Warum Nasenbluten bei Kindern so häufig ist, woher das Blut fast immer stammt und wie die Drucktechnik richtig angewandt wird. Dazu die Frage, die Eltern am meisten beschäftigt: Wie viel Blut ist es wirklich?

Wichtiger Hinweis

Die meisten Nasenblutungen bei Kindern sehen dramatischer aus, als sie medizinisch sind. Fast immer stammt das Blut aus kleinen Gefäßen im vorderen Teil der Nasenscheidewand. Mit der richtigen Technik hört die Blutung meist auf.

Das Kind aufrecht hinsetzen, den Kopf leicht nach vorn neigen und den weichen Teil der Nase direkt unterhalb des knöchernen Nasenrückens fest zusammendrücken. Mindestens zehn Minuten ohne Loslassen drücken und durch den Mund atmen lassen. Nicht zwischendurch nachsehen. Blut aus dem Mund ausspucken lassen, nicht absichtlich schlucken.

Sofort 144 beziehungsweise 112 rufen, wenn das Kind kreislaufinstabil wirkt, schwer atmet, sehr viel Blut verliert, bewusstlos wird, Blut nach schwerer Kopf- oder Gesichtsverletzung austritt oder die Blutung trotz korrekt ausgeführter Kompression nicht beherrschbar ist. Bei bekannter schwerer Gerinnungsstörung gilt der persönliche Notfallplan.

Österreich: Rettung 144, Euro-Notruf 112.

4 Warum Nasenbluten bei Kindern so häufig ist

Die Nasenschleimhaut erwärmt, befeuchtet und filtert täglich große Mengen Atemluft. Dafür ist sie besonders gut durchblutet. Im vorderen Bereich der Nasenscheidewand liegen viele feine Gefäße dicht unter einer dünnen Schleimhaut. Schon Reiben, trockene Luft oder ein Fingernagel können sie öffnen.

Kinder erkunden ihre Nase, haben häufig Infekte und können Juckreiz schlechter ignorieren. Im Winter trocknen beheizte Räume die Schleimhaut aus; bei Allergien kommen Entzündung und häufiges Wischen hinzu. Diese Kombination erklärt die meisten wiederkehrenden Blutungen, ohne dass eine gefährliche Erkrankung vorliegt.

Bei Säuglingen und Kindern unter zwei Jahren ist Nasenbluten deutlich ungewöhnlicher. Hier werden Unfall, Fremdkörper, Entzündung, Medikamenteneinwirkung und eine Blutungsneigung besonders sorgfältig geprüft.

5 Woher das Blut meist kommt: der Locus Kiesselbachi

Der häufigste Blutungsort heißt Locus Kiesselbachi oder Little-Areal. Er liegt vorne auf der Nasenscheidewand, also der Trennwand zwischen beiden Nasenhöhlen. Dort treffen Äste mehrerer Arterien in einem dichten Gefäßnetz zusammen.

Vorderes Nasenbluten fließt meist aus einem Nasenloch nach vorn und lässt sich gut zusammendrücken. Hintere Blutungen entstehen weiter hinten, laufen eher in den Rachen und sind bei Kindern selten. Sie können schwieriger zu stillen sein und gehören rasch ärztlich versorgt.

„Vorne“ und „hinten“ beschreiben die Lage der Blutungsquelle, nicht den Schweregrad allein. Auch eine vordere Blutung kann stark sein, besonders bei Gerinnungsstörung oder Schleimhautverletzung.

Woher das Blut meist kommt

Tippen oder klicken Sie auf einen Punkt der schematischen Nase.

hinterer Abschnitt (selten Blutungsquelle)

Einen Punkt wählen.

Schematische, nicht maßstabsgetreue Darstellung. Sie soll nur erklären, warum der Druck auf die weichen Nasenflügel wirkt: Die Blutungsquelle liegt fast immer so weit vorn, dass sie sich von außen zusammendrücken lässt.

6 Die richtige Drucktechnik Schritt für Schritt

Eltern ertasten zunächst den Übergang vom harten Nasenbein zum beweglichen, weichen Nasenteil. Daumen und Zeigefinger liegen seitlich auf den Nasenflügeln. Beide Seiten werden so zusammengedrückt, dass die weiche Nasenscheidewand zwischen ihnen komprimiert wird. Das Kind atmet durch den Mund.

Der Druck muss fest genug sein, die Blutungsstelle wirklich abzudrücken, darf aber nicht unnötig schmerzhaft werden. Eine Uhr oder ein Handy-Timer verhindert das zu frühe Loslassen. Mindestens zehn Minuten sind für die häusliche Erste Hilfe praktikabel; Leitlinien fordern einen festen, anhaltenden Druck von mindestens fünf Minuten und viele pädiatrische Dienste empfehlen zehn Minuten.

Bei fortbestehender Blutung wird die Position korrigiert und eine zweite, ununterbrochene Zehn-Minuten-Phase begonnen. Ein größeres Kind kann selbst drücken, wenn es zuverlässig durchhält; bei einem aufgeregten jüngeren Kind übernimmt eine erwachsene Person.

Zehn-Minuten-Timer für die Nasenkompression

Der Ablauf ist einfach – und wird trotzdem meist falsch ausgeführt, weil zu früh nachgesehen wird. Starten Sie den Timer, sobald Sie drücken, und lassen Sie bis zum Signal nicht los.

10:00

Daumen und Zeigefinger seitlich auf die weichen Nasenflügel legen – nicht auf das harte Nasenbein – und beide Seiten fest zusammendrücken. Das Kind sitzt aufrecht, Oberkörper leicht nach vorn, und atmet durch den Mund.

Nicht zwischendurch nachsehen: Wer alle zwei Minuten kontrolliert, reißt den entstehenden Blutpfropf immer wieder auf und verlängert die Blutung.
Leitlinien fordern einen festen, anhaltenden Druck von mindestens fünf Minuten; viele pädiatrische Dienste empfehlen zehn Minuten – das ist für die häusliche Erste Hilfe die praktikablere Vorgabe. Blutet es danach weiter, folgt eine zweite, ununterbrochene Zehn-Minuten-Phase mit korrigierter Fingerposition. Der Timer ersetzt keine ärztliche Beurteilung: Bei sichtbar instabilem Kind wird sofort Hilfe gerufen und währenddessen weiter komprimiert.

7 Warum nach vorn beugen besser ist

Die leichte Vorneigung schützt den Atemweg und macht sichtbar, wie viel Blut tatsächlich nach vorn austritt. Blut, das in den Mund gelangt, wird in ein Tuch oder eine Schale ausgespuckt. Das ist nicht gefährlich oder „unhöflich“, sondern verhindert Übelkeit.

Ein stark nach unten gebeugter Kopf ist nicht nötig und kann bei einem schwachen Kind unangenehm sein. Gemeint ist eine bequeme aufrechte Haltung mit leichtem Vorneigen. Das Kind wird nicht allein gelassen.

Wenn das Kind plötzlich schläfrig, kurzatmig oder nicht mehr ansprechbar wird, endet die normale Sitzposition. Dann gelten Atemwegs- und Wiederbelebungsmaßnahmen nach Anleitung des Notrufs.

8 Kühlung: möglich, aber nicht entscheidend

Ein kühler Waschlappen auf Stirn, Wangen oder Nacken wird von manchen Kindern als angenehm empfunden. Ob äußere Kühlung die Nasenblutung relevant verkürzt, ist nicht gut belegt. Die wirksame Maßnahme bleibt die direkte Kompression.

Keine Eiswürfel in das Nasenloch stecken und keine gefrorenen Kühlpacks direkt auf die Haut legen. Kälte soll weder die Drucktechnik unterbrechen noch den Hilferuf verzögern.

9 Nach Ende der Blutung

Wenn die Blutung aufgehört hat, bleibt das Kind zunächst ruhig sitzen. Für etwa 24 Stunden werden kräftiges Schnäuzen, Nasebohren, anstrengender Sport, heißes Baden und sehr heiße Getränke vermieden. Die genauen Empfehlungen können nach Verödung oder Tamponade länger gelten.

Niesen lässt sich nicht immer verhindern. Wenn möglich mit offenem Mund niesen, damit weniger Druck in der Nase entsteht. Ein entstandener Schorf ist ein natürlicher Wundverschluss und wird nicht entfernt.

Bei erneutem Bluten beginnt dieselbe Kompression von vorn. Wiederholtes leichtes Nachsickern ist kein Grund zur Panik, sollte bei häufigem Auftreten aber dokumentiert und ärztlich besprochen werden.

10 Wie viel Blut ist es wirklich?

Blut verteilt sich auf Gesicht, Kleidung und Waschbecken und wirkt dadurch nach viel mehr. Auch mit Speichel vermischtes Blut sieht dramatisch aus. Eltern müssen zu Hause keine Milliliter schätzen.

Wichtiger sind Dauer, Geschwindigkeit und Allgemeinzustand: Tropft es langsam oder läuft es kontinuierlich? Wird ein Tuch nach dem anderen durchnässt? Gelangt viel Blut in den Rachen? Ist das Kind blass, schwach, schwindelig oder ungewöhnlich schläfrig?

Fotos können bei wiederholten Episoden helfen, sofern sie die Erste Hilfe nicht verzögern. Uhrzeit, geschätzte Dauer, betroffene Seite und Auslöser sind für die Untersuchung wertvoller als eine unsichere Mengenangabe.

Alle Kapitel dieses Ratgebers

  1. 1. Sofortmaßnahmen bei Nasenbluten Abschnitt 1–3 · 3
  2. 2. Richtig helfen und einordnen Abschnitt 4–10 · 7
  3. 3. Ursachen und Auslöser Abschnitt 11–22 · 12
  4. 4. Abklärung in der Praxis Abschnitt 23–27 · 5
  5. 5. Behandlung Abschnitt 28–36 · 9
  6. 6. Vorbeugen und Alltag Abschnitt 37–47 · 11
  7. 7. Fragen, Einordnung und Quellen Abschnitt 48–56 · 9