Impfplan für Säuglinge und Kleinkinder (2025/2026)
Kaum ein medizinisches Thema verändert sich so kontinuierlich wie der Impfplan – und kaum eines sorgt bei Eltern gleichzeitig für so viele offene Fragen: Welche Impfung ist wann fällig? Was übernimmt die öffentliche Hand, was müssen wir selbst bezahlen? Und warum klingt das, was die Nachbarin aus Deutschland oder Verwandte in den USA erzählen, oft ganz anders? Dieser Ratgeber fasst den aktuell gültigen österreichischen Impfplan für Säuglinge und Kleinkinder zusammen, ordnet ihn ein und vergleicht ihn mit den Empfehlungen in Deutschland, den USA und Großbritannien.
So ist dieser Ratgeber aufgebaut
Grundlage ist der Impfplan Österreich 2025/2026, Version 1.1 vom 10. Oktober 2025, herausgegeben vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMASGPK) in Abstimmung mit dem Nationalen Impfgremium (NIG). Ergänzend haben wir die aktuellen Empfehlungen der deutschen Ständigen Impfkommission (STIKO), der amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) und des britischen National Health Service (NHS) ausgewertet – nutzen Sie das Inhaltsverzeichnis, um direkt zu einem einzelnen Impfstoff, zum Kostenüberblick oder zum Ländervergleich zu springen.
Wenn Sie es eilig haben: Der Abschnitt „Der Impfplan im Überblick" mit der interaktiven Alters-Übersicht zeigt Ihnen auf einen Blick, was in welchem Alter ansteht.
Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Er dient der Orientierung und der Vorbereitung auf das Gespräch in der kinderärztlichen Praxis. Welche Impfungen für Ihr Kind im Detail sinnvoll und möglich sind – etwa bei Frühgeburtlichkeit, Vorerkrankungen oder einem bereits abweichenden Impfstatus –, besprechen Sie bitte immer persönlich mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt.
Der Impfplan ändert sich – bleiben Sie aktuell
Der vorliegende Artikel ersetzt eine ältere Fassung, die sich noch auf den Impfplan aus dem Jahr 2018 bezog. Seither hat sich vieles geändert: unter anderem ein deutlich früherer Start der Grundimmunisierung, die neue, kostenfreie RSV-Immunisierung sowie Anpassungen bei den Meningokokken-Impfungen. Das Nationale Impfgremium aktualisiert den Impfplan mindestens jährlich – die jeweils aktuellste Fassung finden Sie unter impfen.gv.at bzw. auf den Seiten des Sozialministeriums. Im Zweifel gilt: Fragen Sie einfach in unserer Ordination nach dem aktuellen Stand.
1. Warum dieser Ratgeber komplett überarbeitet wurde
Ein Impfplan ist kein einmal festgelegtes Dokument, sondern wird laufend an neue Studienlage, neu zugelassene Impfstoffe und die aktuelle Epidemiologie angepasst. Zwischen 2018 und heute hat sich der österreichische Impfplan mehrfach grundlegend verändert. Die wichtigsten Neuerungen laut Impfplan Österreich 2025/2026, Version 1.1 (BMASGPK/Nationales Impfgremium): ein deutlich früherer Start der 6-fach- und Pneumokokken-Grundimmunisierung, die neu eingeführte, kostenfreie RSV-Immunisierung für praktisch alle Neugeborenen seit der Saison 2024/25, sowie Anpassungen bei den Meningokokken-B- und -ACWY-Empfehlungen. Auch die Ärztekammer für Wien wies in ihren „Hinweisen zur aktualisierten Version" vom 23. Oktober 2025 auf diese strukturellen Änderungen hin.
Die auffälligste Änderung betrifft den Zeitpunkt des Impfbeginns: Die kostenfreie 6-fach-Impfung – und analog dazu die Pneumokokken-Impfung – wird nun „ehestmöglich ab der vollendeten 6. Lebenswoche, jedenfalls im 3. Lebensmonat" empfohlen. Zuvor begann die Grundimmunisierung regelhaft erst im 3. Lebensmonat. Säuglinge erhalten damit ihren Schutz vor Keuchhusten (Pertussis) einige Wochen früher als bisher – ein Umstand, der angesichts der in den vergangenen Jahren wieder gestiegenen Keuchhusten-Fallzahlen in weiten Teilen Europas als sinnvoll erachtet wird.
2. Der Impfplan Österreich 2025/2026 im Überblick
Die folgende Tabelle fasst die für Säuglinge und Kleinkinder relevanten Impfungen zusammen, wie sie der Impfplan Österreich 2025/2026 (V1.1) vorsieht. „Kostenfrei" bedeutet: Teil des öffentlichen Kinderimpfprogramms, ohne Kosten für die Familie. „Kostenpflichtig" bedeutet: von den Fachgesellschaften empfohlen, aber von den Eltern selbst zu tragen.
| Impfung | Schema | Zeitpunkt | Kosten |
|---|---|---|---|
| 6-fach (Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Polio, Hib, Hepatitis B) | 2+1 Dosen | 1. Dosis ab vollendeter 6. Lebenswoche; 2. Dosis 2 Monate später; 3. Dosis 6 Monate nach der 2. (10.–12. Monat) | kostenfrei |
| Pneumokokken (PCV15) | 2+1 Dosen | 1. Dosis ab vollendeter 6. Lebenswoche; 2. Dosis 8 Wochen später; 3. Dosis mit 11–15 Monaten | kostenfrei |
| Rotavirus (Schluckimpfung) | 2 oder 3 Dosen, je nach Präparat | Beginn ab vollendeter 6. Lebenswoche; Abschluss bis zur 24. bzw. 32. Lebenswoche | kostenfrei |
| RSV (Nirsevimab/Beyfortus) | 1 Dosis (passive Immunisierung) | 1. Lebenswoche (Geburt Okt.–März) oder vor der 1. RSV-Saison im Herbst (Geburt April–Sept.) | kostenfrei |
| MMR (Masern-Mumps-Röteln) | 2 Dosen | 1. Dosis ab vollendetem 9. Lebensmonat; 2. Dosis 3 Monate später bzw. mit Mindestabstand 4 Wochen | kostenfrei |
| Meningokokken B (Bexsero) | 3 Dosen (Standardschema) | Erstimpfung 2.–5. Monat: 2 Dosen im Abstand von mind. 2 Monaten, 3. Dosis mit 12–15 Monaten | kostenpflichtig |
| Meningokokken ACWY | 1 Dosis (Kleinkindschema) | möglichst früh im 13. Lebensmonat | kostenpflichtig |
| Varizellen (Windpocken) | 2 Dosen | ab vollendetem 1. Lebensjahr, Abstand vorzugsweise 6 Wochen | kostenpflichtig |
| 4-fach-Auffrischung (Dip-Tet-Polio-Pertussis) | 1 Dosis | 5./6. Lebensjahr (Vorschulalter) | kostenfrei |
Details, Ausnahmen und Hintergründe zu jeder einzelnen Impfung finden Sie in den folgenden Abschnitten.
Was steht wann an?
Wählen Sie einen Zeitpunkt in der Entwicklung Ihres Kindes – Sie sehen sofort, welche Impfungen dann typischerweise anstehen.
3. Die 6-fach-Grundimmunisierung
Die 6-fach-Impfung schützt gleichzeitig gegen Diphtherie, Tetanus (Wundstarrkrampf), Pertussis (Keuchhusten), Poliomyelitis (Kinderlähmung), Haemophilus influenzae Typ b und Hepatitis B. Sie ist die Basis des österreichischen Kinderimpfprogramms und vollständig kostenfrei.
Laut Impfplan Österreich 2025/2026 (V1.1) gilt ein 2+1-Schema: die 1. Dosis ab vollendeter 6. Lebenswoche, die 2. Dosis 2 Monate nach der ersten, und die 3. Dosis 6 Monate nach der zweiten – im Alter von 10 bis 12 Monaten. Vor dem Schuleintritt (5./6. Lebensjahr) und erneut in der 8. Schulstufe (14./15. Lebensjahr) folgt jeweils eine kostenfreie Auffrischung mit dem 4-fach-Impfstoff (Diphtherie-Tetanus-Polio-Pertussis, ohne Hib und Hepatitis B, die zu diesem Zeitpunkt nicht mehr aufgefrischt werden müssen).
4. Pneumokokken
Pneumokokken können bei kleinen Kindern unter anderem Mittelohrentzündungen, Lungenentzündungen, Blutvergiftungen und Hirnhautentzündungen auslösen. Im kostenfreien Programm kommt seit der Aktualisierung des Impfplans der 15-valente Konjugatimpfstoff (Vaxneuvance, PCV15) zum Einsatz, ebenfalls im 2+1-Schema: 1. Dosis ab vollendeter 6. Lebenswoche (spätestens im 3. Lebensmonat), 2. Dosis 8 Wochen später, 3. Dosis im Alter von 11 bis 15 Monaten, frühestens jedoch 6 Monate nach der 2. Dosis.
Ein 20-valenter Pneumokokken-Impfstoff ist laut Impfplan Österreich für Säuglinge zwar in einem 3+1-Schema zugelassen, ist aber – anders als der 15-valente Standardimpfstoff – nicht Teil des kostenfreien Programms. Für gesunde Kinder ohne besondere Risikofaktoren sieht der Impfplan ab dem vollendeten 5. Lebensjahr keine weitere Pneumokokken-Impfung mehr vor.
5. Rotavirus: die Schluckimpfung
Rotaviren sind weltweit die häufigste Ursache für schweren Brechdurchfall bei Säuglingen und Kleinkindern. Vor Einführung der Impfung mussten laut Impfplan Österreich jährlich rund 2.900 bis 4.400 Kinder in Österreich deswegen stationär behandelt werden. Die Schluckimpfung ist eine orale Lebendimpfung und kostenfrei; entscheidend ist ein sehr früher Beginn, ehestmöglich ab der vollendeten 6. Lebenswoche.
Zwei Präparate sind in Österreich im Einsatz, und sie sind nicht untereinander austauschbar:
- Rotarix: 2 Dosen im Abstand von 4 Wochen; die Impfserie muss bis zur vollendeten 24. Lebenswoche abgeschlossen sein.
- RotaTeq: 3 Dosen im Abstand von jeweils 4 Wochen; Abschluss bis zur vollendeten 32. Lebenswoche.
Diese engen Zeitfenster sind kein bürokratisches Detail, sondern dienen laut Impfplan Österreich der Minimierung des mit dem Alter des Kindes steigenden, ohnehin sehr geringen Risikos einer Darmeinstülpung (Invagination) als seltene Nebenwirkung. Wird das Zeitfenster verpasst, sollte die weitere Vorgangsweise mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt besprochen werden.
6. RSV-Immunisierung: die größte Neuerung seit 2018
Die inhaltlich wohl bedeutendste Änderung gegenüber dem alten Impfplan von 2018 ist die Einführung einer universellen, kostenfreien passiven RSV-Immunisierung für praktisch alle Neugeborenen und Säuglinge. Das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) ist bei Kindern unter 2 Jahren weltweit für einen erheblichen Teil schwerer Atemwegsinfektionen verantwortlich: Einer internationalen Modellierungsstudie zufolge, die im österreichischen Impfplan zitiert wird (Li et al., Lancet 2022), gehen jährlich rund 3,6 Millionen Krankenhausaufnahmen und schätzungsweise 101.400 Todesfälle weltweit auf RSV-Infektionen bei Kindern unter 5 Jahren zurück – ein erheblicher Teil davon entfällt auf Säuglinge im 1. Lebensjahr. Die Sterblichkeit bei hospitalisierten Kindern unter 2 Jahren liegt laut einer im Impfplan zitierten Übersichtsarbeit (Szabo et al., Paediatric Respiratory Reviews, 2013) zwischen 0,2 % bei ansonsten gesunden Kindern und 5,2 % bei Kindern mit angeborenem Herzfehler.
Verabreicht wird der monoklonale Antikörper Nirsevimab (Handelsname Beyfortus); für die Saison 2025/26 wird laut Impfplan Österreich zusätzlich die Zulassung eines weiteren Wirkstoffs (Clesrovimab) erwartet. Der Zeitpunkt der Gabe richtet sich nach dem Geburtsmonat:
- Geburt zwischen 1. Oktober und 31. März (also während der RSV-Saison): Gabe möglichst noch in der ersten Lebenswoche, vor der Entlassung aus dem Spital.
- Geburt zwischen 1. April und 30. September: Gabe vor Beginn der ersten RSV-Saison des Kindes, meist im Herbst bei der Kinderärztin/beim Kinderarzt.
Für bestimmte Risikokinder – etwa Frühgeborene vor der 28. Schwangerschaftswoche, Kinder mit bronchopulmonaler Dysplasie, mit hämodynamisch relevanten Herzfehlern, mit Immundefekten oder mit Trisomie 21 – sieht der Impfplan die kostenfreie Gabe auch noch in der zweiten RSV-Saison des Kindes vor.
7. Meningokokken B und ACWY: empfohlen, aber nicht gratis
Meningokokken können schwere, rasch fortschreitende Erkrankungen wie Hirnhautentzündung und Blutvergiftung auslösen. Nach Angaben des österreichischen Impfplans, der sich hier auf die Jahresstatistik der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) stützt, betrifft rund ein Viertel aller invasiven Meningokokken-Erkrankungen in Österreich Kinder im 1. Lebensjahr; 2023 wurden 16 laborbestätigte Fälle registriert, davon 11 durch die Serogruppe B.
Meningokokken B
Der Impfstoff Bexsero ist ab dem vollendeten 2. Lebensmonat zugelassen. Bei Erstimpfung im Alter von 2 bis 5 Monaten gilt folgendes Standardschema: 1. Dosis, 2. Dosis mindestens 2 Monate später, 3. Dosis im Alter von 12 bis 15 Monaten (mindestens 6 Monate nach der 2. Dosis). Bei späterem Impfbeginn ändert sich das Schema – wird beispielsweise erst mit 2 Jahren begonnen, genügen laut Impfplan 2 Dosen im Abstand von nur 1 Monat. Der alternative Impfstoff Trumenba ist erst ab dem vollendeten 10. Lebensjahr zugelassen und daher für Säuglinge und Kleinkinder nicht relevant. Die Empfehlung des Nationalen Impfgremiums lautet, möglichst früh ab dem vollendeten 2. Lebensmonat zu impfen; Nachholimpfungen sind bis zum vollendeten 25. Lebensjahr vorgesehen. Die Meningokokken-B-Impfung ist jedoch nicht Teil des kostenfreien Programms – die Kosten tragen die Eltern selbst.
Meningokokken ACWY
Für Säuglinge und Kleinkinder ist auch die Impfung mit dem konjugierten 4-fach-Impfstoff gegen die Serogruppen A, C, W und Y empfohlen, aber ebenfalls nicht kostenfrei: eine Dosis möglichst früh im 13. Lebensmonat, mit Nachholmöglichkeit bis zum vollendeten 10. Lebensjahr. Kostenfrei wird diese Impfung erst zwischen dem vollendeten 10. und dem vollendeten 13. Lebensjahr angeboten – unabhängig davon, ob im Kleinkindalter bereits geimpft wurde –, weil in dieser Altersgruppe der zweite Erkrankungsgipfel beginnt.
8. Masern-Mumps-Röteln (MMR)
Die Kombinationsimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln ist eine kostenfreie Lebendimpfung. Der Impfplan Österreich 2025/2026 empfiehlt 2 Dosen ab dem vollendeten 9. Lebensmonat – unbedingt noch vor dem Eintritt in eine Gemeinschaftseinrichtung wie Krippe oder Kindergarten. Erfolgt die 1. Dosis im 1. Lebensjahr (also zwischen dem 9. und 12. Lebensmonat), wird die 2. Dosis 3 Monate später verabreicht. Wird erst nach dem 1. Geburtstag mit der Impfung begonnen, kann die 2. Dosis frühestmöglich folgen; hier genügt ein Mindestabstand von 4 Wochen. Bei stark erhöhter Masernaktivität kann laut Impfplan off-label auch schon ab dem vollendeten 6. Lebensmonat geimpft werden, dann mit 2 Dosen im Abstand von 3 Monaten.
9. Varizellen (Windpocken)
Die Impfung gegen Varizellen (Windpocken) ist empfohlen, aber nicht Teil des kostenfreien Kinderimpfprogramms. Der Impfplan sieht 2 Dosen ab dem vollendeten 1. Lebensjahr vor, im Abstand von vorzugsweise 6 Wochen (mindestens jedoch 4 Wochen); alternativ ist ein Kombinationsimpfstoff aus MMR und Varizellen (MMR-V) möglich. Wird bereits vor dem 1. Geburtstag geimpft (im Alter von 9 bis 12 Monaten), muss der Abstand zwischen den beiden Dosen laut Impfplan mindestens 3 Monate betragen.
10. Kostenfrei oder selbst zu bezahlen? Der Überblick
Weil die Unterscheidung zwischen kostenfreiem Programm und selbst zu bezahlenden Impfungen für viele Eltern die praktisch wichtigste Frage ist, hier noch einmal im Überblick, welche Impfungen für Säuglinge und Kleinkinder wohin fallen:
| Kostenfrei im öffentlichen Programm | Kostenpflichtig, aber empfohlen |
|---|---|
| 6-fach (Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Polio, Hib, Hepatitis B) | Meningokokken B |
| Pneumokokken (PCV15, 2+1-Schema) | Meningokokken ACWY (im Säuglings-/Kleinkindalter; erst vom 10.–13. Lebensjahr gratis) |
| Rotavirus (Schluckimpfung) | Varizellen (Windpocken) |
| RSV (passive Immunisierung, Nirsevimab) | Pneumokokken, 20-valenter Impfstoff (Alternative zu PCV15) |
| MMR (Masern-Mumps-Röteln) |
Auch wenn eine Impfung nicht im kostenfreien Programm enthalten ist, bedeutet das nicht, dass sie unwichtig wäre – die Aufnahme ins kostenfreie Programm ist auch eine budgetäre und gesundheitspolitische Entscheidung, keine reine Wirksamkeitsbewertung. Ob eine kostenpflichtige Impfung für Ihr Kind sinnvoll ist, besprechen Sie am besten individuell in der Ordination.
11. Wie andere Länder impfen: ein internationaler Vergleich
Ein Blick über die Grenze zeigt, dass es für ein und dasselbe medizinische Grundproblem durchaus unterschiedliche gesundheitspolitische Antworten gibt. Wir haben dazu den aktuellen deutschen STIKO-Impfkalender 2026 (Robert Koch-Institut, veröffentlicht im Epidemiologischen Bulletin 4/2026 vom 22. Januar 2026), den amerikanischen „Child and Adolescent Immunization Schedule" der CDC/ACIP (Stand Juli 2025) sowie den aktuellen Kleinkind-Impfplan des britischen National Health Service (NHS) ausgewertet.
Start der Grundimmunisierung (6-fach/Pneumokokken)
Während Österreich seit der Aktualisierung 2025/26 einen möglichst frühen, flexiblen Start „ehestmöglich ab der 6. Lebenswoche" vorsieht, beginnt die deutsche STIKO ihr strukturell sehr ähnliches 2+1-Schema mit einem fixen Startpunkt im Alter von 2 Monaten (2., 4. und 11. Lebensmonat). Die amerikanische CDC/ACIP setzt ebenfalls auf 2 Monate als Startpunkt, ergänzt das Schema aber um eine zusätzliche 4. Dosis mit 15 bis 18 Monaten und beginnt die Hepatitis-B-Impfung – anders als Österreich und Deutschland – bereits unmittelbar nach der Geburt. Der britische NHS startet die 6-in-1-Impfung mit 8 Wochen und führt aktuell schrittweise eine zusätzliche 4. Dosis im Alter von 18 Monaten ein.
Meningokokken B: von „selbst zahlen" bis „Standardimpfung"
Hier zeigt sich der wohl deutlichste Unterschied zu Österreich. Während die Meningokokken-B-Impfung in Österreich weiterhin nur empfohlen, aber selbst zu bezahlen ist, ist sie in Deutschland inzwischen zur Standardimpfung für alle Säuglinge geworden (STIKO-Schema: 2., 4. und 12. Lebensmonat) und in Großbritannien bereits seit Längerem fixer, kostenfreier Bestandteil des NHS-Impfplans (2+1-Schema mit 8 und 12 Wochen sowie mit 1 Jahr). Die amerikanische CDC/ACIP dagegen empfiehlt die Meningokokken-B-Impfung für Kinder unter 10 Jahren generell nicht – im offiziellen Impfkalender findet sich für diese Altersgruppe der Vermerk „No Guidance/Not Applicable"; erst im Jugendalter wird sie im Rahmen einer gemeinsamen Entscheidungsfindung erwogen.
Meningokokken ACWY: umgekehrtes Bild
Bei der Meningokokken-ACWY-Impfung dreht sich das Bild: Österreich empfiehlt hier – anders als bei MenB – bereits im Kleinkindalter eine (selbst zu bezahlende) Dosis im 13. Lebensmonat. Deutschland und die USA sehen dagegen im Säuglings- und Kleinkindalter keine generelle Empfehlung vor; die Standardimpfung beginnt dort erst im Jugendalter (Deutschland: 12 bis 14 Jahre; USA: Routineimpfung ab 11 bis 12 Jahren, im jüngeren Alter nur für Risikogruppen).
MMR und Varizellen
Auch bei MMR und Varizellen bestehen Unterschiede. Deutschland führt beide Impfungen als gleichrangige Standardimpfungen mit je 2 Dosen im 11. und 15. Lebensmonat durch – in Österreich ist nur MMR kostenfrei, Varizellen bleibt selbst zu bezahlen. Die USA beginnen mit der 1. Dosis von MMR und Varizellen erst im Alter von 12 bis 15 Monaten, also später als in Österreich (MMR bereits ab 9 Monaten) und Deutschland. Großbritannien führt seit Kurzem für ab dem 1. Jänner 2025 geborene Kinder einen kombinierten MMRV-Impfstoff ein, der beide Erkrankungen mit einer Impfung ab dem 1. Lebensjahr abdeckt.
RSV-Immunisierung
Bei der RSV-Immunisierung mit Nirsevimab ähneln sich Österreich, Deutschland und die USA im Grundprinzip: Alle Kinder sollen möglichst vor bzw. in ihrer ersten RSV-Saison eine Dosis erhalten. In den USA hängt die genaue Empfehlung zusätzlich vom Impfstatus der Mutter während der Schwangerschaft ab, und eine zweite Dosis in der Folgesaison ist dort ausdrücklich nur für Risikogruppen vorgesehen – ähnlich wie in Österreich, wo eine zweite Saison ebenfalls nur bestimmten Risikokindern kostenfrei zusteht.
Der Ländervergleich auf einen Blick
| Thema | Österreich | Deutschland (STIKO) | USA (CDC/ACIP) | Großbritannien (NHS) |
|---|---|---|---|---|
| Start Grundimmunisierung | ab 6. Lebenswoche (flexibel) | fix ab 2. Monat | ab 2 Monaten, Hep. B ab Geburt | ab 8 Wochen |
| Meningokokken B | empfohlen, kostenpflichtig | Standardimpfung, kostenfrei | generell nicht empfohlen <10 Jahre | Standardimpfung, kostenfrei |
| Meningokokken ACWY (Kleinkind) | empfohlen, kostenpflichtig (13. Monat) | keine Empfehlung, erst 12–14 Jahre | nur Risikogruppen, Routine erst 11–12 J. | nicht Teil der Kleinkind-Tabelle |
| MMR | 2 Dosen ab 9. Monat, kostenfrei | 2 Dosen, 11./15. Monat, Standard | 1. Dosis erst mit 12–15 Monaten | MMRV-Kombi ab 1 Jahr |
| Varizellen | empfohlen, kostenpflichtig | Standardimpfung, wie MMR | 1. Dosis erst mit 12–15 Monaten | MMRV-Kombi ab 1 Jahr |
| RSV (Nirsevimab) | universell, kostenfrei | universell, kostenfrei | 1 Dosis, je nach mütterl. Impfstatus | in ausgewerteter Tabelle nicht gesondert gelistet |
12. Verpasste Termine, Nachholimpfungen und die richtige Reihenfolge
Ein verpasster Impftermin ist meist kein Grund zur Sorge – bei den meisten Impfungen lässt sich ein Rückstand nachholen. Der Impfplan Österreich nennt dazu konkrete Fristen: Meningokokken-B-Nachholimpfungen sind bis zum vollendeten 25. Lebensjahr vorgesehen, Meningokokken-ACWY-Nachholimpfungen im Kleinkindschema bis zum vollendeten 10. Lebensjahr (danach beginnt ohnehin die eigene, kostenfreie Impfempfehlung ab dem 10. Lebensjahr). Auch bei MMR gilt: Wird die 2. Dosis nicht zum ursprünglich vorgesehenen Zeitpunkt verabreicht, genügt bei späterem Nachholen ein Mindestabstand von 4 Wochen zur 1. Dosis.
Eine wichtige Ausnahme ist die Rotavirus-Schluckimpfung: Weil ihre engen Zeitfenster – Abschluss bis zur vollendeten 24. bzw. 32. Lebenswoche – gezielt dem mit dem Alter steigenden Invaginationsrisiko Rechnung tragen, ist ein Nachholen außerhalb dieses Fensters in aller Regel nicht mehr vorgesehen. Wurde der Beginn verpasst, sollte dies möglichst rasch mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt besprochen werden.
Da in den ersten Lebensmonaten mehrere Impfungen zeitlich eng zusammenfallen können – etwa 6-fach, Pneumokokken, Rotavirus und optional Meningokokken B rund um die 6. Lebenswoche –, plant die Ordination die genaue Reihenfolge und mögliche gemeinsame Termine individuell mit Ihnen; medizinisch spricht in der Regel nichts dagegen, mehrere Totimpfstoffe am selben Tag zu verabreichen.
13. Wann und wie Sie das Thema in der Ordination ansprechen
Der Eltern-Kind-Pass mit seinen regelmäßigen Untersuchungsterminen bietet in Österreich ohnehin zahlreiche Gelegenheiten, den Impfstatus zu besprechen. Nutzen Sie diese Termine, um offene Fragen zu klären: zum optimalen Zeitpunkt der einzelnen Impfungen, zu den nicht kostenfreien, aber empfohlenen Impfungen wie Meningokokken B, Meningokokken ACWY oder Varizellen, sowie zu individuellen Besonderheiten – etwa bei Frühgeburtlichkeit, chronischen Erkrankungen oder wenn Ihr Kind bereits einen vom Schema abweichenden Impfstatus hat, zum Beispiel nach einem Umzug aus einem anderen Land. Bringen Sie dazu am besten immer den Impfpass Ihres Kindes mit.
14. Wichtigste Leitlinien und Fachgesellschaften
- Impfplan Österreich 2025/2026, Version 1.1 (10. Oktober 2025) – Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMASGPK) und Nationales Impfgremium, Österreich, 2025
- Impfplan Österreich 2025/2026 – Übersichtstabelle, Version 1.1 – BMASGPK, Österreich, 2025
- „Impfplan Österreich 2025/2026 – Hinweise zur aktualisierten Version" – Ärztekammer für Wien, Österreich, 2025
- „Impfplan 2026: What's new?" – TARA24 (Fachportal Public Health), Österreich, 2025
- Informationen zu Meningokokken – Gesundheitsportal Österreich (gesundheit.gv.at), Österreich
- Informationen zur RSV-Immunisierung – impfen.gv.at (offizielles österreichisches Impfportal), Österreich
- „Impfkalender 2026", Epidemiologisches Bulletin 4/2026 (22. Januar 2026) – Robert Koch-Institut (RKI), Ständige Impfkommission (STIKO), Deutschland, 2026
- „Child and Adolescent Immunization Schedule by Age" (Recommendations for Ages 18 Years or Younger, Addendum vom 2. Juli 2025) – Centers for Disease Control and Prevention (CDC) / Advisory Committee on Immunization Practices (ACIP), USA, 2025
- „NHS vaccinations and when to have them" – National Health Service (NHS) England, Großbritannien, 2026
Hinweis zur Entstehung dieses Beitrags
Dieser Beitrag wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz geschrieben und überarbeitet.
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