Ernährungsberater für Kinder

Was in welchem Alter auf den Teller gehört – von der Milchzeit über die Beikost bis zum Schulkind. Mit einem Nachschlagewerk, das zu jedem Lebensmittel sagt, ob es für Ihr Kind gerade geeignet ist, und mit dem, was Leitlinien aus neun Sprachräumen dazu derzeit empfehlen.

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Bitte beachten: Dieser Berater gibt allgemeine, altersbezogene Orientierung nach den Österreichischen Beikostempfehlungen. Er ersetzt keine ärztliche Beratung und berücksichtigt keine Vorerkrankungen, Allergien oder Besonderheiten Ihres Kindes. Bei Gedeihstörung, Nahrungsmittelallergien, Frühgeburtlichkeit oder wenn Ihr Kind dauerhaft schlecht isst, sprechen Sie uns bitte an.

Kindergarten- und Vorschulalter

2 Jahre bis 6 Jahre

Ihr Kind isst zunehmend außer Haus und vergleicht sich mit anderen. In diesem Alter prägen Gewohnheiten, die lange halten. Was Sie vorleben, wirkt stärker als das, was Sie erklären.

Kurz gesagt Essen wird sozial – und Vorbilder wirken jetzt stärker als Erklärungen.

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Kind steht auf einem Tritt an der Küchenzeile und wäscht mit einem Erwachsenen Gemüse
Wer mitkocht, probiert eher – das ist der wirksamste Hebel in diesem Alter.

Milch weicht der Beikost – Schritt für Schritt

Zahl der Mahlzeiten pro Tag in den ersten beiden Lebensjahren. Beikost ersetzt die Milch nicht auf einmal, sondern etwa alle vier Wochen eine Mahlzeit. Fahren Sie über einen Balken, um die Zahlen zu sehen; ein Klick öffnet die jeweilige Phase.

Milchmahlzeiten Beikost- und Familienmahlzeiten

Ein typischer Tag

  • Drei Hauptmahlzeiten, ein bis zwei Zwischenmahlzeiten
  • Gemüse oder Obst zu jeder Mahlzeit anbieten
  • Gemeinsam essen, wann immer es der Alltag zulässt
  • Süßes hat seinen Platz – aber als Teil einer Mahlzeit, nicht als Belohnung oder Trostpflaster

Wann was auf den Tisch kommt

Ein Beispieltag – die Uhrzeiten sind Anhaltspunkte, kein Stundenplan. Was zählt, ist der Rhythmus: feste Mahlzeiten statt eines Angebots, das den ganzen Tag nebenherläuft.

  1. 7:00 Frühstück Eine der drei Hauptmahlzeiten. Gemüse oder Obst gehört zu jeder davon – morgens ist Obst meist der einfachere Weg.
  2. 9:00 Vormittagsjause Eine kleine Zwischenmahlzeit, wenn Ihr Kind Hunger hat. Zwischenmahlzeiten sind geplante Mahlzeiten – nicht das durchgehende Angebot nebenher.
  3. 12:00 Mittagessen Die zweite Hauptmahlzeit. Hier passt der ganze Teller: die Hälfte Gemüse und Obst, je ein Viertel Beilage und Eiweiß.
  4. 15:00 Nachmittagsjause Wenn es Süßes gibt, ist hier der günstigste Platz dafür: als Teil einer Mahlzeit. Für die Zähne zählen Menge und Häufigkeit freier Zucker – dieselbe Menge über Stunden verteilt erzeugt mehr Säurephasen als ein Dessert nach dem Essen.
  5. 18:00 Abendessen Die letzte Hauptmahlzeit. Danach kommt das Zähneputzen – und damit der Schlussstrich für den Tag.
  6. 19:00 Zähneputzen Ab jetzt nur noch Wasser. In der Nacht fließt weniger Speichel, deshalb wirkt lange ein, was jetzt noch an die Zähne kommt.

Dazwischen: Wasser. Zwischen den Mahlzeiten ist Wasser das Getränk. Für ein- bis dreijährige Kinder rechnet man mit etwa sechs bis sieben Portionen Getränk am Tag – eine Portion sind 125 ml, also ein halbes Glas.

Und was besser nicht zu dieser Zeit kommt

  • Den ganzen Tag nebenher zwischen den Mahlzeiten

    Ständiges Nippen an Saft oder gesüßten Getränken und durchgehendes Knabbern erzeugen immer wieder neue Säurephasen. Für die Zähne zählt nicht nur, wie viel Zucker ein Kind bekommt, sondern wie oft am Tag.

    Essen und gesüßte Getränke an Mahlzeiten binden, dazwischen Wasser anbieten.

  • Nach dem Zähneputzen abends nach dem Putzen

    Nach dem abendlichen Putzen gibt es nur noch Wasser – auch keine Milch zum Einschlafen. Ungesüßte Milch ist zwar weniger kariogen als ein süßes Getränk, aber sie ist Nahrung und enthält Milchzucker.

    Das Putzen ans Ende des Abends legen. Was danach kommt, ist Wasser – auch am Wochenende.

  • Die Flasche im Bett nachts

    Ein Fläschchen mit Saft, gezuckertem Tee, Sirup oder Milchmischgetränk im Bett gilt als hohes Kariesrisiko: Nachts fließt weniger Speichel, das Getränk wirkt entsprechend lange ein. Die AAP rät ausdrücklich davon ab, Kleinkindern Saft vor dem Zubettgehen zu geben.

    Gewohnheiten schrittweise ändern und andere Einschlafrituale aufbauen. Verdünnen ist ein Übergang, kein Ziel – bei Schlafproblemen sprechen Sie uns an.

  • Saft als Durstlöscher über den Tag

    Fruchtsaft zählt zu den freien Zuckern – so wie Honig und Sirup. Die AAP nennt als Höchstmenge etwa 120 ml am Tag für Ein- bis Dreijährige, 120 bis 180 ml für Vier- bis Sechsjährige und 240 ml ab sieben Jahren; unter einem Jahr gar keinen.

    Wenn Saft, dann zu einer Mahlzeit und im Glas – nicht aus der Flasche oder dem Trinklernbecher zum Mitnehmen.

  • Milch statt Mahlzeit über den Tag

    Milch ist Nahrung, kein Durstlöscher. Sie ist eisenarm und macht satt; eine hohe Kuhmilchzufuhr gilt als Risikofaktor für Eisenmangelanämie, weil weniger eisenreiche Kost gegessen wird. Die europäische Fachgesellschaft ESPGHAN nennt für Kleinkinder unter 500 ml am Tag, die AAP höchstens etwa 700 ml. Die österreichischen Empfehlungen für Ein- bis Dreijährige nennen drei Portionen Milch und Milchprodukte – eine Portion sind 125 ml Milch, 100 g Joghurt oder 20 g Käse.

    Milch zu den Mahlzeiten anbieten und den Durst dazwischen mit Wasser stillen. Wenn Ihr Kind wenig isst und viel Milch trinkt, sprechen Sie uns an.

Woher das kommt: Richtig essen von Anfang an! (AGES, Sozialministerium, Sozialversicherung), 2020 · kinderarzt.net, Ratgeber Karies bei Kindern, 2026 · Weltgesundheitsorganisation (WHO), 2015 · American Academy of Pediatrics (AAP), 2017 · ESPGHAN Committee on Nutrition (Domellöf et al.), 2014 · American Academy of Pediatrics (AAP), HealthyChildren.org. Stand der Recherche: 10.09.2026.

Was in dieser Phase neu dazukommt

  • Ganze Nüsse bleiben bis etwa fünf Jahre tabu (Erstickungsgefahr)
  • Kind beim Zubereiten mithelfen lassen – das erhöht die Bereitschaft, Neues zu probieren
  • Auf gesüßte Getränke im Kindergarten und bei Feiern achten

Trinken

Wasser bleibt das Getränk der Wahl, etwa 700 bis 1000 ml über den Tag. Gesüßte Getränke sind die stärkste einzelne Zuckerquelle im Kindesalter.

Nährstoffe, auf die es jetzt ankommt

Eisen

Einer der beiden kritischen Nährstoffe der Beikostphase. Fleisch – Rind, Kalb, Schwein – ist die beste Quelle, weil Hämeisen besonders gut aufgenommen wird. Pflanzliche Quellen wie Vollkorngetreide und Hülsenfrüchte wirken deutlich besser in Kombination mit Vitamin-C-reichen Lebensmitteln. Kuhmilch hemmt die Eisenaufnahme und gehört deshalb nicht in dieselbe Mahlzeit wie Fleisch. Routinemäßige Eisenpräparate sind für reif geborene, gesunde Säuglinge nicht vorgesehen.

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Jod

Der zweite kritische Nährstoff der Beikostphase. In Österreich ist Speisesalz jodiert – im ersten Lebensjahr wird dem Essen aber kein Salz zugesetzt. Milch und Milchprodukte sowie Seefisch sind in dieser Zeit die wesentlichen Quellen.

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Calcium

Milch und Milchprodukte sind die Hauptquelle, daneben calciumreiches Mineralwasser, Brokkoli, Grünkohl und Sesam. Bei Milchverzicht sollte die Versorgung gezielt geplant werden.

Vitamin D

Über das erste Lebensjahr hinaus wird eine Gabe individuell entschieden – abhängig von Jahreszeit, Aufenthalt im Freien und Hauttyp. Sprechen Sie uns bei der Vorsorgeuntersuchung darauf an.

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So ist der Teller aufgeteilt

Die Hälfte des Tellers Gemüse und Obst, je ein Viertel Beilage und Eiweiß, dazu Wasser. Fahren Sie über einen Teil, um die Menge für dieses Alter zu sehen – ein Klick zeigt Beispiele dazu.

Gemüse: ein bis zwei Kinderhände voll – roh oder gegart, zu jeder Hauptmahlzeit Obst: eine Kinderhand voll – ganze Frucht statt Saft Gemüse & Obst die Hälfte Beilage: eine Kinderfaust – Nudeln, Reis, Kartoffeln oder Brot, gerne aus Vollkorn Beilage ein Viertel Fleisch oder Fisch: so groß wie der Handteller, so dick wie der kleine Finger – Fleisch zwei- bis dreimal, Fisch ein- bis zweimal pro Woche Eiweiß ein Viertel Wasser: ein Kinderglas zu jeder Mahlzeit – und zwischendurch, wann immer das Kind möchte Wasser

Die Aufteilung des Tellers – etwa die Hälfte Gemüse und Obst, je ein Viertel Beilage und Eiweißkomponente – entspricht der Empfehlung, die Ihr Kind in diesem Alter braucht. Wie viel davon tatsächlich gegessen wird, entscheidet Ihr Kind.

Wie groß ist eine Portion? Die Hand Ihres Kindes ist der Maßstab

Ein Portionsmaß, das mitwächst: Gemessen wird mit der Hand des Kindes, nicht mit Ihrer. Ein größeres Kind bekommt damit von selbst mehr.

Was Ein Maß Wie oft
Gemüse ein bis zwei Kinderhände voll roh oder gegart, zu jeder Hauptmahlzeit
Obst eine Kinderhand voll ganze Frucht statt Saft
Beilage eine Kinderfaust Nudeln, Reis, Kartoffeln oder Brot, gerne aus Vollkorn
Fleisch oder Fisch so groß wie der Handteller, so dick wie der kleine Finger Fleisch zwei- bis dreimal, Fisch ein- bis zweimal pro Woche
Milch und Milchprodukte ein Becher oder eine Kinderhand voll über den Tag verteilt, nicht zur Fleischmahlzeit
Öl und Streichfett eine Daumenspitze Raps- oder Olivenöl bevorzugen
Wasser ein Kinderglas zu jeder Mahlzeit und zwischendurch, wann immer das Kind möchte

Die Angaben sind Anhaltspunkte für einen Tag, kein Pensum. Wie viel Ihr Kind tatsächlich isst, schwankt von Tag zu Tag.

Was als Nächstes kommt

Mit dem Schuleintritt ändern sich Rhythmus und Verpflegung noch einmal deutlich.

Nächste Phase ansehen: Schulkind und Jugendliche →

Häufige Fragen in diesem Alter

Wie halte ich es mit Süßigkeiten?

Ein striktes Verbot macht Süßes attraktiver und führt oft dazu, dass Kinder außer Haus umso mehr davon essen. Bewährt hat sich ein klarer, vorhersehbarer Rahmen: eine überschaubare Menge, zu einer festen Gelegenheit, am besten im Anschluss an eine Mahlzeit – das schont zusätzlich die Zähne.

Mein Kind isst im Kindergarten ganz anders als zu Hause.

Das ist häufig und meist ein gutes Zeichen: In der Gruppe probieren Kinder mehr. Nutzen Sie das, statt es zu bewerten – fragen Sie im Kindergarten nach, was Ihr Kind dort gerne isst, und bieten Sie es zu Hause ebenfalls an.


Darf mein Kind das schon?

Für ein verpacktes Produkt aus dem Regal gibt es den Produkt-Check: Nährwerte nachschlagen und die Klassen auf der Packung einordnen.

Suchen Sie ein Lebensmittel oder blättern Sie durch die Gruppen. Die Bewertung gilt für 2 JahreAlter ändern.


Was derzeit empfohlen wird – recherchiert in neun Sprachen

Ernährungsempfehlungen sind nicht überall gleich, und sie ändern sich. Für dieses Werkzeug haben wir die Leitlinien und Studien aus neun Sprachräumen durchgesehen. Hier stehen die 12 Aussagen, die für 2 Jahre gelten – jede mit Institution, Land und Jahr. Stand der Recherche: 06.09.2026.

2023 weltweit Leitlinie

Responsives Füttern ist seit 2023 eine eigene starke Empfehlung

Die WHO hat das, was Eltern als Aufgabenteilung am Tisch kennen, erstmals als eigene starke Empfehlung formuliert: Kinder von 6 bis 23 Monaten sollen responsiv gefüttert werden – also so, dass sie selbstständig essen und auf ihre eigenen Hunger- und Sättigungssignale reagieren können. Das unterstützt nicht nur die Ernährung, sondern auch die kognitive, emotionale und soziale Entwicklung.

Was daraus folgt: Sie entscheiden, was und wann angeboten wird. Ihr Kind entscheidet, ob und wie viel es davon isst. Diese Trennung ist inzwischen leitliniengestützt.

Weltgesundheitsorganisation (WHO) · Quelle ansehen

2026 weltweit Leitlinie

Erste weltweite Leitlinie für das Essen in der Schule

Im Januar 2026 hat die WHO erstmals eine globale Leitlinie für Schulverpflegung veröffentlicht. Sie empfiehlt verbindliche Standards für das, was in Schulen und Kinderbetreuung ausgegeben und verkauft wird, sowie sogenannte Nudging-Maßnahmen: Wo gesunde Lebensmittel stehen, wie sie präsentiert werden und was sie kosten, verändert nachweislich, wozu Kinder greifen. Mehr Vollkorn, Obst, Nüsse und Hülsenfrüchte, weniger freier Zucker, gesättigte Fette und Natrium.

Was daraus folgt: Was Ihr Kind außer Haus isst, ist keine Privatsache der Schule. Es lohnt sich, in Kindergarten und Schule nachzufragen, was dort angeboten wird.

Weltgesundheitsorganisation (WHO) · Quelle ansehen

2025 Europa Positionspapier

ESPGHAN 2025: vegane Ernährung nur mit Begleitung und Supplementen

Die Ernährungskommission der europäischen Fachgesellschaft ESPGHAN hat 2025 erstmals ein systematisch recherchiertes Positionspapier zur veganen Ernährung von Säuglingen, Kindern und Jugendlichen vorgelegt. Ergebnis: Vitamin B12 erreicht ohne Supplement oder angereicherte Lebensmittel keine ausreichenden Werte; Calcium, Jod und Zink liegen häufig am unteren Rand des Empfohlenen. Fehlen diese Nährstoffe, kann das bei Säuglingen und Kleinkindern schwerwiegende Folgen haben.

Was daraus folgt: Eine vegane Ernährung im Kindesalter ist kein Selbstläufer. Sie braucht dauerhaft Vitamin B12, angereicherte Lebensmittel und regelmäßige Kontrolle – bitte vorher mit uns besprechen.

ESPGHAN Committee on Nutrition · Quelle ansehen

2025 weltweit Bericht

Erstmals mehr übergewichtige als untergewichtige Schulkinder

Der UNICEF-Kinderernährungsbericht vom September 2025 markiert einen Wendepunkt: Weltweit ist Adipositas bei 5- bis 19-Jährigen erstmals häufiger als Untergewicht – 188 Millionen Kinder und Jugendliche sind betroffen, also jedes zehnte. Der Anteil stieg seit dem Jahr 2000 von 3 auf 9,4 Prozent, während Untergewicht von rund 13 auf 9,2 Prozent zurückging. 60 Prozent der Jugendlichen hatten am Vortag mehr als ein zuckerhaltiges Lebensmittel gegessen oder getrunken.

Was daraus folgt: Der stärkste Hebel liegt nicht auf dem Teller allein, sondern im Umfeld: was zu Hause vorrätig ist, was in der Schule angeboten wird und was beworben wird.

UNICEF · Quelle ansehen

2025 weltweit Übersichtsarbeit

UNICEF fasst zusammen, was hochverarbeitete Lebensmittel bei Kindern anrichten

Im Dezember 2025 hat UNICEF eine aktualisierte Übersicht zu hochverarbeiteten Lebensmitteln und Kindern veröffentlicht. Der Konsum ist verbunden mit schlechterer Ernährungsqualität, Übergewicht, Adipositas und Karies; es gibt zudem Hinweise auf Wachstumsverzögerung, Blutarmut, ein höheres Risiko für Typ-2-Diabetes im späteren Leben und mögliche Auswirkungen auf die psychische Gesundheit. In vielen wohlhabenden Ländern stammt inzwischen mehr als die Hälfte der täglichen Kalorien von Kindern aus solchen Produkten.

Was daraus folgt: Nicht jedes verpackte Lebensmittel ist hochverarbeitet. Der einfachste Prüfstein: Steht auf der Zutatenliste etwas, das in keiner Küche vorkommt, gehört es nicht zur täglichen Ernährung.

UNICEF · Quelle ansehen

2024 Deutschland Bericht

Kleinkinder essen zu viel Eiweiß und zu wenig Gemüse

Die Auswertung des DGE-Ernährungsberichts zum Essverhalten von Kleinkindern zeigt ein durchgängiges Muster: zu wenig Gemüse, Obst und stärkehaltige Beilagen, dafür deutlich zu viel Süßes, Salz und eiweißreiche Lebensmittel wie Fleisch, Wurst und Käse. Die Eiweißzufuhr liegt beim Zwei- bis Dreifachen der empfohlenen Menge. Auch in der Betreuung wird es sichtbar: Ein Mittagessen in der Kinderbetreuung enthält im Mittel 2 Gramm Salz – 333 Prozent der empfohlenen Menge – und 13,9 Gramm Zucker, also 165 Prozent.

Was daraus folgt: Bei den meisten Kleinkindern ist nicht die Menge das Problem, sondern das Verhältnis: mehr Gemüse und Beilage auf den Teller, Wurst und Käse als Beigabe statt als Hauptsache.

Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE-Ernährungsbericht) · Quelle ansehen

2025 Spanien Regierungsmaßnahme

Spanien zieht hochverarbeitete Produkte aus Schulen und Spitälern

In Spanien hat sich der Anteil hochverarbeiteter Lebensmittel an der Ernährung in zwanzig Jahren von 11 auf 32 Prozent verdreifacht. Die Regierung reagierte mit Verordnungen: Im April 2025 kam die Regelung für gesunde Schulmensen, im November 2025 kündigte das Verbraucherministerium an, hochverarbeitete Produkte auch aus der Verpflegung von Kindern und Jugendlichen in Krankenhäusern zu nehmen.

Was daraus folgt: Ein Land nach dem anderen behandelt Kinderernährung als Frage des Umfelds, nicht der Willenskraft. Für den Alltag heißt das: Was nicht im Haus ist, muss nicht verhandelt werden.

Ministerio de Derechos Sociales, Consumo y Agenda 2030 · Quelle ansehen

2026 Italien Nationale Leitlinie

Italien nennt Salz und freien Zucker als die kritischen Punkte

Die italienischen Ernährungsleitlinien benennen die Nährstoffe, deren Zufuhr in der heutigen Ernährung besonders kritisch ist und reduziert werden soll: Salz, freier Zucker und Alkohol. Für Kinder ist die Datenlage in Italien besonders ungünstig – Übergewicht ist in sozial benachteiligten Gruppen deutlich häufiger. Auch deshalb hat das italienische Gesundheitsinstitut die WHO-Leitlinie zur Schulverpflegung von Anfang 2026 prominent aufgegriffen.

Was daraus folgt: Salz und Zucker sind im Kindesalter keine Geschmacksfrage, sondern eine Gewöhnungsfrage. Was ein Kind nicht kennengelernt hat, vermisst es auch nicht.

Istituto Superiore di Sanità (EpiCentro) und CREA · Quelle ansehen

2022 China Nationale Leitlinie

China zählt die Vielfalt: zwölf Lebensmittel am Tag, fünfundzwanzig in der Woche

Die chinesische Leitlinie für Schulkinder macht Vielfalt zu einer nachprüfbaren Größe: Im Mittel sollen Kinder täglich mehr als zwölf verschiedene Lebensmittel essen und über die Woche mehr als fünfundzwanzig, verteilt auf Getreide und Kartoffeln, Gemüse und Obst, Fleisch, Fisch, Ei, Milch und Hülsenfrüchte. Dazu kommen mindestens 300 Milliliter Milch täglich, ausreichend Wasser – und ausdrücklich keine gezuckerten Getränke.

Was daraus folgt: Eine Zahl, mit der man arbeiten kann. Wer eine Woche lang mitzählt, sieht schnell, wo die Vielfalt tatsächlich aufhört.

Chinesische Ernährungsgesellschaft, Leitlinie für Schulkinder (中国学龄儿童膳食指南) · Quelle ansehen

2025 Südkorea Nationale Referenzwerte

Korea senkt den empfohlenen Kohlenhydratanteil

Ende Dezember 2025 hat Korea nach fünf Jahren seine Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr neu gefasst. Rund 150 Fachleute haben drei Jahre lang 41 Nährstoffe überprüft. Der empfohlene Anteil der Kohlenhydrate an der Energiezufuhr wurde von 55 bis 65 Prozent auf 50 bis 65 Prozent gesenkt, weil eine zu hohe Kohlenhydratzufuhr mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und erhöhter Sterblichkeit in Verbindung gebracht wird. Für Cholin wurde erstmals ein Referenzwert festgelegt.

Was daraus folgt: Für den Familienalltag heißt das nicht „weniger Nudeln“, sondern: Die Beilage ist ein Viertel des Tellers, nicht die Hälfte.

Ministerium für Gesundheit und Soziales (보건복지부) und Koreanische Ernährungsgesellschaft · Quelle ansehen

2025 Südkorea Studienlage

Korea: hochverarbeitete Kost verschiebt auch Bewegung und Bildschirmzeit

Koreanische Arbeiten haben 2025 zwei Zusammenhänge beziffert. Erstens: Steigt der Anteil hochverarbeiteter Lebensmittel um zehn Prozent, steigt bei übergewichtigen Kindern und Jugendlichen das Risiko für eine mindestens mittelschwere Fettleber um das 1,37-Fache. Zweitens reicht die Wirkung über die Ernährung hinaus – Kleinkinder mit hohem Anteil solcher Produkte verfehlten zwei Jahre später deutlich häufiger die Empfehlungen zu Bewegung und Bildschirmzeit.

Was daraus folgt: Snacks aus der Packung sind selten ein isoliertes Problem. Sie hängen mit dem übrigen Tagesablauf zusammen – deshalb lohnt es sich, beides gemeinsam anzuschauen.

Koreanische Forschungsberichte, zusammengefasst über das Gesundheitsportal der KDCA · Quelle ansehen

2025 Brasilien Bericht

Brasilien: vier von fünf Kinderlebensmitteln sind hochverarbeitet

Brasilianische Auswertungen, unter anderem der Universität São Paulo, kommen zu dem Ergebnis, dass vier von fünf speziell für Kinder angebotenen Lebensmitteln hochverarbeitet sind. Eine weitere Untersuchung zeigt die Gegenrichtung: Wo hochverarbeitete Produkte in Schulen untersagt wurden, ging die Häufigkeit von Adipositas bei Kindern zurück.

Was daraus folgt: „Für Kinder“ auf der Verpackung ist eine Marketingaussage, keine Ernährungsaussage. Der Blick auf die Zutatenliste sagt mehr als die Vorderseite.

UNICEF Brasilien und Instituto Brasileiro de Defesa do Consumidor (Idec) · Quelle ansehen


Wann Sie mit uns sprechen sollten

  • Ihr Kind nimmt nicht zu oder verliert an Gewicht
  • Beikost hat bis zum Beginn des 7. Lebensmonats (26 Wochen) nicht begonnen
  • Nach einem Lebensmittel treten Ausschlag, Erbrechen, Durchfall oder Atemprobleme auf
  • Ihr Kind lehnt ganze Lebensmittelgruppen dauerhaft ab
  • Sie möchten auf eine rein pflanzliche Ernährung umstellen
  • Das Essen wird zum täglichen Konflikt

Termin vereinbaren

Weiterlesen: Beikost: Wann beginnen? · Vitamin-D-Substitution · Zucker bei Kindern

Häufige Fragen

Wann soll ich mit der Beikost beginnen?

Die österreichische Empfehlung nennt ein Fenster: frühestens mit Beginn des fünften, spätestens mit Beginn des siebenten Lebensmonats. Entscheidend sind daneben die Zeichen des Kindes, etwa sicheres Sitzen mit Unterstützung und Interesse am Essen. Die WHO empfiehlt aus Sicht der weltweiten Gesundheitsvorsorge sechs Monate ausschließliches Stillen, die europäischen Kinderärztegesellschaften sehen das Fenster flexibler.

Warum darf ein Baby im ersten Jahr keinen Honig bekommen?

Honig kann Sporen des Bakteriums Clostridium botulinum enthalten. Der Darm eines Säuglings kann diese Sporen im ersten Lebensjahr noch nicht in Schach halten, sodass es zum Säuglingsbotulismus kommen kann. Ab dem ersten Geburtstag besteht diese Gefahr nicht mehr. Gekochter oder gebackener Honig ist übrigens ebenso zu meiden, Erhitzen zerstört die Sporen nicht zuverlässig.

Soll ich allergieauslösende Lebensmittel meiden?

Nein, das Gegenteil hat sich als richtig erwiesen. In der LEAP-Studie erkrankten Kinder mit hohem Risiko deutlich seltener an einer Erdnussallergie, wenn Erdnuss früh und regelmäßig gegeben wurde, statt sie zu meiden. Wichtig ist die Form: gemahlen oder als Mus, niemals ganze Nüsse. Bei bekannter Allergie in der Familie oder schwerem Ekzem besprechen Sie den Start bitte vorher mit uns.

Ab wann darf mein Kind Kuhmilch trinken?

Als Zutat im Getreide-Milch-Brei ist Kuhmilch im ersten Lebensjahr in kleiner Menge üblich. Als Getränk sollte Kuhmilch erst nach dem ersten Geburtstag dazukommen, weil sie wenig Eisen enthält und größere Mengen die Eisenversorgung verschlechtern können.

Welche Lebensmittel sind gefährlich zum Verschlucken?

Alles, was klein, rund und fest ist: ganze Weintrauben, Nüsse, Popcorn, rohe Karottenstücke, harte Bonbons und Wurststücke. Weintrauben und ähnliche Früchte längs vierteln, Wurst längs und quer schneiden, ganze Nüsse vor dem vierten bis fünften Geburtstag gar nicht geben. Und immer im Sitzen essen, nie im Liegen, im Auto oder beim Herumlaufen.

Medizinische Grundlage