Wenige Blutspuren beim Ablösen sind gewöhnlich, eine anhaltende Blutung ist es nicht. Dieses Kapitel trennt beides, erklärt die erste Hilfe und die Rolle von Vitamin K.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel erklärt typische Befunde und Warnzeichen, ersetzt aber weder die Untersuchung eines Neugeborenen noch individuelle Anweisungen von Hebamme, Kinderarztpraxis oder Geburtsklinik.

Ein Neugeborenes mit Rötung, die sich vom Nabel auf die Bauchhaut ausbreitet, übel riechendem eitrigem Sekret, Fieber oder Untertemperatur, Trinkschwäche, ungewöhnlicher Schläfrigkeit, grauer Hautfarbe oder Atemproblemen braucht sofortige medizinische Beurteilung. Eine Nabelinfektion kann sich in diesem Alter rasch im Körper ausbreiten. Nicht bis zum nächsten regulären Termin warten.

Starke Blutung, bei der Blut nach sanftem Druck weiterläuft oder eine Kompresse rasch durchnässt, ist ebenfalls dringend. Den Nabelrest niemals abziehen, abbinden, abschneiden oder mit Hausmitteln behandeln.

90 Wenige Blutspuren oder echte Blutung?

Beim Ablösen können ein kleiner roter Punkt an der Windel oder einige getrocknete Blutspuren auftreten. Das ähnelt einer kleinen Schürfwunde und hört rasch auf. Reibung durch Kleidung kann die frische Stelle noch einmal leicht öffnen.

Nicht normal ist Blut, das tropft, nachläuft, eine Kompresse durchnässt oder nach wiederholtem sanftem Druck erneut beginnt. Auch Blutungen an anderen Stellen, große blaue Flecken, Blässe oder auffällige Müdigkeit verändern die Dringlichkeit.

Ein Foto zeigt die Menge oft schlecht. Eltern beschreiben deshalb, wie viele Kompressen betroffen sind, ob frisches Blut nachkommt und wie das Baby wirkt. Bei fortlaufender Blutung sofort medizinische Hilfe holen.

91 Erste Hilfe bei Nabelblutung

Das Baby wird warm und sicher hingelegt. Mit einer sauberen sterilen Kompresse wird mehrere Minuten gleichmäßig sanfter Druck direkt auf die Blutungsstelle ausgeübt, ohne ständig anzuheben und nachzusehen. Watte ist ungünstig, weil Fasern haften bleiben können.

Hört die Blutung nicht zügig auf, läuft sie erneut oder wirkt das Baby blass, schlapp oder schlecht atmend, folgt sofortige ärztliche Hilfe beziehungsweise Notruf. Den Rest nicht mit Faden abbinden, nicht abschneiden und keine blutstillenden Pulver auftragen.

Auch eine gestoppte, zuvor deutliche Blutung sollte bei einem Neugeborenen noch am selben Tag besprochen werden. Die Ursache kann lokal sein, aber auch die Blutgerinnung betreffen.

Erste Hilfe bei einer Nabelblutung

So vorgehen

Das Baby warm und sicher hinlegen
↓
Mit einer sauberen sterilen Kompresse mehrere Minuten gleichmäßig sanften Druck direkt auf die Blutungsstelle geben
↓
Dabei nicht ständig anheben und nachsehen – der Druck muss wirken können
↓
Beschreiben können, wie viele Kompressen betroffen sind und ob frisches Blut nachkommt

Auf keinen Fall

Watte verwenden – Fasern bleiben haften
Den Rest mit einem Faden abbinden
Den Rest abschneiden
Blutstillende Pulver auftragen
Bis zum nächsten regulären Termin warten, wenn die Blutung nicht zügig aufhört

Hört die Blutung nicht zügig auf, läuft sie erneut oder wirkt das Baby blass, schlapp oder schlecht atmend: sofort ärztliche Hilfe beziehungsweise Notruf. Auch eine gestoppte, zuvor deutliche Blutung sollte bei einem Neugeborenen noch am selben Tag besprochen werden.

Warum eine Nabelblutung nicht immer eine Nabelsache ist

Häufige lokale Ursachen sind Zug am Rest, eine scheuernde Kante oder empfindliches Granulationsgewebe. Seltener blutet ein Gefäßrest, ein Polyp oder eine tiefer reichende Fehlbildung; auch eine Infektion kann Gewebe verletzlich machen.

Daneben kommen Störungen der Blutgerinnung infrage: Vitamin-K-Mangelblutung, angeborene Gerinnungsfaktor-Mängel, niedrige Blutplättchen oder Lebererkrankungen. Äußerlich lässt sich das nicht unterscheiden – deshalb umfasst die Untersuchung nicht nur die Blutungsstelle, sondern den ganzen Körper.

Die Vitamin-K-Prophylaxe nach der Geburt schützt genau vor diesen gefährlichen Blutungen. Wurde sie abgelehnt oder unvollständig gegeben, gehört das ungefragt erwähnt – es verändert die ärztliche Einschätzung sofort.
Ein Foto zeigt die Blutmenge oft schlecht. Hilfreicher ist die Beschreibung: wie viele Kompressen durchtränkt sind, ob frisches Blut nachkommt – und wie das Baby wirkt.

92 Mögliche Ursachen anhaltender Blutung

Häufige lokale Ursachen sind Zug am Rest, eine scheuernde Kante oder empfindliches Granulationsgewebe. Seltener blutet ein Gefäßrest, ein Polyp oder eine tiefer reichende Fehlbildung. Eine Infektion kann Gewebe ebenfalls verletzlich machen.

Daneben kommen Störungen der Blutgerinnung infrage. Dazu gehören Vitamin-K-Mangelblutung, angeborene Gerinnungsfaktor-Mängel, niedrige Blutplättchen oder Lebererkrankungen. Äußerlich lässt sich die Ursache nicht sicher unterscheiden.

Die Untersuchung umfasst die Blutungsstelle und den ganzen Körper. Je nach Befund werden Blutbild, Gerinnungswerte, Leberwerte und weitere Spezialtests veranlasst. Bei relevantem Blutverlust wird gleichzeitig der Kreislauf stabilisiert.

93 Vitamin K schützt vor gefährlichen Blutungen

Neugeborene haben von Natur aus geringe Vitamin-K-Vorräte. Vitamin K wird benötigt, damit mehrere Gerinnungsfaktoren funktionieren. Ohne Prophylaxe kann es zu frühen, klassischen oder späten Vitamin-K-Mangelblutungen kommen; Nabelblutung ist ein mögliches Zeichen der klassischen Form.

Die empfohlene Prophylaxe nach der Geburt senkt dieses Risiko stark. In Deutschland erhält ein Baby in der Regel bei U1, U2 und U3 jeweils 2 mg Vitamin K oral. In besonderen Situationen wird es einmalig gespritzt; international ist die Injektion häufig Standard. Entscheidend ist, das vereinbarte Schema vollständig einzuhalten.

Hat ein Baby keine oder unvollständige Prophylaxe erhalten, muss dies bei jeder Blutung sofort gesagt werden. Vitamin K zu Hause nachzugeben ersetzt bei aktueller Blutung keine Notfalluntersuchung.

94 Warnzeichen einer Gerinnungsstörung

Mehrere große blaue Flecken ohne passende Geburtsbelastung, punktförmige Hauteinblutungen, Blut im Stuhl oder Erbrochenen, anhaltendes Nasen- oder Mundbluten sowie Nachbluten aus Einstichstellen sind verdächtig. Blässe, Krampf, ungewöhnliche Schläfrigkeit oder gespannte Fontanelle können auf innere Blutung hinweisen.

Eine späte Vitamin-K-Mangelblutung kann ohne vorausgehende Warnblutung im Gehirn auftreten. Besonders gefährdet sind Babys ohne wirksame Prophylaxe und Kinder mit unerkannter Fettaufnahme- oder Leberstörung.

Eltern nennen Medikamente der Mutter, Familiengeschichte und Prophylaxe. Ein unauffälliger Nabel schließt andere Blutungen nicht aus; neurologische Auffälligkeiten sind sofortige Notfälle.

95 Wenn die Nabelschnur versehentlich abgerissen wird

Der Rest kann an Kleidung, Handtuch oder Windel hängen bleiben. Zuerst wird geprüft, ob frisches Blut nachläuft. Bei wenigen Spuren wird sauberer sanfter Druck angewendet und noch am selben Tag fachlich Rücksprache gehalten; bei stärkerer oder anhaltender Blutung gilt die Notfallregel.

Das abgerissene Stück muss nicht wieder befestigt werden. Keine Klebstoffe, Pflasterzüge oder Desinfektionsmittel in die Wunde geben. Die Stelle wird sauber und trocken gehalten.

Auch ohne Blutung achtet man in den folgenden Tagen auf Rötung, Schwellung, Eiter und Allgemeinsymptome. Ein versehentliches Hängenbleiben ist belastend, bedeutet aber nicht automatisch, dass Eltern grob oder schuldhaft gehandelt haben.

Alle Kapitel dieses Ratgebers

  1. 1. Nabelschnur und Nabelrest Abschnitt 1–15 · 15
  2. 2. Was auf den Nabel gehört – und was nicht Abschnitt 16–24 · 9
  3. 3. Nabelinfektion (Omphalitis) Abschnitt 25–37 · 13
  4. 4. Wenn der Nabelrest spät abfällt Abschnitt 38–41 · 4
  5. 5. Nabelgranulom Abschnitt 42–50 · 9
  6. 6. Feuchter Nabel: Dottergang und Urachus Abschnitt 51–59 · 9
  7. 7. Nabelbruch Abschnitt 60–74 · 15
  8. 8. Abnabeln und Nabelschnur Abschnitt 75–89 · 15
  9. 9. Blutung am Nabel Abschnitt 90–95 · 6
  10. 10. Reizungen, Baden und Alltag Abschnitt 96–107 · 12
  11. 11. Beobachten statt behandeln Abschnitt 108–119 · 12
  12. 12. Der Nabel Tag für Tag Abschnitt 120–129 · 10
  13. 13. Nachsorge und Zuständigkeiten Abschnitt 130–141 · 12
  14. 14. Fragen, Fehler und Mythen Abschnitt 142–149 · 8