Abklärung in der Praxis
Was in der Sprechstunde gefragt und untersucht wird, wann eine Nasenendoskopie sinnvoll ist – und warum nicht jedes Kind mit Nasenbluten eine Blutuntersuchung braucht.
Wichtiger Hinweis
Die meisten Nasenblutungen bei Kindern sehen dramatischer aus, als sie medizinisch sind. Fast immer stammt das Blut aus kleinen Gefäßen im vorderen Teil der Nasenscheidewand. Mit der richtigen Technik hört die Blutung meist auf.
Das Kind aufrecht hinsetzen, den Kopf leicht nach vorn neigen und den weichen Teil der Nase direkt unterhalb des knöchernen Nasenrückens fest zusammendrücken. Mindestens zehn Minuten ohne Loslassen drücken und durch den Mund atmen lassen. Nicht zwischendurch nachsehen. Blut aus dem Mund ausspucken lassen, nicht absichtlich schlucken.
Sofort 144 beziehungsweise 112 rufen, wenn das Kind kreislaufinstabil wirkt, schwer atmet, sehr viel Blut verliert, bewusstlos wird, Blut nach schwerer Kopf- oder Gesichtsverletzung austritt oder die Blutung trotz korrekt ausgeführter Kompression nicht beherrschbar ist. Bei bekannter schwerer Gerinnungsstörung gilt der persönliche Notfallplan.
Österreich: Rettung 144, Euro-Notruf 112.
23 Die ärztliche Anamnese
Eine gute Befragung klärt Seite, Häufigkeit, Dauer, Stärke und Auslöser. Wichtig sind Alter beim ersten Auftreten, Jahreszeit, nächtliche Blutungen, Infekt- und Allergiesymptome, Nasebohren, Fremdkörperverdacht und Verletzungen.
Hinzu kommen Medikamente, frühere Operationen, Zahnbehandlungen, Monatsblutung, blaue Flecken und Blutungen an anderen Stellen. Familienmitglieder mit häufigem Nasenbluten, diagnostizierter Gerinnungsstörung oder HHT werden genannt.
Eltern dürfen ein kleines Protokoll mitbringen. Datum, Dauer trotz korrekter Kompression, betroffene Seite und Begleitsymptome machen Muster sichtbar und verhindern, dass ein einzelner dramatischer Eindruck die Einschätzung verzerrt.
24 Untersuchung der Nase
Zunächst werden Kreislauf und Atemweg beurteilt. Bei aktiver Blutung hat die Blutstillung Vorrang. Nach vorsichtiger Entfernung von Blut und Gerinnseln kann die Ärztin oder der Arzt den vorderen Nasenraum mit Licht und Nasenspekulum untersuchen. Das heißt anteriore Rhinoskopie.
Gesucht werden eine konkrete Blutungsstelle, trockene Krusten, Entzündung, Fremdkörper, Verletzung oder auffällige Gewebsveränderung. Mund, Haut und gegebenenfalls übriger Körper liefern Hinweise auf Gefäß- oder Gerinnungsstörungen.
Unnötiges Manipulieren an der frischen Wunde kann die Blutung neu auslösen. Die Untersuchung wird deshalb der Situation und Kooperationsfähigkeit des Kindes angepasst.
25 Wann eine Nasenendoskopie sinnvoll ist
Bei einer Endoskopie wird ein dünnes starres oder flexibles optisches Instrument in die zuvor betäubte Nase eingeführt. Es zeigt Bereiche, die von vorn nicht sichtbar sind.
Die internationale HNO-Leitlinie empfiehlt eine Endoskopie beziehungsweise entsprechende Überweisung besonders bei wiederkehrender Blutung trotz Verödung oder Tamponade sowie bei wiederkehrender einseitiger Blutung. Sie kann auch sinnvoll sein, wenn eine schwer kontrollierbare Blutung oder eine verborgene Erkrankung vermutet wird.
Eine Endoskopie ist nicht bei jedem gelegentlichen Nasenbluten nötig. Bei Kindern werden Nutzen, Belastung und mögliche Sedierung sorgfältig abgewogen.
26 Blutuntersuchungen: nicht automatisch bei jedem Kind
Ein Blutbild, Gerinnungstests und Eisenwerte sind nach gelegentlichem kurzem Nasenbluten ohne weitere Auffälligkeiten meist nicht erforderlich. Untersuchungen werden gezielt eingesetzt, wenn Blutungen häufig, lang oder schwer sind oder Anamnese und Körperbefund eine Blutungsneigung vermuten lassen.
Das Blutbild zeigt unter anderem Hämoglobin und Zahl der Blutplättchen. Ferritin hilft, leere Eisenspeicher zu erkennen. Prothrombinzeit beziehungsweise INR und aPTT prüfen Teile der plasmatischen Gerinnung, erfassen aber nicht jede Erkrankung.
Eine normale Standardgerinnung schließt die von-Willebrand-Erkrankung oder eine Plättchenfunktionsstörung nicht aus. Bei begründetem Verdacht folgen spezielle Tests und gegebenenfalls eine kinderhämatologische Beurteilung. Werte des von-Willebrand-Faktors schwanken durch Stress, Entzündung und Hormone; manchmal ist eine Wiederholung nötig.
27 Eisenmangel und Blutarmut
Viele kleine Blutungen können sich über Wochen summieren. Müdigkeit, Blässe, Kopfschmerz, geringere Belastbarkeit, Konzentrationsprobleme, Herzklopfen oder ungewöhnliches Verlangen nach Eis können auf Eisenmangel hinweisen. Bei HHT oder starker Monatsblutung ist das Risiko besonders relevant.
Ferritin fällt häufig ab, bevor der Hämoglobinwert eine Blutarmut zeigt. Behandlung bedeutet nicht nur Eisen zu ersetzen, sondern die Blutungsquelle zu kontrollieren. Eisenpräparate werden nach ärztlicher Empfehlung dosiert; eine Überdosierung ist für Kinder giftig und die Packung muss kindersicher gelagert werden.
Alle Kapitel dieses Ratgebers
- 1. Sofortmaßnahmen bei Nasenbluten Abschnitt 1–3 · 3
- 2. Richtig helfen und einordnen Abschnitt 4–10 · 7
- 3. Ursachen und Auslöser Abschnitt 11–22 · 12
- 4. Abklärung in der Praxis Abschnitt 23–27 · 5
- 5. Behandlung Abschnitt 28–36 · 9
- 6. Vorbeugen und Alltag Abschnitt 37–47 · 11
- 7. Fragen, Einordnung und Quellen Abschnitt 48–56 · 9
Hinweis zur Entstehung dieses Beitrags
Dieser Beitrag wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz geschrieben und überarbeitet.
War dieser Beitrag hilfreich?
Woran lag es?
Danke – das hilft uns bei der Überarbeitung.