Nüsse in den Atemwegen, Ballons, verschluckte Zähne, Fremdkörper in Nase und Ohr – und was zu bedenken ist, wenn ein Fremdkörper der erste Hinweis auf eine Grunderkrankung war.

Wichtiger Hinweis

Wenn ein Kind plötzlich keine Luft bekommt, nicht sprechen oder wirksam husten kann, blau wird oder das Bewusstsein verliert, liegt möglicherweise eine akute Atemwegsverlegung vor. Sofort 144 beziehungsweise 112 rufen und altersgerechte Erste-Hilfe-Maßnahmen gegen Ersticken beginnen.

Knopfzellen in der Speiseröhre, mehrere Magnete oder ein Magnet zusammen mit einem Metallteil sowie spitze Gegenstände sind zeitkritische Notfälle – auch wenn das Kind noch keine Beschwerden hat. Nicht auf Symptome oder den Stuhlgang warten.

Nach vermutetem Verschlucken nichts blind mit den Fingern aus dem Rachen holen, kein Erbrechen auslösen und das Kind nicht zum Essen zwingen. Bei Knopfzellen gelten besondere Regeln: Kinder ab zwölf Monaten können unter eng definierten Voraussetzungen während der sofortigen Fahrt zur Notaufnahme Honig erhalten. Das darf die medizinische Versorgung niemals verzögern und wird im entsprechenden Abschnitt genau erklärt.

Österreich: Rettung 144, Euro-Notruf 112, Vergiftungsinformationszentrale 01 406 43 43.

68 Nüsse, Samen und organische Atemwegsfremdkörper

Erdnüsse, Nüsse, Mais und Samen sind bei kleinen Kindern häufige aspirierte Fremdkörper. Organisches Material kann aufquellen, zerfallen und eine starke Entzündungsreaktion auslösen. Ein anfangs dramatischer Hustenanfall kann enden, obwohl ein Teil im Bronchus verbleibt.

Danach fallen möglicherweise nur einseitiges Pfeifen, chronischer Husten, Fieber oder wiederkehrende Lungenentzündung auf. Ein normales Röntgen schließt die Aspiration nicht aus. Eine überzeugende Vorgeschichte kann eine Bronchoskopie rechtfertigen.

Ganze Nüsse gehören nicht in die Reichweite kleiner Kinder. Nussmus ist bezüglich Erstickungsrisiko etwas anderes als eine ganze Nuss, muss aber wegen Allergierisiko altersgerecht eingeführt werden.

69 Ballons und weiche Kunststoffteile

Nicht aufgeblasene Ballons und abgerissene Ballonstücke passen sich dem Kehlkopf an und können den Atemweg wie eine Folie vollständig verschließen. Sie sind im Röntgen unsichtbar und mit üblichen Greifversuchen schwer zu entfernen. Ballons gehören deshalb zu den besonders gefährlichen Erstickungsobjekten.

Kleine Kinder spielen nicht unbeaufsichtigt mit Ballons. Geplatzte Reste werden sofort vollständig eingesammelt. Auch dünne Folien, Handschuhfinger und weiche Saugnäpfe können eine ähnliche Gefahr darstellen.

70 Verschluckte Zähne und Zahnteile

Ein ausgefallener Milchzahn wird meist problemlos verschluckt. Nach Unfall, Zahnbehandlung oder Narkose können aber Kronen, Brückenteile, Bohrer oder scharfkantige Fragmente in Speiseröhre oder Atemweg gelangen.

Nach plötzlichem Husten während einer Zahnbehandlung muss eine Aspiration ausgeschlossen werden. Metallteile sind oft röntgensichtbar. Scharfe Zahnteile werden wie andere spitze Fremdkörper beurteilt. Ein fehlender Zahn nach Gesichtstrauma kann außerdem in Lippe, Zunge oder Nase eingebettet sein.

71 Sicherheitsnadeln, Nägel und Schrauben

Bei Sicherheitsnadeln ist entscheidend, ob sie offen oder geschlossen sind und wohin die Spitze zeigt. Eine offene Nadel kann beim Herausziehen Gewebe aufreißen. Nägel und Schrauben besitzen Gewicht, Spitze und Gewinde; ihre Lage kann sich verändern.

Ein Vergleichsobjekt oder Foto hilft, darf aber die Fahrt nicht verzögern. Keinen externen Magneten verwenden und nicht versuchen, die Orientierung durch Bewegung des Kindes zu beeinflussen. Die Entfernung wird unter Sicht geplant.

72 Mehrere oder zeitlich getrennte Gegenstände

Kinder können mehrere Teile nacheinander verschlucken. Das ist bei Magneten besonders gefährlich: Zwei Magnete, die zu unterschiedlichen Zeiten den Darm erreichen, können sich durch verschiedene Darmschlingen anziehen. Auch Batterie plus Magnet oder scharfes Objekt plus Münze verändert das Risiko.

Eltern geben deshalb nicht nur an, was beobachtet wurde, sondern welche weiteren Teile fehlen könnten. Das Röntgen umfasst einen ausreichend großen Bereich und wird in zwei Ebenen beurteilt. Nach einem Magnetereignis werden alle erreichbaren Magnete entfernt, damit kein weiteres Verschlucken folgt.

73 Fremdkörper in Nase und Ohr

Ein Gegenstand in Nase oder Ohr wurde nicht verschluckt, kann aber unbemerkt dorthin gesteckt worden sein. Einseitig übel riechender Nasenausfluss, Nasenbluten, Hörminderung oder Ohrschmerz sind typische Hinweise.

Knopfzellen in Nase oder Gehörgang sind ebenfalls zeitkritische Verätzungsnotfälle und werden sofort entfernt. Nicht mit Wasser spülen, weil Feuchtigkeit die elektrische Reaktion fördern kann. Keine Pinzette in die Tiefe einführen; glatte Objekte werden dadurch häufig weiter hineingeschoben.

Bei vermuteter Knopfzelleningestion werden Nase und Ohren mitbedacht, wenn die Batterie im Röntgen nicht im Verdauungstrakt gefunden wird.

74 Wenn Röntgen und Geschichte nicht zusammenpassen

Ein Elternteil kann sicher sein, dass Kunststoff fehlt, während das Röntgen leer bleibt. Das bedeutet nicht automatisch, dass nichts verschluckt wurde. Umgekehrt können Druckknöpfe, Elektroden oder Schmuck auf Kleidung wie innere Fremdkörper aussehen.

Kleidung und äußere Metallteile werden für die Aufnahme entfernt. Bei weiterhin starker Vermutung richten sich weitere Schritte nach Objekt und Symptomen: Ultraschall, CT, Endoskopie oder klinische Verlaufskontrolle. Eine falsche Sicherheit durch ein einzelnes Bild wird vermieden.

75 Speiseröhrenfremdkörper als erster Hinweis auf Grunderkrankung

Bleibt ein normaler Bissen stecken, ist das bei Kindern ungewöhnlich. Die eosinophile Ösophagitis ist eine wichtige Ursache. Dabei sammeln sich bestimmte Entzündungszellen in der Speiseröhre; Ringe, Furchen und Verengungen können entstehen. Kinder essen langsam, trinken viel zu Mahlzeiten, vermeiden feste Speisen oder schneiden Nahrung sehr klein, ohne dass dies als Problem erkannt wird.

Nach Bolusentfernung werden häufig Gewebeproben aus verschiedenen Speiseröhrenabschnitten empfohlen. Eine lokale Druckstelle allein soll nicht die einzige Probe liefern. Auch angeborene oder postoperative Verengungen und Achalasie werden abgeklärt.

Die Nachuntersuchung verhindert einen zweiten Vorfall und ermöglicht eine gezielte Behandlung.

76 Kommunikation mit dem Kind

Vorwürfe führen dazu, dass Kinder Details verschweigen. Ruhige, kurze Fragen sind hilfreicher: „Zeig mir, was du im Mund hattest“, „Wie viele waren es?“ und „Gibt es noch solche Teile?“ Bei älteren Kindern wird zeitweise ohne Eltern gesprochen, wenn eine absichtliche Einnahme möglich ist.

Das Kind soll wissen, dass ehrliche Angaben Ärztinnen und Ärzten helfen. Es muss nicht entscheiden, ob die Situation gefährlich ist. Die Verantwortung bleibt bei Erwachsenen.

77 Dokumentation für die weitere Betreuung

Nach Entlassung sollten Eltern wissen:

  • welcher Gegenstand wo gesehen wurde
  • ob und wie er entfernt wurde
  • ob Schleimhautschaden bestand
  • wann und wo die nächste Bildgebung stattfindet
  • ob der Stuhlabgang dokumentiert werden soll
  • welche Nahrung erlaubt ist
  • welche Warnzeichen sofortige Hilfe verlangen.

Ein schriftlicher Befund oder Entlassungsbrief wird zur Kinderärztin beziehungsweise zum Kinderarzt mitgenommen. Bei schwerer Knopfzellenverletzung ist die längerfristige Nachsorge besonders wichtig.

78 Hinweis zur Aktualität

Dieser Artikel berücksichtigt das 2026 veröffentlichte ESPGHAN-Positionspapier und entspricht dem Recherchestand vom 1. September 2026. Leitlinien, Produktdesign und Sicherheitswarnungen können sich ändern. Im konkreten Fall gelten die aktuellen Anweisungen von Rettungsleitstelle, Vergiftungsinformationszentrale und behandelndem Zentrum.

79 Quellen und weiterführende Literatur

  • Ledder O et al. Foreign body ingestions in children and adolescents: A position paper of the ESPGHAN Endoscopy Special Interest Group. Journal of Pediatric Gastroenterology and Nutrition. 2026;1–16. DOI: 10.1002/jpn3.70485. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/pdf/10.1002/jpn3.70485
  • Mubarak A et al. Diagnosis, Management, and Prevention of Button Battery Ingestion in Childhood: An ESPGHAN Position Paper. Journal of Pediatric Gastroenterology and Nutrition. 2021;73(1):129–136. https://www.espghan.org/dam/jcr:d48f6517-1bd2-4dfd-8b3e-a82602faba9e/Diagnosis,_Management,_and_Prevention_of_Button..pdf
  • Kramer RE et al. Management of Ingested Foreign Bodies in Children: A Clinical Report of the NASPGHAN Endoscopy Committee. Journal of Pediatric Gastroenterology and Nutrition. 2015;60(4):562–574. https://naspghan.org/wp-content/uploads/2023/08/Management_of_Ingested_Foreign_Bodies_in_Children_.28.pdf
  • Tringali A et al. Pediatric gastrointestinal endoscopy: ESGE and ESPGHAN guideline executive summary. Endoscopy. 2017;49(1):83–91. DOI: 10.1055/s-0042-111002.
  • Thomson M et al. Paediatric Gastrointestinal Endoscopy: ESPGHAN and ESGE Guidelines. Journal of Pediatric Gastroenterology and Nutrition. 2017;64(1):133–153.
  • Oliva S et al. Foreign body and caustic ingestions in children: A clinical practice guideline. Digestive and Liver Disease. 2020;52(11):1266–1281. DOI: 10.1016/j.dld.2020.07.016.
  • National Capital Poison Center. Button Battery Ingestion Triage and Treatment Guideline. 2010–2026. https://www.poison.org/battery/guideline
  • Anfang RR et al. pH-neutralizing esophageal irrigations as a novel mitigation strategy for button battery injury. Laryngoscope. 2019;129(1):49–57. DOI: 10.1002/lary.27312.
  • Jatana KR et al. Basic mechanism of button battery ingestion injuries and novel mitigation strategies after diagnosis and removal. Laryngoscope. 2017;127(6):1276–1282.
  • Litovitz T et al. Emerging battery-ingestion hazard: clinical implications. Pediatrics. 2010;125(6):1168–1177.
  • Litovitz T et al. Preventing battery ingestions: an analysis of 8648 cases. Pediatrics. 2010;125(6):1178–1183.
  • Leinwand K et al. Button battery ingestion in children: a paradigm for management of severe pediatric foreign body ingestions. Gastrointestinal Endoscopy Clinics of North America. 2016;26(1):99–118.
  • Bolton SM, Saker M, Bass LM. Button battery and magnet ingestions in the pediatric patient. Current Opinion in Pediatrics. 2018;30(5):653–659.
  • Han Y et al. Ingestion of multiple magnets in children. Journal of Pediatric Surgery. 2020;55(10):2201–2205.
  • Peyron PA, Villard C, Baccino E. Fatal bowel perforation caused by ingestion of high-powered magnets in a 6-year-old boy. International Journal of Legal Medicine. 2024;138(4):1659–1662.
  • Quitadamo P et al. Sharp-pointed foreign body ingestion in pediatric age. Journal of Pediatric Gastroenterology and Nutrition. 2023;76(2):213–217.
  • Ang CX et al. Gastrointestinal transit time of radiopaque ingested foreign bodies in children: experience of two paediatric tertiary centres. Singapore Medical Journal. 2025;66(1):24–27.
  • Zamary KR et al. This too shall pass: a study of ingested sharp foreign bodies. Journal of Trauma and Acute Care Surgery. 2017;82(1):150–155.
  • Sugawa C et al. Endoscopic management of foreign bodies in the upper gastrointestinal tract: a review. World Journal of Gastrointestinal Endoscopy. 2014;6(10):475–481.
  • Fung BM et al. Foreign object ingestion and esophageal food impaction: an update and review on endoscopic management. World Journal of Gastrointestinal Endoscopy. 2019;11(3):174–192.
  • U.S. Consumer Product Safety Commission. CPSC Approves New Federal Safety Standard for Water Beads to Reduce the Risk of Injury and Death to Young Children. 21 August 2025. https://www.cpsc.gov/Newsroom/News-Releases/2025/CPSC-Approves-New-Federal-Safety-Standard-for-Water-Beads-to-Reduce-the-Risk-of-Injury-and-Death-to-Young-Children
  • United States Food and Drug Administration. Risk of swallowing button batteries and safety communication resources. https://www.fda.gov/consumers/consumer-updates/button-batteries-can-be-dangerous
  • European Resuscitation Council. European Resuscitation Council Guidelines 2025: Paediatric Life Support. Resuscitation, 2025.
  • Österreichisches Rotes Kreuz. Erste Hilfe bei Atemwegsverlegung und Notfällen bei Kindern. https://www.roteskreuz.at/erste-hilfe
  • Gesundheit Österreich GmbH. Vergiftungsinformationszentrale. https://goeg.at/Vergiftungsinformation
  • Lee JH. Foreign Body Ingestion in Children. Clinical Endoscopy. 2018;51(2):129–136. DOI: 10.5946/ce.2018.039.
  • Orsagh-Yentis D et al. Foreign-body ingestions of young children treated in US emergency departments: 1995–2015. Pediatrics. 2019;143(5):e20181988.
  • Sink JR et al. Diagnosis of pediatric foreign body ingestion: clinical presentation, physical examination, and radiologic findings. Annals of Otology, Rhinology & Laryngology. 2016;125(4):342–350.
  • Conners GP, Mohseni M. Pediatric Foreign Body Ingestion. StatPearls, updated 2025. Überblick; Leitlinienquellen haben Vorrang.
  • Royal Children's Hospital Melbourne. Clinical Practice Guideline: Foreign body ingestion. https://www.rch.org.au/clinicalguide/guideline_index/Foreign_body_ingestion/

Alle Kapitel dieses Ratgebers

  1. 1. Erste Hilfe bei Erstickungsgefahr Abschnitt 1–5 · 5
  2. 2. Was danach geschieht Abschnitt 6–13 · 8
  3. 3. Münzen, Knopfzellen und Magnete Abschnitt 14–26 · 13
  4. 4. Andere verschluckte Gegenstände Abschnitt 27–38 · 12
  5. 5. Unklare Situationen und weitere Untersuchung Abschnitt 39–46 · 8
  6. 6. Behandlung und Beobachtung Abschnitt 47–54 · 8
  7. 7. Vorbeugen Abschnitt 55–62 · 8
  8. 8. Irrtümer, Fragen und Einordnung Abschnitt 63–67 · 5
  9. 9. Besondere Fälle und Nachbetreuung Abschnitt 68–79 · 12