Sofortmaßnahmen bei Nasenbluten
Was in den ersten Minuten zu tun ist, was besser unterbleibt und woran erkennbar wird, dass es kein gewöhnliches Nasenbluten mehr ist. Dieses Kapitel steht bewusst am Anfang – es ist das, was im Moment der Blutung gebraucht wird.
Wichtiger Hinweis
Die meisten Nasenblutungen bei Kindern sehen dramatischer aus, als sie medizinisch sind. Fast immer stammt das Blut aus kleinen Gefäßen im vorderen Teil der Nasenscheidewand. Mit der richtigen Technik hört die Blutung meist auf.
Das Kind aufrecht hinsetzen, den Kopf leicht nach vorn neigen und den weichen Teil der Nase direkt unterhalb des knöchernen Nasenrückens fest zusammendrücken. Mindestens zehn Minuten ohne Loslassen drücken und durch den Mund atmen lassen. Nicht zwischendurch nachsehen. Blut aus dem Mund ausspucken lassen, nicht absichtlich schlucken.
Sofort 144 beziehungsweise 112 rufen, wenn das Kind kreislaufinstabil wirkt, schwer atmet, sehr viel Blut verliert, bewusstlos wird, Blut nach schwerer Kopf- oder Gesichtsverletzung austritt oder die Blutung trotz korrekt ausgeführter Kompression nicht beherrschbar ist. Bei bekannter schwerer Gerinnungsstörung gilt der persönliche Notfallplan.
Österreich: Rettung 144, Euro-Notruf 112.
1 Sofortplan: Was Eltern jetzt tun
- Ruhe bewahren und das Kind beruhigen.
- Kind aufrecht hinsetzen, Oberkörper leicht nach vorn.
- Mund öffnen und durch den Mund atmen lassen.
- Den weichen Nasenteil mit Daumen und Zeigefinger vollständig zusammendrücken.
- Zehn Minuten ununterbrochen halten; eine Uhr stellen.
- Blut, das in den Mund gelangt, ausspucken lassen.
- Nach zehn Minuten vorsichtig lösen. Blutet es noch, nochmals zehn Minuten korrekt drücken.
- Bei starker, anhaltender Blutung oder schlechtem Allgemeinzustand medizinische Hilfe holen.
Dieser Ablauf ist einfach, wird aber häufig falsch ausgeführt. Entscheidend ist nicht Druck auf die knöcherne Nasenwurzel, sondern auf die weichen Nasenflügel. Wer alle zwei Minuten kontrolliert, reißt den entstehenden Blutpfropf immer wieder auf.
2 Was man nicht tun sollte
Den Kopf nicht in den Nacken legen. Dadurch verschwindet das Blut nur aus dem Blickfeld und läuft in Rachen und Magen. Das Kind kann sich verschlucken, husten oder später Blut erbrechen. Geschlucktes Blut reizt den Magen und verursacht häufig Übelkeit.
Das Kind nicht flach hinlegen, solange es wach und kreislaufstabil ist. Keine Taschentücher, Watte oder Toilettenpapier tief in die Nase stopfen. Solches Material saugt sich fest, verletzt beim Herausziehen erneut die Schleimhaut und kann als Fremdkörper zurückbleiben.
Nicht kräftig schnäuzen, bohren oder einen sichtbaren Schorf abziehen. Eis darf nie direkt in die Nase oder auf die Haut gedrückt werden. Ein kühler Waschlappen kann beruhigen, ersetzt aber die Nasenkompression nicht.
Der häufigste Fehler: Kopf in den Nacken
Kopf nach hinten
Kopf leicht nach vorn
Ebenfalls nicht: das wache, kreislaufstabile Kind flach hinlegen · Taschentücher, Watte oder Toilettenpapier tief in die Nase stopfen (das Material saugt sich fest, verletzt beim Herausziehen erneut und kann als Fremdkörper zurückbleiben) · kräftig schnäuzen, bohren oder einen sichtbaren Schorf abziehen · Eis direkt in die Nase oder auf die Haut drücken.
3 Wann der Rettungsdienst nötig ist
Ein Notruf ist angebracht bei:
- Bewusstlosigkeit, Atemnot oder nicht normaler Atmung
- blasser, kalter oder schweißiger Haut, Schwäche, Kollaps oder Verwirrtheit
- sehr starker Blutung, bei der Blut trotz Kompression in Mund und Rachen strömt
- schwerer Kopf-, Gesichts- oder Halsverletzung
- Verdacht auf eine Batterie oder einen gefährlichen Fremdkörper in der Nase
- Blutung bei bekannter schwerer Gerinnungsstörung, wenn der Notfallplan dies vorsieht
- einer Blutung, die sich mit zwei korrekt ausgeführten Druckphasen nicht beherrschen lässt
- Unsicherheit, ob das Kind Blut einatmet oder der Atemweg gefährdet ist.
Zeitangaben sind Orientierung, kein Grund, ein sichtbar instabiles Kind lange zu Hause zu behandeln. Bei massiver Blutung wird sofort Hilfe gerufen und währenddessen weiter komprimiert.
Wann der Rettungsdienst nötig ist
Zustand des Kindes
Bewusstlosigkeit, Atemnot oder nicht normale Atmung · blasse, kalte oder schweißige Haut, Schwäche, Kollaps oder Verwirrtheit.
Menge und Verlauf
Sehr starke Blutung, bei der Blut trotz Kompression in Mund und Rachen strömt · eine Blutung, die sich mit zwei korrekt ausgeführten Druckphasen nicht beherrschen lässt.
Ursache
Schwere Kopf-, Gesichts- oder Halsverletzung · Verdacht auf eine Batterie oder einen anderen gefährlichen Fremdkörper in der Nase.
Vorerkrankung
Blutung bei bekannter schwerer Gerinnungsstörung, wenn der persönliche Notfallplan das vorsieht · Unsicherheit, ob das Kind Blut einatmet oder der Atemweg gefährdet ist.
Alle Kapitel dieses Ratgebers
- 1. Sofortmaßnahmen bei Nasenbluten Abschnitt 1–3 · 3
- 2. Richtig helfen und einordnen Abschnitt 4–10 · 7
- 3. Ursachen und Auslöser Abschnitt 11–22 · 12
- 4. Abklärung in der Praxis Abschnitt 23–27 · 5
- 5. Behandlung Abschnitt 28–36 · 9
- 6. Vorbeugen und Alltag Abschnitt 37–47 · 11
- 7. Fragen, Einordnung und Quellen Abschnitt 48–56 · 9
Hinweis zur Entstehung dieses Beitrags
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