Keuchhusten (Pertussis) ist eine hochansteckende bakterielle Infektion der Atemwege, die harmlos wie eine Erkältung beginnt, aber wochenlange, quälende Hustenanfälle nach sich ziehen kann. Für ältere Kinder und Erwachsene ist die Krankheit unangenehm, aber selten gefährlich. Für Säuglinge unter 6 Monaten dagegen kann Keuchhusten lebensbedrohlich werden - oft ohne den typischen Husten, sondern mit gefährlichen Atemaussetzern (Apnoen). Seit 2024 steigen die Fallzahlen weltweit wieder deutlich an, auch in Österreich. Der wirksamste Schutz für das Neugeborene: die Impfung der Mutter in der Schwangerschaft und des gesamten Umfelds - die sogenannte Kokon-Strategie.

Was ist Keuchhusten?

Keuchhusten wird durch das Bakterium Bordetella pertussis verursacht und zählt zu den ansteckendsten Infektionskrankheiten überhaupt: Nahezu jeder ungeschützte Kontakt mit einer erkrankten Person kann zur Ansteckung führen (infektionsschutz.de, Deutschland). Die Übertragung erfolgt über Tröpfchen beim Husten, Niesen oder Sprechen, die sich bis zu einem Meter in der Luft ausbreiten. Nach der Ansteckung vergehen laut Robert Koch-Institut (RKI) meist 9 bis 10 Tage, in Einzelfällen 6 bis 20 Tage, bis die ersten Symptome auftreten.

Weder eine durchgemachte Erkrankung noch die Impfung schützen lebenslang - der Schutz lässt nach einigen Jahren nach. Dadurch erkranken auch Jugendliche und Erwachsene immer wieder an Keuchhusten, oft ohne es als solchen zu erkennen, und geben das Bakterium unbemerkt an ungeschützte Säuglinge in ihrem Umfeld weiter.

Der typische Verlauf: drei Stadien

Stadium catarrhale (etwa 1-2 Wochen)

Die Erkrankung beginnt mit leichtem Fieber, Schnupfen und trockenem Reizhusten - kaum von einer gewöhnlichen Erkältung zu unterscheiden. In dieser Phase ist die Ansteckungsgefahr am größten (RKI, Sozialministerium Österreich).

Stadium convulsivum (etwa 2-6 Wochen)

Es folgen die charakteristischen, plötzlich einsetzenden, stakkatoartigen Hustenanfälle mit herausgestreckter Zunge, die mit einem keuchenden Einziehen der Luft ("Reprise") enden können. Häufig kommt es dabei zu zähem Schleimauswurf oder Erbrechen. Nach Angaben des österreichischen Sozialministeriums können bis zu 30 bis 40 schwere Hustenanfälle pro Tag auftreten, die sich nachts häufen.

Stadium decrementi (mehrere Wochen)

Die Hustenanfälle werden allmählich seltener und milder, bis sie schließlich ganz abklingen. Insgesamt kann sich die gesamte Erkrankung über mehrere Wochen bis Monate hinziehen.

Säuglinge unter 6 Monaten: die größte Gefahr

Bei jungen Säuglingen zeigt sich Keuchhusten oft nicht mit dem typischen Husten. Das RKI beschreibt, dass sich die Erkrankung in diesem Alter "ausschließlich in Form von Atemstillständen" äußern kann - ohne die sonst typischen Hustenanfälle. Auch die russische Gesundheitsbehörde Rospotrebnadzor weist auf untypische Warnzeichen bei Säuglingen hin, etwa Niesattacken oder unerklärliches Schreien, gefolgt von potenziell lebensbedrohlichen Zuständen wie Atemstillstand, Krampfanfällen, Bewusstlosigkeit oder Blutungen.

Die Zahlen aus mehreren Ländern zeichnen ein eindeutiges Bild: In Frankreich betrafen zwischen 2013 und 2024 rund 83 % aller wegen Keuchhusten hospitalisierten Säuglinge Kinder unter 6 Monaten, 56 % waren sogar jünger als 3 Monate (Santé publique France). Im selben Land wurden 2024 46 Todesfälle durch Keuchhusten bestätigt - so viele wie seit Langem nicht mehr; 21 der Verstorbenen waren unter 5 Jahre alt, davon 12 jünger als 2 Monate. Sowohl die französische als auch die russische Gesundheitsbehörde beziffern den Anteil der unter 6 Monate alten Säuglinge an allen Keuchhusten-Todesfällen mit über 90 % - meist Kinder, deren eigene Grundimmunisierung altersbedingt noch nicht abgeschlossen war. Nach Angaben der amerikanischen Kinderärztegesellschaft (American Academy of Pediatrics) muss etwa ein Drittel aller infizierten Säuglinge stationär behandelt werden.

Alarmzeichen - sofort ärztliche Hilfe bzw. Kinder-Notaufnahme, besonders bei Säuglingen

  • Atempausen (Apnoen) oder sichtbare Atemnot - bei jungen Säuglingen häufig das einzige Warnzeichen anstelle von Husten
  • Blaue oder graue Verfärbung von Lippen, Zunge oder Gesicht (Zyanose)
  • Ausgeprägte Erschöpfung, Trinkschwäche oder wiederholtes Erbrechen nach Hustenanfällen
  • Krampfanfälle oder auffällige Bewusstseinstrübung
  • Jeder Verdacht auf Keuchhusten bei einem Kind unter 6 Monaten sollte umgehend ärztlich abgeklärt werden

Dieser Artikel ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Bei Unsicherheit wenden Sie sich bitte an Ihre Kinderärztin oder Ihren Kinderarzt.

Mögliche Komplikationen

Die häufigste Komplikation ist die Lungenentzündung. Sie kann durch den Keuchhusten-Erreger selbst oder durch eine bakterielle Sekundärinfektion mit Haemophilus influenzae oder Pneumokokken entstehen, erkennbar oft an einem erneuten Fieberanstieg. Nach RKI-Angaben sind bis zu 10 % der erkrankten Säuglinge von einer Pneumonie betroffen. Weitere mögliche Komplikationen sind Mittelohrentzündung, Krampfanfälle, in seltenen Fällen eine Gehirnerkrankung (Enzephalopathie) mit oft bleibenden Schäden, Rippenbrüche und Nabel- oder Leistenbrüche durch die Wucht des Hustens sowie Einblutungen in die Augenbindehaut. Todesfälle bei Säuglingen stehen laut RKI häufig mit einer extremen Erhöhung der weißen Blutkörperchen (Hyperleukozytose) in Zusammenhang, die zu einer lebensgefährlichen Lungenhochdruck-Krise führen kann.

Diagnose

Am zuverlässigsten lässt sich Keuchhusten in den ersten zwei bis drei Krankheitswochen mittels PCR-Test aus einem Nasen-Rachen-Abstrich aus dem hinteren Nasenraum nachweisen - ein einfacher Rachenabstrich reicht nicht aus, da sich die Bakterien vor allem im hinteren Nasen-Rachen-Raum ansiedeln (RKI). Eine Blutuntersuchung auf Antikörper (Serologie) ist erst ab der zweiten Woche nach Hustenbeginn aussagekräftig und daher für eine frühe Diagnose weniger geeignet.

Behandlung

Die Therapie erfolgt mit Antibiotika, meist Azithromycin über 5 Tage, alternativ Clarithromycin oder Erythromycin (RKI). Wichtig zu wissen: Ein Antibiotikum lindert Dauer und Schwere der Hustenanfälle nur, wenn es früh gegeben wird - idealerweise vor Beginn oder in den ersten ein bis zwei Wochen nach Hustenbeginn. Nach Beginn der Behandlung sinkt die Ansteckungsgefahr rasch: Bereits nach 3 Tagen (Azithromycin) beziehungsweise 5 bis 7 Tagen (andere Antibiotika) gilt ein Kind meist nicht mehr als ansteckend (RKI). Säuglinge unter 6 Monaten mit Verdacht auf Keuchhusten werden in aller Regel zur Überwachung stationär aufgenommen, unter anderem wegen des Apnoe-Risikos - der britische Gesundheitsdienst NHS nennt einen Krankenhausaufenthalt bei schwerem Verlauf oder bei Säuglingen unter 6 Monaten grundsätzlich angezeigt. Mehr zu Wirkstoffen und Dosierungen bei Kindern in unserem Ratgeber Medikamente.

Impfung: der wirksamste Schutz

Die Pertussis-Impfung ist Teil des kostenfreien österreichischen Kinderimpfprogramms (siehe Impfplan) und wird als Kombinationsimpfstoff - etwa als 6-fach-Impfung wie Hexyon - gemeinsam mit dem Schutz gegen Diphtherie und Tetanus (Wundstarrkrampf) verabreicht. Laut nationalem Impfgremium (impfen.gv.at) besteht die Grundimmunisierung aus drei Teilimpfungen:

  • 1. Teilimpfung: ab vollendeter 6. Lebenswoche, spätestens im 3. Lebensmonat
  • 2. Teilimpfung: 2 Monate nach der ersten Dosis
  • 3. Teilimpfung: im Alter von 10 bis 12 Monaten

Auffrischungsimpfungen erfolgen im 6. Lebensjahr (vor Schuleintritt) sowie zwischen dem 14. und 15. Lebensjahr; danach werden derzeit weitere Auffrischungen alle 5 Jahre empfohlen. Für Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 15. Lebensjahr ist die Impfung kostenfrei. Details zu Impfabständen, Kombinationsimpfstoffen und möglichen Nebenwirkungen finden sich in unseren Ratgebern Impfstoffe und Impfaufklärung.

Wie wirksam eine vollständige Impfserie Krankenhausaufenthalte verhindert, zeigen Daten der spanischen Impfgesellschaft (Asociación Española de Vacunología): Bei Kindern unter 2 Jahren sinkt das Risiko einer Keuchhusten-bedingten Hospitalisierung um rund 37 % nach einer Dosis, um 72 % nach zwei Dosen und um 93 % nach drei Dosen. Der Impfschutz lässt allerdings mit der Zeit nach - ein wichtiger Grund für die empfohlenen Auffrischungsimpfungen im Jugend- und Erwachsenenalter.

Die Kokon-Strategie: Schutz für das Baby von Anfang an

Ein Neugeborenes ist in den ersten Lebenswochen noch nicht ausreichend geimpft und daher besonders schutzlos. Der wichtigste Ausweg: die Impfung der Schwangeren selbst. Nach österreichischer Empfehlung (impfen.gv.at) sollte die Pertussis-Impfung bevorzugt zwischen der 27. und 36. Schwangerschaftswoche erfolgen - unabhängig davon, wann zuletzt gegen Keuchhusten geimpft wurde. Die mütterlichen Antikörper werden über die Plazenta auf das Kind übertragen und schützen es in den kritischen ersten Lebensmonaten, bis der eigene Impfschutz des Babys aufgebaut ist ("Nestschutz"). Auch für werdende Eltern lohnt sich ein Blick in unseren Ratgeber zur Eltern-Kind-Pass-Untersuchung.

Ebenso wichtig: Alle engen Kontaktpersonen des Babys - Eltern, Geschwister, Großeltern, Babysitter - sollten ihre eigene Keuchhusten-Impfung auffrischen lassen, wenn diese länger zurückliegt. Die südkoreanische Gesundheitsbehörde (KDCA) empfiehlt dies ausdrücklich für alle engen Kontaktpersonen von Säuglingen unter einem Jahr. So entsteht rund um das Neugeborene ein schützender "Kokon" aus immunisierten Personen, die das Bakterium nicht mehr weitergeben können.

Aktuelle Fallzahlen: ein weltweiter Anstieg seit 2024

Nach einem deutlichen Rückgang während der COVID-19-Pandemie sind die Keuchhusten-Fallzahlen seit 2024 in vielen Ländern stark angestiegen. In Österreich registrierte die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) im Jahr 2024 rund 15.470 gemeldete Fälle - etwa siebenmal so viele wie im Jahr davor (2023: 2.791 Fälle). Vorläufige Zahlen für 2025 deuten auf einen Rückgang gegenüber diesem Ausnahmejahr hin. Auch in Deutschland erreichte die Pertussis-Häufigkeit 2024 mit rund 30 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner den höchsten Stand seit Einführung der bundesweiten Meldepflicht (RKI). In Frankreich registrierte das ärztliche Überwachungsnetzwerk Sentinelles 2024 mit 244 Fällen pro 100.000 Einwohner die höchste Inzidenz seit Beginn der Erhebung (Santé publique France). In Südkorea wurden 2024 landesweit 48.048 Fälle gemeldet, mit einem besonders starken Anstieg bei Jugendlichen (KDCA). Dieser weltweite Trend unterstreicht, wie wichtig ein vollständiger und rechtzeitig aufgefrischter Impfschutz - insbesondere für Schwangere und das nähere Umfeld von Säuglingen - nach wie vor ist.

Wie Sie Ihr Baby schützen können

  • Impfung nach österreichischem Impfplan rechtzeitig beginnen und alle Teilimpfungen wahrnehmen
  • Impfung in der Schwangerschaft (27.-36. Schwangerschaftswoche) sowie Auffrischung bei allen engen Kontaktpersonen des Babys - die Kokon-Strategie
  • Bei Fieber und Husten im direkten Umfeld eines jungen Säuglings: Abstand halten bzw. Kontakt vorübergehend meiden, bis eine Erkrankung ausgeschlossen ist
  • Bei jedem Verdacht auf Keuchhusten bei einem jungen Säugling rasch kinderärztlichen Rat einholen - siehe auch unseren Ratgeber Fieber bei Kindern für allgemeine Warnzeichen

Quellen

  • RKI-Ratgeber Pertussis (Keuchhusten) – Robert Koch-Institut, Deutschland
  • Keuchhusten (Pertussis): Krankheitsinformation, Impfplan und Fallzahlen – Sozialministerium, impfen.gv.at und AGES, Österreich
  • Coqueluche: Bilan 2024 – Santé publique France, Frankreich
  • Whooping Cough – HealthyChildren.org, American Academy of Pediatrics (AAP), USA
  • Pautas de vacunación frente a la tos ferina – Asociación Española de Vacunología, Spanien
  • Pertosse – EpiCentro, Istituto Superiore di Sanità (ISS), Italien
  • Коклюш – Роспотребнадзор (Föderaler Dienst für die Überwachung des Verbraucherschutzes und des Wohlergehens der Menschen), Russland
  • 백일해(Pertussis) – Korea Disease Control and Prevention Agency (KDCA), Südkorea
  • Whooping cough – NHS (National Health Service), Vereinigtes Königreich