Wie Flohbisse aussehen, woran ein Befall im Haushalt erkennbar wird, wie die Bisse beim Kind behandelt werden – und warum die Beseitigung im Wohnraum stattfindet, nicht auf der Haut.

Wichtiger Hinweis

Eine kleine Bissöffnung kann eine tiefe Verletzung verbergen. Katzenzähne können Bakterien bis zu Sehnen, Gelenken oder Knochen tragen; Hundebisse können Gewebe quetschen und zerreißen. Bisswunden im Gesicht, an Händen, Füßen, Genitalien, über Gelenken oder bei Säuglingen sollten besonders rasch ärztlich beurteilt werden. Das gilt auch bei starker Blutung, Funktionsverlust, Taubheit, ausgeprägter Schwellung, Fieber oder einem auffälligen beziehungsweise unbekannten Tier.

Nach möglichem Tollwutkontakt zählt die Zeit: Wunde sofort etwa 15 Minuten mit viel Wasser und Seife spülen und unverzüglich medizinisch beurteilen lassen. Das gilt insbesondere nach Biss oder Kratzer durch ein unbekanntes Tier im Ausland sowie nach direktem Kontakt mit einer Fledermaus. Nicht auf Symptome warten. Ein eigener ausführlicher Artikel behandelt Tollwut; die wichtigsten Sofortmaßnahmen werden hier dennoch erklärt.

Flöhe, Bettwanzen und Milben sind keine einheitliche Gruppe. Bettwanzen leben in der Umgebung, Krätzmilben in der menschlichen Haut, Hausstaubmilben beißen überhaupt nicht. Deshalb kann dieselbe rote, juckende Papel sehr unterschiedliche Ursachen haben. Die Haut zu behandeln, ohne die tatsächliche Quelle zu klären, führt häufig zu wochenlangen Rückfällen.

Bei Atemnot, Schwellung von Zunge oder Hals, Kreislaufproblemen, Bewusstseinsstörung, nicht stillbarer Blutung, schwerer Gesichts- oder Augenverletzung, einem Schlangenbiss oder einer massiven Tierattacke in Österreich sofort 144 oder 112 rufen.

28 Was sind Flöhe?

Flöhe sind flügellose, seitlich abgeflachte Insekten, die Blut saugen und weit springen können. In Haushalten mit Kindern sind meist Katzen- oder Hundeflöhe relevant. Sie bevorzugen Tiere, beißen aber Menschen, besonders wenn viele Flöhe vorhanden sind oder ein Tier als Wirt vorübergehend fehlt.

Der sichtbare Floh auf dem Tier ist nur ein Teil des Problems. Eier fallen in Teppiche, Fugen und Schlafplätze. Larven entwickeln sich in der Umgebung, Puppen können geschützt überdauern, und neue erwachsene Flöhe schlüpfen durch Wärme, Erschütterung und Kohlendioxidreize. Deshalb reicht eine einmalige Behandlung des Tieres oder der Haut nicht.

29 Wie sehen Flohbisse aus?

Typisch sind kleine, stark juckende rote Papeln, oft:

  • an Knöcheln und Unterschenkeln
  • in kleinen Gruppen
  • mit einem punktförmigen Zentrum
  • an Stellen unter lockerer Kleidung
  • bei Kindern auch ausgedehnter als bei Erwachsenen.

Manche Kinder entwickeln eine papulöse Urtikaria: eine länger anhaltende Überempfindlichkeitsreaktion auf Insektenstiche mit festen, stark juckenden Knötchen. Neue Läsionen können ältere scheinbar wieder aufflammen lassen.

Das Muster beweist die Ursache nicht. Mücken, Bettwanzen, Grasmilben, Krätze, Ekzem und andere Hautkrankheiten können ähnlich aussehen. Entscheidend sind Tierbefall und Umweltspuren.

30 Wie findet man heraus, ob Flöhe im Haushalt sind?

Hinweise sind:

  • häufiges Kratzen bei Hund oder Katze
  • kleine bewegliche dunkle Insekten im Fell
  • „Flohkot“ als schwarze Krümel, die auf feuchtem weißem Papier rötlich auslaufen
  • weiße Eier oder Larven in Tierlagerstätten
  • neue Bisse vor allem an den Beinen
  • gehäufte Beschwerden nach Rückkehr in eine zeitweise leere Wohnung.

Eine Tierärztin oder ein Tierarzt kann den Tierbefall prüfen. Wenn kein Haustier vorhanden ist, müssen auch Nagetiere, streunende Tiere, frühere Bewohner oder Tiernester als Quelle bedacht werden.

31 Wie werden Flohbisse beim Kind behandelt?

Die meisten Flohbisse heilen ohne spezielle Therapie. Sinnvoll sind:

  • sanftes Waschen
  • kühle feuchte Umschläge
  • kurze Fingernägel
  • Kratzen möglichst vermeiden
  • eine reizfreie Hautpflege
  • bei stärkerem Juckreiz eine altersgerechte, ärztlich oder pharmazeutisch empfohlene Behandlung.

Topische Kortikosteroide oder ein orales Antihistaminikum können bei ausgeprägten Reaktionen helfen, müssen aber zu Alter, Körperstelle und Hautzustand passen. Bei Säuglingen, großflächigem Ausschlag oder Anwendung im Gesicht gehört die Auswahl in fachliche Hände. Lokale Antihistaminika, ätherische Öle und häufig wechselnde Hausmittel können Kontaktallergien oder Reizungen verursachen.

Eiter, honiggelbe Krusten, zunehmende Wärme, Schmerz, rote Streifen oder Fieber sprechen für eine sekundäre bakterielle Infektion und benötigen ärztliche Beurteilung.

32 Wie beseitigt man Flöhe nachhaltig?

Ein wirksames Vorgehen behandelt gleichzeitig Tier und Umgebung:

  1. Alle Hunde und Katzen tierärztlich passend behandeln, auch wenn nur ein Tier sichtbar befallen ist.
  2. Mittel exakt nach Tierart und Gewicht verwenden. Ein für Hunde geeignetes Permethrinprodukt kann für Katzen lebensgefährlich sein.
  3. Tierdecken, waschbare Bezüge und Textilien heiß beziehungsweise nach Herstellerangabe waschen und trocknen.
  4. Teppiche, Polstermöbel, Fugen, Sockelleisten und Tierplätze häufig gründlich saugen.
  5. Staubsaugerbeutel oder Behälterinhalt verschlossen außerhalb der Wohnräume entsorgen.
  6. Behandlung entsprechend dem Lebenszyklus und tierärztlichen Plan wiederholen.
  7. Bei starkem oder anhaltendem Befall professionelle Schädlingsbekämpfung einbeziehen.

Flohmittel für Tiere gehören niemals auf die Haut eines Kindes. Umgekehrt darf ein Humanarzneimittel nicht ohne tierärztliche Empfehlung am Tier verwendet werden. Vernebler oder „Fogger“ erreichen Puppen in Verstecken oft schlecht und können Menschen und Tiere unnötig belasten.

33 Welche Krankheiten können Flöhe übertragen?

In Mitteleuropa verursachen Flöhe meist lokale Hautreaktionen. Weltweit können sie jedoch Erreger von Flohfleckfieber beziehungsweise murinem Typhus und Pest übertragen. Die Bedeutung hängt stark von Reiseland, Tierreservoir und lokaler Epidemiologie ab.

Flöhe unterstützen außerdem die Verbreitung von Bartonella henselae unter Katzen. Der Mensch erkrankt meist nach Katzenkratzern, die mit erregerhaltigem Flohkot verunreinigt sind, nicht allein durch den Flohbiss.

Der Hunde- und Katzenbandwurm Dipylidium caninum kann übertragen werden, wenn ein Kind versehentlich einen infizierten Floh verschluckt. Das ist selten, betrifft aber überwiegend Kinder. Auffällig können bewegliche oder getrocknete, reiskornähnliche Bandwurmglieder am After oder im Stuhl sein. Die Infektion ist gut behandelbar; gleichzeitig müssen Haustier und Flohbefall behandelt werden.

Fieber, starker Kopfschmerz, Ausschlag oder schwere Allgemeinsymptome nach Floh- oder Nagetierkontakt im Ausland sollten mit genauer Reiseanamnese ärztlich abgeklärt werden.

Alle Kapitel dieses Ratgebers

  1. 1. Tierbisse: die ersten Schritte Abschnitt 1–9 · 9
  2. 2. Besondere Bisse und Erreger Abschnitt 10–22 · 13
  3. 3. Ärztliche Versorgung und Vorbeugung Abschnitt 23–27 · 5
  4. 4. Flöhe Abschnitt 28–33 · 6
  5. 5. Bettwanzen Abschnitt 34–41 · 8
  6. 6. Krätze (Skabies) Abschnitt 42–54 · 13
  7. 7. Milben und juckende Hautstellen Abschnitt 55–68 · 14
  8. 8. Irrtümer, Einordnung und Quellen Abschnitt 69–73 · 5