Von der mechanischen Reizung über trockene Heizungsluft, Erkältung und allergischen Schnupfen bis zu Verletzungen und Fremdkörpern – und den selteneren Ursachen, an die gedacht werden muss, wenn das Muster nicht passt.

Wichtiger Hinweis

Die meisten Nasenblutungen bei Kindern sehen dramatischer aus, als sie medizinisch sind. Fast immer stammt das Blut aus kleinen Gefäßen im vorderen Teil der Nasenscheidewand. Mit der richtigen Technik hört die Blutung meist auf.

Das Kind aufrecht hinsetzen, den Kopf leicht nach vorn neigen und den weichen Teil der Nase direkt unterhalb des knöchernen Nasenrückens fest zusammendrücken. Mindestens zehn Minuten ohne Loslassen drücken und durch den Mund atmen lassen. Nicht zwischendurch nachsehen. Blut aus dem Mund ausspucken lassen, nicht absichtlich schlucken.

Sofort 144 beziehungsweise 112 rufen, wenn das Kind kreislaufinstabil wirkt, schwer atmet, sehr viel Blut verliert, bewusstlos wird, Blut nach schwerer Kopf- oder Gesichtsverletzung austritt oder die Blutung trotz korrekt ausgeführter Kompression nicht beherrschbar ist. Bei bekannter schwerer Gerinnungsstörung gilt der persönliche Notfallplan.

Österreich: Rettung 144, Euro-Notruf 112.

11 Häufigste Ursache: mechanische Reizung

Nasebohren, Reiben, kräftiges Schnäuzen und kleine Stöße verursachen die meisten Blutungen. Das ist kein moralisches Fehlverhalten. Häufig juckt oder spannt die Schleimhaut, und das Kind versucht unbewusst, Krusten zu entfernen.

Kurze, glatte Fingernägel reduzieren Verletzungen. Wichtiger ist, den Grund des Juckreizes zu behandeln: trockene Luft, allergischer Schnupfen oder ein Infekt. Beschämung führt eher dazu, dass das Kind das Verhalten versteckt.

Bei kleinen Kindern kann ein eingeführter Gegenstand die Schleimhaut verletzen. Einseitiger übel riechender Ausfluss, verstopfte Nase und wiederholte Blutung sprechen für einen Nasenfremdkörper.

12 Trockene Luft, Heizung und Klima

Trockene Schleimhaut bildet Risse und Krusten. Heizungsluft im Winter, Klimaanlagen, Höhenluft und lange Aufenthalte in sehr trockenen Räumen verstärken das Problem. Häufiges Reiben öffnet die feinen Gefäße erneut.

Isotonische Kochsalzsprays oder -tropfen können befeuchten. Ein geeignetes Nasengel wird dünn im vorderen Nasenbereich angewendet, nicht tief eingebracht. Bei Kleinkindern sind wasserlösliche Produkte oft günstiger als eine langfristige großzügige Anwendung fetthaltiger Salben, weil eingeatmete Fetttröpfchen sehr selten eine Lungenentzündung durch Fett verursachen können.

Ein Luftbefeuchter hilft nur, wenn er hygienisch betrieben wird. Schlecht gereinigte Geräte verteilen Keime oder Schimmel. Häufig genügt normales Lüften und das Vermeiden überheizter Räume.

13 Erkältung und Nasenentzündung

Bei einem Virusinfekt ist die Schleimhaut geschwollen und empfindlich. Schnäuzen, Husten, Niesen und häufiges Wischen belasten den vorderen Nasenbereich. Geringe Blutspuren im Sekret sind dann häufig.

Starke oder anhaltende Blutungen werden nicht automatisch mit „Erkältung“ erklärt. Fieber, Gesichtsschwellung, eitriger einseitiger Ausfluss oder starke Schmerzen erfordern eine gesonderte Beurteilung.

Abschwellende Nasensprays sind keine allgemeine Dauerbehandlung gegen Nasenbluten. Sie können in der medizinischen Akutversorgung Gefäße verengen, bei falscher oder zu langer häuslicher Anwendung aber Schleimhaut schädigen und Nebenwirkungen verursachen.

14 Allergischer Schnupfen

Allergien führen zu Juckreiz, Niesen, Entzündung und Reiben. Eine gute Allergiebehandlung kann deshalb wiederkehrendes Nasenbluten vermindern. Dazu gehören Allergenreduktion, Kochsalz und bei Bedarf ärztlich empfohlene Medikamente.

Kortisonhaltige Nasensprays können sehr wirksam sein, reizen aber die Nasenscheidewand, wenn der Strahl direkt auf sie gerichtet wird. Der Sprühkopf zeigt leicht nach außen in Richtung Ohr derselben Seite, nicht zur Mitte. Nur die verordnete Menge verwenden und bei Blutung die Technik kontrollieren lassen.

Ein Nasenspray wird nicht reflexartig abgesetzt, wenn es für Asthma- oder Allergiekontrolle wichtig ist. Nutzen, Technik, Präparat und Pause werden mit der behandelnden Praxis besprochen.

15 Verletzungen der Nase

Nach Balltreffer, Sturz oder Schlag kann die Schleimhaut bluten. Zuerst gelten Kompression und Beobachtung des Allgemeinzustands. Zusätzlich wird nach Fehlstellung, starker Schwellung, Atembehinderung, Zahn- oder Augenverletzung und Zeichen eines Schädel-Hirn-Traumas geschaut.

Eine besondere Verletzung ist das Septumhämatom: Blut sammelt sich unter der Schleimhaut der Nasenscheidewand. Es kann beidseitig weich vorwölben und die Nasenatmung blockieren. Unbehandelt drohen Knorpelschaden und Verformung. Nach Nasentrauma mit neuer deutlicher Verstopfung oder zunehmendem Schmerz ist eine dringende HNO-Untersuchung nötig.

Eine schiefe oder geschwollene Nase wird nicht selbst „gerade gedrückt“. Kühlen von außen kann Schwellung lindern, ohne kräftigen Druck auf eine mögliche Fraktur.

16 Fremdkörper in der Nase

Perlen, Schaumstoff, Papier, Nahrungsmittel und Spielzeugteile werden besonders von Kleinkindern in die Nase gesteckt. Typisch sind einseitige Verstopfung, übler Geruch, eitriger Ausfluss und wiederkehrende kleine Blutungen.

Nicht blind mit Pinzette oder Wattestäbchen suchen. Dadurch rutscht der Gegenstand tiefer oder die Schleimhaut wird verletzt. Eine ärztlich angeleitete „Kuss-Methode“, bei der eine Betreuungsperson kontrolliert Luft über den Mund des Kindes gibt, kann bei geeigneten glatten Gegenständen helfen; sie sollte nur nach konkreter Anleitung erfolgen.

Knopfzellen und Magnete sind Notfälle. Eine Knopfzelle kann durch elektrische und chemische Reaktionen innerhalb kurzer Zeit Gewebe zerstören. Bei Verdacht sofort in eine Notaufnahme beziehungsweise HNO-Abteilung und keine Kochsalzlösung oder Tropfen einbringen.

17 Medikamente, die Blutungen begünstigen

Blutplättchenhemmer wie Acetylsalicylsäure und gerinnungshemmende Medikamente können Blutungen verlängern. Bei Kindern werden sie nur in besonderen Erkrankungen eingesetzt. Auch bestimmte entzündungshemmende Schmerzmittel beeinflussen die Plättchenfunktion vorübergehend.

Verordnete Medikamente niemals eigenmächtig absetzen. Bei nicht lebensbedrohlichem Nasenbluten beginnen Fachleute mit lokalen Maßnahmen, bevor sie eine wichtige Gerinnungsbehandlung unterbrechen. Das Risiko einer Thrombose oder eines Herzproblems kann größer sein als der Nutzen des Absetzens.

Beim Arzt werden alle Medikamente genannt, einschließlich rezeptfreier Schmerzmittel, Nasensprays, Nahrungsergänzungen und pflanzlicher Präparate.

18 Wann an eine Gerinnungsstörung gedacht wird

Häufiges Nasenbluten allein beweist keine Gerinnungsstörung. Verdächtiger wird es, wenn mehrere Merkmale zusammenkommen:

  • Blutungen dauern regelmäßig lange oder benötigen medizinische Maßnahmen
  • ungewöhnlich große blaue Flecken ohne passenden Stoß
  • anhaltendes Zahnfleischbluten
  • starke Blutung nach Zahnentfernung, Operation oder kleiner Wunde
  • sehr starke Monatsblutungen bei Jugendlichen
  • Blut in Stuhl oder Urin ohne andere Erklärung
  • bekannte Blutungsstörung in der Familie
  • Eisenmangel oder Blutarmut
  • Nasenbluten schon im sehr jungen Alter.

Die von-Willebrand-Erkrankung ist die häufigste angeborene Blutungsneigung. Dabei fehlt ein Gerinnungsprotein teilweise oder funktioniert nicht richtig. Ausprägungen reichen von kaum bemerkbar bis behandlungsbedürftig.

Blutungsneigung: Merkmale zum Abhaken

Häufiges Nasenbluten allein beweist keine Gerinnungsstörung. Verdächtiger wird es, wenn mehrere Merkmale zusammenkommen. Haken Sie ab, was auf Ihr Kind zutrifft.

Diese Liste ist eine Gesprächsvorbereitung, keine Diagnose. Die von-Willebrand-Erkrankung ist die häufigste angeborene Blutungsneigung – dabei fehlt ein Gerinnungsprotein teilweise oder funktioniert nicht richtig; die Ausprägungen reichen von kaum bemerkbar bis behandlungsbedürftig. Ob und welche Blutuntersuchungen nötig sind, entscheidet sich nach Gespräch und Untersuchung, nicht nach der Zahl der Häkchen.

19 Blutplättchen und Gerinnungsfaktoren verständlich erklärt

Die Blutstillung arbeitet in mehreren Schritten. Zuerst zieht sich das verletzte Gefäß zusammen. Blutplättchen, auch Thrombozyten genannt, haften an der Wunde und bilden einen ersten Pfropf. Gerinnungsfaktoren stabilisieren ihn mit Fibrinfäden.

Störungen der Plättchenzahl oder -funktion verursachen besonders Schleimhautblutungen, kleine punktförmige Hautblutungen und blaue Flecken. Ein Mangel einzelner Gerinnungsfaktoren, etwa bei Hämophilie, führt eher zu tiefen Muskel- und Gelenkblutungen, kann aber ebenfalls Nasenbluten verstärken.

Lebererkrankungen, schwere Infektionen, Knochenmarkerkrankungen und einige Medikamente können die Blutstillung erworben beeinträchtigen. Solche Ursachen sind viel seltener als lokale Schleimhautreizung, werden aber anhand des Gesamtbilds erkannt.

20 Morbus Osler: hereditäre hämorrhagische Teleangiektasie

Morbus Osler, international HHT genannt, ist eine erbliche Gefäßerkrankung. Kleine erweiterte Gefäße an Nase, Lippen, Mund oder Fingern können leicht bluten. Wiederkehrendes beidseitiges Nasenbluten und eine ähnliche Familiengeschichte sind Hinweise.

HHT betrifft nicht nur die Nase. Gefäßverbindungen in Lunge, Gehirn oder Leber können unbemerkt bestehen. Bei Kindern aus betroffenen Familien gelten deshalb internationale Screeningempfehlungen. Eine unauffällige Haut schließt HHT im Kindesalter nicht sicher aus, weil sichtbare Gefäßpunkte erst später auftreten können.

Die Diagnose und Betreuung gehören in ein erfahrenes Zentrum. Nasenbluten wird stufenweise behandelt; zugleich werden Eisenmangel und Organbeteiligungen berücksichtigt. Angehörige sollten nicht warten, bis das Kind schwere Blutungen entwickelt, wenn eine krankheitsverursachende Variante in der Familie bekannt ist.

21 Seltene, aber wichtige Raumforderungen

Wiederkehrendes einseitiges Nasenbluten mit zunehmender einseitiger Nasenverstopfung, Gesichtsdruck, Hörproblemen oder sichtbarer Masse braucht zeitnahe HNO-Abklärung. Meist steckt auch dann etwas Behandelbares wie ein Fremdkörper oder eine Entzündung dahinter. Tumoren sind im Kindesalter selten.

Eine klassische seltene Ursache bei männlichen Jugendlichen ist das juvenile Nasenrachenfibrom. Es ist histologisch gutartig, besitzt aber viele Gefäße, kann stark bluten und in umliegende Strukturen wachsen. Der Verdacht entsteht durch einseitige Behinderung und wiederholte teils starke Blutungen.

Eine solche Masse wird nicht unüberlegt in der Praxis biopsiert, weil eine gefährliche Blutung möglich ist. Bildgebung und Behandlung werden in einem spezialisierten HNO-Team geplant.

22 Kann hoher Blutdruck Nasenbluten verursachen?

Bei Erwachsenen werden Nasenbluten und Bluthochdruck häufig miteinander verbunden. Ein vorübergehend hoher Messwert kann aber auch Folge von Angst, Schmerz und Aufregung sein. Bei Kindern ist Bluthochdruck keine typische Erklärung für gewöhnliches vorderes Nasenbluten.

Trotzdem wird bei wiederholt auffälligen Werten korrekt nach Alter, Größe und Manschettengröße gemessen und unabhängig abgeklärt. Eine starke Blutung darf nicht allein einem Blutdruckwert zugeschrieben werden, ohne lokale und gerinnungsbedingte Ursachen zu prüfen.

Alle Kapitel dieses Ratgebers

  1. 1. Sofortmaßnahmen bei Nasenbluten Abschnitt 1–3 · 3
  2. 2. Richtig helfen und einordnen Abschnitt 4–10 · 7
  3. 3. Ursachen und Auslöser Abschnitt 11–22 · 12
  4. 4. Abklärung in der Praxis Abschnitt 23–27 · 5
  5. 5. Behandlung Abschnitt 28–36 · 9
  6. 6. Vorbeugen und Alltag Abschnitt 37–47 · 11
  7. 7. Fragen, Einordnung und Quellen Abschnitt 48–56 · 9