Welche Untersuchung was leistet – von Calprotectin über Atemtests bis zur Endoskopie – und warum kommerzielle Mikrobiomtests hier nichts beitragen. Dazu, wann eine Spezialambulanz gefragt ist.

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  • Stand: 3. September 2026
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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel ersetzt keine Untersuchung. Sofortige medizinische Hilfe braucht ein Säugling insbesondere bei deutlich grünem Erbrechen, Atemnot, Bewusstseinsstörung, grauer oder blauer Haut, Krampfanfall, einem sehr harten und schmerzhaften Bauch, größeren Blutmengen, Kreislaufzeichen oder schwer krankem Eindruck. Neugeborene und junge Säuglinge können rasch erkranken; bei ihnen gilt eine besonders niedrige Schwelle zur ärztlichen Beurteilung.

Bei akuter Lebensgefahr gelten in Österreich 144 und europaweit 112. Die Vergiftungsinformationszentrale Österreich ist unter +43 1 406 43 43 erreichbar.

153 Kommerzielle Mikrobiomtests

Stuhltests können hunderte Bakterienarten auflisten und sie als „gut“, „schlecht“ oder „zu wenig vielfältig“ bewerten. Für gesunde Säuglinge fehlen jedoch stabile altersbezogene Normwerte; Geburt, Stillen, Formula, Geschwister, Antibiotika und Tagesvariation verändern das Ergebnis.

Aus einer relativen Bakterienhäufigkeit lässt sich selten eine gezielte Therapie ableiten. Ein Test kann keine Kuhmilcheiweißallergie, Refluxkrankheit oder funktionelle Verstopfung beweisen.

Klinisch validierte Erreger-, Entzündungs- oder Pankreastests sind etwas anderes. Eltern fragen vor Bezahlung: Welche Entscheidung würde ein Ergebnis tatsächlich verändern?

Welche Untersuchung welche Frage beantwortet

UntersuchungBeantwortetBeantwortet nicht
Stuhlkultur, ErregernachweisWelcher Erreger bei blutigem, schwerem oder anhaltendem Durchfall, bei Auslandsaufenthalt, Immunschwäche oder im AusbruchOb eine funktionelle Beschwerde vorliegt. Bei leichter, kurz dauernder Gastroenteritis ändert das Ergebnis meist nichts an der Behandlung.
Fäkales CalprotectinOb eine Darmentzündung vorliegt – als Verlaufsmarker in ausgewählten SituationenDie Ursache. Bei gesunden Säuglingen liegen die Werte ohnehin höher als bei älteren Kindern; ohne altersgerechte Referenz ist ein Einzelwert kaum zu deuten.
Test auf verborgenes BlutOb Blut im Stuhl ist, das mit bloßem Auge nicht sichtbar wäreWoher es stammt. Ein positiver Test benennt die Ursache nicht – und macht aus einer harmlosen Fissur keine Erkrankung.
StuhlelastaseOb die Bauchspeicheldrüse ausreichend Verdauungsenzyme abgibt – niedrige Werte zusammen mit Fettstuhl und GedeihstörungJede Verdauungsstörung. Sehr wässriger Stuhl verdünnt die Probe und erzeugt falsch niedrige Werte; Grenzwerte werden bei festerer Probe wiederholt.
Wasserstoff-AtemtestOb nicht aufgenommene Zucker im Darm vergoren werden – bei älteren Kindern gut durchführbarEine behandlungsbedürftige Laktoseintoleranz beim jungen Säugling. Durchführung, Nüchternheit und Deutung sind in diesem Alter schwierig; ein positiver Test ohne passende Symptome bedeutet nichts.
UltraschallGezielte Fragen: Pylorusstenose, Invagination, Gallenwege, Nieren und Harnwege – ohne StrahlenbelastungEine Übersichtssuche „ins Blaue“. Der Wert hängt an der konkreten Fragestellung und an der Erfahrung der untersuchenden Person.
Kommerzieller MikrobiomtestNichts, was eine Entscheidung verändertFür gesunde Säuglinge fehlen stabile altersbezogene Normwerte; Geburt, Stillen, Formula, Geschwister, Antibiotika und Tagesschwankungen verändern das Ergebnis. Ein solcher Test kann weder eine Kuhmilcheiweißallergie noch eine Refluxkrankheit oder eine funktionelle Verstopfung beweisen.
Die nützlichste Frage vor jeder Untersuchung – und besonders vor jeder selbst bezahlten: Welche Entscheidung würde das Ergebnis tatsächlich verändern? „Alles testen“ ist nicht gründlicher, sondern erzeugt Zufallsbefunde und falsch positive Ergebnisse, die ihrerseits unnötige Therapien auslösen.

154 Stuhlfarbkarten

Stuhlfarbkarten zeigen normale gelb-grün-braune Töne und verdächtig blasse, graue oder weiße Farben. Sie wurden entwickelt, um Gallengangsatresie früher zu erkennen. In einigen Ländern sind sie Teil der Vorsorge.

Fotos werden bei Tageslicht ohne farbverändernden Filter aufgenommen. Windelmaterial und Beleuchtung können Farbe verfälschen. Wiederholt blasser Stuhl, Gelbsucht und dunkler Urin verlangen noch am selben Tag Kontakt.

Die Karte diagnostiziert nicht, sondern senkt die Schwelle zur Bilirubinmessung und spezialisierten Abklärung. Grüner Stuhl gehört meist zu den normalen Farben; grünes Erbrechen bleibt etwas völlig anderes.

155 Fäkales Calprotectin

Calprotectin ist ein Eiweiß aus Entzündungszellen und steigt bei Darmentzündung. Säuglinge haben physiologisch deutlich höhere und variablere Werte als ältere Kinder und Erwachsene. Erwachsenengrenzwerte führen daher zu Fehlalarmen.

Ein erhöhter Wert kann Infektion, Blut, Allergie oder andere Entzündung begleiten, ist aber nicht krankheitsspezifisch. Ein normaler Wert beantwortet nicht jede Frage.

Der Test wird nur eingesetzt, wenn Alter, Laborreferenz und klinische Fragestellung passen. Er ersetzt weder Wachstumskurve noch Untersuchung und bestätigt FPIAP nicht allein.

156 Test auf verborgenes Blut

Ein Test auf okkultes Blut findet geringe Mengen, die nicht sichtbar sind. Bei Säuglingen kann er nach Fissur, geschlucktem Blut oder kleiner Schleimhautreizung positiv sein. Falsch positive Resultate sind möglich.

Der Test eignet sich deshalb nicht als allgemeines Screening jedes unruhigen Babys und beweist keine Kuhmilcheiweißallergie. Sichtbares Blut wird ohnehin direkt klinisch beurteilt.

Wenn das Ergebnis eine Entscheidung beeinflussen soll, werden Ernährung, Fissur, Alter und Verlauf mitbewertet. Wiederholte Blutung oder Anämie verlangt Ursachenklärung unabhängig vom Schnelltest.

157 Stuhl-pH und reduzierende Substanzen

Ein saurer Stuhl-pH und reduzierende Zucker können Kohlenhydratmalabsorption anzeigen. Bei jungen Säuglingen, besonders Gestillten, sind diese Tests jedoch ungenau und können ohne Krankheit auffällig sein. Lagerung und bakterielle Verarbeitung verändern Ergebnisse.

Sie bestätigen keine spezifische Laktoseintoleranz. Für seltene angeborene Transportdefekte werden Klinik, Elektrolyte, Ernährungsexperimente und Genetik kombiniert.

Ein einzelner Windeltest ist kein Grund, Muttermilch oder sämtliche Kohlenhydrate abzusetzen.

158 Stuhlelastase

Pankreaselastase bleibt während der Darmpassage relativ stabil und dient als Marker der exokrinen Pankreasfunktion. Niedrige Werte sprechen für Pankreasinsuffizienz, besonders zusammen mit Fettstuhl und Gedeihstörung.

Sehr wässriger Stuhl verdünnt die Probe und kann falsch niedrige Werte erzeugen. Grenzwerte werden deshalb bei geformterer Probe wiederholt oder mit anderen Befunden kombiniert.

Eine normale Elastase schließt nicht jede Verdauungsstörung aus. Bei Mukoviszidose können sich Werte im Verlauf verändern.

159 Atemtests

Wasserstoff-Atemtests untersuchen, ob nicht aufgenommene Zucker von Darmbakterien vergoren werden. Das Kind trinkt eine Testlösung, anschließend wird Atemgas gemessen. Bei Säuglingen sind Durchführung, Nüchternheit und Interpretation schwierig.

Für die häufig vermutete Laktoseintoleranz eines jungen Babys ist ein Atemtest selten der erste Schritt. Angeborener schwerer Mangel zeigt sich klinisch dramatisch; sekundäre Formen werden oft über Verlauf beurteilt.

Ein positiver Test ohne passende Symptome bedeutet nicht automatisch behandlungsbedürftige Intoleranz.

160 Blutuntersuchungen gezielt auswählen

Blutbild, Elektrolyte, Glukose, Nieren- und Leberwerte, Entzündungsmarker, Gerinnung, Schilddrüse und Blutgas beantworten unterschiedliche Fragen. Ein großes unspezifisches „Verdauungslabor“ existiert nicht.

Bei Austrocknung zeigen Natrium, Kalium, Bicarbonat und Nierenwerte Schwere und Korrekturbedarf. Bei Cholestase sind Gesamt- und Direktbilirubin zentral. Bei Allergie ist Gesamt-IgE allein nicht diagnostisch.

Blutentnahme belastet Säuglinge und liefert altersabhängige Werte. So wenig wie möglich, so viel wie nötig ist die sinnvolle Balance.

161 Urin gehört zur Verdauungsabklärung

Weniger Urin zeigt Flüssigkeitsmangel. Gleichzeitig können Harnwegsinfekte bei Säuglingen Erbrechen, Durchfall, Gelbsucht oder Gedeihstörung verursachen. Deshalb wird Urin bei unklarem Fieber oder krankem Eindruck häufig untersucht.

Ein Beutelurin ist leicht zu gewinnen, aber oft durch Hautkeime verunreinigt. Für eine zuverlässige Kultur braucht es je nach Situation Katheterurin oder suprapubische Punktion. Vor Antibiotikagabe wird die Probe möglichst sauber entnommen.

Ein positiver Streifentest wird im Kontext bestätigt; ein negativer Befund schließt bei sehr jungen Kindern nicht jede Infektion sicher aus.

162 Genetische Diagnostik

Genpanels oder Exomsequenzierung helfen bei sehr frühem schwerem Durchfall, Cholestase, Stoffwechselkrisen, angeborener Pankreasinsuffizienz oder syndromalen Zeichen. Die Auswahl richtet sich nach Phänotyp und behandelbaren Differenzialdiagnosen.

Ein Variantenbefund kann krankheitsverursachend, wahrscheinlich, unklar oder gutartig sein. „Variante unklarer Bedeutung“ ist keine gesicherte Diagnose und darf keine extreme Diät allein begründen.

Genetische Beratung erklärt Vererbung, Geschwisterrisiko und mögliche Zufallsbefunde. Akut behandelbare Ursachen werden parallel gesucht; man wartet nicht wochenlang nur auf Genetik.

163 Ultraschall richtig einsetzen

Ultraschall kann Pylorus, Invagination, Leber, Gallenblase, Gallenwege, Nieren und freie Flüssigkeit beurteilen. Er ist strahlenfrei, aber untersucherabhängig. Eine klare klinische Frage verbessert die Aussage.

Gas kann Sicht behindern. Ein unauffälliger Ultraschall schließt frühen Volvulus oder manche Schleimhauterkrankung nicht aus. Umgekehrt sind Flüssigkeit und bewegte Darmschlingen oft normale Befunde.

„Einmal den Bauch schallen“ ersetzt keine vollständige Anamnese. Bei zeitkritischer Lage wird die geeignete Bildgebung ohne unnötige Verzögerung gewählt.

164 Bauch-Röntgen

Röntgen zeigt Gasverteilung, Spiegel, freie Luft und bestimmte NEC-Zeichen. Es kann bei Obstruktion, Perforation oder schwerer Distension wichtig sein. Die Strahlendosis wird kindgerecht minimiert.

Für gewöhnliche funktionelle Verstopfung ist ein Routinebild unzuverlässig: Stuhlmenge im Bild korreliert schlecht mit Symptomen und hängt von Interpretation ab. Diagnose ist meist klinisch.

Ein normales Röntgen schließt Malrotation mit intermittierendem Volvulus nicht sicher aus. Weitere Kontrastdiagnostik kann nötig sein.

165 Kontrastuntersuchungen

Eine obere Magen-Darm-Passage zeigt Lage und Drehung von Magen und Dünndarm und ist bei Malrotationsverdacht wichtig. Ein Kontrasteinlauf beurteilt Dickdarm, kann Invagination behandeln und bei Mekoniumpfropf helfen.

Kontrastmittel und Technik werden nach Fragestellung gewählt. Bei Perforationsverdacht sind bestimmte wasserlösliche Mittel geeigneter als Barium. Therapeutische Einläufe erfolgen überwacht, weil Darmriss möglich ist.

Ein im Bild beobachteter Reflux ist häufig und diagnostiziert keine Refluxkrankheit. Die Untersuchung wird nicht dafür routinemäßig bestellt.

166 Endoskopie und Biopsie

Endoskopie wird erwogen bei anhaltender Blutung, vermuteter eosinophiler oder entzündlicher Erkrankung, schwerer Schluckstörung oder kompliziertem Reflux. Gewebeproben sind wichtig, weil Schleimhaut äußerlich normal aussehen kann.

Säuglinge brauchen erfahrene Kinderanästhesie und passende Geräte. Nutzen wird gegen Narkose-, Blutungs- und Perforationsrisiko abgewogen. Eine Endoskopie „zur Sicherheit“ ohne Konsequenz ist nicht sinnvoll.

Bei Hirschsprung ist eine gezielte Rektumbiopsie entscheidend; das ist ein anderes Verfahren als obere Magen-Darm-Endoskopie.

167 Wann zur pädiatrischen Gastroenterologie?

Überweisung ist sinnvoll bei Gedeihstörung, chronischem Durchfall, wiederholtem Blut, Cholestase, Verdacht auf Malabsorption, anhaltender Fütterstörung, Therapieversagen oder Bedarf an Endoskopie und Spezialnahrung.

Zeitkritische Zeichen gehen direkt in Klinik oder Kinderchirurgie und warten nicht auf einen ambulanten Termin. Gallengangsatresie, Volvulus und schwere Dehydratation sind Beispiele.

Die Kinderarztpraxis bleibt koordinierend. Spezialbefunde werden in einen verständlichen Gesamtplan für Ernährung, Medikamente und Verlauf übersetzt.

168 Was in der Notaufnahme passiert

Zuerst werden Atemweg, Atmung, Kreislauf, Bewusstsein und Temperatur beurteilt. Gewicht, Blutzucker und Gefäßzugang können rasch nötig sein. Nahrung wird bei Obstruktions- oder Aspirationsverdacht pausiert; eine Magensonde entlastet.

Labor und Bildgebung folgen der wahrscheinlichsten Gefahr. Schmerz wird behandelt, auch wenn Diagnose noch nicht feststeht. Antibiotika werden bei Sepsis, NEC oder bestimmten Infektionen früh nach Kulturen gegeben.

Eltern nennen letzte Mahlzeit, Urin, Stuhl, Erbrochenenfarbe, Medikamente, Geburt und Operationen. Fotos und Impfpass helfen.

Alle Kapitel dieses Ratgebers

  1. 1. Einordnen und beobachten Abschnitt 1–7 · 7
  2. 2. Stuhl: was normal ist Abschnitt 8–15 · 8
  3. 3. Durchfall, Blut und Verstopfung Abschnitt 16–33 · 18
  4. 4. Spucken, Erbrechen und Gedeihen Abschnitt 34–49 · 16
  5. 5. Verstopfung im Detail Abschnitt 50–64 · 15
  6. 6. Gastroenteritis im Detail Abschnitt 65–82 · 18
  7. 7. Reflux im Detail Abschnitt 83–91 · 9
  8. 8. Blutung, Allergie und chirurgische Ursachen Abschnitt 92–105 · 14
  9. 9. Leber, Galle und Unverträglichkeiten Abschnitt 106–125 · 20
  10. 10. Fütterung und Zubereitung Abschnitt 126–141 · 16
  11. 11. Medikamente und Hausmittel Abschnitt 142–152 · 11
  12. 12. Tests und Untersuchungen Abschnitt 153–168 · 16
  13. 13. Beobachten zu Hause Abschnitt 169–183 · 15
  14. 14. Hygiene, Impfung und Frühgeborene Abschnitt 184–199 · 16
  15. 15. Beikost Abschnitt 200–210 · 11
  16. 16. Entscheidungsmatrizen und Alter Abschnitt 211–228 · 18
  17. 17. Mittel richtig anwenden Abschnitt 229–249 · 21
  18. 18. Mythen und Fallbeispiele Abschnitt 250–269 · 20
  19. 19. Besondere Kinder und Entscheiden Abschnitt 270–287 · 18