bei der Anreise mit Kindern medizinisch zählt.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel ersetzt keine individuelle reisemedizinische Beratung. Ob, welche Impfungen, welche Malariaprophylaxe und welche Vorbereitung Ihr Kind für eine konkrete Reise braucht, hängt von Alter, Gewicht, Vorerkrankungen, genauer Route, Reisezeit und Aufenthaltsdauer ab. Besprechen Sie das bitte rechtzeitig persönlich – bei Fernreisen idealerweise sechs bis acht Wochen vor Abreise – mit Ihrer Kinderärztin, Ihrem Kinderarzt oder einer reisemedizinischen Praxis.

3 Mit dem Auto in den Urlaub

Für viele Familien beginnt der Urlaub im Auto. Der wichtigste Sicherheitsfaktor ist dabei ein korrekt montierter und zur Größe des Kindes passender Kindersitz. Die gesetzlichen Vorschriften unterscheiden sich von Land zu Land. Wer mit einem Mietwagen reist, sollte nicht automatisch davon ausgehen, dass am Zielort ein geeigneter, unbeschädigter und korrekt montierbarer Kindersitz bereitsteht.

Bewährt haben sich außerdem ein paar Kleinigkeiten aus der Praxis: In Fachgeschäften gibt es angenehme Sitzbezüge aus Baumwolle, die zu starkes Schwitzen verhindern und die sich zum Waschen einfach abziehen lassen. Damit Ihr Kind nicht der prallen Sonne durch die Seitenfenster ausgesetzt ist, empfehlen wir ein kleines Rollo oder ein Tuch, das ins Fenster gespannt wird.

Kleine Pausen zwischendurch sind für Groß und Klein unbedingt notwendig. Für ausreichend Flüssigkeit – Wasser, verdünnte Säfte oder abgekühlter Tee – und kleine, leichte Jausen wie Obst oder belegte Brote sollte gesorgt sein. Gegen Langeweile helfen Lieder-CDs oder Hörspiele; größere Kinder freuen sich über einfache Spiele („Wer sieht das nächste Haus, wer den nächsten Bus?“, „Ich sehe was, was du nicht siehst“ oder Wortketten wie Pferd – Drache – Engel).

Gerade bei Säuglingen sind längere ununterbrochene Fahrten ungünstig. Die American Academy of Pediatrics empfiehlt bei Tagesfahrten etwa alle zwei bis drei Stunden eine Pause, bei längeren Nachtfahrten spätestens nach einigen Stunden. Nehmen Sie Ihr Baby dabei aus dem Sitz, füttern oder stillen Sie es und wickeln Sie es. Stillen während der Fahrt ist keine sichere Alternative: Solange das Fahrzeug fährt, müssen Kind und Erwachsene angeschnallt bleiben.

Ein Autositz ist außerdem in erster Linie ein Sicherheitssystem für das Fahrzeug und kein regulärer Schlafplatz. Nach der Ankunft sollten Sie einen schlafenden Säugling nach Möglichkeit auf eine geeignete flache Schlafunterlage legen.

Hitze im Auto

Ein abgestelltes Auto heizt sich auch bei scheinbar angenehmen Außentemperaturen innerhalb kurzer Zeit massiv auf. Ein geöffnetes Fenster schützt davor nicht ausreichend. Kinder dürfen deshalb niemals allein im abgestellten Auto bleiben – auch nicht für wenige Minuten, auch nicht, wenn das Kind gerade so gut schläft.

Babys und Kleinkinder können ihre Körpertemperatur schlechter regulieren als Erwachsene. Ein überhitztes Fahrzeug wird daher sehr schnell lebensgefährlich.

Reiseübelkeit

Reisekrankheit tritt bei Kindern häufig auf. Hilfreich sind frische Luft, regelmäßige Pausen, leichte Mahlzeiten und der Blick nach vorn beziehungsweise auf einen möglichst weit entfernten Punkt. Lesen oder Spielen am Tablet kann die Übelkeit bei empfindlichen Kindern verstärken.

Medikamente gegen Reiseübelkeit sollten Sie insbesondere bei jüngeren Kindern nicht auf eigene Faust geben. Manche Präparate verursachen ausgeprägte Müdigkeit, paradoxe Unruhe oder andere Nebenwirkungen. Die nicht medikamentösen Maßnahmen stehen deshalb zunächst im Vordergrund.

4 Flugreisen mit Kindern

Für gesunde Kinder sind Flugreisen im Allgemeinen gut möglich – und für viele besonders aufregend. Besondere Aufmerksamkeit verdienen der Druckausgleich, eine sichere Sitzposition, Vorerkrankungen und bei sehr jungen Babys das Infektionsrisiko.

Ohrenschmerzen beim Start und vor allem beim Sinkflug

Bei Start und Landung verändert sich der Luftdruck in der Kabine. Besonders beim Sinkflug entsteht dadurch ein unangenehmer Druck im Mittelohr.

Bei Säuglingen helfen Saugen und Schlucken: Stillen, Fläschchen oder Schnuller sind während des Sinkflugs sinnvoll. Ältere Kinder können trinken, schlucken, gähnen oder – sofern sie sicher damit umgehen – Kaugummi kauen.

Eine wichtige Aktualisierung gegenüber älteren Reiseempfehlungen betrifft abschwellende Nasentropfen, Nasensprays und Antihistaminika: Sie haben sich zur Vorbeugung flugbedingter Ohrenschmerzen bei Kindern nicht als zuverlässig wirksam erwiesen und sollten dafür nicht routinemäßig eingesetzt werden. Gerade bei kleinen Kindern gelten zudem erhebliche altersabhängige Einschränkungen für abschwellende Medikamente.

Bei einer akuten Mittelohrentzündung, einer ausgeprägten Nasennebenhöhlenentzündung oder kurz nach einer Ohroperation sollten Sie vor einem Flug ärztlich abklären lassen, ob die Reise sinnvoll ist.

Eigener Sitzplatz oder Schoß?

Auch wenn Fluggesellschaften kleinen Kindern teilweise erlauben, auf dem Schoß eines Erwachsenen zu reisen, ist ein für Flugzeuge zugelassenes Kinderrückhaltesystem sicherer. Die US-amerikanische Luftfahrtbehörde FAA empfiehlt für kleine Kinder ausdrücklich ein zugelassenes Child Restraint System. Welche Sitze in einem konkreten Flugzeug akzeptiert werden, klären Sie vor der Reise mit der Fluggesellschaft.

Kinder mit Herz- oder Lungenerkrankungen

Der Kabinendruck in Verkehrsflugzeugen entspricht nicht dem Luftdruck auf Meereshöhe. Gesunde Kinder tolerieren die dadurch geringere Sauerstoffverfügbarkeit problemlos. Bei schweren chronischen Lungenerkrankungen, bestimmten Herzfehlern, Sichelzellerkrankung oder anderen Erkrankungen kann jedoch eine individuelle medizinische Beurteilung notwendig sein.

Jetlag

Je mehr Zeitzonen überquert werden, desto stärker gerät der Schlaf-Wach-Rhythmus durcheinander. Tageslicht am Zielort, regelmäßige Mahlzeiten und eine schrittweise Anpassung der Schlafzeiten helfen meist besser als Medikamente.

Melatonin sollte Kindern nicht routinemäßig als „Jetlag-Medikament“ gegeben werden. Wenn Sie es wegen einer besonderen Situation erwägen, besprechen Sie das bitte vorher mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt.

5 Zug, Bus und öffentlicher Verkehr

Zugreisen sind für Familien häufig angenehm, weil Kinder sich zwischendurch bewegen können und keine längeren Fixierungen in einem Autositz nötig sind.

Bei Busreisen ist die Sicherheit schwieriger einzuschätzen. In vielen Ländern stehen keine geeigneten Kinderrückhaltesysteme zur Verfügung, und gerade in Ländern mit hoher Verkehrsunfallrate kann das relevanter sein als manche tropische Infektionskrankheit.

Besonders bei Fernreisen sollten Sie deshalb bei der Auswahl von Transfers, Taxis und Reiseveranstaltern auch die Verkehrssicherheit berücksichtigen. Ein billiger Nachtbus auf einer schlecht ausgebauten Bergstraße kann medizinisch ein wesentlich größeres Risiko darstellen als ein gutes Hotel im selben Land.

6 Kreuzfahrten und Schiffsreisen

Kreuzfahrtschiffe sind eigene kleine Lebenswelten mit vielen Menschen auf engem Raum. Dadurch verbreiten sich Magen-Darm-Infektionen und Atemwegsinfektionen relativ leicht. Internationale Leitlinien beschreiben wiederholt Ausbrüche, die sich über einzelne oder mehrere Schiffsreisen erstrecken können.

Konsequentes Händewaschen ist deshalb besonders wichtig. Ebenso sollten Sie vor der Buchung bedenken, dass die medizinischen Möglichkeiten an Bord begrenzt sind und ein schwer krankes Kind möglicherweise erst im nächsten Hafen an ein Krankenhaus übergeben werden kann.

Bei Kleinkindern kommen Geländer, Treppen, Balkone und Pools als zusätzliche Unfallrisiken hinzu.

Alle Kapitel dieses Ratgebers

  1. 1. Vorbereitung und das passende Reiseziel Abschnitt 1–2 · 2
  2. 2. Unterwegs: Auto, Flugzeug, Zug und Schiff Abschnitt 3–6 · 4
  3. 3. Sonne, Hitze, Essen und Durchfall Abschnitt 7–11 · 5
  4. 4. Mücken, Tropenkrankheiten und Tiere Abschnitt 12–17 · 6
  5. 5. Reiseimpfungen und Reiseziele im Vergleich Abschnitt 18–19 · 2
  6. 6. Besondere Situationen: Höhe, Wasser, Unterkunft, chronische Krankheiten, Jugendliche Abschnitt 20–24 · 5
  7. 7. Reiseapotheke, Warnzeichen, Rückkehr und häufige Fragen Abschnitt 25–29 · 5