Blutiges Erbrechen, FPIAP und FPIES, Anaphylaxie – und die chirurgischen Erkrankungen, bei denen jede Stunde zählt: nekrotisierende Enterokolitis, Volvulus, Darmatresien.

  • Abschnitt 92 bis 105 von 287
  • Stand: 3. September 2026
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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel ersetzt keine Untersuchung. Sofortige medizinische Hilfe braucht ein Säugling insbesondere bei deutlich grünem Erbrechen, Atemnot, Bewusstseinsstörung, grauer oder blauer Haut, Krampfanfall, einem sehr harten und schmerzhaften Bauch, größeren Blutmengen, Kreislaufzeichen oder schwer krankem Eindruck. Neugeborene und junge Säuglinge können rasch erkranken; bei ihnen gilt eine besonders niedrige Schwelle zur ärztlichen Beurteilung.

Bei akuter Lebensgefahr gelten in Österreich 144 und europaweit 112. Die Vergiftungsinformationszentrale Österreich ist unter +43 1 406 43 43 erreichbar.

92 Blutiges Erbrechen

Hellrotes Blut spricht eher für frische Blutung, kaffeesatzartiges Material für durch Magensäure verändertes Blut. Quellen sind verschlucktes mütterliches Blut, wunde Brustwarzen, Schleimhautverletzung nach heftigem Erbrechen, Ösophagitis, Gerinnungsstörung oder selten Geschwür und Gefäßproblem.

In den ersten Lebenstagen kann ein Apt-Test mütterliches von kindlichem Blut unterscheiden. Menge, Kreislauf, Blässe, schwarzer Stuhl und Gerinnung bestimmen die Dringlichkeit.

Größere Menge, wiederholte Blutung oder krankes Kind werden sofort behandelt. Ein Foto hilft, aber blutige Textilien werden nicht ausgewaschen, bevor Fachpersonen die Menge gesehen haben.

93 Verschlucktes mütterliches Blut

Während der Geburt oder beim Stillen aus rissigen Brustwarzen kann ein Baby mütterliches Blut schlucken und später erbrechen oder im Stuhl ausscheiden. Das Kind ist häufig sonst gesund, und die Brust zeigt eine plausible Blutungsquelle.

Diese harmlose Möglichkeit darf eine kindliche Blutung nicht vorschnell erklären. Neugeborene mit Blut werden untersucht, besonders bei fehlender Vitamin-K-Prophylaxe, Blässe oder wiederholter Menge.

Stillberatung behandelt die Brustverletzung und verbessert Anlegen. Ob an der betroffenen Seite weitergestillt werden kann, hängt von Ursache und mütterlicher Infektion ab; gewöhnliche kleine Rhagaden sind kein automatischer Stillstopp.

94 Analfissur und Blutspuren

Eine Analfissur ist ein kleiner Einriss, meist nach hartem Stuhl. Typisch ist ein heller roter Streifen außen auf dem Stuhl oder an der Windel und Schmerz bei Entleerung. Die Fissur kann bei guter Beleuchtung sichtbar sein.

Behandlung macht den Stuhl dauerhaft weich, schützt die Haut und vermeidet weitere Verletzung. Wiederholtes Dehnen oder Einführen von Thermometern verschlechtert den Riss.

Blut wird nicht automatisch der Fissur zugeschrieben, wenn Stuhl weich ist, größere Mengen auftreten, das Baby krank wirkt oder Wachstum leidet. Der eigene Artikel zu Analfissuren vertieft Diagnostik und Therapie.

95 FPIAP: allergische Proktokolitis

Food protein-induced allergic proctocolitis ist eine nicht-IgE-vermittelte Reaktion des unteren Darms auf Nahrungsproteine, häufig Kuhmilch. Typisch sind kleine Mengen hellroten Blutes und Schleim bei einem sonst gesund wirkenden, gut gedeihenden jungen Säugling.

Andere Ursachen müssen bedacht werden. Bei gestillten Kindern kann eine zeitlich begrenzte mütterliche Kuhmilchprotein-Elimination versucht werden; bei Flaschenkindern extensiv hydrolysierte Nahrung. Die Besserung kann Tage bis wenige Wochen benötigen.

Zur Bestätigung gehört geplante Wiedereinführung, weil harmlose rektale Blutungen auch spontan enden. Breite Diäten ohne Beratung gefährden mütterliche und kindliche Nährstoffversorgung.

96 FPIES

Food protein-induced enterocolitis syndrome ist eine verzögerte, nicht-IgE-vermittelte Nahrungsallergie. Typisch sind wiederholtes heftiges Erbrechen ein bis vier Stunden nach einem Auslöser, Blässe, Schläfrigkeit und manchmal Durchfall oder Kreislaufabfall. Hautquaddeln und Atemwegszeichen fehlen oft.

Kuhmilch, Soja, Reis, Hafer und andere Lebensmittel können auslösen. Akute Reaktion benötigt Flüssigkeit, Überwachung und häufig Ondansetron nach ärztlichem Schema; Adrenalin behandelt FPIES nicht primär, wäre aber bei zusätzlicher Anaphylaxie nötig.

Diagnose basiert auf reproduzierbarem Muster und gegebenenfalls überwachten Provokationen. Auslöser werden gezielt gemieden, nicht pauschal alle Allergene.

97 Sofortallergie und Anaphylaxie

Quaddeln, Lippen- oder Gesichtsschwellung, Husten, pfeifende Atmung, wiederholtes Erbrechen und Kreislaufzeichen innerhalb von Minuten bis etwa zwei Stunden nach Nahrung können IgE-vermittelte Allergie anzeigen. Mehrere Organsysteme oder Atem- beziehungsweise Kreislaufbeteiligung bedeuten Anaphylaxie.

Adrenalin intramuskulär ist die wichtigste Notfallbehandlung. Antihistaminika lindern Hautsymptome, ersetzen Adrenalin aber nicht. Der Rettungsdienst wird gerufen.

Nach Abklärung erhalten Familien Auslöservermeidung, Notfallplan und gegebenenfalls Autoinjektor. Verzögerte Darmallergien und Laktoseintoleranz werden davon getrennt.

98 Nekrotisierende Enterokolitis

NEC ist eine schwere entzündliche Darmerkrankung vor allem sehr unreifer Frühgeborener. Zeichen sind zunehmende Bauchdistension, Fütterintoleranz, gallige Magenreste, Blut im Stuhl, Temperaturinstabilität, Apnoen und Kreislaufverschlechterung. Frühe Zeichen können unspezifisch sein.

Diagnostik umfasst Untersuchung, Labor und wiederholte Bildgebung. Nahrung wird pausiert, Magen entlastet, Antibiotika und Intensivunterstützung werden gegeben; Perforation oder abgestorbener Darm erfordern Chirurgie.

Muttermilch senkt das NEC-Risiko gegenüber reiner Formulanahrung, beseitigt es aber nicht. Probiotikaprogramme bei Frühgeborenen werden stationsbezogen nach Produktqualität und Risiko entschieden.

99 Volvulus und Malrotation

Bei Malrotation liegt der Darm nach der Embryonalentwicklung ungünstig fixiert. Er kann sich um seine Gefäßachse drehen; beim Volvulus wird die Blutversorgung abgeschnürt. Das kann in Stunden zu Darmverlust und Schock führen.

Das Leitsymptom ist deutlich grünes Erbrechen, oft bei zuvor gesundem Baby. Schmerz, Blässe, Blut und Bauchdistension können später folgen. Ein anfangs weicher Bauch schließt den Volvulus nicht aus.

Sofortige kinderchirurgische Abklärung, Stabilisierung und Bildgebung sind nötig. Nahrung, Zäpfchen und Abwarten sind falsch. Operation löst die Drehung und ordnet beziehungsweise fixiert den Darm nach dem Ladd-Verfahren.

100 Mekoniumpfropf und Small-Left-Colon-Syndrom

Ein Mekoniumpfropf kann den Dickdarm eines Neugeborenen vorübergehend blockieren. Beim Small-Left-Colon-Syndrom ist der linke Dickdarm funktionell eng; häufiger betroffen sind Kinder diabetischer Mütter. Beide können sich mit ausbleibendem Stuhl, geblähtem Bauch und Erbrechen zeigen.

Ein wasserlöslicher Kontrasteinlauf kann Diagnose und Therapie zugleich sein. Trotzdem wird anschließend geprüft, ob Hirschsprung-Krankheit, Mukoviszidose oder eine andere Ursache zugrunde liegt, besonders wenn die Beschwerden zurückkehren.

Der spontane Abgang eines Pfropfs beendet nicht jede Abklärung. Grünes Erbrechen und erneute Distension bleiben Warnzeichen.

101 Darmatresien und angeborene Verschlüsse

Atresie bedeutet, dass ein Darmabschnitt nicht durchgängig angelegt ist. Je höher der Verschluss liegt, desto früher tritt Erbrechen auf; unterhalb des Magenausgangs ist es oft gallig-grün. Bauchdistension hängt von der Höhe ab.

Pränatal können vermehrtes Fruchtwasser oder erweiterte Darmschlingen auffallen. Nach Geburt zeigen Röntgen und Kontrastuntersuchungen Ort und Art. Behandlung ist chirurgisch, nachdem Flüssigkeit, Elektrolyte, Temperatur und Magenentlastung stabilisiert wurden.

Ein Neugeborenes mit wiederholtem grünem Erbrechen erhält keine „Refluxbeobachtung“. Angeborener Verschluss muss dringend ausgeschlossen werden.

102 Leistenbruch und Hodentorsion als Bauchproblem

Ein Leistenbruch kann Darm enthalten. Wird er eingeklemmt, entsteht eine schmerzhafte, feste, nicht zurückweichende Schwellung in Leiste oder Hodensack, häufig mit Erbrechen und Unruhe. Die Durchblutung von Darm oder Hoden kann gefährdet sein.

Bei Hodentorsion dreht sich der Samenstrang. Säuglinge können nur schreien oder erbrechen; der Hodensack ist gerötet, geschwollen oder asymmetrisch. Zeit bis zur Operation beeinflusst die Chance, den Hoden zu erhalten.

Bei Bauchbeschwerden gehört daher der Windelbereich zur Untersuchung. Eltern versuchen eine schmerzhafte Schwellung nicht mit Kraft zurückzudrücken.

103 NEC nach Entlassung und bei reifen Kindern

Die meisten NEC-Fälle treten auf der Neugeborenenintensivstation auf. Selten erkranken reife Neugeborene, besonders bei Herzfehlern, Durchblutungsproblemen oder anderen Belastungen. Frühgeborene können auch nach Verlegung noch gefährdet sein.

Neue Bauchdistension, Blut, gallige Reste, Temperaturinstabilität, Atempausen oder zunehmende Schläfrigkeit werden sofort beurteilt. Eine frühere gute Nahrungsverträglichkeit schließt NEC nicht aus.

Nach überstandener NEC können Engstellen, Kurzdarm oder Fütterprobleme folgen. Nachsorge kontrolliert Wachstum, Stuhl, Bauch und Entwicklung.

104 Kurzdarmsyndrom

Nach Entfernung großer Darmabschnitte, etwa wegen NEC oder Volvulus, kann die verbleibende Oberfläche Nährstoffe und Flüssigkeit zunächst nicht ausreichend aufnehmen. Das Kurzdarmsyndrom führt zu hohen Stuhl- oder Stomaverlusten, Mangelernährung und Elektrolytproblemen.

Der Darm kann sich über Monate bis Jahre anpassen. Spezialisierte Darmrehabilitation kombiniert enterale Ernährung, gegebenenfalls parenterale Ernährung, Medikamente und sorgfältige Katheterpflege. Muttermilch ist häufig besonders wertvoll.

Ziel ist möglichst viel sichere Ernährung über den Darm, ohne Wachstum oder Leber zu gefährden. Ungeplante Diäten können die Anpassung behindern.

105 Leben mit einem Stoma

Ein Stoma leitet Darm vorübergehend oder dauerhaft durch die Bauchhaut aus. Aussehen und Stuhlmenge hängen davon ab, welcher Darmabschnitt verwendet wurde. Dünndarmstoma kann sehr flüssige, salzreiche Verluste verursachen.

Eltern lernen Beutelversorgung, Hautschutz, Messung der Ausscheidung und Warnzeichen. Ein gesundes Stoma ist feucht und rosig bis rot. Dunkle Verfärbung, starke Blutung, plötzlich fehlende Ausscheidung mit Erbrechen, Einziehung oder ausgeprägtes Hervortreten werden rasch beurteilt.

Gewicht, Urin und Elektrolyte zeigen, ob Flüssigkeit und Natrium reichen. Eigenmächtiges Verdünnen der Nahrung ist gefährlich.

Alle Kapitel dieses Ratgebers

  1. 1. Einordnen und beobachten Abschnitt 1–7 · 7
  2. 2. Stuhl: was normal ist Abschnitt 8–15 · 8
  3. 3. Durchfall, Blut und Verstopfung Abschnitt 16–33 · 18
  4. 4. Spucken, Erbrechen und Gedeihen Abschnitt 34–49 · 16
  5. 5. Verstopfung im Detail Abschnitt 50–64 · 15
  6. 6. Gastroenteritis im Detail Abschnitt 65–82 · 18
  7. 7. Reflux im Detail Abschnitt 83–91 · 9
  8. 8. Blutung, Allergie und chirurgische Ursachen Abschnitt 92–105 · 14
  9. 9. Leber, Galle und Unverträglichkeiten Abschnitt 106–125 · 20
  10. 10. Fütterung und Zubereitung Abschnitt 126–141 · 16
  11. 11. Medikamente und Hausmittel Abschnitt 142–152 · 11
  12. 12. Tests und Untersuchungen Abschnitt 153–168 · 16
  13. 13. Beobachten zu Hause Abschnitt 169–183 · 15
  14. 14. Hygiene, Impfung und Frühgeborene Abschnitt 184–199 · 16
  15. 15. Beikost Abschnitt 200–210 · 11
  16. 16. Entscheidungsmatrizen und Alter Abschnitt 211–228 · 18
  17. 17. Mittel richtig anwenden Abschnitt 229–249 · 21
  18. 18. Mythen und Fallbeispiele Abschnitt 250–269 · 20
  19. 19. Besondere Kinder und Entscheiden Abschnitt 270–287 · 18