Zahnverletzungen sind zeitkritisch – und ein ausgeschlagener Milchzahn wird anders behandelt als ein bleibender. Dazu Augen, Mund, Hautwunden, Fremdkörper und Narben.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel kann eine Untersuchung nicht ersetzen. Nach einem Sturz kommt es nicht nur darauf an, wie hoch ein Kind gefallen ist. Entscheidend sind sein Alter, der genaue Unfallablauf, die Aufprallfläche, die betroffene Körperregion, mögliche Vorerkrankungen und vor allem der Zustand des Kindes. Bei Bewusstlosigkeit, Atemproblemen, Krampfanfällen, Lähmungszeichen, zunehmender Benommenheit, starker Blutung oder einem schweren Unfall wählen Sie sofort den Rettungsdienst: in Österreich 144 oder 112, in Deutschland 112. Wenn Sie unsicher sind, ob eine Situation akut gefährlich ist, holen Sie lieber frühzeitig professionelle Hilfe.

12 Gesicht, Augen, Mund und Zähne

Stürze nach vorn führen häufig zu Verletzungen an Stirn, Nase, Lippen und Zähnen. Das Gesicht ist stark durchblutet, sodass kleine Wunden eindrucksvoll bluten können. Gleichzeitig liegen Augen, Atemwege und bleibende Zahnkeime eng beieinander. Eine ruhige Untersuchung ist wichtig.

Augenverletzungen

Sofortige augenärztliche beziehungsweise notfallmedizinische Hilfe ist nötig bei Sehverschlechterung, Doppelbildern, auffälliger Pupille, starkem Augenschmerz, Blut im sichtbaren Augeninneren, einer offenen Verletzung oder einem fest sitzenden Fremdkörper. Üben Sie keinen Druck auf einen möglicherweise verletzten Augapfel aus. Ein lockerer Schutz, der das Auge nicht berührt, kann vor weiterer Einwirkung bewahren.

Eine gewöhnliche Schwellung um das Auge kann nach einem Stirnaufprall nach unten wandern und am nächsten Tag dramatischer aussehen. Das allein beweist keine Schädelbasisverletzung. Beidseitige Blutergüsse ohne passenden direkten Treffer, Sehstörungen, Bewusstseinsveränderung oder Flüssigkeit aus Nase beziehungsweise Ohr erfordern jedoch dringende Abklärung.

Nase

Nasenbluten wird bei wachem, stabilem Kind durch aufrechte Haltung, leicht nach vorn geneigten Kopf und Druck auf die weichen Nasenflügel behandelt. Eine sichtbare Fehlstellung muss nicht sofort vor Ort gerichtet werden. Hält die Blutung an, ist die Nasenatmung stark behindert oder zeigt sich innen eine weiche beidseitige Schwellung der Nasenscheidewand, braucht das Kind rasche fachliche Beurteilung. Ein Septumhämatom kann Knorpel schädigen und darf nicht übersehen werden.

Lippen- und Mundwunden

Spülen Sie den Mund vorsichtig mit Wasser und drücken Sie eine saubere Kompresse auf gut erreichbare Blutungsstellen. Durchbissverletzungen, tiefe klaffende Wunden, Wunden über dem Lippenrot, anhaltende Blutung und Verletzungen mit Fremdkörpern sollen professionell beurteilt werden. Ein Zahnfragment kann in der Lippe stecken; bei fehlendem Fragment wird gegebenenfalls bildgebend danach gesucht.

Milchzahn oder bleibender Zahn?

Die wichtigste Erste-Hilfe-Unterscheidung lautet: Ein ausgeschlagener bleibender Zahn kann durch sehr schnelles richtiges Handeln gerettet werden; ein ausgeschlagener Milchzahn wird nicht wieder eingesetzt.

Ein bleibender Zahn wird nur an der weißen Krone angefasst. Ist er sichtbar verschmutzt, kann er sehr kurz und vorsichtig mit geeigneter Flüssigkeit abgespült werden; die Wurzel wird nicht abgerieben. Eine Zahnrettungsbox ist für den Transport besonders geeignet. Ist keine vorhanden, kann kalte Milch vorübergehend dienen. Der Zahn darf nicht austrocknen. Sofortige zahnärztliche Versorgung ist entscheidend.

Bei Unsicherheit, ob es sich um einen Milchzahn oder bleibenden Zahn handelt, wird nicht experimentiert. Bewahren Sie den Zahn feucht auf und suchen Sie unverzüglich zahnärztliche Hilfe. Gelockerte oder verschobene Zähne, ein veränderter Biss und Zahnfrakturen benötigen ebenfalls rasche Beurteilung. Nach Wochen oder Monaten können Verfärbung, Schmerzen, Schwellung oder eine Fistel auf eine Schädigung des Zahninneren hinweisen.

13 Hautwunden, Fremdkörper und Narben

Muss eine Wunde geklebt oder genäht werden?

Ob eine Wunde mit Streifen, Gewebekleber oder Naht verschlossen wird, hängt von Tiefe, Spannung, Verschmutzung, Blutung, Lokalisation und Zeit seit der Verletzung ab. Wunden im Gesicht werden oft besonders sorgfältig versorgt, um Funktion und Narbenbild zu verbessern. Stark verschmutzte, gebissene oder infizierte Wunden werden nicht automatisch primär verschlossen.

Eine Wunde sollte zeitnah ärztlich angesehen werden, wenn sie klafft, tieferes Gewebe sichtbar ist, die Blutung trotz Druck anhält, sie über einem Gelenk liegt, Gefühl oder Bewegung gestört sind oder ein Fremdkörper vermutet wird. Auch sehr kleine Wunden an Handfläche oder Fußsohle können tief reichen.

Fremdkörper

Oberflächlicher loser Schmutz darf vorsichtig ausgespült werden. Glas, Metall, Holz oder ein anderer tief sitzender Gegenstand wird nicht blind herausgestochert. Herausziehen kann eine Blutung verstärken oder Nerven und Gefäße schädigen. Stabilisieren Sie einen größeren steckenden Gegenstand, ohne darauf zu drücken, und rufen Sie bei einer schweren Verletzung den Rettungsdienst.

Tetanus und Infektion

Tetanus entsteht nicht durch Rost als solchen, sondern durch Sporen des Bakteriums Clostridium tetani, die über verunreinigte Wunden eindringen können. Ob eine Impfung oder Auffrischung nötig ist, richtet sich nach Impfstatus und Art der Wunde. Antibiotika ersetzen den Tetanusschutz nicht und werden bei unkomplizierten Wunden nicht routinemäßig benötigt.

Zunehmende Rötung, Überwärmung, Schwellung, Eiter, stärker werdender Schmerz, Fieber oder rote Streifen von der Wunde weg können auf eine Infektion hinweisen. Dann soll das Kind ärztlich untersucht werden.

Narben möglichst günstig heilen lassen

Nach geschlossenem Wundrand sind Schutz vor erneuter Belastung und später konsequenter Sonnenschutz wichtig. Narben reifen über Monate. Silikonprodukte können bei bestimmten auffälligen Narben sinnvoll sein, sollten aber nicht auf offene oder infizierte Wunden aufgetragen werden. Eine „narbenfreie“ Heilung lässt sich nicht garantieren; Alter, Körperstelle, Wundtiefe, Infektion und individuelle Veranlagung spielen eine Rolle.

Alle Kapitel dieses Ratgebers

  1. 1. Die ersten Minuten und die drei Wege Abschnitt 1–4 · 4
  2. 2. Erste Hilfe – und warum die Fallhöhe nichts entscheidet Abschnitt 5–6 · 2
  3. 3. Kopfverletzung, Gehirnerschütterung und Schlaf Abschnitt 7–8 · 2
  4. 4. Nacken, Wirbelsäule, Knochen und Rumpf Abschnitt 9–11 · 3
  5. 5. Gesicht, Zähne und Haut Abschnitt 12–13 · 2
  6. 6. Babys: Wickeltisch, Bett und Hochstuhl Abschnitt 14–16 · 3
  7. 7. Treppe, Fenster und Hochbett Abschnitt 17–19 · 3
  8. 8. Draußen: Spielplatz, Rad und Sport Abschnitt 20–22 · 3
  9. 9. In der Ordination und im Krankenhaus Abschnitt 23–26 · 4
  10. 10. Die Tage danach Abschnitt 27–28 · 2
  11. 11. Wenn etwas nicht zusammenpasst Abschnitt 29–31 · 3
  12. 12. Vorbeugen ohne Überbehütung Abschnitt 32–36 · 5
  13. 13. Die ersten 24 Stunden zu Hause Abschnitt 37–42 · 6
  14. 14. Verletzungen im Detail Abschnitt 43–48 · 6
  15. 15. Transport, Zuständigkeit, Kosten und Produktsicherheit Abschnitt 49–54 · 6
  16. 16. Was die Evidenz hergibt Abschnitt 55–58 · 4
  17. 17. Zurück in Alltag, Schule und Sport Abschnitt 59–62 · 4
  18. 18. Irrtümer, Entscheidungshilfe und Fallbeispiele Abschnitt 63–67 · 5
  19. 19. Sicherheitsrundgang, Glossar und Quellen Abschnitt 68–70 · 3